Tuvia Tenenbom – „Hello, Refugees!“

Das Buch „Allein unter Flüchtlingen“ von Tuvia Tenenbom, das in Deutschland nur mit geschwärzten Stellen veröffentlicht wurde, ist nun unter dem Titel „Hello, Refugees!“ auch auf englisch erscheinen, allerdings ohne geschwärzte Stellen.

„Sie und ich mögen seine Worte nicht gutheißen, doch ich finde, er hat das Recht, sie zu äußern. Hätte er sich entsprechend über Juden geäußert, dann würde ich ihm genau dasselbe Recht zubilligen, obwohl ich schließlich selbst jüdisch bin. Denn, hey, lieber weiß ich, was die Leute über mich denken, als meine Zeit mit ‚Liberalen‘ zu vergeuden, die mir Liebe schwören, mich und andere Juden aber in Wahrheit nicht ausstehen können.“

Diese Worten stammen von Tuvia Tenenbom. Sie finden sich im 21. Kapitel des Buchs „Hello, Refugees!“. In Deutschland ist das Buch unter dem Titel „Allein unter Flüchtlingen“ bei Suhrkamp erschienen, allerdings mit schwarzen Balken, denn in der deutschen Ausgabe sind alle Antworten des Grünen-Politikers Volker Beck geschwärzt.

Wie es zu dieser Schwärzung kam, erklärt Volker Beck wie folgt:

„Das Gespräch wurde mir nicht, wie meiner Erinnerung nach vereinbart, zur Autorisierung vorgelegt. Da ich über Rechtliches auf Englisch nicht präzise sprechen kann, hatte ich um Autorisierung gebeten. Sonst hätte ich einfach nicht mit ihm gesprochen, was ich auch zukünftig ohne eigene Zeugen und eigenes Aufzeichnungsgerät nicht mehr tun werde.“

Tuvia Tenenbom jedoch sagt:

„Die Geschichte mit Volker ist eigentümlich. Ich interviewte ihn in Frankfurt. Vorher fragte ich ihn, ob es ihm recht sei, befragt zu werden und ob ich ihn aufnehmen könne. Er sagte, das sei in Ordnung – und auch das wurde aufgezeichnet. Isi hat das Interview auch gefilmt. Dann, etwa einen Monat, bevor das Buch erscheinen sollte, rief er mich an und bat um eine Autorisierung vor der Veröffentlichung. Ich sagte ihm, dass ich ihm nicht erlauben würde, zu ändern, was er gesagt hat. In den USA würden das die Medien, wie zum Beispiel ‚New York Times’, niemals zulassen. Diese Politik ist allen wohlbekannt.“

Nun ist das Buch auch in den USA herausgekommen und die schwarzen Balken sind dort nicht vorhanden. Tuvia Tenenbom fragt: „Kein anderes Land, das die Genfer Konvention unterzeichnet hat, hält sich an die Genfer Konvention, außer Deutschland. Warum?“

Volker Beck antwortet, dass das gar nicht mehr der Fall sei, da Deutschland jetzt ein Abkommen mit der Türkei habe und sich mittlerweile genauso verhalte wie allen anderen Länder auch. Tuvia Tenenbom hakt nacht: „Mit anderen Worten, die deutsche Regierung ist umgeschwenkt und hält sich nicht mehr an ihre Politik der offenen Grenzen. Warum dieser plötzliche Sinneswandel der deutschen Regierung?“

Volker Beck erwidert, da müsse Tuvia Angela Merkel fragen. Tuvia Tenenbom gibt sich mit dieser Antwort jedoch nicht zufrieden und fragt, warum die Grünen im Bundestag keine Abstimmung über das Abkommen mit der Türkei gefordert hätten. Was dann folgt ist ein langes Hin und Her, bei dem Tuvia Tenenbom sein ganzes Geschick aufwenden muss, um Volker Beck zu einer einfachen Antwort zu bewegen, nämlich ob über das Abkommen mit der Türkei im Bundestag abgestimmt wurde. Als er die Antwort endlich hat, erklärt Tuvia Tenenbom:

„Es ist schwierig, von deutschen Politikern eine einfache Antwort auf die Frage zu erhalten, ob sie über einen bestimmten Sachverhalt abgestimmt haben oder nicht.“

