Einmal Buchenwald und zurück

Gestern am späten Nachmittag war ich bei einer Diskussion mit Tuvia Tenenbom im Domforum in Köln. Nach der Diskussion meldete sich ein Mann im Publikum zu Wort und began seine Ausführung wie folgt: „Ich war zwar noch nie in Israel, aber ich war schon mal in Buchenwald.“ Dann folgte ein langer Monolog, in dem er sich selbst als Nahostexperte auswies. Ich muss gestehen, ich habe gelacht. Das ist doch wieder mal typisch: Wer einmal in Buchenwald war, ist sofort ein Experte in Judenfragen und wer Israel verstehen will, muss nicht nach Israel reisen; einmal Buchenwald und zurück reicht!

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35 Antworten zu Einmal Buchenwald und zurück

  1. Pingback: Presseerklärungen bitte nicht an deutsche Presse schicken! Gefährlich! | abseits vom mainstream - heplev

  2. Boris gerczikow schreibt:

    Auch ich war schon im Jahre 1955/56 in wolfratshausen Nähe München der vorzeigende.
    Unverändert ging es im der Schule ab 1957 in Frankfurt am Main weiter

  3. peter schreibt:

    „Ich war zwar noch nie in Israel, aber ich war schon mal in Buchenwald.”
    Hmm, das is doch eigentlich nur die verklausulierte Fassung der folgenden Aussage:
    „Mir sind tote Juden lieber als lebendige.“ Case closed.

  4. besucher schreibt:

    OT: der große bolivarische Commandante ist tot. Ich tippe auf eine jüdische Ärzteverschwörung die von der jüdischen Homosexuellen Opposition (Henrique Capriles Radonski) gesteuert wurde. Feuer frei, Herr Elsässer!

  5. caruso schreibt:

    Großartig! wie übrigens fast alles, was Du schreibst. Manchmal denke ich, Du bist „unbezahlbar“.
    Ich meine, gebe es Dich nicht, man müßte Dich erfinden. Danke!!!
    lg
    caruso

  6. Eitan Einoch schreibt:

    Ich habe vor knapp achtzehn Jahren die Ruinen des Todeslagers Auschwitz besucht. Nicht mit der Schulklasse oder einer Reisegruppe – nur ich, begleitet von meinen Großeltern. Ich fand den Ort irgendwie unheimlich, so eigenartig still – als könne man, wenn man sensibel genug ist, die Geister der Ermordeten spüren.
    Vor wenigen Wochen habe ich erfahren, dass ein paar Klassen der Schule, an der ich unter anderem tätig bin, eine Exkursion nach Auschwitz und zum jüdischen Friedhof in Krakau machten – und deswegen mein AG-Angebot ausfallen müsse. Irgendwie pervers, finde ich! Es klingt so, als ob die Schüler einen Ausflug nach Disneyland machen würden. Mittlerweile denke ich, es wäre besser, man würde mit all den „Gedenkstätten“ das nachholen, was man im Krieg versäumt hat – sie also dem Erdboden gleichmachen! Man könnte ja ein Naturschutzgebiet dort eröffnen oder was weiß ich. Dann gäbe es vielleicht einen pädagogischen Effekt!

    • Aristobulus schreibt:

      Denke ich auch manchmal, Eitan.
      Und dann wieder anders… weil noch immer Angehörige der Ermordeten dort hinfahren, um sowas Ähnliches wie ein Grab vor sich zu haben.

      • Eitan Einoch schreibt:

        @Aristobulus
        Letztlich wird man die „Gedenkstättenn“ unberührt lassen. Einfach weil sie Geld einbringen. Ich finde es dennoch ekelerregend. Als ich Soldat war und mein Zug auf dem NATO-Truppenübungslager in Niedersachsen zur Blockausbildung kurzzeitig stationiert war, hatte jemand die blendende Idee, Bergen-Belsen einen Besuch abzustatten. Ich gebe zu, mich hat dieser Ausflug überhaupt nicht berührt – ganz anders als Auschwitz ein paar Jahre zuvor. Woran lag es? Einerseits übersättigung mit diesem Thema. Andererseits hätten wir genauso gut den nächstbesten Freizeitpark besuchen können. Es hätte sich genauso angefühlt. Ich finde es ekelhaft – ein Ausflug zum KZ als fröhlicher Freizeitspaß! Es ist pietätlos, heuchlerisch und scheinheilig – dieser Holocaust-Tourismus ist meines Erachtens eiine Riesenschande! Wenn ÜBerlebende und ihre Nachkommen hinfahren, kann ich es noch nachvollziehen. Aber jedes Mal, wenn ein Schulleiter oder Klassenlehrer die wahnsinnig originelle Idee hat, eine Klassenfahrt nach Auschwitz zu veranstalten, läuft es mir kalt den Rücken runter und Ekel steigt in mir auf.

      • peter schreibt:

        Ausserdem haette Adam Kohn dann nicht vor Ort zu „I Will Suvive“ tanzen koennen!

