Das Gastarbeiterkind möchte was los werden!

Ein Kommentar vor Dinçer Güçyeter

Huhu, bitte zwei Minuten Aufmerksamkeit:

Seit Monaten lesen wir in allen Medien die peinlich, akrobatischen Sprüche von Erdogan und von den Demonstrationen seiner Anhänger in Deutschland. Wir, die immer für ein besseres Leben geschuftet haben, wir müssen uns fremdschämen. Das erwartet man von uns. Aber mit welchem Recht?

1961 kamen die ersten “mobilen Arbeitsreserven“. Sie wurden in die Vorstädte gesteckt, sollten die Schwerstarbeit verrichten und so schnell wie möglich das Land verlassen. Aber es waren “Menschen“, die kamen. Und sie blieben. Ja, die Säulen des Wirtschaftswunders sind tatsächlich geblieben. Die Fließbände bei Mercedes und Krupp wurden immer schneller. Akkord, Akkord! Am besten zwölf Stunden am Tag. Kein Wochenende. Der Hunger der Industrie und Bergwerke wurde immer grösser.

Nach 38 Jahren in einer Automobilfabrik durfte meine Mutter mit vier Prothesen und mit einem tauben Ohr in Rente. Die Rentenkasse wollte nicht mehr als 900 Euro zahlen. Der Chef hat ihr damals einen Strauss in die Hand gedrückt und hat sich für die jahrelang „friedliche Zusammenarbeit“ bedankt. Mutter war an dem Tag richtig stolz. Oft hörte ich von ihr, wie dankbar sie dieser Firma war. Warum, fragte ich sie immer wieder. „Du kennst die Armut nicht,“ war ihre Antwort. „Meine Kinder mussten nicht die Krümeln zählen wie ich in meiner Kindheit.“

Was sie in all den Jahren sehr bedrückt hat, war die Haltlosigkeit. Sie war nirgendwo Zuhause. Das hat man ihr so eingeredet. In Deutschland ist sie bis heute eine Migrantin und in der Türkei ist sie die Deutschländerin. Aber sie hat es geschafft. Mit ihrem gesparten Geld hat sie für ihre Kinder ein Haus aus dem Jahr 1890 gekauft. Manchmal nervt mich dieses Haus. Verstopfte Rohren. Feuchter Keller. Undsoweiter. Wenn ich jedoch mit dem Klagelied beginne, hat sie eine Antwort parat:

„Wenn du heute noch an der Drehbank wärst, hättest du dir was besseres kaufen können. Aber du wolltest ja Künstler werden. Ich wollte nicht, dass meine Enkelkinder unter der Brücke enden.“

Heute, im Jahr 2017, fragt man uns Deutschtürken vorwurfsvoll – und das letzte Wort möchte ich unterstreichen – was wir über die Politik von Erdogan denken. Tja, was sollen wir schon denken? Nicht wir müssen unsere Beziehung zu Erdogan erklären! Frau Merkel macht doch immer wieder auf goldenen Bänken Kaffeeklatsch mit ihm. Auch die deutsche Waffenindustrie investiert Milliarden in die Türkei. Wir sollen uns erklären? Mutter sagte letztens:

„Jahrelang haben wir für eine bessere Zukunft geschuftet und jetzt werden unsere Kinder wegen diesem Biest unter die Lupe genommen!“

Ich, das Gastarbeiterkind, habe eine Heimat; diese nennt sich Köln, wenn ich dort im Proberaum arbeite und Nettetal, wo ich an meinem Schreibtisch sitze oder mit meinen Kindern auf dem Trampolin hüpfe. Was anderes hab ich nicht!

Dieser Verdacht, jeder Türke sei ein Erdogan-Anhänger, verbreitet sich ganz schön geschmeidig. Mit welchem Recht? Ich hab genug urdeutsche Freunde, Nachbarn, Kollegen. Sie sind für mich auch keine Menschen, die sich erstmal rechtfertigen müssen, keine Nazis zu sein. Sie sind meine Freunde, Kollegen, Nachbarn, einfach Menschen, mit denen ich gerne Zeit verbringe.