Nachdem Tuvia Tenenbom eine Antwort hat, stellt er Volker Beck eine spannende Folgefrage: „Viele Europäer, dieselben, die sich nicht an die Genfer Konvention halten, die sie betrifft, werfen zugleich Israel vor, sich nicht an die Konvention von 1949 zu halten. Deshalb frage ich Volker, den deutschen Israel-Freund, ob Europäer mit dem Finger auf Israel zeigen dürfen, weil Israel eine Konvention missachtet, wenn sich Europa selbst so wenig um Konventionen schert.“

Volker Beck erklärt, wenn jemand selbst einen Fehler macht, habe er damit noch lange nicht das Recht, selbst einen Fehler zu machen. Tuvia fragt daraufhin: „Aber kann man anderen predigen, was man selbst nicht tut?“ Volker Becks Antwort lautet:

„Predigen ist was für religiöse Menschen. Ich denke, dass jeder Kritik akzeptieren muss. Wenn wir sagen, dass nur der kritisieren darf, der selbst perfekt ist, dann gäbe es keine Kritik.“

Dazu schreibt Tuvia Tenenbom: „Ich bewundere Volker. Mir würde im Leben kein solcher Satz über die Lippen kommen. Aber Volker bringt es fertig.“

Dank der englischen Ausgabe können wir jetzt endlich alle auch diesen bewundernswerten Satz lesen. Ich wundere mich allerdings, dass es ausgerechnet dazu kam, dass das Gespräch mit Volker Beck in der deutschen Ausgabe geschwärzt wurde, schließlich redet Tuvia in seinem Buch mit vielen Leuten, Gregor Gysi, Henriette Reker, Jürgen Todenhöfer und Frauke Petry, aber kein anderes Gespräch wurde geschwärzt. Dabei ist es Volker Beck, der einst Benjamin Netanjahu aufgrund eines geplatzten Gesprächstermins mit Bundesaußenminister Sigmar Gabriel mit diesen Worten kritisierte:

„Gesprächsverbote gehen gar nicht. Das geht nicht, wenn linke Gruppen in Deutschland meinen, man dürfte mit bestimmten Politikern oder NGOs in Israel nicht sprechen, und das geht auch nicht, wenn der israelische Ministerpräsident meint, Politikern in Israel vorzugeben, mit wem sie sprechen dürfen und mit wem nicht.“

Tuvia Tenenbom kennt keine Gesprächsverbote. Er redet mit allen Seiten. Im 22. Kapitel zum Beispiel spricht er mit dem deutschen Autor Akif Pirinçci. Man muss diesen Mann nicht mögen, um zu erkennen, wieviel Unrecht und Gewalt ihm in Deutschland angetan wird. Man muss jedoch ein sehr selbstgerechter Deutscher sein, um die Gewalt, die ihm alltäglich angetan wird, zu rechtfertigen oder achselzuckend hinzunehmen. Es ist egal, was Akif Pirinçci geschrieben hat, es ist falsch, was ihm alltäglich in Deutschland angetan wird.

Als Tuvia Tenenbom Akif Pirinçci besucht, fällt ihm zunächst auf, dass seine Wohnungstür mit diversen Farbanschlägen attackiert wurde. In der Wohnung erfährt Tuvia dann, dass Amazon Pirinçcis Bücher nicht mehr direkt verkauft, ausgerechnet Amazon, wo Bücher des Ku-Klux-Klans, „Mein Kampf“, das kommunistische Manifest, der Koran und die Bibel feilgeboten werden, alles Bücher, in dessen Namen gemordet wurde. Als Tuvia und Akif spazieren gehen, wird Tuvia Zeuge, wie ein junger Mann auf Akif zustürmt und ihn wüst beschimpft. Einige Zeit später wird Akif von einem älteren Herrn beschimpft. Als Tuvia ihn auf diese Verbalangriffe anspricht, erzählt Akif, dass es auch schon mal vorgekommen ist, dass jemand eine Flasche Cola über seinen Kopf entleert hat. Als die in ein Restaurant gehen wollen, erfährt Tuvia, dass es mehrere Restaurants gibt, die sich weigern, Akif Pirinçci zu bedienen. Tuvia Tenenbom beschreibt seine Erfahrungen wie folgt:

„Junge und alte Deutsche haben nichts Besseres zu tun, als diesen Mann zu verletzten. Als Akif, den Volksfeind, zu verletzen. Gib den Leuten die Gelegenheit, andere zu verletzen und zu demütigen, sage ihnen, Grausamkeit sei eine Tugend, und sie werden zu Tieren.“

