Kermits Kapitalismus

von Barbro Schuchardt (erstmals erschienen am 13. Januar 2012 in der Kölnischen Rundschau)

Heute Macbeth, morgen Jago, übermorgen Kermit, der Frosch. Gerd Buurmann (1976 im Emsland geboren) ist einer der vielseitigsten Künstler in Köln. Er hat als Schauspieler, Regisseur und Autor Erfolg, leitete von 2008 bis 2011 das Severins-Burg-Theater (heute Metropol Theater). Besonders stolz aber ist er auf die von ihm kreierte und moderierte Show „Kunst gegen Bares.“

Dabei werden die auftretenden Künstler vom Publikum nach Gefallen entlohnt. „Ich bin seit frühester Kindheit von der Muppet-Show theatralisch beeinflußt. „Kunst gegen Bares“ ist meine ganz persönliche Muppet-Show mit lebenden Menschen, bei der ich ein bisschen wie Kermit fungiere“, erklärt Buurmann. In diesem Monat feiert seine Offene-Bühne-Show ihr fünfjähriges Jubiläum – ein Erfolgsmodel, das er sich nicht träumen ließ, als er es im Januar 2007 mit dem Schauspieler Tobias Weber aus der Taufe hob. Dem folgte Joseph Vicaire, und seit 2008 ist Hildegart Scholten die „rheinische Marlene Jaschke“, seine Ko-Moderatorin.

Mittlerweile wird das Konzept in elf deutschen Städten kopiert. „In Heidelberg und Lübeck ist das Publikum am spendabelsten, da gibt es schon mal 200 Euro für den Sieger. In Köln lag die Spitze bei 110 Euro“, sagt Buurmann, der hier augenzwinkernd den „anständigen Kapitalismus“ verwirklicht sieht. „Wir wollen beweisen, dass Kunst auch ohne Subventionen bestehen kann. Bei uns zahlen nur die Zuschauer, die auch wirklich ins Theater gehen. Jeder zeigt unmittelbar, was ihm die Sache wert ist.“

Gespielt wird inzwischen im Ehrenfelder Artheater und zwar ohne Anmeldung. Jeder kann vortragen, was er möchte, nicht nur Schauspieler, Autoren, Musiker und Kabarettisten – „wir hatten auch Bauchredner, Zauberer und Menschen, die einfach aus ihrem Leben erzählen“, sagt Buurmann. Der Kabarettist Martin Cordemann, zuständig für die Kasse (jeder zahlt vier Euro Eintritt für das Team), sortiert die Auftrittswilligen vor Beginn ein bisschen vor – „damit wir nicht vier Gitarren an einem Abend haben.“

Aus dem Publikum geraus werden sie auf die Bühne gebeten. Am Schluss bekommt jeder ein Sparschwein, in das die Zuschauer ihren Obolus werfen. Wer am meisten eingenommen hat, wird zum „Kapitalistenschwein des Abends“ ausgerufen. Ganz wichtig ist die Mitmach-Begeisterung der Besucher. (…) Vor Weihnachten spendierte eine Zuschauerin, die bei einem Catering-Unternehmen arbeitet, ein komplettes Enten-Büffet. So viel Spaß Gerd Buurmann auch an seiner Rolle als „menschlicher Kermit“ hat: Jetzt ist wieder Schauspielkunst für ihn angesagt. Heute hat er im Metropol-Theater Premiere als Jago in Burkhard Schmiesters Inszenierung von Shakespeares „Othello“; morgen spielt er dort in der Wiederaufnahme von „Macbeth“ die Titelrolle. Die Stücke gibt es am 28. Januar und 11. Februar auch im Doppelpack (20 und 22 Uhr).

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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