Tagesschau macht die Schreinemakers

Der 22. August 1996 ist ein unvergessener Tag in der Geschichte des Fernsehjournalismus. An diesem Tag nämlich wurde die Sendung Schreinemakers Live im Moment der Sendung von den Verantwortlichen des Senders Sat.1 live abgesetzt.

Schreinemakers Live war eine von Margarethe Schreinemakers moderierte Infotainment-Sendung. Sie wurde zwischen 1992 und 1996 wöchentlich über mehrere Stunden im Programm des Privatsenders Sat.1 ausgestrahlt. Für die Moderation ihrer Show wurde Schreinemakers mit dem Bambi, der Goldenen Kamera und dem Goldenen Kabel ausgezeichnet. Am 22. August 1996 blendete sich Sat.1 dennoch aus der Live-Sendung aus, nachdem Schreinemakers einen Bericht über eine sie betreffende Steueraffäre senden wollte. Die Verantwortlichen von Sat.1 sahen es als journalistisch fragwürdig an, dass eine Journalistin ihre eigene Sendung als Sprachrohr nutzt, um auf Kritik an die eigene Person zu reagieren. Sat.1 entschied sich somit, aus Gründen der Befangenheit von Margarethe Schreinemakers, die Sendung abzusetzen.

Heute war in der Tagesschau auf der ARD eine Nachricht zu sehen, in der über die neue Beitragsordnung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten aka „Demokratieabgabe“ berichtet wurde. Die Tagesschau hat dabei ganz offensiv Werbung für die Akzeptanz der eigenen Finanzierung im Deckmantel des unabhängigen Journalismus‘ betrieben. Die Tagesschau heute war eine Werbesendung! Sie hätte als solche kenntlich gemacht werden müssen!

Die Tagesschau hat heute wieder einmal gezeigt, dass sie nicht neutral ist. Es gibt keine gänzliche Neutralität in der Berichterstattung. Jedes Buch, jeder Verlag, jeder Blog, jeder Sender und jede Sendung wird von Interessen geleitet. Die Tagesschau wird von Menschen gemacht. Menschen haben Meinungen, Einstellungen und Interessen. Die taz hat eine Linie und die BILD, die FAZ und die SZ. Die eigene Subjektivität zu dementieren, ist die brutalste Form der Subjektivität, da sie selbstgerecht und leugnerisch ist. Die Tagesschau ist nicht neutral, genauso wie jede andere Nachrichtensendung auch nicht. Deshalb ist es ein Skandal, dass die Tagesschau im Gegensatz zu vielen anderen Sendungen von allen Fernsehzuschauern Deutschland finanziert werden muss, egal ob sie die Tagesschau schauen oder nicht. Es ist ein Skandal, weil es eine indirekte Zensur aller freien Nachrichtensendungen ist, da sie durch diese Bevorzugung benachteiligt werden. Und es ist ein Skandal, weil die Tagesschau ihre Sonderstellung nutzt, um Werbung im Deckmantel des unabhängigen Journalismus zu machen. Zu behaupten, die Tagesschau sei neutral, ist so verlogen wie ein König, der behauptet, edel zu sein.

Wenn mich heute jemand fragt, was der Unterschied ist zwischen Schreinemakers Live 1996 Sat.1 und Taggeschau 2013 ARD, dann ist meine Antwort klar: Sat.1 hat sich 1996 geweigert, Werbung als unabhängigen Journalismus zu tarnen. Die ARD 2013 nicht!

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O Sole Domi

In der Nacht ist die Akustik vor dem Kölner Dom am Beeindruckendsten. Meine Kollegen Tom Wolff, Günther Stolarz und Bernie treten den Beweis an.

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Über Tag macht es vor dem Kölner Dom jedoch mehr Sinn zu tanzen, wie dieses Video von meiner geschätzten Freundin Foxy LaScar beweist:

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Heim ins Reich

Es ist unglaublich, aber wahr und unendlich komisch, in jeder möglichen Bedeutung des Wortes „komisch“. Auf Facebook habe ich heute folgenden Gasthof gefunden.