Ich könnte mich hier totschreiben, aber das müsste genügen! Ich backe gleich mit meiner Tochter den Apfelkuchen nach altdeutschem Rezept, dazu den türkischen Tee, aber ohne Rosinen und Zimt. Alles nach eigener Schnauze.

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32 Antworten zu Das Gastarbeiterkind möchte was los werden!

  1. dentix07 schreibt:

    „Dieser Verdacht, jeder Türke sei ein Erdogan-Anhänger, verbreitet sich ganz schön geschmeidig.“ Bloß, den Verdacht in dieser Form gibt es garnicht!
    Allerdings ist nicht unbemerkt geblieben das Erdogan/die AKP bei den hier lebenden türkischen Staatsangehörigen (da sind die „Doppelpassler“ eingeschlossen) bei den letzten Wahlen eine höhere Zustimmung erhielt als in der Türkei selbst!
    Da ist, angesichts der aktuellen Entgleisungen des türkischen Präsidenten und seiner Mannen (die auch nicht so neu sind, man lese einmal aufmerksam seine Düsseldorfer Rede), die Frage: „Wie hältst Du’s mit Erdogan?“ einerseits eine Bitte um Aufklärung, denn wir „Westeuropäer“ verstehen es einfach nicht, und andererseits der Versuch eine Einschätzung gewinnen zu können was uns wohl zukünftig erwartet!
    (Vergleichbar der Frage: „Wie hältst Du’s mit Schulz?“)
    Tja, ich liebe das Tex-Mex-Gericht Chili con carne (das aus Texas stammt)! Und da versammeln sich in meinem Topf: amerikanische rote Bohnen, deutsches Hackfleisch (Halb und Halb), griechisches Olivenöl, spanischer Knoblauch und Tomaten, niederländische Zwiebeln, italienischer Oregano und Parmesan, dänische Butter, schwarzer Pfeffer (Herkunft Indien?), portugiesisches Piri Piri, und wo der Mais, die Sahne, die Lorbeerblätter herkommen weiß ich nicht, ist mir auch sch…. egal! Dazu einen schönen französischen Rotwein! Kann auch mal ein deutsches Hefeweizen oder Pils, ein spanisches Bier oder schlicht ein starker Kaffee (Arabien?) sein!
    Ach ja, bin gebürtiger Westfale (Ost-Westfale, um genau zu sein), zu einem Achtel Sachse und mit ’ner waschechten Berliner Göre verheiratet!
    Und?

  2. Kanalratte schreibt:

    Die Türkischen Gastarbeiter wurden Deutschland aufgezwungen. Deutschland hat sie nicht angeworben.

    • Aristobulus schreibt:

      … warum aufgezwungen, Kanalratte? Wer?
      Es gab Vereinbarungen zwischen Regierungen, und dann wurden die Gastarbeiter von hiesigen Fabriken angeworben.

      Hingegen aktuell die Flüchtlinge: Die sind dem Land doppelt aufgezwungen worden, 1) von Merkel persönlich, denn es gab keinerlei Abstimmung im Bundestag darüber, 2) von der Bessermenschen-Mehrheitspresse, die laufend nach mehr rief.

  3. O.Paul schreibt:

    Zitat: „Und sie blieben. Ja, die Säulen des Wirtschaftswunders sind tatsächlich geblieben. Die Fließbände bei Mercedes und Krupp wurden immer schneller. Akkord, Akkord! Am besten zwölf Stunden am Tag. Kein Wochenende. Der Hunger der Industrie und Bergwerke wurde immer grösser.“

    Vor einiger Zeit habe ich mir die Mühe gemacht und mal die Statistik der Gastarbeiter in der BRD neben der des Arbeitsamtes gelegt. Und siehe da: mit der Anzahl der Gastarbeiter in Deutschland stieg proportional die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland. Für mich bestätigt sich, daß die Gastarbeiter der BRD aufgezwungen wurden, es sich aber sehr schnell herausstellte, daß man plötzlich herrlich billige Arbeiter hatte. Und es drängt sich der Verdacht auf, daß mit der Explosion der Flüchtlingszahlen der letzten 2 Jahre ähnliches einhergeht.

