Für wen spricht der Zentralrat der Muslime eigentlich?

Wenn in Deutschland ein Vertreter der muslimischen Gemeinde gesucht wird, fällt die Entscheidung nicht selten auf den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Für wen spricht er eigentlich?

Zentralrat der Muslime! Das klingt seriös und bedeutsam. Das klingt so wie der Zentralrat der Juden in Deutschland. Ist der Vergleich aber zulässig?

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat über 100.000 Mitglieder. Etwa 200.000 Juden leben in Deutschland. Der Zentralrat der Juden vertritt somit über 50% aller Juden in Deutschland. Der Zentralrat der Muslime hat nicht mal 20.000 Mitglieder, in Deutschland leben jedoch über 4,5 Millionen Muslime. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland vertritt somit unter 0,5% aller Muslime in Deutschland.

Dies zeigt, die Namensgebung als Zentralrat der Muslime ist nichts weiter als ein genialer Marketingstreich. So insinuiert dieser kleine und für die Mehrheit der Muslime völlig unbedeutende Verein eine Kompetenz, die vergleichbar sein soll mit dem Zentralrat der Juden. Dem ist nicht so.

Die größte muslimische Organisation in Deutschland ist die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. (DİTİB). Zu den Zielen der DİTİB zählen die religiöse Betreuung und Unterweisung der in Deutschland lebenden türkischen Muslime. DİTİB errichtet und unterhält Moscheen und Unterrichtsstätten, bildet Prediger aus und organisiert kulturelle Veranstaltungen. DİTİB untersteht der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei, welches dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert ist. Der Vorsitzende der DİTİB ist in Personalunion auch türkischer Botschaftsrat für religiöse und soziale Angelegenheiten. Zudem werden die an staatlichen theologischen Hochschulen in der Türkei ausgebildeten Imame der DİTİB für fünf Jahre nach Deutschland geschickt und sind de facto Beamte des türkischen Staates, von dem sie auch bezahlt werden.

Wenn es eine Organisation gibt, die die Kompetenz hat, so für Muslime in Deutschland zu sprechen wie der Zentral der Juden für Juden in Deutschland, dann DİTİB. Das mag vielen nicht gefallen, aber es ist so.

DİTİB hat durchaus positives bewirkt. Unter der Präsidentschaft von Çakırs Präsidentschaft legte die DİTİB besonderes Augenmerk auf Integration und war am 21. November 2004 an der Demonstration „Gemeinsam für Frieden und gegen Terror“ in Köln beteiligt, bei der über 20.000 Menschen teilnahmen. Diese Zeiten aber sind lange vorbei. Es ist finsterer geworden.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Report München berichteten im Jahr 2015, dass radikale Islamisten auch in DİTİB-Moscheen aktiv seien. So wurde ein Foto bekannt, auf dem ein Vorstandsmitglied der DİTİB Dinslaken mit ausgestrecktem Zeigefinger posierte, einer Geste aus Salafistenkreisen. Das verantwortliche Vorstandsmitglied trat umgehend vom Amt zurück. Im selben Jahr wurde auf der Homepage der DİTİB-Gemeinde in Melsungen bei Kassel auf türkisch gegen Juden gehetzt. Auf der Webseite wurden Juden als „geizig, gierig und gemein“ diffamiert und behauptet: „Juden sind niederträchtig (…) Sie lügen und stehlen“

Tobias Huch stellte daraufhin eine Anzeige wegen Volksverhetzung. Das Verfahren wurde jedoch mit der Begründung eingestellt, bei den Aussagen auf der Webseite des Vereins handle es sich um Koranzitate und deshalb sei kein dem „Volksverhetzungstatbestand entsprechender Vorsatz“ nachweisbar.

Die DİTİB leugnet den Völkermord an den Armeniern und rief im Vorfeld der Bundestagsabstimmung vom 2. Juni 2016 zur Völkermord-Resolution zusammen mit anderen türkischen Verbänden und Organisationen zu Protesten auf, um die Anerkennung des Völkermords im Bundestag zu verhindern. Im April 2018 wurde bekannt, dass in verschiedenen DİTİB-Moscheen in Deutschland Kinder im Vorschulalter in Soldatenuniformen und mit türkischen Fahnen Kriegsszenen nachspielen mussten.

