Haben Sie das neunte Gebot gebrochen, Herr Landesbischof?

Sehr geehrter Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm,

Das neunte Gebot lautet: „Du sollst nichts Falsches gegen deinen Nächsten aussagen!“ So jedenfalls sagen es die orthodoxen und viele reformierte Christen, sowie die Anglikaner und Juden. Bei den Katholiken und bei Ihnen ist es das achte Gebot. Jeder zählt wie er will.

So wie es aussieht, haben Sie dieses Gebot gebrochen und wollen es nun auch noch vertuschen. Ich bin weder in der Lage noch verspüre ich den Drang, einen Stein zu werfen, aber einen Brief möchte ich schreiben.

Bei einem Besuch des Tempelbergs in Jerusalem nahmen Sie als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammen mit ihrem katholischen Kollegen Kardinal Reinhard Marx ihre Brustkreuze ab, bevor sie den Tempelberg besuchten. Sie rechtfertigten die Entscheidung mit diesen Worten: „Wir haben aus Respekt vor den Gastgebern gehandelt“ und fügten hinzu, es habe sich „um eine Antwort auf den Wunsch der Gastgeber“ gehandelt.

Diesem „Wunsch“ ausgerechnet auf dem Tempelberg nachzukommen, war so falsch, wie etwas nur falsch sein kann. Es gab da mal einen Mann, der sagte, genau dieser Ort, „soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein.“ Wissen Sie, wer das gesagt hat? Jesus! So steht es jedenfalls bei Markus 11, 17. Jesus stand zu seinen Überzeugungen und er leugnete seinen Glauben nie. Sie, Herr Bedford-Strohm, haben Ihren Glauben jedoch geleugnet und erklärten später sogar, in dieser besonderen Situation in Jerusalem wäre es falsch gewesen, dem Wunsch der islamischen Gastgeber nicht nachzukommen.

Zu dieser Leugnung habe ich bereits in einem offenen Brief an Sie Stellung genommen, den unter anderem die Jüdische Rundschau veröffentlicht hat. Auf meinen Brief haben Sie nicht geantwortet, aber an anderer Stelle haben Sie Ihre Leugnung auch noch durch ein falsches Zeugnis über Juden erweitert:

„Man inszeniert einen Kulturkampf mit dieser Sache, um zu zeigen, der Islam sei intolerant. Warum wird nicht gleichzeitig darauf hingewiesen, dass wir bei beiden Religionen, die wir besucht haben, von den Betreuenden gebeten wurden, das Kreuz nicht zu tragen, um nicht zu provozieren?“

Sehr geehrter Herr Bedford-Strohm,

darf ich fragen, wer von jüdischer Seite Ihnen aufgetragen haben soll, das Kreuz nicht zu tragen? Als ich bei der Klagemauer war, habe ich eine solche Aufforderung nicht vernommen. Auf den öffentlichen Plätzen Israels und an der Klagemauer gibt es eine solche Regelung nämlich nicht. Wissen Sie jedoch, wo es eine solche diskrimierende Regelung gibt? Auf dem Tempelberg!

Der Tempelberg wird heute von der sogenannten Frommen Stiftung des Islams (Waqf) kontrolliert. Sie sorgt dafür, dass im Jahr 2016 an einigen Tagen im Monat für den Tempelberg gilt, was im Jahr 1942 für Parks in Deutschland galt: „Nicht für Juden!“ Der Zugang zum Tempelberg ist über elf Tore an der Nord- und Westseite der Anlage möglich. Allerdings ist der Zutritt dort nur Muslimen erlaubt. Sollten Zweifel bestehen, müssen ausländische Muslime ihre Zugehörigkeit zum Islam belegen. Andersgläubigen ist der Zutritt nur von Samstag bis Donnerstag über das Marokkanertor bei der Klagemauer erlaubt. Das Betreten ist dort nur nach scharfen Sicherheitskontrollen außerhalb der Gebetszeiten möglich. Juden werden, wenn überhaupt, nur in kleinen Gruppen und oft mit Aufsicht eingelassen. Der Felsendom darf nur von Muslimen betreten werden! Verboten sind zudem das Mitbringen von Büchern und Kultgegenständen und das Abhalten von Gebeten anderer Religionen. Wenn Juden den Tempelberg betreten, werden sie nicht selten bedroht.

