Pater Werner Holter antwortet

Eine Antwort von Pater Werner Holter.

Sehr geehrter Herr Buurmann,

sehr herzlich sage ich Dank für Ihre intensive Auseinandersetzung mit meinem Gastbeitrag. Die Absage hatte sicherlich auch den Gewinn, dass viele Menschen sich mit dem Thema Kunst und Religion auseinandergesetzt haben, zustimmend, aber auch kritisch. Unter der Rücksicht, dass wir in Sankt Peter diesen Dialog weiterführen wollen, ein gutes Zeichen.

In knappen Sätzen möchte ich auf Ihren Kommentar eingehen:

– Dass zum Glauben auch der Zweifel gehört, ist für mich das Natürlichste der Welt. Da gebe ich Ihnen unbedingt Recht.

– Was Sie über Ihre Sichtweise des Schweins schreiben, habe ich so noch nicht bedacht und finde es sehr wertvoll.

– Das Lamm würde ich nicht mit dem Schwein vergleichen, weil das Lamm schon seit dem Auszug aus Ägypten Bedeutungsträger für die Befreiung Israels geworden ist und in den prophetischen Bücher des Jesaja und in der ntl. Apokalypse als Symboltier für den unschuldig „geschlachteten“ Gerechten aber auch für dessen Sieg steht.

– Auch beim Wasser, das in Wein gewandelt wird, geht es um eine tiefere Schicht, die im Evangelium angezielt wird: Am Ende heißt es: „Und die Jünger glaubten an IHN“ . Der Wein symbolisiert letztlich den Qualitätsgewinn, der durch den Glauben uns Menschen geschenkt wird. Das ist im Sinne der Zeichentheologie des Johannes eigentlich das größere Wunder.

– Die „Judensau“ im Dom und in vielen anderen Darstellungen aus der Vergangenheit sollten uns sensibel werden lassen für die Gegenwart. Die Tatsache, dass sie im Dom immer noch zu sehen sind, halte ich für ein Akt der Wahrhaftigkeit, dass wir als Christen zu dem stehen, was an Diskriminierungen in der Geschichte geschehen ist. Und nicht nur Diskriminierungen, sondern bis hin zum „Abschlachten“ und „Vergasen“. Für mich sind sie warnende Zeichen der Vergangenheit für die Gegenwart. Wäre eine Beseitigung nicht buchstäblich eine „Vertuschung“ der Vergangenheit, die gar noch nicht so alt ist?

– Nicht nur was Luther über die Juden geschrieben hat, ist zu verwerfen. Auch andere Geistesgrößen wie Goethe, Nietzsche und Wagner haben da munter verbal drauf eingehauen.

– Die ursprünglichen Karfreitags-Fürbitten wurden nur für den Tridentinischen Ritus wieder zugelassen. In 99 % aller Liturgien der katholischen Kirchen werden die neuen gelesen. Dort heißt es: „Lasst uns beten für die Juden, zu denen Gott zuerst gesprochen hat: Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will.“ Diese Formulierung hätte ich gerne auch für die Tridentiner verpflichtend.

– Dass Sie am Karfreitag vor einem gekreuzigten Schwein beten wollen und könnten, kann ich nur respektieren. Mir selber wäre es nicht möglich. Für mich hängt am Kreuz die menschgewordene, unbedingte Liebe Gottes. Jesus wurde ja nicht einfach so ans Kreuz geschlagen, sondern weil er das, was er war, radikal gelebt hat und deshalb in die Mühle der religiös und politisch Verantwortlichen geraten ist. Da ist für mich schon ein kleiner Unterschied zu einem unschuldig geschlachteten Schwein. Außerdem spreche ich nicht gerne bei Tieren von Unschuld. Unschuld korrespondiert mit Schuld, und Schuld setzt immer Freiheit voraus. Ein Schwein hat halt das Glück, nie moralisch schuldig zu werden.

– Summa summarum: Die Auseinandersetzung mit Ihnen lohnt sich, an unserer Entscheidung nagt sie nicht.

Mit freundlichen Grüßen:
Werner Holter SJ

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