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Facebook wäre nicht Facebook, wenn dies nicht gleich für eine Menge Kommentare gesorgt hätte. Tapfer im Nirgendwo präsentiert eine Auswahl der frühen Kommentare und lädt alle Leserinnen und Leser ein, sich weiter Gedanken zu machen.

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„Auge um Auge, Stein um Stein“

von Stefanie Galla

Früher hieß es, Juden würden Brunnen vergiften und aus dem Blut christlicher Kinder Matzen backen. Später dann, der Jude sei ein Dämon der Zersetzung, ein Parasit, der ganze Völker befällt. Heute glaubt man, Israel sei die größte Bedrohung für den Weltfrieden. Wobei niemand fragt, welcher Weltfrieden überhaupt gemeint sein könnte – bei all den Kriegen und Konflikten, die derzeit stattfinden.

Der Glaube, Juden seien Brunnenvergifter und Volkszersetzer, gilt als Antisemitismus, während der Vorwurf, der jüdischen Staat gefährde den Weltfrieden, unter “legitime Israelkritik” fällt. 65 % der Deutschen sahen bereits im Jahre 2003 in einer von der EU beauftragten Umfrage in Israel die größte Bedrohung für diesen Weltfrieden. …

Weiterlesen hier

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Und hier noch ein Auszug aus einem lesenswerten Artikel des Tagesspiegel von Malte Lehming:

Aber wer die Frage, was im 21. Jahrhundert antisemitisch ist, vorrangig in den Dimensionen von Auschwitz diskutiert, will die Debatte beenden, bevor sie begonnen hat. Soll man über aktuelle Formen der Diskriminierung von Frauen nicht reden dürfen, weil keine Hexen mehr verbrannt werden? Darf man keine Homophobie mehr beklagen, weil wir die Homo-Ehe und einen schwulen Außenminister haben? Gemessen an der Hexenverbrennung gibt es keine Frauendiskriminierung mehr. Gemessen an Streicher ist niemand ein Antisemit. Ressentiments wandeln sich, in der Regel von plump zu subtil. Wer früher „Scheiß-Ausländer“ sagte, schwadroniert heute über „kulturelle Überfremdung“. Und das Motto des „Stürmers“, das die Zeitschrift seit 1927 auf ihrer Titelseite hatte – „Die Juden sind unser Unglück“ –, heißt in moderner Übersetzung: „Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden“ (Günter Grass). Damals wie heute werden dem Gegner zerstörerische Allmachtsfantasien unterstellt sowie die reale Fähigkeit, diese auch auszuleben. Aus „den Juden“ ist die Chiffre „Israel“ geworden, also das Land selbst, nicht etwa eine bestimmte Regierung oder Politik.

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Jesus ist ein Arschloch. Und Mohammed?

Der wunderbare Autor und Zeichner Walter Moers, der uns und unsere Kinder unter anderem in der Sendung mit der Maus mit Käpt’n Blaubär begeistert, brachte 1992 ein Comic über Jesus heraus. Es heißt: „Es ist ein Arschloch, Maria“.

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1995 folgte „Du bist ein Arschloch, mein Sohn“.

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Jesus ist also ein Arschloch! Das kann ohne Angst behauptet werden. Wer es tut, kann sogar fürs Kinderprogramm arbeiten. Walter Moers hat es bewiesen.

Jetzt, im Jahr 2013, kommt Charlie Hebdo mit einem Comic über Mohammed heraus.

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Ob Mohammed auch ein Arschloch ist? Wir dürfen gespannt sein. Einige jedenfalls, die kein Problem damit haben, dass ein Mann, der Jesus als Arschloch darstellt, im WDR am Kinderprogramm mitwirkt, haben Bedenken bei dem Comic über Mohammed.

