Spar’ Dir Deine Nerven!

Eine kurze Mail von Michael Bleiberg aus Jerusalem.

Lieber Gerd,

ich schreibe Dir diese Zeilen aus Jerusalem, wo Manuela und ich die Pessach-Feiertage verbracht haben. Ich kann Deine Bestürzung über die Art, wie die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in Deutschland über Israel berichten, gut verstehen, doch Deine Stimme, sowie die Stimmen der Wenigen, die sich positiv über die Ereignisse um und in Israel äußern, werden schon lange nicht mehr gehört, nicht in Deutschland, nicht in der EU.

Das hat seinen Grund darin, dass man uns Juden den Holocaust nicht verzeihen will. Das klingt lächerlich, ist aber so. Man sucht ständig nach Gründen, um die Schuld, die sich die Völker durch die Ermordung ihrer jüdischen Nachbarn aufgeladen haben, zu relativieren. Wenn man Juden als bösartige Monster darstellt, war es wohl doch nicht so verkehrt, wenn die vorherige Generation diese Monster durch die Schornsteine geschickt hat, denn sie haben dies ja eventuell schon vorausgesehen. Das erleichtert das Gewissen.

Unterschwellig weiß doch jeder, dass wenn seine Vorfahren keine Opfer waren, müssen sie Täter gewesen sein. Deshalb wird auch immer wieder der Versuch unternommen, die Toten des Bombardements von Dresden und anderer deutscher Städte als ebensolche Opfer darzustellen. Deshalb auch immer der Versuch der Europäer, Deutschland als das Tätervolk hinzustellen, um die eigene Kollaboration zu verschleiern.

Deshalb spar‘ Dir Deine Zeit und Deine Nerven. Du wirst in Europa kaum Freunde finden, die Deinen Zeilen in einem größeren Maße zustimmen.

Mache es vielleicht wie Ulrich Sahm, gehe nach Israel und suche Dir Deinen Frieden dort.

Liebe Grüße Michael

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17 Antworten zu Spar’ Dir Deine Nerven!

  1. anti3anti schreibt:

    Gerd bleibt hier!

    • besucher schreibt:

      Gönnen Sie ihm doch den Erkenntnisgewinn. Bis jetzt waren noch alle „Aktivisten“ aller Ausrichtungen nach einem längeren Aufenthalt völlig desillusioniert und um die Erfahrung reicher, dass weder „Spokesperson X“ noch sogenannte Freunde immer ehrlich waren und Politik immer und überall gleich funktioniert. 😀

  2. Leopard schreibt:

    Sorry, aber sozusagen den Schwanz einzuziehen kann keine Lösung sein – auch wenn es zu oft praktiziert wird.
    Hier eine Geschichte aus dem alten China: Ein Tyrann namens Dong Zhuo hatte die Hauptstadt samt der Regierung unter seine Kontrolle gebracht, und terrorisierte und beutete das Land und seine Bevölkerung aus. Ein Beamter lud anlässlich dessen andere Beamte und Freunde zu sich ein, weinte und klagte ihnen sein Leid. Alle stimmten in das Weinen und Wehklagen ein – bis auf einen jungen Offizier namens Cao Cao. Als man ihn fragte, warum er denn nicht weinen würde, erklärte Cao Cao: „Wenn alle Beamten des Reiches vom Abend bis zum Morgen, und vom Morgen bis zum Abend weinen, wird das den Tyrannen Dong Zhuo töten?“ Es stimmt zwar nicht, das Cao Cao einen Anschlag auf Dong Zhuo versuchte, aber er stellte eine Armee zum Kampf gegen ihn auf – und lest mal nach, was Cao Cao erreicht hat!
    Ist es nicht oft genug so, das wir Tyrannen und Misstände akzeptieren? Vor nicht allzu langer Zeit hatten wir in Deutschland auch einen Tyrannen, vor dem wir oft genug irgendwie immer noch auf den Knien rutschen.Sind wir da nicht so lächerlich wie die Beamten in dieser Geschichte? So ist es, wenn man „sich die Nerven spart“.
    Ich für meinen Teil habe entschieden, das der andere Weg besser ist, auch wenn er steiniger ist. Ich sage bei Gelegenheit meine Meinung – nicht nur bezüglich Judenfeindlichkeit, sondern auch bei anderen Themen – und habe festgestellt das es sich lohnt.

  3. bergstein schreibt:

    Meiner Meinung nach geht es nicht um die Rechtfertigung der Shoah. Der Mord und sein Ausmaß stellen kein wirkliches Problem dar. Es wurden auch millionenfach Menschen anderer Nationen vernichtet. Man sucht nicht nach Rechtfertigung man such nach dem Grund. Die Europäer sind auf nicht so stolz, wie auf die Aufklärung. Gemäß der Letzteren ist der Ver-stand die oberste Messlatte. Jemand zu töten um ihn auszurauben oder sich sonst an Mord zu bereichern, ist zwar moralisch verwerflich, jedoch logisch nachvollziehbar. Gigantische Ressourcen in einen Völkermord zu stecken, der wirtschaftlich nicht lohnend war und diese sehr knappen Ressourcen dem Krieg vor zu enthalten ist aber mit keiner Logik der Welt zu erklären. Man sucht deshalb verzweifelt nach Personengruppen die einen Grund haben sollen, die Juden zu hassen. An Stelle eines einseitigen Hasses tritt ein gewöhnlicher Konflikt zweier Personengruppen. Somit ist für die Europäer die Welt wieder verständlich.