    • Aristobulus schreibt:

      Aufgezwungen?, wer soll das aufgezwungen haben? Bitte. Davon kann doch gar keine Rede sein.
      Es sei denn, Sie wollten ausdrücken, dass die deutsche Regierung, die das so entschieden hat (da gibt es Beschlüsse), etwas wem auch immer aufgezwungen habe. Da hätten Sie Recht – allerdings nur, wenn Sie auf dem anarchistischen Standpunkt stehen, dass Regierung = Zwangsausübung sei.

      • Aristobulus schreibt:

        P.S.
        … und diese seltsam raunende, irgendwas andeutende Verknüpfung aus „Explosion der Flüchtlingszahlen“ und „Gastarbeiter“? Was soll die bedeuten-?
        Die sog. Flüchtlinge, die allergrößtenteils ja keine Flüchtlinge sind, sondern Kontingente mohammedanischer Woandershinschweifer, können hier nicht arbeiten. Das war von Anfang an ja auch nicht vorgesehen, dass sie hier arbeiten sollten: Der Arbeitsprozess ist hierzulande hoch technisiert und setzt einen hohen Ausbildungsstand voraus, ungelernte Hilfsarbeiter braucht man kaum oder gar nicht. Also können und werden sich die sog. Flüchtlinge nicht ins hiesige Arbeitsleben integrieren!, aus.

        Ich sag Ihnen mal, wie’s mit der Sache so ist: Es war Geld da. Ja? Sehr viel Geld. Und sehr viel merkwürdig schlechtes Gewissen und versteckter deutscher Selbsthass, und innere Existenz in einer Fantasieblase war da auch massig. Daraufhin, als Exponent dieser merkwürdigen inneren Verfasstheit und es deutschen Überdrusses an sich selbst, sagte Merkel, „wir schaffen das“, und dann wurden die Grenzen geöffnet.
        Es ging dabei NICHT um billige Arbeitskräfte.
        Es ging auch NICHT um Bereicherung irgendwelcher Art, oder von wem auch immer.
        Es ging um Buße derer, die sich selber zeigen wollten, wie GUT sie seien, und es ging um’s Gutsein vor dem goldgerahmten Spiegel, um diese Art narzisstischer, selbstbezogener Übermerkwürdiggutheit, die Leute dazu veranlasst, die Wohnungstür offen zu lassen, damit die armen streundenden Katzen mal reinkommen und die ganzen Reste wegessen, von denen die Wohnung ja so hässlich überquillt.

        • aurorula a. schreibt:

          Soweit ich weiß, darf jemand der Asyl beantragt hat garnicht arbeiten.

          • Aristobulus schreibt:

            Ja. Und wie lange dauert ein Asylantrag; zwei Jahre? Zumal die allermeisten sog. Flüchtlinge nicht namentlich erfasst sind und keine Asylanträge stellen. Die werden auch nach 22 Jahren keine anerkannten Asylinhaber sein.
            Selbst dieses Détail zeigt, dass die 1,67-Millionen-Flüchtlingsplötzlichkeit NICHTS mit irgend Arbeiter-Import zu tun haben kann, nicht?

          • Clas Lehmann schreibt:

            Wenn ich es richtig weiß, ist das inzwischen überholt und anders geregelt und er darf…

          • Aristobulus schreibt:

            freu‘ Dann hat man aus den gesichtslosen Massen ja jetzt urplötzlich 1,67 Millionen höchst qualifizierte Islamistikprofessoren gemacht. Hui, mit einem Federstrich! Endlich wird man bald bei denen höchst qualifiziertermaßen die Islamistik von der Pike auf lernen.
            (Hmm, warum überhaupt Pike-, haben die nicht lieber Krummsäbel?)

