Nathan oder Shylock?

Wenn ich mir die brutale, einseitige und jeglicher Empathie beraubte Kritik an Israel anschaue, dann habe ich das Gefühl, ein ganz besonderer Fluch lastet auf den Staat Israel. Es ist ein deutscher Fluch: der Nathan-Fluch.

Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing ist ein aufgeklärter, guter Jude, der jenseits aller menschlichen Eigenarten und Schwächen deutsches Sinnbild für den verständnisvollen, vergebenden und vor allem unreligiösen Juden geworden ist. Während allen Figuren in Lessings Stück Schwächen und religiöse Eigenarten zugesprochen bekommen, thront die Idee des Nathans über alle Menschen und wird so zu einer bloßen Schablone. Diese übertrieben positive Bild vom Juden Nathan ist für heutige Juden zum Fluch geworden.

Stellen wir uns nur einmal vor, was geschehen würde, wenn Nathan auf einmal menschliche Züge bekäme, wenn er Gefühle, Zorn und Rache entwickeln würde. Nathan ist ein Jude, der gerade deshalb so beliebt ist, weil er mehr Idee als Mensch ist. Lessing hat die Ideen der Aufklärung auf das Judentum projiziert und seitdem werden Juden zu einer kompromisslosen Einhaltung dieser Prinzipien in einer Art und Weise verpflichtet, wie sie sonst keinem anderen Menschen abverlangt werden.

Solange Juden in Ablehnung von Gewalt zu Opfern werden, solange sie wie Nathan höchstens ihre Rhetorik als Waffe einsetzen, wenn ihnen die Worte Tut nichts! Der Jude wird verbrannt!“ entgegengeschmettert werden, solange sie ganz friedlich bleiben, sind sie den Mitmenschen Willkommen. Sobald sie aber beginnen, sich zu wehren, schlägt die angebliche Sympathie in bittere Antipathie um.

Der Jude hat verständnisvoll und vergebend zu sein, um von seiner Umwelt geliebt zu werden. Es ist genau diese Anforderung der Welt an Juden, die einem anderen bekannten Juden aus der Theatergeschichte zum Verhängnis wird: Shakespeares Shylock aus dem Stück „Der Kaufmann von Venedig“.

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Shylock ist ein ganz gewöhnlicher Mensch, der sich irgendwann schlicht weigert, die Schmach der Unterdrückung einfach hinzunehmen. Nicht selten wird Shylock als Zerrbild des zornigen, gierigen Juden verstanden. Wenn man das Stück jedoch liest, wird klar, was schon Heinrich Heine erkannte: Shylock ist ein Mensch, dem Unrecht geschieht und sich wehrt. Wie sehr Heinrich Heine die Figur des Shylocks und somit auch das Stück „Der Kaufmann von Venedig“ mochte, wird allein schon an der Tatsache deutlich, dass er eines seiner berühmtestes Gedichte, nämlich „Die Lore-Ley“ mit den Anfangsworten dieses Stücks von Shakespeare beginnen lässt: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin.“

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Während sämtliche Christen in Shakespeares Stück nicht in der Lage sind, ihre eigenen christlichen Prinzipien zu leben, fordern sie von dem Juden eben genau diese Verhaltensweise und bestrafen ihn umso heftiger, als sich herausstellt, dass er den christlichen Geboten nicht mehr folgen möchte oder kann als jeder andere Christ. Shylock will und kann nicht besser sein als alle anderen Menschen. Er ist kein Übermensch und bringt dies auch mit folgenden Worten auf den Punkt:

Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir’s euch auch darin gleich tun. Wenn ein Jude einen Christen beleidigt, was ist seine Demut? Rache. Wenn ein Christ einen Juden beleidigt, was muss seine Geduld sein nach christlichem Vorbild? Nu, Rache.

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Shylock ist im Gegensatz zu Nathan ein Mensch, mit Gefühlen und Ängsten. Wie jeder Mensch, der bedroht oder angegriffen wird, verteidigt er sich, schützt sein Leben und versetzt zur Not auch seine Umwelt in Angst und Schrecken, so dies die einzige Möglichkeit ist, das eigene Leben zu bewahren.

Genau diese Menschlichkeit wird Juden heutzutage verwehrt. Es reicht schon ein Blick in die Organisation der Vereinten Nationen. Ein Drittel aller Resolutionen und Entscheidungen, die der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen seit seinem Bestehen verabschiedet hat, richtet sich gegen Israel. In einer manischen Fixiertheit auf nur 0,1% der gesamten Weltbevölkerung, denn dies ist der prozentuelle Anteil der Israelis auf der Erde, sehen die Vereinten Nationen ein Volk, dem ganz besondere Aufmerksamkeit zu Teil werden muss. Während 99,9% der Welt mit geradezu christlicher Milde beäugt werden, müssen die restlichen 0,1% die volle Last der Aufklärung auf ihre Schultern laden.

Alle Juden der Welt zusammengenommen ergeben gerade mal 0,22% der Gesammtbevölkerung. 99,78% der Bevölkerung werden somit von Nicht-Juden gestellt. Dennoch hält sich der wackere Glaube vom starken und stets präsenten Juden. Es ist geradezu amüsant wieviel Menschen an die Macht der Juden glauben. Wenn man diese Menschen nun fragt, wie es denn um den Einfluss der Holländer (0,25% der Gesamtbevölkerung), der Deutschen (1,22%), der Chinesen (19,5 %), der Muslime (19,26%) oder der Christen (31,11%), bestellt sei, schauen diese Menschen nur ganz verwirrt, ganz so als habe man gerade eine völlig absurde Frage gestellt. Nur die Frage nach dem Einfluss der Juden ist selbstverständlich nicht absurd. Die Juden sind halt etwas ganz Besonderes. Und weil sie so ganz besonders sind, müssen sie sich auch ganz besonders benehmen. Sie sollen brav und anständig sein, wie ein wohlerzogenes Kind, das zur Vergewaltigung zum lieben Onkel geschickt wird. Solange sich Juden schön abschlachten lassen, werden sie von allen geliebt; aber wehe, sie fangen an, sich zu wehren, dann hört der Spaß auf. Der Journalist Henryk M. Broder hat es auf diese einfache Formel gebracht:

„Es ist einfacher, Kränze vor toten Juden abzuwerfen, als sich mit lebenden auseinanderzusetzen.“

Juden dürfen auf keinen Fall auffallen. Zur Not müssen sie ganz einfach verschwinden, wie Shylock. Als Shylock sich weigert, das Prinzip der Vergebung zu leben, wird er von Portia, die ebenfalls jede Vergebung fahren lässt, brutal bestraft. Im vierten Akt von Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ spricht Shylock seine letzten Sätze und taucht im fünften und finalen Akt nicht mehr auf.

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Im letzten Akt ist Venedig judenrein, so wie es die Nazis einst mit der ganzen Welt vor hatten und wie es Gaza heute ist. Am Morgen des 12. September 2005 verließen die letzten Juden den Gazastreifen über den Grenzübergang Kissufim. Der Abzug wurde von Arabern teils frenetisch mit Freudenschüssen und Autokorsos gefeiert. Die verlassenen Synagogen wurden in Brand gesteckt. Es kam zu einer wahren “Gazakristallnacht”.

