Glanz statt Hetze

Die Kölner Oberbürgermeisterin, Henriette Reker, ruft die Kölner Bevölkerung auf, bei der Aktion „Glanz statt Hetze“ teilzunehmen.

Vom 11. bis zum 17. August 2020 sollen Kölner Bürgerinnen und Bürger die sogenannten Stolpersteine putzen. Die „Stolpersteine“ sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Für die Organisatoren der Aktion „Glanz gegen Hetze“ ist das Putzen der Stolpersteine, „nicht nur ein Akt des Gedenkens, sondern eine Aktion, die politisch ausgerichtet ist. Es ist ein Zeichen gegen die sich verstärkenden rechten Tendenzen in unserer Gesellschaft. Gerade nach Halle und Hanau ist es wichtig, dass wir alle aktiv werden. Immer glänzende Stolpersteine sollen ein deutlich sichtbares Zeichen gegen Hetze, Hass, Rassismus, Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sein und durch ihren Glanz allen zeigen, dass braunes Gedankengut in unserer Nachbarschaft, in Köln und anderswo keinen Platz hat.

So sehr ich die Intention dieser Sätze verstehe, so unwohl wird mir, wenn ich den Wortlaut höre.

Es gibt keinen Glanz im Holocaust!

Es ist wichtig, gegen Hetze, Hass, Rassismus, Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu streiten. Dafür braucht es aber keine glänzende Erinnerung an den Holocaust.

Wenn ich das Wort „Glanz“ höre, denke ich sofort an die deutsche Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand! Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand: Blüh im Glanze“ der toten Juden.

Nein! Tote Juden glänzen nicht. Nein! Deutschland ist nicht besser geworden durch die Vergangenheit und auch nicht durch die deutsche Art der Bewältigung dieser Vergangenheit. Nein! Deutschland hat nichts aus der Vergangenheit gelernt. Deutschland darf nämlich nichts aus dem Massenmord lernen, weil es nichts gutes aus dem Holocaust gibt.

Es gibt keine gute Erinnerung an das Böse.

Es gibt nichts aus dem Holocaust zu lernen. Was soll es denn auch aus dem Holocaust zu lernen geben? Dass Menschen zu grausamen Ungeheuerlichkeiten in der Lage sind? Dass man Menschen nicht millionenfach vergast? Dass Juden auch Menschen sind? Dass man lieb zueinander sein sollte, egal wie man aussieht? Dass man sich wehren darf, wenn man verfolgt wird? Dass man Menschen, die andere Menschen vergasen, den Krieg erklärt? Dass man wahnsinnige Menschen mit allen Mitteln entwaffnet? All das kann man auch ohne Holocaust wissen! Der Holocaust ist keine Nachhilfe für moralisch Sitzengebliebene, sondern schlicht ein unvergessbares und unverzeihliches Verbrechen, aus dem es nichts zu lernen gibt. Unter keinen Umständen versprüht die Erinnerung an den Horror irgendeinen „Glanz“.

Das jüdische Leben kann glänzen, nicht das jüdische Leid.

In Deutschland findet Judentum fast nur noch in Gedenkstunden statt. In Schulen taucht das Judentum deutlich öfter im Geschichtsunterricht auf, als im Philosophie-, Ethik-, Religions- oder Gesellschaftskundeunterricht. Juden sind Gespenster von damals. Sie werden als Opfer der Vergangenen bewältigt und immer dann aus der Schublade geholt, wenn sie benötigt werden.

Jüdische Gemeinden werden oft und gerne kontaktiert, wenn ein Zeichen gegen Hass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gesetzt werden soll, aber erstaunlich selten, um einfach nur zu feiern oder grundlos glücklich zu sein. Die toten Juden werden poliert und auf Hochglanz gebracht. Für die lebendigen Juden bleibt da kaum noch Zeit.

In vielen deutschen Städten gibt es mittlerweile mehr Stolpersteine als lebendige Juden. Eine deutliche Mehrheit aller Deutschen trifft im Alltag öfter auf tote Juden als auf lebendige. Die Mehrheit der deutschen Schüler war in KZ-Gedenkstätten und weiß, wo in ihrer Nachbarschaft Stolpersteine liegen, aber sie haben keine jüdischen Freunde.

Was würden Sie über Nachbarn denken, die immer wieder zu Beerdigungen und Trauerfeiern kommen, aber nie zu Geburtstagen und Feiertagen?

Im August 2020 sollen die Stolpersteine auf Hochglanz poliert werden. Dabei erfahren wir auf diesen Steinen nicht, was diese Juden erreicht haben oder wen sie geliebt und worüber sie sich gefreut haben. Wir erfahren lediglich, wann, wo und wie sie ermordet wurden. Wer Menschen auf ihren Status als Opfer reduziert, erwartet irgendwann auch von ihnen, Opfer zu sein. Der Schritt, sie zu Opfern zu machen, ist dann nicht mehr weit.

Solange in Deutschland die toten Juden mehr glänzen als die lebendigen, werden es Juden in diesem Land schwer haben.

Die Toten, denen wir gedenken, sind nicht mehr unter uns, um uns zu sagen, ob ihnen die Form des Gedenkens gefällt oder ob sie es gar als unwürdig erachten. Eine Instrumentalisierung der Toten für eigene Interessen und Gefühligkeiten ist unmoralisch.

Wenn wir sagen, wir dürfen nicht vergessen, müssen wir an die Nachfahren und Verwandten der Opfer denken, also an jene, die nicht vergessen können, weil das Unvergessliche und Unverzeihliche Teil ihres Lebens ist. Sobald wir gedenken, weil wir gedenken wollen und nicht, weil wir nicht vergessen können, ist es unsere Pflicht, aufgrund des puren Vorhandenseins unseres Interesses, gedenken zu wollen, Bescheidenheit zu üben gegenüber jenen, die nicht vergessen können. Ein Begriff wie „Glanz“ ist daher in diesem Zusammenhang vollkommen unangemessen.