      • O.Paul schreibt:

        Zum Thema „Aufgezwungen“ hier mal 2 Quellen, welche ich nach ganz kurzer Suche gefunden habe. vor einiger Zeit hatte ich mich ausführlicher mit diesem Thema auseinandergesetzt und es kamen Tatsachen hervor, die einem an der Zurechnungsfähigkeit deutscher Politiker zweifeln lassen (Sozialabkommen mit Herkunftsländern der Gastarbeiter).

        aus der FAZ vom 29.10.2011
        „1961 wurde auf Initiative und auf Druck der türkischen Regierung das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei – ähnlich wie bereits 1955 mit Italien und anderen Ländern – geschlossen. Eigentlich brauchte man in Deutschland die türkischen Arbeiterinnen und Arbeiter so dringend nicht. Aber es gab geopolitische Gründe. Die Vereinigten Staaten drängten die Deutschen, die Türkei wirtschaftlich zu stützen. “
        Eine Abhandlung auf Böckler.de:
        „So ging die Initiative für die Anwerbeabkommen stets von den Anwerbestaaten selbst aus, welche sich dadurch Vorteile versprachen (Knortz 2008, S. 152-155; Jamin 1998b, S. 69).
        Von der Arbeitnehmerentsendung erhoffte man sich vielerorts eine Entlastung
        des eigenen Arbeitsmarktes, eine Kanalisation ohnehin vorhandener
        Arbeitsmigration, einen Import von Know-how und dringend benötigte Devisen.
        Auf deutscher Seite wurde die Gastarbeiterpolitik als eine Art Entwicklungshilfe
        und Beitrag zur europäischen Integration begriffen (Herbert und Hunn 2007, S.
        704-705).“

        Diese 2 Beispiele zeigen, dass Deutschland unter Druck gesetzt wurde und heute noch wird. Es geht ja nicht an, dass Deutschland wirtschaftlich erfolgreich ist während runterherum alles zerbröselt.
        Nachdem die einheitliche Währung es nicht geschafft hat, Deutschland auf das Niveau von Griechenland zu bringen, wird jetzt die sogenannte Flüchtlingswelle genutzt. Wetten?
        Bei der Einführung des Euro konnte sich der kritischer Bürger schon ausrechnen was passieren wird- und er hat Recht behalten.

        • Aristobulus schreibt:

          Wer denn? Da steht immer „man“. Wer soll es denn sein? Die Ostküste ja nun wohl doch schon eheher mal nicht.

          Und naturgemäß übt irgend ein Land resp. dessen Regierung „Druck aus“. So ist das in der Außenpolitik, selbstverständlich in der Innnenpolitik auch (so kommt es zu Abkommen, die manchmal einfach schiefgehen, manchmal sogar von Anfang an). Ferner übt die deutsche Regierung selbst einen immensen ‚Druck‘ etwa auf Griechenland aus, und in einem anderen Zusammenhang auf Ungarn, Österreich und Polen.

          Mir klingt Ihr häufiges „etwas ist Deutschland aufgezwungen worden“ merkwürdig. Würden Sie erläutern, wer das warum tut, und was außer der Entnazifizierung den Deutschen Weiteres aufgezwungen worden sei, und besonders durch wen, und wann?

          • Kanalratte schreibt:

            Die Türkischen Gastarbeiter kamen tatsächlich auf Druck der USA bzw. des Nato-Landes Türkei nach Deutschland. Deutschland hatte anfänglich kein Interesse daran muslimische Gastarbeiter aufzunehmen. Das ist nur fürs Protokoll, falls mal wieder Türken behaupten sie wären von Deutschland angeworben worden. Und falls sie behaupten sie hätten Deutschland aufgebaut oder wären für das Wirtschaftswunder verantwortlich. Tatsächlich gab es das Wirtschaftswunder schon bevor türkische Arbeiter nach Deutschland kamen.

            Wägt man alle Vor- und Nachteile über die türkischen/kurdischen Einwanderer ab, kommt man zu dem Schluss, dass es uns ohne große Teile dieser Einwanderergruppe deutlich besser gehen würde. Alle anderen direkten Einwanderergruppen – selbst die Millionen Russlanddeutschen – haben sich dagegen mehr oder weniger problemlos in Deutschland eingegliedert. Der Großteil der Türken in Deutschland ist hier weder assimiliert noch integriert. Das alles hat aber Helmut Schmidt vor Jahrzehnten auch schon so gesehen.