Ständig ist von palästinensichen Organisationen, aber auch von vielen europäischen und amerikanischen Regierungen die Forderung zu vernehmen, erst einmal mögen alle jüdischen Siedler verschwinden, bevor ein palästinenischer Staat gegründet werden könne, denn nur ein „judenreines“ Palästina sei ein wahres Palästina. Es gibt Minister, die kein Blatt vor dem Mund nehmen. Der stellvertretende Minister für religiöse Stiftungen der Hamas, Abdallah Jarbu, sprach am 28. Februar 2010:

„Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk. Sie haben keine Religion, kein Gewissen, keine moralischen Werte!“

Die Hamas-Charta erklärt im Artikel 7:

Der Prophet – Andacht und Frieden Allahs sei mit ihm, – erklärte: Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!

Der Hitlergruß gehört schon lange zum Repertoire dieser und ähnlicher Bewegungen, wie diese Bilder der Hisbollah und der Hamas belegen.

Hamas hat verwirklicht, woran Hitler gescheitert ist.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es viele jüdische Siedlungen in Europa. Sie wurden Schtetl genannt. Für die Nazis waren diese Schtetl illegale jüdische Siedlungen, die sie vernichteten und mit ihnen einen Großteil der jüdischen Bevölkerung Europas. Letztendlich scheiterten die Nazis jedoch mit ihrem Versuch, Europa “judenrein” zu machen. Hamas allerdings scheiterte nicht. Alle jüdischen Siedler wurden 2005 aus dem Gazastreifen vertrieben. In Folge wurde Israel dann jedoch aus dem „judenreinen“ Gaza mit tausenden von Raketen beschossen. Die jüdischen Siedler waren somit nicht das Problem, weil sie Siedler waren, sondern weil sie Juden sind. Als sie aufhörten, Siedler zu sein, wurden sie von der Hamas dennoch weiter bekämpft, weil sie Juden sind!

Wer glaubt und fordert, dass Juden verschwinden müssen, kann niemals Frieden mit Juden schließen.

Juden, die siedeln und Häuser bauen, sind niemals ein Problem! Sie sind es nicht in Israel, nicht in Amerika und nicht in Europa. Sie sollten es auch nicht in den Ländern des Nahen Ostens sein! Überall auf der Welt gibt es in diversen Ländern jüdische Siedlungen und Viertel. In Deutschland gibt es jüdisch, muslimisch und christlich geprägte Viertel. Nur wenige sehen in ihnen ein Friedenshindernis. Sie werden vielmehr als eine kulturelle Bereicherung verstanden und gelten als Unterstützung für ein friedliches Miteinander, da sie Vielfalt, Toleranz und Akzeptanz zu fördern vermögen. In Köln gibt es die überwiegend muslimisch geprägten Keupstraße und in Paris den Marais im dritten und vierten Arrondissement, eine überwiegend jüdisch geprägte Siedlung der Stadt. In Israel gibt es eine Menge muslimische Viertel und Siedlungen. Fast zwanzig Prozent aller Israelis sind Muslime. Für Israel sind muslimische Siedlungen innerhalb und außerhalb Israels kein Friedenshindernis, sondern gelebte Demokratie.

Israel ist eine Demokratie, in der jede Kritik, sogar die dümmste und die brutalste Kritik, erlaubt ist und artikuliert wird. In Jordanien, Libanon, Syrien, Gaza, Westjordanland aber haben Palästinenser diese Rechte nicht. Warum also werden diese dort von Arabern unterdrückten Palästinenser nicht gestärkt?

Warum nicht dort die Rechte von Palästinensern fordern, wo sie nicht vorhanden sind, statt ständig das Land zu kritisieren, das ihnen diese Rechte garantiert?

Vielen Menschen, die vorgeben, solidarisch auf der Seite der Palästinenser zu sein, sind Palästinenser in Wirklichkeit vollkommen egal. Sie sind einfach nur gegen Juden! Daher verbünden sie sich mit den Feinden der Juden. Wenn diese Feinde behaupten, Palästinenser könnten keine Juden sein, weil Juden die Feinde von Palästinenser seien, dann verstehen sie das sofort und übernehmen die Rhetorik gerne.

Wer behautet, jüdische Siedlungen seien illegal, wer erklärt, es dürfe einen Ort geben, an denen Juden nur aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit das Bauen und Siedeln verboten wird, ist ein Antisemit!

Islamisten hassen Juden, wie Nazis Juden hassen. Deshalb ist Gaza heute so „judenrein“, wie die Nazis damals ein „judenreines“ Deutschland wollten. Islamisten hassen Israel, weil Israel ein jüdischer Staat ist. Deshalb wollen sie ihn vernichten und deshalb ist Israel für sie ein Besatzer. Selbst der toleranteste und bescheidenste jüdische Siedler, der mit Politik nichts am Hut hat und nicht im Geringsten die Absicht verfolgt, Land für Israel zu gewinnen, sondern nur mit seiner Familie in einem friedlichen Haus mit Garten leben möchte, hat zu verschwinden. Es sind nämlich nicht seine politischen Überzeugungen oder seine israelische Staatsangehörigkeit, die dem Islamisten stören, sondern ausschließlich die Tatsache, dass er Jude ist. In Hebron zum Beispiel wurden 1929 nach einem Massaker an Juden alle überlebenden Juden vertrieben. Israel gab es damals noch nicht!

Der Hass auf Juden versteckt sich heute hinter der Kritik an Israel und eine Menge Menschen stimmen in den Chor ein. Als Israelkritik getarnten Judenhass findet man heute überall.

In der deutschen Politik
Im deutschen Bundestag
In den Vereinten Nationen
In der Europäischen Union
Im Theater
In der Gesellschaft
In der Hamas

Die Leute von der Hamas sind da ungleich ehrlicher. Sie verstecken sich nicht hinter Israelkritik sondern posaunen ihren Judenhass offen hinaus:

Und dann gibt es noch Worte wie diese:

„Der größten Feinden eines jeden Muslims nach dem Teufel sind die Juden! Wer sagt das? Gott sagt das!“ (Al-Rahma TV (Ägypten), 9. Januar 2009)

„Unser Hass auf die Juden ist in unserem Glauben begründet! Der Koran sagt uns, sie zu hassen, nicht sie zu lieben.“ (Al-Nas TV (Ägypten), 8. Januar 2008)

„Ich unterstütze Deutschland in der Politik und Brasilien im Sport. Ich mag die Art wie Brasilien Fußball spielt, aber ich mag die Deutschen, weil sie die Juden hassen und sie verbrannt haben. Hahahahaha!“ (Wiam Wahhab, ehemaliger libanesischer Minister, auf Al-Jadid/New TV (Libanon) 4. Juli 2010)

Warum ist es für einen möglichen zukünftigen palästinensischen Staat unzumutbar, jüdische Bürger zu tolerieren?

Warum ist es schlimmer Häuser zu bauen, als Häuser zu bebomben?

Warum ist es akzeptabler, Juden zu hassen, statt Siedler zu sein?

Warum wurde im Jahre 2010 ein Brandanschlag auf eine deutsche Synagoge verübt, wenn Juden in Palästina Siedlungen bauen?

Warum müssen israelische Regierungen immer erklären, dass sie für eine Zwei-Staaten-Lösung sind, obwohl in den letzten 30 Jahren nicht ein palästinensischer Vertreter für eine solche Lösung eingetreten ist, geschweigedenn einen Frieden mit Israel angeboten hat?

