Stolpern auf der Demnig Chaussee

Auf die Frage, ob Gunter Demnig die Kritik an seiner Kunstaktion „Stolpersteine“ verstehen könne, hat er erklärt, Charlotte Knobloch verharmlose den Holocaust und verhöhne die Opfer!

„Ja, ich kenne es ja von München. Es war damals die Charlotte Knobloch als Präsidentin des Zentralrats der Juden noch, ich meine, ich kann es nicht verstehen, finde es unsäglich, denn wenn gesagt wird, man trampelt auf den Menschen rum, wie damals die Nazis auf den Menschen rumgetrampelt haben, dann ist das Verharmlosung. Und im Grunde kann man sagen, werden die Opfer damit verhöhnt. Denn die Nazis haben sich nicht begnügt mit Rumtrampeln. Die Nazis hatten ein ganz gezieltes Mord-, sie hatten ein Vernichtungsprogramm, das war geplant für elf Millionen Juden und für alle, die nicht ins System passten.“

Was fällt der Knobloch eigentlich ein, noch zu leben und die „Stolpersteine“ zu kritisieren? Wäre sie von den Nazis ermordet worden, dann hätte Demnig heute kein Problem mit ihr! Er täte ihr einen Stein verlegen und ein paar Euro einstreichen.

Dabei fing für Gunter Demnig alles so unproblematisch an. Charlotte Knobloch wurde von ihrer Großmutter Albertine Neuland erzogen. Sie wurde 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. Eigentlich hätte auch Charlotte Knobloch vernichtete werden sollen, aber die ehemalige Hausangestellte ihres Onkels, Kreszentia Hummel, rettete sie vor dem Holocaust. Pech für Demnig!

Hummel brachte das Mädchen Charlotte zum Bauernhof ihrer katholischen Familie in das mittelfränkische Arberg und gab es als eigenes uneheliches Kind aus. In Arberg blieb Charlotte für vier Jahre. 1945 kehrte sie mit ihrem Vater nach München zurück.

Dort lebt sie nun und macht Gunter Demnig das Leben schwer. Also tote Juden machen weniger Ärger! 

Und sie bringen mehr Geld! Bei 50.000 bisher verlegten „Stolpersteinen“ zu je 120,- Euro sprechen wir von guten 6 Millionen Euro. Was für eine Zahl! Da hat sich der Holocaust richtig gelohnt. Glückwunsch Gunter!

Gunter Demnig ist ein Vergangenheitsbewältiger wie er im Buche steht. Er setzt sich mit der Vergangenheit auseinander. Jedes Jahr ein wenig mehr. Hier sitzt er und ganz weit von ihm auseinander, irgendwo schön weit weg, die dunkle böse Vergangenheit. Demnig verlegt „Stolpersteine“. So macht Vergangenheitsbewältigung Spaß. Vergangenheitsbewältigung ist sein Metier und der USP für Deutschland!

Wie dramatisch sähen wohl die Arbeitslosenzahlen in Deutschland aus, wenn es all die Arbeitsplätze in den Lern-, Gedenk- und Dokumenationsstätten, in den Holocaustforschungsinstituten und Universitäten der Antisemitismusforschung nicht geben würde. Die Stadt Berlin wäre um eines ihrer beliebtesten Sehenswürdigkeiten ärmer. Es gäbe, welch Gräuel, kein Holocaust Mahnmal, von dem Altkanzler Gerhard Schröder einst sagte, es sei ein Ort, „wo man gerne hingeht“. Der Historiker Eberhard Jäckel brachte es sogar fertig, zu sagen: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“

Ohne Holocaust hätte das ehemalige Waffen-SS-Mitglied Günter Grass niemals „Die Blechtrommel“ geschrieben und somit vermutlich auch nie den Nobelpreis für Literatur erhalten. Ohne Holocaust hätte Volker Schlöndorff niemals „Die Blechtrommel“ verfilmen können und daher nie den Oscar für diesen Film erhalten. So gut wie alle Oscars für den deutschsprachigen Raum sind Resultate der Vergangenheitsbewältigung: Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“, Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ und Christoph Waltz Oscar für die Rolle eines Nazis. Ohne Holocaust gäbe es beim ZDF immer noch genug Sendeplatz für das Testbild.

Ohne Holcaust gäbe es keine „Stolpersteine“. Die deutschen Straßen wären um eine Attraktion ärmer und Gunter Demnig um einige Euro. Das kann ja niemand wollen!

Dieser Beitrag wurde unter Deutschland veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

63 Antworten zu Stolpern auf der Demnig Chaussee

  1. yoyojon schreibt:

    Manchmal geht es mir so: Ich sehe die Argumente und ich sehe die Gegenargumente. Die Argumente treffen weithin zu, die Gegenargumente auch. Was nun? Ach… ich lasse die einfach mal alle weg. Und ich gehe eine Straße entlang und sehe die Stolpersteine. Dann denke ich, dass es doch gut ist, dass sie da sind, auch wenn ich den Eindruck habe, dass sie von der großen Mehrheit der Passanten übersehen werden und dass die große Mehrheit der Passanten nur etwas Negatives zu sagen hätte, würden sie die Steine nicht übersehen. Dann komme ich an einen Ort, an dem früher Juden wohnten. Keine Stolpersteine. „Schade“, denke ich.
    „Wäre doch schön, wenn an diese Familie auch erinnert würde. So weiß kein Mensch, dass sie einmal hier wohnten!“. Das stimmt mich eher traurig. Und da mache ich mir keine großen Gedanken über die ganzen Argumente. Und in dieser Stadt ist nicht einmal ein Schild an dem Haus, in dem früher eine kleine Synagoge war. Auch traurig. „Und jetzt kommst Du…“, wie man so sagt.

  2. O.Paul schreibt:

    Dieser sogenannte Künstler ist ein Erpresser. Wer gegen seine Blechschildchen ist, muss sich dazu positionieren- ob er will oder nicht. Sonst Nazi- und das will ja auch keiner.

