Kölner Gericht verbietet einem Juden aus New York zu sagen, eine feministische Christin in Deutschland habe gesagt, ein Moslem aus Duisburg trinke Bier!

Im traurigen Monat November war’s, die Tage wurden trüber, der Wind riss von den Bäumen das Laub, da reiste Tuvia Tenenbom nach Deutschland hinüber. Das Landgericht Köln hatte ihn aus New York einfliegen lassen, um darüber zu entscheiden, ob der Imam in Duisburg im Rosengarten einer christlichen Feministin Bier trinkt.

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Am 5. November 2014 um 14 Uhr versuchte das Kölner Landgericht im Raum 222 Licht ins Dunkel der Trinkgewohnheiten eines Duisburger Imams zu bringen. Angestoßen wurde die ganze Verhandlung von der Rosenzüchterin Gitti Schwantes. Sie hatte den Suhrkamp Verlag verklagt, weil sie die Darstellung ihrer Person im 18. Kapitel des Buchs „Allein unter Deutschen“ von Tuvia Tenenbom als Schmähung empfand. Ihrer Klage wurde stattgegeben. Die Stellen in der deutschen Ausgabe sind heute geschwärzt.

In der amerikanischen Ausgabe des Buchs unter dem Titel „I sleep in Hitler’s room“ sind die Stellen nach wie vor enthalten. Wer ist diese Gitti Schwantes, die es geschafft hat, das in Deutschland die Zensur durchgeführt wurde?

Gitti Schwantes ist eine selbsternannte Friedensaktivistin, die fest davon überzeugt ist, dass es für den Weltfrieden förderlich ist, wenn sie als Feministin versucht, interreligiöse Spannungen dadurch abzubauen, dass sie einen Rosengarten in unmittelbarer Nähe einer Duisburger Moschee betreibt, damit sich dort Muslime, Juden und Christen „begegnen“ können, um sich „lieb zu haben“. Gitti Schwantes war die treibende Kraft einer „Friedens-und-Liebe-Initiative“ unter dem Namen „Rosen für Marxloh“, die in der Nähe der Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh einen Rosengarten für Christen, Moslems und Juden zum Gernhaben betrieb. „Rosen riechen gut“, sagte Gitti damals.

Für seinen Reisebericht „Allein unter Deutschen“ begab sich Tuvia Tenenbom auf Entdeckungsreise durch Deutschland. Er war auf der Suche nach der „deutschen Identität“. Seine Motivation war: „Wie ist es um den Nationalstolz der Deutschen bestimmt? Wie gehen Sie mit der deutschen Vergangenheit, wie mit dem Antisemitismus um? Wie reflektiert und kritisch sind sie dabei?“

Tuvia Tenenbom musste Gitti Schwantes einfach interviewen, denn wer glaubt, den Weltfrieden und Liebe zwischen den Religionen durch einen Rosengarten neben einer Moschee stiften zu können, ist in diesem Zusammenhang Gold! Tuvia ging also zu Gitti und hatte eine einfache Frage:

„Können sich Juden, Christen und Muslime nicht einfach in einem türkischen Restaurant begegnen? Ich habe sie selbst ausprobiert. Gehen Juden und Christen in diese Restaurants?“

Auf diese Frage soll Gitti Schwantes mit einem „Nein“ geantwortet haben und so stand es auch in dem Buch. Gitti Schwantes aber bestritt dieses „Nein“. Daher ist es im Kapitel 18 geschwärzt. Nicht geschwärzt ist diese Geschichte: Tuvia Tennbom besucht Hamiyet, eine muslimische Freundin von Gittis Rosengartens. Gitti, Hamiyet und Tuvia saßen an einem großen Tisch in der Küche, aßen und redeten. Im Verlauf des Gesprächs sagte Hamiyet so nette Sachen wie: „Die Juden haben Jesus getötet“ und „Jesus war kein Jude. Keiner der Propheten war Jude.“ Zudem behauptete sie, der Koran sage, die Juden stiften Unruhe und sind Kriegstreiber. Gitti Schwantes saß daneben und hörte alles mit an.

