Ich bleib‘ im Bus!

Ein musikalischer Beitrag von Lea Tunes.

„Moral, Ethik, Anstand, Werte, starke Worte, die meine Mum mich lehrte. Fuck you hate! Ich bin für Liebe. Zum Glück denkt ihr das auch, guckt euch um, wir sind viele.

Kein Mensch ist illegal! Grenzen made by Menschen! What? Grenzen made by Menschen!

Ich geh den Weg, der sich mir zeigt, bin froh, dass ich das tun kann, will es dir mitteilen und dir sagen, dass du das auch tun kannst. Ich genieße die Zeit, mache das was ich gut kann. Mach dich bereit, denn als nächster bist du dran.

Ich weiß kein Mensch ist illegal! Ich kann sein wer ich will! Egal, was sie meinen. Ich bleibe stark. Ich bleib‘ im Bus, Rosa Parks!

Es liegt auf der Hand. Es ist einfach logisch. Wir wissen es alle, was anderes wär idiotisch!

Grenzen sind da. Grenzen sind symbolisch. Warum ist das Menschenrecht für Menschen utopisch? Kein Mensch ist illegal! Grenzen made by Menschen!

Egal was sie sagen, egal was sie tun. Ich bleib bei meiner Meinung, bleib’ im Bus. Was machst du?“

Tapfer im Nirgendwo präsentiert ein paar Informationen zu Rosa Parks und zu der Zeit und der Gesellschaft, in der sie lebte:

Rosa Parks war eine amerikanische Bürgerrechtlerin, die sich am ersten Tag des Monats Dezember im Jahr 1955 in der Stadt Montgomery im Staat Alabama geweigert hatte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Sie wurde daraufhin festgenommen. Rosa Parks mutige Entscheidung gilt als Initialzündung der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, die das Ende der sogenannten Jim-Crow-Gesetze erkämpfte.

Elf Jahre vorher kämpfte bereits Irene Morgan für die Abschaffung der staatlich sanktionierten Rassentrennung in den USA. Sie wurde im Alter von 27 Jahren verhaftet, weil sie ihren Sitz in einem Greyhound-Bus auf der Fahrt vom US-Staat Virginia nach Maryland nicht für einen Weißen aufgeben wollte. In ihrem Rechtsstreit gegen die Verwaltung Virginias im Jahr 1946 wurde richterlich festgelegt, dass aufgrund des Vorrangs von Bundesrecht einzelstaatliche Rassentrennungsgesetze in zwischenstaatlichen Beförderungsmitteln nicht anzuwenden sind, da sie gegen die Bestimmungen des 14. Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten verstießen.

„Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert sind und ihrer Gesetzeshoheit unterstehen, sind Bürger der Vereinigten Staaten und des Einzelstaates, in dem sie ihren Wohnsitz haben. Keiner der Einzelstaaten darf Gesetze erlassen oder durchführen, die die Vorrechte oder Freiheiten von Bürgern der Vereinigten Staaten beschränken, und kein Staat darf irgend jemandem ohne ordentliches Gerichtsverfahren nach Recht und Gesetz Leben, Freiheit oder Eigentum nehmen oder irgend jemandem innerhalb seines Hoheitsbereiches den gleichen Schutz durch das Gesetz versagen.“

Morgans Fall inspirierte einige Bürgerinnen und Bürger zum Freedom Ride. Am 4. Mai 1961 verließen zwei Busse mit schwarzen und weißen Fahrgästen Washington DC. Die Männer und Frauen saßen bewusst gemischt, mit mindestens einem Schwarzen in der für Weiße reservierten Zone im vorderen Bereich. Sie hatten sich darauf geeinigt, gewaltfrei zu protestieren. Sie fuhren ohne größere Probleme durch Virginia, North Carolina und Georgia. Dann erreichten sie Alabama.