    Das ist wie in einer Diktatur: Wer nicht mit uns, ist gegen uns. Ein dazwischen wird nicht akzeptiert.

  3. Eckart Arns schreibt:

    Mal ganz abgesehen davon, dass ich den Tenor des Artikels unerträglich finde: Die Stolpersteine kosten 120 Euro. Das sind, natürlich unabsichtlich, 25% Überhöhung. Aber warum auch korrekt recherchieren, wenn es denn darum geht, jemand reich zu rechnen…

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Dann also 50.000 Steine zu 120,- Euro macht 6 Millionen. Was für eine Zahl!

      • Eckart Arns schreibt:

        Wir sind schon längst bei 60.000 Steinen und es werden täglich mehr. Gunter Demnach geht es nicht darum, reich zu werden. Das Finanzamt kassiert kräftig mit, die Kosten der Verlegungen in ganz Europa kann sich auch jeder vorstellen. Dieses Projekt ist und bleibt das großartigste unter allen Gedenkprojekten, weil es unangenehm ist: Es bringt den Horror der Shoah dorthin, wo er angefangen hat. Es zeigt uns heute lebenden, dass Menschen aus unserer Mitte gerissen und ermordet wurden, Familien zerstört wurden, und all das geschah mit unserem Wissen. Wenn hier auf Gunter Demnig herumgetrampelt wird, dann kotzt mich das an. Das missfällt mir an diesem Artikel: Das absichtliche Missverstehen und die absichtliche Überinterpretation. Frau Knobloch kann gerne auf Stolpersteine für sich und ihre Familie verzichten, sie soll aber andere nicht daran hindern, auf ihre eigene Weise zu erinnern. Hört doch endlich auf, auf Gunter zu schimpfen und macht es besser!

        • Dante schreibt:

          Herr Demnig wird hier nicht hauptsächlich dafür kritisiert, dass er die Stolpersteine gemacht hat und gar Geld damit verdient, sondern dafür, dass er Frau Knobloch vorgeworfen hat, die Opfer zu verhöhnen. Das geht zu weit, wenngleich deren Äußerung ebenfalls angreifbar ist (auf Steinen mit jemandes Namen herumzutrampeln ist natürlich nicht dasselbe wie den Betreffenden umzubringen).

    • Dante schreibt:

      Was genau finden Sie an diesem Artikel unerträglich?

  4. Dante schreibt:

    Hielt ich die Stolpersteine anfangs für eine gute Idee, so habe ich inzwischen eine nicht gleich ablehnende, wohl aber skeptische Einstellung bekommen. Vor allem halte ich nichts von so etwas wie einem Stolz auf unsere Erinnerungskultur. Die Opfer nicht totzuschweigen, sollte einfach eine Selbstverständlichkeit sein und nicht etwas, worauf man noch besonders stolz zu sein Grund hätte.

    Weshalb so etwas wie Stolz noch weniger angebracht ist: In mehreren Sendungen, wo die Anschläge in Paris und Kopenhagen durch Islamisten thematisiert wurde, war nur von Charlie Hebdo und einen Mohammed- Karikaturisten die Rede – kein Wort vom HyperCacher oder von der Bat Mizwa – Feier!

    • A.S. schreibt:

      Vor allem sollte das Erinnern einen nicht immer und überall hin verfolgen. Was wird man damit erreichen? Vmtl. das Gegenteil. Irgendwann werden Menschen sich anfangen zu fragen was sie denn persönlich damit zu tun haben. Und dann kommen langsam „unanständige“ Gedanken auf. Zuerst unterdrückt man die noch, aber irgendwann werden die als normal empfunden und die Stimmung kippt. Dann wird das Erinnern nicht mehr als Ermahnung gesehen sondern als Störung. Derartiges kann man ja schon häufig beobachten.

      • Dante schreibt:

        Das ist für mich nun gerade nicht das Argument. Die Stolpersteine erinnern an die Ermordeten, und zwar an den Orten, wo sie zuletzt gewohnt haben, bevor sie deportiert wurden. Sie werfen aber niemandem persönlich vor, der Mörder des jeweils zu sein. Wer sich den Schuh anzieht, dem passt er, so sehe ich das.

        • A.S. schreibt:

          Ist richtig was du schreibst, trotzdem muss man die Wirkung berücksichtigen.
          Das Thema ist auf der Meta-Ebene irgendwie dauerpräsent (warum auch immer) und dass muss in die Planungen einfließen. Entscheidend ist, ob der Schuss nach vorn oder hinten losgeht, und nicht dass die Leute zu blöde sind um den Schuss in die richtige Richtung fliegen zu lassen.

  5. Miriam Kranz schreibt:

    Dem Vorredner „unbesorgt“ kann man nur besorgt zustimmen. Interessant, dass Frau Knobloch mit dieser Art des Gedenkens auch ihre Probleme hat. Als ich davon hörte, erfasste mich auch sofort Unbehagen, ich hab ja schon Probleme bei Bodenwerbung in U-Bahnhöfen, wenn Gesichter drauf abgebildet sind, denen ich immer unwillkürlich ausweiche, denn ich trete nicht gerne auf Menschen. Und so triftiger ist es mit den Namen real Ermordeter, auf die man „aus Versehen“ treten könnte. Warum kann man keine Schilder aufstellen oder Hausplaketten. Daher gut und erhellend, was Gerd Buumann über den Erfinder dieser bedenklichen Gedenkart herausgefunden hat, was alles und insbesondere das Stumpfe erklärt.

