Manche gehen zum Lachen in die Moschee!

Es ist kurz vor sechs Uhr und ich sitze im Bus Richtung Duisburg. Heute wird dort nämlich „Kabarett am Minarett“ stattfinden. In der Moschee trifft Jürgen Becker auf Meltem Kaptan, Özgür Cebe und Willibert Pauels.

Das Kabarett erobert nach und nach neue Räume. Die Stand-Up-Comedian Carolin Kebekus spielt seit einiger Zeit im Pascha und heute wird ihre Kollegin Meltem Kaptan in einer Moschee auftreten. Die eine geht in den Puff, die andere in ein Gotteshaus. Jede Frau hat so ihre Präferenzen.

Obwohl es eine Gemeinsamkeit gibt zwischen dem Puff in Köln und der Moschee in Duisburg. Beide Einrichtungen sind gleich tolerant. Weder Frau Kebekus im Puff noch Frau Kaptan in der Moschee müssen sich an die dort herrschenden Dresscodes halten. Frau Kebekus muss im Pascha nicht ficken und Frau Kaptan in der Moschee nicht beten. Sie dürfen, müssen aber nicht! Das ist gelebter Feminismus! Danke Puff! Danke Moschee!

Jürgen Becker ist übrigens sehr erfreut darüber, nach langem Suchen endlich eine Moschee gefunden zu haben, in der er Kabarett machen darf.

Ich frage mich da allerdings, warum endlich? Findet in einer Moschee nicht jeden Tag Kabarett statt? Eine Moschee ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um ihrem unsichtbaren Freund zu huldigen – ich finde das allein schon komisch genug. Zudem bedient sich jedes Gotteshaus der gleichen Bühnentechnik wie das Kabarett: die typische Repetitionen ständig gleicher Gags und Formeln. Menschen gehen ins Kabarett, um das zu hören, was sie hören wollen und eh schon tausend Mal gehört haben. Zudem gibt es im Kabarett das wohle Gefühl der Absolution. Kabarett und Gottesdienst erfüllen im Grunde die selbe Funktion.

Für mich ist jeder Gottesdienst Kabarett, obwohl es feine Unterschiede zwischen den Konfessionen gibt.

Am meisten mag ich die Travestieshows der Katholiken. Männer in Kleidern mit lustigen Hüten und brennenden Handtäschchen laden zum Dinner for the One. Dazu gibt es schöne Musicaleinlagen, etwas Tanz und manchmal sogar einen Hirtenstab.

Die Protestanten machen mehr eine dröge Lesung, gewürzt jedoch mit einer kabarettistischen Büttenrede in der Mitte der Veranstaltung. Diese Shows sind in der Regel eher langweilig, obwohl aus Amerika gerade frischer Wind kommt. Dort gibt es viel mehr Tratra, deutlich hippere Musik, eine Menge audience participation und nicht selten kleine Zaubereinlagen in Form von Hypnose.

In einer Moschee gibt es dafür Tanztheater. Da wird gekniet, gestanden, geschunkelt und verbeugt, über die Schultern geschaut und in alle Richtungen umarmt. Das ganze findet, wie es sich für anständiges Tanztheater versteht, in lustigen Kostümen und in einer Sprache statt, die nur der eingeweihte Zuschauer verstehen kann, der dieser Form der Kunst schon seit geraumer Zeit frönt.

In einer Synagoge gibt es Broadway Shows. Regelmäßig finden Boulevardkomödien statt. Alle reden durcheinander, kaum jemand hört zu und am Ende gehen alle genau so dumm, wie sie gekommen sind, nur etwas beschwipster. Ach ja, und die Preise für die Plätze in den ersten Reihen sind deutlich höher als für die Plätze ganz hinten und in der Loge geht es zu wie im Hühnerstall!

Jede Religion hat somit ihre eigene Show. Jetzt heißt es erstmal “Kabarett am Minarett”. Ich bin gespannt, vor allem, ob Kabarett ohne Alkohol funktioniert, denn Alkohol ist natürlich in der Moschee verboten. Und hier liegt auch der Hauptunterschied zwischen beiden Örtlichkeiten: Puffbrause ist leckerer und lockerer als Moscheebrause, dafür aber auch deutlich teurer!

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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