Todesstrafe für Skeptiker

Auf der Homepage der Universität Graz plädiert Professor Richard Parncutt für die Einführung der Todesstrafe für alle einflussreichen Kritiker und Zweifler an der Theorie der globalen Erderwärmung.

Heute ist der 28. Dezember 2012. Ich wiederhole daher nochmal diese Nachricht, vielleicht wird es eine Zukunft geben, in der dies der erste Dammbruch war:

Auf der Homepage der Universität Graz plädiert Professor Richard Parncutt für die Einführung der Todesstrafe für alle einflussreichen Kritiker und Zweifler an der Theorie der globalen Erderwärmung!

Wer ist dieser Richard Parncutt?

Richard Parncutt ist Wissenschaftler und erforscht die Entstehung von Musik. Er versucht die Frage zu klären, warum musikalische Klangmuster starke Emotionen hervorrufen und warum in allen Kulturen religiöse Rituale durch Musik begleitet und unterstützt werden. Zudem erforscht er, wie Musik auf Säuglinge im Mutterleib wirkt.

Hier nun ein paar Auszüge aus seiner Abhandlung über die Forderung zur Hinrichtung von Skeptikern, die in Englisch auf der Homepage der Universität zu Graz zu lesen waren:

„In diesem Artikel werde ich zeigen, dass die Todesstrafe eine angemessene Strafe für einflussreiche Leugner der globalen Erderwärmung ist. Aber bevor ich zu dieser überraschenden Schlussfolgerung komme, erlauben Sie mir bitte zu erklären, wo ich herkomme.

Ich war immer in allen Fällen gegen die Todesstrafe und ich habe immer die klare und konsequente Haltung von Amnesty International zu diesem Thema unterstützt. Die Todesstrafe ist barbarisch, rassistische, teuer und wird oft fälschlicherweise angewendet. Offenbar besitzt es nicht einmal eine abschreckende Wirkung auf zukünftige Mörder handeln. Hoffentlich werden die USA und China bald zu ihren Sinnen kommen.

Auch Massenmörder sollten meiner Meinung nach nicht hingerichtet werden. Betrachten wir die politisch motivierten Morde an 77 Menschen in Norwegen im Jahr 2011. Natürlich hat es der Mörder nicht verdient zu leben, und es gibt nicht den geringsten Zweifel daran, dass er schuldig ist, aber wenn die norwegische Regierung ihn töten würde, erhöhte sie nur die Zahl der Toten auf 78. Die Toten würden dadurch nicht wieder leben. Mit der Hinrichtung würde somit nichts Positives erreicht.

Ich respektiere es, wenn die Familien und Freunde der Opfer es anders sehen, aber ich möchte einfach präsentieren, was mir ein logisches Argument zu sein scheint. Leugner der globalen Erderwärmung fallen in eine ganz andere Kategorie von Behring Breivik. Sie verursachen den Tod von Hunderten von Millionen von zukünftigen Menschen. Wir könnten von Milliarden sprechen, aber ich mache eine konservative Schätzung.“

Anschnallen! Jetzt kommt es:

„Ich glaube nicht, dass Massenmördern der üblichen Art, wie Breivik, die Todesstrafe drohen sollte (…) Bei Leugnern der globalen Erderwärmung ist dies anders. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es zu Hundertmillionen Toten führen. Aus diesem Grund schlage ich vor, dass die Todesstrafe für einflussreiche Leugner der globalen Erderwärmung angemessen ist. Ganz allgemein schlage ich jedoch vor, dass wir die Todesstrafe auf jene Menschen begrenzen, deren Handlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit Ursache Millionen künftiger Todesfälle sein wird.“

Da haben wir aber nochmal Glück gehabt, dass Richard die Hinrichtungen dann doch noch beschränken will.

„Betrachten wir das folgende Szenario: Ein selbstmörderisches Genie entwickelt ein Mittel, um ein Großteil der Weltbevölkerung zu zerstören. Eine heroische Frau taucht auf (es könnte auch ein Mann sein, wenn Sie bevorzugen) und tötet den Bösewicht just in time, genau wie einer jener Superhelden aus den Comics. Auch Amnesty International würde sich den Glückwünschen an die Heldin anschließen. Was könnten sie auch sonst tun? Sie müssten froh sein, am Leben zu sein.

Aus diesem Beispiel wird deutlich, dass es eine Trennlinie gibt zwischen Morde, für die die Todesstrafe zweckmäßig ist und für Morde, wo die Todesstrafe ungeeignet ist. Ich schlage vor, die Trennlinie dort zu ziehen, wo über eine Million Menschen sterben. Ich möchte behaupten, dass es in der Regel in Ordnung geht, jemanden zu töten, um eine Millionen Menschen zu retten. Ebenso ist die Todesstrafe eine angemessene Strafe für Leugner der globalen Erderwärmung, die so einflussreich sind, dass eine Million künftige Todesfälle mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ihre persönlichen Handlungen zurückzuführen sind.“

Schon seit einiger Zeit fällt mir auf, dass die Penetranz, mit der viele Klimawandelwarner nach jedem Hurrikane und nach jeder Flut sofort mit Schuld arbeiten und Schuldige ausmachen, den Charme vieler Evangelikaler erreicht hat, die ebenfalls menschliche Sünden für Naturkatastrophen verantwortlich machen. Die einen rufen “Das ist die Strafe Gottes für Eure Sünden” und die anderen nehmen schlicht das Wort Gott aus der Anklage raus: “Das ist die Strafe für Eure Sünden!”

Mit der Warnung vor dem Klimawandel kommt die moderne Wissenschaft so nah an die religiöse Prophetie heran, wie selten zuvor. Viele Menschen, die damals mit den rohen Gewalten der Natur konfrontiert waren, versuchten der beängstigen Sinnlosigkeit der Zerstörung durch die Natur dadurch zu begegnen, dass sie den Sünder Mensch für die Katastrophe verantwortlich machten. Heute machen viele Mahner und Warner die sogenannten Umweltsünden der Menschheit zum Grund für alle Naturkatastrophen. Dabei wird geflissentlich ignoriert, dass die Erde schon in anderen Jahrhunderten der Menschheit viel wärmer war als heute, dass es in Europa Zeiten stärkerer Stürme und Fluten gab als heute und dass es Zeiten gab, in denen es weit weniger Eis an den Polen gab als heute. Die Wikinger zum Beispiel lebten in Grönland an Orten, die heute tief unter Eis liegen. Naturkatastrophen gab es schon, bevor der Mensch in Sünde lebte oder CO2 produzierte. Der Mensch hat zwar Einfluss auf den Klimawandel, aber wandeln wird sich das Klima auch ohne Menschen. 

Damals wie heute stehen die Menschen hilflos vor der Macht der Natur und suchen nach Erklärungen für das Unerklärliche. Viele Menschen wollen einfach irgendwie Schuld sein an der Katastrophe. Sie glauben, die Situation so besser ertragen zu können. Sie benehmen sich wie die verlassene Person, die bei der Trennung immer wieder fragt, was sie denn falsch gemacht habe, in der Hoffnung, so die Situation erträglicher zu machen. Daher haben auch die Propheten von heute immer noch genug Ohren, in die sie ihre apokalyptischen Gedanken flüstern können. Jetzt kommt auch noch ein Professor von der Universität Graz daher und ruft zur Inquisition auf und fordert Scheiterhaufen für Klimahexen. Damals war das Wetterhexen, heute sind es Klimahexen.

Dogmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich jeder Skepsis verweigern. Das Gegenteil zum Dogma ist die Theorie. Die Theorie verweigert sich nicht dem Zweifel, sondern sie fordert ihn. Weil der Mensch nie sicher sein kann, ob er eine Wahrheit gefunden hat, ist es die Aufgabe der Wissenschaft nicht so sehr um den Beweis sondern vielmehr um die Widerlegung von Theorien bemüht zu sein. Beim Versuch zu beweisen, wird nämlich nur betrachtet, was eine Theorie stützt, nicht jedoch, was ihr widerspricht. Dadurch besteht die Gefahr des Dogmatismus, denn Dogmatiker vermeiden, ihre Meinungen der kritischen Prüfung auszusetzen. Sie suchen nur nach Bestätigungen. Alle Ereignisse und Phänomene werden so interpretiert, dass sie in die Theorie passen. Widersprechendes wird ausgeblendet, uminterpretiert oder als irrelevant abgetan. Der Zweifel wird sanktioniert. Die Theorie jedoch fordert den Zweifel. Die norwegische Philosophin Wiki Pedia sagt dazu:

“Der maßgeblich von Karl Popper entwickelte Kritische Rationalismus beinhaltet eine Wissenschaftstheorie, der zufolge sicheres oder rechtfertigbares Wissen nicht möglich ist und daher auch nicht das Ziel der Wissenschaft sein kann. Stattdessen fasst der Kritische Rationalismus Wissenschaft als methodisches Vorgehen durch Versuch und Irrtum auf, bei dem Hypothesen und Theorien sich beständig durch Überprüfung bewähren müssen. Der Forscher versucht seine Hypothesen zu verallgemeinern, zu verfeinern und sie durch Experimente in Frage zu stellen, um ihre Schwächen herauszufinden, so dass sie durch neue, verbesserte Hypothesen ersetzt werden können. Im Unterschied zu positivistischen Richtungen geht der Kritische Rationalismus auch bei nachhaltiger Bewährung einer Theorie nicht davon aus, dass dies ein Argument für die Theorie ist oder die Theorie begründet. Er ist jedoch der Auffassung, dass durch die ständige Fehlerkorrektur eine Annäherung an die Wahrheit möglich ist und die Wahrheit sogar erreicht werden kann, der Forscher jedoch nicht sicherstellen kann, dass das der Fall ist. Trotz dieses Eingeständnisses behält der Kritische Rationalismus den absoluten Wahrheitsbegriff der Korrespondenztheorie bei und distanziert sich vom Relativismus.”

Ich vertrete die Theorie, dass sich ein hoher CO2-Ausstoß selbstverständlich auf das Klima auswirkt, wie Vulkanausbrüche, die schon seit der Entstehung der Erde das Klima beeinflussen, aber ich zweifele sehr stark daran, dass jede Klimakatastrophe gleich ein Resultat eines menschgemachten Klimawandels sein soll.

Ich zweifle zudem daran, dass der Mensch berechnen kann, wie das Klima in kommenden Jahren aussehen wird und vor allem, was die Menschheit tun muss, um eine Klimaentwicklung in eine beliebige Richtung zu lenken.

Ich bezweifle zudem, dass es möglich ist, Milliarden von Menschen zu zwingen, sich auf eine gewisse Art und Weise zu verhalten. Ich halte es zudem für lächerlich zu glauben, dass man damit auch noch den Wandel des Klimas in eine bestimmte Richtung lenken kann.

Das Klima hat sich immer schon gewandelt, schon vor der Menschheit und es wird sich auch nach der Menschheit wandeln. Es wird mal wärmer sein und mal kälter. Es wird Eiszeiten geben und Wärmeperioden. Das allein schon ist Grund genug, nicht auf jede Panikmache nach jeder Naturkatastrophe hereinzufallen.

Nicht selten ertönt in dem Moment, da eine wissenschaftliche Theorie zum Dogma wird der Chor der Masse: “Alle wichtigen Wissenschaftler sagen das!” Man muss kein Einstein sein, um auf eine solche Aussage die passende Antwort zu finden: “Das Richtige braucht nur einen Wissenschaftler!”

Es waren immer die Gelehrten, die Studierten, die Bischöfe, die behaupteten, ihre Studien hätten bewiesen, dass das ungebildete Volk sich ändern müsse, um Schlimmeres zu bewahren. Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, ich kenn auch die Herren Verfasser; ich weiß, sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser. Sie schüren die Panik, um damit Politik zu machen. Es gab schon Fluten bevor der Mensch die Ehe brach und es gab schon Hurrikans bevor der Mensch Auto fuhr.

Jetzt gibt es wieder einen Großinquisitor, der die Todesstrafe für das Zweifeln fordert. Sein Name ist Richard Parncutt.

Beautiful shot of bushes in the desert of Death Valley, California

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Der Unterschied

Einer der größten Unterschiede zwischen Israel und dem Gebiet, das von der palästinensischen Autonomiebehörde verwaltet wird, besteht darin, dass Araber, die in Israel siedeln, Israelis genannt werden, während Juden, die auf dem Gebiet eines möglichen Palästinas siedeln, als illegale Siedler bezeichnet werden. Erst jüngst bei der Tagesschau von Weihnachten 2012 wurden alle Juden, die in Ost-Jerusalem leben, als „illegale Siedler“ bezeichnet.

Es ist doch spannend: Eine Menge muslimischer Fundamentalisten können schon die pure Anwesenheit von Juden nicht ertragen und bezeichnen deshalb alle Juden, die in Ost-Jerusalem leben, als „illegale Siedler“, obwohl viele jüdische Familien dort schon seit Jahrhunderten, wenn nicht gar seit Jahrtausenden, siedeln, und die mehrheitlich christliche Tagesschau hat zu Weihnachten nichts besseres zu tun, als diese judenfeindliche Rhetorik als objektive Wahrheit zum Christfest im Ersten Deutschen Fernsehen zu senden.

Fröhliche Weihnachten!

Wir können im Grunde alle froh darüber sein, dass sich die israelische Regierung nicht wie die Fatah gebärdet, denn dann hätte die Weltgemeinschaft auf einmal über 1,6 Millionen illegale arabische Siedler in Israel, gegen die sie Resolutionen verabschieden müsste. Aber die Vereinten Nationen können aufatmen, denn soweit wird es nicht kommen, schließlich gibt es da noch einen weiteren entscheidenden Unterschied: Israel ist eine Demokratie und tolerant.

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Wo meine Wiege stand

Ich komme aus einem kleinen Nest im Emsland. Haren heißt der Ort. Ich habe mal ein paar interessante Artikel und Berichte über meine Heimat rausgesucht. Vielleicht erklärt das ja einiges.

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Als Haren Maczków hieß

Nach dem 2. Weltkrieg wurde Haren für ein paar Monate polnisches. Es war eine lebhafte und kulturell interessante Zeit. Dennoch wird in den meisten Harener Familien bis heute darüber geschwiegen.

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Als das Emsland polnisch war

Kaum etwas in Haren erinnert mehr an die polnische Zeit. Im Harener Ratssaal sind ein paar Erinnerungsstücke an das Kriegsende ausgestellt. In einer Vitrine ist das weiße Betttuch zu sehen, mit dem Schwester Kunigunde vom Turm der Martinuskirche am 8. April 1945 den anrückenden alliierten Truppen signalisierte, dass Haren kapituliert. Sie handelte auf eigene Faust. Auch der alte Stadtplan mit den polnischen Straßennamen ist neben leicht vergilbten Fotos aus dem polnischen Maczkow dort zu sehen.

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Die haben uns erpresst

In meinem Heimatdorf kam es in meiner Kindheit zu einem schier unglaublichen Skandal des Schweigens und der Verdrängung. Als er öffentlich wurde, das Magazin Panorama berichtete damals darüber, waren die meist gesprochen Sätze im Dorf „Davon haben wie nichts gewusst“ und „Wir konnten nicht anders.“

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Steine gegen das Vergessen

In Haren erlosch das jüdisch Leben vor über 70 Jahren. Die Familie de Vries wurde im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sally de Vries wurde im KZ Buchenwald ermordet und Bela und Minna de Vries in Auschwitz. Isaac Frank war Gemeindevorsteher in Haren. Während sein Sohn Alexander nach Schweden flüchtete, konnte Tochter Ruth mit ihrem Mann Phillip Sternberg in die USA fliehen. Levy Sternberg betrieb im Haus Lange Straße 21 eine Fleischerei und war Synagogenvorsteher. In der Reichspogromnacht 1938 wurde er krank aus dem Bett geholt, geschlagen und gedemütigt: Man zerriss ein Kopfkissen, schüttete ihm die Federn über den Körper und setzte ihm einen Kaktus als Krone auf den Kopf. Kurz vor seiner Ausweisung in das Judenhaus in Lingen verstarb seine Frau Selma. Ihr Grab befindet sich heute noch auf dem Friedhof an der Landegger Straße. Von Lingen aus wurde Levy Sternberg nach Theresienstadt deportiert.

20121222-003038.jpg (Der jüdische Friedhof in Haren)

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Danke WDR – Danke für des Hass!

