Hass wird Pflicht

Wer eine Israel-Flagge zeigt und sie nicht verbrennt, kann von einem deutschen Gericht zu € 300,- Strafe verurteilt werden.

img_4812-1

Am 17. Januar 2009 fand in Bochum eine Demonstration gegen Israel statt. Über 1500 Personen waren anwesend. Vier Moscheegemeinden hatte zu der Demonstration gegen Israel aufgerufen. Im Zuge dieser Demonstration wurden Parolen wie „Kindermörder Israel“, „Stoppt den Holocaust in Gaza“ und „Terrorist Israel“ skandiert. Alles schien darauf hinaus zu laufen, dass gleich jemand eine Israel-Flagge herausholt, um sie zu verbrennen.

Eine Studentin holte die Israel-Flagge heraus. Sie verbrannte sie jedoch nicht, sondern schwenkte sie stolz als Zeichen der Solidarität mit Israel. Aufgrund dieser Aktion leitete die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen die Studentin ein, die eine Geldstrafe von € 300,- gegen die Studentin zur Folge hatte.

Die Aktion erinnert an einen Vorfall im Januar 2009. In dem Monat stürmten Einsatzkräfte in Duisburg eine private Wohnung in Abwesenheit der Mieter, um eine Israel-Flagge aus dem Fenster zu entfernen. Vor der Wohnung hatte eine aufgeputschte Meute von israelfeindlichen Judenhassern in guter alter Tradition deutscher Pogrome damit begonnen, Steine auf das Fenster mit dem Davidstern zu werfen. Die Polizei sorgte nicht dafür, dass die Meute mit ihrer Gewalt aufhört, sondern stürmte stattdessen die Wohnung und machte somit die Mieter der Wohnung zu Opfern der Judenhassern. Die deutsche Polizei kapitulierte vor dem Terror der Sturmtruppen auf der Strasse. Es sollte keine drei Monate dauern, bis die Entscheidung der Duisburger Polizei, nicht die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, sondern die Opfer zu strafen, per Gutachten als rechtmäßig bezeichnet wurde.

Es gelten somit zwei Faustregeln in Deutschland:

1. Nicht das Werfen von Steinen gegen ein Fenster mit Davidstern ist ungesetzlich, sondern das Fenster selbst!

2. Das Zeigen der Israel-Flagge ist in Deutschland zu gewissen Zeiten nur dann erlaubt, wenn sie verbrannt wird.

Wenn es in Deutschland in diesem Tempo weiter geht, könnte es auch bald wieder geschehen, dass Synagogen in Deutschland eine Gefährdung der inneren Sicherheit darstellen. Die ersten Schritte dahin sind bereits getan.

So wie einst für Nazis eine Synagoge eine Provokation darstellte, so argumentiert heute die Bochumer Staatsanwältin, die Gruppe um die Studentin hätte die antiisraelische Demonstration mit der Israel-Fahne „provoziert“. Mit anderen Worten: Wenn sich Judenhasser in Deutschland durch einen Davidstern provoziert fühlen und bereit sind, ihre Aggression in Gewalt umschlagen zu lassen, sind nicht etwa diese Gewalttäter Verbrecher, sondern jene Menschen, gegen die sich der Hass richtet und die nichts anderes tun, als ihrer Grundrechte zu nutzen. Die Richterin hielt den Angeklagten vor:

„Das war keine ungefährliche Situation, die Sie geschaffen haben.“

Vermutlich haben sich auch Juden vor dem 9. November 1938 in eine nicht ungefährliche Situation begeben, als sie sich dafür entschieden hatten, sich auf deutschem Boden nieder zu lassen. Kein Wunder, dass die Juden damals für die Kosten der Zerstörungen der Pogromnacht selbst aufkommen mussten, nicht wahr verehrte Richterin?

Veröffentlicht unter Antisemitismus, Deutschland | Kommentare deaktiviert für Hass wird Pflicht

Christen essen Juden auf!

Wer Juden öffentlich hassen möchte, muss nur das Wort Jude gegen Israeli tauschen und schon kann er auf der antisemitischen Orgel Toccata und Fuge spielen.

