In Erinnerung an Theo van Gogh

Am 2. November 2004 wurde der niederländische Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh auf offener Straße ermordet. Sein Mörder war ein islamischer Fundamentalist.

Van Gogh war mit dem Fahrrad unterwegs ins Filmstudio, als er von einem Mann eingeholt wurde, der sofort auf ihn zu schießen begann. Als van Gogh am Boden lag, schnitt ihm der Attentäter die Kehle durch und stieß mit zwei Messerstichen ein fünfseitiges Bekennerschreiben in seinen Körper, das eine Morddrohung an Ayaan Hirsi Ali enthielt.

Mit Ayaan Hirsi Ali produzierte er einen seiner letzten Filme: „Submission“. Der Film handelt von vier islamischen Frauen, die über ihre Missbrauchserfahrungen sprechen. In dem Film werden verschleierte Gesichter und durchsichtig bekleideten Körper mit fünf Suren aus dem Koran beschrieben, die Frauen zur Unterwerfung unter ihren Ehemännern auffordern. Die weiblichen Körper sind gezeichnet von Schlägen und Striemen durch Peitschenhiebe. Diesen Film gab der Mörder van Goghs als Grund für seine Mordtat an. Der Mörder sagte bei seinem Prozess aus, als Muslim dürfe er jedem „den Kopf abhacken“, der Allah beleidige. Auch sagte er: „Ich würde es wieder tun“.

Kennen Sie dieses Kunstwerk?

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Es heißt „Piss Christ“ und stammt aus dem Jahr 1987. Es wurde von dem amerikanischen Künstler Andres Serrano gemacht und zeigt ein Kruzifix, das in einem Glas mit Urin schwimmt. Das Kunstwerk war Gewinner des „Awards in the Visual Arts“. Der Wettbewerb wurde vom Center for Contemporary Art’s organisiert und wurde mit staatlichen Mitteln gefördert.

Der Künstler wurde nicht ermordet! Das Kunstwerk sorgte nur für etwas Unruhe. Die katholische Nonne Wendy Beckett verteidigte das Kunstwerk sogar und sagte, das Kunstwerk zeige „was wir Christus angetan haben“.

Stellen wir uns mal vor, was geschehen wäre, hätte es auch einen „Piss Mohammed“ gegeben. Es hätte weltweite Ausschreitungen gegeben, die in Mord und Totschlag eskaliert wären. Arabische Minister hätten ein Kopfgeld auf den Künstlern ausgelobt und Botschaften und Flaggen hätten gebrannt. „Piss Christ“ allerdings wurde von der amerikanischen Regierung mit 15.000 Dollar gefördert. Bei einem „Piss Mohammed“ wäre die amerikanische Regierung bestimmt aufgefordert worden, das Kunstwerk zu verdammen und das deutsche Feuilleton wäre ausser sich vor Wut.

Am 11. September 2012 wurde der amerikanische Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Mitarbeiter in Bengasi von einem aufgebrachten Mob ermordet. Auch in Kairo stürmten aufgebrachte Islamisten die Mauer der Botschaft und rissen die US-Flagge herunter. Als Grund für die Tat gaben die Fundamentalisten an, durch den Film „Innocence of Muslims“ beleidigt worden zu sein. Viele deutsche Medien verurteilten daraufhin nicht den Anschlag sondern den Film. Jörg Lau zum Beispiel schrieb in der Zeit:

„Zu dem Film, der den Anlass für den Mord an Stevens hergegeben hat, fällt mir nichts ein. Die Redefreiheit zu verteidigen, kann nicht heißen, dass man diesen Schwachsinn auch verteidigen muss. Natürlich handelt es sich um eine gezielte Hassattacke (…) Denn in unseren Zeiten hat auch ein solcher unspeakable idiot die Möglichkeit, die Welt in Brand zu stecken.“

Stefan Kornelius schrieb in der Süddeutsche Zeitung sogar, der Film sei mindestens genauso schlimm wie der Anschlag:

„Es ist müßig, hier nach Tätern und Opfern zu unterscheiden. Diesmal ging die Provokation von amerikanischen Extremisten aus, islamistische Fanatiker haben sie angenommen und nicht minder radikal zurückgezahlt.“

Es ist völlig gleichgültig, ob „Innocence of Muslims“ ein guter oder schlechter Film ist, der Film geht nicht geschmackloser mit Muslime um, als manche Kabarettisten und Comedians mit Amerikanern, Frauen oder Christen. „Innocence of Muslims“ hat Muslime nicht mehr beleidigt als die Titanic Christen! Wer auch nur andeutet, die Filmemacher könnten eine Mitschuld tragen an den Morden in Libyen, der führt die Ideologie der islamistischen Fundamentalisten im Feuilleton fort.

Fünf Tage nach einem Mordversuch auf Kurt Westergaard, der eine Mohammed Karikatur für die Jyllands Posten gezeichnet hatte, schrieb Eugen Röttinger von der Südwestpresse:

„Westergaard wollte bewusst provozieren. Und er provoziert, fern jeder Verantwortung unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit, munter weiter: Für ihn sponsort pauschal der Islam den Terror. Er ist mindestens (sic!) so verblendet wie sein Attentäter. Deshalb sind beide gefährlich.“

Nach dem mörderischen Anschlag auf die Künstler von Charlie Hebdo schrieb Bernd Matthies im Tagesspiegel, an dem Vorwurf, der getötete Chefredakteur von Charlie Hebdo, Stéphane Charbonnier, sei ein sturer Dickkopf gewesen, der seine Redaktion in den Tod getrieben habe, sei „irgendwie was dran“. Matthies fügte hinzu, die Redaktion Charbonniers habe „zur Eskalation beigetragen“, indem sie „auf jeden Protest, jede Drohung und schließlich den Brandanschlag 2011 mit neuem, schärferem Spott“ geantwortet habe.

Dieser Vorwurf Matthies ist wie der Vorwurf an eine vergewaltigten Frau, sie habe mit ihrer Kleidung zur Vergewaltigung beigetragen. So sehen es jedenfalls auch die Mörder von Charlie Hebdo, die daher ihre Frauen, wenn überhaupt, nur verhüllt aus dem Haus gehen lassen! Den Höhepunkt erreicht Bernd Matthies jedoch mit dieser Aussage:

„Sehr wahrscheinlich hätte es den brutalen Anschlag nicht gegeben, wenn Charbonnier rechtzeitig beschlossen hätte, seine satirischen Attacken mehr auf die französische Regierung, auf Marine Le Pen oder andere mächtige Schlüsselgestalten der Politik zu fokussieren.“

Mal ganz abgesehen davon, dass Marine von Charlie Hebdo in einer Art und Weise verspottet wurde, wie Mohammed nie verspottet wurde, was dieses Bild beweist, behauptet Bernd Matthies, wer Marine Le Pen kritisiert, lebe nicht so gefährlich wie jemand, der Mohammed kritisiert und erklärt somit, der Islam sei gefährlicher als die Front National. Ich sag mal so, Charlie Hebdo wurde von Tugendterroristen für weniger abgeschlachtet. Bernd Matthies gibt zu bedenken, wer „beschließt, ein offensichtlich vorhandenes religiöses Gefühl einmal nicht zu verletzen, der ist damit noch lange kein Feind der Pressefreiheit. Sondern er kann durchaus ein Freund der Vernunft sein.“

Wer vor Mördern kuscht, ist vernünftig? Das hören die Faschisten, die gerade Flüchtlingsheime anzünden sicher gerne. Ein Neonazi aus Heidenau hätte es es vermutlich so formuliert:

„Wer beschließt, ein offensichtlich vorhandenes deutschnationales Gefühl einmal nicht zu verletzen, der ist damit noch lange kein Feind der Pressefreiheit. Sondern er kann durchaus ein Freund der Vernunft sein.“