          • Aristobulus schreibt:

            Stimmt alles.
            Nur eins nicht: Es hat Anfang der 1960 keinen interessiert, ob oder dass jemand mohammedanisch sei. Auf irgend Religion wurde nur im moralischen Sinn Wert gelegt, sonst nicht.
            In diesem Sinne galten sie türkischen Gastarbeiter den Durchschnittsdeutschen als genauso fremd-quasimohammedanisch wie die italienischen vorher.

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  5. Nordland schreibt:

    Nein, Dinçer, das kommt bei mir nicht an. Damals ging die Anwerbung überwiegend von der Türkei aus, was Necla Kelek in der FAZ sehr gut beschreibt: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/integration/gastarbeiter-die-kunst-des-missverstehens-11502703.html

    Und ja, für die sogenannten Gastarbeiter war geplant, dass sie zurückkehren. Das hatten beide Seiten (!) von Anfang an so vereinbart. Dass dies nicht geschah, lag offensichtlich an den besseren Bildungsmöglichkeiten und den Freiheiten, die speziell auch den Nachfahren hier zur Verfügung standen. Davon hast auch du profitiert.

    Als autochthoner Deutscher erwarte ich jetzt nicht, dass alle zurückgehen. Ich erwarte aber, dass die Gastarbeiter und ihre Nachfahren sich langsam mal entscheiden. Und diejenigen, die sich nicht integrieren wollen oder die ihre Identität offenkundig in der Türkei sehen, sollten tatsächlich wieder zurückgeschickt werden. Gerade die jüngsten Geschehnisse rund um RTE beweisen, dass wir dringend ein Rückführungskonzept brauchen. Und wenn du betonst, nicht jeder Türkischstämmige sei einer seiner Anhänger, so steht das dem nicht entgegen. Es geht, wie gesagt, nur um einen Teil. Doch so viel Selbstbewusstsein sollten wir Deutschen haben.

    • Aristobulus schreibt:

      Man hat sich hierzulande um zwei Dinger herum laviert, ohne sie zu lösen: 1) wegen der vereinbarten Rückkehr, 2) wegen der doppelten Staatsbürgerschaft.
      Also gilt ein hiesiger Türke faktisch als Deutscher in Deutschland und als Türke in der Türkei. Die Bundestagsmehrheit, die die doppelte Staatsbürgerschaft beschlossen hat, wollte vielleicht die Dinge für die hiesigen Türken erleichtern. Mit dem Resultat, dass die große Mehrheit sich türkischer geriert als Erdogan höchstpersönlich.
      Die Minderheit, die das nicht so sieht!, wird von den eigenen Leuten beschimpft, ausgeschlossen und als untürkisch bezeichnet, und sie sieht sich als doppeltes Opfer.

      DAS ist das Resultat dieser doppelten deutsch-türkischen Staatsbürgerschaft. Es hat viel schlechter funktioniert, als es die größten Pessimisten damals annahmen.

      • Kanalratte schreibt:

        Richtig, denn viele vergessen dass Deniz Yücel in der Türkei in erster Linie Türke ist und dementsprechend behandelt wird. Man möchte immer nur die Vorteile der doppelten Staatsbürgerschaft in Anspruch nehmen, (doppelt Wählen, Wehrdienst verweigern usw.) wenn es Nachteile gibt ist der Aufschrei dann aber groß. Hätte Yücel keinen türkischen Pass, wäre er schon längst wieder auf freiem Fuß.

  6. ceterum censeo schreibt:

    Hier hat auch noch jemand mit „Migrationshintergrund“ ein paar Worte zu sagen. Was unterscheidet wohl sein Statement vom obigen?

    https://madrasaoftime.wordpress.com/2017/03/19/ich-moechte-etwas-zurueckgeben/

    • Aristobulus schreibt:

      Jammerschade, dass die AfD nicht den Herrn Demagbo (dort im Artikel interviewt) als Kandidaten aufstellt. Der ist nicht übel, bringt den Sache mit Zuwanderung und Parallelgesellschaften mitten auf den Punkt, und weiß genau, warum er was wie analysiert.