Die schwedischen Zeitung Aftonbladet behauptete zum Beispiel im Jahr 2009, israelische Soldaten würden Körper palästinensischer Kinder ausweiden, um sich an ihren Organen zu vergehen. Es war der typische Ritualmordvorwurf, der in Europa über die Jahrhunderte gegen Juden vorgebracht wurde. Im 21. Jahrhundert gibt es diesen Vorwurf immer noch. Man sage nur Israel statt Jude. Viele europäische Medien nahmen den Vorwurf der schwedischen Kolleginnen und Kollegen auf und berichteten ebenfalls.

Der Ritualmordvorwurf hat in der christlichen Welt eine lange Geschichte. Damals wurde behauptet, Juden würden das Blut christlicher Kinder benutzen, um ihre Rituale zu begehen. Heute wird behaupten, Israelis würden die Organe palästinensischer Kinder für ihre finsteren Zwecke nutzen.

Jahrhundertelang wurde behauptet, Juden bräuchten Christenblut für ihr Mazzebrot. Dabei sind es die Christen selbst, die Judenblut für ihre Messen brauchen.

Laut katholischem Selbstverständnis wandeln sich bei der Eucharistie die Hostie und der Wein in das Fleisch und Blut des Juden Jesus. Diese Wandlung vollzieht sich wahrhaft und der Substanz nach, eine Transsubstantiation eben. Nach der Eucharistie sind die Hostie und der Wein nicht nur symbolisch Jesu Fleisch und Blut, sondern wahrhaft. Das ist die katholische Lehre, von großen Philosophen des Christentums wie Thomas von Aquin gelehrt und im Jahre 1992 von Papst Johannes Paul II im Katechismus der Katholischen Kirche bestätigt.

Die katholische Hostie ist somit im Sinne des Katechismus der Substanz nach aus Judenfleisch gemacht und der katholische Messwein ist Judenblut. Während also der Vorwurf, Juden würden Christenblut für ihre Mazzebrot verwenden eine reine Erfindung der Judenhasser ist, geben Katholiken sogar selbst zu, jeden Sonntag Judenblut und Judenfleisch für ihre Rituale zu verwenden.

Das ist das der Substanz nach Komische an dieser realen und brutalen, christlichen Grausamkeit des Hasses auf Juden.

Projektion wird das in der Psychologie genannt. Der Begriff Projektion bezeichnet einen Abwehrmechanismus und umfasst das Übertragen und Verlagern eines innerpsychischen Konfliktes durch die Abbildung eigener Emotionen, Affekte, Wünsche und Impulse, die im Widerspruch zu eigenen oder gesellschaftlichen Normen stehen können, auf andere Personen oder Menschengruppen, in diesem Fall auf Juden.

In der Psychoanalyse geht der Begriff Projektion auf Sigmund Freud zurück. Er war Jude, wie Jesus. Sowohl die Psychoanalyse als auch das Christentum gehen somit auf einen Juden zurück. Die Christen haben noch einiges zu verarbeiten.

Veröffentlicht unter Christentum, Philosophie | Kommentare deaktiviert für Christen essen Juden auf!

Gebt mir ein freies Palästina!

Folgenden Brüller las ich einst bei Henning Mankell:

„Israel wird es genauso ergehen wie Südafrika unter der Apartheidzeit. Die Frage ist nur, ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird […] Wenn Veränderungen kommen, wird es von dem einzelnen Israeli abhängen, ob er oder sie bereit ist, auf seine Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben.“

Was für Privilegien meint Henning Mankell eigentlich? Ein palästinensischer Staat ist nicht bereit, Juden auf seinem Gebiet zu akzeptieren. Ich höre sowohl von palästinensischen Organisationen, als auch aus vielen europäischen und amerikanischen Mündern die Forderung, erst einmal mögen alle jüdischen Siedler verschwinden, bevor ein palästinensischer Staat gegründet werden könne. Mit anderen Worten: Für viele Menschen scheint nur ein „judenreines“ Palästina ein wahres Palästina zu sein.

Man stelle sich mal vor, in Europa würde ein Staat, der deutsche gar, fordern, alle Jüdinnen und Juden mögen ihre Häuser, Immobilien und Grundstücke aufgeben. Diese Forderung würde einen Aufschrei auslösen (hoffe ich wenigstens). Einem palästinensischen Staat jedoch möchte eine nicht zu unterschätzende Gruppe von Menschen genau dieses Recht zusprechen.

