Wann wird darüber diskutiert?

Das Erste wird am 21. Juni 2017 um 22:15 Uhr die für arte produzierte TV-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ senden und im Anschluss eine Diskussionssendung folgen lassen. In der Presseerklärung des Ersten heißt es:

„Dabei werden auch die vom WDR beanstandeten handwerklichen Mängel der Dokumentation berücksichtigt.“

Der Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, Volker Herres, erklärt:

„Ich halte es für richtig, die umstrittene Dokumentation jetzt einem breiten Publikum zugänglich zu machen, auch und trotz ihrer handwerklichen Mängel. Nur so kann sich das Fernsehpublikum ein eigenes Bild machen. Die ja längst stattfindende öffentliche Diskussion bekommt so eine Grundlage, auf der sich jeder sein eigenes Urteil bilden kann. Im Anschluss an die Dokumentation wird auch die Gesprächsrunde bei Sandra Maischberger das Thema aufgreifen.“

Welche handwerklichen Mängel genau gemeint sind, da hält sich die Presseerklärung noch zurück. Bisher wurde noch kein handwerklicher Mangel bewiesen. Wir erfahren nur:

„So enthält der Film Tatsachenbehauptungen, für die es nach jetzigem Kenntnisstand des WDR keine ausreichenden Belege gibt.“

Wofür gibt es keine ausreichenden Belege? Bisher ist es lediglich eine unbegründete Tatsachenbehauptung von Ihnen, dass es keine Belege gibt. Und überhaupt, wann werden eigentlich Diskussionen zu all den öffentlich-rechtlichen Sendungen folgen, die in der Vergangenheit Israel kritisiert haben und dabei nachweislich falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet haben? Anfang Juli 2016 zum Beispiel behauptete das Magazin ZDF heute+, jüdische Kinder in Israel würden dazu erzogen, Palästinenser zu töten.

„Erzogen zum Hass? Wie israelische und palästinensische Kinder dazu gebracht werden sollen, sich gegenseitig zu verachten – und zu töten.“

Auf Nachfrage von mir erbrachte das Magazin keinen einzigen Beweis für die Behauptung und löschte den Vorwurf einfach.
Die Redaktion des ZDF reagierte mit diesen Worten:

„Besten Dank für Ihre Post und die Kritik an dem „heute+“-Beitrag, die wir sehr ernst nehmen. Wir haben die unangemessen verkürzte und zu Missverständnissen Anlass gebende Formulierung auf Facebook und in der Beschreibung des Mediatheks-Videos unmittelbar entfernt. Wir bedauern natürlich sehr, wenn sich durch die ursprüngliche Formulierung jemand verletzt fühlte.“

Ich antwortete:

„Sie sprechen von einer „unangemessen verkürzten und zu Missverständnissen Anlass gebende Formulierung“. Nein! Die Formulierung ist nicht verkürzt. Sie ist falsch. Falsch! Sie wissen schon: das Gegenteil von Richtig! An israelischen Schulen wird nicht systematisch wie an palästinensischen Schulen das Töten von Menschen gelehrt! Sie sagen, Sie bedauern, wenn sich durch Ihre Formulierung jemand verletzt fühlt. Sie haben nicht nur Gefühle verletzt. Durch Ihre Formulierung wurden Vorurteile und Hass geschürt. Bedauern Sie das auch? Unabhängig davon, ob Sie es bedauern, Sie haben Schaden angerichtet!“

Wann wir darüber bei Maybrit Illner diskutiert?

Am 14. August 2016 sendete die ARD einen Bericht von Markus Rosch, der mehr aus Propaganda denn aus Fakten bestand. Die Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier (SPD) warf daraufhin der ARD vor, mit dem Bericht zu lügen. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Feist (CDU) sprach sogar davon, die ARD verbreite Propaganda. Tatsächlich war der Film voller handwerklicher Fehler. Die Zahlen des Experten hielten einer genaueren Prüfung nicht stand und nicht mal der Name des Experten war von der ARD richtig wiedergegeben. In einer öffentlichen Stellungnahme räumte die ARD später Versäumnisse ein und drückte ihr Bedauern aus. In einem anderen Bericht unter dem Titel „Gaza im Winter“ durfte Markus Rosch behaupten, in Gaza Stadt lebten über 100.000 Menschen auf 12 Quadratmetern. Auch diese Zahl war nachweislich falsch!

