Die berühmte Sure 5

Wenn der Islam als Religion des Friedens bezeichnet wird, wird nicht selten eine Stelle aus der fünften Sure im Koran zitiert:

„Wenn jemand einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet.“

Die fünfte Sure wird gerne zitiert, wenn die Friedfertigkeit des Korans bewiesen werden soll. Mir ist es egal, ob der Koran ein Buch der Liebe ist oder nicht; und ich möchte, dass das so bleibt! Alle Religionen sind nämlich nur so lange friedlich, wie sie es zulassen, dass einem der Glaube egal sein kann!

Es zeugt allerdings schon von einer ungeheuerlichen Chuzpe, ausgerechnet die fünfte Sure als Zeugnis des Friedens des Korans anzuführen. Der oben zitierte Vers steht nämlich in einem Zusammenhang, der alles andere als friedlich ist:

„Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass, wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einen Menschen das Leben hält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und unsere Gesandten kamen mit deutlichen Zeichen zu ihnen; dennoch, selbst danach beginnen viele von ihnen Ausschreitungen im Lande. Der Lohn derer, die gegen Allah und seinen Gesandten Krieg führen und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, dass sie getötet oder gekreuzigt werden und dass ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden oder dass sie aus dem Lande vertrieben werden. Das wird für sie eine Schmach in dieser Welt sein, und im Jenseits wird ihnen eine schwere Strafe zuteil.“

Ich übesetze mal:

„Wir haben den Juden verordnet, wer tötet, tötet eine ganze Welt. Für Euch aber gilt, wenn jemand ein Unheil im Lande anrichtet, dann hackt ihnen die Hände und Füße ab.“

„Unheil im Lande“, na das ist ja mal etwas, wie soll ich sagen, vage, um nicht zu sagen, durchaus interpretationsfähig und auslegungsbedürftig. Weniger vage, ja geradezu konkret wird der Koran, wenn es darum geht, was mit jenen Leuten geschehen soll, die „Unheil im Lande“ anrichten: Vertreibung, Kreuzigung oder wechselweise Hände und Füße ab, je nach Stimmungslage und ortsüblicher Tradition.

Ich sag mal so, wenn ich beweisen müsste, dass der Koran ein Buch des Friedens ist, ich würde ganz sicher nicht diese Stelle zitieren, denn sie ist alles andere als friedlich, ja, geradezu barbarisch brutal.

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14 Antworten zu Die berühmte Sure 5

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  2. tapferimnirgendwo schreibt:

    Hat dies auf Tapfer im Nirgendwo rebloggt und kommentierte:

    Jürgen Todenhöfer hat die Stelle wieder zitiert:

    „Wenn jemand einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet.“

    Bitte teilt ihm mit, was die Stelle bedeutet, nämlich nicht Frieden!

  3. Maximilian Lemcke schreibt:

    Wie hier oft behauptet wird, würde der Vers “Wenn jemand einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet.“ aus dem Kontext gerissen, aufgrund der im darauffolgen Strafen für Menschen, die den Propheten „verunglimpfen“. Die Behauptung jedoch, Sure 5 würde nicht die Friedlichkeit des Islam demonstrieren ist selbst aus dem Kontext gerissen. Denn auch der Vers der das wechselseitige Abschlagen von Händen und Füßen beschreibt muss im Kontext beschrieben werden. Dies setzt voraus, dass man den Koran schon einmal gelesen haben muss.

    Auffällig ist hier, dass die Beschreibung der Strafe sehr speziell ist: “ Hände und Füße wechselseitig abschlagen“. Jemanden der den Koran kennt, fällt auf, dass man die selbe Beschreibung auch an anderer Stelle findet, allerdings in einem völlig anderen Kontext:

    Er (Pharao) sagte: „Glaubt ihr an ihn, bevor ich es euch erlaube? Er muß wohl euer Meister sein, der euch die Zauberei lehrte. Wahrhaftig, ich will euch darum die Hände und Füße wechselweise abhauen (lassen), und wahrhaftig, ich will euch an den Stämmen der Palmen kreuzigen (lassen); dann werdet ihr bestimmt erfahren, wer von uns strenger und nachhaltiger im Strafen ist.“  (20:71)

