Die Filmemacher haben das Wort

Eine Stellungnahme von Joachim Schroeder, der mit Sophie Hafner die Dokumentation „Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ gemacht hat.

Der von Arte in Auftrag gegebene Film wurde in voller Übereinstimmung der vertraglichen Vorgaben erstellt und von der zuständigen Redakteurin abgenommen. Wir haben für unserem Film folgende Antisemitismusdefinition von Prof. Monika Schwarz-Friesel von der Bundeszentrale für politische Bildung zu Grunde gelegt:

„Der Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Antisemitismus bedeutet in Kurzform jedwede Sonderbehandlung von Juden, weil sie Juden sind. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein. Es zeigt sich die Tendenz, aktuellen Antisemitismus in seiner besonders häufigen Manifestationsvariante des Anti-Israelismus zu leugnen, zu bagatellisieren oder semantisch als „legitime Kritik“ umzudeuten.“

León Poliakov sagte einst:

„Israel ist der Jude unter den Staaten! Es spielt daher keine Rolle was er tut oder nicht, das Problem ist, dass er existiert. Es handelt sich dabei um die Kollektivierung eines Ressentiments. Dies führt zu Argumentationsmustern, die rhetorisch und syntaktisch identisch sind:

‚Juden sind das größte Übel der Menschheit und bedrohen den Weltfrieden!‘
‚Israel ist der schlimmste Verbrecherstaat und bedroht den Weltfrieden!‘

Der einzige Unterschied liegt in der Wortwahl: Rechte und rechtsradikale Sprecher referieren explizit auf Juden, linke und in der Mitte anzusiedelnde Personen benutzen die Wörter Zionisten, Israel und Israelis.“

Deswegen mussten wir für diesen Film in den Nahen Osten reisen, um Antworten auf in Europa vorzufindende antisemitische Ressentiments zu finden.

Gelegentlich wird bei unserem Film von handwerklichen Fehlern gesprochen. Das ist falsch. Die gestern geleakte Version war scheinbar die Arte-Fassung ohne Untertitel, denn diese werden zweisprachig von Arte eingeblendet. Wenn Arte oder der WDR oder die ARD den Film senden, dann werden alle Untertitel vorhanden sein.

Zum Vorwurf des Spiegel, „ausnahmslos alle Araber grinsen provokante Fragen orientalisch weg oder geben unkommentiert entsetzlichen (eben: antisemitischen) Quark von sich“, sei gesagt: Das stimmt nicht. Die sich antisemitisch äußernden Personen im Film sind bis auf eine Ausnahme – Fuad Afane, der sich völkisch auf einer Berliner Demo äussert – Deutsche, Franzosen und Schweizer. Der Kollege wirft uns zudem philosemitischen Elan vor. Das ist seine Übersetzung dafür, dass wir als Autoren eine Haltung haben. Er befindet sich damit in guter Tradition. Bereits Heinrich von Treitschke argumentierte gegenüber seinen nicht-jüdischen Gegnern mit der Formulierung: „philosemitischer Eifer!“

Unser Offtext sagt, die Dichte an NGOs wird als überproportional angesehen – in Israel und den palästinensischen Gebieten. Das ist Fakt. Beim Blick in andere Krisengebiete dieser Erde sind nachweislich wesentlich weniger NGOs vor Ort. In unserem Film sagt Edelgard Meyer zu Uptrup von EAPPI (Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel) uns direkt in die Kamera ihren Holocaustvergleich:

„Ja, das ist eine ganz große Belastung, sich zu sagen, eigentlich tun die was Ähnliches, was ihnen selbst widerfahren ist, durch dieses Hineinsteigern in die Opferpsyche.“

Dieser Holocaustvergleich ist ein gängiges antisemitisches Stereotyp, das nach einer Studie des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus, die im Bundestag 2017 vorgestellt wurde, von immerhin 24% der Bundesbürger geteilt wird. 40% der Bundesbürger sind der Meinung, dass sie verstünden, dass man etwas gegen Juden hat, angesichts der israelischen Politik. Die Aussagen von EAPPI sind ungeschnitten.

Last but not least: Als Dokumentarfilmer haben wir eine eigene Meinung. Dies ist kein Tagesschau-Nachrichtenbeitrag, der Objektivität vorgaukeln soll und dabei häufig in die Kritik gerät, siehe zuletzt zum Beispiel der Beitrag über Wasserversorgung in Gaza.

