Sawsan Chebli und die Scheinheiligkeit

Sawsan Chebli ist seit Dezember 2016 Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. Davor war sie stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts unter Frank-Walter Steinmeier. Ihre Kompetenz ist somit die Sprache. Sie sollte es wenigstens sein. Es ist daher sehr merkwürdig, welchen missverständlichen Tweet sie am 19. November 2017 auf Twitter postete:

„Scheinheiligkeit arab. Golfstaaten muss endlich aufhören. Sie kooperieren eng mit Israel, Rest ist Show. Leidtragende: Araber.“

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Da diese Aussage so gelesen werden kann, dass Sawsan Chebli die Kooperation der arabischen Staaten mit Israel kritisiert, stellte sie später klar:

„Wer mich kennt, weiß es. Für alle anderen: natürlich bin ich FÜR Kooperation: nicht versteckt, sondern offen! Täte Region gut.“

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„Damit das klar ist: Ich bin für eine Normalisierung der Beziehungen zw. Israel u. den Nachbarn. Und zwar nicht nur undercover!“

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Wie ist es möglich, dass eine Frau, deren Aufgabe darin besteht, Sachverhalte klar und deutlich zu beschreiben, derart auf der Maus ausrutschen kann? Und warum sollen die einzig erwähnenswerten Leidtragenden an der Scheinheiligkeit der arabischen Staaten die Araber sein? Die Menschen, die unter der Scheinheiligkeit am meisten leiden und zwar unabhängig davon, wie die Scheinheiligkeit nun gemeint ist, sind Juden und Israels! Warum erwähnt sie diese Leidtragenden nicht? Gab es dafür etwa nicht genug Zeichen bei Twitter? In einem späteren Tweet schrieb Sawsan Chebli:

„Sie haben doch nur darauf gewartet, mir Antisemitismus vorzuwerfen. Absurder geht’s kaum.“

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Wer sind diese „sie“, die nur darauf gewartet haben sollen, Sawsan Chebli Antisemitismus vorzuwerfen?

Ich habe einen Vorschlag für Sawsan Chebli: Statt sich zu einem Opfer finsterer Mächte zu machen, die nur darauf gewartet haben sollen, ihr alles mögliche vorzuwerfen, wäre es vielleicht ratsam, lieber an der eigenen Rhetorik zu arbeiten. Es ist immer besser, an sich selbst zu arbeiten, statt Sündenböcke zu suchen. Die Ablehnung von Selbstkritik beim zeitgleichen Schaffen und Verurteilen von Sündenböcken ist nämlich eine Spezialität eben jener arabischen Staaten und Parteien, die Israel hassen und von Sawsan Chebli als „scheinheilig“ bezeichnet wurden.

Sawsan Chebli sollte zur Klärung einfach mal präzise Worte nutzen und folgendes erklären: „Die Weigerung der arabischen Staaten, Israel anzuerkennen, muss endlich aufhören. Es wird Zeit, dass sie offen mit Israel kooperieren!“

Das wären klare und nötige Worte! Ich frage mich nur, wie diese Worte in Teilen der Community ankommen würden.

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