Was ist Aufklärung?

Ein Beitrag von Immanuel Kant

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.

Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. „Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.

Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Dass der bei weitem größte Teil der Menschen den Schritt zur Mündigkeit, außer dem dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.

Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, dass diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeinhin von allen ferneren Versuchen ab.

Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar lieb gewonnen und ist vor der Hand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ.

Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Mißbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Wer sie auch abwürfe, würde dennoch auch über den schmalsten Graben einen nur unsicheren Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewöhnt ist. Daher gibt es nur Wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit heraus zu wickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun.

Dass aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit lässt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden sich immer einige Selbstdenkende sogar unter den eingesetzten Vormündern des großen Haufens finden, welche, nachdem sie das Joch der Unmündigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernünftigen Schätzung des eigenen Werts und des Berufs jedes Menschen selbst zu denken um sich verbreiten werden. Besonders ist hierbei: dass das Publikum, welches zuvor von ihnen unter dieses Joch gebracht worden, sie danach selbst zwingt darunter zu bleiben, wenn es von einigen seiner Vormünder, die selbst aller Aufklärung unfähig sind, dazu aufgewiegelt worden; so schädlich ist es Vorurteile zu pflanzen, weil sie sich zuletzt an denen selbst rächen, die oder deren Vorgänger ihre Urheber gewesen sind. Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen.

Durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Despotismus und gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrückung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zustande kommen; sondern neue Vorurteile werden ebensowohl als die alten zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen.

Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen.

Nun höre ich aber von allen Seiten rufen: „Räsoniert nicht!“ Der Offizier sagt: „Räsonieret nicht, sondern exerziert!“ Der Finanzrat: „Räsoniert nicht, sondern bezahlt!“ Der Geistliche: „Räsoniert nicht, sondern glaubt!“ Hier ist überall Einschränkung der Freiheit. Welche Einschränkung aber ist der Aufklärung hinderlich? welche nicht, sondern ihr wohl gar beförderlich? – Ich antworte:

Der öffentliche Gebrauch seiner Vernunft muß jederzeit frei sein, und der allein kann Aufklärung unter Menschen zustande bringen!

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38 Antworten zu Was ist Aufklärung?

  1. stevemuc70 schreibt:

    Der Satz gefällt mir besonders gut:
    „Kultur und sogar Religion können so sehr zu Wesensmerkmalen erstarren, dass sie als funktionales Äquivalent für biologischen Rassismus dienen können. Das gilt seit einiger Zeit in gewissem Umfang für die Wahrnehmung der Schwarzen in den USA und Großbritannien sowie für die der Muslime in einigen vorwiegend christlichen Nationen“ (Fredrickson, S. 148)

    • Bachatero schreibt:

      Wie lautet das in Normalspeak?

      • stevemuc70 schreibt:

        Das heißt, so interpretiere ich das, dass wir Probleme der Menschheit schaffen, wo eigentlich keine sein sollten. Der Mensch maßt sich an, Dinge zu ordnen, erklären zu wollen, eine künstliche Logik zu schaffen. Alles was wir erschaffen (Kategorien) dient nur einem Zweck, der Ausübung von Macht gegenüber unseren Mitmenschen, sprich unseren Artverwandten. Kennen Sie das liebenswerte Buch „Le petit Prince“ von Antoine de St. Exupery?

  2. stevemuc70 schreibt:

    Dann dürften Ihnen die Computerspiele nichts sagen, oder?

    • Bachatero schreibt:

      Die Spiele nicht, aber ich sehe und lese gerne SciFi Sachen. Darüber hinaus. der Mensch war immer Makulatur für diverse Makulatoren. Laut Genesis ist er ja nackt und irgend jemand (und sei’s ein Gott) muß ihm ein paar Lumpen verpassen, die er dann für seine einzig mögliche Kleidung hält und verteidigt. Der Mensch „is a failed project‘, wie die mannigfachen Projekte zu seiner „Rettung“ zeigen, aber zum Glück hammer ja Kant und die Transhumanisten. Das kann ja wohl nicht alles falsch sein?