Arte und WDR verweigern unter fadenscheinigen Gründen die Ausstrahlung unseres Filmes. Sie beanstanden nicht das Handwerk, sondern die erschreckenden Ergebnisse unserer Dokumentation. Das Vorhalten unseres Filmes stellt einen krassen Verstoß gegen das Recht auf informative Selbstbestimmung der Steuerzahler und Zuschauer dar. Wir fordern Arte und WDR auf, unverzüglich für die Sendung unseres Filmes Sorge zu tragen.

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44 Antworten zu Die Filmemacher haben das Wort

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  2. Tom Hess schreibt:

    Ich bin froh um diese Dokumentation. Der linke Antisemitismus wurde in den letzten Jahren immer mehr salonfähig und damit unerträglicher.

    Bei vielen Menschen, die aber diesem Antisemitismus verpackt in Antizionismus „verfallen“ sind, muss man aber durchaus die unselige Rolle der Medien hervorheben. Ich kann mich noch gut erinnern, als bei den letzten größeren Kriegshandlungen Raketen palästinensische Kinder in Krankenhäusern töteten. Das ist zunächst einmal eine Aussage, der man als klar denkender Mensch kein Lob für die israelischen Soldaten entgegenbringen kann.

    Das ist aber leider auch nur ein Teil der Wahrheit. Davon abgesehen, dass es den chirurgischen Raketenangriff nicht gibt, wird in den deutschen Medien völlig verschwiegen, dass die militanten palästinensischen Organisationen dort ihre Waffen und Stellungen verschanzen. Dann bekommen solche (nach wie vor schrecklichen) Geschehnisse plötzlich einen völlig anderen Kontext. Aber selbst, wer jetzt sagt, dass das trotzdem unverzeihlich sei: da muss ich grundsätzlich zustimmen. Aber möchte gleichzeitig daran erinnern, dass die Amerikaner gerade in den letzten Wochen viele Zivilisten in Irak (und Syrien) „versehentlich“ weggebombt haben. Und keinen interessiert es. Aber alle Toten sind schlimm.

    Auch ich brauchte erst so einen Aha-Moment. Ich war geschäftlich auf Zypern. Dort traf ich in einem Straßencafé einen deutschen Blauhelmsoldaten, der in Israel (oder bei Israel; das war um 1998, ich weiß es daher nicht mehr genau) stationiert war. Ich kann mich damals noch erinnern, dass es ein großes Thema war, dass Israel angeblich dauernd die Palästinenser grundlos angriff aus Rache (so jedenfalls die weit verbreitete Aussage in den Medien).

    Klar kam das Gespräch auf dieses Thema. Und er sagte mir, ich müsse meine Position überdenken. Denn in der Regel gingen einer israelischen Vergeltung unzählige Anschläge und abgefeuerte Raketen voraus, die es auszuschalten galt. In den Medien, so seine Aussage, werde dies stets israelfeindlich auf beinahe willkürliche Angriffe seitens Israel verkürzt. Ich denke, diese Art der „Berichterstattung“ trägt maßgeblich dazu bei, dass

    a) sich der Hass gut als „legitimer“ Antizionismus darstellen lässt
    b) dass überhaupt erst so viele Leute auf diesen Zug aufspringen

    Denn den linken Antisemitismus halte ich derzeit für brandgefährlich und auf jeden Fall signifikant gefährlicher als den rechten Antisemitismus. Viele dieser rechten Neonazis plappern irgendwas nach, weil es ihr „großes Vorbild“ Hitler so machte, ohne überhaupt zu wissen, was sie da reden. Viele Neonazis halte ich für sehr beschränkt (ich hatte mal einen „Abgeordneten“ von der NPD reden hören; das tat schon fast weh, wie der sich nicht artikulieren konnte).

    Aber Linke wie Gabriel oder Steinmeier stellen sich derzeit bewusst an die Seite des Terroristen Abbas (er prahlt ja selbst mit dem Anschlag), der aus Palästina ein Multimilliardengeschäft für wenige „Auserwählte“ gemacht hat. Was Gabriel bei seinem letzten Israelbesuch abzog, war schlicht ein Skandal. Insbesondere, nachdem später zu lesen war, was sich hinter den NGOs verbirgt, mit denen er sich lieber traf als mit dem israelischen Regierungschef.