    • Passant schreibt:

      Sie irren sich gewaltig, Bergstein. Es war ein lohnendes Geschäft.

      • Bergstein schreibt:

        Ich Sprach von der Ermordung während des II Weltkrieges und nicht von der vorher vorgenommen Enteignung, diese war kurzfristig sicher lohnend.

        • Passant schreibt:

          Sehen Sie etwa keinen Zusammenhang, wie kann man denn diese voneinander trennen? Am Anfang standen Neid und Raub, in ganz primitiver Form. Erst später kamen andere Tugenden wie z.B. Zielstrebigkeit, Pflichtbewusstsein, Zuverlässigkeit oder auch Sparsamkeit zum Tragen. Stellen Sie sich vor – eine Gruppe wird entrechtet und ausgeraubt, dann inhaftiert, ghettoisiert. Das Geschäft läuft gut, nur leider durch Landgewinne bekommt man immer mehr Overhead. Auch die Wirtschaftlichkeit sinkt, da Raubgut auch mit anderen Völkern geteilt werden muss, die nach Kräften (manchmal aber doch ungerne oder auchgar nicht) aushelfen. Die inhaftierten müssen ja irgendwo zusammengehalten, bewacht und gefüttert werden. Das waren eben die Ressourcen, die das Land dringend woanders brauchte. Massenmord ist dagegen um Vielfaches billiger, auf Organisation und Logistik kommt es an. Massenerschießungen und Gaswagen Transporte wurden im Osten ausprobiert, das war auch nicht effizient genug. Dann hat sich die Wannseekonferenz eine andere Methode überlegt. Die Teilnehmer kannten sich mit Betriebswirtschaft anscheinend besser aus als Sie, Bergstein… Leider.

  4. Hein schreibt:

    Es gibt auch ideologische Opfer. Richard Dawkins spricht von Memen, die sich in Gesellschaften verbreiten. Gut, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich dem Mainstream entziehen können, nicht an Hexen glauben, sondern sich ein eigenes Bild machen.
    In einer Diktatur, religiös oder säkular oder ein Gemisch aus beidem, wie es die nationalsozialistische Diktatur war, ist das viel schwieriger.
    Die Unterstützung Israels wegen des schlechten Gewissens ist kein Fundament, wie die EU-Resolutionen zum Thema Nah-Ost beweisen.

  5. Chanan Paldi schreibt:

    Lieber Gerd Buurmann, das was der Michael Bleiberg Dir geschrieben hat, wollten meine Frau und ich Dir schon lange schreiben. Wir teilen Deine Empoerung, aber glaube uns – aus eigener Erfahrunbg!!!! – die aendern sich nicht!!!! Fuer uns war die Entscheidung nach Israel zu gehen, die einzig richtige. Beste Gruesse aus der Negev Wueste

    • Bruno Becker schreibt:

      Ganz so einfach geht das nicht: Angesichts der sich zuspitzenden Situation wuerde ich natuerlich jedem Juden raten, nach IL auszuwandern, klar. Fuer Nicht-Juden steht diese Moeglichkeit aber weder offen, noch betrifft sie der Antisemitismus, zumindest nicht direkt. Das zum einen. Zum anderen darf man nie vergessen, dass es viele Menschen gibt, die der Propaganda glauben, nicht weil sie Antisemiten waeren, sondern weil sie es nicht besser wissen. Und genau fuer die muss es diese Form der Aufklaerung geben. Fragen Sie Herrn Buurmann, wieviele seiner Leser einst der Propaganda geglaubt haben, bevor sie hier mit den Tatsachen samt Quellen versorgt wurden.
      Allein die Tatsache, dass es immer Antisemitismus, Rassismus etc. geben wird, reicht nicht, die Aufklaerung dagegen aufzugeben.

      Ihnen ein wunderbares und vor allem friedliches Leben in der Negev!
      Gruss aus South Carolina, BB

  6. caruso schreibt:

    Der Brief bestätigt nur meine seit langem bestehende Ansicht, daß die Präzedenzlosigkeit der Shoa nicht in der Anzahl der ermordeten Juden ist, auch nicht die Gaskammern, oder die maschinenhafte Bürokratie, sonder die Täter. Fast (<aus Vorsicht) alle aus sogenannten Kulturnationen, allen voran D. Auch wenn F es gerne organisiert hätte, so praktisch begabt waren sie nicht. Die anderen Länder waren viel zu klein, doch sehr gute Helfer. Tut mir leid.
    lg
    caruso

  7. P.M. schreibt:

    Es macht einen wirklich fassungslos und traurig.
    Und wütend machen mich Äußerungen wie Todenhöfers vor ein paar Tagen:
    „Liebe Freunde, kein Konflikt der Welt wird so einseitig dargestellt wie der Palästina-Konflikt. Fast immer werden die Palästinenser als Täter dargestellt, die Israelis als Opfer. Die Wahrheit sieht meist anders aus. “
    Da möchte ich mal wissen, welche Medien er konsumiert. Öffentlich-rechtliche sind bei so einer Äußerung schon mal ausgeschlossen.

  8. HM schreibt:

    Zitat:
    „…Unterschwellig weiß doch jeder, dass wenn seine Vorfahren keine Opfer waren, müssen sie Täter gewesen sein.“

    Sehr schlichtes Wertegefüge……..macht aber die Meinungsfindung sehr simpel.
    Erinnert an die Positionierung der „Israelkritiker“

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