      • stevemuc70 schreibt:

        Wie meinen Sie das mit „der Mensch is a failed project“. Das klingt sehr desillusioniert, was die Tatsache betrifft, dass Sie zur Spezies „Homo Sapiens“ gehören. Wären Sie lieber ein Vogel oder ein anderes Wesen auf diesem Planeten. Man(n)/ Frau kann sich nicht aussuchen, als was ihn das Universum erschafft. Meiner Meinung nach ist der Mensch aufgrund des höchstentwickelten (geistig) Wesens auf Erden seinem eigenen Schicksal ausgeliefert. Die Natur, das Universum, gibt da keinen Heller drauf. Homo homini lupus. Ins Grab nimmt auf jeden Fall keiner was mit.

        • Bachatero schreibt:

          Desillusioniert y mucho! Soll ich denn illusioniert durch’s Leben stolpern? Woher weißt Du (da waren wir schon), das ich sapiens bin? Vielleicht transhumane KI? Kann man so was aus ein paar Kommentaren ableiten? Ja, Meinung, Schicksal, Natur, Universum, Grab. Grab ist das einzig Sichere in dieser Liste. Ach wäre ich doch ein weltraumtauglicher Adler, ich würde das ganze All bereisen, bis dort, wo die Batterien einfrieren und wieder zurück und könnte mit Rutger Hauer (Blade Runner) sagen:
          „I have… seen things you people wouldn’t believe… Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched c-beams glitter in the dark near the Tannhäuser Gate. All those… moments… will be lost in time, like tears… in… rain. Time… to die…“

          • stevemuc70 schreibt:

            Haben Sie nun „Le petit prince“ gelesen, oder nicht?
            In vielen Kommentaren, aber auch im Blog an sich stelle ich fest, wie sich Menschen gegenseitig versuchen, ob ihrer vermeintlichen Intelligenz und ihres Allmachtsanspruchs, die Vorwürfe und die Schuld zu zu weisen. Soeben hat Buurmann wieder einen Blogeintrag hinzugefügt, der wiederum den Antisemitismus, das große Unwort seit dem Holocaust instrumentalisiert. Ich werde Ihnen etwas sagen und allen anderen, die hier mit kommentieren. Die Juden heutzutage insb. in Europa derart zu instrumentalisieren, indem hier offensichtlich ein Juden/ Muslim Problem geradezu provoziert wird, löst überhaupt keine Probleme. Hier haben wir es wieder mit dem sog. Machtanspruch zu tun. Das friedliche Volk der gläubigen Juden und die vielen friedlichen osteuropäischen Juden in ihren Schtetln und Rabbinergemeinden in Osteuropa, die an ihrer Tradition festhielten und als rückständige Religiöse ausgegrenzt und dann in die Gaskammer geschickt wurden, müssen heute für religiösen Fanatismus einiger Muslime herhalten.
            Die Tatsache, dass der sog. aufgeklärte Westen und das säkulare Judentum nach dem Holocaust das Fundament des heutigen Israel bilden geht leider nicht in die Köpfe der Mohammed-gläubigen Koranfanatiker rein. Das ist ein Glaubenskrieg, Der Islam und auch das Judentum haben sehr viele religiöse Gemeinsamkeiten, wie etwa Speisevorschriften, Gebetsriten, die Beschneidung der Jungen u.v.m.
            Der Islam ist, wie ich an anderer Stelle schon geschrieben habe rein evolutorisch (ihr Stichwort Transhumanimsus) wahrlich noch in den Kinderschuhen.
            Der heutige Staat Israel ist ein durch die jüdische Diaspora in Europa und USA maßgeblich westlich-zivilisertes und beeinflusstes Land. Das schmeckt den(m) Islam(isten) so rein gar nicht (Minderwertigkeitskomplex). Hinzu kommt, dass die reine jüdische Lehre (die Orthodxie – Gaon von Wilna z.B.) es ausschließt, dass das Gesetz G“ttes, die Diaspora von irgend einem Menschen überhaupt gebrochen werden darf. Es also nur G“tt die Juden aus der Diaspora nach Erez Israel führen darf. Das ist allgemeine Thoralehre und damit ein grundsätzliches Gebot der Juden. Aller frommen Juden. Das ist ihr g“ttliches Schicksal. Das zionistische Israel hat nichts mit dem frommen Judentum zu tun. Deswegen sind auch die Orthodoxie und insb. das ultraorthodoxe Judentum gegen den Staat Israel und da wird dann auch schon mal die israelische Flagge verbrannt. Weitere Infos zu dem ganzen widersprüchlichen Thema gibt’s reichlich im Netz. S.H.