    Nicht falsch verstehen, ich halte auch rechten Antisemitismus schlimm. Aber gefährlich ist eben der linke, weil er so nett verpackt und schleichend anscheinend legitim daher kommt. Ich möchte nur an die Al-Quds Demo in Berlin am Holocaust-Mahnmal erinnern. Und einer tiefroten Stadt.

    Ich würde mir aber auch gerne eine insgesamt umfassendere Aufklärung zum Antisemitismus wünschen. Es waren zu den Zeiten des Dritten Reichs ja nahezu alle Nationen, die dem Antisemitismus ähnlich verfallen waren.Und wie der „Nazibefreier“ USA noch in den 1960ern Schwarz-Weiß-“Rassen“-Trennung haben konnte, leuchtet mir nicht ein. Zudem würde ich mir auch eine Beleuchtung der durchaus linken Züge der Nazis wünschen. Denn die Linken weisen so gerne jede Schuld von sich. Ich möchte da nur an Joachim Fest erinnern und einen Spruch aus den 1930ern: „wie ne Bulette – innen rot, außen braun, weil so viele Linke (Kommunisten) die Braunen für sich entdeckten.

    Jedenfalls sollte Antisemitismus gerade in Deutschland nie mehr eine Chance haben dürfen. Egal, welche politische Seite oder Farbe das ist. Das ist die Verantwortung, die nicht nur die Deutschen haben. Alle Menschen sind aufgerufen, dass ein solcher Genozid nie wieder geschehen darf.

    Und die Dokumentation hat ja ohnehin viele Fakten ausgelassen und hätte noch so einiges mehr bringen können. Aber dann hätten die Linken wohl totale Schnappatmung bekommen. Ich jedenfalls hoffe, dass nun endlich auch mal was gegen linken Antisemitismus unternommen wird. Aber das ist wohl wie mit einer vor nicht zu langer Zeit veröffentlichten Studie zu Gewalt an den extremistischen Rändern. Da kam man auch zum Schluss, dass linksextremistische Gewalt deutlich präsenter ist als durch die Medien verdeutlicht.

    Übrigens bin ich auch der Meinung, viele Linke sollten sich Videos wie das nachfolgende erst mal in Ruhe ansehen: https://www.facebook.com/StandWithUs/videos/10152538574682689/

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  5. DuDu schreibt:

    Hier etwas ARTE Propaganda, eine unerträglich einseitige Reportage…
    Frankreich: Zurück nach Calais – ARTE Reportage

    Brigitte Dereper – Helferin: „Ich denke, wo sind wir hingekommen und ich hatte den Eindruck, naja, ich habe es selbst nicht erlebt, aber nach dem was meine Mutter mir erzählt hat, damals mit den Juden, das ist genau dasselbe mit den Polizeikontrollen im Zug, das muss man mal sehen, ja, das ist schon hart“

    Freiwillig (illegal!) migrierende junge Männer und die Kontrollen durch die französische Polizei mit der Judenverfolgung in Frankreich im zweiten Weltkrieg zu vergleichen widert mich an!

  6. Jan schreibt:

    Zur Kenntnisnahme: eine Gegenmeinung: Von Einer, die Gegenmeinungen eigentlich gar nicht so gern sieht. Der Film ist schlecht, denn er erwähnt nicht (na?) … genau: die „Besatzung“. Sprich: wer Juden beleidigt oder umbringt, während andere Juden irgendwo was „besetzen“ oder „siedeln“, und zwar da, wo Herrenmenschen keine Juden haben wollen, ist natürlich gar kein Antisemit. Veröffentlicht wird das Ganze natürlich bei einer Rundfunkanstalt, die selbst ein ziemlich großer Teil des Problems ist.
    http://www.deutschlandfunk.de/antisemitismus-film-er-hat-eine-sehr-klare.694.de.html?dram%3Aarticle_id=388747

    • A.Bundy schreibt:

      Gemma Pörzgen, die frühere Nahostkorrespondentin der „Frankfurter Rundschau“:
      „Ich habe mir natürlich auch neugierig diesen Film angeguckt nach der ganzen Debatte und war dann doch sehr erschreckt, dass er noch viel schlechter ist, als ich es ursprünglich gedacht hatte.“ Ursprünglich gedacht? Diese Trulla hatte also schon eine Meinung bzw. Vorurteile, bevor sie den Film überhaupt gesehen hatte?
      Und sowas lädt der DLF ein, um eine ‘Expertise’ abzugeben? Unglaublich.