„Franzose provoziert mit Mohammed-Comic“ (BILD)

„Charlie Hebdo provoziert neuen Affront“ (Bayrischer Rundfunk)

„Charlie Hebdo sucht Streit“ (n-tv)

„Nun setzt das französische Satireblatt schon wieder auf Provokation.“ (Süddeutsche Zeitung)

Es lebe der kleine Unterschied.

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Demokratieabgabe

Es gibt kaum etwas Anrührenderes, als einem Fürsten dabei zuzuschauen, wie er die Privilegien des Adels verteidigt und sich dabei auf die Demokratie beruft. Jörg Schönenborn ist so ein Fürst. In seiner Verteidigungsrede der GEZ-Zwangsgebühren sagt er unter anderem:

„Der Rundfunkbeitrag passt gut in dieses Land. Er ist genau genommen eine “Demokratie-Abgabe”. Ein Beitrag für die Funktionsfähigkeit unseres Staatswesens und unserer Gesellschaft. Demokratie fußt auf der Urteils- und Entscheidungsfähigkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger. Und die ist in einem 80-Millionen-Land nur mittelbar herzustellen, “medial”, durch Medien eben. Trotz der vielen guten Zeitungen und Zeitschriften und trotz des Internets geben die Deutschen immer noch zwei Drittel ihres täglichen Medien-Zeitbudgets für Radio und Fernsehen aus. Und weil man schwerlich ein kommerzielles Vollprogramm findet, das auch nur eine halbe Stunde pro Tag über Politik berichtet, behaupte ich: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sichert das Funktionieren unserer Demokratie.“

Die GEZ rettet für Schönenborn also das Funktionieren der Demokratie. Darunter macht er es nicht! Bisher dachte ich immer, freie Wahlen, Gewaltenteilung und Bürgerrechte sichern die Demokratie, aber ich habe wohl den immensen aufklärerischen Einfluss vom Musikantenstadel, der Küchenschlacht und der Sendung Verbotene Liebe unterschätzt. Aber ach, es gibt doch auch Monitor und Panorama, höre ich die Apologeten zetern. Schönenborn schreibt:

„Demokratie fußt auf der Urteils- und Entscheidungsfähigkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger. Und die ist in einem 80-Millionen-Land nur mittelbar herzustellen, “medial”, durch Medien eben. Trotz der vielen guten Zeitungen und Zeitschriften und trotz des Internets geben die Deutschen immer noch zwei Drittel ihres täglichen Medien-Zeitbudgets für Radio und Fernsehen aus. Und weil man schwerlich ein kommerzielles Vollprogramm findet, das auch nur eine halbe Stunde pro Tag über Politik berichtet, behaupte ich: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sichert das Funktionieren unserer Demokratie.“

In diesen Sätzen steckt viel Wahrheit, aber leider auch genauso viele falsche Schlüsse. Es stimmt zwar, dass zwei Drittel des täglichen Medien-Zeitbudgets für Fernsehen und Radio verwendet wird, aber diese zwei Drittel bedienen überwiegend das verständliche Bedürfnis nach Zerstreuung und Unterhaltung. Es ist das Dudeln im Hintergrund und das Flimmern von hübschen Bildern, das einen Großteil dieses Zweidrittels ausmacht. Der Philosoph Hugo-Egon Balder, der mehr vom Fernsehen versteht als alle Intendanten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zusammen, hat einmal den wahren Satz gesagt: „Kinder, es ist doch nur Fernsehen!“

Er hat Recht. Es ist nur Fernsehen! Wer sich heute politisch bilden möchte, macht nicht die Glotze an, hat noch nie die Glotze angemacht, sondern geht ganz modern ins Internet oder liest ganz altmodisch Zeitungen und Bücher. Wenn es eine mediale Stütze der Demokratie gibt, dann sind es die Zeitungen, Bücher und das Internet, und, oh Wunder, sie kommen ganz ohne staatliche Zwangsabgabe aus. Dennoch, stellen wir uns nur einmal vor, diese Medien hätten das selbe Recht wie die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Stellen wir uns mal vor, jede Person, die ein Buch besitzt, müsste dadurch schon Geld an einen öffentlich-rechtlichen Verlag bezahlen. Stellen wir uns vor, eine Person, die eine Zeitung auch nur abonniert hat, wäre dadurch schon zu Gebühren an eine öffentlich-rechtliche Zeitungsanstalt verpflichtet. Es wäre ein Zwang, ein Eingriff in die Pressefreiheit!