          • Dante schreibt:

            Ich wüsste nicht, was daran schlecht sein sollte, dass Israel zionistisch ist. Der Zionismus ist für das jüdische Volk (egal wie religiös seine Mitglieder sind) DIE Freiheitsbewegung. Es geht darum, nicht Freiwild zu sein, sondern das Recht zu haben, Leib und Leben verteidigen zu können.
            Krieg den Vergewaltigern, Folterern und Mördern. Wer das schlecht findet, macht sich zum Handlanger derselben.

          • stevemuc70 schreibt:

            Ich wüsste nicht, was daran schlecht sein sollte, dass Israel zionistisch ist. Der Zionismus ist für das jüdische Volk (egal wie religiös seine Mitglieder sind) DIE Freiheitsbewegung.

            Ich finde daran auch nichts schlecht, ich stehe hinter dem Staat Israel, weil es nach der Shoa auch keine andere Möglichkeit gab, als diesen Staat zu gründen.

            Man muss allerdings auch konstatieren, dass die Ausrufung der Unabhängigkeitserklärung des Staats Israel der Thora und damit des jüdischen Gesetzes fundamental entegegenstehen.

            Ich habe die von G“tt dem jüdischen Volk auferlegte Diaspora bis zum jüngsten Gericht, der Rückführung aus selbiger ins heilige Land Erez Israel, an anderer Stelle hier schon angeschnitten. Aus rein religiöser Sicht ist der Staat Israel ein politisch-zionistisches Konstrukt, welches nicht vereinbar ist mit der Thora/ dem Thalmud.

          • Bachatero schreibt:

            Die Frage klingt streng, aber ich habe. Hat das für mich jetzt Konsequenzen? Besteht da eine Verbindung zum Rest des Kommentars? Was ist die Botschaft? Zu den evolutorischen Kinderschuhen: Der haitianische Diktator Jean Claude Duvalier (Baby Doc), unter dessen gütig-milder Herrschaft ich von 80 bis 85 in Haiti leben durfte, wurde oft gehänselt und eben als Baby und nicht als Papa Doc gesehen. Aber er sagte dann immer verschmitzt auf Créole: „Oui, mais ti tig c’est tig“, also etwa: „Ja, aber auch ein kleiner Tiger ist ein Tiger“. Und aus dem kleinen wird ein großer Tiger und eben kein Waschbär. Da werden wir beim voll evolutorischen Islam wohl keine Überraschungen erwarten dürfen, I say.

          • stevemuc70 schreibt:

            Ich habe den Petit Prince hier nur erwähnt, weil es ein Buch der Liebe und Mitmenschlichkeit ist. Sie haben nichts zu befürchten. Mich wundert nur oft die Aggressivität die sich in unserem Leben befindet.

  3. stevemuc70 schreibt:

    Weil das hier in den Blogbeitrag zu Kant sehr gut reinpasst möchte ich hier gerne den wikipedia-Eintrag zum Thema Rassismus verlinken. Denn wie heißt es dort unter Allgemeines:

    „Pseudowissenschaftliche Rassentheorien sind gewissermaßen ein „Abfallprodukt der Aufklärung““.