      • Aristobulus schreibt:

        … Jeeez, wie die daherredet. Angeguckt, ist ja allerliebst. Und „erschreckt“. Also wenn, dann ist sie erschrocken, dass da im Film haargenauest ihre eigenen Verdrehereien aufgespießt und gegrillt worden sind.
        Also redet sie naiv daher, damit sie’s nicht so spürt.
        Eine echte Staatsfunknahostexpertin.

      • aurorula a. schreibt:

        Der ganze Film war für die aber-die-Israeeeeelliiiiiiiis-Rufer ein Treffer Mitschiffs und versenkt mit Mann und Maus und Stumpf und Stiel. Das einzige was sie jetzt noch tun können ist Leute davon abzuhalten ihn zu sehen. Somit käuen sie deren Vorurteile wieder und hoffen, daß das ausreicht daß jemand der im Film vielleicht mit einer Wahrheit konfrontiert würde die dem widerspricht meint der Film sei Propaganda und ihn deshalb garnicht erst anschaut.
        Daß also genau die, die sich dort informieren könnten es nicht tun, weil sie das noch niicht wissen was die Filmemacher ihnen neues erzählen könnten.

        • Aristobulus schreibt:

          Stichwort Propaganda: Das fiel da draußen in den letzten Tagen recht gehäuft, nicht?
          Komisch, welchen Beigeschmack diese Floskel „proisraelische Propaganda“ so mit sich führt. Viel Verächtlichkeit, wohl noch mehr Denkverweigerung, denn bitte was soll besser an antiisraelischer Propaganda sein?
          Und Ausgewogenheit. Ja bitte was soll daran unausgewogen sein, dass ein Film feststellt, dass die Juden den Judenhass nun mal nicht verursachen?

          Die vielen Pörzgens kriegen sofort Zustände, so bald mal die gewohnte Wohlfühlportion Normalantisemitismus fehlt. Woraufhin sie dann tief erschreckt aus der Wäsch‘ guggen.

  7. Paul schreibt:

    Lieber Herr Schroeder,
    Danke für diese Stellungnahme und lang anhaltender Beifall.

    Lieber Herr Schroeder und liebe Frau Hafner,
    danke für diese Dokumentation, die ich für preiswürdig halte. Ihnen ist es gelungen, die allgemein als nicht wirklich vorurteilsfrei darstellbare Nahostproblematik, die Ihre Wurzel im religiös begründeten Antisemitismus hat, umfassend faktenorientiert darzustellen.
    Dieser Dokumentarfilm ist Dokumentarfilmpreiswürdig. Dazu müsste die Beschlagnahme durch Arte und WDR aber wohl aufgehoben werden.

    Vielen Dank und herzliche Grüße,
    Paul

  8. Kanalratte schreibt:

    Ich halte den inflationären Gebrauch des Wortes „Antisemitismus“ hier auf TiN für nicht zielführend.
    Die weit verbreitete Ablehnung des Staates Israel hat sicherlich nicht nur mit dem Hass auf Juden zu tun. Ich diskutiere im Netz mit Leuten die mir sagen, dass sie Israel nicht gut finden, auf Gegenfragen antworten sie, dass sie sich selbst noch nicht mit dem Thema Nahost auseinandergesetzt haben. Wie ich schonmal geschrieben haben, fußt die Ablehnung oder die negative Meinung gegenüber dem Staat Israel in vielen Fällen just auf Unwissen und falschen Darstellungen von Medien und/oder Bekannten/Freunden. Nicht zuletzt trägt ein salonlinkes Weltbild vom bösen Imperialisten USA und seinem vermeintlichen Anhängsel Israel zu negativen Stereotypen gegenüber dem jüdischen Staat bei. In der Tat sind nämlich viele Fakten, wie z.B. in der hier angesprochenen Dokumentation dargestellt, kaum in der Bevölkerung verbreitet, weil sich Medien weigern diese zu transportieren und viele der potenziellen jüdischen Widersacher halt nicht mehr am Leben sind.

    • Aristobulus schreibt:

      Das ist richtig, Kanalratte: Danke für die Feststellung, dass zuviel Antisemitismus gesagt werde. Es ist gut, das festzustellen, damit man das schöne Wort nicht abnutzt 😉 .

      (Wer hat den Begriff zuviel benutzt, und wo?)