      • Aristobulus schreibt:

        … pardon, DIE Sache. Die ist noch immer eine Dame.

      • Kanalratte schreibt:

        Die AfD ist bald tot. Zu viele Idioten und Extremisten (weniger echter Neo-Nazis, eher Querköpfe) haben sich dort versammelt, außerdem gibt es dort möglicherweise eingeschleuste V-Leute, die mit extremen Wahlkampfreden alles anheizen. Die Medienberichterstattung hat dafür gesorgt, dass kaum noch vernünftigen Leute dort beitreten. Es gibt zu viele Menschen in Deutschland die eine vernünftige rechte Partei verhindern möchten. Selbst die CSU, meiner Meinung nach die beständigste Partei im deutschen Parteispektrum seit 1945 ist sich ständigen bundesdeutschen Anfeindungen ausgesetzt. Die FDP war es auch mal, aber seitdem sie sich dem linken Mainstream verschrieben haben, nicht mehr so.

        Wen wundert es da, dass die kommunistische Nachfolgepartei der SED „Die Linke“ heutzutage fast überhaupt keine Kritik mehr erfährt, dabei haben die weit mehr Populismus im Gepäck als die AfD. Nicht zu vergessen der neue Linkspopulist Martin Schulz, der kritische Themen wie die Flüchtlingspolitik überhaupt gar nicht erst anspricht.

  7. ceterum censeo schreibt:

    Ich halte es lieber mit Akif. Als alter Zonenwirtschaftsflüchtling hat man mich hier genauso aufgenommen und mir geholfen, wie ihm und seinen Eltern. Man hat allerdings manchmal über meinen Dialekt gespottet, aber ich bin nicht daran gestorben.
    Ich kann das Geheule einer einzigen Personengruppe nicht mehr hören. Kein anderer Zuwander ist so drauf.
    PS.: Wie Ihre Mutter im Arbeitslager behandelt wurde, tut mir allerdings sehr leid. Sie sollten um eine Entschädigung für ihre Zwangsarbeit kämpfen. Anwälte dafür finden sich sicher genug.
    PPS.: Akif ahnte damals noch nicht, daß er bald nicht mehr schreiben kann, was er will. Er hätte sich besser auch aufs Jammern verlegt.
    https://www.pi-news.net/2009/02/akif-pirincci-ich-bin-mit-jeder-faser-deutscher/

  8. unbesorgt schreibt:

    Die deutsche Rüstungsindustrie „investiert“ nicht in der Türkei, die deutsche Rüstungsindustrie verkauft Waffen an die Türkei. Zum Himmel schreiende Erwerbsbiografien, Undank und Rentenungerechtigkeit sind kein „Privileg“ von Menschen mit „Migrationshintergrund“. Außerdem erwarte ich von keinem Deutschtürken, dass er sich für das schämen solle, was Erdogan in der Türkei so treibt, die richtige Antwort auf die Frage „Wer ist dein Präsident“ reicht völlig. Ich kann nur jedem Deutschtürken, Türkdeutschen oder was auch immer raten, sich nicht in die Opferrolle drängen zu lassen, denn genau da will Erdogan euch haben – seine blinden Jubeltürken genauso wie die Menschen, deren Heimat eigentlich längst Deutschland oder Europa ist.

    • Hein schreibt:

      Das sehe ich auch so! Meine „Lieblingsschülerin“ (nach ihrem Bekunden, und sie hat wohl recht) hat nur die deutsche Staatsangehörigkeit und ist auf Erdogan nicht gut zu sprechen. Warum – frage ich den Autoren – müssen sich seine deutschen Freunde nicht rechtfertigen, Nazi zu sein? Von den Linksradikalen ist die Gefahr sicherlich nicht zu unterschätzen.

      • Eivor Svensson schreibt:

        „Warum – frage ich den Autoren – müssen sich seine deutschen Freunde nicht rechtfertigen, Nazi zu sein? “
        Weil das dritte Reich 70 Jahre zurueckliegt vielleicht?