  6. unbesorgt schreibt:

    Mit toten Juden haben’s die erinnerungsbesoffenen Deutschen seit einigen Jahren aber wirklich! Die lebenden verprügeln sie aber schon mal gern auf offener Straße oder verkaufen sie in Verhandlungen mit den iranischen Mullas für ein paar Liter Öl – israelische Juden sind ja dazu noch Ausländer, da drückt man gern mal ein Auge zu.
    Ich will gar nicht beurteilen, ob die Stolpersteine eine passende Art der Erinnerung darstellen oder ob man vielleicht überspitzt sagen könnte, dass es nur eine modernere Art ist, auf den Opfern der Shoah herum zu trampeln. Ich behaupte aber, es ist eine scheinheilige Art, gegen Antisemitismus zu appellieren. Wir hätten weiß Gott viele Chancen, Israel und die Israelis in ihrem täglichen Überlebenskampf zu unterstützen – stattdessen unterstützen wir die UNRWA, die Fatah und die Hamas und holen uns zu tausenden ausgerechnet die Menschen ins Land, die uns in Sachen Antisemitismus noch um Längen schlagen können. Stolpersteine, pah! Auf die Fresse werden wir uns legen, wenn wir so weiter machen!

    • Eitan Einoch schreibt:

      Keine Sorge! Sobald Israel vernichtet ist, wird sich schon eine NGO finden, die ein paar Stolpersteine im befreiten Palästina verlegt, auf denen die Araber herumtrampeln können.

  7. abusheitan schreibt:

    „Tante Charlie“ Knobloch lässt lieber auf der Kölner Domplatte illegale Stolpersteine verlegen und empört sich, wenn diese entfernt werden sollen.

  8. Kanalratte schreibt:

    In diesem Land gibt es den Glauben, man könnte aus der Geschichte lernen, indem man Denkmäler errichtet und Kränze niederlegt. Das Stelenfeld in Berlin ist unehrlich und peinlich, wenn man heute für jüdische Symbole in Deutschland angespuckt wird und Menschen glauben, die Juden hätten uns den ganzen Erinnerungszwang aufdokriniert.

    (Ich war noch nicht dort, aber als jemand der sich gut mit dem Holocaust auskennt, ist es sehr schwer solch eine künstliche Stätte zu besuchen, und die ahnungslosen Betroffenheitstouristen, samt den Antisemiten drumherum, ansehen zu müssen. Da würde ich lieber ein Museum oder ein Konzentrationslager besuchen)

    Das Holocaustmahnmal ist grundlose Entschuldungskultur von Nichtjuden für Nichtjuden, und keine ehrliche Auseinandersetzung für Geschichtsinteressierte wie das Washingtoner Holocaust Memorial Museum.

    Dieser Erinnerungswahnsinn (a la „Du musst jetzt traurig sein!“) tut weder uns Deutschen, noch dem Image der Juden gut.

  9. bruriah schreibt:

    Ich gebe zu – zu Beginn fand ich die Idee der Stolpersteine auch nicht schlecht. Den Blick senken, sehen, und daran denken, dass dort einst Menschen lebten, denen man alles Mensch-Sein abgesprochen hatte.
    Dann wurden die ersten „Steine“ verlegt und innert kürzester Zeit waren sie kaum noch vom normalen Pflaster zu unterscheiden. Straßenschmutz, Laub, Hundekot …. kaum dass man die Inschriften noch sah. Und so laufen die Menschen darüber hinweg, treten die Namen mit Füßen, manche völlig unabsichtlich, manche mit voller Absicht. Kleine Kinder machen sich einen Spaß daraus, in Straßen, deren Gehweg voller Stolpersteinen war, von einem zum nächsten zu hüpfen. Hin und wieder finden sich Menschen, die die Steine ihrer Straße reinigten und sie wieder sichtbar machten, aber es geschieht selten – zu selten.
    Zu sehen, wie achtlos die Menschen darüber hinweg liefen und laufen, schmerzt. Niemand, wirklich niemand schaut herab, kaum jemand macht einen längeren Schritt, um nicht darauf zu treten.
    Als Freunde von mir aus Canada für ihre verschleppte und ermordete Verwandtschaft ebenfalls an ein solches „Gedenken“ dachten, schilderte ich ihnen, was aus diesen Steinen werden würde. Sie wollten es mir nicht glauben. So zog ich los und fotografierte nur die Steine in der Straße, in der ich damals lebte. Aus Augenhöhe, so wie man sie tatsächlich sieht – ohne bewußt darauf zu achten. Damit war das Thema durch.
    Ich weiß nicht, ob Herr Demmig sich jemals darüber Gedanken gemacht hat, was mit den Stolpersteinen geschieht, nachdem sie verlegt wurden. Ich weiß nicht, ob Herr Demmig jemals an die Stellen zurückkehrt, an denen er gearbeitet hat. Wenn ja, müsste er schon allein aus Respekt vor der eigenen Arbeit längst eingestellt haben.
    Dass „wir“ keine Erinnerung brauchen, ist wohl jedem klar denkenden Menschen klar. Dass die „anderen“ nicht erinnert werden möchten, zumindest nicht tagtäglich, scheint damit bewiesen. Und so „sterben“ die Verschleppten und Ermordeten ein weiteres Mal.

    • sandra schreibt:

      wunderbar formuliert, danke! Würdest Du das vielleicht hier auch noch mal posten? https://www.facebook.com/wortfront/posts/10207517991854683

      • bruriah schreibt:

        @ sandra: würde ich …. aber ich bin nicht bei Facebook, und habe auch nicht vor, mich dort zu tummeln.
        Den Text stelle ich aber gerne frei zur Verfügung, komplett oder in Ausschnitten. Nur zu.

    • Kanalratte schreibt:

      Obwohl ich gerne auch mal Dokumentationen über die Nazizeit sehe, muss ich sagen, dass wir damit im Fernsehen regelrecht bombardiert werden. Es ist gut nachzuvollziehen, dass dieses Aufdokrinieren sehr viele Deutsche nervt und dies Ressentiments gegen Juden bzw. Israel und andere Dinge stärkt. So ähnlich ist das auch mit der restlichen überflüssigen Erinnerungskultur, die meiner Meinung nach Ausdruck des deutschen Toleranzwahns ist.