Welche Privilegien meint Henning Mankell?

Meint er vielleicht das Privileg eines Juden, Jude zu sein? Oder geht er noch einen Schritt weiter und meint damit das Privileg, überhaupt als Jude in Palästina leben zu dürfen? Oder meint er das Privileg schwul sein zu dürfen. In den palästinensischen Autonomiegebieten gibt es dieses Privileg jedenfalls nicht. Oder meint er das Privileg, eine selbstbestimmte, ja emanzipierte Frau zu sein? Auch dieses Privileg würde es in Palästina nach vorliegendem Verfassungsentwurf nicht geben.

Wenn Henning Mankell diese Privilegien meinen sollte, dann fällt er damit jedem schwulen Palästinenser in den Rücken. Für einen schwulen Palästinenser ist Israel nämlich die einzige Oase im Nahen Osten, in der er sich frei und vor allem schwul bewegen kann.

Solange die vorliegende palästinensische Verfassung nicht vorsieht, dass alle Juden, Schwule und Frauen, ob nun jüdisch, lesbisch oder nicht mit einer Menschenwürde gleich an Rechten und Pflichten versehen sind, kann ich es sehr gut verstehen, wenn aufgeklärte Menschen, ob nun palästinensisch, arabisch oder jüdisch keinen Zentimeter Boden an eine unaufgeklärte Verfassung abgeben möchten.

Israel würde sofort einen palästinensischen Staat akzeptieren, wenn dieser Staat friedlich mit Juden und Jüdinnen in Israel und Palästina zusammenleben würde. Friede mit Israel mehr fordert die israelische Regierung nicht. Henning Mankell aber ist bereit, diese selbstverständliche Forderung auf dem Altar der „Toleranz“ zu opfern.

Ich persönlich gehe mit meinen Forderungen sogar noch einen Schritt weiter als die israelische Regierung:

Ich werde erst dann wirklich ein freies Palästina akzeptieren, wenn dort ein lesbisches Regierungsoberhaupt ihr Leben und Bett mit einer Jüdin teilen kann.

In diesem Sinne: Ich freue mich auf ein freies Palästina, lieber heute als morgen!

Veröffentlicht unter Palästina | Kommentare deaktiviert für Gebt mir ein freies Palästina!

Gib mir Dope, Joanne!

Was wäre wohl aus dem kleinen, aufmüpfigen, gallischen Dorf geworden, hätte Miraculix mit seinem Zaubertrank die Bewohner nicht gedopt? Asterix und Obelix wären römisch geworden. In dem schönen gallischen Dorf hätten fortan nur noch römische Sprache und Sitten geherrscht. Gottlob, die Gallier waren gedopt, die Römlinge wurden vertrieben, Majestix mit seinem Dorf gewann und sie sind gallisch geblieben. Nur dank des Dopings von dem Druiden Miraculix!

Was wäre wohl aus der Gummibärenbande ohne Grammis Zaubertrank geworden? Zwar sorgte Grammis Trank für die Gummibären lediglich dafür, dass sie hüpfen konnten wie ein Gummiball, aber einem Menschen verlieh der magische Trank kurzzeitig übermenschliche Kräfte. Ohne diesen Zaubertrank hätte die Gummibärenbande und deren menschliche Freunde rund um den Knappen Cavin niemals auch nur den Hauch einer Chance gehabt gegen den bösen Herzog Igzorn von Drekmoor und seinen Ungeheuern. Ohne Doping wäre das Königreich Dunwin dem bösen Herzog Igzorn hilflos ausgeliefert gewesen und auch Gummi Glen wäre unter die Herrschaft Todwards und den übrigen Ungeheuern gekommen.

Auch Harry Potter ist ohne Doping nicht denkbar. Die Liste der Substanzen, die dort konsumiert werden ist schier unendlich. Es seien hier nur ein paar genannt: Das sonnengoldgelbe Euphorie-Elixier löst euphorische Stimmung aus; der Gripsschärfungstrank fördert die Geisteskraft und Konzentrationsfähigkeit; der Invigoration Draught ist ein klassischer Stärkungstrank und der Plappertrank bewirkt, dass alle, die ihn trinken, Unsinn daherreden. Es ist geradezu erstaunlich wie oft und gerne sich die Kinder in den Romanen von Joanne K. Rowling dopen.

