Die Süddeutsche tobt, rast und wütet

Nur ein paar Stunden, nachdem Hamed Abdel-Samad verschwunden war, schrieb die Süddeutsche Zeitung, er habe den Hass provoziert und somit gezielt durch sein eigenes Verhalten hervorgerufen. Als wäre das nicht schon geschmacklos genug, schreibt die Süddeutsche Zeitung nun auch noch dies:

„Abdel-Samad ist der Fall eines Konvertiten, der das, wofür er einst sterben wollte, nun mit demselben heiligen Furor bekämpft.“

Als junger Mann kam Hamed Abdel-Samad nach Deutschland. Damals war er nicht nur streng gläubiger Muslim, er war auch überzeugter Antisemit. Eine Zeit lang wollte er sogar als Märtyrer sterben. In Deutschland studierte er Englisch, Französisch, Japanisch und Politik, nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an und rang sich seinen Judenhass und „alles, was mich verseuchte“ ab. Er saß in der Islamkonferenz, lehrte und forschte am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München, schrieb Bücher wie „Der Untergang der islamischen Welt“ und war neben Henryk M. Broder Protagonist in der beißend komischen Sendung „Die Deutschland-Safaria“, die den Humor im deutschen Fernsehen revolutionierte.

Wenn Hamed Abdel-Samad heute gefragt wird, was er von Deutschland gelernt hat, sagt er für gewöhnlich dies: „Vor allem das systematische kritische Denken.“ Heute schreibt er so brillante Gedanken wie diesen:

„Ein Muslim glaubt, dass Gott ihn beschützt. Ein Islamist glaubt, er müsse Gott beschützen.“

Für die Süddeutsche Zeitung ist all das genau der „heilige Furor“, den auch Islamisten zeigen. Kritisches Denken, freies Forschen ohne religiöse Zwänge, der Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, für mich sind das Grundrechte. Für die Süddeutsche Zeitung jedoch stehen all diese Prinzipien auf einer Stufe mit islamistischen Fundamentalisten und es ist ein „heiliger Furor“, wenn sie verteidigt werden. Grundgesetz und Sharia, für die Süddeutsche Zeitung nichts weiter als die zwei Seiten ein und derselben Medaille. Solche Aussagen erwarte ich eigentlich von tief anti-aufklärerischen Postillen, die mal braun, mal rot, aber immer gegen die Moderne gerichtet sind.

Jetzt finden sich solche Aussagen auch in der Süddeutsche Zeitung, die das volle ihr vom Grundgesetz garantierte Recht hat, solche kruden Behauptungen aufzustellen; allerdings habe auch ich das Recht darauf zu reagieren, und ich mache dies mit einem einzigen langen Satz:

Eine Zeitung, die bereits ein paar Stunden, nachdem ein Schriftsteller, der mit einer Fatwa belegt wurde, die in der arabischen Welt übers Fernsehen und Internet verbreitet wurde, vermisst wird und eine Entführung nicht ausgeschlossen werden kann, statt Empathie zu zeigen, nichts Besseres zu tun hat, als darüber zu fabulieren, dass der Vermisste den Hass gegen sich selbst provoziert und somit gezielt hervorgerufen hat, weil sein Leben im kritischen Denken und seine Verteidigung des Grundgesetzes angeblich nichts weiter seien als ein „heiliger Furor“, wie ihn Islamisten zeigen, wenn eine Zeitung behauptet, ein Dozent der Universität München, der ein Buch schreibt, in dem er den Islamismus kritisiert, rase, tobe und wüte, denn nichts anderes heißt Furor, ebenso wie ein streng gläubiger, antisemitischer Islamist, der Märtyrer werden will, dann ist genau diese Zeitung dem Furor deutlich näher als Hamed Abdel-Samad!

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