      Es ist unfair ständig für etwas verurteilt zu werden (unter Zwang) bei dem man gar nicht anwesend war. Der ständige Naziverdacht ist ein sehr schweres Kapitel für die heutige deutsche Bevölkerung. Hätte man (gemeint ist der deutsche Umgang mit der Geschichte) wirklich aus der Geschichte gelernt, würde man heute keine 65 Millionen Deutsche auf Verdacht kriminalisieren. Letztlich muss dann leider wieder der Jude oder Israel für einen deutschen Wahn als vermeintlicher Urheber herhalten.

      Israel ist der falscher Adressat für den Schmerz den die linke Toleranzkultur bei der Deutschen Bevölkerung hinterlässt. Ich war überrascht wieviel Verständnis ich hierfür gerade von Juden bekam. Die meisten Juden blicken mit scharfem Verstand auf dieses Land und haben viel Emphathie für das deutsche Befinden.

  10. Thies Thiessen schreibt:

    An der Tatsache des Holocaust komme ich als Deutscher nicht vorbei. Insofern ist der Sarkasmus Ihrer Schlusssätze billig. Der Monumentalismus des Berliner Denkmals ist – da gebe ich ihnen Recht – überflüssig, das Ergebnis ist hübsch und egal. Die Stolpersteine hingegen geben den Opfern des Holocaust Namen und Gesichter, und das gerade, weil sie nicht als Denkmal/Roman/Film etc. daherkommen, sondern da liegen, wo es für den Einzelnen anfing aufzuhören.
    Ganz unabhängig davon, ob und wieviel der Künstler daran verdient. In der gleichen Weise, wie Sie ihm Geldgier zuschreiben – polemisch und beleidigend – könnte ich Ihnen Publicitygeilheit und Neid unterstellen.
    Oder?

    • sandra schreibt:

      Namen und Gesichter. Ja, klar…. Das Gesicht eines beschmierten oder abgetretenen oder fleckigen oder bepissten Goldsteins. Na, toll. http://derstandard.at/1381369063738/Stolpersteine-in-Salzburg-mit-Teer-beschmiert-Taeter-noch-nicht-ausgeforscht (Nur ein Beispiel…)

      • Dante schreibt:

        Ist es eigentlich strafbar, Grabsteine zu beschädigen oder Gräber zu verwüsten? Wenn ja, könnte (und sollte) dasselbe Gesetz auf Diebstahl oder Beschädigung von Stolpersteinen angewandt werden, da sie ja an die betreffenden Personen erinnern sollen. Da es sich um Ermordete handelt und der Täter sich somit mit der Ermordung solidarisiert, ist es angebracht, die obere Kante des Strafrahmens anzuwenden.
        Dies gilt ungeachtet der Frage, ob man die Stolpersteine selbst für eine vernünftige Sache hält oder nicht. Man kann such schließlich, etwa aus reformierter Tradition, gegen Grabsteine sein und dennoch die absichtliche Beschädigung von Grabsteinen verwerflich finden, man kann sogar als Gegner von Götterbildern die Zerstörung derselben als Kulturbarbarei betrachten.
        Die moralische Dimension in diesem Fall geht über so etwas wie Kulturbarbarei hinaus und erinnert an die stalinistische Praxis, Menschen, die das Regime zu Volksfeinden erklärt hatte, zu Unpersonen zu erklären und ihr Andenken auch noch über den Tod hinaus zu (zer)stören. Man sollte diese Leute also als „Bolschewiken“ bezeichnen, das ärgert sie zweifellos mehr als die Bezeichnung „Nazis“.

  11. martin silenus schreibt:

    Ob Herr Demnig damit reich wird weiß ich nicht, aber bisher fand ich die Idee mit den Stolpersteinen nicht schlecht.Immerhin geht es dabei nicht um das herum trampeln auf den Namen ermordeter Juden, sondern um das darüber stolpern. Aber ich muss ja auch nicht IMMER mit Gerd einer Meinung sein 🙂
    Lieber Gerd, auch wenn ich dir sonst fast immer Recht gebe, heute mal ausnahmsweise nicht.

  12. anti3anti schreibt:

    In der Eifel werden Stolpersteine ohne jüdische Angehörige versenkt. Manchmal kommen die christlichen Nachkommen aus Übersee, um zu erfahren, dass der deutsche Vorfahre ein Jude gewesen ist. Die Nachkommen kommen nach Deutschland voller Hoffnung und verlassen das Land leer.
    Stolpersteine sind für die Nachkommen der Täter da. Juden sollten sich aus dieser fremden Welt heraushalten.

    • Dante schreibt:

      Stolpersteine sind für die Nachkommen der Täter da. Juden sollten sich aus dieser fremden Welt heraushalten.

      Dem letzten Satz widerspreche ich. Dem ersten Satz stimme ich zu, freilich nicht in dem Sinne, dass sich die Nachkommen der Täter (und ihrer Landsleute) etwa daran „erfreuen“ sollten, etwa nach dem Motto „ach wie toll wir doch unsere Vergangenheit bewältigen“, sondern als Mahnmal im wahrsten Sinne des Wortes, nach dem Motto: „Seht, der Holokaust fand nicht irgendwo statt, sondern da, wo ihr jetzt steht. Da, in eurem Haus, nahm er seinen Ausgang, denn hier wohnten Juden und hier wurden sie weggeholt. Und heute werden wieder Menschen ermordet oder misshandelt, weil sie Juden waren/sind.“

  13. sandra schreibt:

    Wenn man für die Opfer Schilder an die Häuser anbringen könnte, wäre es in zweierlei Hinsicht deutlich klüger: a.) keiner trampelt auf ihren Namen herum, kein Hund pisst sie an, und
    b.) die vielen Hausbesitzer, die sich gegen derlei Schilder mit den krudesten Argumenten verwehren würden öffentlicher, es gäbe eine Diskussion und ein Wissen darum, wie viele immer noch so denken… aber es wäre mehr Arbeit und weniger Geld für Herrn D – und nicht ganz so wohlfeile Erinnerungsindustrie sondern tatsächliche Trauerarbeit…