Warum wird Israel für die Grenzpolitik zum Gazastreifen kritisiert, eine Grenze, die sich regelmäßig für Hilfsgüter öffnet, während Ägypten für die fest geschlossene Grenze zum selben Gazastreifen nicht kritisiert wird?

Warum soll Israel seine Grenze zum verfeindeten Gazastreifen öffnen, während Agypten die Grenze zum selben aber befreundeten Gazastreifen geschlossen halten darf?

Warum fordert niemand von einem zukünftigen palästinensischen Staat, dass er Frauen und Männer, Homos und Heteros, Juden und Palästinenser mit gleichen Rechten und Pflichten vor dem Gesetz ausstattet?

Warum werden im Jahr 2014 Synagogen geschändet mit „Heil Hitler“ und Hakenkreuzen, während Demonstranten auf deutschen Straßen „Juden ins Gas“ und „Adolf Hitler“ brüllen?

Warum müssen in Europa Juden um ihr Leben fürchten, wenn Menschen die Politik von Israel nicht gefällt?

Und schließlich:

Warum muss Israel ein Nathan sein, wenn alle anderen Staaten es nicht sind?

Warum soll sich Israel nicht verteidigen dürfen?

Shylock sagt:

„Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir’s euch auch darin gleich tun.“

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Auf den Bühnenbildern bin übrigens ich als Shylock in Burkhard Schmiesters Inszenierung von „Der Kaufmann von Venedig“ aus dem Jahr 2009 zu sehen. Die Chefredakteurin Dorothea Marcus schrieb damals für die Theaterzeitung aKT eine interessante Kritik. Achten Sie auf die ersten beiden Sätze:

„Es ist mal wieder das Stück zur Stunde. Während Israel den Gaza-Streifen in Schutt und Asche legt, wird im Severins-Burg-Theater einer der beliebtesten Shakespeare-Abende gezeigt, an dem man sich doch so grandios verheben kann: Denn es wurde wohl kaum jemals so unverblümt ein unsympathischerer Jude gezeigt als im „Kaufmann von Vendig“. Ein rästselhaftes Drama, dem oft Antisemitismus vorgeworfen wurde – den es aber gleichzeitig vorführt und kritisiert. Denn Shylock, dem jüdischen Wucherer, wird von der eitlen Gesellschaft um Kaufmann Antonio zwar übel mitgespielt, aber er hat es ja auch geradezu verdient. Oder umgekehrt? (…)

Der 84-jährige Theodor Michael, der gerade sein 60-jähriges Bühnenjubiläum feierte, lässt seine Erfahrungen strahlen, es ist eine Freude, ihm zuzusehen. Interessant zudem, einen Schwarzen mit der Rolle des Judenhassers zu besetzen: So hebeln sich die Vorurteile selber aus und es zeigt wie willkürlich Außenseitertum ist.

Und dann kommt Gerd Buurmann ins Spiel, deklamiert auf Englisch ein Stück des Hamlet-Monologs und legt damit die Spur, wohin es gehen soll: nämlich direkt in den Wahnsinn. Er ist so lange drangsaliert worden, dass er mitlerweile dem Bild entspricht, das ihm übergestülpt wurde: zitternd und verkrümmt, mit Ticks und Ausfällen – oder eine hektische Michel Friedmann-Kopie und gleichzeitig ihre ironische Brechhung: „Woran denkt ihr, wenn ihr Jude denkt – an einen zugekoksten Fernsehmoderator?“ Witzige Aktualisierungen gibt es immer wieder: Antonios Schiffe fahren für Lehman Brothers und sind unterwegs nach Island, da weiß man gleich, was aus einer Landung wird. Und es gibt durchaus schöne, stille Szenen: Shyloks Tochter Jessica (Mareike Marx) spielt ihre Rolle kühl und trocken, und zwischen den Szenepaar Porita und Bassanio schwingt eine ganz verquere Liebesgeschichte, wenn sie denkt, dass er ihre Hand nehmen will, er aber nur seine Sonnenbrille zurückhaben will.

Nach der Pause sitzt Shylock zitternd an der Bar, wurde in den Wahnsinn gemobbt und kann nicht mehr anders, als sich bösartig, engstirnig und mitleidlos zu rächen – bis er gänzlich in den Untergang getrieben wird.

Ein schlüssiger und kluger Regieansatz, getragen vom alle überragenden Schauspieler Buurmann.“

Haben Sie das gelesen?

„Während Israel den Gaza-Streifen in Schutt und Asche legt, wird im Severins-Burg-Theater einer der beliebtesten Shakespeare-Abende gezeigt.”

Der Pressesprecher der Hamas hätte diese Worte nicht besser formulieren können. Das passiert halt, wenn der Jude kein Nathan sein will! Denn einst wusste schon Lessing: am Ende bleibt Nathan allein zurück. Alleine! So dürfte sich auch gerade der Staat Israel fühlen, in einem Meer von Christen, die ihre vermeintliche Nächstenliebe in bittere Kritik ausleben.

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72 Antworten zu Nathan oder Shylock?

  1. levrak schreibt:

    Wunderbare Schum!
    (Bistu mir a naches!)

    … Was ich eigentlich schreiben wollte paßt so garnicht dazu, was ich jetzt schreiben will. D’rum bitte ich um Vergebung, Gutlaunigkeit, Neugier und Nachsicht, daß ich erst Dich „nochmal schreiben“ lasse.

    „Man vermisst direkt die Figuren Hammer, A.mOr, Schum, und natürlich Aristobulus selbst.
    Aristobulus kann uns sicher sagen, wovon die phantastischen TiN-Vier nachts träumen.“

    *räusper* Kann er mal versuchen! 😯 😆 😛
    Da will ich nicht widerstehen die ganze Wahrheit nun zur Sprache zu bringen, denn was ist es?
    Ein Weibchen, drei Männchen, hm…

    Ist es ein Traum? 
    Ist es ein Vogel? 
    Ist es ein Flugzeug?
    Nein? Noch immer nicht? 
    Verflixt und zugenäht!
    Ist es ein fliegender Pfannekuchen? 

    Nope! 
    Y’all R so wrong!
    *drrrummms* & *cheers*
    Please welcome: The Fantastic Four! 😈

    (Nu, und wer ist wer?
    Verraten wir nicht zuviel aufeinmal! )

    Fragt sich nur noch: wer ist TiN?
    One guess only: „The Spectacular Tin-Man!“ :mrgreen:
    ~ * ~
    …wo wir hier schon mal beim Schauspielern sind…

    Git nocht! – A.mOr. 

  2. Henry schreibt:

    Eine interessante Seite. Kannte ich noch nicht und was sehe ich? Bekannte 🙂

  3. mike hammer schreibt:

    mir fehlt in der verbindung
    schylok & nathan eine figur
    und die ist Hiob, der troz
    grausamster rückschläge…..
    aber schon die idee vom BOSS
    ist einsame spitze, finde ich.

    • Schum74 schreibt:

      Hammer ha-jakar,

      Meinst Du etwa, dass alle drei Figuren zusammen DEN Juden in seinen Reaktionen auf Widrigkeiten abbilden würden?