In Anbetracht von Tuvia Tenenboms frisch bei Suhrkamp erschienen Buchs „Allein unter Deutschen“, wo er von einer schier unglaublichen Zusammenarbeit des WDR mit einem Mann berichtet, der in einer Resolution, die vom Oberbürgermeister Kölns und allen Parteien im Kölner Stadtrat bis auf die LINKE unterzeichnet wurde, als Verbreiter einer „Botschaft des Hasses“ bezeichnet wird, habe ich mich mal auf den Weg der Kölner Schandmauer begeben.

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Nach meinem kurzen Film ließ der WDR die Steine entfernen, allerdings nicht ohne Drohung:

„Das Befestigungsmaterial für den Stand der sogenannten „Kölner Klagemauer“ – hier insbesondere das Tragwerk der Mauer, die Barken, – wird bzw. wurde weder in den Räumen noch auf dem Grundstück des WDR gelagert.

Nach Prüfung des durch den WDR beauftragten Sicherheitsdienstleisters wurden bzw. werden zum Teil noch Barken der Klagemauer neben dem Gebäude Funkhaus auf dem Grundstück der Stadt Köln gelagert. Diese Fläche ist für jeden öffentlich zugänglich und von der Domplatte in weniger als einer Minute erreichbar.

Gegen die Verbreitung von anderslautenden falschen Behauptungen werden wir gerichtlich vorgehen.“

Ich schrieb zurück:

„Meine lieben Damen und Herren vom WDR,

geht man so verantwortungsvoll mit der ganzen Angelegenheit um? In Ihrem Eingangsbereich lagern Steine, die für eine judenfeindliche „Botschaft des Hasses“ gebraucht werden, eine Botschaft, die gefährlicher ist, als es ein rutschiger Gehweg im Winter jemals sein kann, und was machen Sie? Sie wollen gerichtlich gegen jene Menschen vorgehen, die über diese Angelegenheit berichten!

Laut deutscher Rechtsprechung von 2009 sind Hauseigentümer dazu verpflichtet, den Schnee auf den Wegen vor dem Haus und auf dem Grundstück zu räumen. Aber auch andere Gefahren müssen Hausbesitzer das ganze Jahr über im Blick haben. Dazu gehören morsche Bäume im Garten, lose Dachziegel oder eine lockere Fernsehantenne.

Lieber WDR,

verklagen Sie einfach die Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, weil sie in dem Buch von Tuvia Tenenbom bestätigt, dass der WDR bei der Verbreitung der „antisemitischen Propaganda“ helfe. Nutzen Sie die Gelder der Zwangsgebühren dazu, dass eine Heerschar von Juristen dafür sorgt, dass in dem Buch „Allein unter Deutschen“ alle kritischen Passagen über den staatsnahen Sender WDR geschwärzt werden. Und zu guter Letzt: Nutzen Sie Ihre von Zwangsgebühren finanzierten Juristen auch dazu, mich vor Gericht zu zerren, weil ich es gewagt habe, in meinem Blog Tapfer im Nirgendwo über die Passagen in dem Buch zu berichten, über die Sie so nachhaltig geschwiegen haben.

Sie könnten natürlich auch Ihren Hausmeister beauftragen, die Schandsteine an Ihrem Eingangsbereich einfach wegzuräumen oder das Ordnungsamt beauftragen, dies zu tun, falls Ihr Hausmeister nicht befugt oder befähigt genug ist, aber das ist Ihnen wohl zu viel Arbeit. Sie verschwenden lieber die Zwangsgebühren dafür, Gerichte entscheiden zu lassen, was in Zukunft mit jenen Menschen geschehen soll, die es wagen, darüber zu berichten, dass es an Ihrem Eingangsbereich heftigen Antisemitismus geschneit hat.

Lieber WDR,

das nächste Mal, wenn es wieder einmal schneit in Köln und Ihr Eingangsbereich vereist und voller Schnee ist, sparen Sie sich einfach das Schneefegen und verklagen Sie stattdessen die Damen und Herren vom Wetterbericht!“

Nachdem der Betreiber der judenfeindlichen Installation seine Steine nicht mehr beim WDR lagern konnte, lagerte er sie einfach woanders:

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Nach diesem Film ließ die Stadt Köln die Steine entfernen. Das Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln schrieb mir zudem diese Mail:

Sehr geehrter Herr Buurmann,

das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) hat die Fußplatten – so lautet nach meinen Recherchen die offizielle Bezeichnung – entfernt und lässt sie vom städtischen Bauhof abholen. Die „Hausmannschaft“ des MAKK wird den Außenbereich des Hauses künftig regelmäßig kontrollieren.

Das Problem wäre also für den Augenblick gelöst. Das schließt allerdings nicht aus, dass der Initiator der Klagemauer Fußplatten künftig an anderer Stelle lagert. Die Teile sind nicht teuer, Einzelpreis 16 Euro, bei größeren Mengen deutlich weniger. Außerdem stehen sie in so großer Zahl ungesichert im gesamten Stadtgebiet, dass es leicht fällt, sie zu „organisieren“. Allein an einer ganz einfachen Beschilderung, die lediglich das Abbiegen von der Aachener in die Oskar-Jäger-Straße verbietet, habe ich schätzungsweise 100 Exemplare gesehen

Ein paar Tage später waren die Steine wieder da. Im Juli 2015 war ich um 2 Uhr morgens wieder am Kölner Dom unterwegs. Es war kurz nach einem Gespräch mit Tuvia Tenenbom in Bonn. Er hatte mich gebeten, doch mal nachzuschauen, wo die Steine jetzt, da der WDR seine Mithilfe verweigert, lagern. Unglaublich, aber wahr. Sie standen vor dem Kölner Dom, einsam, verlassen, traurig und unbewacht.

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Am nächsten Morgen fragte ich beim Ordnungsamt der Stadt Köln nach, warum der Mann, der in den Worten der Stadt Köln eine „Botschaft des Hasses“ betreibe, seine Befestigungssteine für diese Botschaft vor dem Kölner Dom lagern dürfe. Noch am selben Tag wurde die Stadt Köln tätig. Am 10. Juli 2015 stand im Express:

WAS SOLLTEN SIE DORT ÜBERHAUPT?
Stadt beschlagnahmt Klagemauer-Füße am Kölner Dom

Der Autor des Artikels, Robert Baumanns, bezeichnet die Installation vor dem Kölner Dom als „Parolenwand, mit der der Demonstrant „seit Jahren auf der Domplatte ganz Köln nervt.“

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Gute Nacht Köln!

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Die Rückkehr des Goldenen Scheckenfalters

Es ist schöner Schmetterling? Er heißt Goldener Scheckenfalter und lebte einst in dem Gebiet von Schleswig-Holstein. Seit gut zwanzig Jahren jedoch ist er dort ausgestorben. Wer den Schmetterling mal in echt allerdings tot und aufgespießt sehen möchte, muss zur Stiftung Naturschutz gehen, denn dort wird in einem Kasten ein Exemplar des Euphydryas aurinia aufbewahrt. Eine wahrlich verborgene Existenz.

Als der Goldene Scheckenfalter noch lebte, führte er keine minder verborgene Existenz. Scheckenfalter sind fast immer nur im Entstehen. Die Weibchen legen im Mai und Juni Hunderte Eier, aus denen sich kleine schwarze Raupen bilden. Sie überwintern gemeinsam in einem Gespinst in Bodennähe an ihrer Nahrungspflanze und verpuppen sich im April und Mai. Dann kommt der große Moment: Der Scheckenfalter klappt seine Flügel aus und hebt ab. Aber nach wenigen Wochen ist es wieder vorbei. Den Juli erleben Scheckenfalter in der Regel nicht. Sie leben nur wenige Sommerwochen lang, dann verabschieden sich sich von dieser Welt, lautlos wie sie gekommen sind.

Lautlos war auch ihr Aussterben. So wirklich vermisst hat den Goldenen Scheckenfalter niemand. Er war schön, klar, aber das war Kleopatra angeblich auch. Irgendwann müssen alle mal gehen. Eine Frau aber sieht das anders. Ihr Name ist Antje Walter. Sie will das Verschwinden des Goldenen Scheckenfalters nicht akzeptieren und schickt sich an, die Frankenstein der Schmetterlinge zu werden.

Mehrere Flächen hat sie zusammen mit der Stiftung Naturschutz in Schleswig-Holstein für die Rückkehr des Goldenen Scheckenfalters ausgewählt. 3,3 Millionen Euro soll diese Wiederauferstehung des Goldenen Scheckenfalters kosten. Das meiste Geld wird dabei aus den Steuerkassen kommen.

