Offener Brief an Markus Lanz von Simone Hofmann

Sehr geehrter Herr Lanz,

als treue Zuschauerin Ihrer Sendungen habe ich Sie immer sehr hoch geschätzt. Sie sind doch jemand, der die Dinge gerne beim Namen nennt und kein „Blatt vor den Mund nimmt“. Heute war ich beim Schauen Ihrer Dokumentation über das „Heilige Land“ dann doch negativ überrascht.

Der Teil, in welchem Sie über Gaza berichten, hat viele Dinge nicht gezeigt und viel nicht beim Namen genannt. So wie der Bericht gezeigt wurde, unterstellt er, dass alle Schuld bei den Israelis liegt. Das wird so nicht erwähnt, aber die Berichterstattung lässt einen Zuschauer, der sich nicht so sehr mit dem Thema befasst, das so glauben. Dem ist aber nicht so. Die Sequenz, die bei der Familie mit den kranken Kindern gedreht wurde, zeigte eindeutig Medizin mit hebräischer Aufschrift. Wo kommt diese her? Die Vereinten Nationen und die Europäische Union geben jährlich Milliarden als Unterstützung nach Gaza. Die Energieknappheit resultiert eben nicht daher, dass Israel den Strom abgedreht hat, sondern hat andere Gründe.

Die Hamas und die Palästinensische Automiebehörde konnten sich im April 2017 nicht einigen, wer die Stromrechnung bezahlen soll. Chaos drohte und Krankenhäuser liefen Gefahr, geschlossen zu werden. Die Vereinten Nationen haben dann die Stromrechnung für die in Gaza befindlichen Krankenhäuser bezahlt. Ihre Berichterstattung über Gaza zeigt meiner Meinung nach ein falsches Bild. Warum wurde nicht erwähnt, dass die Situation der Menschen dort so schlecht ist, weil Gelder in dunkle Kanäle verschwinden, Hamas-Funktionäre große Villen besitzen und ein sehr gutes Leben haben – im Gegensatz zur Bevölkerung?

Wenn der Bericht nicht politisch sein sollte, dann hätte er anders sein müssen. So war er politisch und hat Israel zum Sündenbock gemacht. Gaza grenzt auch an Ägypten und dieses Land hat die Blockade nicht aufgehoben.

Die Situation ist sicher für die Bewohner von Gaza schrecklich, aber verschuldet hat diese Situation alleine die Hamas, die als Terrororganisation diktatorisch herrscht. Kriege sind für alle schrecklich, auch für Israel, das sich 2014 mit einem Tunnelsystem konfrontiert sah, welches in das Kernland Israels hineinging und von der Hamas mit Millionen gebaut wurde, Millionen, die doch sicher besser in Schulen, ein Gesundheitssystem und anderen Dingen, die für die in Gaza lebenden Menschen wichtig gewesen wären, investiert worden wären. Dafür war das Geld sicher auch gedacht.

Niemand zwingt die Hamas, Waffen in Schulen zu verstecken und Tunnel zu bauen oder Raketenabschussrampen und Raketen zu kaufen. Das Geld könnte in die Wirtschaft Gazas investiert werden und da Milliarden von der Europäischen Union und den Vereinten Nationen in den Gazastreifen fließen, erschließt sich mir nicht, warum nicht schon längst eine Wasseraufbereitungsanlage gebaut wurde, die Wasser garantieren und Arbeitsplätze schaffen würde.

Im Übrigen stimmt die Aussage nicht, dass die „Kontrahenten in dem Konflikt die Umwelt vergessen“. Israel bereitet 92 % des Abwassers auf und 75 % des Abwassers werden in der Landwirtschaft wiederverwendet, die höchste Rate in der Welt. Das ist nur ein Aspekt. Israel setzt den Fokus sehr wohl auf den Umweltschutz. Israel ist eines von zwei Ländern in der Welt, in der Wüsten zurückgehen, statt sich weiter auszudehnen. Natürlich hat auch Israel seine Probleme. So ist das Tote Meer tatsächlich zurückgegangen, aber generell zu sagen, dass man den Umweltschutz in Israel außer Acht lässt, ist einfach so nicht wahr.

Eine objektive Berichterstattung über Gaza findet im Deutschen Fernsehen leider nicht statt. Den Bewohnern geht es schrecklich und die Not ist groß. Gelder fließen genug – nur wohin? Diese Frage müsste man sich bei Reportagen über Gaza zuerst stellen. So viel Not hätte schon längst gelindert werden können, wäre die Unterstützung von der Europäischen Union und den Vereinten Nationen richtig eingesetzt worden. Stattdessen baut man lieber Tunnel und kauft Waffen und die Bevölkerung lebt in schlimmsten Zuständen.

Würde die Hamas das ändern, was sie ganz leicht könnte, tja, dann hätte man den Sündenbock Israel nicht mehr. Eine ganz einfache Rechnung auf Kosten der Bevölkerung von Gaza und alle fallen drauf rein – schade. Von Ihnen hätte ich einfach eine objektive Berichterstattung erwartet.

Ihnen und Ihrer Familie ein Frohes Fest und ein gutes Neues Jahr.

Simone Hofmann

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