      Ein reizvoller Gedanke, ja, doch führt er ins Leere.
      Schau: Shylock und Nathan werden von außen betrachtet. Ob menschlich-allzumenschlich wie Shylock oder (angeblich) makellos wie Nathan – sie geben christliche Sicht auf Juden wieder.
      Anders Hiob, den man von innen sieht. Er tritt nicht als Produkt eines bestimmten Kulturkreises auf, sondern steht für den Menschen schlechthin, ob Jude oder nicht.

      Und zu der Reihe Shylock-Nathan passt Hiob (eigentlich: Ijow – dieselbe Wurzel wie bei „Ojew“, Feind) aus einem zweiten Grund nicht.
      Bei Shakespeare und Lessing spielt Religion nur als Kulturfaktor eine Rolle. Keiner ringt hier mit seinem Schöpfer. Am religiösesten (bei Lessing) ist noch der Klosterbruder, der IV, 7 ausruft:
      „Und ist denn nicht das ganze Christentum
      Aufs Judentum gebaut? Es hat mich oft
      Geärgert, hat mir Tränen g’nug gekostet,
      Wenn Christen gar so sehr vergessen konnten,
      Daß unser Herr ja selbst ein Jude war.“

      Vergleiche jetzt mit Hiobs Schrei zum Schluss:
      „We-hu Eli, we-chai Goali – Und Er ist mein Gott, und es lebt mein Retter.“

      Eine andere Welt, ohne Verbindung zu den vorigen.

      • Aristobulus schreibt:

        Liebe Schum, gerade dieser Kontrast zeigt die Gesamtheit, nicht? Shylock & Nathan agieren im Goless und versuchen, den Anforderungen derer zu begegnen die sie kleinmachen. Hiob (danke für die Herleitung seines Namens) ist ganz allein vor seinem und gegen seinen G“tt.
        Hiob zeigt, dass a Jid sich seinem Schöpfer nicht ergibt, aber mit ihm streitet.

        Sind Shylock & Nathan Nachts Hiob?

        • schum74 schreibt:

          Verstehe: Den religiösen Bezug, den Shakespeare und Lessing bei ihren Figuren nicht veranschaulichen – Lessing höchstens in dem keinesfalls abwertenden Ausdruck Stockjude – setzt Du, Ari, voraus.
          Shylock und Nathan sind Jidn aus altem Zedernholz, sagst Du Dir. Was werden sie schon zu Schachrit, Mincha und Maariw getan haben? Und zu Schabbes? Sogar Moses Mendelssohn verließ nachmittags kurz seine Gäste, um Mincha zu sagen.
          Also auch bei allen Drei der streitbare Bezug zu Haschem.

          Schön, die Schlussfrage.

    • levrak schreibt:

      Muß denn zur dritten noch ’ne vierte Meinung? Oder sind wir schon bei der fünften?

      Aber wenn Du, Schum, schon Moses Mendelssohn erwähnst (weiter hergeholt als es scheint, finde ich), dann hast Du in Deiner zweiten Meinung die vierte schon drinnen? 

      Und ich ergänze also mike hammer, zu behaupten: Moses Mendelssohn fehlt auch, wenn wir schon Verstärkung brauchen gegen christliche Sicht von Jüdischkeit. Nicht wahr?

      „Komplett“, Aristobulus, auch mit diesem vierten nun, wird’s aber nur, weil Du wohlmeinend christliche Figuren -zwar als Juden gezeichnet- mit „jüdischem Atem“ erfüllst, aus Dir heraus und aus Zuneigung zum Genie eines Shakespeare wie auch Lessing.

       ‚S ist „erlaubt“, und doch trifft Schum genau den Punkt, wenn’s auch kompliziert ist? Ist’s nicht.
      Wir reden über Grenzen, über „hawdole“ intern gewissermaßen, und extern dazu, wie jene uns sehen und beschreiben, ob nun schön und wohlmeinend, oder nüchtern sachlich, oder gar -allzuoft hier zum Thema weil’s nunmal so ist- haßerfüllt und feindselig. 

      Natürlich ist es auch für uns möglicherweise gar Lehre uns im Spiegel anderer, Nichtjuden, zu betrachten, aber es bleibt eine Beschreibung von außen.
      Und wie oft der mahnende Finger?

      Und deshalb ist Nathan, trotz allem, nicht Mendelssohn, sondern das Konstrukt eines sehr begabten Schriftstellers mit einem äußerst begabten Freund, der Jude ist, aber nicht Nathan.

      Und mike hammer, wenn ich es richtig verstand, will auch darauf hinaus: ihm fehlt der „echte Jid“ in der Aufzählung „christlicher“ Rezeption. 
      Und hat er nicht recht? 
      Worüber reden wir?

      Es ist nun mal Literatur von Nichtjuden, was ist daran jüdisch, außer das wir Jidn heute uns auch daran erfreuen können, und gar lernen, quasi ganz im Sinne von Moses Mendelssohn? 

      Nu, jetzt reden wir darüber, noch ein Punkt für’s Für, nicht?

      Aber manchmal, garnicht mal so selten, reden wir ebenso zu den Ansichten anderer über uns, nur ist da kein Für für uns zu finden.
      Und in aller Regel auch nicht halbwegs das Genie vom Kaliber Shakespeare oder Lessing. 

      A.mOr.

      PS/übrigens, wenn ich den Artikel hier nur ganz schnell nochmal überfliege, finde ich diesen Satz:
      „Lessing hat die Ideen der Aufklärung auf das Judentum projiziert.“
      Ja, Mendelssohn denn nicht?

  4. Kanalratte schreibt:

    Immer wieder wird mir unterstellt ich würde mich auf das Thema Israel oder den Nahostkonflikt fokusieren. Immer wieder wird mir unterstellt ich sei Jude. Dabei hab ich noch sehr viele andere Themen über die ich gerne diskutiere.

    Ich bin in die ganze Sache einst reingerutscht, dadurch dass ich mich mit dem Holocaust beschäftigt habe und entsprechende Videos auf YouTube gesehen und die Kommentare gelesen habe. Dabei ist mir Hass gegen Juden und vor allem Unwissenheit begegnet. Und natürlich immer auch die projizierung der deutschen Geschichte auf den Staat Israel. Diese Fragwürdigen Unterstellungen und diese unglaubliche Unwissenheit und Dreistigkeit, mit der man die Shoa immer wieder auf Israel übertragen will hat mich dann zum „Israelfreund“ gemacht. Natürlich auch die Belästigung der „guten Deutschen die aus der Geschichte gerlernt haben“ und der „Aggro-Muslime“, die mich mehr als einmal in die Hölle schicken wollten.

    Ich bin gerade deswegen der Meinung mich zu diesem Thema positionieren zu müssen und
    auch der Meinung mich von diesen Landsleuten und deutschen Neubürgern distanzieren zu müssen. Ich finde, das ist das, was der Grass eigentlich meinen sollte, das ist das Schwierige für das du in Deutschland gerne auch Beleidigungen an den Kopf oder die Tracht Prügel bekommen kannst, das ist das was mal gesagt werden muss!

    Ich finde, entweder man hält sich in diesem Land raus aus dem Konflikt und verbietet hier auch Bekundungen für andere Länder oder ihr müsst damit rechnen, dass Leute wie ich, aufstehen und sagen, wir machen da nicht mit. Ich mache da nicht mit, wie in diesem Land gegen Amerika und Israel gewettert wird, meistens ohne überhaupt das nötige Wissen über das Thema zu haben.