Ich kenne die Grausamkeiten nur zu gut. Was bin ich schon angegriffen, nur weil ich schreibe, was mir gerade so durch den Kopf geht. Dabei wird mir immer vorgeworfen, ich würde mich mit den Menschen gemein mache, deren Rechte ich verteidige. „Du solltest Dir echt überlegen, ob Du diesen Bericht veröffentlichen möchtest“, riet mir eine gute Freundin, mit der ich mich in der Zeit der Entstehung über diesen Artikel sprach und fügte hinzu: „Du unterstützt damit Akif Pirinçci und solltest Dich fragen, ob Du das willst.“ Ja, das will ich! Schließlich gelten die Grundrechte für alle Bürgerinnen und Bürger, nicht nur für jene, die sich anständig benehmen.

Als Frauen im 19. Jahrhundert das Wahlrecht forderten, gab es jene Gruppierung, die forderte, Frauen mögen sich erst einmal beweisen, ob ihnen das Recht überhaupt zustünde, während die radikalen Feministinnen erklärten, jeder Frau stünde das Wahlrecht zu, unabhängig von ihrem Verhalten, ganz einfach weil sie ein Mensch sei. Hedwig Dohm betonte, „Menschenrechte haben kein Geschlecht“ und führte aus:

„Die Schwachen und Kranken, die Krüppel, die Dummen und die Brutalen, sie alle sind wahlberechtigt. Jede Frau, die schreiben und lesen kann, steht an Fähigkeiten über dem Mann, der diese Kunst nicht versteht.“

Man mag Akif Pirinçci für dumm, brutal und krank halten. Wenn man findet, er habe die Würde eines anderen Menschen verletzt, so kann man ihn verklagen und den Rechtsweg wählen. Ihn jedoch zu attackieren, Cola über seinen Kopf zu gießen und sein Eigentum zu zerstören, sind inakzeptable Aktionen und verlangen eine klare Verurteilung. Egal was er gesagt hat! Ich werde solche Gewalttaten immer kritisieren, weil sie unmenschlich sind und es ist mir egal, in welche Ecke ich dafür von wem auch immer gestellt werde. Ich verteidige Akif Pirinçci genauso gegen Gewalt, wie ich Henryk Broder oder Ayaan Hirsi Ali verteidige. Gewalt gegen Menschen oder die Wohnung eines Menschen ist falsch, möge es nun ein Appartement in Berlin sein oder ein Flüchtlingsheim in Heidenau.

In den letzten Jahren wurde ich aufgrund meiner Verteidigungen schon in die abenteuerlichsten Ecken gestellt. Die Liste der Hasszuschriften gegen mich ist lang. Als ich die Behandlung von vermeintlichen Nordafrikanern durch die Polizei in der Silvesternacht zum 1. Januar 2017 kritisierte, wurde mir vorgeworfen, ich würde die Sicherheit der Frauen verraten. Als ich die Ausschreitung eines gewalttätigen Mobs gegen Milo Yiannopoulus kritisierte, wurde mir vorgeworfen, ich würde die Homosexuellen verraten. Immer wenn ich den Hass gegen Israel kritisiere, wird mir vorgeworfen, ich würde die Palästinenser verraten. Aufgrund meines Wahlkampfes für Hillary Clinton wurde mir Verrat an Israel vorgeworfen und wegen meiner Aussage, Donald Trump sei kein Populist, wurde ich zum Rechtspopulisten erklärt. Als ich das Recht auf Meinungsfreiheit auch für einen AfD-Politiker forderte, wurde mir vorgeworfen, ich mache Wahlkampf für die AfD. Man muss aber kein AfD-Sympathisant sein, um zu kritisieren, dass auf einen Plakatierer der AfD und auf ein Parteibüro der AfD geschossen wurde. Als ich das Recht auf Meinungsfreiheit für Jan Böhmermanns verteidigte, wurde mir vorgeworfen, ich sei ein Türkenfeind. Als ich das Recht von Chris Tall verteidigte, Witze zu machen, war ich ein weißer Rassist. Als ich auch Xavier Naidoo verteidigte, wurde mir vorgeworfen, ich sei nun völlig durchgedreht. Aufgrund meines Einsatzes für den Feminismus werde ich von einigen Leuten so gescholten wie von anderen Leuten für meinen Einsatz für Flüchtlinge.

