Stolpern auf der Demnig Chaussee

Auf die Frage, ob Gunter Demnig die Kritik an seiner Kunstaktion „Stolpersteine“ verstehen könne, hat er erklärt, Charlotte Knobloch verharmlose den Holocaust und verhöhne die Opfer!

„Ja, ich kenne es ja von München. Es war damals die Charlotte Knobloch als Präsidentin des Zentralrats der Juden noch, ich meine, ich kann es nicht verstehen, finde es unsäglich, denn wenn gesagt wird, man trampelt auf den Menschen rum, wie damals die Nazis auf den Menschen rumgetrampelt haben, dann ist das Verharmlosung. Und im Grunde kann man sagen, werden die Opfer damit verhöhnt. Denn die Nazis haben sich nicht begnügt mit Rumtrampeln. Die Nazis hatten ein ganz gezieltes Mord-, sie hatten ein Vernichtungsprogramm, das war geplant für elf Millionen Juden und für alle, die nicht ins System passten.“

Was fällt der Knobloch eigentlich ein, noch zu leben und die „Stolpersteine“ zu kritisieren? Wäre sie von den Nazis ermordet worden, dann hätte Demnig heute kein Problem mit ihr! Er täte ihr einen Stein verlegen und ein paar Euro einstreichen.

Dabei fing für Gunter Demnig alles so unproblematisch an. Charlotte Knobloch wurde von ihrer Großmutter Albertine Neuland erzogen. Sie wurde 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. Eigentlich hätte auch Charlotte Knobloch vernichtete werden sollen, aber die ehemalige Hausangestellte ihres Onkels, Kreszentia Hummel, rettete sie vor dem Holocaust. Pech für Demnig!

Hummel brachte das Mädchen Charlotte zum Bauernhof ihrer katholischen Familie in das mittelfränkische Arberg und gab es als eigenes uneheliches Kind aus. In Arberg blieb Charlotte für vier Jahre. 1945 kehrte sie mit ihrem Vater nach München zurück.

Dort lebt sie nun und macht Gunter Demnig das Leben schwer. Also tote Juden machen weniger Ärger! 

Und sie bringen mehr Geld! Bei 50.000 bisher verlegten „Stolpersteinen“ zu je 120,- Euro sprechen wir von guten 6 Millionen Euro. Was für eine Zahl! Da hat sich der Holocaust richtig gelohnt. Glückwunsch Gunter!

Gunter Demnig ist ein Vergangenheitsbewältiger wie er im Buche steht. Er setzt sich mit der Vergangenheit auseinander. Jedes Jahr ein wenig mehr. Hier sitzt er und ganz weit von ihm auseinander, irgendwo schön weit weg, die dunkle böse Vergangenheit. Demnig verlegt „Stolpersteine“. So macht Vergangenheitsbewältigung Spaß. Vergangenheitsbewältigung ist sein Metier und der USP für Deutschland!

Wie dramatisch sähen wohl die Arbeitslosenzahlen in Deutschland aus, wenn es all die Arbeitsplätze in den Lern-, Gedenk- und Dokumenationsstätten, in den Holocaustforschungsinstituten und Universitäten der Antisemitismusforschung nicht geben würde. Die Stadt Berlin wäre um eines ihrer beliebtesten Sehenswürdigkeiten ärmer. Es gäbe, welch Gräuel, kein Holocaust Mahnmal, von dem Altkanzler Gerhard Schröder einst sagte, es sei ein Ort, „wo man gerne hingeht“. Der Historiker Eberhard Jäckel brachte es sogar fertig, zu sagen: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“

Ohne Holocaust hätte das ehemalige Waffen-SS-Mitglied Günter Grass niemals „Die Blechtrommel“ geschrieben und somit vermutlich auch nie den Nobelpreis für Literatur erhalten. Ohne Holocaust hätte Volker Schlöndorff niemals „Die Blechtrommel“ verfilmen können und daher nie den Oscar für diesen Film erhalten. So gut wie alle Oscars für den deutschsprachigen Raum sind Resultate der Vergangenheitsbewältigung: Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“, Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ und Christoph Waltz Oscar für die Rolle eines Nazis. Ohne Holocaust gäbe es beim ZDF immer noch genug Sendeplatz für das Testbild.

Ohne Holcaust gäbe es keine „Stolpersteine“. Die deutschen Straßen wären um eine Attraktion ärmer und Gunter Demnig um einige Euro. Das kann ja niemand wollen!

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