    Und natürlich beschäftige ich mich nicht den ganzen Tag mit Nahost, im Gegensatz zu vielen Nahost-Fetischisten in diesem Land, deren Leben scheinbar nur darin besteht, irgendwelchen nationalarabischen Egoproblemen hinterherzulaufen. Deren Anliegen ist es doch eher den Fokus
    zu übersteigern und den Hass in die Wohnzimmer zu bringen.

    • levrak schreibt:

      Kanalratte

      immerhin wirst Du hier nicht als „Ausgeburt Israels“ unter Tage geschickt, nachdem der ganze Bau zusammenkrachte und etliche potentielle „Ausgeburten“ unter sich begrub. 

      Finde Dein Anliegen schon gut, nachvollziehbar, verständlich. 
      Mir ging es auch einst so, daß ich mich sehr erschrak über den massik und brutal geäußerten Antisemitismus im Netz. 
      Klar, mit der Zeit erfolgt eine Abstumpfung, aber nicht die Ernsthaftigkeit, die es unbedingt begleitet, begleiten muß.

      „Hunde die bellen beißen nicht“, so sagt ein Sprichwort, aber -Extrembeispiel- die Nazis sind geradezu auch für ihre „Bellerei“ bekannt, nicht wahr?
      (Umsomehr wird vielleicht klar, was „politische Korrektheit“ auch bedeuten kann?)

      Und Du handelst auch aus Eigennutz, was die Glaubwürdigkeit Deines Anliegens steigert.
      (Doch, Selbstlosigkeit gibt es auch, aber selbst die zu vielleicht geringeren Anteilen Eigennutz.)
      Und so führen Wege dann zusammen. 
      Bleib Du gesund!

      A.mOr.

  5. levrak schreibt:

    England setzt (alle!) israelische Politiker auf die „schwarze Liste“ der Kriegsverbrecher!
    (aus: Israel-heute; Kurznachrichten: zweite in der Aufzählung.)

    Bote – A.mOr.

    Anmerkung:
    England macht Nägel mit Köpfen, Shylock auf der schwarzen Liste der Kriegsverbrecher, Shakespeare dreht sich im Grab?

    • levrak schreibt:

      Oh, auch Nathan auf der schwarzen Liste der Kriegsverbrecher, und Jesus von Nazaret ebenso, usw.

    • schum74 schreibt:

      Ich hatte schon Angst, es habe den humanen Mahmud Abbas oder seinen frommen Bruder in Mohammedo, Ismail Haniye, getroffen.

    • Aristobulus schreibt:

      Ist nicht richtig, Israelheute.com hat nicht genau nachgelesen. Es wird ’nur‘ immer wieder versucht, israelische Regierungsmitglieder auf die Liste zu verhaftender Kriegsverbrecher zu setzen, etwa Zipi Livni und Ehud Barak.
      Klares hier:
      http://www.jpost.com/Diplomacy-and-Politics/UK-amends-law-to-protect-Israelis-from-prosecution

      • Aristobulus schreibt:

        Wobei dieser Artikel schon drei Jahre alt ist. Einen aktuellen hat die Jerusalem Post nicht.

      • levrak schreibt:

        Ari,
        das macht doch keinen Sinn. Ehud Barak gilt als „links“, erst recht nicht zu reden von Zipi Livni. Also solche, die am ehesten der Sache von Pan-Arabern und BDS-Saugern (Bezug auf der anderen Seite von Dir gelegt) „dienen“. 
        Ausgerechnet die stehen dann als „Angeklagte“ da?

        A.mOr. ;rolleyes;

        Ansonsten gilt es freilich bei ‚israel-heute.‘ nachzufragen. Irgendwoher haben die ihre Info wohl?

    • aurorula a. schreibt:

      Ich war mir nicht soicher ob ich das hierher dazuschreibe oder zu „Erdogan heimsuchen“:
      http://www.faz.net/aktuell/politik/nach-grubenunglueck-in-soma-erdogan-berater-entschuldigt-sich-fuer-tritte-12943136.html
      Zitiert aus dem verlinkten Artikel:
      Die Bilder und andere Aufnahmen aus Soma zeigen, dass Erdogan, der sonst nur vor jubelnden Menschenmassen zu sprechen gewohnt ist, in Soma in eine aufgeheizte und zum Teil feindselige Atmosphäre geriet. Er wurde ausgebuht und ausgepfiffen, was ihn sichtlich verstörte. Erdogan soll den Bergmann als „Ausgeburt
      … und hier erwarte ich spontan „der Hölle“ – aber nein:
      Erdogan soll den Bergmann als „Ausgeburt Israels“ beschimpft haben. Ein Sprecher von Erdogans Regierungspartei AKP betonte, es gebe keine Beweise für die angebliche Ohrfeige. Der Bergmann bestätigte indes den Vorfall, sagte aber, er wolle keine Strafanzeige stellen, obwohl er auch von Erdogans Leibwächtern verprügelt worden sei.

      • aurorula a. schreibt:

        … nicht so sicher, kreativ verkürzt (;

        • Aristobulus schreibt:

          „Ausgeburt Israels“
          LOL. So viel shakespearian spirit hätte ich der Nussknackerfresse gar nicht zugetraut.

          • Jan schreibt:

            Literarischer Spirit? Sicher nicht 🙂 Einfach bloß Gelegenheit genutzt, um mit pathetischen antiisraelischen.Sprüchen beim Wähler wieder Boden gut zu machen.

          • Aristobulus schreibt:

            …also ein pathosorientalischer Fluch eines bestimmten Pathosorientalen, der entschieden zuviel Sprit säuft (-;

            Nichtsdestoweniger ist der Ruf „Ausgeburt Israels!“ genialisch, nicht? (Man darf sich nur nicht verschreien nein verschreiben, weil gleich neben dem S das A liegt, was eine Auageburt draus macht.)

            Hör nochmal hin:
            „Ausgeburt Israels!“
            Das bringt’s (60er). Das gruvt (70er) und haut das Blech weg (80er). Weil der Ausspruch so altmodisch ist und so voll rüberkommt.
            Ich wünsche mir, dass man sich dereinst an diesen Erdogan just wegen dieses Ausspruchs und nur wegen dieses Ausspruchs erinnern möge.

      • levrak schreibt:

        Der Bergmann ist ein kluger Mann, der lieber unter Tage bleibt. Da prügelt nur der Berg, die Überlebenschancen sind
        offenbar höher.

        (böser Sarkasmus beabsichtigt.
        Dem Bergmann trotzdem gute Genesung.)

        A.mOr.

        • Aristobulus schreibt:

          Yep. Selbst indem er eine „Ausgeburt Israels!“ ist.

          • levrak schreibt:

            Und gerade mit solchem Ausruf wird man ihn bald aus Amt und Würden jagen.
            Aber noch besser wäre es natürlich, wenn neben Atatürks Plakat ein würdiger Nachfolger hängen würde, nicht so ein falscher Sack im falschen Sacko.

            A.mOr.

