Der Verbündete

Der Massenmörder Anders Behring Breivik hat in seinem Manifest zur Verteidigung seiner Lust am Bösen eine Menge Menschen zitiert, unter anderem Immanuel Kant, John Stuart Mill, Adam Smith, Franz Kafka und Jesus. Sie alle haben die Menschheit mit ihren Gedanken bereichert und dadurch die Welt verbessert.

Keinem dieser Personen kann auch nur ansatzweise der Vorwurf gemacht werden, von dem Mörder zitiert worden sein. Sie alle hatten keinen Einfluss auf den Psychopathen und seinen Wahnvorstellungen. Nicht sie haben sich den Mörder zu ihrem Verbündeten gewählt, sondern wurden von dem Mörder selbst gegen ihren Willen und in einem gewaltsamen Akt der Vereinnahmung zu seinem Verbündeten gemacht.

Es sollte daher weniger von Interesse sein, wen sich Breivik zum Verbündeten gemacht hat, sondern vielmehr, wer sich Breivik zum Verbündeten macht.

Während die Vereinnahmung durch Breivik ohne eigenes Zutun geschah, ist die Wahl Breiviks als Argument und Untermauerung der eigenen Ideologie eine bewusste Entscheidung. Genau diese Entscheidung haben in den letzten Tagen viele gefällt. Allein die Liste derer, die den Mörder nutzen, um offene Rechnungen mit Henryk M. Broder zu begleichen, ist lang.

Henryk M. Broder nicht nur Publizist, Polemiker und Talk-Show-geprüfter Sit-Down-Comedian, sondern zudem noch als heterosexueller Jude polnischer Eltern ein ganz gewöhnlicher multikultureller Deutscher, der mit muslimischen Kolleginnen und Kollegen wie Hamed Abdel-Samad, Necla Kelek und Seyran Ates für die Aufklärung, aber auch für das Recht der Muslime auf Moscheen in Deutschland streitet.

„Ich habe nichts gegen Moscheen und ich habe nichts gegen gleiche Rechte für Immigranten. Ich hätte in der Schweiz auch gegen das Minarett-Verbot gestimmt.“

Henryk M. Broder als Islamhasser und Rassisten zu bezeichnen, ist somit so angemessen, wie Uta Ranke-Heinemann eine Christenhasserin und Rassistin zu schimpfen, nur weil sie die Sexualfeindlichkeit der katholischen Kirche scharf kritisiert.

Weil aber nicht wenige Broder aus mir unerfindlichen Gründen diskreditieren wollen, sie in seinen Schriften jedoch nichts finden, das ihn als Rassisten oder Migrantenhasser überführen könnte, nutzen sie einfach die Tatsache, dass er in dem Manifest des Massenmörders indirekt zitiert wird, als Wunderwaffe gegen ihn.

Sie machen somit genau das, was der Massenmörder gemacht hat. So wie Breivik Christen wie Kant, Smith und Mill, sowie Juden wie Jesus, Kafka und Broder zu seinen Kronzeugen erklärt hat, so machen sie nun den Mörder Breivik zu ihren Kronzeugen.

Aber nicht nur im Kampf gegen Broder wird Breivik gezückt, sondern auch im Kampf gegen Thilo Sarrazin. Als in Fukushima im fernen Japan ein Atomkraftwerk explodierte, da forderten nicht wenige in Deutschland eine sofortige Stilllegung aller deutscher Kraftwerke. Jetzt, da ein Wahnsinniger einen Massenmord in Norwegen begangen hat, fordern nicht wenige und oftmals die selben die Stilllegung eines deutschen Buchautoren.

Aber genauso wie das Atomkratwerk in Fukushima selbst dann explodiert wäre, hätte es keine Kraftwerke mehr in Deutschland gegeben, genauso hätte Breivik auch dann gemordet, wäre Sarrazin Analphabet gewesen.

Es folgt daher nun eine kleine Auswahl von Autorinnen und Autoren, die sich Breivik zum Verbündeten und Kronzeugen erwählt haben:

Lamya Kaddor, der Vorsitzenden des Liberal-Islamischen Bundes schreibt: “Die Islamkritiker sind nicht schuld an der Tat, aber sie haben sie begünstigt. Sie diffamieren den Islam pauschal und schüren damit Ängste. Broder und Co. haben dafür gesorgt, dass die antimuslimische Stimmung gesellschaftsfähig wird. Breivik hat sich durch sie bestätigt gesehen. Damit sitzt Broder mit im Boot.”

In einem Leserbrief in der Badischen Zeitung steht: „Ich frage mich, wie weit haben rassistische Brandstifter oder Hassprediger wie Henryk M. Broder, Thilo Sarrazin und die Springer-Presse schon die öffentliche Meinung beeinflusst? Die Medien scheinen in Deutschland auf dem rechten Auge blind zu sein. „

Christoph Giesa schreibt in The European: „Zu diesen besonders Verantwortlichen gehören neben Thilo Sarrazin auch prominente Vertreter der Euro- bzw. europakritischen Fraktion, aber auch Publizisten wie Hans-Olaf Henkel oder Henryk M. Broder, weil sie, ob gewollt oder ungewollt, zu Ikonen der neuen deutschen Rechten geworden sind.“

Claus Ludwig von der Partei DIE LINKE in Köln schreibt: „Wenn Breivik für geistesgestört und in die Psychiatrie eingewiesen wird, dann müssten konsequenterweise Sarrazin, Broder, die Macher von PI, die „Pro“-Leute, FPÖ-Politiker und viele andere den gleichen Weg antreten. Sie vertreten und befördern wahnhafte rassistische Vorstellungen.“

In der Frankfurter Rundschau schreibt Christian Bommarius: „Henryk M. Broder ist – neben Thilo Sarrazin – die lauteste Stimme der Islamophobie in Deutschland, aber keineswegs die einzige. Der Antiislamismus als Ressentiment, wie er sich in der Mitte der deutschen Gesellschaft herausgebildet hat, ist nicht zum Geringsten Broders Verdienst.“

Sigmar Gabriel behauptet: „In einer Gesellschaft, in der Anti-Islamismus und die Abgrenzung von anderen wieder hoffähig wird, in der das Bürgertum Herrn Sarrazin applaudiert, da gibt es natürlich auch an den Rändern der Gesellschaft Verrückte, die sich letztlich legitimiert fühlen, härtere Maßnahmen anzuwenden.“

In der Süddeutschen Zeitung stand am 26.7.2011: „Viele Anti-Islamisten arbeiten aktiv in der Politik, engagieren sich in Europas populistischen Parteien… Zu ihren Stichwortgebern zählen Publizisten wie Henryk M. Broder, die zum Teil noch in den verhassten ‘Mainstream-Medien’ veröffentlichen…“

So klingt es also, wenn noch alte Rechnungen zu begleichen sind. Als in Japan ein Atomkraftwerk explodierte, da profitierten in Deutschland die Merkelkritiker. Jetzt wurde in Norwegen gemordet und die Broderkritiker schicken sich an, ihren Vorteil daraus zu ziehen.

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