Das sind also die netten Frauen, die in Gittis Garten Rosen schnüffeln und Juden gern haben sollen. Tuvia Tenenbom schreibt: „Und da ist Gitti, die für Frieden und Liebe ist, vorausgesetzt der Jude bleibt draußen.“

Ein Gesprächsabschnitt zwischen Tenenbom und Schwantes ist in diesem Zusammenhang besonders aufschlussreich. Ich gebe ihn verkürzt wieder:

Tenenbom: „Würden Sie gerne in einen Rosengarten neben einem NPD-Büro gehen?“

Schwantes: „Nein!“

Tenenbom: „Warum sollten dann Menschen, die von Muslimen gehasst werden, in ihrem Garten kommen?“

Schwantes: „Ich weiß es nicht.“

Tenenbom: „Vielleicht sollte man das ganze einfach abblasen?“

Schwantes: „Dafür ist es zu spät.“

Tenenbom: „Warum?“

Schwantes: „Was soll ich sagen – dass ein Mann zu zu mir kam und mir Fragen stellte, die ich nicht beantworten konnte? Wie beschämend!“

Tenenbom fragt, ob sie religiös sei. Sie sagt: „Nein.“ Er fragt, ob sie an die Emanzipation der Frauen glaube. Sie sagt: „Natürlich!“ Er fragt, warum sie dann eine religiöse Einrichtung unterstütze, die an einen Gott glaubt, an den sie nicht glaubt, die aber glaubt, Frauen müssen einen Hijab tragen. Sie sagt, Islam bedeute Frieden, das habe ihr ein Moslem gesagt. Tenenbom sagt, Islam bedeute Unterwerfung unter Allah und liegt damit deutlich näher an der Wahrheit. Gitti Schwantes aber bleibt dabei: „Ich möchte an den Frieden glauben!“ Gitti und Hamiyet. Zwei Typen. Tuvia Tenenbom beschreibt sie in seinem Buch wie folgt:

„Ich habe nicht wenige Menschen wie Gitti kennengelernt: weiße, intellektuelle Aktivisten, die sich für Freiheit und Frieden einsetzen und aus irgendeinem Grund islamische Institutionen unterstützen, die das genaue Gegenteil von dem predigen, woran sie selbst glauben (…) Ich traf auf Stolz unter den Türken, großen Stolz, aber auch auf viel Hass. Ich bewundere ihr Rückgrat, ihre Leidenschaft, ihr Engagement und ihre Herzenswärme. Ihr unsinniger Hass aber, ihre grenzenlose Judenverhöhnung und die Leichtigkeit, mit der ihre Gemeinschaft sich dem Fanatismus an den Hals wirft, widert mich an. Tut mir leid.

Und dann sind da noch die Deutschen. Was sie beschützen, ist nicht der Koran oder der Islam, da sie von beidem keine Ahnung haben, sondern die Art von Islam, die in ihrer Gesellschaft vorherrscht. Hier sind Deutsche, die die Schande, die Judenmörder von gestern zu sein, dadurch auslöschen wollen, dass sie sich mit den Judenhassern von heute zusammen tun. Diese Deutschen haben kein Rückgrat, keinen Stolz, keine Ahnung und nur sehr wenig Menschlichkeit. Tausendmal am Tag sagen sie „peace and love“, ohne es wirklich zu meinen. Mit zwei Fingern machen Sie das Friedenszeichen, ihre Herzen aber singen ‚Sieg Heil‘.“

Diese Beschreibung wollte Gitti nicht auf sich sitzen lassen. Ein weiterer Grund, warum sich die streitenden Parteien am 4 November 2014 im Raum 222 im Landgericht Köln trafen. Während der Verhandlung erbat sich Gitti Schwantes das Wort und stellte eine Frage direkt an Tuvia Tenenbom: „Meinen Sie, ich bin eine Antisemitin?“ Die Antwort kam direkt: „Sadly, yes!“ Er fügte hinzu: „Sie sind kein schlechter Mensch. Sie sind nicht böse, aber alles was sie sagen, wie sie sich verhalten, wie sie alles Böse entschuldigen, was über Juden gesagt wird, zeigt mir, dass sie antisemitisch sind.“

Geknickt lehnte sich Gitti Schwantes auf ihrem Stuhl zurück. Das Buch „Allein unter Deutschen“ lag vor ihr, die Blätter vergilbt und mit diversen Notizzettel versehen. Sie schien das Buch wie die Bibel zu behandeln und tatsächlich wirkte die Verhandlung ein bisschen so, als sei Gitti Schwantes nur gekommen, um Absolution zu erhalten. Die Christin wollte vom Juden hören, dass sie keine Antisemitin ist. Gitti konnte einem fast ein wenig leid tun, denn Absolution bekam sie an diesem Nachmittag nicht. Stattdessen erhielt sie diesen Rat von Tuvia Tenenbom: „Warum lassen sie nicht einfach los? Für mich ist dies schon längst eine vergangene Geschichte.“

Gitti Schwantes konnte aber nicht loslassen. Erst musste noch das Herzstück der Verhandlung geklärt werden: die Trinkgewohnheiten des Duisburger Imams.