    • Boris gerczikow schreibt:

      Wen sie die Schüler entsprechend vorbereiten kämmen sie zu der richtigen Auffassung. Stellen sie sich vor man würde alle Denkmäler auf der Weld zu Naturschutzgebiete umgestalten !

  7. Bergstein schreibt:

    Das eigentlich Schlimme ist nicht einmal, die Tatsache, dass das Thema drittes Reich und damit verbunden die Shoa im Geschichtsunterricht immer wieder behandelt wird (außer dem dritten Reich und der Französischen Revolution gibt es sowieso kaum Themen die ernsthaft behandelt werden, schon gar nicht die Geschichte der Länder außerhalb von Westeuropa), sondern dass es nicht einmal auf einem vernünftigen Niveau geschieht. Die Schilderung böse Nazis und arme Juden ist wohl kaum weiterführend, entspricht jedoch dem gewöhnlichen Schulunterricht. Der vom Herrn Buurmann zitierte Herr hat nie Geschichte gelernt, sondern nur Geschichten über vergangene Zeiten. Für ihn sind Buchenwald und Israel genauso nah bei einander, wie für ein kleines Kind eine Giraffe und ein Dino (beide haben schließlich ein langes Hals und essen Grünzeug von Bäumen). Ihm wird jedoch von Medien und Schule der Eindruck vermittelt, er hätte Ahnung von Juden, Israel usw. usf. Der Herr ersetzt dann die bösen Nazis und arme Juden einfach durch böse Juden und arme Palästinenser. In andere Kategorien als böse und gut kann er einfach nicht denken.

    • Aristobulus schreibt:

      Ja, genau. Die Formel geht jetzt so:
      Gut sind die Unterdrückten – und Böse ist Krieg.
      Weil die Leute dann doch nicht dabei ertappt werden wollen, dass sie an Märchen-Gutböse glauben, glauben sie lieber an die Ableitung.
      Die geht so:
      Damals waren die Juden gut, weil unterdrückt, und die Deutschen böse, weil sie Krieg gemacht haben. Seitdem unterdrücken die Juden die Palästinenser, und die Juden starten weltweit Kriege.

      [sch sch, hoffentlich nimmt mich jetzt keiner beim Wort ]

  8. zweitesselbst schreibt:

    Hm, hab grad gesehen, dass es heute auf Arte und morgen in der ARD den Film „Töte zuerst“ gibt. (–>> http://www.spiegel.de/kultur/tv/toete-zuerst-ndr-doku-ueber-den-israelischen-geheimdienst-schin-bet-a-886745.html ).

    Harter Einsatz vom israelischen Filmemacher Dror Moreh: „Wenn dieser Film nicht dazu führt, dass sich die Dinge ändern, gibt es keine Hoffnung für Israel“

    • Gutartiges Geschwulst schreibt:

      Hallo @zweitesselbst,
      der israelische Filmemacher Dror Moreh hat, zurückhaltend ausgedrückt, einen gehörigen Schlag mit der Wichsbürste!
      Leider hatte ich den „Spiegel“-Artikel bereits zu lesen begonnen, bevor ich bemerkte, dass dieser von Ulrike Putz stammt, womit sich ein zweiter Name impertiniert, der sich bestenfalls zum Vergessen eignet.
      SCHLAMM DRÜBER!

      • ceterum censeo schreibt:

        Wenn man die Lobeshymnen in unseren Einheitsmedien über solch doch recht einseitige Filme in unseren Einheitsmedien verfolgt, könnte man mit einer Verfilmung der „Protokolle der Weisen von Zion“ doch sicherlich zum absoluten Superstar in unserem Lande und dabei noch stinkreich werden! Hey, Herr Buurmann, Sie haben doch Kontakte beim WDR, die müssen doch für ein solches Projekt einen extragroßen Knetetopf haben.
        Und mit Dr. Michael Lüders einen Experten für das Thema, damit auch alles seine historische Korrektheit hat.

      • quirin schreibt:

        „…der israelische Filmemacher Dror Moreh hat, zurückhaltend ausgedrückt, einen gehörigen Schlag mit der Wichsbürste!“
        weil?
        wissen sie mehr als ehemalige israelische geheimdienstchefs?
        ich persönlich neige dazu, menschen die in israel geboren sind und dort leben, mehr glauben zu schenken, als menschen welche in deutschland sitzen und vorgeben bestens über israel bescheid zu wissen.

        http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bilder-und-zeiten/im-gespraech-regisseur-dror-moreh-keine-linken-pazifistischen-spinner-12090409.html

        • Aristobulus schreibt:

          Ach Quirin, da glitschen Sie leider wieder voll mit auf der glitschigsten Piste ever, auf der diese ganz vielen, ganz furchtbar authentischen und noch viel furchtbarer jüüüdischen Kronzeugen-Gegen-Israel immer so glitschen und glitschen, weil da hinten nämlich dier ganz große dampfende Geld.und-Applaus-Topf steht, in dessen Heißglitsch sie unbedingt voll reingreifen wollen.

          Na dann mal gut Glitsch auch für Sie mit der FAZ.