Juden können den Holocaust nicht vergessen. Er ist brutaler Teil der eigenen Familiengeschichte. Damit umzugehen, ist schon schwer genug. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind unerträglich. Warum aber muss dafür immer wieder zwanghaft die Erinnerung an den Holocaust aufpoliert werden?

Statt jüdische Organisationen nur zu kontaktieren, um gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ein Zeichen zu setzen, wie wäre es damit, jüdische Organisationen die kommenden Jahre vermehrt zu kontaktieren, um das lebendige Judentum zu feiern und zum Glänzen zu bringen? Jüdischen Organisationen brauchen keine Dramaturgen aus der Politik, die erklären, wie Nächstenliebe funktioniert. Juden brauchen mehr Nachbarn, die das Leben feiern und helfen, dass das jüdische Leben glänzen und sicher gedeihen kann.

Wie wäre es daher damit, vom 11. bis zum 17. August 2020 nicht nur tote Juden zu polieren, sondern lebendigen Juden etwas zu schenken?

Gehen Sie auf die Homepage einer jüdischen Gemeinde oder einer jüdischen Organisation, suchen Sie nach einem Spendenkonto und überweisen Sie einen Betrag Ihrer Wahl, am besten mit dem Verwendungszweck: „Das jüdische Volk lebt!“

Das ist wahrer Glanz statt Hetze.

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Es wird kein Antisemitismus gegen tote Juden geduldet!

Eine Bestandsaufnahme von Simone Schermann.

Es wird kein Antisemitismus gegen tote Juden geduldet, dafür aber Judenhass gegen die Lebenden hofiert, denn der Deutschen liebstes Kind ist die Familie Stolperstein.

Es fällt Antisemiten heute nicht mehr so leicht, Juden als Religionsgemeinschaft oder als Volk zu hassen, daher hassen sie nun den jüdischen Staat. Das geht immer als akzeptable Israelkritik durch.

Wer Israel kritisiert, muss keinen Protest des Stadtparlaments fürchten, keinen Aufschrei der Anständigen aus den Fraktionen, kein Gebrüll bei den notorischen Mahnern, die sonst so gerne jegliche Form des Antisemitismus brandmarken, kein Aufschrei gegen Judenhass und kein übliches „Wehret den Anfängen“.

Wenn es gegen Israel geht, ist die Creme de la Creme der eifrigen Stolperstein-Führer still, ebenso die feine Auslese der Ergriffenheitsmafia, die Hautevolee der Betroffenheitschickeria und des ewig ritualisierten Gedenktheaters. Die handverlesene, vornehme Gesellschaft, die sich alljährlich am 9. November zum gemeinsamen Rendezvous trifft und sich in ihrer ewigen Betroffenheit aalt, die Betroffenheitsfunktionäre schweigen, wenn Israel unter Freunden an den Pranger gestellt wird.

Am 9. November treffen sich sämtliche Hobbyjudaisten, Friedensstifter und Konvertiten im Gedenken an tote Juden. Für die lebenden Juden bleibt da keine Restkapazität mehr.

Heute rufen Israelkritiker dazu auf, die Stimme zu erheben gegen eine „organisierte israelische Regierungslobby in Deutschland, die legitime Kritik an israelische Regierungspolitik systematisch und erfolgreich zu unterbinden schafft.“

Das war ein Originalzitat eines typischen Israelkritikers. Hier haben wir die gute, alte, ewig funktionstüchtige Verschwörungstheorie einer einflussreichen und Deutschland umspannenden jüdischen „israelischen Regierungslobby“. Das ist alter Judenhass im neuen Kleid.

Antizionismus ist gleichzusetzen mit Antisemitismus, eine Feststellung, der auch Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel, die Leiterin des Fachgebietes Allgemeine Linguistik an der Technische Universität Berlin beipflichtet. Wenn man wissen möchte, warum der Judenhass sich „in der Mitte der Gesellschaft“ so wohl fühlt und sich ausbreitet wie ein Virus, dann ist hier die Antwort darauf gegeben.

Statt den israelbezogenen Judenhass zu untersuchen, finden lieber dutzende Gedenkveranstaltungen statt. Von Funktionären der entsprechenden Gilden werden mit vor Betroffenheit zitternder Stimme Namen von Deportierten und Ermordeten vorgelesen, während Hetzjagden auf Juden in Deutschlands Straßen tatsächlich passieren, Rabbiner wirklich geschlagen und bespuckt und jüdische Schüler wieder aus deutschen Schulen vertrieben werden.

Über die Jahrzehnte hat sich ein „Wohlfühljudentum der toten Juden“ herausgebildet. Die Instrumentalisierung dieser toten Juden, die sich dagegen nicht mehr wehren können, ist in vollem Gange. Die Manege ist frei und jeder, der auf den Gedenkveranstaltungen den Namen eines Deportierten vorlesen darf, kann mit dem wohligen Gefühl nach Hause gehen, etwas sensationell Gutes getan zu haben, natürlich für tote Juden.

Die Rollen im Gedenktheater sind wohl verteilt. Schlecht konvertierte Juden haben an diesen Tagen endlich die Chance, sich fast als Juden zu fühlen, für einen Augenblick. Wenn der ungenügend konvertierte Deutsche, der natürlich der bessere Jude ist, die Gelegenheit am 9. November am Schopfe packt, um endlich zu fühlen wie ein Jid, dann muss er sich dazu der Toten bemächtigen. Für einen kurzen Moment befüllen die Namen der Toten das leere Gefäß, den Konvertiten. Endlich, ja endlich können sie in die Haut eines toten Juden schlüpfen, denn da ist der deutsche Konvertit beim Gedenkzirkus gnadenlos unerbittlich und scheut vor keiner Geschmacklosigkeit zurück, um zu zeigen, dass er und nur er heute der wahre Jude ist. Und der wahre Jude kritisiert Israel! 