    Die Tatsache, dass viele große Philosophen oft gleichzeitig Naturwissenschaftler waren zeigt, wie eine Verschiebung religiöser Vorurteile hin zu vermeintlich biologischen/ wissenschaftlichen Erklärungen die Oberhand gewann. Die Religion wurde zugunsten eines materialistisch-naturwissenschaftlichen Weltbildes aufgehoben und in ein Konzept der (vermeintlichen) Logik gezwängt. Sehr lesenswert:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus

    • Bachatero schreibt:

      Der Kapitän Ahab hat das viel kürzer formuliert: „Alle meine Mitte sind vernünftig, mein Motiv und meine Ziele jedoch, sie sind verrückt‘. Der neue Gott Naturwissenschaft mußte und muß jetzt natürlich die alten unwandelbaren Ziele rechtfertigen. Wenn auch die Zeiten und Verhältnisse sich ändern, der „Mensch“ ändert sich nie. Das wird erst der Transhumanismus erreichen, jeez.

      • stevemuc70 schreibt:

        Darf ich fragen, wie alt Sie sind? Gehören Sie in die Generation die gerne Deus-Ex, Mass Effect oder BioShock spielen?

        • Bachatero schreibt:

          67

          • stevemuc70 schreibt:

            In diesen Spielen wird ihr genannter Transhumanismus verherrlicht. Aber ganz ehrlich, allzuweit ist zumindest der angelsächsische Raum von diesem Ideal nicht mehr entfernt. Wir steuern geradewegs darauf zu, dass mit KI (Künstliche Intelligenz), Gentechnik etc. der Mensch zur Makulatur wird.

        • Bachatero schreibt:

          PS. Selbst meine 5 Jungs haben mich in all die lange Joar nicht zum Videospielen gebracht. 😉

    • Dante schreibt:

      Genau daher rührt auch das Wort „Antisemitismus“. Es ist ein Euphemismus für ‚Judenhass‘.

      • stevemuc70 schreibt:

        Antisemitismus ist kein Euphemismus (eine Beschönigung, ein Hüllwort) für Judenhass, Dante, rein semantisch ist das Wort Anti-Semit-ismus ziemlich eindeutig aufzuschlüsseln. Dieser Begriff geht ja bekanntlich auf Wilhelm Marr (1879) zurück. Der Begriff konnotiert eine den Juden zugeschriebene semitische Herkunft, d. h. eine (damals) rassische/ethnische Zuordnung. Seit dem die Assimilierung und Emanzipation der Juden in Europa einsetzte mit den Bürgerrechten aller Religionen hat der Begriff des jahrhudertegeprägten Antijudaismus in seiner religiösen Konnotierung an Gewicht verloren, um die Juden von der christlichen Mehrheit in Europa auszugrenzen. An die Stelle des religiösen Antijudaismus trat der rassische Begriff des Antisemitismus. Dieser hat sich bis in die Nazizeit und den Holocaust hinein als rassistisch konnotierte Sonderheit der Juden gehalten. Wer heute den Begriff Antisemitismus verwendet, wenn es im Prinzip um Judenhass geht, der ist eigentlich ein Rassist, da er die Juden als semitische Volksgruppe verunglimpft. Man sollte mit dem Wort Antisemitismus in meine Augen sehr vorsichtig umgehen, da er wie gesagt rassistisch/ völkisch konnotiert ist.
        Weitere Einzelheiten erspare ich mir..

        Gute Nacht

        S.H.

    • American Viewer schreibt:

      Die Tatsache, dass viele große Philosophen oft gleichzeitig Naturwissenschaftler waren

      Was deutsche Idealisten wie Kant und Hegel gemacht haben, kann man schlecht Naturwissenschaft nennen. Theoretische Gedanken standen im Vordergrund, praktische Experimente spielten keine wesentliche Rolle. Wo Theorie und Realität offensichtlich nicht zusammenpassten, gab man der Theorie den Vorzug.

      • Bachatero schreibt:

        Ist doch logisch, praktisch liegt’s, heute wie damals, immer an der Unvollkommenheit der experimentellen Umstände, wenn es nicht paßt. Das passiert der „spekulativen Physik“ mit ihren „Gedankenexperimenten“, am besten untermauert mit heavy mathematics, gar nicht erst und durch die Anwendung des gigo Prinzips werden die gewünschten Ergebnisse durch Variation der Eingangsdaten erzielt. Satisfaction guaranteed, z.B. Klima, win -win situation. Trotzdem, il faut de tout pour faire un monde, auch Metaphysik macht Spaß, muß ja nicht immer volle Kante sein.