Auch Christen können auf dem Tempelberg Probleme kriegen.

Stellen Sie sich mal vor, Christen würden sich so benehmen. Was würde wohl geschehen, wenn der Vatikan jeden christlichen Feiertag Muslimen den Zutritt ins Land verweigern würde oder wenn Juden am Sonntag den Platz vor dem Kölner Dom nicht betreten dürften. Der Islam aber erklärt, zu welchen Zeiten welche öffentlichen Orte in der islamischen Welt judenrein zu sein haben und Sie ehren das Verhalten, indem Sie Ihr Kreuz abnehmen.

Das allein schon ist schlimm genug und geht gegen die Erklärung Ihres Chefs Jesus, der Tempelberg solle allen Gläubigen offenstehen, Sie haben vermutlich sogar noch ein Bruch des neunten Gebots hinzugefügt, indem Sie ein falschen Zeugnis abgelegt haben. Israels Militärsprecher, Arye Sharuz Shalicar, erklärt dazu, in Israel sei man „empört über diese Behauptung“ und schreibt in Richtung Bedford-Strohm:

„Ich fordere Sie hiermit auf, es öffentlich zu machen, welcher Sicherheitsdienst von jüdischer Seite aus bei Ihrem Besuch der Klagemauer in Jerusalem von Ihnen gefordert haben soll, ‘aufgrund der angespannten Lage in Jerusalem’ Ihre Glaubenssymbole nicht offen zu tragen, um angeblich ‘eine Provokation zu vermeiden’.“

Sehr geehrter Heinrich Bedford-Strohm,

dieser Forderung schließe ich mich an, denn mittlerweile haben sowohl der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, als auch der Sprecher der Evanglische Kirche in Deutschland, Carsten Splitt, auf Nachfrage eingeräumt, von Sicherheitskräften nicht zur Kreuzabnahme aufgefordert worden zu sein. Da aber auch sie darauf beharren, von ihren jüdischen „religiösen Gastgeber“ darum gebeten worden zu sein, möchte ich wissen, wer diese Gastgeber waren. Matthias Kopp jedoch erklärt: „Wir werden das nicht weiter konkretisieren.“ Auch Carsten Splitt will „nicht weiter vertiefen“, welche jüdischen Geistlichen ihn angeblich gedrängt haben.

Entschuldigen Sie, Herr Bedford-Strohm, aber so geht das nicht. Ich erwarte, dass Sie die Sache nicht nur vertiefen, sondern klären, denn es darf nicht angehen, dass der Verdacht im Raum stehen bleibt, ein Landesbischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland widersetzt sich erst der Lehre Jesu und bricht dann auch noch eines der zehn Gebote, indem er ein falschen Zeungnis über Juden abgibt. Gerade als Bischof, der in der Tradition von Martin Luther steht, muss diese Angelegenheit geklärt werden, denn das falsche Zeugnis, das Luther einst über Juden abgab, vergiftet heute noch die Beziehungen. Hier ein paar Zitate:

„Wisse du, lieber Christ, und zweifle nicht daran, dass du nächst dem Teufel keinen bittereren, giftigeren, heftigeren Feind hast als einen rechten Juden, der mit Ernst ein Jude sein will.“

„Sie sind eitel Diebe und Räuber (…) Denn ein Wucherer ist ein Erzdieb und Landräuber, der billig am Galgen siebenmal höher als andere Diebe hängen sollte.“

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke sehe ewiglich (…) Zum zweiten: dass man ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre.“

Sehr geehrter Herr Bedford-Strohm,

ich erwarte eine Antwort von Ihnen! Es geht mir nicht darum, Sie zu verurteilen. Es geht mir nur darum, Ihnen die Möglichkeit zu geben, entweder eine Sache zu klären oder sie wieder gut zu machen. Denken Sie immer daran, sogar Petrus hat Jesus verleugnet. Sie sind also in guter Umgebung. Petrus ließ jedoch nicht später durch einen Sprecher verlauten, er werde die Angelegenheit „nicht weiter vertiefen“.