Es ist ein psychopathologisches Gedenkimperium, das alljährlich erbarmungslos zuschlägt. Es zeigt sich, dass es in Deutschland sogar gefährlich ist, ein toter Jude zu sein. Denn auch als toter Jude hat man gefälligst seiner Position nachzukommen und den Konvertiten und sonstigen Funktionären zu ihrer wahren Berechtigung zu verhelfen. Als Steigbügelhalter, als Kulisse in einem miesen Geschäft, that´s it. So werden Namen gehaucht vorgelesen, mit dem Beisatz, dass sie „wie Kerzen aus der Dunkelheit herausleuchten“ und das „Tyrannei und Verfolgung das Leid unseres Volkes“ sei.

Nun, mein Volk findet man einerseits in der Datenbank von Yad Vashem. Der Rest meiner geliebten Familie lebt in Israel.

Im Mai saß ich im Urlaub auf meinem Tuches in Tel Aviv, in einem der herrlichen Restaurants. Ein wahrlich unvergesslicher Abend, an den ich heute noch zurückdenke. Wunderbare Menschen, schlendern auf dem Greek Market, handgefertigtes schauen und auch kaufen bis Mitternacht. Eine griechische Band spielte und dann das herrliche Essen. Zur gleichen Zeit, ich erfuhr das erst später, verteidigte meine kleine Nichte, im Alter von zwanzig Jahren, die Grenzen Israels. Ich habe leise in mich hineingeweint, vor Scham. Ich war nie in der Armee. Ich weiß nichts darüber, wie sich meine Cousine fühlt, deren Tochter in der Armee ist. Nichts über ihre Ängste, Nacht für Nacht, Tag für Tag. Ich kann nur versuchen, das nachzufühlen. Das ist es, was uns Juden ausmacht: Dieser ständige, auch innere, Kampf.

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(TINSIS)

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Freiheit und Sicherheit


Vor einigen Monaten, kurz bevor die Corona-Krise ausbrach, war ich mit einer Familie im Urlaub und erlebte, wie unterschiedlich die beiden Eltern darauf reagierten, als ihre Tochter auf einen hohen Baum kletterte. Ein Elternteil ermutigte die Tochter, noch höher zu klettern, während das andere Elternteil forderte, das Kind möge sofort vom Baum runterkommen, denn es sei doch alles viel zu gefährlich.

So wie die Tochter fühle ich mich gerade in der Corona-Zeit. Die einen fordern mehr Mut und Freiheit und die anderen mehr Fürsorge und Sicherheit. Ich aber sitze auf dem Baum und weiß nicht, wem ich es recht machen soll.

Das Elternteil, das das Kind auffordert, vom Baum herunter zu klettern, hat recht. Es ist gefährlich, auf Bäume zu klettern. Die Grenze von Mut zu Übermut ist jedoch fließend. Wer fällt, kann sich schwer verletzen und sogar sterben.

Das andere Elternteil hat aber auch recht. Das Leben ist gefährlich und wir Menschen zeichnen uns dadurch aus, neugierig zu sein. Der Mensch ist ein Abenteurer. Wer sich nichts zutraut, verpasst das Leben. Die Grenze von Vorsicht zur Feigheit ist ebenfalls fließend.

Sicherheit und Freiheit rufen mir unterschiedliche Dinge zu. Sicherheit macht mir ein schlechtes Gewissen, mahnt, ich gefährde mit meinem Verhalten auch andere und brüllt, wenn was passiert, dann hätte ich Schuld. Freiheit wiederum appelliert an meine Verantwortung und an meine Vernunft, die ich selbstständig nutzen solle und fordert, ich solle mehr Mut haben.

Am letzten Wochenende war ich in Deutschland, Belgien, Frankreich und in den Niederlanden unterwegs. Überall gab es verschiedene Corona-Regelungen. Manche Länder hören mehr auf Sicherheit, andere mehr auf Freiheit. Ich möchte mir kein Urteil darüber anmaßen, wer mehr recht hat. Ich bin nur ein Mensch im Baum.

Ich habe allerdings keine Lust darauf, mich in einen mit Vorwürfen und Unterstellungen operierenden Streit zwischen Freiheit und Sicherheit hineinziehen zu lassen. Nichts ist schlimmer als Mama und Papa, die sich in Anwesenheit ihrer Kinder darüber streiten, wer das bessere Elternteil ist.

Ich bin außerdem kein Kind mehr. Daher wünsche ich mir in Zukunft von allen Menschen, die unter meinem Baum vorbeikommen, mögen es nun Personen aus der Politik, dem Journalismus oder der Wissenschaft sein: Hört auf, mich anzubrüllen. Haltet Abstand. Nehmt Abstand davon, mich mit Zwang, Druck und Strafen erziehen zu wollen. Vertraut mir.

Das Leben ist gefährlich, aber es will gelebt werden und nicht nur verwaltet.