  4. American Viewer schreibt:

    Ich finde Kant ist ein ziemlich überschätzter Blender. Sein kategorischer Imperativ als Spielart der Goldenen Regel ist abzulehnen. Die Goldene Regel für sich ist bei weitem ausreichend. Dazu braucht man keinen Kant. Aber mir ist schon klar, dass deutsche Anankasten auf Kant stehen. Kants Starrsinn und seine Rigorosität sind legendär.

    Dass aber Herr Buurmann so ein Kant-Fan ist, das wundert mich dann doch.

    Kants Antisemitismus war mehr als das „Normale“ der damaligen Zeit. Juden waren für Kant Vampyre der Gesellschaft. Und zu Schwulen meinte Kant, Homosexualität erniedrige die Menschheit unter die Tierheit und mache Schwule damit der Menschheit unwürdig.

    Ja dann Prost!

    • stevemuc70 schreibt:

      Nicht nur Kant war ein Antijudaist. Viele deutsche Philosophen hatten ein Problem mit der in ihren Augen rückständigen jüdischen Religion. Sie müssen das ganze jedoch immer aus dem Blickwinkel der jeweiligen Zeit betrachten. Aus unserer heutigen Zeit ist es Geschichtsinterpretation. Und vergessen Sie nicht die unterschiedlichen Strömungen des west- und osteuropäischen Judentums (Haskala/ Chassidismus)

      http://www.ursulahomann.de/NichtImmerWarenDeutschePhilosophenJudenWohlGesinnt/kap001.html

      • American Viewer schreibt:

        Mit der damaligen Zeit, die nun eben so war, kann man immer argumentieren. Wobei man sich fragen muss, ob das immer legitim ist. Für mich ist das zumeist nicht legitim, denn es gibt immer Gegenbeispiele aus eben dieser Zeit. Und überhaupt: Von angeblich super-schlauen Köpfen wie Kant, die Neues in die Welt bringen wollten, dürfte man erwarten, dass sie das Schlechte am Zeitgeist eben nicht übernehmen. Außerdem sagte ich ja: Kants Antisemitismus ging selbst über das “Normale” der damaligen Zeit hinaus.

        Das Lustige an Kant war, dass er durchaus Juden persönlich kannte und auch mochte, er nahm diese eklatante Differenz auch war, aber er wollte sich seine Theorien bewusst nicht durch die Realität kaputt machen lassen. Kant machte einen strickten Unterschied zwischen Theorie und Realität, wobei nicht etwa das Reale Vorrang hatte, sondern seine Gedankengebäude. Für mich ist Kant amoralisch. Man könnte auch sagen: Vom deutschen Idealismus führt ein direkter Weg zu Adolf Eichmann.

        • Clas Lehmann schreibt:

          Den letzteren halte ich aber, wenn auch auf Basis dürftiger Kenntnis, primär nicht für einen denkenden Menschen, sondern für einen, der ersatzweise Schablonen praktizierte und zur Durchführung brachte…

          Dass Denkmalschutz für Gedankengebäude Vorrang vor sichtlicher Realität hat, ist leider auch kein Alleinstellungsmerkmal… Nicht alle Leute sind Physiker. Immerhin schreibt er, im Vergleich zu späteren Schwurbelanten, ein lesbares Deutsch, ich sollte da mal nachlesen.

          • American Viewer schreibt:

            Es stimmt im Vergleich zum Beispiel zu Hegel ist Kant sehr viel besser lesbar. Leider ist aber wie gesagt die gesamte Epoche von Kant bis Hegel namens „deutscher Idealismus“ aus meiner Sicht nicht gerade eine Sternstunde der Menschheit.