    • Couponschneider schreibt:

      Rechtlich wäre es schwieriger. Sie sprechen von „Hausbesitzern“, meinen wahrscheinlich Hauseigentümer. Ich muss Ihnen gestehen: Ich kann mich auch mit Schildern an Häusern wenig anfreunden. Und jetzt mal ganz ehrlich: Wer will täglich daran erinnert werden, dass ihm ein Haus gehört, das auf widerrechtlichen Weg in das Eigentum der eigenen Familie gelangte? Plötzlich ist man auch unter Rechtfertigungsdruck, als wenn der Opa höchstpersönlich die Juden rausschmiss, aber es kann ja auch ganz anders gewesen sein, beispielsweise wurde die Wohnung Flüchtlingen aus Ostpreußen oder Schlesien zugeteilt und wurde dann nach vielen Jahren gekauft. Und dann fängt die schamhafte Aufrechnung an: „Wir haben auch gelitten.“

      Auch die Juden möchten nicht ständig an die Shoa erinnert werden, weil es in der Natur des Menschen liegt, das vergangene Leid zu verdrängen. Vad Yashem, dem Holocaust-Mahnmal oder ehemaligen Konzentrationslagern kann man wenigstens noch aus dem Weg gehen. Aber Stolpersteinen? Oder Schildern an Häusern?

      Anstatt einem Erinnerungswahn zu frönen, sollten wir uns die Gegenwart anschauen. Israel ist von feindlichen Nationen umringt. Deren erklärtes Ziel ist nicht nur eine Welt ohne Israel, sondern eine ohne Juden. Wenn wir Stolpersteine in die Gehwege einlassen oder für Millionen ein Holocaust-Mahnmal bauen, hilft das lebenden Juden nicht, die gegenwärtig bedroht werden.

      • sandra schreibt:

        Erstens ist es nicht die Frage: Entweder oder. Man kann für Schilder sein, für Erinnerungskultur UND dafür, den Gedanken der Unterstützung auch für „den Juden unter den Staaten“ weiterzutragen. Zweitens: Mir ist nicht bewusst, dass es einen Unterschied zwischen Hausbesitzer und Hauseigentümer gibt – und bei den meisten Häusern, wo Stolpersteine angebracht werden, geht es nicht um das Haus sondern darum, dass in einer der WOHNUNGEN dieses Hauses Juden gewohnt haben. Genau das hielte ich aber für eine wichtige und sinnvolle Diskussion: Wem ist es warum unangenehm, daran erinnert zu werden, dass einstens hier Juden wohnten? Genau das würde etwas anstossen, und zwar eine ECHTE Diskussion um HEUTIGES Verhalten – und nicht Krokodilstränen um Tote.

        • Eitan Einoch schreibt:

          Spätestens seit dem Atomdeal mit dem Iran halte ich „Gedenken“ und „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland für scheinheiliges Schmierentheater. Es widert mich einfach an, wie ermordete Menschen instrumentalisiert werden, damit die Nachfahren der Tätergeneration sich wieder gut und „geläutert“ fühlen und sich umso mehr berufen fühlen, den Nachkommen der Opfer die Leviten zu lesen und ohne schlechtes Gewissen Geschäfte mit den Judenmördern von heute und morgen zu machen. Ich kann es nicht mehr sehen! Seit dem Verrat von Wien widert mich alles nur noch an, was in Deutschland mit Holocaust, Drittem Reich etc. zu tun hat. Es stinkt zum Himmel!

          • A.S. schreibt:

            Danke für diesen Kommentar. Dem schließe ich mich zu 100% an!
            Das ganze schon lange nichts mehr mit Gedenken zu tun und erst recht nichts mit „aus der Geschichte lernen“.
            Es ist das Gegenteil, es ist eine Alibi- und Ersatzhandlung um die eigene Feigheit, Passivität und/oder Gleichgültigkeit gegenüber heutigen Verbrechen unter einem Heiligenschein zu verstecken.

  14. Dante schreibt:

    @Paul, 14:44 und 18:04
    Lieber Paul,
    sicherlich brauchen die Juden keine Stolpersteine dazu, ihrer Toten zu gedenken. Dafür sind diese aber auch gar nicht da. Sie sind dazu da, den ar’schen Teutonen vor Augen zu führen, wo die Ermordeten einst gewohnt haben. Deshalb habe ich das eigentlich von Anfang an für eine gute Idee gehalten. Die Vorbehalte, die Juden selbst dagegen haben, haben bei mir natürlich auch Zweifel an der Ausführung aufkommen lassen, aber nicht an der Grundidee.

  15. Couponschneider schreibt:

    Ich mag weder Stolpersteine noch das Holocaustmahnmal. Ich folge Knoblochs Argumentation. Und dem Holocaustmahnmal werfe ich vor, zu abstrakt zu sein. Ich mag abstrakte Kunst, aber es geht doch um etwas sehr konkretes, was real stattfand. Wenn ich das Holocaust-Mahnmal sehe, fühle ich nichts. Es berührt mich nicht. Wenn ich Bilder von Vad Yashem sehe, bin ich sofort berührt. An unserer Erinnerungskultur mag ich auch nicht, dass man nicht einfach nur traurig sein kann. Sofort wird der Zeigefinger erhoben und es heißt: „Nie wieder!“ Macht man sich dann ernsthaft an den Versuch, den Totalitarismus zu analysieren, die Mechanismen offenzulegen, zufällig dann auch noch Parallelen zwischen Sozialismus und Hitlerismus findet, der wird dann der „Gleichsetzung“ bezichtigt und man gefährde die „Singularität des Holocausts“. Fast möchte man anmerken: Wenn der Holocaust singulär wäre, sollen wir doch froh sein, denn etwas singuläres wiederholt sich nicht. Man könnte sich das alles sparen.