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Arte und die Tradition

Im August 2020 sendete arte eine Wiederholung des Berichts „Die Siedler der Westbank“ von Shimon Dotan. In der Ankündigung heißt es:

„Der israelisch-palästinensische Konflikt sorgt seit jeher für Spannung im gesamten Nahen Osten. Die jüdischen Gemeinschaften im Westjordanland spielen hier eine entscheidende Rolle: In der Region, wo traditionell keine Juden lebten, ließen sich nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 Hunderttausende Siedler nieder, die mit ihren unterschiedlichen Abstammungen, Sichtweisen, Ideologien und sozioökonomischen Milieus die ganze Bandbreite der israelischen Bevölkerung widerspiegeln.“

Arte behauptet, in der Region, die hier Westjordanland genannt wird, hätten „traditionell keine Juden“ gelebt. Schauen wir uns die Gegend mal etwas genauer an.

Die Region, die arte als Westjordanland bezeichnet, wird auch Judäa und Samaria genannt. Diese Bezeichnungen gehen auf die Bibel zurück. Judäa bedeutet „Land der Juden“.

In der Region befindet sich die Stadt Bethlehem. Dort befindet sich eine Kirche an der Stelle, wo ein Jude geboren worden sein soll. Sein Name ist Jesus.

In der Region befindet sich ebenfalls die Stadt Hebron. Am dortigen Stadtrand befindet sich das Grab der Patriarchen, wo Abraham und Sara, Isaak und Rebekka, sowie Jakob und Lea bestattet worden sein sollen. Alle sechs Persönlichkeiten waren Jüdinnen und Juden. In Hebron soll König David 1011 Jahre vor dem Juden, der in Bethlehem geboren wurde, zum König des jüdischen Volks gesalbt worden sein.

Was also hat es mit der von arte so bezeichneten Tradition auf sich, dass dort keine Juden lebten?

Als im Jahr 1517 die Juden in Hebron ihr Laubhüttenfest feierten, führte der Stellvertreter des osmanischen Sultans und Herrscher von Jerusalem, Murat Bey ein Massaker an den dort feiernden Juden durch und plünderte sie aus. Nur wenigen gelang die Flucht.

Im Jahr 1929 wurde in Hebron ein Massaker an Juden verübt, bei dem siebenundsechzig Juden ermordet und zahlreiche verletzt wurden. Ein Teil der jüdischen Gemeinde floh daraufhin nach Jerusalem.

Im April 1936 kam es erneut zu Unruhen gegen Juden. Am 23. April wurden daher alle Juden der Stadt von den Briten evakuiert. Seit dem war die Stadt judenrein.

Das ist also die Tradition, von der arte spricht. Arte nennt es Tradition; ich nenne es Judenverfolgung.

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Der deutsche Siegfried und der Drache des Antisemitismus-Vorwurfs

Über sechzig besorgte Bürgerinnen und Bürger haben einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel unterzeichnet.

Sie sind jedoch nicht besorgt, dass Mahmud Abbas in der palästinensischen Autonomie seit dem 9. Januar 2009 ohne demokratische Legitimation regiert, dass dort Korruption herrscht, Menschen mit kritischen und abweichenden Meinungen verfolgt werden, Homosexualität strafbar ist, in Schulbüchern der Hass auf Israel und Juden gelehrt wird, Terroristen und deren Angehörige mit hohen Gehältern und Renten gefördert werden und dafür die Infrastruktur und der Aufbau einer Verwaltung vernachlässigt wird. Ihre Sorge gilt vielmehr „dem inflationären, sachlich unbegründeten und gesetzlich unfundierten Gebrauch des Antisemitismus-Begriffs, der auf die Unterdrückung legitimer Kritik an der israelischen Regierungspolitik zielt.“

Ein Unterzeichner des Briefs ist Dr. Wolfgang Benz. In seinem Buch „Streitfall Antisemitismus – Anspruch auf Deutungsmacht und politische Interessen“ stellt er die Frage: „Wann überschreitet berechtigte Kritik an der Politik Israels gegenüber den Palästinensern die Grenzen und ist Judenfeindschaft?“

Nichts ist einfacher als die Beantwortung dieser Frage. Berechtigte Kritik an Israel überschreitet nie die Grenzen zur Judenfeindschaft. Berechtigte Kritik ist, wie der Begriff selbst sagt, berechtigt. Lediglich unberechtigte Kritik an Israel kann judenfeindlich sein, nämlich dann, wenn in der Kritik Israel dämonisiert wird, dem Staat Israel seine Legitimation abgesprochen wird und Juden für etwas kritisiert werden, was bei allen anderen Menschen toleriert wird. In dem Brief heißt es: „Unsere Sorge ist besonders groß da, wo diese Tendenz mit politischer und finanzieller Unterstützung des Antisemitismusbeauftragten gefördert wird.“

Als Beispiel, welches „menschenverachtende Ausmaß solche Aktivitäten annehmen“ kann, wird in dem Brief das Buch „Der neu-deutsche Antisemit“ von Arye Sharuz Shalicar genannt, weil der Autor dort Dr. Reiner Bernstein kritisiert und ihn als Antisemiten bezeichnet. Wer ist dieser Reiner Bernstein?

Reiner Bernstein ist ein deutscher Historiker und Publizist, der zu dem Thema „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ promoviert hat. Seitdem hat er zahlreiche Bücher und Aufsätze zum Thema Nahostkonflikt veröffentlicht. Von 1969 bis 1970 war er Redakteur beim Saarländischen Rundfunk und von 1971 bis 1977 war Leiter der Bundesgeschäftsstelle der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bonn. Allerdings verließ er die Deutsch-Israelische Gesellschaft im Jahr 1977, da er merkte, dass er dort Israel nicht so sehr kritisieren konnte, wie er wollte.