Ich bin kein Biologe, ich kann nicht sagen, ob diese Summe gerechtfertigt ist. Der Goldene Scheckenfalter soll ja ist eine Schirmart sein, was bedeutet: Wo der Goldene Scheckenfalter sich wohl fühlt, fühlen sich auch andere wohl, zum Beispiel der Teufelsabbiss, eine violett blühende Pflanze, die in Schleswig-Holstein mittlerweile auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht. Für mich klingt das alles dennoch ein wenig nach Jurassic Park für Arme. Dinosaurier, Mammuts und Säbelzahntiger sind auch ausgestorben. Bestimmt waren auch sie für irgendwas Schirmarten. Nun sind sie verschwunden. Wir können uns zwar noch hier und da ein paar tote oder skelletierte Exemplare anschauen, aber das war es dann auch. Mir persönlich reicht das.

Antje Walter aber reicht das nicht. Sie will mehr und bekommt dafür jetzt 3,3 Millionen Euro. Es sei ihr gegönnt.

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Kermit will kein Frosch sein

von Miriam Trappmann (erstmals erschienen in kleine zeitung (Nr. 4/ Dezember 2012) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)

20121208-082620.jpg Der KGB-Chef als lupenreine Rampensau: Gerd Buurmann macht gerne „Kunst gegen Bares“. Foto Tom Wolff Köln

Leute strömen aus den Türen der drei Hausflügel des Uni-Centers in Köln Sülz. Sie eilen zur Arbeit, wollen ihren Hund ausführen oder gehen ihren sonstigen Verpflichtungen nach. Das Bild, das die Halle des größten Wohnhauses Europas bietet, befindet sich in ständigem Wandel. Nur Eines ändert sich nie: Die 24-stündige Anwesenheit eines Rezeptionärs, wie Gerd Buurmann einer ist.

Nähert man sich dem Rezeptionshäusschen innerhalb seiner Schicht, findet man den kinderlos verheirateten 35-Jährigen mit der Vollglatze fast immer in einem regen Gespräche. Geboren in der Kleinstadt Haren an der Ems, wusste Buurmann schon immer, was er in seinem späteren Leben machen wollte: nämlich Theater. „Leute gehen in die Kirche, in die Synagoge oder die Moschee um Gott zu ehren und sie kommen ins Theater, um den Menschen zu ehren“, sagt er andächtig. Nachdem er den Entschluss gefasst hatte, sein weiteres Leben dem Theater zu widmen, gründete Buurmann eine kleine Theatergruppe in seinem Geburtsort. Anschließend zog er nach Osnabrück und von dort aus weiter nach Chicago und landete schließlich in Köln, wo er Philosophie, Soziologie und Englisch studierte.

In Köln kam ihm dann die Idee zu seiner Theater-Show „Kunst gegen Bares“, die er jeden Montagabend zusammen mit seiner Kollegin Hildegart Scholten im ausverkauften ArtTheater moderiert.

Die Idee zu dieser Show schwirrte ihm durch den Kopf, seit er das erste Mal Kermit den Frosch und die berühmte Muppet Show in einem Theater in London gesehen hatte. „Kunst gegen Bares basiert auf der Grundidee der Muppet Show, nur eben mit Menschen statt mit Tieren.“ Buurmann ist sozusagen der „Kermit der Frosch“ seiner Show, er moderiert die Show mit seiner Kollegin ebenso aufgedreht. Dabei wird er auch manchmal von seinen teils sehr schrägen Gästen überrascht, genauso wie der einst sehr bekannte, sympathische grüne Frosch. In solchen Fällen müssen die beiden Moderatoren schnell improvisieren, was ihnen, im Gegensatz zu Kermit dem Frosch, (fast) immer gelingt. „Außerdem oder gerade deshalb sind die beiden Shows unglaublich multikulturell, denn in der Muppet Show können Schweine, Bären, Vögel und Hunde nebeneinander leben und sich zu einer großen Familie vereinen, ohne dass sie ihre Identität aufgeben. Dies funktioniert in der Kunst gegen Bares Show genauso, denn auch da können sich viele einzigartige Persönlichkeiten und Nationalitäten zu etwas Großem vereinen“.

Jeder, der möchte und denkt, er könne etwas Besonderes, kann spontan auf der Bühne vor Publikum auftreten und sein Talent präsentieren. Das Publikum ist sozusagen die „Jury“, es hat danach die Möglichkeit zu zeigen, wie viel ihm die jeweilige Kunst der Personen Wert ist, indem es (egal wie viel) Geld in aufgestellte und den Künstlern zugeordnete Sparschweine wirft. Am Ende des Abends werden dann das sogenannte „Kapitalistenschwein“ des Abends, sowie der 2. und 3. Platz gekürt. Einen festen Eintrittspreis von 4 Euro müssen die Zuschauer dennoch zahlen.

Die Kunst gegen Bares Show findet mittlerweile schon in 10 Städten Deutschlands, unter anderem in Hamburg, Bonn, Stuttgart und Lübeck, sowie auf Palma de Mallorca statt. Auf die Frage wie sich seine Show so weitläufig und erfolgreich verbreiten konnte findet Buurmann eine simple aber dennoch einleuchtende Antwort: „Ganz einfach, durch Begeisterung!“ Der Stolz in seinen Augen ist unübersehbar.

An der Rezeption hat Buurmann während seines Studiums angefangen zu arbeiten. „Warum ich da hängengeblieben bin?“ Buurmann schmunzelt „Tja, die Arbeit macht erst einmal großen Spaß, die Kollegen sind sehr nett und meine reguläre Arbeitszeit, nämlich Nachts, ist super. Wunderbare Stunden zum Nachdenken und um Menschen zu treffen. Aber das Wichtigste ist Folgendes: Es ist das Beste was einem passieren kann, wenn man auch noch dafür bezahlt wird, wenn man Leute trifft, wo man denkt, ah! Diese Geschichte könnte ja eigentlich auch nochmal erzählt werden.“

Später fügt Buurmann dann doch noch leise hinzu, dass ihm der Job an der Rezeption natürlich auch eine willkommene Einnahmequelle neben dem Theatergehalt biete, Letzteres so Buurmann sei „phasenweise auch nicht Genug zum Leben“.

Die Inspirationen, die Buurmann durch seine Arbeit als Rezeptionär bekommt, enden meistens in Ideen für Theaterstücke die Buurmann neben seiner „Kunst gegen Bares“ Show inszeniert. Buurmann ist nicht nur Moderator und Schauspieler, sondern auch Regisseur, früher leitete er sogar ein Theater.

Auf die Frage ob er sich denn vorstellen könne mal im Film zu arbeiten, reagiert er nachdenklich: „Nein ich denke nicht, ich habe zwar schon ein paar kleinere Rollen gespielt, aber es sind eben nur Rollen, ich möchte dabei den persönlichen Kontakt zum Publikum haben, das krieg´ ich so nur im Theater.“

Er zieht sein enges Jackett enger um den Bauch und lächelt versonnen „Auch die Arbeit als Theaterbesitzer hat mich nicht erfüllt, zu viel Bürokratie. Da konzentrier´ ich mich doch lieber auf das Wesentliche.“ Draußen fängt es an zu regnen, obwohl die Sonne scheint. Wenn man Buurmann nach lustigen und besonderen Erlebnissen, vor allem innerhalb seiner KGB Show fragt, muss er lachen.

Ja, es hätte mehrere lustige Erlebnisse in seiner Show gegeben. Einmal hätte ein junger Mann auf der Bühne ein Liebesgedicht für seine Angebetete, die im Publikum saß, vorgetragen. Die Stimmung im Theater war ausgelassen, nur in der Ecke, in der die Frau saß, herrschte Stille. Im Laufe des Abends kam dann ein anderer Mann, mit dem die Frau im Publikum saß, auf die Bühne und gestand, dass er eigentlich auch vorgehabt hatte, ihr seine Liebe zu gestehen. Das Publikum fasste die ganze Situation als wunderbare komödiantische Performance auf. Der Abend endete jedoch in einer Schlägerei zwischen den zwei Männern, die durch die Polizei beendet werden musste.