Der Zwang, gewisse Sender finanzieren zu müssen, ist blanke, pure Zensur, denn durch das Fördern gewisser Sender, werden alle freien Sender in ihrer Ausübung benachteiligt und somit behindert.

Während alle privaten Sender ihre Vorstellungen von Qualität auf dem freien Markt behaupten müssen, bekommen die öffentlich-rechtlichen Sender ein Schloss gebaut, damit sie dort ihre Vorstellung von gutem Fernsehen verwirklichen können. Finanziert wird das Ganze, und das ist das Perfide an der ganzen Sache, von den Bürgerinnen und Bürgern auf dem freien Markt. Die öffentlich-rechtlichen Adeligen lassen somit den Pöbel vom freien Markt zahlen, der sich zwar angeblich aufgrund von wirtschaftlichen Zwängen nicht für das Wahre, Schöne und Richtige entscheiden kann, dafür aber gut genug ist, Abgaben an die edlen Fürsten zu entrichten, damit sie das Elitäre verteidigen können. Das ist so ziemlich das Gegenteil von Demokratie! Dafür bekommt eine Königin des WDR, oder wie sie gerne euphemistisch bezeichnet wird Intendantin, im Jahr 330.000 Euro.

Eine der vehementesten Argumente gegen die Demokratie ist die Behauptung, mit der Masse setze sich nur das Mittelmäßige durch; das Volk sei in der Mehrheit zu dumm, sich für das Richtige zu entscheiden. Diese Argumente wurden nicht selten von Royalisten artikuliert. Jörg Schönenborn argumentiert so! Er ist somit kein Demokrat sondern ein Fürst und was er verteidigt, ist nicht die Freiheit der Demokratie, sondern das Privileg des Adels.

Dabei kann ich gut verstehen, warum der Adel das Fernsehen so sehr unter seine Gewalt bringen möchte. Kuba, Venezuela, China und Saudi-Arabien haben gut strukturiertes Staatsfernsehen. Fernsehen ist nun mal ein Massenmedium. Verhältnismäßig wenige Sender erreichen verhältnismäßig viele Menschen. Eine einzige Sendung kann zur gleichen Zeit von Millionen Menschen gesehen werden. Fernsehen ist somit das perfekte Medium für Propaganda.

Es gibt keine Neutralität in der Berichterstattung. Jedes Buch, jeder Verlag, jeder Blog, jeder Sender und jede Sendung wird von Interessen geleitet. Auch die Tagesschau ist subjektiv. Sie wird von Menschen gemacht. Menschen haben Meinungen, Einstellungen und Interessen. Die taz hat eine Linie und die BILD, die FAZ und die SZ. Die eigene Subjektivität zu dementieren, ist die brutalste Form der Subjektivität, da sie selbstgerecht und leugnerisch ist. Die Tagesschau ist nicht neutral, genauso wie jede andere Nachrichtensendung auch nicht. Deshalb ist es ein Skandal, dass die Tagesschau im Gegensatz zu vielen anderen Sendungen von allen Fernsehzuschauern Deutschland finanziert werden muss, egal ob sie die Tagesschau schauen oder nicht. Es ist ein Skandal, weil es eine Versklavung der Bürgerinnen und Bürger ist und reine Zensur aller freien Nachrichtensendungen, die durch diese Bevorzugung benachteiligt werden. Zu behaupten, die Tagesschau sei neutral, ist so verlogen wie ein König, der behauptet, er sei edel.