    So wird hier offensichtlich, dass der Pharao, welcher auch als einer der größten Tyrannen der Menschheit bekannt ist, die selbe Strafe androhte und durchführte.
    Warum sollte nun der Islam diese Strafe annehmen, wenn er gleichzeitig an anderer Stelle den Propheten Moses als milder im strafen beschreibt ?
    Warum beschreibt Gott diese Art der Strafe in der gleichen speziellen Weise an mehreren Stellen im Koran?
    Möglicherweise, weil Gott nur seine Verachtung bezüglich dieser Strafe ausdrücken möchte. Die „Ironie“ und Verachtung des Pharaos wird hier offensichtlich.
    Des Weiteren ist anzumerken, dass die Kritik an diesem Vers in diesem Form äußerst fundamental ist. So wird eine alternative Inerpretation dieses Verses überhaupt nicht einmal angesprochen. Auf dieser Grundlage ist es auch nicht möglich fundamentale Muslime zu kritisieren, welche selbst Verse des Koran „aus dem Kontext reißen“.
    Bespielen für die Friedlichkeit des Islam gibt es im Koran etliche. So zum Beispiel die Sure „die Ungläubigen“.

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  6. Nordland schreibt:

    „Die fünfte Sure wird gerne zitiert, wenn die Friedfertigkeit des Korans bewiesen werden soll.“

    Den Eindruck habe ich auch. Wenn der Islam die Religion des Friedens ist, wieso gibt es dann nicht zahlreiche andere, eindeutigere Stellen, die das belegen?

    Wobei das nicht heißen soll, dass es nicht sehr viele Muslime gibt, die friedlich und tolerant sind. Die Frage ist nur, ob sie diese Einstellung eher aus der eigenen Vernunft oder aus dem islamischen Schrifttum schöpfen.

  7. Kanalratte schreibt:

    Warum wurde kein Einspruch erhoben? Warum wird auf dieses Zitat nie Einspruch erhoben?
    So können sie weiter ihre Lügen verbreiten. Schaut in den Koran, ihr könnt doch lesen!

    • mike hammer schreibt:

      # Kanalratte
      weil der satz so aus fast allen religionen bekannt ist
      und so vom unbedarften der den islam mit einer religion
      verwechselt nicht angezweifelt, militärs nennen es camoflage,
      in der tierwelt nennt man es mimikri und islam nennts takija. 😉

  8. abusheitan schreibt:

    Wenn ein Jude tötet, begeht er ein Verbrechen gegen die ganze Menschheit.
    Wenn ein Moslem tötet, sorgt er für Ordnung.
    Islam in a nutshell.
    Nuts.

  9. Sophist X schreibt:

    Dafür, dass alle einschlägigen Propagandaorgane darauf bestehen, keine Koranzitate aus dem Zusammenhang zu reißen, wird dieses Koranzitat verdammt oft aus dem Zusammenhang gerissen. Kein Schelm, wer Böses dabei denkt.
    Leute wie besagte Referentin würden dieses Zitat sicher noch auf dem Schafott der Rechtgläubigen zum Besten geben.

  10. A.S. schreibt:

    Die Sure hab ich mir ausgedruckt und lese sie bei derartigen Diskussionen gerne vor. Also die entstehenden Gesichter sind schon großartig wenn die Leute kapieren, dass die Sure so ziemlich das Gegenteil von Friedfertigkeit ist.
    Besonders gerne zitiere ich die Sure, wenn jemand die Floskel „aus dem Kontext gerissen“ zur Verniedlichung von koranischen Mordbefehlen bringt. Bisher habe ich die mit Sicherheit folgenden Diskussionen immer gewonnen.

    • mike hammer schreibt:

      @ A.S.

      einfacher ists sich die spezialsuren
      und zitate aufs Handy zu Photografieren,
      dann hast du sie immer zur hand
      und gleich den autor (z.b. salafistenkoran) dadrunter stehen.

      ich lasse gerne dann andere diskutieren und grinse mir einen. 😉

    • schum74 schreibt:

      Diskussionsdienliche Hinweise:

      – Auf die Floskel hin: „aus dem Kontext gerissen“: Zitate sind definitionsmäßig aus dem Kontext gerissen. Einziges Mittel dagegen: nicht zitieren, sondern das ganze Buch vorlesen. Sie werden nicht – Allah bewahre! – ein Kapitel aus dem Kontext der anderen Kapitel reißen wollen.