Um Israel besser kritisieren zu können, gründete er den „Deutsch-israelischen Arbeitskreis für Frieden im Nahen Osten“. Von 2007 bis 2011 war er Vorsitzender der „Initiative Stolpersteine für München e.V.“ Zudem wirkt er mit seiner Frau Judith als Vertreter der israelisch-palästinensischen Genfer Initiative in Deutschland. Diese ist auch Mitglied der „Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe München“, die die Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) mit folgenden Worten unterstützt:

„Und ja, wir haben uns im Kontext unseres politischen Handelns dafür entschieden, den Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft zum Boykott Israels, zum Investitionsabzug aus Israel und zu Sanktionen gegenüber Israel mitzutragen.“ 

Was für eine deutsche Biografie. Immer wieder wird Reiner Bernstein von Israelkritikern eingeladen. In der Evangelischen Stadtakademie Bochum sprach er von einer „Weisung“, die ein Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Israel ihm gegenüber mal mit dem Begriff „wissenden Unbefangenheit“ zum Ausdruck gebracht haben soll:

„Wir wissen um die Shoa. Wir wissen um die deutschen Verbrechen. Wir wissen, dass wir daraus die Lektion für die Gegenwart und Zukunft ziehen müssen. Aber wir wissen auch und bitte, denkt Ihr Deutschen daran, wenn Ihr nach Israel kommt, so viel Unbefangenheit mitzubringen, dass ihr unsere Politik kritisch begleitet.“

Dieser Leitsatz sei ihm im Gedächtnis geblieben: „Das Wort von der unwissenden Unbefangenheit und sich gegen jede Manipulation hier und dort der Shoa zur Wehr zu setzen, der Manipulation zu politischen Zwecken, die nicht die unseren sein können, wenn es um das Wohl des deutschen als auch des israelischen Gemeinwesens geht.“

Diesen Gedanken muss man erst einmal fertig bringen. Die Deutschen müssen sich gegen die Manipulation des Holocausts zur Wehr setzen. Reiner Bernstein behauptet, die Israelis würden mit ihrem Erinnern Politik machen und erklärt somit den Holocaust zu einer Waffe der Israelis. Der deutsche Siegfried hat sechs Millionen Menschen in seinen Feueröfen zusammengeschmolzen, um daraus ein Schwert für die Juden zu schmieden. Reiner Bernstein aber leistet Widerstand und ruft trotzig etwas, das so klingt wie: Zu den Waffen Deutsche, wehrt Euch!

Diesen Reiner Bernstein hat Arye Sharuz Shalicar gewagt zu kritisieren. In dem Brief wird er dafür als „menschenverachtend“ bezeichnet. Es ist schon spannend, dass jene, die behaupten, man könne Israel nicht kritisieren, selbst alles dafür tun, dass Kritik an Israelkritik unterbunden wird, indem sie ganz wichtig die Bundeskanzlerin kontaktieren, in der Hoffnung, dadurch diesem Treiben ein Ende zu setzen.

In dem Brief wird ganz im Stile von Reiner Bernstein behauptet, manchen Juden würden den Antisemitismus instrumentalisieren: „Wo kritischer Dialog notwendiger denn je ist, schafft die missbräuchliche Verwendung des Antisemitismusvorwurfs zunehmend auch in Deutschland eine Stimmung der Brandmarkung, Einschüchterung und Angst.“

Die Tatsache, dass Juden alle Formen des Antisemitismus‘ kritisieren, weil sie Opfer eben aller Formen des Judenhass‘ werden können, wird in dem Brief zu einer bösen Absicht gewisser Juden erklärt. Sie holen den Antisemitismus-Vorwurf wie eine Waffe hervor, kalt, berechnend und emotionslos, um damit eine Stimmung der „Brandmarkung, Einschüchterung und Angst“ zu schüren. In dem Brief heißt es: „In dieser Atmosphäre wundert es nicht, dass das Berliner Kammergericht Bernsteins Klage gegen seine Verleumdung zurückgewiesen hat.“

Mit diesen Worten wird insinuiert, gewisse Juden hätten die deutschen Gerichte fest in ihren Händen. Deutsche Institutionen kuschen vor ihnen, weil sie Angst und Schrecken mit dem Antisemitismus-Vorwurf verbreiten. Für mich ist das lupenreiner Antisemitismus.

Israel zu kritisieren, ist nicht antisemitisch, aber zu behaupten, Juden hätten die Macht, aus dem Antisemitismus nicht nur Profit zu schlagen, sondern damit sogar unabhängige Gerichte in Deutschland in die Knie zu zwingen, ist zutiefst antisemitisch.

Antisemiten sind Wahnsinnige, die die Welt so sehen, wie sie sie sehen wollen. In Deutschland wird Israel kritisiert wie kein anderes Land. Israel wird stets und überall nach allen Regeln der Doppelmoral, Delegitimierung und Dämonisierung kritisiert. Der Glaube an die Schwierigkeit, Israel zu kritisieren, ist eine Wahnvorstellung. Es ist Antisemitismus!

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Die Kinderfresser von Bern und Köln

In Bern steht der sogenannte Kindlifresser-Brunnen. Dieser Brunnen zeigt einen monströsen Menschen, der ein kleines nacktes Kind verschlingt. In seinem umgehängten Sack hat er noch weitere Kinder, die er fressen will. Der Kinderfresser hat einen nach oben verlaufenden Spitzhut auf. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Judenhut, den Juden im Mittelalter tragen mussten, um sich als Juden kenntlich zu machen. Bei dem Kinderfresser handelt es sich somit um einen Juden.

Die hier dargestellte Grausamkeit gehört zu den vielen judenfeindlichen Ritualmordlegenden, die im späten Mittelalter über Juden verbreitet wurden, um Gewalt gegen sie zu rechtfertigen und ihre Verfolgung und Vertreibung voranzutreiben. Juden wurden satanischer Verbrechen beschuldigt, um sie wie den Teufel austreiben zu können. Zu den Lügen gehörten Hostienfrevel, Brunnenvergiftung und Ritualmorde, oft verbunden mit Kindesentführungen. Aufgrund dieser Lügen wurden im Mittelalter viele Juden vernichtet, auch in Bern.

Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Brunnen restauriert wurde, berichtete die Berner Presse, der Brunnen erinnere an ein Ereignis, als „die Juden in dieser Stadt ein Christkind langsam zu Tode marterten – kreuzigten, woraufhin sie vom Rat von Bern verbrannt worden seien“.

Heute ist der Stadt Bern diese Geschichte peinlich, so peinlich, dass sie heute nicht mehr Lügen über Juden verbreitet, dafür aber Lügen über den Brunnen. Bei Stadtführungen wird die Figur gerne als „humorvolle Fastnachtsfigur und Kinderschreckfigur“ verharmlost oder behauptet, es handele sich bei der abgebildeten Person um die Darstellung des römischen Gottes Saturn, der mit dem griechischen Titan Kronos identifiziert wird. Saturn ist der Gott des Ackerbaus und wird daher in traditionellen Darstellungen mit Sichel oder Sense dargestellt. Auch Kronos Erkennungszeichen ist eine Sichel. Dieses Erkennungszeichen fehlt bei dem Kindlifresser-Brunnen.

Der Brunnen ist ein Zeugnis des Judenhass in Bern und geht auf einen Ritualmordvorwurf von 1294 zurück. Den Juden der Stadt wurde damals vorgeworfen, einen Jungen mit dem Namen Rudolf ermordet zu haben. Aufgrund des Gerüchts kam es zu einem Pogrom, bei dem die Juden der Stadt überfallen und ausgeplündert wurden. Bei dieser Gelegenheit kam es zu einer erzwungen Tilgung aller Schulden bei jüdischen Geldgebern und die Obrigkeit fällte einen Entscheid, mit dem die Juden für immer aus der Stadt vertrieben werden sollten.

In späterer Zeiten wurde Rudolf von Bern teilweise als Märtyrer und Heiliger verehrt. Im offiziellen Heiligenkalender wird sein Namenstag mit dem 17. April angegeben.

Die Geschichte von Rudolf von Bern trägt die Züge von Werner von Oberwesel. Sein Namenstag war der 19. April. Werner war ein junger Tagelöhner, der Opfer von jüdischen Ritualmördern geworden sein soll. In Bacharach am Rhein wurde für ihn ab 1289 eine „Werner“-Kapelle ausgebaut. Seine Verehrung führte zu einer Menge aufhetzerischen Legenden, die besonders im Rheinland verbreitet wurden. Auf den angeblichen gemeinschaftlichen jüdischen Mord folgte eine Pogromwelle, die auch Köln heimsuchte. Wie Bern wurden auch in Köln irgendwann alle Juden vertrieben. Im Jahr 1424 durfte kein Jude mehr in Köln leben.

Im Jahr 1963 wurde Werner zwar aus dem Heiligenverzeichnis gestrichen, das bedeutet aber nicht, dass danach nicht weiterhin kinderfressende Juden in Köln dargestellt wurden.

Von 2004 bis 2015 stand vor dem Kölner Dom eine Dauerausstellung, wo in zunehmend verzerrender und einseitiger Art gegen den Staat Israel polemisiert wurde. Es wurde unter anderem behauptet, das israelische Volk würde schon seit Jahrhunderten die Welt erpressen. Im Jahr 2010 wurde gegen die Installation Strafanzeige wegen des Verdachts auf Volksverhetzung gestellt, da dort eine Karikatur gezeigt wurde, auf der ein Jude zu sehen war, der ein Kind isst und sein Blut trinkt.

Die Kölner Staatsanwaltschaft erhob jedoch keine Anklage mit der Begründung, die Karikatur sei nicht antisemitisch, da die dargestellte Person auf der Karikatur nicht als Jude erkennbar sei, weil er keine „Krummnase“ habe. Klingt unglaublich, ist aber so. In der Begründung (Aktenzeichen 121 Js 105/11) steht:

„Es ermangelt der Abbildung einer tauglichen Erklärung, die geeignet wäre, den Anforderungen an die tatbestandlichen Voraussetzungen zu genügen. Dem in die Plakataktion eigebetteten Bild müsste ein Erklärungsgehalt beizumessen sein, der eindeutig und unmissverständlich und damit zweifelsfrei einen solchen strafrechtlich relevanten Inhalt vermittelt. (…) Typisch für antijüdische Bilddarstellungen zu allen Zeiten ist die Verwendung von bestimmten anatomischen Stereotypen, die den Juden schlechthin charakterisieren sollen. Dabei werden insbesondere Gesichtsmerkmale überzeichnet, um den Juden als hässlich, unansehnlich und rassisch minderwertig erscheinen zu lassen (jüdische „Krummnase“, etc.) Einer solchen Bildsprache wird sich vorliegend nicht bedient.“

Mit anderen Worten: Da die abgebildete Person keine Krummnase hat, kann sie nicht als Jude erkannt werden und darum liegt kein Antisemitismus vor.

Vielleicht sollte sich Bern juristischen Rat aus Köln holen. Beiden Städten ist ihre judenfeindliche Geschichte schließlich so peinlich, dass sie vor keiner noch so albernen Erklärung zurückschrecken.

In Köln feiert man Karneval. In Bern feiert man Fasnacht. Ich habe lange Zeit nicht verstanden, was der Unterschied zwischen Karneval und Fasching ist, aber ich glaube, jetzt habe ich es raus: Leute die Karneval feiern, nennt man Karnevalisten.