    • Eitan Einoch schreibt:

      Die Shoa war zweifellos präzedenzlos, aber ganz sicher nicht singulär. Singulär ist die jahrtausendelange Judenverfolgung insgesamt. So etwas scheint mir tatsächlich einmalig in der Menschheitsgeschichte zu sein.

      • Dante schreibt:

        So 100% präzedenzlos war er nicht. Das historische Vorbild, auf dessen Invergessenheitgeraten sich Hitler bei der Planung der Shoah ausdrücklich berufen hat, heißt Aghet.

        P.S.: Nichts für ungut, aber Dein Profilbild irritiert mich irgendwie.

        • Eitan Einoch schreibt:

          In ihrer grausamen, grenzenlosen Dimension war die Shoa meiner Meinung nach durchaus präzedenzlos – auch wenn der Genozid im Osmanischen Reich und insbesondere die Gleichgültigkeit der Nachwelt sicherlich eine Inspiration für Hitlet war.

          Mein Profilbild soll auch ganz bewusst irritieren – und provozieren.

        • Couponschneider schreibt:

          Aber was mich an der Sache stört: Was haben wir davon, wenn wir jetzt feststellen, der Holocaust wäre „singulär“ (oder nicht) oder er wäre „präzedenslos“ (oder nicht). Das ist doch völlig uninteressant für die Frage, ob wir gedenken und wie wir gedenken.

          Mich erinnert das an das Thema Homosexualität, wenn einer der weniger Toleranten (oder Intoleranten) sich missverständlich ausdrückt und dann wieder die Rede davon ist, Homosexualität sei „natürlich“ und nicht „anerzogen“. Das ist doch für die Frage, ob wir Homosexualität tolerieren, völlig unerheblich. Es gibt Behinderte, die sind behindert geboren und es gibt welche, die werden erst im Laufe ihres Lebens behindert (z. B. Schäuble). Davon mache ich aber nicht abhängig, welche Rechte ich denen zugestehe. Ob angeboren oder erworben, ist doch völlig unerheblich. Ob behindert, homosexuell, männlich oder weiblich, ich habe diese Menschen erst zu respektieren, egal wie das jeweilige Attribut zustande kam. (Ich hoffe man kann meine Argumentation folgen. Im SPON-Forum würde man hyperventilieren und wahrheitswidrig behaupten, ich hätte Behinderung und Homosexualität gleichgesetzt.)

          Ich beobachte aber folgendes: Die „Singularität des Holocausts“ wird immer dann in die Debatte geworfen, um Diskussionen zu unterbinden. Eine Mitschuld Stalins am Ausbruch des zweiten Weltkrieges ist für eine viele Linksextremisten etwas, was man nicht diskutiert. Und ein Diskussionsverbot, ist ein Denkverbot. Alleine sollte man es den „Singularisten“ nicht zu einfach machen. Und die „Singularität“ wird dann häufig bemüht, um bei heutigen Konflikten sich intellektuell auch der Sache zu winden. Da werden Despoten kleingeredet, weil die Saddam Husseins, Gaddafis, Kim Jong Dings und Assads unserem GröFaZ nicht das Wasser reichen können. Den Opfern spendet man den Trost: Wäre eurer Despot wie der GröFaZ, hätten die Deutschen schon eingegriffen.

    • sandra schreibt:

      Ich muss Dir widersprechen, was das Mahnmal betrifft. Es ist auch laut seines Erbauers kein Mahnmal, das sich an EIN Thema richtet, und es ist gelungen. Wenn man sich inmitten der Stelen bewegt, passiert etwas mit einem! Dort herumzugehen, und nie zu wissen, was jetzt so um die Ecken kommt – das hat was. Es gab viel Drumherum um das Mahnmal, das deutlich verfechtbar war. Aber wenn eine Hauptstadt einen grossen Teil ihres teuersten Innenstadtbodens für etwas hergibt, wo einfach – bumpf – alles zubetoniert wird, um eine Aussage zu treffen, dann ist das auch ein Statement. Mich stören auch die Merch-Stände rundum, aber das ist wohl nicht zu verhindern… Aber wenn man sieht, wie beispielsweise Österreich mit der Erinnerung an die Shoa umgeht, ist Deutschland doch eher das leuchtende Beispiel. Gut, man muss sich nicht immer nach unten orientieren… 😉

      • DavSilberlin schreibt:

        Sie wiederholen, nur in langen und geschwurbelten Sätzen nur den Statements von Eberhard Jäckel und Gerhard Schröder. Und es fällt Ihnen nicht einmal auf…

        • Wortfront schreibt:

          Das mag daran liegen, dass ich deren Statements nicht kenne. Als das Mahnmal eröffnet wurde, lebte ich noch nicht in Berlin und habe das alles nicht verfolgt. Und wer Herr Jäckel ist, ist mir auch nicht bekannt, sorry. Aber deutsche befindlichkeiten und deren Proponenten sind mir nur marginal wichtig. Ich habe andere Prioritäten in meiner Wahrnehmungsagenda. Ich war beim Mahnmal, bin durchgegangen an einem leeren Tag und habe mir etwas dabei gedacht. Mehr war da nicht.

          • Wortfront schreibt:

            Ps: selber Mensch, anderer Computer schreibt hier. 😄

          • DavSilberlin schreibt:

            „Das ist ein Ort, wo man gerne hingeht“ (G.Schröder)

            „Es gibt Länder, die uns um dieses Mahnmal beneiden“ (E. Jäckel)

          • Eitan Einoch schreibt:

            Der Ort, wo man gerne hingeht, und worum uns andere Völker beneiden, ist wahrlich etwas, worauf Deutschland stolz sein kann!
            Das macht keiner so schnell nach…

          • DavSilberlin schreibt:

            P.S.: Welch eine Ehre, hier mit der Tochter des größten deutschsprachigen Dichters zu diskutieren!