  6. Schum74 schreibt:

    Herrliche Morgenansprache! Gerd Buurmann at his best.
    Wenn der Westermann- oder Cornelsen-Verlag Wert auf einen spannenden und wirklichkeitsgetreuen Beitrag über den jüdisch-arabischen Konflikt legte, würde er diesen satt-vielseitigen Artikel in ein Schulbuch hineinpacken.
    – „Lieber untergehen!“ Ich weiß.

    Paar Bemerkungen, wenn Sie erlauben:

    Nathan ist … mehr Idee als Mensch.
    Ja, so kann man’s sehen, und die Analyse ist überzeugend. Man kann aber auch behaupten, dass gerade die Parabel von den drei Ringen Nathan mehr als Menschen denn als Idee zeige. Diese Parabel ist nämlich nicht freiwillig entstanden ist. Ja, es nimmt Wunder, dass ausgerechnet dieses Märchen (Nathan dixit) als Beleg für die Gleichwertigkeit der sog. monotheistischen Religionen gedient hat und immer noch dient.

    Man mache sich die Situation am Hofe des allmächtigen Saladin klar. Ein Wort von ihm, ach was!, ein Kopfnicken, und du bist des Todes.
    Hier in Kürze, was der Erzählung vorausging:

    (III, 5)

    SALADIN.
    – Da du nun
    So weise bist: so sage mir doch einmal –
    Was für ein Glaube, was für ein Gesetz
    Hat dir am meisten eingeleuchtet?

    NATHAN.
    Sultan,
    Ich bin ein Jud’.

    SALADIN.
    Und ich ein Muselmann.
    Der Christ ist zwischen uns. – Von diesen drei
    Religionen kann doch eine nur
    Die wahre seyn. –

    (III, 6)

    NATHAN. (allein)
    Ich muß
    Behutsam gehn! – und wie? Wie das? – So ganz
    Stockjude seyn zu wollen, – geht schon nicht. –
    Und ganz und gar nicht Jude, geht noch minder.
    Denn, wenn kein Jude, dürft’ er mich nur fragen,
    Warum kein Muselmann? – Das war’s! Das kann
    Mich retten! – Nicht die Kinder bloß speist man
    Mit Märchen ab. –

    III, 7

    SALADIN.
    So gewiß
    Ist Nathan seiner Sache? Ha! das nenn’
    Ich einen Weisen! Nie die Wahrheit zu
    Verhehlen! für sie alles auf das Spiel
    Zu setzen! Leib und Leben! Gut und Blut!

    NATHAN.
    Ja! ja! wenn’s nöthig ist und nützt.

    Hier nützt es eben nicht. Ebenso gut hätte Nathan mit Brechts Galilei ausrufen können:
    „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat!“
    So wie ihn Lessing angelegt hat – nicht wie er rezipiert wurde – ist Nathan der Schlaue keine Idee bloß.

    Was den Brand der Synagogen und die „Gazakristallnacht“ angeht: Nun, so ganz wie sich die Muselmänner die Sache gedacht hatten, ist es nicht geworden. Was sie da unter Gejohle in Brand gesteckt haben, waren keine Synagogen, sondern nur unwichtige Gebäude.

    Was macht eine Synagoge zur Synagoge? Die Torarolle. Ohne Torarolle gibt es so wenig eine Synagoge wie es eine Bibliothek ohne Bücher gibt.
    Sie glauben wohl nicht, dass die Jidn beim Abzug die Torarollen zurückgelassen haben?

    Das sage ich nicht, um die Schuld der Gazaner zu mildern. Die Absicht, Synagogen zu schänden und zu zerstören, war und ist da. Das sage ich wegen der Juden. Juden, die nur einige Millimeter Manöver-Raum haben, überlassen ihre Synagogen nicht gottvergessenen Horden.

    • levrak schreibt:

      chapeau!

      A.mOr.

    • Aristobulus schreibt:

      Lessing schrieb zwar Rollenprosa, als er den Nathan all diese makel- und fleckenlosen Dinge aussagen ließ, aber sah er einen Nathan ohne die Rolle, die er zu spielen hatte?, und ließ er ihm etwas Menschlichkeit?

      „So ganz Stockjude seyn zu wollen, – geht schon nicht…“

      Ich verwette meinen linken kleinen Zeh, dass er genauestens diesen Satz von Moses Mendelssohn im Wohnzimmer gehört haben will. Nur hat Mendelssohn ihn anders gesagt, und Lessing verstand nicht dessen Selbstironie.
      Ein Oppenheim hat fast hundert Jahre später eine Szene mit Mendelssohn, Lessing und Lavatern in Mendelssohns Wohnzimmer gemalt und genau den Moment erfasst – und wie da wohl geredet wurde:

      Rechts kommt Frumet Mendelssohn in die Tür und bringt Tee. Zufall, dass sie hinter Lavaters gnadenlos heiligem Gesicht einen Moment im Halbschatten stehen bleibt und die Schultern hochzieht? Lavater will Mendelssohn missionieren, mit aller Gewalt der Überzeugung, stählerne Mildheit in den Augen, den Rohrstock griffbereit, gar heilig angeleuchtet im Angesicht und mit viel größerer Mütze und viel längeren Armen als sein Gegenüber, während Mendelssohn sich in seinen Buckel duckt, und die Schatten löchern sein Gesicht.
      Während Lessing sinnend dasteht wie ein Standbild in himmelblau-goldener Herrenpose über den Dingen, nirgendwo hinsieht und in eigener Sache überlegt, wie es sich möglichst vollkommen, moralisierend und gerechtsam über die Gleichwertigkeit aller „drei Weltreligionen“ schreiben ließe. Bloß keinen Konflikt. Und ohne den Türk‘ im Zimmer, über den schrieb er bloß, was er mal über den gelesen hatte. Wie auch über den Juden, den er als Rolle darstellte.

      „So ganz Stockjude seyn zu wollen, – geht schon nicht…“, wenn man einen missionierenden Gast mit mächtigen Verbindungen und einen unbeteiligten Großaufgeklärten als Gäste hat und aufpassen muss, dass der Frau nichts passiert.
      Lessing mochte keine Stockjuden. Verstockt, pfui. Der Jude hatte nicht mehr verstockt und halsstarrig zu sein, man war doch aufgeklärt, alle hatten aufgeklärt zu sein, selbst König Friederich, der bei der Akademie der Wissenschaften sein Veto einlegte, damit der verstockte Mendelssohn nicht aufgenommen wurde. Blieb dem Nathan nur die Heiligkeit, und der Türk‘ blieb draußen, weil exotisch.

      • Schum74 schreibt:

        Aber Ari, ist es nicht klar, dass gerade in diesem 3. Akt (ich muss das Stück noch einmal lesen) Lessing sich eben nicht „in himmelblau-goldene Herrenpose“ wirft?

        Lessing versteht ausgezeichnet, dass Nathan es sich nicht leisten kann, am Hofe eines Saladin oder eines Friedrich als der Stockjude aufzutreten, der er ist.
        Stockjude seyn zu wollen, – geht schon nicht..
        Also wählt Nathan den Ausweg, den ihm Lessing im Einverständnis mit Mendelssohn weist: die Verstellung:
        Nicht die Kinder bloß speist man / Mit Märchen ab.

        Verdammt! Lessing hat Mendelssohn ausgezeichnet verstanden.