Aber es habe auch Erlebnisse zum Nachdenken gegeben. Eines Abends zum Beispiel hätte sich ein stinkender Obdachloser auf die Bühne gestellt und sich nackt ausgezogen und gesagt, seine Kunst wäre es zu überleben. Am Ende des Abends belegte dieser Mann den 3. Platz.

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Liebe Frau Merkel,

… wenn sie etwas gegen homosexuelle Ehen haben, dann heiraten Sie doch einfach keine Homosexuelle!

Morgen beginnt der Parteitag der CDU in Hannover. Die Gleichstellung der Homo-Ehe im Steuerrecht gilt in den Medien dabei als größter Streitpunkt des Parteitags. Und das ist auch gut so, denn in dieser Angelegenheit geht es um etwas sehr menschliches, etwas, das jeder Mensch kennt und versteht: Liebe.

Die CDU wird entscheiden müssen, wie sie zu zwei Menschen steht, die sich lieben und Verantwortung füreinander übernehmen wollen. Wird die CDU diese Liebe und Verantwortung in den Mittelpunkt ihrer Politik stellen oder wird der CDU Pimmel und Fotze wichtiger sein?

Bitte entschuldigen Sie den Gebrauch der obzönen Sprache, aber obzön ist es, was Sie mit ihrem angekündigten und empfohlenen Nein zur Gleichstellung der Homo-Ehe im Steuerrecht insinuieren:

Ich persönlich möchte die steuerliche Privilegierung der Ehe beim Splitting-Tarif erhalten, weil unser Grundgesetz die Ehe in unmittelbarem Zusammenhang mit der Familie sieht und beide unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stellt.“

Schwule und Lesben haben Familie! Schwule und Lesben adoptieren nicht nur Kinder, sie zeugen sie auch. Ich möchte, dass jedes Kind das Recht hat, eine glücklich verheiratete Mutter und einen glücklich verheirateten Vater zu haben.

Die Familie steht unter besonderem Schutz des Grundgesetzes. Richtig! Darum ist es verfassungswidrig, dass Kinder um einen glücklichen Familienverband betrogen werden, nur weil ihre Eltern schwul oder lesbisch sind und sie deshalb vom Staat diskriminiert werden.

Jede Politikerin, die sich gegen eine Gleichstellung der Homo-Ehe stellt, begeht Verfassungsbruch, denn sie verhindert den Schutz der Ehe und beraubt Kinder homosexueller Eltern ihres Rechts, in einer staatlich voll anerkannten Familie groß zu werden.

Also, liebe Bundeskanzlerin,

die CDU wird sich entscheiden müssen. Was steht im Mittelpunkt der christ-demokratischen Philosophie? Die Vernunft, die für den freie Willen steht und Liebe und Verantwortung spenden kann oder Schwänze und Mösen.

Entscheiden Sie sich!

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Machst Du Witze, Brigitte?

Seit einigen Jahren moderiere ich nun schon die Kunst gegen Bares. In dieser Zeit ist mir aufgefallen, dass kaum ein Genre so sehr von Männern dominiert wird wie die Stand Up Comedy und das Kabarett. Warum ist das so? Etliche Versuche wurden bereits unternommen, um dieses Phänomen zu erklären. Sind Frauen etwa nicht lustig?

Doch! Frauen sind lustig. Sie haben nur ein entscheidendes Problem: Viel zu viele Menschen trauen es Frauen einfach nicht zu, lustig zu sein. Das beste Beispiel bietet gerade wieder eine Glosse aus der Frauenzeitschrift Brigitte. Die Glosse ist nichts weiter als polemischer Spott. Es kann gelacht werden, muss aber nicht. Dieser Artikel jedoch, der nur aus etwas mehr als 200 Wörtern besteht, löste eine wahre Empörungswelle aus. Eine Kolumne, die so schnell gelesen ist wie vier Vater Unser (56 Worte), brachte einen geradezu inquisitorischen Zorn über die Autorin Bianka Echtermeyer.

Jetzt möchte ich natürlich nicht das Vater Unser mit diesem Artikel aus der Brigitte vergleichen. Es gibt da selbstverständlich einen entschiedenen Unterschied: Im Vater Unser taucht im Gegensatz zu dieser Glosse nicht einmal der Buchstabe P auf. Dennoch möchte ich einen kleinen Vergleich mit Religionen wagen, denn der Zorn, der über die Autorin gekommen ist, hat wahrhaft inquisitorische Züge angenommen. Wütende Leserinnen, aber vor allem Leser, reagierten mit unzähligen Kommentaren und wüsten Beschimpfungen. Es wurden sogar Zitate aus jener Zeit bemüht, in der Frauen, die es wagten, nicht den ihnen vorgeschriebenen Normen zu genügen, ermordet wurden: „Brenn, Du Hexe!“ Teilweise gab es sogar Morddrohungen.

Morddrohungen! Hatte Bianka Echtermeyer etwa Witze über Mohammed gemacht? Nein. Schlimmer! Sie hatte eine „Schmähkolumne“ gegen (Triggerwarnung!) alternde Skater verfasst:

„Das sind oft Typen, die eine schräge Pony-Frisur tragen, nie lächeln und nach der Party von letzter Nacht riechen. Am liebsten würde ich die am ergrauten Schopf packen und anschreien: „Hör auf damit! Dafür bist du zu alt.“

Skateboards gehören zu kleinen Jungs. Basta. Nicht zu Menschen, die selbst Steuern zahlen und beim Orthopäden in Behandlung sind. Falls sich Männer über 30 austoben wollen, können sie gern schnelle Autos fahren, Fußball spielen oder auf Bäume klettern. Das stört mich nicht. Aber lasst bitte die Skateboards in Ruhe. Ich laufe ja auch nicht im rosa Tutu über die Straße. Aus manchen Dingen wächst man einfach raus: Das ist nicht spießig, das ist so. Und ehrlich: Erwachsen sein ist gar nicht schlimm. Versprochen.“

Großartig. Also ich habe sehr gelacht. Mir ist vor Lachen sogar mein Lego-Raumschiff aus der Hand gefallen! Viele aber konnten über diese Sätze nicht lachen und reagierten mit einem Zorn, der selbst manch einen Fundamentalisten als Scherzkeks wirken lässt. Zwar wurden noch keine Botschaften angezündet, aber die Brigitte reagierte schon in der typischen Art und Weise, wie viele reagieren, wenn irgendwo ein Mob behauptet, es seien religiöse Gefühle Verletzt wurde. Die Redaktion entschuldigte sich:

„Wir möchten uns an dieser Stelle offiziell bei Ihnen entschuldigen. Es war nicht unsere Absicht, Gefühle zu verletzen, jemanden zu beleidigen oder zu diskriminieren.“

Ja, männliche Skater über 25 sind wirklich eine Minderheit, die gegen schwere Diskriminierungen zu kämpfen haben. Es ist geradezu ein Skandal, dass selbst Juden und Muslime einen Zentralrat in Deutschland haben, wo doch diese Gruppe der Inbegriff einer verfolgten Minderheit ist! Ich verlange die Einberufung einer deutschen Skater-Konferenz und die Errichtung eines Mahnmals für die verfolgten Skater über 25 in Europa! Als Entwurf schlage ich ein Feld vor mit unzähligen in den Boden gerammten Rollbrettern!

Bianka Echtermeyer hat nichts weiter gemacht, als komische Stereotypen zu nutzen. Es ist die gleiche Technik, mit der Mario Barth die Stadien, Atze Schröder die Hallen, Dieter Nuhr die Säle und Chris Tall die Räume füllt. In vielen männlichen Nummern müssen sich ältere und alte Frauen weit üblere, aber nicht selten lustige, Scherze gefallen lassen. That’s fucking stand up! Würde man mit den vier gerade genannten Männer auch nur ansatzweise so kritisch verfahren, wie mit Bianca Echtermeyer, Atze Schröder Puppen täten allerorts brennen und das Berliner Rathaus würde von tobenden Frauen gestürmt werden.

Der Segen des Internets ist: Jeder kann es benutzen!
Der Fluch des Internets ist: Jeder kann es benutzen!

Seit Tagen schon fegt ein Shitstorm über die Facebook-Seite der Brigitte hinweg. Egal um was für ein Posting es geht, die beleidigten Rollbrettfundamentalisten haben dazu aufgerufen, überall mit Skateboardinhalten zu kommentieren.