Klären Sie die Sache, Herr Bedford-Strohm, wie Petrus einst am See Genezareth. Ich bin mir sicher, Sie verstehen mich, wenn ich Sie im Sinne von Johannes Kapitel 21 bitte: Sorge für seine Schafe!

Mit freundlichen Grüßen,
Gerd Buurmann

Dieser Beitrag wurde unter Christentum veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu Haben Sie das neunte Gebot gebrochen, Herr Landesbischof?

  1. Ralf Weber schreibt:

    Hier aktuell und exemplarisch zur Situation der Christen dem Nahen Osten. Zu denen müssen wir auch klar stehen:

    http://bvdad.de/index.php/pressemitteilungen/249-pressemitteilung-tuerkei-aramaeerin-februniye-akyol-einzige-christliche-oberbuergermeisterin-des-amtes-enthoben-

  2. Matthias Mala schreibt:

    Hier ein Link zur Frankfurter Erklärung, wo auf die Stellungsnahme von Wolfsohn verwiesen wird, in der er die Lüge Bedford-Strohms scharf rügt: http://frankfurter-erklaerung.de/2016/11/kreuz-verleugnung-am-tempelberg-juedischer-historiker-verstaerkt-kritik/

  3. ceterum censeo schreibt:

    Dieser Artikel geht runter wie Öl. Aber ich denke spontan nicht nur an Petrus, sondern komischer Weise ans Pilzesammeln:

    „Der Apostel Judas soll sich der Legende zufolge nach der Verurteilung Jesu an einem Holunderbaum erhängt haben. Da Judasohren besonders häufig an diesem Substrat wachsen und durch sein ohrförmiges Aussehen erhielt der Pilz diesen deutschen Namen.[1]

    Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat das Judasohr zum Pilz des Jahres 2017 gekürt.[2]“
    Quelle: Wikipedia
    Zufälle gibts!

  4. Matthias Mala schreibt:

    Gebote bricht man nicht, sondern man verstößt gegen sie.

  5. Ralf Weber schreibt:

    Zu diesen Vorgängen möchte ich aus christlicher Perspektive im Gesamtkontext ernüchternd noch folgendes anmerken:

    Es trennt sich auch hier immer deutlicher, was uns Menschen wirklich gut trägt und was nur leerer Schein ist. Das war sinnbildlich schon im biblischen Paradies mit dem „Baum des Lebens“, nämlich unseren Gott selber und dem „Baum der eigenen Erkenntnis (bzw.. Festlegung) von Gut und Böse“, was eigenmächtige Selbstvergötterung mit allen Folgen bedeutet und Abwendung vom Leben. Wichtig für den „Baum des Lebens“ ist, dass wir durch Jesus durch Wiederversöhnung zu unserem Gott selber finden und uns realistisch nicht an menschliches Vermittler klammern.

    Hier ein sehr nachdenkenswerter Artikel zu dem aktuellen und sehr ernüchternden Vorgängen:

    http://juedischerundschau.de/bedford-strohm-zum-fremdschaemen-unterwuerfig-und-geschichtsvergessen-135910617/

    Dieses erfordert auch die deutlich kritischere Betrachtung unserer aktuellen kirchlichen Landschaft. Anfänglich war die Erkenntnis der Rechtfertigung aufgrund unserer Vertrauens in unseren liebevollen Gott und durch Jesus vergebenden Gott („Turmerlebnis“) ein durch den heiligen Geist geleiteter Volltreffer Martin Luthers, sowie auch seine gelungene Bibelübersetzung. Bloß später hat er den neuen Wein leider wieder in die alten Schläuche gefüllt, d.h. es ist trotz der von vielen zu dieser Zeit angestrebten grundlegenden und eindeutig an der Bibel orientierten Neugestaltung bei der Kirchenform und inhaltlichen Ausrichtung im Grund sehr viel beim bisherigen geblieben, inklusive der brutalen Verfolgung derer, die diesem aufgrund ihrer bleibenden Verankerung in der eigenen, innigen Verbundenheit mit unserem Gott nicht zustimmten und der fatalen Verknüpfung mit politischen Machtinteressen. Heute freuen wir uns um so mehr über unsere aktuelle Freiheit.