        Wie sehr Lessing Nathan/Mendelssohn diese Vorsichtsmaßnahme auch gönnt, geht erstens aus dem Kontext hervor – steckt doch der Jude in einer Zwangslage –, zweitens aus Nathans nüchterner Erwiderung auf die großspurig-verlogene Tirade des Sultans über die Pflicht, unter allen Umständen die Wahrheit zu sagen. Dafür müsse man „Leib und Leben, Gut und Blut“ riskieren. (So siehst du aus, du Hundsfott!)
        Was antwortet Nathan dem Herrn, der vollkommen unpassend auf Marquis von Posa macht?
        Ja! ja! wenn’s nöthig ist und nützt.

        Allein schon das doppelte „Ja, ja“ ist ein Stich in den Luftballon. Und dann die lebensgerechte Einschränkung: „wenn’s nöthig ist und nützt.“
        Sterben? Ja. Aber nur, wenn’s nötig ist und nützt. So hat auch Galilei entschieden, als er seine Aussage wider besseres Wissen zurückgenommen hat.

        Ari, Du deutest das Bild, nicht den Text.

        Was die Saladin-Gestalt im Lessing-Stück angeht – das ist ein anderes Lied. Erklärt der Orientalist Hans-Peter Raddatz („Der Mythos vom toleranten Islam“, Die Welt, 11.9.02), was davon zu halten ist. Zitat:

        Es spielt weder bei Lessing noch heute eine Rolle, daß der reale Machthaber Saladin als Erneuerer der Scharia auftrat. Die Biografen des Sultans bestätigen, daß er die Machtbedingungen Allahs perfekt erfüllte, und dies nicht nur mit dem Dschihad nach außen, mit den Massenmorden an christlichen Kreuzrittern. „Er tötete“, wie es sein Sekretär formulierte, „um dem Islam Leben zu geben“ – bestätigt von der Damaszener Grabinschrift, der zufolge er „Jerusalem vom Schmutz der Ungläubigen befreite“. Vor allem jedoch wirkte Saladin mit dem Dschihad nach innen als Vorbildherrscher, der die Dominanz des Allahgesetzes sicherstellte. Er gilt als Ikone des Islam, weil er den unislamischen Geist, etwa in Gestalt des philosophischen Mystikgenies Suhrawardi, 1191 durch Hinrichtung beseitigen ließ.

        Hier hatte sich die Existenzformel des Islam durchgesetzt, das „Recht auf Unrecht“, das in der Vernichtung des Unglaubens und des individuellen Denkens zum Schutz der Scharia besteht.
        Die Kette der Denker ist lang, welche die Vertreter des orthodoxen Glaubens bis heute vom Leben zum Tode beförderten. Ihre Geistesfreiheit, ob in Gestalt des frühen Mystikers Halladj im Jahre 922 oder des ägyptischen Journalisten Foda im Jahre 1994, gefährdete ein Prinzip, das bis heute gilt: das Gesetz Allahs, das demjenigen Macht verleiht, der es durchsetzt. „Ich töte, und ich lache“ war das Motto des Mystikdichters Rumi, der diesen Grundsatz besser als die Dissidenten begriffen hatte.

        http://www.welt.de/print-welt/article410926/Der-Mythos-vom-toleranten-Islam.html

        • Aristobulus schreibt:

          Also hat Lessing das hundsföttische Betragen des schariageilen Gewaltherrschers Saladin demontiert, auf dessen Grabplatte (nach Raddatz) steht, dass er „Jerusalem vom Schmutz der Ungläubigen befreite“. Das sagt ja alles über den: Schmutz übern Tod hinaus.

          Hat jemand das Stück mal auf der Bühne gesehen?, und wie ist Saladin dargestellt worden?

          – Schum, na klar hab ich das Gemälde und nicht den Text interpretiert (-; , den Text kenne ich zu schlecht. Werde ihn wohl mal lesen müssen (lese grad Sarah Kofmans Le mépris des juifs, das ist schön prosaisch runterziehend, und ein fleckenlos weiser Nathan kommt auch nicht drin vor)

  7. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Dorothea Marcus: „Denn es wurde wohl kaum jemals so unverblümt ein unsympathischerer Jude gezeigt als im “Kaufmann von Vendig”.“

    Jeder parasitäre Darmwurm besitzt einen höher entwickelten Gerechtigkeitssinn, als diese dumme Kreatur.
    Möge sie un(genügend)gefickt versterben!

  8. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Danke, Gerd Buurmann, und Zustimmung für meine Vorkommentatoren.

  9. Kanalratte schreibt:

    Sehr guter Artikel!
    Warum ich auch als Nichtjude sehr gerne Juden und Israel verteidige?

    Weil ich gemerkt habe, dass die Welt scheinheilig ist. Weil ich gemerkt habe dass
    der Hass gegen Juden immernoch fest in der Bevölkerung verankert ist. Warum auch
    immer, ich verstehe das bis heute nicht so ganz. Vielleicht weil ich keinen Geldneid habe, weil ich aus einer Mittelstandsfamilie komme und weil ich Wissen schätze. Und vielleicht weil viele
    Persönlichkeiten die ich schätze Juden waren. Weil ich weiß was Juden für dieses Land getan haben und dass sie mal Teil dieses Landes waren, trotz dessen das man sie separiert hat.
    Weil ich weiterhin weiß was es heißt
    Außenseiter zu sein und die nötige Emphathie mitbringe, mir wage auszumalen was es heißt
    wenn du als Mensch zum Unmensch degradiert wirst und sie dich auslöschen wollen
    und weil das ganze, aus meiner Sicht, auch noch ausgerechnet in diesem Land passiert ist.
    Weil ich weiß dass kaum ein Land währender der Nazizeit den Juden uneingeschränkt geholfen hat.
    Und weil ich zudem selbst schon häufig Antisemitsch beleidigt wurde, weil die Menschen
    sich scheinbar nicht vorstellen können, dass man auch als Nichtjude Israel nicht hasst.

    Weil ich ein Volk sehe, dass trotz der seiner versuchten Vernichtung zum Trotz aufgestanden ist und seit 1948 in der neuen Fluchtheimat nach dem Motto „Jetzt erst recht“ um das Überleben kämpft. Weil ich sehe, dass es Leute gibt die dieses Land angreifen und es samt seiner Bevölkerung vernichten wollen. Weil ich finde, dass man aus der Geschichte lernen muss.
    Weil ich den Islam kennengelernt habe und ihn für die schlimmste Religionssekte momentan halte und stolz darauf bin, das auszusprechen. Weil Muslime Amerika angreifen und weil ich Amerika mag. Weil der politische Islam eine Ideologie des Hasses, der Gewalt ist, die nach Welteroberung strebt. Und schließlich weil die einzigen Staaten in Palästina Israel und Jordanien heißen, es keine „Palästinenser“ gibt und es schon eine 2-Staatenlösung bereits existiert, die Araber aber ein judenfreies Palästina, einen judenfreien Nahen Osten wollen.

    Weil Pazifismus einen erneuten Völkermord an Juden nicht verhindert und weil der Zionismus die einzige Lösung ist, die Juden eine sichere Heimat bietet.

    • levrak schreibt:

      Danke Mr Buurmann
      und
      Danke Kanalratte.

      Ihr seid beide in Ordnung. 😉

      A.mOr.