Ich bin Feminist, streite für Israel, wirke in der FDP, kämpfe gegen Homophobie, kritisiere den Islam, lache über den Katholizismus und habe keine Angst vor Menschen, die ihr Meinung sagen. Ich habe Angst vor Menschen, die sich so sicher und so frei von jedem Zweifel sind, dass sie Gewalt rechtfertigen oder billigend in Kauf nehmen, um ihre Gewissheit zu manifestieren.

„Wenn wir es zulassen oder gutheißen, dass Menschen mit Gewalt aus dem Diskurs entfernt werden, und möge ich ihre Aussagen noch so sehr verabscheuen, glaub‘ mir Gerd, dann sind wir Juden die Nächsten.“

Das sind die Worte meines Gastvaters Jim Davidson. Ich habe ihm einiges zu verdanken. Die Gespräche mit ihm haben mich geprägt. Als es im Februar 2017 zu Ausschreitungen an einer amerikanischen Universität kam, weil dem gewalttätigen Mob nicht gefiel, dass ein Unterstützer Trumps eine Rede halten sollte, musste ich an diese Worte denken. An einer Universität wurde ein Diskurs verhindert, ausgerechnet dort, wo der freie Diskurs gelebt werden sollte wie sonst nirgendwo, wo die Elite der Bildung lebt, die in der Lage sein sollte, die Freiheit der Gedanken zu leben, wo kluge Geister streiten, forschen und um Erkenntnis ringen und wo Akademiker und Akademikerinnen begabt genug sein sollten, das Falsche analytisch zu erkennen, so dass es keinen Grund gibt, Gedanken zu verbannen, weil dort aufgeklärte Menschen den Mut besitzen, sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung eines Anderen zu bedienen.

Mir macht diese Selbstgerechtigkeit Angst, denn wer weiß, ob nicht jene Menschen, die heute einem Trumpverteidiger das Recht nehmen, sich am Diskurs zu beteiligen, mich morgen aus dem Diskurs entfernen, weil sie glauben, ich sei eine Gefahr. „Wehret den Anfängen“ brüllen die Gerechten und meinen damit doch nur die Anfänge einer Zukunft, die sie aus Angst konstruieren. Aus Angst nehmen sie Menschen als Geisel ihrer Vermutung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitären Denkens, die Gewalt über Gedanken als Präventivschlag ermöglicht. Tuvia Tenenbom fragt in seinem Buch, was Menschen dazu bringt, diejenigen zu demütigen, die nicht ihrer Meinung sind? Zu Akif Pirinçci schreibt er:

„Was macht Menschen zu Gerechten? Was bringt sie dazu, diejenigen zu demütigen, die nicht ihrer Meinung sind? Ich weiß es nicht. Welches Verbrechen hat Akif begangen? Er macht sich über den Islam lustig. Er, der türkische Junge, der deutscher Staatsbürger wurde, zieht die Religion seiner Eltern durch den Kakao, er verhöhnt seine eigene Kultur und sein eigenen Volk. Ich kenne Leute wie ihn. Weiße Deutsche, die das Christentum, die Religion ihrer Eltern, verhöhnen und die ihre eigene Kultur und ihr eigenes Volk auf den Arm nehmen – und manchmal Hassreden gegen Christen halten, so ähnlich wie oder schlimmer noch, als Akif es tut. Wie wir alle wissen, sind diese Leute die Künstler, die Autoren, die kulturelle Elite Deutschlands. Als Weiße haben sie das Recht, so etwas zu tun und man stellt sie dafür auf den Sockel. Akif aber hat nicht dieses Recht, so etwas zu tun. Weil er Türke ist. Weil er eine dunklere Haut hat. Weil seine Eltern Muslime waren. Knapp zusammengefasst haben Weiße Rechte, die Nichtweiße nicht haben. So denken politisch korrekte Menschen. Sie sind, um es mal kurz und deutlich zu sagen, verdammte Rassisten. Passt auf, ihr Leute aus Syrien, Libyen und Nordafrika: Der Tag wird kommen, da ihr wie Akif lernen werdet, dass man euch hier nur liebt, wenn ihr brav auf der untersten Stufe bleibt.“