Das Recht auf Spott ist ein Menschenrecht, vor allem, wenn sich der Hohn gegen Herrschende richtete. Mit über 1,6 Milliarden Muslimen auf der Welt und diversen Ländern, die nach der Scharia leben, ist der Islam eine der mächtigsten Ideologien der Welt! Diese Religion zu kritisieren, vor allem in Anbetracht der brutalen und unmenschlichen Verbrechen, die im Namen dieser Religion zum Teil sogar von Staats wegen begangen werden, ist beißender Spott geradezu aufklärerische Pflicht! Wenn Charlie Hebdo einen guten politischen Witz macht, dann sitzt Bernd Matthies mit halb Deutschland und nicht weniger Islam auf dem Sofa und nimmt übel.

Eines der erfolgreichsten Musicals des Broadways ist „The Book of Mormon“. Es hat neun Antoinette Perry Auszeichnungen für exzellentes Theater erhalten. In dem Stück werden Mormonen bis auf das äußerste verarscht! Das bekannteste Lied des Musicals heißt: „Hasa Diga Eebowai!“ Es bedeutet: „Fick Dich Gott!“ und wird von Bewohnern eines durch einen brutalen Warlord unterdrückten Dorfs gesungen. Der Text des Liedes lautet übersetzt so:

„Es gibt nicht genug zu essen.
Hasa Diga Eebowai!
Menschen verhungern in den Straßen.
Hasa Diga Eebowai!
Es hat seit Tagen nicht mehr geregnet.
Hasa Diga Eebowai!
80 Prozent von uns haben AIDS.
Hasa Diga Eebowai!
Junge Frauen werden beschnitten, die Klitoris wird ihnen weggeschnitten.
Wir aber schauen in den Himmel und rufen:
Hasa Diga Eebowai!

Wenn die Welt dich runterzieht und da ist niemand, dem Du die Schuld geben kannst, erhebe Deinen mittleren Finger zum Himmel und verfluche seinen elenden Namen! Wenn Gott Dich in Deinen Hintern fickt, fick ihn zurück in seine Fotze!

Falls Ihr nicht mögt, was wir sagen,
Versucht einfach mal, ein paar Tage hier zu leben.
Seht all Eure Freunde und Familie sterben!
Hasa Diga Eebowai!
Fick Dich!

Fick Dich Gott in Deinen Mund, in Deinen Arsch, in Deine Fotze!
Fick Dich Gott in Deinen Mund, in Deinen Arsch, in Deine Fotze!
Fick Dich Gott in Deinen Mund, in Deinen Arsch, in Deine Fotze!“

Was würde wohl geschehen, wenn am Broadway so über Allah gesungen werden würde?

Niemand kann ernsthaft behaupten, es gäbe lediglich verschiedene Kulturen. Kulturen sind nicht einfach nur verschieden. Sie sind unterschiedlich! Es gibt bessere und schlechtere Kulturen! Wenn ich die Werte der Scharia mit den Werten des Westens vergleiche, ist meine Meinung klar; möge sie auch noch so subjektiv sein:

Meinungsfreiheit. Besser!
Gleichberechtigung der Geschlechter. Besser!
Kunstfreiheit. Besser!
Freiheit der Wissenschaft. Besser!
Religionsfreiheit. Besser!
Mormonen. Besser!

Ja, Mormonen sind besser! Weil sie keine Ausschreitungen provozieren, keine Fahnen verbrennen, keine Todesurteile ausrufen und keine Morde verüben, nur weil ihr Glaube verarscht wird. Mormonen tolerieren „The Book of Mormon“. Eine Komödie über den Koran hingegen ist unvorstellbar, weil man befürchten muss, ermordet zu werden, wenn man das Falsche über den Islam sagt.