        • Aristobulus schreibt:

          P.S.
          Es mag ein „spektakulärer Film“ (FAZ) sein, aber die Aussprüche der früheren Geheimdienstmitarbeiter sind alles Andere als spektakulär – die kennt man seit Jahren, die haben schon viele Andere gesagt, die sind überhaupt nischt Besonderes.

          Nur der deutsche Otto Sensationslüstling (nicht grad nur Sie, Quirin, aber en général) will da mal wieder ganz spektakulär eingerannte offene Türen entdeckt haben.

          – Vorschlag: In irgend einer zehnten Klasse möge möglichst ein jüdischer Schüler ein möglichst kritisches Referat über Israel schreiben. Bei Quellen wie Amira Hass, Dror Moreh, Felicia Langer gibt’s natürlich eine Eins. Bei anderen Quellen, die nicht ganz so spektakulär kriiitisch sind, reicht’s noch zu einer glatten Drei, weil er ja Jude ist, der Schüler, und da muss man so tun, als ob man mehr versteht, als einem lieb sein kann.

        • Gutartiges Geschwulst schreibt:

          So leid es mir tut, @quirin, aber wie sollte ich jemanden ernst nehmen, der eine solche Aussage unterstreicht: „Wir haben Israel zum Stasi-Land gemacht“
          Mit offensichtlicher Zustimmung des Filmemachers, ging einer der Interviewten sogar so weit: „…, die israelische Armee mit der Wehrmacht zu vergleichen, die eroberte Gebiete besetzte.“
          Das geht einfach zu weit!

          • bergstein schreibt:

            Abgesehen davon, dass es zu weit geht, ist noch Folgendes zu beachten. Weder die Verantwortlichen im „dritten Reich“, noch die von der Wehrmacht oder die Verantwortlichen bei Stasi haben sich als schuldig bekannt oder ihre Taten bereut. Das gilt natürlich auch für Leute von Hamas usw. usf. Nur in einem freien Staat und einer freien Gesellschaft sind die Menschen so sensibilisiert oder gar so über sensibilisiert, dass sie sich und ihrem Staat derartige Vorwürfe machen. Eine schlechte Mutter macht sich keine Vorwürfe. Eine gute Mutter macht sich schon dann Vorwürfe, wenn ihr Kind anstelle einer 1 eine 2 + bekommt. Die sechs sind leider typische gute jüdische Mütter, die das Gefühl haben, dass eine 2+ verdammt schlecht ist.

  9. lonestar schreibt:

    Ich hab letztens mal mit einem typischen Grün-Wähler diskutiert. Der kannte sich im nahen Osten perfekt aus, er hatte in der Schule mal einen Aufsatz über Israel geschrieben…… Aber Sachkenntnis von solchem Kaliber begegnet uns heute bis ins Kanzleramt. Das Referat ist übrigens klasse, ich denke mein Sohn sollte es so halten, es wird die erste sechs für die ich ihm ein Bier spendiere…..

  10. kleines Südlicht schreibt:

    betr. Vortrag: finde ich auch [Sehr gelungen!]

    betr. Botschaft des Hasses: steht das Ding schonwieder / immer noch / immer wieder da?
    (Wo sind die Steine jetzt?)
    Kann man bei Euch in Köln ein Bürgerbegehren starten (geht ja z.B. auch bei Bauvorhaben), Unterschriften sammeln und das Ding abtransportieren lassen? Z.B. indem man es zu einem Bauwerk erklärt (Kunstwerk ging ja auch, wieso nicht Bauwerk)? Ersatzweise wenigstens symbolisch online? Steht die Stadt immer noch auf dem Standpunkt, daß sich ganz normale Passanten garnicht beleidigt fühlen dürfen, wenn sie nicht diejenigen sind, die sich verstecken und verkrümeln müssen und sich gefälligst nicht aufzuregen haben, daß sie nirgends leben möchten wo hängt daß sich andere verstecken und verkrümeln sollten?

  11. Malte S. Sembten schreibt:

    Ich zitiere mal:

    Sehr gelungen!

  12. Sophist X schreibt:

    Nur Buchenwald? Da hatte der aber großes Glück, dass ihn keiner überboten hat (56000 Tote laut Wiki, davon 11000 Juden).
    Was für ein Nahostexperte wäre man erst, wenn man die großen „polnischen Todeslager“ (B. Obama) im Osten besucht hätte…
    Aber da gilt es dann abzuwägen, ob man lieber die Vergangenheit bewältigt oder sich auf Mallorca durch die Kneipen säuft.

  13. besucher schreibt:

    Die Gesichter in der Klasse und das des Lehrers nach dem Vortrag hätte ich gern gesehen 😉

  14. Paul schreibt:

    Lieber Gerd, ich gratuliere Dir!
    Ein starker Beitrag und eine gute Rede zur Vergangenheitsbewältigung von einem frühreifen, pardon – früh gereiften -(muss es richtig heißen) Schüler.
    Daumen hoch und Beifall
    von Paul

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