Tuvia Tenenbom hat daher vollkommen Recht, wenn er mit allen Menschen redet und mögen sie noch so verhasst sein. In seinem Buch redet er mit Volker Beck, Henriette Reker, Gregor Gysi, Lutz Bachmann und Frauke Petry. Die Art, wie er mit seinen Gesprächspartnern spricht, macht das Buch besonders lesenswert, denn selten wird in Deutschland so miteinander geredet. Die deutsche Art zu „diskutieren“ beschreibt Tuvia Tenenbom am Beispiel Frauke Petrys. Er redet offen und in neugieriger Zugewandtheit mit ihr und erfährt so, dass ihre minderjährigen Kinder öffentlich gemobbt werden wegen ihrer Mutter. Sippenhaft nannte sich das bei den Nazis. Nach dem Gespräch stellt er fest:

„Als die Zeit zum Aufbruch naht, posiert sie mit mir vor der Kamera, als wären wir alte Kumpel. Sie brauchte eine Weile, um mit mir warm zu werden, aber am Ende ist die richtig aufgetaut. Sie ist keine Dämonin, muss ich Ihnen leider mitteilen; sie ist eine Deutsche, eine deutsche Lady, die laut ausspricht, was die größten deutschen Machos nicht einmal zu flüstern wagen. Ich mag diese Lady. Wenn ich es recht bedenke, mochte ich bislang jeden Deutsch und jeden Araber, dem ich auf dieser Reise begegnet bin. Wie kommt es, werden Sie sich vielleicht fragen, dass ich unweigerlich Gefallen an Arabern und Deutschen finde, also genau an den Leuten, die eine bizarre Tradition des Judenhass verbindet? Ist das der Schicksal des Juden, seine Feinde zu lieben?“

Tuvia Tenenbom besuchte für sein Buch ebenfalls Flüchtlingslager. Was er vorfand war teilweise unmenschlich und deckt sich vollkommen mit dem, was auf meinem Blog berichtet wurde, nur noch schlimmer. Tuvia berichtet von Kälte, Nässe, Krankheit und Kot. Ein Ort, an dem definitiv keine Liebe gemacht werden kann. Tuvia schreibt:

„Sobald ich aus dem Lagerbereich raus bin, setze ich mich. Ich muss mich sammeln und darüber nachdenken, was ich gerade gesehen habe. Ich habe nicht damit gerechnet, das zu sehen, was ich sah. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ein Land wie Deutschland Menschen so behandelt. Ein Teil von mir möchte weinen, der andere will einfach nur schreien. Traurig ist das, sehr traurig. Was wird mich auf dieser Reise noch erwarten? O Allah, hab Erbarmen!“

Tuvia Tenenbom zitiert einen Flüchtling, der in einem deutschen Flüchtlingslager lebt, mit diesen Worten:

„Dies ist ein schrecklicher Ort. Die deutsche Regierung behandelt uns schlechter als Hunde. Hunde haben ein besseres Leben als wir! Ich will hier raus. Ich will nach Syrien zurück. Wenn ich hier raus rennen und ein Flugzeug nach Syrien nehmen könnte, ich würde es heute tun! Ich will hier raus! Heute noch! Heute!“

Wenn man das liest, erkennt man, dass es den meisten Deutschen, die die Flüchtlinge einst klatschend, tränengerührt und selbstergriffen patriotisch Willkommen geheißen hatten, gar nicht um die Flüchtlinge ging, sondern vielmehr nur um ihr eigenes Image! Diese Deutsche benutzten die Flüchtlinge, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Tuvia Tenenbom schreibt daher vollkommen zu recht:

„Was mir am meisten auf die Nerven geht, ist, dass diese guten Deutschen alles andere als gut sind. Schleichen Sie sich doch bei Gelegenheit mal in ein Flüchtlingslager und machen Sie sich selbst ein Bild. Schauen Sie sich die maroden Zustände an, riechen Sie den Gestank, machen Sie sich bewusst, wie hier Feinde zusammengepfercht werden, kosten Sie von dem Essen und verschaffen Sie sich einen Eindruck von den elenden Zuständen, unter denen die Flüchtlinge hier in jedem Augenblick, an jedem Tag, in jedem Monat leben. Das einzige, was an dieser ganzen Willkommenskultur-PR-Maschinerie wie geschmiert funktioniert, ist das, was auch im letzten Jahrhundert prima geklappt hat: die perfekte Organisation der Transporte.“

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