    • Bachatero schreibt:

      Sachmal, AmiGucker, was sind denn das für Begriffe, Anankasten? Ist das ’n Kasten, in dem der UN Kofi sitzt? Hier mal eben einen deutschen Superhero zu demontieren geht aber gar nicht. Ihr habt ja genug davon und wenn sie euch ausgehen, werden Neue gemalt. Wir armen Deutschen müssen mit unseren Altlasten ewig leben, da reden wir uns eben schön, was immer geht. Und vom ollen Kant (und all den Anderen) leben Legionen von Akadämlichen, die, anstatt selber was ordentliches zu erfinden, sich lieber das Maul über tote Philosophen zerreißen. Es gibt da diese Einteilung der Menschen in 3 Kategorien: Welche, die Maschinen erfinden, andere, die Maschinen warten und solche, die Maschinen benutzen können. Ich glaube, diese ganzen Analkisten gehören zu den philosophischen Wartungstechnikern, erfinden tun die nix oder nix Wesentliches, die polieren das Material nur.

      • American Viewer schreibt:

        AmiGucker und UN-Kofi in einem Kasten fand ich unter anderem gut, da musste ich schmunzeln. Aber nein Anankasten, sind Fantasten, die Kant fantastisch finden, wobei die auch Kantasten heißen.

  5. heruler schreibt:

    Das ist ja voll 18. Jahrhundert! Wo aber leben wir? Im 21., der Epoche der Barbarei, die Aufklärung nichtmal mehr buchstabieren kann, sofern die je von ihr gehört haben sollte.
    Im Grunde gibt es nur noch ein Land im 18. Jahrhundert, wo die Aufklärung in Geltung steht.

  6. Adolf Breitmeier schreibt:

    Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit ist der Mut, sagt Perikles (500 v.Chr. – 429 v.Chr.) Mut bedarf es immer, die Angst zu überwinden (und die Sorgen seines Partners, seiner Partnerin) ist nicht leicht und für manchen unmöglich. Die Gegendemonstranten flößen vielen Menschen Angst ein, hoffentlich haben sie diese nicht, wenn sie in der noch geheimen Wahlkabine stehen.

    • Bachatero schreibt:

      Und das Glück, ja was ist das denn nun? Den Amis war es so wichtig, daß sie in ihrer Unabhängigkeitserklärung „the pursuit of happines‘ festgeschrieben haben, also man darf und soll das Glück verfolgen, so wie Esel und Möhre? Das Glück verfolgen? Ich hab’s nie verfolgt, es hat mich verfolgt. Ich glaube, das ist die richte Ordnung der Dinge, aber es gibt eben Donald Duck und Gustav Gans, da hilft auch kein Gesetz gar nicht.

      • Dante schreibt:

        Nein, nicht wie der Esel die Möhre jagt. Pursuit of happiness bedeutet, dass man das Recht hat, nach Glück zu streben, d.h. zu versuchen, glücklich zu werden. So etwas wie das Recht, tatsächlich glücklich zu werden, wäre absurd bzw. nutzlos, denn das kann niemand gewährleisten. Zumindest aber darf, negativ gesprochen, niemand dazu verpflichtet werden, in einer Situation zu verharren, die ihn unglücklich macht.

        • Bachatero schreibt:

          Einverstanden, Dante, verfolgen (ein Ziel), erstreben, liegt im grünen Bereich. Aber was ist nun Glück. Ich glaube, es ist eine Möhre. Aber, da wir ja alle gerne große Geister beschwören, lassen wir André Gide sagen: « Être aveugle pour se croire heureux. Croire qu’on y voit clair pour ne pas chercher à y voir puisque : l’on ne peut se voir que malheureux. » Zu schwarz für die kuenftigen Transhumans, n’est-ce pas?

    • ceterum censeo schreibt:

      Das stimmt, aber mit Wahlen ändern wir in diesem Land nichts mehr, sonst wären sie ja verboten. Alter Witz, stimmt aber. Werde trotzdem´s Kreuzchen machen, kostet ja nix, bringt aber Null, allenfalls Lucken ´nen fetten Dienstwagen. Dem Schleimscheißer.

  7. Bachatero schreibt:

    Wow, tolles Konzept. Funktioniert super in Königsberg. Aber in der Welt? Schnauze, sagt der Offizier, Afghanistan, GEZ, der Finanzrat, Jesus liebt Dich, der Geistliche. Schickes Perückchen hatter, der Kant, hält die Gedanken warm.

Seid gut zueinander!

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