Erinnern Sie sich noch an jene Lehrer, die damals ab und an mit dem Fernsehschrank ins Klassenzimmer kamen und dann die Hälfte der Stunde damit verbrachten, die Geräte anzuschließen? Sie waren studierte Männer und Frauen, die Elite der Bildungsgesellschaft, dennoch waren sie zu bescheuert, einen einfachen Videorekorder zu bedienen. Am Ende waren sie auf die Hilfe ihrer Schüler angewiesen. Sie waren klug und gebildet, aber leider hatten sie den Fortschritt verpennt. So geht es momentan den Verteidigern des öffentlich-rechtlichen Adels. Sie haben den Fortschritt verschlafen und machen nun genau das, was viele Privilegierte machen, wenn sie merken, dass ihre Privilegien schwinden: Sie rufen nach einem starken Staat zur Erzwingung der Beibehaltung ihrer Vorzüge. Aber was soll ich sagen.

Video killed the Radio Star!
And Internet will kill the GEZ!
Get the fuck over it. Die with dignity!

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Mein Hochzeitstag

Bitte entschuldigt. Dieser Artikel hat keinen anderen Zweck, als mein ganz persönliches Glück in die Welt zu brüllen. Daher: Triggerwarnung! Nur weiter lesen, wenn Sie Kitsch ertragen können. Ich bin verliebt!

Am 4. Januar 2013 war mein fünfter Hochzeitstag. Seit dem 4. Juli 2000 bin ich vergeben. Daher hier ein paar Bilder von dem wunderbaren Taxifotografen Tom Wolff, der meiner Frau und mir einen unvergessenen Abend geschenkt hat.

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Vorsicht Satire!

Ich hatte einfach mal Lust, in einem Artikel der WELT nur die Namen zu verändern. Das Original finden Sie hier. Dies ist die Parodie:

Adolf Hitlers Klassiker „Mein Kampf“ wird künftig ohne diskriminierende Begriffe erscheinen. «Wir werden alle unsere Klassiker durchforsten», kündigte der Verleger in der Tageszeitung «taz» an.

Die umstrittenen Worte würden dabei nicht ersetzt, sondern ganz gestrichen. Es sei notwendig, Bücher an den sprachlichen und politischen Wandel anzupassen, begründet der Verleger den Schritt. «Nur so bleiben sie zeitlos.»

Laut «taz» hat ein anderer Verlag veraltete Worte wie «Neger» oder «Zigeuner» bereits vor vier Jahren aus seinen aktuellen Übersetzungen etwa von Astrid Lindgrens «Pippi Langstrumpf» gestrichen. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte zuletzt für Aufsehen gesorgt, als sie bekannte, diskriminierende Begriffe auszulassen, wenn sie ihrer Tochter vorlese.

Hitler (122) gehört zu den Großen der deutschen Nazi-Literatur. Laut «taz» habe er sich lange gegen Änderungen seiner Klassiker gestemmt. «Mit der Zeit ist aber die Einsicht gewachsen, dass die Authentizität des Werks der sprachlichen Weiterentwicklung untergeordnet werden muss», sagte der Verleger.

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An allem ist der Broder Schuld!

Theodor W. Adorno hat einst folgendes über den Antisemitismus geschrieben:

“Darauf spekuliert tatsächlich einer der wesentlichen Tricks von Antisemiten heute: sich als Verfolgte darzustellen; sich zu gebärden, als wäre durch die öffentliche Meinung, die Äußerung des Antisemitismus heute unmöglich macht, der Antisemit eigentlich der, gegen den der Stachel der Gesellschaft sich richtet, während im allgemeinen die Antisemiten doch die sind, die den Stachel der Gesellschaft am grausamsten und am erfolgreichsten handhaben.”

Das Satiremagazin Titanic hat es auf folgende schlichte Formel gebracht:

“Dass die Juden uns den Mund verbieten, ist das Gerücht über die Juden, das nach Adorno der Antisemitismus ist. Wer glaubt, dass es wahr sei, ist ein Antisemit. Augstein ist einer.”