In seinem Buch beschrieb Tuvia Tenenbom, wie er den Imam der Duisburger Merkez-Moschee vor dem Rosengarten mit den judenfeindlichen Äußerungen des Gemeindemitglieds Hamiyet konfrontierte. Der Imam sagte, er verurteile zwar uneingeschränkt jegliche Form des Antisemitismus, aber auf einen bloßen Verdacht hin könne er nichts unternehmen. Tuvia Tenenbom zeigte daraufhin auf Gitti Schwantes, die sich im Rosengarten befand, um sie als Zeugin anzuführen und fragte: „Kennen Sie sie?“ Der Imam, so stand es bis vor kurzem in der deutschen Ausgabe des Buchs, brach daraufhin sofort das Gespräch ab und sagte: „Ich muss jetzt gehen.“ Es sind die folgenden Worte im Buch, die Gitti Schwantes Hauptgrund zur Klage sind:

„Gitti, die stets wachsame Moscheeapologetin, sieht dies voll Kummer. Und doch braucht sie keine Minute, um mit einer weiteren Theorie aufzuwarten: „Vielleicht“, sagt sie, „ist der Imam betrunken. Er hat kein Wort von dem gemeint, was er sagte. Er hat einfach ein Bier über den Durst getrunken.“

Diese Worte sorgten dafür, dass Gitti Schwantes nicht mehr ruhig schlafen konnte und ihr Anwalt erklärte mir am 22. Januar 2014 auch warum:

„Mal nur angenommen, meine Mandantin hätte wirklich gesagt, der Imam habe ein Bier über den Durst getrunken, dann hätte sie damit einen Imam beleidigt, weil sie behauptet hat, er würde Bier trinken. Das ist eine sehr grobe Beleidigung im Islam. Tuvia Tenenbom hätte das niemals schreiben dürfen. Er bringt damit meine Mandantin in Gefahr.“

Gitti Schwantes hatte somit Angst, weil sie glaubte, ihre vermeintlich getätigt Aussage, der Imam hätte ein Bier über den Durst getrunken, könne einige Muslime so erzürnen, dass sie zur Gewalt greifen. Was für ein Bild hat Gitti Schwantes vom Islam? In ihrer Welt sind Muslime aber verdammt schnell mit Gewalt an der Hand. Ist Gitti etwa islamophob? Hat sie den Garten vielleicht nur gegründet, um die wilden Muslime ihrer Phantasie zu zähmen? Selbst wenn die Muslime so wären, wie Gitti Schwantes es befürchtet, was kann Tuvia Tenenbom dafür? Wenn sie wirklich Angst hat, sie könne von Muslimen bedroht werden, nur weil sie vielleicht gesagt hat, der Imam von Duisburg hat wohl ein Bier über den Durst getrunken, dann sollte sie sich lieber mit der muslimischen Gemeinde auseinandersetzen, statt den Suhrkamp Verlag zu verklagen.

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Aber das Kölner Landgericht gab ihr Recht und verbat einem Juden aus New York zu sagen, eine feministische Christin aus Deutschland habe gesagt, ein Moslem aus Duisburg trinke Bier!

Als die Zeugenaussage von Tuvia Tenenbom zu Ende war, verließ ich mit ihm den Gerichtssaal. Draußen wartete ein Mitglied der muslimischen Gemeinde, das ebenfalls geladen war, die Sache mit dem Bier und dem Imam zu klären. Tuvia ging auf den jungen Mann zu, gab ihm die Hand und sprach:

„Du Schmock! Weißt Du warum wir hier sind?“ Er zuckte mit den Achseln: „Der einzige Grund, warum wir hier sind, ist, dass Gitti Angst hat, Du und Deine Freunde könnten sie umbringen, weil sie gesagt hat, der Imam hätte ein Glas über den Durst getrunken.“

Beide schauten sich an, fassungslos. Im traurigen Monat November war’s.

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