Gib mir Dope, Joanne!

Veröffentlicht unter Spaß | Kommentare deaktiviert für Gib mir Dope, Joanne!

Deutsche Polizisten schießen auf Jungen!

In der Stadt Wendligen im Kreis Esslingen in der Nähe der deutschen Stadt Stuttgart haben am 11. März 2009 deutsche Polizisten auf den 17-jährigen Jugendlichen Tim K. geschossen. Diese ungeheuerliche Polizeiaktion fand am hellichten Tag auf offener Straße vor einem Briefverteilerzentrum statt.

Nachdem Tim K. von der Polizei angeschossen wurde, regte sich bei den deutschen „Ordnungshütern“ kein erkennbares Interesse, dem angeschossenen Jungen zu Hilfe zu eilen. Auch beistehende Zuschauer kamen Tim nicht zu Hilfe. Stattdessen filmte ein beistehender Passant die Situation mit seiner Handykamera. Diese Bilder wurden im Anschluss der Tat auf fast allen deutschen Fernsehsendern veröffentlicht.

Allerdings führten diese Bilder nicht dazu, eine differenzierte und vor allem beiden Seiten gerecht werdende Diskussion zum Thema überzogene Polizeiaktionen anzustoßen, sondern lösten lediglich eine breite Zustimmung für das Verhalten der Polizei in der deutschen Öffentlichkeit aus. Internationalen Beobachtern zufolge ist es in der emotional hoch aufgeladen Situation Deutschlands kaum mehr möglich, kritische Stimmen aufkommen zu lassen. Nur noch sehr selten können in der deutschen Medienlandschaft Töne vernommen werden, die die wahren Umstände beschreiben.

Tim K. war ein ruhiger und vor allem unauffälliger junger Mann, der von deutschen Jugendlichen deart gequält und eingeschüchert wurde, dass er unter Depressionen litt. Experten zufolge befand sich Tim K. aufgrund dieser Situation sogar in ärztlicher Behandlung. Diese Fakten werden in Deutschland aber kaum noch angesprochen. Es scheint, als habe die große deutsche Koalition alle kritischen Stimmen von links bis rechts zum Schweigen gebracht.

Aktuellen Informationen zu Folge verstarb der Junge vor Ort. Vor seinem Tod hatte er mit der Waffe seines Vaters auf Personen geschossen.

***

Sie finden diese Art der Berichtserstattung obszön? Dann schauen Sie noch einmal genau auf die Art und Weise, wie seit Jahren in deutschen Medien über Israel berichtet wird.

„Israel schießt auf Schule. Zuvor waren von dieser Schule aus selbstgebauten Raketen auf Israel abgefeuert worden.“ Diese, nur allzu bekannte Weise der Berichterstattung über Israel ist mittlerweile tief im Diskurs der deutschen Medienöffentlichkeit angekommen und wird noch noch sehr selten als das bezeichnet, was sie ist: obszön!

Veröffentlicht unter Deutschland, Israel, Nachrichten, Politik | Kommentare deaktiviert für Deutsche Polizisten schießen auf Jungen!

Ein akT der Einseitigkeit!

In der Kölner Theaterzeitung aKT hat Chefredakteurin Dorothea Marcus eine Inszenierung von William Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ in meinem Theater kritisiert, in dem ich die Rolle des Shylocks übernommen habe. Ihre Kritik beginnt mit den Worten:

„Während Israel den Gaza-Streifen in Schutt und Asche legt, wird im Severins-Burg-Theater einer der beliebtesten Shakespeare-Abende gezeigt.“

Der Pressesprecher der Hamas hätte diese Worte nicht besser formulieren können. Die herrschende Partei im Gaza-Streifen, Hamas, fordert laut Gründungscharta Artikel 7 nicht nur die Vernichtung Israels und aller Juden, sondern verfolgt, foltert und mordet auch das eigene palästinensische Volk. Dorothea Marcus hätte also durchaus auch mit diesen Worten beginnen können:

„Während die Hamas jüdische und palästinensische Menschen zum Wohle ihrer Ideologie mordet, wird im Severins-Burg-Theater einer der beliebtesten Shakespeare-Abende gezeigt.“

Sie hat es nicht getan. Sie hätte auch neutral sein können:

„Während sich der Gaza-Streifen und Israel im Krieg befinden, wird im Severins-Burg-Theater einer der beliebtesten Shakespeare-Abende gezeigt.“

Neutralität zu den Konflikten im Nahen Osten bringt keine Leser. Dorothea bedient lieber die „Israelkritik“ und stellt Israel als vernichtendes Etwas dar. Über den im Anschluss der Aufführung gehaltenen Vortrag von Alex Feuerherdt erklärt sie, Feuerherdt habe argumentiert, Israelkritik sei grundsätzlich antisemitisch, „egal, wie viele Zivilisten im Gaza-Streifen getötet und illegale Siedlungen im Westjordanland errichtet werden.“

Dorothea Marcus bezeichnet das Severins-Burg-Theater als einen Ort, an dem sich eine verschworene Gruppe an dem Leiden der Palästinenser ergötzt. Sie unterstellt dem Theater eine „Brandmanier“, wissend, dass derzeit Brandsätze auf europäische Synagogen und Menschen abgefeuert werden. Sie unterstellt dem Severins-Burg-Theater, es würde sich unverbrüchlich für das Recht Israels einsetzen, „brutal zurückzuschlagen“ und zeichnet so nicht nur das Bild eines brutal agierenden Israels, sondern nennt auch das Severins-Burg-Theater brutal. Das ist Dorotheas Kritik an mein Theater und Israel. Wie mutig!

Dorothea Marcus muss mit dieser Kritik nichts weiter befürchten, als Widerspruch von mir. Während manch ein selbsternannter Verteidiger der Rechte der Palästinenser in Europa Synogogen und Menschen angreift und den Tod Israels fordert, greife ich lediglich auf Worte zurück. Wer es jedoch wagt, sich kritische gegen die Hamas zu stellen, der muss um seine Gesundheit und sein Leben fürchten. In München wurden erst jüngst Demonstranten mit Eisenstangen angegriffen und die Polizei hatte es sichtlich schwer, diesem Angriff zu begegnen und die Unversehrtheit der Hamas-Gegner zu garantieren.

Das Severins-Burg-Theater hat lediglich darauf hingewiesen, dass im allgemeinen Diskurs Israel als brutal abgestempelt wird, während bei anderen Menschen und Staaten eben dieses Verhalten und vor allem noch extremere Brutalität toleriert wird. Das Severins-Burg-Theater kritisiert die Doppelmoral, die Gewalt nur dann zur Kenntnis nimmt, wenn sie von Juden ausgeht. Das ist antisemitisch!

Es ist genau diese Doppelmoral, die Shakespeares Jude Shylock in „Der Kaufmann von Venedig“ zum Verhängnis wird. Shylock ist ein Mensch, der sich irgendwann schlicht weigert, die Schmach der Unterdrückung hinzunehmen. Sämtliche Christen in diesem Stück sind nicht in der Lage, ihre eigenen christlichen Prinzipien zu leben, dennoch fordern sie von dem Juden eben diese Verhaltensweise und bestrafen ihn, als sich herausstellt, dass er den Geboten der Christen nicht besser folgen möchte und kann als die Christen selbst. Shylock kann nicht besser sein als alle anderen Menschen. Er ist kein Übermensch. Er ist ein Mensch und erklärt:

Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir’s euch auch darin gleich tun. Wenn ein Jude einen Christen beleidigt, was ist seine Demut? Rache. Wenn ein Christ einen Juden beleidigt, was muss seine Geduld sein nach christlichem Vorbild? Nu, Rache.

Wie jeder Mensch, der bedroht und angegriffen wird, verteidigt Shylock sich, schützt sein Leben und versetzt zur Not auch seine Umwelt in Angst und Schrecken, so dies die einzige Möglichkeit ist, das eigene Leben zu bewahren. Natürlich ist Shylocks Rache zuweilen unmenschlich, aber warum fällt vielen diese Unmenschlichkeit erst auf, wenn Sie von einem Juden ausgeht? Warum wurde diese Unmenschlichkeit nicht mit der gleichen Vehemenz bekämpft, als Shylock das Opfer war?