Diese ganze Aktion ist dabei nichts weiter als die Furcht vieler Menschen vor der komischen Frau. Komische Frauen nämlich sind keine Objekte mehr, sondern selbstbewusste Subjekte, die sich die Objekte ihres Spotts selber aussuchen. Davor hat noch so manch ein Junge mit seinem Spielzeug in der Hand Angst.

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Warum Tschechien?

Nur eine europäische Republik hat bei der Aufwertung der Palästinenser zum Beobachterstatus als Nicht-Mitgliedstaat bei den Vereinten Nationen mit Nein gestimmt: die Tschechische Republik. Tapfer im Nirgendwo fragt sich: Warum?

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Zunächst einmal muss betont werden, dass die Tschechische Republik mit Sicherheit wie jede andere Nation der Welt für eine Zwei-Staaten-Lösung ist. Sie ist die präferierte Lösung der Mehrheit der Weltgemeinschaft – auch für mich. Das war nicht immer so. Die Zwei-Staaten-Lösung war lange Zeit nicht mehrheitsfähig. Im Jahr 1948 zum Beispiel war die gerade erst gegründete Nation Israel das einzige Land im ganzen Nahen Osten, das für eine Zwei-Staaten-Lösung eintrat.

Während Israel für ein freies Palästina in Frieden mit Israel eintrat, forderten alle anderen Länder der Region eine „Kein-Israel-Lösung“ und erklärten Israel den Vernichtungskrieg. Juden in der gesamten arabischen Welt wurden daraufhin mit Pogromen überzogen, wie die Pogrome von Aleppo, Kairo und Aden. Sämtlichen Nicht-Juden in Israel wurde von muslimischen Führern geraten, die angebotene israelische Staatsbürgerschaft abzulehnen und das junge Land Israel zu verlassen, da Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien eine totale Vernichtung aller Juden planten. Die Nicht-Juden die in Israel blieben, wurden israelische Staatsbürger mit allen Rechten und Pflichten. Die Nicht-Juden aber, die das Land verließen, in der Hoffnung die Kriegstreiber gegen Israel würden aus dem Land ein großes Auschwitz machen, wurden später zu „palästinensischen Flüchtlingen“ verklärt. Als es schließlich mit der Vernichtung aller Juden nicht geklappt hatte, wurden jene Juden, die es gewagt hatten, sich zu wehren und somit nicht vernichtet wurden, zu „Besatzern“ erklärt. Das Land Israel trat dennoch weiterhin für die Zwei-Staaten-Lösung ein. In der Unabhängigkeitserklärung Israels heißt es:

„Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“

Israel ist somit ein Vorreiter der Idee der Zwei-Staaten-Lösung. Der gesamte Nahen Osten hat sich nach und nach ein Beispiel daran genommen. Wie kann aber ein solches Land heute gegen die Aufwertung der Palästinenser zum Beobachterstatus als Nicht-Mitgliedstaat bei den Vereinten Nationen stimmen? Ganz einfach: Weil nicht Palästinenser oder eine legitime Vertretung der Palästinenser aufgewertet wurden, sondern eine aus dem Terrorismus entstandene Organisation, die keine demokratische Legitimation besitzt!

Wer wurde denn eigentlich aufgewertet? Die Fatah? Hamas? Gaza? Westjordanland? Abbas? Wer? Die Palästinenser haben seit 1993 nur zwei Mal gewählt. Die Fatah hat somit keine wirkliche Legitimation. Ausserdem werfen sich Fatah und Hamas gegenseitig von Häusern und brechen sich die Kniescheiben. Die Hamas führt Hinrichtungen auf offener Straße durch. Nebenbei wird in Westbank-Schulen reinster Antisemitismus gelehrt. Es kann gar nicht deutlich genug gesagt werden:

In Zeiten der Waffenruhe stirbt kein Palästinenser durch Israel aber unzählige durch Hamas und Fatah.

Der Fatah einen Beobachterstatus zuzusprechen ist so passend, wie der ETA einen Beobachterstatus zu gewähren mit der Begründung, sie vertrete die Basken. Mit der selben Begründung kann jetzt auch die Terrorgruppe NSU einen Antrag bei den Vereinten Nationen stellen. Die NSU sieht sich in ihrem Wahn schließlich auch als nationalsozialistische Widerstandsgruppe, die davon überzeugt ist, die Interessen des Deutschen Volkes gegen eine angebliche Fremdherrschaft durch imperialistische Alliierte verteidigen zu müssen. Für sie gilt Deutschland als besetzt und ihr Ziel ist es, Deutschland von der Besatzung zu befreien! Kommt uns das bekannt vor?

Zum Glück schütteln im Falle der NSU die meisten Medien den Kopf und fragen: Von welcher Besatzung redet ihr? Im Falle Israels aber fragt kaum noch jemand danach. Daher muss ich es machen: Von welcher Besatzung wird eigentlich andauernd gesprochen? Ist Israel selbst die Besatzung? Muss also Israel als Ganzes verschwinden? Oder sind es nur die Gebiete, die Israel seit 1967 kontrolliert? Wenn diese Gebiete gemeint sind, wie können diese Gebiete als besetzt gelten, gehörten sie doch vorher zu keinem Staat?

Wer von „besetzten Gebieten“ spricht, ist schon nicht mehr neutral, sondern hat einen Propagandabegriff übernommen. Es handelt sich nämlich schlicht um umstrittene Gebiete.

Schauen wir uns mal die West Bank an, also genau den Ort, von dem behauptet wird, Israel halte es seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt oder würde „illegale Siedlungen“ bauen. In der deutschen Sprache wird dieses Gebiet auch Westjordanland bezeichnet, was schon zeigt, wer bis 1967 die Hoheit über dieses Land hatte: Jordanien! Im Arabisch-Israelischen Krieg von 1948 wurde es von Jordanien besetzt und 1949 völkerrechtswidrig annektiert. Nur Großbritannien und Pakistan haben die jordanische Hoheit über das Westjordanland jemals anerkannt. Von diesem Gebiet aus wurde Israel 1967 angegriffen und kein Recht der Welt kann dem Staate Israel ernsthaft sein Recht auf Verteidigung absprechen.

Bevor die West Bank im Jahr 1949 von Jordanien annektiert wurde, war es allgemein als Palästina bekannt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass es eine palästinensische Regierung und Verwaltung gab. Die gab es nie! Es gab nicht einmal den Ausdruck „palästinensisches Volk. Dieser Begriff hielt es sehr viel später Einzug in den Nahostdiskurs und gehört ebenfalls zu den vielen angeblich neutralen aber in Wahrheit sehr einseitigen Propagandavokabeln.

Palästina war der Begriff, mit dem der Völkerbund, der seit 1922 das Gebiet verwaltete, das Land und alle dort leben Menschen, ob christlich, muslimisch, jüdisch oder heidnisch beschrieb. Alle Israelis sind somit Palästinenser! Die israelische Regierung vertritt somit Palästinenser!

Auf der Konferenz von Sanremo im Jahr 1920 wurde das palästinensische Gebiet an Großbritannien übertragen mit dem Auftrag zur Realisierung des Völkerbundmandats für Palästina. Auftrag des Mandats, das am 24. Juli 1922 ratifiziert wurde, war die Hilfe zur „Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“. Zu dieser Entscheidung kam es, nachdem das Reich, das vorher über das Gebiet geherrscht hatte, untergegangen war. War es Palästina? Nein! Es war das Osmanischen Reich. Im Ersten Weltkrieg unterlag das Osmanische Reich den alliierten Mächten, was dazu führte, dass im Namen des Völkerbundes das Osmanische Reich aufgeteilt wurde, um neue unabhängige Länder zu etablieren. Selbstverständlich konnte bei dieser Entscheidung nicht der jüdische Teil der Bevölkerung übergangen werden, der schon seit biblischen Zeiten in dem Gebiet lebt. Nach Jahrhunderten der Unterdrückung und der Diskriminierung, besonders auch durch muslimische Machthaber (die bekanntesten Pogrome an Juden durch Muslime in der Zeit sind die Nabi-Musa-Unruhen, die Unruhen in Jaffa und das Massaker von Hebron), forderten viele Juden unter dem Begriff Zionismus schließlich nichts weiter ein, als das Recht, das für alle anderen Menschen der Welt selbstverständlich war und ist: Sie beanspruchten Sicherheit in den Grenzen einer selbstverfassten Nation. Sie beanspruchten Unabhängigkeit. Sie beanspruchten Land!