          • Dante schreibt:

            Das mag daran liegen, dass ich deren Statements nicht kenne.

            Schröder wollte ein Mahnmahl, „wo die Leute gern hingehen“, und Jäckel behauptete, es gebe europäische Länder, die uns um das Denkmal beneideten. Beides ist jedoch dem Artikel zu entnehmen.

          • sandra schreibt:

            Meine Aussage (über die Tatsache, dass dieses Mahnmal in die Psyche des Besuchers eingreift anstatt, wie viele andere Mahnmale, einfach nur zum Angucken ist) mit den Aussagen von Schröder und diesem Herrn Jäckel (ich weiss noch immer nicht, wer das ist, es ist mir auch wurscht) zu vergleichen, zeugt von ähnlich grosser Differenzierungskunst wie Georg Kreisler als den „grössten deutschsprachigen Dichter“ zu bezeichnen. Nicht, dass GK schlecht wäre – weit entfernt! Doch die Einstufung als „Grösster“ ist ein Vergleichen von Unvergleichbarem. Wie oben.

          • DavSilberlin schreibt:

            Ihre Antwort war voraussehbar. Habe Sie nur testen wollen 😉 Wie den „Sprößling eines Sphynx“ Georg Kreisler für sich „einstufen“ ist mir herzlich schnurz. Manche Dinge sind nicht mit Verstand zu erfassen – und das unterscheidet, wahrscheinlich und leider, Sie von Ihrem genialen Vater. Er wusste noch, was Kunst ist. Und war (für viele, nicht nur für mich) tatsächlich der größte deutschprachige Dichter.

            „…und sie klatschen wie Maschinen, aber ihnen ist es vollkommen egal, worum ich sing.“

          • DavSilberlin schreibt:

            Zu Ihrer „Wahrnehmungsagenda“: Ihre Aussagen sind insofern mit denen Schröders und Jäckels zu vergleichen, als Sie sagen, bei dem Mahnmal, da „passiert etwas in einem“. Und das ist, mit verlaub, Geschmacklos! Zuerst musste etwas mit Millionen von Menschen im Holocaust etwas passieren, damit Sie, nach Ihrem gemütlichen Morgentee, zum Mahnmal hingehen, und „etwas in Ihnen passiert“. Ehrlich: zum Kotzen. Der Mahnmal ist eine genau solche Geschmacklosigkeit wie das „Auschwitz-Muzeum“.

          • sandra schreibt:

            Auch Georg Kreisler konnte (und wollte) sich vor der Vereinnahmung von Deppen nicht schützen. Q.E.D. Dass die Nachgeborenen (und hier sind natürlich vor allem die Nichtjuden gemeint, die eben meist von der Geschichte kaum was mitbekommen haben) auch emotionell etwas erleben bei einem Mahnmal, anstatt, wie bei den Meisten, einfach betroffen irgendwo hinzugucken, ist sinnvoll. Ihre Suadas sind es nicht.

          • sandra schreibt:

            Im Übrigen ist die Einstufung als „Grösster“ nicht zuletzt auch eine Frage der Kenntnis der anderen.

          • DavSilberlin schreibt:

            Vor allem konnte Georg Kreisler sich nicht davor schützen, eine Deppin als Tochter zu bekommen. Q.E.D.

            Die Einstufung als „Größter“ ist nicht zuletzt eine Frage der Definition des Größten. Bei uns in Sodom und Andorra ist jedenfalls Georg Kreisler der größte deutschsprachige Dichter. Ganz ungeachtet dessen, was seine etwas minderbegabte Tochter davon hält.

            Zum Mahnmal: gehen Sie weiterhin gerne hin und lassen Sie dort, laut Ihrer Warnehmungsagenda „etwas mit sich machen“

  16. Nordland schreibt:

    Ehrlich gesagt wird es für mich in diesem Blog immer schwerer, Ironie und Zitate von ernst gemeinten Aussagen zu unterscheiden. Ich möchte nicht immer alles mehrfach lesen und über Google zusätzlich recherchieren müssen.

    Die Stolpersteine erinnern die Bewohner deutscher Stadtviertel auf den tagtäglichen Wegen an ehemalige Bewohner in der Nachbarschaft, die deportiert wurden. Daher finde ich die Stolpersteine eine gute Sache. Freilich muss es noch andere Formen der Erinnerung geben.

    Auf wessen Seite von den genannten Personen stehe ich jetzt?

    • Gutartiges Geschwulst schreibt:

      @Nordland: „Auf wessen Seite von den genannten Personen stehe ich jetzt?“

      Ihre Ansichten sind ehrenwert, Nordland, solange diese tatsächlich Ihre eigenen sind.
      Daher spielt es keine Rolle, auf wessen Seite Sie stehen, ob Sie recht haben (das kann keiner für sich behaupten) oder welche Zustimmung Sie erfahren.
      Vergessen Sie doch einfach das selbstherrliche Geistesgestrüpp aller antiken und modernen Philosophen. Folgen Sie Frank Sinatra:
      „For what is a man, what has he got?
      If not himself, then he has naught.“
      Sie sind es wert!

  17. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Könnte man nicht sämtliche Häuser und Grundstücke, die einmal Juden gehörten und zwangsweise enteignet wurden, zu Mahnmalen erklären und entsprechend kennzeichnen?
    Auf den Gedenktafeln könnte sowohl der damalige “Entschädigungs”-Wert stehen, als auch der heutige, gängige Marktwert. Letzteres wäre doch viel anschaulicher, als die Stolpersteine, die ohnehin viel zu tief eingelassen werden, als dass jemand darüber stolpern könnte.
    Indessen könnte mancher (Ur-)Enkel stolpern, wenn er erklären müsste, warum sein Oppa damals das Häuschen so billig gekriegt hat, und er selbst so ungeniert darin wohnt.
    Ein Denkmal sollte den unbeteiligten Passanten zum Denken (oder nachrechnen) anregen, nicht zum stolpern.