      – Auch wenn der Koran nicht ausschließlich aus Mordbefehlen besteht: In einem wörtlich zu nehmenden Text mit absoluter, immer aktueller Gültigkeit, reicht ein einziger Mordbefehl aus, um den Text bzw. seine Anhänger für gefährlich zu erklären. Man braucht nicht 7 oder 8 Atombomben, um einen Landstrich zu verwüsten: Eine reicht.
      (Der Hinweis stammt von einem Ex-Muslim, dessen Namen mir leider entfallen ist.)

      Und lassen Sie uns aus dem Koran zitieren, solange wir echte Koran-Exemplare noch haben. In Norwegen ist schon eine um die schockierendsten Passagen bereinigte Übersetzung erschienen. Wie heißt es noch?
      „Der Prophet (S) bezeichnete den Krieg als Betrug.“
      (Sahih al-Buhari, Nachrichten von Taten und Aussprüchen des Propheten Muhammad, Hg. Dieter Ferchl. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1991, S. 317).

      « Un exemple de lâcheté: la traduction norvégienne du Coran a été expurgée de ce qui pourrait choquer la population locale, ce qui est une volonté manifeste de tromper les citoyens. »

      http://www.europe-israel.org/2015/03/apostat-kabyle-lislam-a-declare-la-guerre-a-loccident-mais-loccident-ne-le-sait-pas-encore/

  11. schum74 schreibt:

    In der Tat. Inzwischen müsste auch die Referentin wissen, was es mit Sure 5, Vers 32 auf sich hat. Macht sich denn niemand Mühe, wenigstens vor einer Islam-Veranstaltung, einen Koran zu öffnen? Sind nur die naturgemäß rassistischen Islamophobiker in der Lage, ein Buch zu lesen?

    Eine ähnliche Geschichte ist gerade am 25. März in einer Talkshow auf Canal+ passiert.
    Michel Onfray, Schikimicki-Philosoph und Autor eines ins Deutsche übersetzten „Traité d’athéologie“, hat sich nicht entblödet, dem Minister Alain Juppé den Vorschlag zu machen, einen gemäßigten, „republikanischen Islam“ auf Koran 2:256: „Es sei kein Zwang im Glauben“ aufzubauen.

    Nun müsste auch ein Philosoph wissen, dass Koran 2:256 genau so wenig dazu taugt, einen friedlichen Islam zu begründen, wie Koran 5:32. ‒ Wie kommen übrigens Kuffar dazu, den Islam reformieren zu wollen?
    Das ist hier schon Thema gewesen.

    Dazu noch einmal Tilman Nagel, „Über die Dynamik des Radikalismus im Islam“, Neue Zürcher Zeitung, 23.03.2005:

    «Es gibt keinen Zwang im Glauben», dieses Bruchstück von Sure 2, Vers 256 führen Muslime oft an, um ein offenes Verhältnis ihrer Religion zur Wirklichkeit zu belegen. Betrachtet man diese Worte in ihrem koranischen Zusammenhang, ergibt sich jedoch: Wer sich dem Islam unterwirft und damit jene Delegitimierung der Ratio anerkennt, dem erscheinen diese Religion und ihre Riten und Gesetze als ganz «natürlich», alles andere dagegen als «unnatürlich» und unwahr.
    http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/articleckajz-1.107937

    Nach Meinung des Islamologen Dominique Urvoy festigt dieser Vers vor allem das Recht von Nichtmuslimen, den Islam ungehindert anzunehmen. Im Übrigen sei dieser Vers durch den Schwertvers Koran 9:5 abrogiert (aufgehoben):

    „Wenn nun die Schutzmonate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf! Wenn sie aber bereuen, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann laßt sie ihres Weges ziehen! Gewiß, Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“
    (Übers. Scheich Abdullah As-Samit [F. Bubenheim] und Dr. Nadeem Elyas)

    http://www.europe-israel.org/2015/03/juppe-et-onfray-les-idiots-utiles/

    Wissen ist out. Seien wir in!

Seid gut zueinander!

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