Der damalige britische Außenminister Arthur James Balfour unterstütze den Wunsch der Zionisten und schrieb einen Brief, der als Balfour-Deklaration in die Geschichte einging:

Verehrter Lord Rothschild,
ich bin sehr erfreut, Ihnen im Namen der Regierung Seiner Majestät die folgende Erklärung der Sympathie mit den jüdisch-zionistischen Bestrebungen übermitteln zu können, die dem Kabinett vorgelegt und gebilligt worden ist:
Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei, wohlverstanden, nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diese Erklärung zur Kenntnis der Zionistischen Weltorganisation bringen würden.
Ihr ergebener Arthur Balfour

Der Völkerbund nahm sich dieses Ansinnens an und wählte ein Gebiet, in dem diese „nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ entstehen sollte. Das Gebiet umfasste dabei nicht einmal 0,5% des ganzen arabischen Raums:

Im Jahr 1947, also nach dem Zweiten Weltkrieg, bei dem sich die Situation von Juden im Nahen Osten noch mehr verschlechtert hatte (unter anderem verbündete sich der Mufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husseini mit Adolf Hitler im gemeinsamen Anstrengen, alle Juden der Welt zu vernichten) wurde ein Teilungsplan der Vereinten Nationen, der Nachfolgeorganisation des Völkerbundes, vorgelegt, im dem sich die jüdische Seite schließlich sogar mit nur einem Viertel des eh schon kleinen Gebiets zufrieden gab:

Die restlichen drei Viertel gingen zu zwei drittel an das halbautonome Emirat Transjordanien, aus dem später das heutige Land Jordanien wurde. Der Rest sollte zu einem weiteren arabischen Staat werden. Wenn es also eine Partei innerhalb des Konfliktes gibt, die zu extremen Kompromissen bereit war, dann die jüdische Seite!

Als schließlich am 29. November 1947 im Namen der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit Zweidrittelmehrheit sowohl der israelischen als auch der arabischen Seite die Gründung jeweils eines unabhängigen Staats angeboten wurde, nahm die israelische Seite dieses Angebot an, obwohl es nicht mal 20% des anfänglich in Aussicht gestellten Landes war. Die arabische Seite jedoch verweigerte die Annahme ihres unabhängigen Landes. Stattdessen engagierte es sich zusammen mit Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien an einen gemeinsamen Krieg zur Vernichtung des neu gegründete Israels. Das war der 29. November 1947.

Am 29. November 2012 wurde nun mit großem Tamtam eine ehemalige Terrororganisation mit einem Führer, der sich seit Jahren einer demokratischen Legitimation durch das Volk verweigert, zum Vertreter der Palästinenser hochgejazzt und mit einem Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen versehen. Dabei wurde schön verschwiegen, dass schon auf den Tag genau vor 65 Jahren die Möglichkeit einer Zwei-Staaten-Lösung bestanden hatte. Damals jedoch stand für viele Araber die Existenz Israels im Weg. Heute ist es nicht anders. Auch heute noch machen Araber die Existenz Israels für sämtliche Kriege im Nahen Osten verantwortlich. Allerdings finden sie für diese Sündenbockpolitik heute unzählige Sympathisanten auf auf der ganzen Welt.

Nicht selten höre ich das Argument, Israel und Palästina könnten nur auf Augenhöhe diskutieren, von daher sei eine Aufwertung zum Beobachterstatus lobenswert. Im Grunde bin ich auch der Meinung, kann aber nicht darüber hinwegsehen, dass auf der Seite jener, die vorgeben, das palästinensische Volk zu vertreten, einige sind, die Juden hassen. Es gibt Minister, die Juden vernichten und Parteien, die Israel zerstören wollen. Diese Menschen wollen nur aus einem einzigen Grund mit Israel auf Augenhöhe verhandeln: um ihnen eine Kugel in den Kopf zu jagen.

Ich mache mir da nichts vor: Vielleicht fördert die Aufwertung den Friedensprozess, vielleicht aber hofiert sie auch nur den Hass auf Israel und Juden. Mit anderen Worten: Mit etwas Glück gibt es Frieden; mit etwas Pech aber sterben Juden. Es sind somit Juden und Israelis, die den Preis für ein Missgelingen zu zahlen haben. Das erklärt auch, warum Nicht-Juden eher bereit sind, das Risiko zu wagen. Sie haben ja nichts zu verlieren. Genau an diesem Punkt wird klar, warum Tschechien bei den Vereinten Nationen nicht zugestimmt hat. Das Volk Tschechiens weiß nämlich aus eigener leidvoller Erfahrung, was es bedeutet, im Namen des Friedens das ganze Risiko allein aufgebürdet zu bekommen.

In der Nacht zum 30. September 1938 wurde von den Regierungschefs Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und des Deutschen Reichs das Münchner Abkommen unterzeichnet. Die Unterzeichner nannten das Abkommen Münchener Frieden, aus tschechischer Sicht wurde es jedoch als Münchner Diktat bezeichnet. Mit der Unterzeichnung sollte ein für allemal die Sudetenkrise gelöst werden. Die Sudetenkrise zeigt unübersehbare Parallelen zum heutigen Nahen Osten:

Bis 1918 gehörten die Böhmischen Länder zur Donaumonarchie. Nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg wurde die Tschechoslowakei als unabhängiger Staat am 28. Oktober 1918 proklamiert. Allen dort lebenden Nationalitäten wurde die Gleichberechtigung versprochen. Im November 1918 besetzten tschechoslowakische Truppen die ihnen zugewiesenen Gebiete. Darunter waren auch die von Deutschen besiedelten Sudetengebiete. Im Vertrag von Saint-Germain wurde die Tschechoslowakei als souveräner Staat bestätigt und sodann die Sudetengebiete, inklusive der von Deutschösterreich beanspruchten Gebiete, endgültig der Tschechoslowakei zuerkannt.

Innerhalb der Sudetengebiete kam es daraufhin zu wachsenden Autonomiebestrebungen der dreieinhalb Millionen Sudetendeutschen. 1933 gründete sich die zunehmend nationalsozialistisch orientierten Sudetendeutschen Partei (SdP) unter Konrad Henlein. Bei den Wahlen im Mai 1935 stieg die Sudetendeutsche Partei zur stärksten Partei des Landes auf. Während der ganzen Zeit berichtete die deutschen Presse ausnahmslos über tschechische Gräueltaten. Am 15. September trafen sich der englische Premierminister Chamberlain und Adolf Hitler. Hitler verlangte bei diesem Treffen die Anschließung des Sudetenlandes an das Reich und berief sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Am 17. September 1938 ordnete Adolf Hitler die Bildung eines Sudetendeutschen Freikorps an.

Vom 22. bis 24. September verhandelte Chamberlain erneut mit Hitler im Hotel Dreesen in Godesberg. Hier überbrachte er ihm die Zustimmung Englands, Frankreichs und der Tschechoslowakei zur Abtretung des Sudetenlandes. Eine internationale Garantie solle die Unabhängigkeit der Tschechoslowakei gewährleisten. Hitler lehnte diese Lösung nach kurzem Bedenken ab und verlangte schließlich in einem Memorandum ultimativ eine Lösung bis zum 1. Oktober. Daraufhin rief die Tschechoslowakei die Generalmobilmachung aus. Am 25. September lehnte das britische Kabinett die neuen Forderungen Hitlers ab und sagte der französischen Regierung Unterstützung für den Fall einer kriegerischen Verwicklung mit Deutschland zu. Am 26. September ordnete Frankreich eine Teilmobilmachung an.

Chamberlain entsandte einen Berater nach Berlin, um einen Kriegsausbruch zu verhindern. Hitler erklärte, seine Divisionen nur dann zurückzuhalten, wenn das Godesberger Memorandum von der Prager Regierung bis zum 28. September, 14 Uhr, akzeptiert worden sei. In seiner Rede im Berliner Sportpalast am 26. September bezeichnete er die Forderung nach der Abtretung des Sudetenlandes an das Reich erstmals ausdrücklich als seine letzte territoriale Revisionsforderung. An diesem Abend wurde von Joseph Goebbels auch der berühmte Slogan „Führer befiehl, wir folgen!“ kreiert. Schließlich appellierten Chamberlain und der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt an den italienischen Diktator Benito Mussolini, Hitler zu überzeugen, die Mobilmachung zu verschieben und einer Konferenz zuzustimmen. Mussolini konnte am 28. September Hitler von der Notwendigkeit einer Konferenz überzeugen. Am darauffolgenden Tag wurde er von Hitler in Kufstein empfangen.