Wann wird darüber bei Sandra Maischberger diskutiert?

Kurz vor der Wahl in der Niederlanden am 15. März 2017 sendete der WDR einen alten Bericht aus dem Jahr 2011 über Geert Wilders, in dem Juden ausschließlich als Fanatiker und Gefahr präsentiert wurden. Schon im Jahr 2011 waren dieser Dokumentation zahlreiche handwerkliche Fehler nachgewiesen worden, aber der WDR sendete den Film dennoch über fünf Jahre später wieder.

Wann wird darüber bei Anne Will diskutiert?

Dies sind nur ein paar Beispiele diverser nachgewiesener falscher Tatsachenbehauptungen der öffentlichen-rechtlichen Sender. In dem Artikel „Ich klage an!“ habe ich eine lange Liste journalistischer Fehlleistungen dokumentiert. Heute erklärt WDR-Intendant Tom Buhrow:

„Das Thema der Dokumentation war und ist uns wichtig. Und je wichtiger das Thema, desto genauer muss die journalistisch-handwerkliche Sorgfalt sein. Dabei gilt: Sorgfalt vor Schnelligkeit. Wir haben den Film intensiv geprüft und ich habe entschieden, die Dokumentation und unsere handwerklichen Fragezeichen dazu transparent zur Diskussion zu stellen.“

Das sind unglaublich hochtrabende Worte, wenn man bedenkt, dass der WDR in der Vergangenheit schon oft schlampige Reportagen, die Israel kritisieren und voller handwerklicher Fehler waren, in aller Schnelligkeit gesendet hat. Ausgerechnet jetzt ist der WDR ganz sorgfältig! Kann es sein, dass der WDR diesmal deshalb so sehr sorgfältig ist, weil der WDR selbst von der Kritik der Dokumentation betroffen ist?

Gegen eine strenge Prüfung von Fakten ist nichts einzuwenden, gäbe es bei den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht eine lange Geschichte von ungeprüften Aussagen und Berichten gegen Israel, die sich nach der Ausstrahlung als Lügen herausstellten. Die Dokumentation „Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner ist handwerklich deutlich besser als all die von öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten finanzierten israelkritischen Dokumentationen, denen derart viele Fehler nachgewiesen wurden, dass sich die Verantwortlichen dafür später rechtfertigen und um Entschuldigung bitten mussten. Darum sage ich:

Wer Lügen über Israel verbreitet, aber ein Bericht über Antisemitismus einer journalistischen Sonderbehandlung unterzieht, der veruntreut in gewissem Sinne die Rundfunkgebühren und öffnet dem Judenhass die Tür genau den Spalt breit, den der Hass braucht, um in deutsche Wohnzimmer zu gelangen.

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13 Antworten zu Wann wird darüber diskutiert?

  1. Paul schreibt:

    Lieber Gerd,
    Deinen Ausführungen habe ich nichts hinzuzufügen. Sie entsprechen in vollem Umfang auch meiner Meinung.
    @RogerLetsch danke ich für den Hinweis auf die Mailadresse der Frau Schmitz.

    Soeben habe folgende Mail abgeschickt:

    Sehr geehrte Frau Schmitz,
    der Pressemeldung des WDR entnehme ich, dass Sie den Film „Auserwählt und ausgegrenzt“ am 21.6.2017 senden werden.

    Anschließend wird dieses Thema in einer Gesprächsrunde bei Sandra Maischberger aufgegriffen.

    Hiermit bitte ich Sie den kölner Künstler und Blogger (Tapfer im Nirgendwo) Herrn Gerd Buurmann als Gesprächsteilnehmer einzuladen.

    Herr Buurmann ist ein ausgewiesener Kenner der Materie. Durch Einsicht in seine Blogveröffentlichungen können Sie das sehr leicht feststellen. Außerdem hat er jahrelang gegen die Klagemauer des Herrn Walter Herrmann und dessen einseitige und antisemitische Darstellung des Nahost-Konflikts gekämpft.

    Er hat also die Sachkenntnis, die Sie von einem Gesprächsteilnehmer zu recht erwarten. Durch seine berufliche Erfahrung ist er auch Medienfest.