Nicht nur die Titanic sieht in Augstein einen Antisemiten, das Simon Wiesenthal Center hat ihn sogar in die Top Ten der Antisemiten 2012 aufgenommen. Seit dem steht die deutsche Medienlandschaft Kopf. Wie konnte es nur soweit kommen? Wer trägt Schuld an diese Situation? Vielleicht Jakob Augstein selbst? Wenigstens ein bißchen? Einiges spricht dafür. Das Simon Wiesenthal Center gibt mehrere Zitate Augsteins zur Begründung an, darunter eine Äußerung, in der der Journalist eine Gruppe von ultraorthodoxen Juden in Israel, die zehn Prozent der Bevölkerung ausmachten, mit islamischen Fundamentalisten vergleicht. Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center sagt dazu:

„Wenn man das Bild von islamischen Extremisten heraufbeschwört, deren wesentlicher Beitrag zur Welt aus Selbstmordbombenanschlägen, Extremismus und Hass besteht, und dann eine gesamte religiöse Gemeinschaft nimmt und sie so stereotypisiert, dann hat das nichts mehr mit Journalismus zu tun. Damit wird eine Grenze überschritten.“

Tatsächlich hat Jakob Augstein mehrfach die Grenze zum Antisemitismus überschritten. Frank Olbert schreibt dazu im Kölner Stadt-Anzeiger:

„Für den Rabbiner Abraham Cooper, der die Liste beim Wiesenthal-Center erstellt, hat Augstein die Grenze der drei „D“ überschritten, die zwischen Israelkritik und Antisemitismus verläuft: Doppelter Standard bei der Beurteilung Israels im Vergleich zu anderen Ländern, Dämonisierung und Delegitimierung Israels. So hatte Augstein in seiner Kolumne auf „Spiegel Online“ Günter Grass applaudiert, der in seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“ von einem atomaren Erstschlag Israels gegen den Iran fabuliert. Überhaupt setzt sich Augstein häufig und, wie er findet, kritisch mit Israel auseinander, wobei sich seine Einsprüche mitunter durch Ahnungslosigkeit disqualifizieren. So schreibt er am 19. November 2012 über „Ultraorthodoxe oder Haredim“: „Diese Leute sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre islamistischen Gegner. Sie folgen dem Gesetz der Rache.“

Nun mögen Haredim mit ihren Stirnlocken, Bärten und der mittelalterlichen Kleidung in Augsteins Augen vielleicht rückständig wirken – Bombenleger sind diese äußerst frommen Juden ganz sicher nicht. Sie gehen oft nicht einmal zum Militär, und einen Staat Israel kann es für viele von ihnen erst geben, wenn der Messias erscheint. Den sehen sie in Netanjahu eher nicht. Indem er sie alle in einen Topf wirft, die Haredim, die Ultraorthodoxen, die Islamisten, bedient Augstein ein auch im linken Milieu gepflegtes Klischee, wonach in jedem Strenggläubigen ein Gotteskrieger steckt. Ob das gleich antisemitisch ist?“

Die konkret schreibt:

„Augstein wird bestreiten, ein Antisemit zu sein. Aber die phantasierte jüdische Weltherrschaft, die Weltkriegsgefahr, die Aufregung über eine Fiktion und die Gleichgültigkeit gegenüber realen Kriegen und Kriegstoten, die Insinuationen, daß Israel hinter dem Mohammed- Film, dem Krieg in Syrien und der iranischen Bombe stecke und die Toten in den innerarabischen Machtkämpfen zu verantworten habe, die Wiederholung der Lüge vom Juden, der aus dem Antisemitismus Profit schlage, diese ganze Sammlung perfider Projektionen zeigt eine Verblendung, die mit einer Kritik an Aspekten israelischer Politik nichts mehr zu tun hat. „Wenn der Bürger schon zugibt, daß der Antisemit im Unrecht ist, so will er wenigstens, daß auch das Opfer schuldig sei“ (Adorno).“

Jennifer Nathalie Pyka schreibt ähnlich in The European:

„Schließlich weiß der aufrichtige Deutsche ganz genau, woran man den gemeinen Antisemiten erkennt: an Thor-Steinar-Klamotten, Glatze und NPD-Mitgliedsausweis. Und an Gaskammern, zweifellos. Doch damit hat ein Jakob Augstein, dieser gebildete und gut gekleidete Mann, geradezu das Aushängeschild der links-intellektuellen Elite, nichts am Hut. Seine Spezialität besteht dagegen in Kolumnen, die gemeinhin das Label „Israelkritik“ tragen und laut landläufiger Meinung einen wichtigen Beitrag zur deutsch-israelischen Freundschaft leisten.

Kein Wunder also, dass Augsteins Entourage nun völlig aus dem Häuschen ist. Tatsächlich ließ der Kolumnist kaum eine Gelegenheit aus, um perfide Gaza-Ghetto-Analogien zu konstruieren, Israel für den Terror verantwortlich zu machen, es zur Bedrohung des Weltfriedens zu ernennen und wirre Verschwörungstheorien zu spinnen. Dass darin sehr wohl eine ganze Menge Antisemitismus steckt, übersteigt nicht nur das Vorstellungsvermögen der Massen. Die meisten wollen Augsteins antisemitisches Potenzial schlicht nicht erkennen, weil sie es mit ihm teilen. Schließlich kennen sie selbst es nur allzu gut: dieses Kribbeln, sobald sich irgendwo der Hauch einer Chance bietet, den erhobenen Zeigefinger in Richtung Israel zu schwenken. Und selbst Antisemit zu sein, nun, das ist seit ein paar Jahrzehnten wirklich nicht mehr schick. Es gilt, den Antisemiten trotz Augstein und Wiesenthal wieder säuberlich als „Israelkritiker“ zu etikettieren.“

Für einige Medienvertreter ist es also unvorstellbar, dass ein gebildeter Linker antisemitische Gedanken haben kann. Der Schuldige muss einfach jemand ganz anderes sein. Glücklicherweise gibt es da jemanden, den man zum Sündenbock erklären kann und er ist auch noch ein Jude. Wunderbar. Schuld hat Broder! Jawohl! Hier ein paar Auszüge aus der Presse:

„Auch wenn H. M. Broder damit aktuell, geruchsmordend, über den Literatur Nobelpreisträger, Günter Grass, den Herausgeber des Freitag, Jakob Augstein, richten will, gerät ihm dieser Satz doch eher, erhellend, zur Selbstanzeige des Verlustes seines persönlich publizistischen Geruchssinns.“ (Freitag)

„Der Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland, Klaus Holz, warf dem Wiesenthal-Zentrum dagegen vor, den Antisemitismus-Vorwurf zu einer “pauschalen Keule” zu machen. Den Augstein-Kritiker Broder bezeichnete er laut Deutschlandradio Kultur als “Pöbler”. Viele Intellektuelle duckten sich bei solchen Debatten weg und räumten damit das Feld für “die Broders dieser Welt”, sagte Holz.“ (n-tv)

Aber den Vogel schießt Christian Bommarius in der Frankfurter Rundschau ab: „Es spricht für den deutschen Rechtsstaat, dass Henryk M. Broder bis heute frei herumläuft, aber es spricht gegen das Simon-Wiesenthal-Center, dass es den Lügen und Verleumdungen dieser trostlosen Witzfigur aufgesessen ist. Wer Broder Glauben schenkt, der vertraut auch einem Bankräuber sein Bargeld an und einem Kannibalen die Ehefrau.“

Da hat Broder ja noch mal Glück gehabt, im neuen Deutschland zu leben. In der BILD schrieb F. J. Wagner vor einigen Monaten: “Wir sind ein besseres Deutschland geworden.” Seine Begründung: “Früher wurden Homosexuelle in Deutschland zu Gefängnis verurteilt. Was für eine glorreiche Zeit für Euch. Niemand steckt Euch ins Gefängnis.” Da wächst zusammen, was zusammen gehört. Laut Wagner von der BILD sollen nervende Schwule und laut Bommarius von FR nervende Juden froh sein, nicht ins Gefängnis geworfen zu werden. Wir sind echt ein besseres Deutschland geworden.