Die offizielle Antwort der Mormonen-Kirche auf das Musical war von einer beeindruckenden Gelassenheit geprägt. Die offizielle Kirche der Mormonen erklärte, das Stück „The Book of Mormon“ könne zwar für einen Abend unterhalten, das wahre Buch Mormon jedoch würde das ganze Leben durch Jesus verändern. Die Autoren des Musicals, Trey Parker und Matt Stone, kommentierten diese Reaktion wie folgt:

„Das ist eine coole, amerikanische Antwort auf eine Verarsche – ein großes Musical, das in ihrem Namen erschaffen wurde. Bevor die Kirche reagierte, kamen ein Menge Leute zu uns und fragten: „Haben Ihr keine Angst davor, was die Kirche sagen wird?“ Trey und ich sagten bloß: „Sie werden cool bleiben.“ Und die Leute sagten: „Nein, werden sie nicht. Sie werden protestieren.“ Und wir sagten: „Nein, werden sie nicht, sie werden cool bleiben.“ Wir waren also nicht von der Reaktion der Kirche überrascht. Wir glaubten an sie.“

Bei „The Book of Islam“ hätte das anders ausgesehen. Islamisten hätten Flaggen verbrannt, Botschaften gestürmt, getobt, gewütet, gemordet und die Süddeutsche, die Zeit und die amerikanische Regierung hätte Verständnis gezeigt. Dieses Verständnis für den Islamismus ist jedoch purer Rassismus.

Während bei Christen allgemein davon ausgegangen wurde, dass die Mehrheit sehr wohl mit harscher Kritik und sogar mit Beleidigungen des eigenen Glaubens leben kann, werden die toleranten Muslime ignoriert. Beim Islam wird so getan, als müssten aus Sorge um den Religionsfrieden Teile der aufgeklärten Freiheit aufgegeben werden. Das ist jedoch die Logik der Fanatiker und Rassisten!

Wer Muslimen nicht das selbe zumuten will wie Christen, ist ein Rassist. Wer nach Einschränkungen der Meinungs- und Kunstfreiheit ruft, weil Muslime angeblich nicht ertragen können, was Christen selbstverständlich ertragen, ist ein Rassist! Wer in Muslimen nur Menschen erkennt, die gar nicht anders können, als marodierend die Straßen zu stürmen, wenn Mohammed auch nur dargestellt wird, ist ein Rassist! Ein moderater Rassist.

Theo van Gogh war kein Rassist. Er beleidigte alle gleich. Er war ein Provokateur. Er beleidigte Juden, Frauen, Christen und viele Menschen mehr. Er machte nicht mal vor dem Holocaust halt. Er erzählte Witze wie diesen: „Es riecht nach Karamel. Heute verbrennen sie wohl die Juden mit Diabetes.“ 

Der Schriftsteller Leon de Winter nannte ihn einen „Meinungsterroristen“ und erklärte:

„Er folterte mich und meine Frau verbal. So stellte sich van Gogh eine Unterhaltung zwischen mir und meiner Frau vor: „Liebste, lass uns heute Nacht nach Treblinka fahren!“ Woraufhin „die Liebste Leons Pimmel mit Stacheldraht umwindet.“

Viele hassten Theo von Gogh, auch Leon der Winter, allerdings schrieb er später, ihm verziehen zu haben. Theo van Gogh beleidigte alles, oft geschmacklos. Das Leben kostete ihm allerdings nur das Beleidigen des Islams.

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5 Antworten zu In Erinnerung an Theo van Gogh

  1. davboe schreibt:

    Ganz gleich, wer dieses waghalsigen Versuch unternähme – einen Hals hätte er noch, aber keinen Kopf – es ist so wahr und so banal. Und es ist so unfassbar: „„The Book of Islam“ hätte das anders ausgesehen. Islamisten hätten Flaggen verbrannt, Botschaften gestürmt, getobt, gewütet, gemordet und die Süddeutsche, die Zeit und die amerikanische Regierung hätte Verständnis gezeigt. Dieses Verständnis für den Islamismus ist jedoch purer Rassismus.“

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