Döner- und Ehrenmorde

Vor einigen Wochen wurde das Wort „Döner-Morde“ zum Unwort des Jahres 2011 gekürt. Laut Jury steht der Ausdruck prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde. Durch die Reduktion auf ein Imbissgericht würden die Opfer der Morde in höchstem Maße diskriminiert und ganze Bevölkerungsschichten aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt.

Der Begriff tauchte das erste Mal im Jahr 2006 auf und bezeichnete eine Neonazi-Mordserie an Kleinunternehmern mit Migrationshintergrund, die in den Jahren 2000 bis 2006 in verschiedenen Großstädten Deutschlands verübt wurde. Die Opfer waren acht türkischstämmige und ein griechischer Kleinunternehmer.

„Döner-Morde“ ist wahrlich ein Wort, das es verdient hat, Unwort des Jahres zu werden. Für mich ist der Begriff „Döner-Mord“ der kleine Bruder von „Ehrenmord“, da der Ausdruck „Ehrenmord“ ebenfalls prototypisch dafür steht, dass die politische Dimension des Mordes verkannt oder willentlich ignoriert wird. Leider konnte sich die Jury bis heute nicht dazu durchringen, „Ehrenmord“ zum Unwort des Jahres zu küren.

Dabei haben die Täter der „Döner-Morde“ und die Täter der „Ehrenmorde“ eine Sache gemeinsam: Sie alle töten aus fremdenfeindlichen und rassistischen Motiven heraus. Während für die Neonazis der NSU unter anderem die türkische und die griechische Kultur vom Übel sind, die es zu bekämpfen gilt, weil sich nichts in der deutschen Kultur zu suchen haben sollen, sind die Mörder der „Ehrenmorde“ davon überzeugt, dass die westliche Kultur mit ihrem Frauenbild vom Übel ist und sie nichts in der eigenen Kultur zu suchen habe. Eine Frau, die es wagt, sich mit der Kultur des Westens einzulassen, ist für diese Typen so verdorben, wie für Neonazis eine Frau, die sich zum Beispiel mit einem Kurden einlässt. Für Neonazis ist es eine Frage der Ehre, die „Reinheit des deutschen Volkes“ zu erhalten, sowie die „Ehrenmörder“ gegen all das zu Felde ziehen, was sie als unrein bezeichnen. Beide Seite tragen mit ihrer „Ehre“ nur ihre Fremdenfeindlichkeit zur Schau. Zudem haben beide Seiten große Probleme mit Homosexuellen. Laut BKA-Untersuchungen sollen ein drittel aller Opfer von „Ehrenmorden“ männlich sein.

Die Männer, die „Ehrenmorde“ begehen, stehen in ihrer Ideologie den Neonazis der „Döner-Morde“ ist nichts nach. Ob „Döner-„ oder „Ehrenmorde“, beides sind fremdenfeindliche, rassistische und sexistische Taten. Beide gehören in die Rubrik der rechtsradikalen Verbrechen.

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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