  18. Dante schreibt:

    Ich stimme Dir zu, aber nicht uneingeschränkt. Wenn Du schreibst

    Ohne Holcaust gäbe es keine “Stolpersteine”. Die deutschen Straßen wären um eine Attraktion ärmer und Gunter Demnig um einige Euro. Das kann ja niemand wollen!

    bringst Du natürlich auf den Punkt, zu welchen Interpretationen so törichte Äußerungen wie die von Herrn Jäckel geradezu einladen (nämlich im Sinne eines regelrechten Vergangenheitsbewältigungs-Stolzes) und dass Demnigs Engagement natürlich nicht ganz uneigennützig ist. Dass dieser aber Frau Knobloch ihr Überleben gleichsam vorgeworfen habe, ist m.E. klare Überinterpretation. Deren Vergleich zwischen dem Treten auf einen Stolperstein und dem Herumtrampeln der Nazis auf den Menschen, an die sie erinnern sollte, ist durchaus auch angreifbar. Es ist eben nicht dasselbe. Andererseits ist auch Demnigs Gegenkritik an Frau Knobloch so formuliert, dass es nicht nur maximal polemisch ist, sondern ein erschreckendes Maß an Instinktlosigkeit offenlegt, und somit bin ich wieder ganz bei Dir.

  19. Cecina schreibt:

    Unsortierte Gedanken einer Münchnerin:

    Charlotte Knobloch ist hier in München sehr beliebt und respektiert, und ich kann ihre Haltung gut verstehen.

    Wir haben hier keine „Stolpersteine“ auf öffentlichem Grund, aber eine Initiative des in New York geborenen Juden Terry Swartzberg (lebt in München, ist Mitglied der liberalen jüdischen Gemeinde und alltäglicher Kippaträger) dies zu ändern. Er vertritt mit großem persönlichem Engagement unter anderem eine Reihe von hochbetagten, jüdischen Bürgen unserer Stadt, die sich für ihre im Holocaust ermordeten Familienangehörigen einen solchen Gedenkstein sehr wünschen.

    Wäre es denn nicht richtig, die Familie der Opfer selbst entscheiden zu lassen? Wie man seiner Trauer und seinem Gedenken Ausdruck verleihen will, ist doch eine sehr persönliche Sache.

    Über den Künstler Herrn Demnig und seine Motive kann ich mir kein Urteil erlauben. Für die Installation eines handgearbeiteten Werkstückes aus Stein und Metall scheint mir der Preis von 150 € nicht übertrieben. Herr Demnig sprach einmal von einem Stundenlohn von 2,50 €. Aber ich weiß natürlich auch nur das, was man darüber nachlesen kann…

    Im unterirdischen Zugang zu unserer Synagoge Ohel Jakob befindet sich der „Gang der Erinnerung“ mit 4500 Namen von Münchner Juden, die im Holocaust ermordet wurden. Dort sehen sie aber nur am jüdischen Leben interessierte Besucher.
    Ich würde mir für diese Namen auch einen öffentlicheren Ort der Erinnerung wünschen.

    • Paul schreibt:

      Liebe Cecina,(Juli 25, 2015 um 3:39 nachmittags)
      das ist doch eine ganz andere Ausgangslage:
      “ Er vertritt mit großem persönlichem Engagement unter anderem eine Reihe von hochbetagten, jüdischen Bürgen unserer Stadt, die sich für ihre im Holocaust ermordeten Familienangehörigen einen solchen Gedenkstein sehr wünschen.

      Wäre es denn nicht richtig, die Familie der Opfer selbst entscheiden zu lassen? Wie man seiner Trauer und seinem Gedenken Ausdruck verleihen will, ist doch eine sehr persönliche Sache.“

      Wenn ein Hinterbliebener sich dies wünscht, würde ich das unterstützen. Falls erforderlich mit einer Spende, um das zu finanzieren. Das ist doch eine ganz andere Situation.

      Herzlich, Paul

  20. jsbielicki schreibt:

    Hat dies auf psychosputnik rebloggt und kommentierte:
    Siehe:
    „Hier wohnte Kurt Oppenheimer“
    auf:
    https://psychosputnik.wordpress.com/2015/05/17/hier-wohnte-kurt-oppenheimer/

  21. Paul schreibt:

    Ja, lieber Gerd, da bin ich ganz Deiner Meinung.
    Mir sagte ein jüdischer Freund: „Wir Juden brauchen das Denkmal in Berlin nicht und auch nicht die Stolpersteine. Wir gedenken unserer ermordeten Brüder und Schwestern an dem dafür von uns vorgesehenen Ort: Yad Vashem.“
    Ja, er sagte „wir“ und „uns“.
    Ich war in Yad Vashem und weiß deshalb, dass er Recht hat. Zugegeben, beim ersten Besuch in Israel habe ich es nicht geschafft diese einmalige Stätte des Gedenkens zu besuchen. Nicht aus Zeitgründen, sondern aus Scheu, Respekt und Ehrfurcht und im Bewusstsein zur Täternation zu gehören.
    Beim zweiten Besuch Jerusalems habe ich diesen Ort besucht. Es hat mich tief berührt, obwohl ich die „Gnade der späten Geburt“ habe.
    Die Stolpersteine sind eine ausgebuffte Geschäftsidee eines Künstlers. Würde er sie doch wenigstens auf eigene Kosten installieren. Das „Holocaustdenkmal“ ist die Verirrung einer publizitisüchtigen Journalistin.. Also die Selbstverwirklichung eines Künstlers und einer Journalistin. Die Juden sind wie immer: DAS OPFER.

    • Eitan Einoch schreibt:

      „Es gibt Völker, die uns um das Mahnmal beneiden.“ (Eberhard Jäckel)

      Dieser Ausspruch eines deutschen Historikers sagt schon alles.

Seid gut zueinander!

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s