Um diese Frage dreht sich die Inszenierung und ist somit kein Plädoyer für eine angebliche Nibelungentreue gegenüber Israel, die Dorothea Marcus in dieser Inszenierung mit verzerrtem Blick zu entdecken glaubt und behauptet, Israel lege den Gaza-Streifen in Schutt und Asche und ein kleines Kölner Theater unterstütze es auch noch dabei.

Veröffentlicht unter Antisemitismus, Theater | Kommentare deaktiviert für Ein akT der Einseitigkeit!

Mearsheimer weiß Bescheid

John J. Mearsheimer beklagt sich über die Unverschämtheit der Juden, den Holocaust nicht zu vergessen:

„The main reason that Israelis and their supporters constantly invoke the Holocaust is because of the Occupation, and the horrible things that Israel has done and continues to do to the Palestinians. The Shoah is the weapon that Israelis and their supporters in the Diaspora use to fend off criticism and to allow Israel to continue committing crimes against the Palestinians.“

Für John Mearsheimer ist es unerklärlich, dass es Menschen gibt, die 63 Jahre nach dem Massenmord an 6 Millionen Juden, die Tat nicht vergessen können. In 63 Jahren wird man doch noch 6 Millionen Morde bewältigen können. Bei einer 40-Stunde-Woche mit zwei Wochen Urlaub im Jahr, hat man in 60 Jahren jedem Opfer eine Minute gedacht. Das muss doch reichen! John J. Mearsheimer ist jetzt 61 Jahre. Alt genug, um eine Ende der Erinnerung zu fördern und zwar von den Juden zu erst!

Vor knapp 2000 Jahren wurde ein Jude namens Jesus ermordet. Noch heute erinnern sich die Christen der Welt regelmäßig an diese Leidensgeschichte. Wenn Christen 2000 Jahre an diesen einen ermordert Juden erinnern können, dann bedeutet das, dass 6 Millionen ermordete Jude noch in 12 Milliarden Jahren nicht vergessen sein werden. Mearsheimer aber sieht das anders. Er glaubt, die Israelis wollten mit ihrem Erinnern Politik machen. So eine Unverschämtheit aber auch. Dass man mit der Erinnerung eine ganze Religion rechtfertigt, kann ja noch angehen, aber eine Nation, nein, was zu weit geht, geht zu weit.

Mearsheimer erklärt den Holocaust zu einer „Waffe der Israelis“ der Juden. Der Deutsche Siegfried hat 6 Millionen Menschen in seinen Feueröfen zusammengeschmolzen, um daraus ein Schwert für die Juden zu schmieden. Darauf muss man erst mal kommen. Vermutlich sollen die Juden den Deutschen dafür auch noch dankbar sein.

Die Tatsache, dass ein Verbrechen wie der Holocaust nicht einfach so nach 60 Jahren vergessen werden kann, ist für Mearsheimer keine zwingende Logik, sondern eine böse Absicht der Juden. Gefühle, Ängste, Traumata, all das besitzt der Jude in Mearsheimers Vorstellung offenbar nicht. Bei Mearsheimer erinnern sich Juden nicht an den Holocaust, weil sie ihn nicht vergessen können, weil Tante Jutta jedesmal am Seder-Tisch sagt, „vor 70 Jahren saßen hier noch mehr am Tisch, viel mehr“, sondern weil sie ihn nicht vergessen wollen. Gefühle kennt der Jude bei Mearsheimer nicht. Mearsheimers Juden holen den Holocaust wie eine Waffe hervor, kalt, berechnend und emotionslos. So einfach ist die Welt von Prof. Mearsheimer. Ebenso einfach ist es aber auch, eine solche Einstellung zu bezeichnen: Antisemitismus!