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Gedenkbrunnen in Köln geschändet

Am zweiten Wochenende im Juli 2020 demonstrierten in Köln überwiegend junge Menschen unter dem Motto „Tiere bluten für menschliche Gier“. Dabei wurde das Wasser in mehreren Kölner Brunnen mit roter Farbe gefärbt. Betroffen waren unter anderem der Petrusbrunnen vor dem Kölner Dom, die Domfontäne auf dem Roncalliplatz und der Fischweiberbrunnen am historischen Fischmarkt.

Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Bei der Verunreinigung handelt es sich juristisch um Verunreinigung. Neben der juristischen Bewertung dieser Angelegenheit muss aber auch der Anstand in Erwägungen gezogen werden, denn zu den geschändeten Brunnen in Köln gehört auch der Löwenbrunnen.

Der mit dem „Löwen von Juda“ geschmückte Brunnen auf dem Erich-Klibansky–Platz erinnert an 1100 ermordete jüdische Kinder aus Köln und Umgebung, deren Namen auf den das Brunnenbecken einfassenden Bronzeplatten verzeichnet sind.

An dem Löwenbrunnen befindet sich der Lern- und Gedenkort Jawne, an dem man unter anderem etwas über den Mann erfahren kann, nachdem der Platz benannt ist.

Erich Klibansky war Leiter und Lehrer des jüdischen Reformrealgymnasium Jawne in Köln. Ihm gelang es, 130 der ihm anvertrauten Schülerinnen und Schüler zu retten, indem er für sie im Jahr 1938 eine Flucht nach Großbritannien organisierte. Eins der damals entkommenen Kinder, Hermann Gurfinkel, schuf im Jahr 1997 den Löwenbrunnen.

Erich Klibansky und seine gesamte Familie wurden am 20. Juli 1942 deportiert und vier Tage später in einem Waldstück in der Nähe von Minsk an vorbereiteten Gruben erschossen. Das Andenken dieses Mannes, seiner Familie und und das Andenken 1100 ermordeter Kinder wurde im Juli 2020 in Köln geschändet.

In einer „Erklärung zur Schändung der Gedenkstätte Löwenbrunnen am Erich-Klibansky-Platz in Köln“ steht:

„Mitglieder und Vorstand des Arbeitskreises Lern- und Gedenkort Jawne sind schockiert über die Schändung des Brunnens. Wir können uns keine Argumentation vorstellen, die diese Schändung erklärt, und wir wollen es auch nicht. Es ist einfach nur zum Kotzen.“

Nachtrag: Mittlerweile gibt es eine Stellungnahme von Verantwortlichen der Demonstration:

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Die Ballade von Herrn Gruber

Tapfer im Nirgendwo präsentiert „Die Ballade von Herrn Gruber“ von Viktoria Burkert.

Herr Gruber wollte nur Brötchen holen gehn, da fiel er in ein Loch. Das Loch war ziemlich tief, Herr Gruber war sehr klein, jetzt sitzt er hier allein und denkt sich – och.

Er wollte die Brötchen mit Butter beschmiern und dann kamen Käse und Wurst. Das wird jetzt nicht passiern, denkt Herr Gruber in dem Loch, doch wer weiß, vielleicht ist das hier ja ne Chance.

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn die Zukunft wirklich Zukunft ist, wenn du in den Spiegel schaust und denkst: Ich mag dich richtig gern, weil du lachst und deine Träume lebst.

Herr Gruber in dem Loch denkt an sich als Kind, er wollte so gerne zur See, viele fremde Länder sehn und echte Abenteuer leben, doch niemand sagte: Trau dich, Gruber, geh!

Er fand einen Job bei ner Versicherung und blieb dann einfach da, sitzt seit vierundvierzig Jahren in demselben Büro – kneif mich, das ist doch jetzt nicht wahr!

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn die Zukunft wirklich Zukunft ist, wenn du in den Spiegel schaust und denkst: Ich mag dich richtig gern, weil du lachst und deine Träume lebst.

Herr Gruber in dem Loch denkt: Ich muss hier raus, aus dem Loch, dem Job, der Stadt, muss endlich mal was wagen, ich hab nicht mehr so viel Zeit, bin jetzt bereit für das, was man so macht,

wenn man endlich einmal lebt und sich nicht nur treiben lässt, Problem ist jetzt nur das Loch. Herr Gruber stellt sich hin und schreit mit aller Kraft: Hallo, ich bin hier unten, hört mich doch!

Frau Meier aus dem Blumenladen hört Grubers Schrei und alarmiert die Feuerwehr, sie holen Gruber raus und Gruber freut sich sehr, er flüstert ihr ins Ohr: Jetzt sind wir frei.

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn du nichts mehr zu verlieren hast, wenn alles, was du brauchst, in einen Koffer passt, und selbst den Koffer stellst du irgendwo mal ab.

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn dein Zuhause nur die Menschen sind, die neuen, die du triffst, die alten, die du liebst, das Einzige, was unvergänglich ist.

Herrn Gruber haben sie hier nie mehr gesehn und auch Frau Meier gab den Blumenladen auf, sie kauften sich ein Schiff, sagt man, und fahren jetzt um die Welt, bis die Welt um sie zusammenfällt.

Das Loch, in das Herr Gruber damals fiel, wurde als sehr gefährlich eingestuft, man schüttete es zu, es ist jetzt wirklich weg, nur ein Haufen Dreck erinnert an sein Lied:

Vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn dein Zuhause nur die Menschen sind, die neuen, die du triffst, die alten, die du liebst, das Einzige, was unvergänglich ist.