    Es müssen nicht immer nur Superprominente in diesen Gesparächsrunden agieren. Die Zuschauer möchten auch „Menschen wie du und ich“ dort erleben.

    In der Erwartung einer positiven Nachricht, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

    (Ich habe das Original mit Klarnamen und Adresse sowie Telefonnummer „Unterschrieben“.)

    Bin gespannt, was passiert.

    Herzlich, Paul

  2. P.M. schreibt:

    Es wäre gut, wenn jemand in der Sendung wäre, der Beispiele von „Ich klage an“ nennen könnte, damit der „Qualitätsjournalismus“ der ÖR mal etwas entzaubert wird.
    Leider befürchte ich, dass das Thema Antisemitismus untergeht, wenn sich die Gesprächsrunde überwiegend darauf konzentriert, zu rechtfertigen dass die Doku nicht gezeigt werden sollte. Das hängt natürlich von den Gästen ab.

  3. Roger Letsch schreibt:

    Sehr geehrte Frau Schmitz,
    der Pressemeldung des WDR entnehme ich, dass Sie den Film „Auserwählt und ausgegrenzt“ am 21.6.2017 senden werden, obwohl Ihr Sender – nach laut Ihrer Aussage umfänglichen Prüfungen – den Film für fehlerhaft hält und sogar Persönlichkeitsrechte darin verletzt sieht. Da ich annehme, dass anschließend bei Maischberger endgültig der Stab über den Autoren gebrochen werden soll, wüsste ich gern, wer für diese Aufgabe als Gast gewonnen wurde oder gewonnen werden soll.

    In freudiger Erwartung Ihrer Antwort,
    hochachtungsvoll,

    Roger Letsch, Blogger

    Wer selber mal nachfragen möchte – oder sich als Gast zur Verfügung stellen will: Ingrid Schmitz, Leitung WDR Presse und Information, E-Mail: Ingrid.Schmitz@wdr.de

  4. Hein schreibt:

    Haben Sie schon eine Einladung von Maischberger? Wie kann man das forcieren? Es ist wichtig, dass die „Kritiker“ der Doku. Mittwoch nicht die Hoheit in der Diskussion bekommen. Die Feinde Israels sind immer in det Mehrheit: in der UNO, der EU und im Bundestag!

    • Aristobulus schreibt:

      Wie schrieb Broder heute über die hmm Dokukritiker: „So viel Kölsch kann man gar nicht saufen, um sich so was auszudenken. Da muss man schon massiv motiviert sein.“

  5. anti3anti schreibt:

    „Wer Lügen über Israel verbreitet, aber ein Bericht über Antisemitismus einer journalistischen Sonderbehandlung unterzieht, der veruntreut in gewissem Sinne die Rundfunkgebühren und öffnet dem Judenhass die Tür genau den Spalt breit, den der Hass braucht, um in deutsche Wohnzimmer zu gelangen.“
    Wer Lügen über Israel verbreitet, aber einen Bericht über Antisemitismus einer journalistischen Sonderbehandlung unterzieht, der handelt antisemitismuskonform und zeitgerecht. Dabei braucht die Tür nicht einen Spalt breit geöffnet zu werden, denn die Tür ist ein großes offenes Tor.

  6. klartext77 schreibt:

    Der WDR stellt sein Versagen zur Diskussion http://www.achgut.com/artikel/der_wdr_stellt_sein_versagen_zur_diskussion
    Die Ausstrahlung mit anschließender Diskussion hatte ich von Anfang an vorgeschlagen. Nun kommt’s sehr darauf an, wer dazu eingeladen wurde, und wie die Moderation sein wird. Schau’n mer mal. Der öffentliche Druck hat auf jeden Fall gewirkt (Danke, Herr Buurmann! Danke BILD.de!), arte und WDR haben sich mit der ungewollten PR für den Film einen Bärendienst erwiesen!

  7. bm98600 schreibt:

    Gut, Herr Buurmann, gibt es Leute wie Sie, die scharf beobachten was geschieht und ein Elefantengedächtnis haben ( oder eine gut strukturierte Sammlung im PC 😂 ) und diese Leute nicht einfach davon kommen lässt mit ihren Feigheiten und Ausreden !

Seid gut zueinander!

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