        Und weil Erdogan, im Gegensatz zu Adolf Hitler, jetzt im hier und heute und nicht vor 70 Jahren seine Diktatur aufbaut ?
        Wenn die deutschen Freunde, die das dritte Reich alle nicht erlebt haben, sich fuer diesesn rechtfertigen sollen, dann bitte auch die Tuerken fuer den Völkermord an den Armeniern.
        Nur so kann man einen Vergleich ziehen!

  9. fatkat schreibt:

    „1961 kamen die ersten “mobilen Arbeitsreserven“. Sie wurden in die Vorstädte gesteckt, sollten die Schwerstarbeit verrichten und so schnell wie möglich das Land verlassen.“

    Ja das stimmt. Allerdings darf man nicht vergessen, dass Deutschland dem Anwerbeabkommen mit der Türkei damals erst ablehnend gegenüber stand, wegen zu großer kultureller Differenzen. Die Türkei wertete die deutsche Zurückhaltung als Diskriminierung und dann erst gab die deutsche Politik nach und schloss das Abkommen mit der Türkei (das auf Initiative der Türkei hin vorgeschlagen wurde). Es war also mitnichten so, dass Deutschland unbedingt türkische Arbeiter wollte und diese ihrer Heimat entriss und hier mies behandelte.

    „. Ja, die Säulen des Wirtschaftswunders sind tatsächlich geblieben.“
    Das Wirtschaftswunder war in den 1950ern, lange bevor die Türken hierher kamen.

    „Was sie in all den Jahren sehr bedrückt hat, war die Haltlosigkeit. Sie war nirgendwo Zuhause. Das hat man ihr so eingeredet. In Deutschland ist sie bis heute eine Migrantin und in der Türkei ist sie die Deutschländerin.“

    Meine Eltern kamen auch beide als Gastarbeiter, vom Balkan. Beide sprechen auch kein einwandfreies Deutsch, was sie immer als Nicht-Urdeutsche zu erkennen gibt. Auch der Nachname zeigt einen migrantischen Hintergrund. Aber muss das ein Problem sein? Ich denke nicht. Das Leben haben sie sich selbst ausgesucht und ich persönlich werden auch immer nach meinem ethnischen Hintergrund gefragt, werte dies aber als Neugier, die ich auch bei anderen Menschen mit MiHiGru an den Tag lege. Es ist doch interessant, wenn man mehrere kulturelle Einflüsse in sich vereint. Finde ich zumindest.

    „Dieser Verdacht, jeder Türke sei ein Erdogan-Anhänger, verbreitet sich ganz schön geschmeidig. Mit welchem Recht? “

    Das ist natürlich unfair den Leuten gegenüber die Erdogan kritisch gegenüberstehen. Leider ist es so, dass die Erdogan-Anhänger einfach mehr Raum bekommen (bedingt durch die aktuellen Ereignisse) und daher mehr in den Fokus rücken. Dass nicht alle Türken so sind und ich behaupte mal, dass die meisten keine glühenden Erdogan-Verherrlicher sind, sollte schon klar sein.

    • William Wires schreibt:

      Ich, auch ein MiHiGru,weiß nicht, ob meine Entscheidung nach Deutschland einzuwandern, die Beste aller Möglichkeiten darstellt.
      Woher die im Artikel erwähnten „Haltlosigkeit“ herkommt, ist mir unverständlich. Für mich war die „Haltlosigkeit“ die Freiheit. Die Welt ist groß.

      • O.Paul schreibt:

        Es ist natürlich sehr schön, wenn Menschen hierher kommen und Deutschland als neue Heimat oder Zuhause ansehen. Aber was machen wir Ureinwohner, wenn nur 1% der Weltbevölkerung es auch so sehen und unsrer Gastfreundschaft genießen wollen?

        Durch geschickte Globalisierung ist es gelungen, dass Deutschland seine notwendigsten Dinge nicht mehr selbst herstellt und fast alles importiert. Wozu brauchen wir dann noch so viele Flüchtlinge, die unsere Politiker nur allzu gern in das Arbeitsleben integrieren wollen?

    • Eivor Svensson schreibt:

      Danke fuer diesen Kommentar!

Seid gut zueinander!

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