Musik und Text: Viktoria Burkert * Arrangement: Markus Schimpp * Produktion: Gerd Buurmann * Copyright: Viktoria Burkert

Sollten Ihnen dieses Lied so gut gefallen, dass Sie etwas Geld für diese Kunst geben möchten, dann überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto (Produzent) oder nutzen Sie PayPal.

https://www.paypal.me/gerdbuurmann

Vergessen Sie nicht, als Verwendungszweck „Die Ballade von Herr Gruber“ anzugeben, denn dadurch unterstützen Sie konkret das Lied, die Autorin und den Arrangeur.

(TINVB)

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„Idealisten“ vor dem Kölner Dom

Am 4. Juli 2020 fand vor dem Kölner Dom eine Demonstration gegen Israel statt. Im Umfeld dieser Demonstration wurde folgendes Plakat hochgehalten.

Foto: Björn Kietzmann

Auf dem Plakat ist Ghassan Kanafani zu sehen. Er war bis zu seinem Tod im Jahr 1972 Sprecher der Volksfront zur Befreiung Palästinas. Die Organisation steht mittlerweile auf der EU-Terrorliste. Das erklärte Ziel der Volksfront es ist, Israel vollständig „vom Fluß bis zum Meer“ zu vernichten und „im bewaffneten Kampf“ durch ein neues sozialistisches Staatsgebilde zu ersetzen. In den späten 60er Jahren erklärte Ghassan Kanafani:

„Nur eine autarke, vereinte und starke Militärmacht, die Israel an allen Fronten unter Druck setzen kann, ist die Lösung. Tapfere Guerillas, mutige palästinensische Gruppen sind notwendig im Kampf um die Rückgewinnung Palästinas.“

Auf das Konto der Volksfront gehen diverse Terroranschläge. Einer der letzten Anschläge wurde am 18. November 2014 ausgeführt, als zwei Aktivisten der Volksfront mit Äxten, Messern und Pistolen bewaffnet in eine Synagoge in Jerusalem stürmten und dort vier Rabbiner und einen Polizisten ermordeten. Acht weitere Menschen wurden verletzten. Ein verletzter Mann erlag später seinen Verletzungen. Die Volksfront lobte den Anschlag als „eine Form des Widerstands, der verstärkt werden sollte.“

Bis zum Tode Kanafanis wurden von der Volksfront diverse Flugzeugentführungen organisiert, bei denen israelische Passagiere als Geiseln genommen wurden, um die Freilassung diverser Terroristen zu erpressen. Im Jahr 1970 zum Beispiel wurde die Freilassung eines Attentäters gefordert, der am 18. Februar 1969 beim Attentat in Kloten am Flughagen in Zürich einen Co-Pilot ermordet hatte.

Ein weiterer Mann auf dem Plakat, das am 4. Juli 2020 vor dem Kölner Dom gezeigt wurde, ist Wadi Haddad.

Wadi Haddad war an einigen Entführungen der Volksfront beteiligt. Im Jahr 1976 organisierte er die Entführung eines Flugzeugs der Fluggesellschaft Air France, das am 27. Juni von Tel Aviv nach Paris, unterwegs wart.,Es waren zwölf Besatzungsmitglieder und zweihundertachtundfünfzig Fluggäste an Bord.

Die Entführer nannten sich „Kommando Che Guevara“, benannt nach dem Mann, dessen Gesicht noch heute auf vielen T-Shirts und an vielen Bars zu sehen ist. Einige Terroristen gehörten zu der Volksfront zur Befreiung Palästinas. Zwei Terroristen waren Deutsche. Ihre Namen waren Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann. Sie gehörten zu den Revolutionären Zellen. Gemeinsam zwangen sie die Piloten der Air France Maschine den Flughafen Entebbe in Uganda anzufliegen, da dort die Terroristen durch das Regime Idi Amins unterstützt wurden.

Mit der Flugzeugentführung sollte die Freilassung von insgesamt dreiundfünfzig Inhaftierten aus Gefängnissen in Israel, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz erpresst werden. Darunter waren auch Mitglieder von zwei deutschen Terrororganisationen, nämlich der Roten Armee Fraktion um Andreas Baader und Ulrike Meinhof und der Bewegung 2. Juni. Außerdem forderten die Entführer fünf Millionen US-Dollar von der französischen Regierung für die Rückgabe des Flugzeuges.

Die Passagiere wurden in der alten Transithalle des Terminals von Entebbe als Geiseln gehalten, wo sie in Juden und Nicht-Juden selektiert wurden. Die Selektion wurde von den Deutschen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann vorgenommen, die anhand der israelischen Papiere, aber auch aufgrund vermeintlich jüdischer Namen die Menschen selektierten. So wurden auch einige Passagiere fälschlicherweise als Juden identifiziert. Nach der Selektion wurden die Juden als Geiseln gehalten und die übrigen Menschen freigelassen. Ein Überlebender des Holocausts zeigte Wilfried Böse bei der Selektion seine eintätowierte Häftlingsnummer, um ihn so an die Selektion in den Konzentrationslagern zu erinnern. Wilfried Böse erklärte daraufhin, er sei kein Nazi, sondern Idealist.

„Ich bin kein Nazi. Ich bin Idealist!“

Am 4. Juli 2020 waren es ebenfalls „Idealisten“, die eine Demonstration durchführten, bei der trotzig Bilder von Terroristen gezeigt wurden, die entweder selbst Juden getötet oder deren Ermordung geplant oder gefeiert haben.

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, als Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ in meiner Arbeit für eine gerechte Berichterstattung über Israel unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

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Ein kurzer digitaler CSD

Heute wäre die Christopher Street Day Parade durch Köln gezogen. Da sie heute aber aufgrund von Corona nicht stattfinden kann, lässt Tapfer im Nirgendwo eine kurze digitale Parade mit Bildern aus den letzten Jahren durchs Netz rollen.

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