      Jedoch welchen Grund hat jemand, Israel nicht gutzufinden, der sich mit dem Thema Nahost nach eigenem Bekunden noch nicht beschäftigt hat? Er findet ja nicht Belgien nicht gut oder Zypern nicht gut, sondern ausgerechnet Israel findet er ungut. So an sich. Auf eine besondere Weise ungut.

      Dieses Gefühl bei so Vielen, ganz besonders beim Stichwort Israel sofort zu meinen, da sei etwas-nicht-richtig, ist merkwürdig, nicht?, zumal es dabei so emotional zugeht, selbst wenn es demjenigen bewusst ist, dass er sich mit dem Thema ‚eigentlich‘ nicht beschäftigt hat.
      Analog verhielt es sich so etwa 1927. Da fanden Viele etwas wegen „der Judenfrage“ nicht gut, und zwar hatte das irgendwas mit den Juden zu tun, was sie da nicht gut fanden. Sie stellten jedoch viel weniger eine Polen- oder Franzosenfrage, und wenn, dann war die emotional deutlich weniger besetzt.
      1927 ging es naturgemäß noch nicht um Israel, sondern bloß um die Juden.
      Da herrschte bereits dieses von allem Wissen unbeleckte Gefühl, dass der Jud‘ irgendwie ‚anders‘ sei. So wie heute das Gefühl herrscht, dass Israel ‚anders‘ sei.

      Wie lautet eine der Definitionen: Antisemitismus ist, wenn einer grad den Juden mehr vorwirft, als er Anderen vorwirft.

      • Kanalratte schreibt:

        Warum findet jemand der sich nicht viel mit Politik und dem Weltgeschehen auseinandersetzt Israel nicht gut? Könnte damit zusammenhängen dass die Berichterstattung über Israel nicht gerade positiv ist und sich eine negative Ansicht über den Staat Israel per Schneeballsystem in der Bevölkerung fortsetzt. Ich habe schon Leute gehört die sich offenbar wenig mit Politik auskennen, aber Dinge 1:1 nachplappern die Menschen wie Todenhöfer und Co den Leuten vorsetzen. Das sind oft auch jene Leute die ständig darüber reden wie schlimm die USA sei, einfach nur weil die Medien und ihr Freundeskreis das so behaupten. Interessanterweise häufig Leute die sich auch am AfD-Bashing beteiligen. Deswegen habe ich auch oben geschrieben, dass solche Leute häufig kaum auf Gegenargumente reagieren können, weil sie diese gar nicht aus ihrer Meinungsfilterblase kennen.

        Warum man Juden Anfang der 30er Jahre nicht gut gefunden hat? Sicherlich nicht nur weil die Menschen Juden gehasst haben, sondern auch weil eine negative Stereotype gegenüber Juden in der Bevölkerung im Umlauf war und es anscheinend zu wenige Gegenpositionen gab. Ich behaupte mal dass sich viele Menschen gar nicht um Juden oder die „Judenfrage“ geschert haben, da waren die eigenen Probleme doch wichtiger. Man hat halt das gemacht was andere gemacht haben. Deswegen schrieb ich auch sarkastisch, dass solch eine Doku locker 80 Jahre zu spät kommt. TiN ist mittlerweile eine der wichtigsten Gegenmeinungen im deutschsprachigen Netz.

        • Aristobulus schreibt:

          … kennst Du einen gewissen Echsenwut, Kanalratte? Er schreibt mal hier mal da, ist nicht böswillig und nicht unbelehrbar und auch nicht manipulativ, aber so bald es irgendwo um’s Thema Israel geht, regt er sich in höchsten Tönen auf. Man kann zwar mit ihm reden, aber dann kommt er wieder mit diesem und jenem Verbrechen der Israelis an. Er ist kein Judenhasser und kein Zündler usf., aber diese hm merkwürdige Aufgeregtheit bei sehr vielen, so bald es um das Thema Israel geht, ist anders, als wenn es um das Thema USA oder AfD geht, nicht?

          Es ist eine spezifische Aufgeregtheit, Alarmiertheit, die mit dem alttradierten Zerrbild vom Jud‘ zu tun haben muss. Anders kann ich mir diese dauerhafte Alarmstimmung überall wegen der Juden nicht erklären: Null-Komma-ein Prozent der Weltbevölkerung sind Juden, die allermeisten Deutschen haben noch nie einen Juden gesehen, und Israel ist vom hiesigen Alltag ja Lichtjahre weiter entfernt als etwa die USA, die immer präsent sind, so bald man auf die Straße geht.