Was wäre Augstein, was wäre Deutschland nur ohne Broder? Ohne Broder hätte man sich doch tatsächlich mit den Aussagen Augsteins beschäftigen müssen. Jetzt aber kann sogar die Freitag Community aus der Augstein-Affäre eine Broder-Affäre machen und orthographisch leicht daneben spotten:

„Eigentlich wii Henry M. Broder wohl nur mahnend ansagen, dass Jakob Augstein als Herausgeber des Freitag und vielgelesener S.P.O.N. Kolumnen SPIEGEL Autor, ein, heillos, zu grosser Freigeist Meinungssinn im Lande der Dichter und Denker umwehe, weil es, anders als zu Zeiten da Jakob Augstein Redakteur “DER ZEIT”, “Der Sueddeutschen” war, Niemanden mehr gebe, der, vorab, hegend und pflegend, zensierend, auf dessen Zeilen schaue. J. Pwtrick

Nein, für Broder ist man schon Antisemit, wenn man sagt: Ich habe Urlaub in Israel gebucht. Dann muss man sich von diesem Manne unter Umständen demnächst vermutlich fragen lassen, ob man Katstrophentourist sei, dann schon muss man sich rechtfertigen können. Ein deutscher Tourist eben alleine aus dem Zweck heraus nur nachzählen zu wollen, um wie viele Menschen das kleine Israel seit seiner Gründung nach dem Holocaust gewachsen sei. Für Broder ist man Antisemit, wenn man das Wort Israel als Deutscher überhaupt in den Mund nimmt. Ginge es nach Broder, würde er auch der Bundeskanzlerin das vorwerfen, was er Augstein vorwirft.“

Am Antisemitismus ist also Broder Schuld, vermutlich weil er mit seinen jüdischen Superkräften die Medien beeinflussen kann. Wenn Broder nicht Schuld ist, dann ist das Simon Wiesenthal Center Schuld und wenn das Simon Wiesenthal Center nicht Schuld ist, ist Israel Schuld. Schuld ist auf jeden Fall ein Jude. Soviel ist klar. „An allem sind die Juden Schuld!“ Wie nennt man das nochmal, wenn man glaubt und behauptet, an allem und vor allem am Antisemitismus seien die Juden Schuld?

Jakob Augstein hätte diese Frage beantworten können in einem Gespräch mit Henryk M. Broder. Da beide für den Radiosender RBB arbeiten, wurden auch beide zu einem Gespräch mit dem RBB eingeladen. Broder sagte zu. Augstein sagte ab. Daraufhin beurlaubte der RBB Broder für eine Woche und nutzte die dadurch frei gewordene Zeit um über Jakob Augstein zu sprechen. Broder urteilt über dieses Verhalten des RBB vollkommen zurecht:

„Das sei keine gute Idee, sagte ich, wenn der Kommentar ausfällt, würden die Zuhörer das als eine Distanzierung des Senders von mir verstehen. Davon könne keine Rede sein, sagte der Redakteur, man könne nur „an so einem Tag nicht über ein x-beliebiges Thema“ mit mir reden, da würden sich die Zuhörer fragen, „warum sagt er nichts über Augstein?“ – „Weil ich mich in dem Freitagskommentar noch nie zu einer Sache geäußert habe, in die ich selber verwickelt war“, sagte ich. Der Redakteur machte wieder eine Pause. Das Argument schien ihm einzuleuchten. „Wir bereden das noch mal in der Redaktion, und ich melde mich wieder bei Ihnen.“

Eine Stunde später rief der Redaktionsleiter Broder an und teilte ihm mit: „Wir lassen den Kommentar mit Ihnen ausfallen und reden stattdessen mit einem Antisemitismusexperten.“

An allem ist der Broder Schuld!

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Frohes Neues Jahr!

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