Am 29. September 1938 dann wurde das Sudetenland unter Absegnung der großen europäischen Staaten vom tschechoslowakischen Staat abgeschnitten. Die deutschen Autonomiebehörden wurden daraufhin vom Deutschen Reich einverleibt.

Die Situation der Tschechoslowakei im Jahr 1938 ähnelt der Situation des heutigen Israels wirklich verblüffend. In der Geschichte müssen im Grunde nur folgende Worte ausgetauscht werden:

Donaumonarchie = Osmanisches Reich
Tschechoslowakei = Israel
Deutsches Reich = Arabische Länder
Sudetendeutsche = Palästinenser
SdP = PLO

Es ist spannend zu sehen, zu welchen Zugeständnissen die Tschechoslowakei bereit war, um Frieden zu erhalten. Spannend auch die einseitige Berichterstattung in den deutschen Medien und das ständige Wiederholen des Begriffs „besetzte Gebiete“, wenn es um das Sudetenland ging. Die Tschechoslowakei war zudem damals eine junge und verletzliche Nation, so wie Israel heute. Auch die Begründung Hitlers lässt aufhorchen: „Selbstbestimmungsrecht der Völker“. Nicht zuletzt wurde auch immer wieder über das Existenzrecht der Tschechoslowakei gestritten. Hitler meinte zwar schließlich, sie doch irgendwie anerkennen zu wollen, aber am Ende war es doch nur eine Lüge. Europa hatte erst mal Frieden. Die Zeche aber zahlten die Tschechen.

Als in der Tschechoslowakei dann auch noch Kritik über das Verhalten der anderen europäischen Staaten aufkam, war die Tschechoslowakei schnell als größte Gefahr für den Weltfrieden ausgemacht. Günter Grass war damals noch zu jung, um ein Gedicht gegen die Tschechoslowakei zu verfassen, er war zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal Mitglied der Waffen-SS, dafür aber gab es einen Mann mit dem Namen Lord Trenchard. Er sagte damals, die Tschechoslowakei brauche die Sudetengebiete nicht für die Sicherheit und sprach: „Die beste Sicherheit ist Frieden!“ Jene Menschen in der Tschechoslowakei, die diesem Frieden nicht trauen wollten, wurden kurzerhand zu Störenfrieden erklärt.

„Die beste Sicherheit ist Frieden!“ Dieser Satz fällt auch im Nahen Osten immer und immer wieder. Israel ist jedoch ein Land, von dem ungewöhnlich viel Risikobereitschaft und noch mehr Entbehrung verlangt wird, so wie damals von der Tschechoslowakei. Tschechien kennt somit die Appeasement-Rhetorik und die damit verbundene Gefahr nur zu gut. Darum hat Tschechien mit Nein gestimmt. Wir alle tun gut daran, wenigstens einmal über die zweifelsohne gut begründeten Sorgen dieses Neins nachzudenken.

So wie die Tschechoslowakei damals genug Grund hatte, dem Deutschen Reich zu misstrauen, so hat Israel heute gute Gründe, mit Sorge auf die arabischen Nachbarn zu schauen. Dort steht nämlich „Mein Kampf“ nach wie vor auf den Bestsellerlisten, sind die „Protokolle der Weisen von Zion“ Abendunterhaltung, das Töten von Juden Kinderprogramm und nicht wenige Politiker sind überzeugt davon, dass Juden Bakterien sind, die vernichtet gehören.

Europa hat damals Appeasement-Politik betrieben, denn es ging ja vermeintlich „nur“ um die Tschechoslowakei. Heute geht es „nur“ um Israel. Die Tschechen haben jedoch nicht vergessen. Sie wissen, was es heißt, die einzigen Opfer zu sein, wenn die Weltgemeinschaft sich irrt. Wir sollten diese Erfahrung nicht einfach so ignorieren.

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Mach’s Dir selbst!

„Schnell, schneller, Express“

Das ist der Slogan der Kölner Tageszeitung Express. Wie schnell es manchmal bei dem Express gehen kann, zeigt die Titelgeschichte vom 29. November 2012. Sie beschäftigt sich mit einer Figur, die am Bürgerturm des Kölner Ratshaus‘ zu sehen ist. Die Figur stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert und zeigt einen Mann, der sich selbst einen bläst. Atemberaubende 600 Jahre später titelt der Express:

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In dem Artikel tut man gerade so, als sei das alles erst jetzt ans Tageslicht gekommen:

„Die Kölner sollten sich ihren Ratsturm mal genauer ansehen: Denn der ist echt krass! Obszön und pornografisch! Das entdeckten FDP-Fraktionsgeschäftsführer Uli Breite und Stadtführer Günter Leitner: „Die Geschichtsbücher müssen umgeschrieben werden.“ (…) Ebenso Zufall war es, wie die Porno-Posse bekannt wurde: „Wir fanden das Foto auf der Internetseite eines Mannes aus Hongkong mit Gaga-Fotos aus aller Welt – auch von Touristen, die in Köln waren“, so Breite.“

Vielleicht hätten Herr Breite und Herr Leitner mal an einer Stadtführung mit Tobias Weber und mir teilnehmen sollen, denn dort zeigen wir die Figur schon seit der ersten Führung und benennen das, was dort sichtbar ist beim Namen: Auto-Felatio. Dazu kommentieren wir immer scherzhaft:

„Hinter den Mauern dieses Turms befindet sich übrigens die Rentkammer. Dort finden traditionell die standesamtlichen Trauungen statt. Diese Figur zeigt somit jedem Bräutigam: Wenn Du hier wieder raus bist, hat es mit der Auto-Felatio definitiv ein Ende.“

Der Kölner Stadtführer Günter Leitner wird von der Express wie folgt zitiert:

„Bisher ging ich immer davon aus, dass es sich um einen Kallendresser oder den Kölner Spiegel handelt. So ist es auch in den einschlägigen Büchern beschrieben. Doch es ist jetzt ganz klar, dass das nicht stimmt. Die Konsole zeigt eindeutig Auto-Fellatio.“

Nichts gegen Bücher, vor allem nicht wenn sie einschlägig sind, aber bei einer so eindeutigen Darstellung brauche ich kein Buch zur Erklärung:

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Der Artikel endet mit den Worten:

„In Zukunft will Leitner Kölns Gästen die ganze Wahrheit erzählen.“

Das ist löblich, aber wir Stadtführer wissen, eine 100% der Wahrheit entsprechende Stadtführung gibt es in Köln nicht. Dafür gibt es einfach viel zu viele Verzällcher in der Stadt. In Köln wird es „erweiterte kölsche Wahrheit“ genannt. Ein bißchen dummes Zeug ist also immer dabei.

Tapfer im Nirgendwo empfiehlt daher die Führung von und mit Tobias Weber und mir unter dem Titel: „Heine in Köln“. Sie kann über Colonia Prima gebucht werden.

Eine Besucherin schreibt über unsere Führung:

„Die Heine-Führung von Gerd Buurmann und Tobias Weber kann ich jedem ans Herz legen, der schon immer einmal eine Stadtführung erleben wollte, die historische, kulturelle und literarische Informationen mit einer großen Prise Humor verbindet. Für die Teilnehmer ist es hoch informativ und dabei richtig witzig. Daher, wer was über Köln und Heine erfahren will und Spaß haben möchte, dem sei diese Führung wärmstens empfohlen.

Wer nur trockene und theoretische Informationen haben möchte über die Historie und Sehenswürdigkeiten Kölns, dem seien die üblichen Führungen empfohlen. Doch sollte er darauf achten, dass seine Gruppe dann nicht in der Nähe von Heine steht. Falls nämlich doch, wird er erleben müssen, dass keiner mehr aus seiner Gruppe der eigenen Führung zuhört, sondern dieser der Rücken zugewandt wird, um Buurmanns und Webers Aktionen mitzubekommen. Die Gruppe, welche nahe bei uns am Dom stand, hatte fast Schlagseite, so verfolgten die unsere Aktivitäten, während die arme Stadtführerin nur noch Rücken zu sehen bekam.

Also, wer Geschichte, Kultur und Literatur verbinden und dabei Spaß haben möchte, der ist bei Gerd Buurmanns und Tobias Webers Führung genau richtig.”

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