In der Stadt Anniston wurden die Busse am 14. Mai von einem wütenden Mob angegriffen. Ein Bus wurde in Brand gesteckt und der Mob versuchte, die Türen zuzuhalten, um die Insassen im Bus bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Als jedoch der Fahrzeugtank explodierte, gelang den Menschen im Bus die Flucht. Außerhalb des Busses wurden die Menschen vom Mob angegriffen. Lediglich die Warnschüsse eines Polizisten konnten ein Lnynchen verhindern.

Einige Freedom Rider mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Um zwei Uhr morgens wurden die Verletzten jedoch des Krankenhaus‘ verwiesen, weil das Krankenhauspersonal Übergriffe eines Mobs fürchtete. Ein baptistischer Geistlicher vor Ort organisierte daraufhin Autos und brachte die Verletzten in Sicherheit.

Als der verbliebene Bus die Stadt Birmingham in Alabama erreichten, wurden die Menschen von Mitgliedern des Ku-Klux-Klans angegriffen. Unter Anordnung und Mithilfe des Polizeikommissars wurden die Freedom Rider nach Hautfarbe getrennt und dann beide Gruppen mit Baseballschlägern, Eisenstangen und Fahrradketten brutal zusammengeschlagen.

Nach diesem Überfall weigerte sich der Busfahrer aus Angst, weiterzufahren. Die verbliebenen Freedom Rider beschlossen daher, mit dem Flugzeug nach New Orleans zu fliegen. Daraufhin kam es am Flughafen zu Bombendrohungen und Angriffen.

Am 17. Mai 1961 versuchten zehn Studentinnen und Studenten der Nashville Studenten-Bewegung den Freedom Ride fortzusetzen. Sie fuhren nach Birmingham, wo sie allerdings sofort verhaftet wurden und zwar von dem Polizeikommissar, der die Freedom Rider hatte zusammenschlagen lassen. Zwei Tage später fuhren weitere Freedom Rider in Richtung der Stadt Montgomery in Alabama und wurden dabei unter anderem von Mitgliedern des Ku-Klux-Klans angegriffen. Die Polizei ließ die Angriffe zu.

In der Nacht zum 21. Mai versammelten sich 1.500 Menschen in der Ersten Baptisten Kirche in Montgomery, um im Gebet auf die Ankunft der Freedom Rider zu warten. In der Kirche hielt Martin Luther King eine Rede. Das Gebäude wurde schließlich von 3000 Weißen belagert, die damit drohten, die Kirche niederzubrennen. Im Keller telefonierte Martin Luther King mit dem US-Generalstaatsanwalt und bat um Hilfe. Während des Telefonats wurden Ziegelsteine durch die Fensterscheiben geworfen wurden und anschließend Tränengas ins Gebäude gesprüht.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika drohte daraufhin dem Staat Alabama, Bundeseinheiten zu schicken, um die Situation zu befrieden. Daraufhin setzte der Gouverneur des Staates Alabamas die Nationalgarde ein, um Recht und Ordnung zu schützen.

Am 22. Mai erreichten die Freedom Rider Montgomery erreichten. Am 24. Mai fuhren sie Richtung Richtung Mississippi weiter. Sowohl die Bundesregierung, als auch die Gouverneure der Staaten Alabama und Mississippi erklärten, dass Nationalgarde und Staatspolizei die Fahrt schützen würden. Als die Freedom Rider jedoch in der Hauptstadt Mississippis ankamen, wurden sie verhaftet.

In der folgenden Zeit bis zum Juni 1961 fanden weit über fünfzig weitere Fahrten von Freedom Riders statt. Es kam zu unzähligen Verhaftungen. Hier ein paar Namen der Heldinnen und Helden im Bus:

„Ich bleib im Bus! Was machst Du?“

***

Bilder: Stefano Fonte

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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Eine Antwort zu Ich bleib‘ im Bus!

  1. Silvia schreibt:

    Kein Mensch ist illegal, ist Blödsinn dem Grunde nach. Da fehlt nämlich was. Er kann illegal an einem bestimmten Ort sein, und darum geht es. Ist genauso blöd wie „Hass ist keine Meinung“. Dummheit auch nicht…

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