Veröffentlicht unter Antisemitismus | Kommentare deaktiviert für Mearsheimer weiß Bescheid

Der stolze Deutsche

Denken Amerikaner an jüdisches Theater, so denken sie an Spaß, Witz und Humor, an spritzige und tiefsinnige Dialoge, an Wortwitz und Selbstironie, an Neil Simon, Mel Brooks, Woody Allen und Stewart Konigsberg. Denken Deutsche an jüdisches Theater, so sind ihre ersten Assoziationen: Auschwitz, Verfolgung, Nazis, Depression und schlechte Laune. In Amerika weckt das Judentum gute Gefühle, aber in Deutschland schlechte.

Das ist der Grund, warum die jüdisch-deutsche Beziehung noch auf Jahrzehnte hinweg getrübt sein wird. Sagt man in Deutschland „Jude“, dann befällt sogleich ein schlechtes Gewissen die Gemüter und viele Deutsche fühlen sich schuldig. Das Problem mit Menschen, die sich schuldig fühlen, ist jedoch die Tatsache, dass Schuldner Gläubiger haben, Menschen, bei denen sie ihre Schulden haben und nicht selten hassen Schuldner ihre Gläubiger. In solchen Fällen trifft dann der zynische Satz zu: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen!“

Der Himmel bewahre uns vor Deutschen, die sich schuldig fühlen, denn sie sind wahrlich die schlimmsten Germanen! Deutschlands manische Fixiertheit auf Israel und die Lust, Israel Vorwürfe zu machen, entspringt dem Wunsch, die tief empfundene Schuld endlich loszuwerden. Viele Deutsche kritisieren Israel nicht, weil ihnen das Wohl der Palästinenser am Herzen liegt, oder weil sie Israel als kritischer Freund zur Seite stehen wollen, sondern weil sie ihre eigene Schuld bearbeiten wollen. Da geschieht es schon mal, dass sie Israel mit Nazideutschland vergleichen und Gaza mit einem Konzentrationslager, um dann zu behaupten, die Opfer von damals seien die Täter von heute. So machen sie aus ihren Gläubigern Schuldner, während sie bei jeder Weltmeisterschaft in ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer getaucht raunen:

„Endlich können wir wieder ganz unbefangen unsere Fahne schwenken. Wir können wieder stolz sein, Deutscher zu sein!“

Regelmäßig finden in Deutschland Séanacen statt, in denen versucht wird, eine “deutsche Normalität” herbei zu rufen, ganz so als hause irgendwo eine Verschwörung, die es den Deutschen verbietet, stolz zu sein. Es sind die meisten Deutschen selbst, die ein Problem mit sich haben, nicht die Welt. Die Welt hat Deutschland schnell verziehen. Die Schuld am 2. Weltkrieg war schneller verziehen, als ein Pils schal werden kann. Im Jahre 1955 trat Deutschland der NATO bei. Zehn Jahre, nachdem Deutschland Millionen von Menschen in Vernichtungslagern und auf Schlachtfeldern ermordet hatte, wurde das Land Mitglied in einer Vereinigung zur Verteidigung westlicher Werte. Vom Judenmörder zum Demokraten in zehn Jahren. Wer weiß, hätte Eichmann etwas später das Licht der Welt erblickt, er hätte nicht Judentransporte organisiert, sondern bei der Deutschen Bahn Karriere gemacht.

Aber Adolf Eichmann war kein Opfer der Umstände, kein Opfer der Bürokratie, kein Opfer einer Befehlskette. Er trug die volle Verantwortung für seine Taten. Was haben die Nazis nach dem Ende des Nationalsozialismus‘ nicht alles für Eiertänze in Nürnberg und Jerusalem veranstaltet, um die eigene Verantwortung zu leugnen. Aber die Richter, die Adolf Eichmann am 15. Dezember 1961 verurteilten, fanden damals die noch heute gültigen Worte:

“Durch welche Zufälle innerer und äußerer Art Sie auch immer auf den Weg geraten sein mögen, auf dem Sie dann zum Verbrecher wurden – zwischen dem, was Sie tatsächlich getan haben, und dem, was andere möglicherweise unter den gleichen Umständen auch getan hätten, liegt eine nicht überbrückbare Kluft. Uns gehen hier nur Ihre wirklichen Handlungen etwas an, und weder die möglicherweise nichtverbrecherische Natur Ihres Innenlebens und Ihrer Motive noch die möglicherweise verbrecherischen Neigungen Ihrer Umgebung. Sie haben sich, als Sie Ihre Lebensgeschichte erzählten, als einen Pechvogel dargestellt, und in Kenntnis der Bedingungen, unter denen Sie lebten, sind wir bis zu einem gewissen Grad sogar bereit, Ihnen zuzugestehen, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass Sie unter günstigeren Umständen je in diesem oder einem anderen Strafprozess als Angeklagter erschienen wären. Aber auch wenn wir unterstellen, dass es reines Missgeschick war, das aus Ihnen ein willfähriges Werkzeug in der Organisation des Massenmords gemacht hat, so bleibt eben doch die Tatsache bestehen, dass Sie mithalfen, die Politik des Massenmordes auszuführen und also diese Politik aktiv unterstützt haben. Denn wenn Sie sich auf Gehorsam berufen, so möchten wir Ihnen vorhalten, dass die Politik ja nicht in der Kinderstube vor sich geht und dass im politischen Bereich der Erwachsenen das Wort Gehorsam nur ein anderes Wort ist für Zustimmung und Unterstützung.”

Veröffentlicht unter Deutschland | Kommentare deaktiviert für Der stolze Deutsche

Was ist Theater?

Vom Beginn an war das Theater ein Spiel, das Verwandeln von Texten, ob niedergeschrieben oder nicht, in ein Gewebe von Zitaten, ein Eindringen und in Bewegung bringen, ein Nachsuchen, ja Erschüttern. Theater wird gespielt, gespürt.

Sprechen und Schreiben, die beiden vermeintlichen Kontrahenten, verwoben und doch getrennt, im Theater werden sie zum Ereignis. Im Theater leistet der Mensch Menschendienst, wie er in der Kirche Gottesdienst betreibt.

Der Theatertext – verwaist, adoptiert, gespielt – ist ein Gebäude zum Einbruch errichtet, sowohl ohne Schwanz als auch ohne Kopf, unvernünftig, ohne Bezugszentrum, weil er Spiel ist, weder absurd noch inkohärent noch verrückt. Theater fragt nicht nach dem Sinn, eine interpretatorische Offenbarung wird nicht ersehnt, sondern unterlaufen. Die Herrschaft der Auslegung wird überschritten und die Unbestimmtheit des Theaters, ohne Unterlaß, wieder in ein endloses Spiel getrieben.

Der Ursprung des Theaters liegt im Spiel, auch und gerade weil er zeitlich auf das Verfassen folgt. Denn was ist das Verharren in der Erstellung eines Theaterstückes weiter als ein bloßes Festhalten einer Idee? Ein Stück, das nicht zu einem über die Bühne gespanntes Leichentuch verkommen möchte, muß gespielt werden, muß bewohnbar sein – das Spielen kann nur von innen geschehen – darf jedoch nicht versklaven.

Spielen heißt, dass Risiko einzugehen, „Ja“ zu sagen zu einer Absurdität, die spürbar ihren eigenen Regeln gehorcht und immer wieder solchen Sinn hervorbringt, als dessen Kehrseite sich das Theater doch versteht. Wir spielen weiter. Wozu, wovon, wohin?

Ruhelos, wird jeder modische Sinn erneut über die Fläche der Plattform zerlegt und zerstreut, um sich nicht in die Grenzen zu legen, in denen das Theater offensichtlich agieren muß. Theater ist eine unaufhörliche Bewegung von Bildern und im Gegensatz zum Bildschirm keine bloße Matrize von Vergangenem, sondern ständig gegenwärtig und originär in seinem Spiel. Selbst das Publikum ist mit dem Theater verstrickt – ein großes Verweissystem. Und doch weiß das Publikum, dass es am Ende der Aufführung wieder hinaus muß in die Welt, um dort in den Spuren des zertrümmerten Sinns einen Weg zu finden.

(Dieser Text entstand im Spiel mit Texten von Sarah Kofman, sowie im Gespräch mit Claudia Bickmann und Viktoria Burkert, denen mein besonderer Dank gilt.)

Veröffentlicht unter Philosophie, Theater | Kommentare deaktiviert für Was ist Theater?