Die Freie und Hansestadt Hamburg hat als erstes Bundesland einen Staatsvertrag mit der DİTİB abgeschlossen. Grünen-Parteichef Cem Özdemir kritisierte diese Entscheidung: „Wenn wir unsere Schulen für muslimischen Religionsunterricht über DİTİB öffnen, lassen wir zu, dass Erdoğans Ideologie im Unterricht in unserem Land verbreitet wird. Das finde ich unerträglich.“

So sehr ich Cem Özdemir verstehen kann, aber es kann nicht geleugnet werden, dass die DİTİB für die größte Vereinigung von Muslimen in Deutschland spricht. Wir können das nicht einfach ignorieren und stattdessen lieber Vertreter einer Minderheit für die Mehrheit der Muslime sprechen lassen, nur weil uns deren Antworten besser gefallen. DİTİB erklärt auf ihrer Homepage: „Umfragen zufolge, vertritt die DITIB über 70% der in Deutschland lebenden Muslime.“

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland vertritt nicht mal 0,5 Prozent aller Muslime. Ich frage mich daher, warum wird der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime überhaupt noch von seriösen Medien eingeladen? Ebenso gut könnte man einen Reichsdeutschen als Vertreter Deutschlands einladen.

Es gehört leider zum journalistischen Alltag in Deutschland, Menschen für den Islam sprechen zu lassen, die überhaupt keinen Rückhalt in der Gemeinschaft haben. Ein weiteres typisches Beispiel dafür ist Khola Maryam Hübsch. Sie wird immer eingeladen, wenn irgendwo eine Frau mit Kopftuch gebraucht wird, die für den Islam spricht. Das Problem ist nur, sie spricht nicht für den Islam. Die Mehrheit der Muslime erklärt sogar, Khola Maryam Hübsch sei gar keine Muslimin, denn sie ist Mitglied der Ahmadiyya Gemeinschaft und die meisten Muslime weltweit erklären, die Lehre der Ahmadiyya sei Häresie und lehnen sie ab.

Die Ahmadiyya-Gemeinschaft wurde von Mirza Ghulam Ahmad in den 1880er Jahren in Britisch-Indien gegründet. Mirza Ghulam Ahmad lebte von 1835 bis 1908. Er erhob den Anspruch, der „Erneuerer des 14. islamischen Jahrhunderts“, der „verheißene Messias“, der von Muslimen erwartete „Mahdi der Endzeit“ und ein „Prophet“ zu sein. Er verkündete, Jesus habe seine Kreuzigung überlebt und sei nach Indien ausgewandert. Zudem beanspruchte er, im Geist und in Vollmacht Jesu aufzutreten.

Ebenfalls im 19. Jahrhundert wirkte ein anderer Mann, der sich als Prophet vorstellte. Er lebte in den USA. Sein Name war Joseph Smith. Er lebte von 1805 bis 1844 und erklärte, er habe die Fähigkeit, mithilfe eines „Sehersteins“ verborgene Schätze aufspüren. Er behauptete, im Frühjahr 1820 seien ihm Gott und Jesus erschienen und am 21. September 1823, ein Engel mit dem Namen Moroni, der ihm Gottes Auftrag überbracht haben soll, ein Buch von Goldplatten zu übersetzen, welche „die Fülle des immerwährenden Evangeliums“ enthalten sollen. Diese Goldplatten lägen in einem Hügel mit dem Namen Cumorah in der Nähe von Manchester. Diese Goldplatten will er gefunden haben und gründete auf Basis dieser Platten die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, besser bekannt als die Mormonen.

Die Mormonen verstehen sich selbst als Christen, so wie sich die Ahmadiyya als Muslime verstehen. Ein Mitglied der Ahmadiyya jedoch einzuladen, um für den Islam zu sprechen, ist so seriös, wie einen Mormonen einzuladen, um für das Christentum zu sprechen.

Es ist vollkommen hanebüchen, Khola Maryam Hübsch oder Aiman A. Mazyek für den Islam sprechen zu lassen. Wer glaubt, diese zwei Persönlichkeiten würden für den Islam sprechen, glaubt auch, Cherry Coke spricht für Kirschen.

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