Gedanken zum „racial profiling“

Das erste heiße Eisen des Jahres 2017 in Deutschland ist „racial profiling“. Das größte Problem bei dieser Debatte ist jedoch, dass nicht sauber differenziert wird.

Um es von Anfang an klar zu machen, wenn die Feuerwehr im fünften Stock ein Feuer löscht, kommt es in den Stockwerken darunter zum Wasserschaden. In der Silvesternacht 2016/17 hat die Polizei einen erneuten sexistischen Terroranschlag in Köln verhindert. Das ist gut! Dafür gilt der Polizei Dank!

Die Polizei hat dabei die ankommenden Menschen nach Hautfarbe und ethnischer Zugehörigkeit gerastert, weil immer deutlicher wurde, dass sich eine besorgniserregende Menge aggressiver, nordafrikanisch und arabisch aussehender Männer für den Kölner Hauptbahnhof verabredet hatten. Oft wird dabei übersehen, dass die Polizei auch nach Geschlecht aussortierte, denn es wurden keine nordafrikanisch oder arabisch aussehenden Frauen eingekesselt.

Das Problem ist, dass nicht sauber differenziert wird. Für viele umfasst der Begriff „racial profiling“ die Kriterien ethnische Zugehörigkeit, Religion und nationale Herkunft. Das sind aber vollkommen unterschiedliche Dinge. Um zu schauen, was unsere Gesellschaft im Kampf gegen den Terror bereit ist zu tolerieren, sollten die Begriffe einmal klar getrennt werden. Es gibt:

racial profiling
national profiling
ideology profiling
sexual profiling

Wenn es also mal geschieht, dass sich Täter in der Hautfarbe ähneln, ist es verständlich, dass diese Hautfarbe für die Fahndung relevant wird, aber es bleibt auch klar, dass nicht die Haut-, Augen- und Haarfarbe in die Hirne der Täter gefressen haben, sondern ihre Ideologien und Überzeugungen! Teil einer jeden Ideologie ist das Glaubensfundament. Was die Terroristen am Kölner Dom vereint, ist nicht ihr Äußeres. Das ist nur eine scheinbare Koinzidenz. Es vereint sie vielmehr ihr Inneres, das, woran sie glauben. Dass dieser Glaube auch weiße Menschen vergiften kann, hat die sogenannte Sauerland-Gruppe bewiesen und beweisen im geringeren Maße aber ebenso deutlich Menschen wie Pierre Vogel.

Die meisten männlichen Araber aus sämtlichen Ländern sind anständige Menschen, so selbstverständlich wie es anständige Muslime gibt. Die Frage ist jedoch, wenn man nach dem Grund sucht, warum jemand zur Gewalt greift, ist der Grund nicht in der Hautfarbe, sondern in den Überzeugungen zu finden.

Rassismus ist die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner völkischen oder ethnischen Herkunft. Die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner Überzeugungen und Bekenntnisse nennt sich jedoch Kritik. Wer einen Muslim beurteilt, weil er Araber ist, betreibt Rassismus. Wer jedoch einen Araber beurteilt, weil er einer Ideologie verfallen ist, betreibt Aufklärung.

Nach terroristischen Anschlägen in Europa wie dem frauenfeindlichen Anschlag am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht 2015/16 oder dem Anschlag in den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo und einem koscheren Supermarkt in Paris Anfang 2015 schrieben selbst seriöse Medien, die Straftaten seien von „Südländern“ oder von „Menschen mit nordafrikanischem“ oder „arabischem Aussehen“ begangen worden! Immer öfter wurden die Täter von einem großen Teil der deutschen Presselandschaft auf ihr Äußeres reduziert. Das ist „racial profiling“!

Im Umgang mit der Terrorschlägen müssen wir uns daher immer wieder entscheiden, müssen wir rassistisch oder können wir aufklärerisch sein. Der Rassist sagt, die Täter waren „Südländer“ oder „Araber“. Der Aufklärer aber konzentriert sich auf ihre Überzeugungen.

Wir müssen daher aufhören, Kritik am Glauben als islamophob zu bezeichnen, denn je mehr wir Kritik am Islam kriminalisieren, umso mehr öffnen wir die Tür zum „racial profiling“. Dabei sollte „racial profiling“ nach Möglichkeit immer ausgeschlossen, so wie „sexual profiling“, obwohl es mehr als verständlich ist, manchmal sogar überlebenswichtig, dass eine Frau nachts im Park auf einen fremden Mann anders reagiert als auf eine fremde Frau. Es ist ein notwendiges übel, so wie unter eng definierten Umständen auch „national profiling“. „Ideology profiling“ ist jedoch ein notwendiges Mittel der Aufklärung.

Je mehr wir in Zeiten des Friedens den Mut finden, uns aufgrund unserer Ideologien, Überzeugungen und Religionen zu kritisieren und zu hinterfragen, ohne uns angegriffen oder beleidigt zu fühlen, umso mehr werden wir uns in unseren Differenzen verstehen und mit Sicherheit, so glaube ich fest, ein Rastern nach den Kriterien des Aussehens überflüssig machen!

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