    • schum74 schreibt:

      Warum ich auch als Nichtjude sehr gerne Juden und Israel verteidige? … Vielleicht weil ich keinen Geldneid habe…

      Tatsächlich gibt es keinen Grund, die Hartz-IV-Empfänger in der jüdischen Gemeinde um ihren Reichtum zu beneiden.

      Das war nur ein Detail. Auch ich danke Dir, wie es A.mOr vorhin getan hat.

    • aurorula a. schreibt:

      @ Kanalratte: Warum ich auch als Nichtjude sehr gerne Juden und Israel verteidige?
      An diesen Kommentar habe ich spontan gedacht, als ich das Bild hier in den Untiefen des Webs gefunden habe:


      (Bild von static . tvtropes . org)

      Wenn das Foto nicht gestellt wäre, sondern Wirklichkeit, stellt sich nur eine Frage:
      Steht man auf der Seite der jungen Dame – oder macht man Entschuldigungen für den, der sie in den Bus zerren will, weil sie sich ja ganz offensichtlich selbst wehren kann und das auch tut? Ihr am Ende einen Vorwurf für den Tritt zur Körpermitte – überzogen, Gewalt und was noch (und der andere ist offensichtlich so und so dumm wie Toast, ausgerechnet sie anzugreifen, das nutzt sie doch aus, weil sie gerne tritt!)?

      Wer sich wehrt, wenn andere ihnen Böses wollen, wird hierzulande selten verteidigt.
      Genauso ist es in der allgemeinen Meinung mit Israel, das sich weigert allen die es verschwunden sehen wollen diesen Wunsch zu erfüllen: daraus, aus seinem Existenzwillen, wird dem Staat ein Vorwurf gemacht.
      Alles, was jemand tun kann ist stückchenweise dagegenmeinen. Auch wenn diejenigen die Israel verschwunden sehen wollen es als Tritt zur Körpermitte empfinden, daß es immer noch weiterleben will: manche Tritte müssen sein… und die Verteidigung des Tret-Rechts muß auch manchmal sein.

      Weil es so schön dazu passt möchte ich Kanalrattes hervorragenden Kommentar noch damit bebildern (:
      und schließe mich dem an.

      • aurorula a. schreibt:

        edit: ein verrutschtes ‚manchmal‘ … bzw. ein mehrdeutiges. Die Verteidigung des Existenzrechts anderer muß immer sein – manchmal, nämlich in Notwehr, hat jemand das Recht, zu treten, und dann sollte es verteidigt werden.

        • levrak schreibt:

          aurorula a.

          Hm, wenn du irgendwo in Deutschland wie auch immer „Selbstverteidigung“ lernst, dann wird dir klargemacht, daß die Selbstverteidigung im Extremfall nicht zu extrem ausfallen sollte, denn es könnten zB Zeugen (zB Freunde des Angreifers, die Angreifer selbst) deine Aggression bezeugen…

          Wie dem auch sei, ich stimme Dir zu.
          Wer so ein nettes und freundliches Geschöpf wie Dich angreift (das sei verhütet!) der verdient die volle Härte einer effektiven Gegenwehr!
          Oh, und hattest Du „Umsichtigkeit“ erwähnt, also auch im Falle des Falles auszuhelfen? Soll so sein. 
          Aber klar, wenn möglich, dann zunächst die Polizei und auch Umstehende zur Unterstützung herbeirufen.

          (Angreifer haben meistens leichtes Spiel, das ist die Realität.)

          A.mOr.

      • Eitan Einoch schreibt:

        Hierzulande verherrlicht man das Opfertum – wer Opfer ist, hat immer Recht. Wer sich weigert, zum Opfer zu werden und sich erfolgreich zur Wehr setzt, wird schief angeschaut – wenn nicht sogar zun eigentlichen Täter stilisiert. Schnell ist von „Notwehrexzess“ die Rede.

        Woran liegt das? Welchen Ursprung hat der Opferkult? Meiner Meinung nach im Christentum. Das Christentum ist die Religion der Opferverherrlichung schlechthin – Christus predigte radikalen Gewaltverzicht, propagierte das Ertragen von Leiden („andere Wange hinhalten“) und opferte sich zuletzt selbst stellvertretend für die Menschheit. Im Christentum haben Leiden und Opfer erlösenden Charakter wie in keiner anderen Religion. Natürlich wurden die Länder des christlichen Abendlandes durch diesen wahnwitzigen Opferkult tief geprägt, und dieses geistige Flagellantentum treibt heute besonders bizarre Blüten.

      • ceterum censeo schreibt:

        Hier ist die junge Frau in Aktion. Irgendwie zum Verlieben, die IDF-Mädels.

    • Eitan Einoch schreibt:

      Den für mich entscheidenden Grund hast du nicht aufgezählt: Weil Israel ein – im gesamten Orient sogar der einzige – demokratische Rechtsstaat ist, der seine Bürger – egal ob Juden oder nicht – menschenwürdig behandelt. Israel ist sicherlich nicht der beste Staat der Welt, aber es ist der beste Staat, der jemals in der orientalischen Welt existiert hat.

      Und weil dieser Staat von Schurkenstaaten und feindlichen Nationen umzingelt ist, sich also in einer historisch beispiellosen Ausnahmesituation befindet, die keine andere Demokratie auf der Welt auf Dauer ertragen musste, ist Solidarität und Bestand das Mindeste, was man als überzeugter Demokrat dem jüdischen Staat erweisen sollte.

  10. caruso schreibt:

    Eine großartige Arbeit!!! Volle Zustimmung!!! Danke, Gerd, vielen Dank!!! Aber sag mir bitte eines:
    Wann schläfst Du? Es ist ja eine riesige Arbeit, was Du auf Dich nimmst. – Schade, sehr schade, daß ich Dich nicht auf der Bühne sehen kann. Aber, wie mein Bruder immer wieder sagt: Cosí è la
    c’est la vie.
    lg
    caruso

  11. mike hammer schreibt:

    das ist ja fast ein buch manuskript, riesen arbeit und ich kann nur zustimmen.

    • Aristobulus schreibt:

      Aber ja, das war auch meine Beobachtung beim Lesen, Exposé eines Buchs!, der Text gleitet von Thema zu Thema und verliert nirgends den Bezug zur Shylockhaftigkeit Israels im Auge des Betrachters. Da stellt Buurmann in vergleichsweiser Kürze etwas Langes vor.

      Schön auch der fast versteckte Ausdruck bittere Apathie (also bittere Leidenschaftslosigkeit), der das Allgemeingefühl gegen Juden treffender beschreibt als der erwartete Ausdruck bittere Antipathie.

      – Und ich wette meinen kleinen Zeh, dass Buurmann noch viel mehr solche Theaterkritiken abgeheftet hat, in denen mit vielen wohlgesetzten Worten nur das Eine steht: Thema verfehlt, keine Ahnung vom Kern der Sache, dafür aber modisches Geheul wegen Gaza.

      • mike hammer schreibt:

        red mal mit ihm, das kann was werden, ich bin völlig ahnungslos was
        bücherschreiben oder drehbücher angeht und wenn mir das auffällt….. :grübel:

    • aurorula a. schreibt:

      Großartig. Einfach nur großartig.

  12. kavenzmann schreibt:

    Hat dies auf kavenzmann rebloggt und kommentierte:
    Ein sehr treffender Text.

Seid gut zueinander!

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