    Hier im Gesamtkontext des Besuches auch ein nachdenkenswerter Artikel über das Wirken von Luther.

    https://jenswaetjen.wordpress.com/2015/06/01/luthers-ungeliebte-kinder/#more-524

    Wichtig für uns ist demgegenüber das eindeutige Zeugnis und Eintreten für unseren Erretter Jesus Christus (hebräisch „Jeschua Hamaschiach“) auf den die biblischen Schriften schon von Anfang hinweisen. Dieses ist in allen Situationen wichtig, gerade auch wenn es um das Zeugnis und den Beistand für unsere älteren Brüdern und Schwestern, den Juden geht.

    Ihr Land Israel mit allen dort lebenden Menschen braucht auch gerade jetzt dringend unser Gebet und unseren eindeutigen Beistand. Realistisch zur aktuellen Situation auch folgende Artikel:

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article159144604/Ist-Israel-ueberhaupt-noch-eine-Demokratie.html

    http://www.nytimes.com/2015/04/01/opinion/united-in-ignominy.html?smid=fb-share&_r=2)

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article158772540/Die-Unesco-schliesst-sich-den-Judenhassern-an.html

    http://www.bild.de/politik/inland/kardinal/kardinal-und-bischof-verzichten-aufs-kreuz-48564234.bild.html

    http://juedischerundschau.de/warum-westliche-linke-die-rechtsextremen-fremder-laender-lieben-135910672/

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/israel-boykott-einladung-zum-hass-14295344.html

    http://ajcberlin.org/de/media/berichte/was-man-über-den-israelisch-arabischen-konflikt-wissen-muss

  6. Sophist X schreibt:

    Dann werden wir also in Kürze wissen, ob dieser Würdenträger ein Gewissen hat oder nicht.
    Ich setze ein selbstgebautes Kruzifix auf nicht. Falls ich verliere, werde ich es ihm schicken.

  7. anti3anti schreibt:

    Lieber Gerd,
    „Du sollst nichts Falsches gegen deinen Nächsten aussagen!“ ist das neunte der Zehn Gebote bei den Juden. Bei den Gojim ist es das achte Gebot!

  8. Ulf Renner schreibt:

    Lieber Gerd Buurmann, in der Sache haben Sie ja vollkommen recht. Aber – und darauf habe ich hier im Blog schon einige Male hingewiesen – Ihr Text ist kein offener Brief, sondern ein Artikel. Oder haben Sie Bedford-Strohm direkt angeschrieben und ihm mitgeteilt, dass Sie den Inhalt veröffentlichen werden?
    Wenn nicht, wird er das sehr gern zum Anlaß nehmen, nicht zu reagieren. Das tun Adressaten unbequemer Botschaften in solchen Fällen immer wieder und rein formal haben sie damit auch recht. Mein Einwand mag Ihnen unwichtig und kleinlich erscheinen, er ist es aber nicht: Es geht eben im Regelfall nicht nur um Inhalte, sondern auch um die jeweils richtigen Formen.

  9. Hein schreibt:

    Bin gespannt, ob er antwortet. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie unkompliziert der Besuch der Klagemauer ist. Lediglich eine Kippa gilt es aufzusetzen. Von Kontrollen hab ich nichts gespürt.

  10. Hessenhenker schreibt:

    Das mit dem „Nächsten“ ist so eine Sache.
    Bei Juden „gilt’s nicht“.
    Hat jedenfalls die Kölner AXA zu mir gesagt.
    Ist eigentlich in Köln ein Nest für sowas?

Kommentare sind geschlossen.