  9. pork_soda schreibt:

    Danke!
    In den Kommentarspalten der FR (das ist dieses antisemitische Drecksblatt, das eine Inge Günther beschäftigt, deren Pamphlete hier schon längst als das was sie sind, nämlich antisemitsche Kackscheisse, hätten verhandelt werden sollen), sind die Judenhasser im Moment arg in der Defensive. Sie haben einfach keine Argumente gegen die in der Dokumentation dargebotenen Fakten. Das ist letztlich auch der Grund, warum Arte oder der WDR den Film nicht zeigen werden. Den Einbruch in die heile Welt der Gutmeinenden, die „Pro Gaza“ und „Pro BDS“ sind, und deren Bloßstellung, wird man den Filmemachern nicht so schnell vergessen. Dafür dem Produktionsteam meine Hochachtung. Eine Karriere bei den „Öffentlich-Rechtlichen“ ist damit wohl hinfällig. Chapeau!

  10. Ingenieur schreibt:

    Frau Hafner,
    Herr Schroeder,

    vielen Dank für die Produktion und den Aufwand, den Sie für Produktion und Finanzierung auf sich genommen haben. Ich betrachte Ihren Einsatz auch als gesellschaftliches Engagement im besten Sinne. Leider kann sich Frau Prof. Dr. Rollberg offenkundig nicht äußern, auch ihr gilt mein Dank für ihre Standfestigkeit.
    Der Ausflug nach Gaza bettet sich vollständig in das Gesamtkonzept ein und ist notwendig, um die Problematik der Delegitimierung des israelischen Staates zu verdeutlichen. Das hat durchaus Konsequenzen: Aus meinem Umfeld vernehme ich die überraschte Wahrnehmung, dass der Gaza-Streifen bei weiten nicht nur aus den Ruinen besteht, die aus den üblichen Fernsehbeiträgen allzu bekannt sind. Damit handelt es sich bei Ihrer Dokumentation um Aufklärung im besten Sinne, die die Voraussetzung für die eigene Mündigkeit ist.
    Über den Beitrag des Spiegel möchte ich nur so viel verlieren, dass der Autor offenkundig die Pressemeldungen der letzten Wochen nicht zur Kenntnis genommen hat. Es war das Interesse der Öffentlichkeit auf verschiedensten Ebenen, die zu einem ersten Einlenken beim WDR geführt hat, der die Produktion ebenso wie Arte offenkundig bereits weggeschlossen hatte. Der WDR wird nicht umhin kommen, die Dokumentation zu zeigen. Das muss das Ziel bleiben.
    Die Dokumentation ist so dicht, dass ich mir wünschte, dass einzelne Themen in weiteren Produktionen vertieft werden. Wünschenswert wäre auch eine Auseinandersetzung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit bereits produzierten Sendungen, wie z.B. jener zur Mittelverschwendung von EU-Geldern, in der das Motiv des Wasserraubs breiten Platz bekommt, jedoch einzig und allein auf die Angaben einer einzigen Person gestützt. Keine Gegenseite, keine Überprüfung aktueller Forschungsergebnisse dazu – ein hervorragendes Beispiel negativer Einseitigkeit.
    Der Rundfunkrat des WDR hat mir geschrieben, dass die Thematik der Nichtausstrahlung in der nächsten Sitzung besprochen werden soll, wobei vom Unterzeichner zunächst alle Argumente des WDR gegen die Produktion wiederholt wurden. Von dieser Seite erhoffe ich keine Hilfe.
    Vielen Dank auch an Herrn Buurmann für seinen unermüdlichen Einsatz.

  11. Jan schreibt:

    (Arte und WDR) „beanstanden nicht das Handwerk, sondern die erschreckenden Ergebnisse unserer Dokumentation.“ Ich glaube, hier gibt es einen feinen Unterschied. Denn mit den ohnehin voraus zu ahnenden Ergebnissen sind die verantwortungslosen Verantwortlichen sicher ganz zufrieden; zeigen diese doch, wie weit man es schon gebracht hat. Von der Zensur ist der Film eher deshalb betroffen, weil er diese Ergebnisse nicht unterwürfig bejubelt, wie in totalitären Systemen eigentlich vorgeschrieben, sondern kritisch darstellt. Da liegt das Problem. Bei Arte und WDR fühlt man sich bloßgestellt und befürchtet, dass der Film bei einigen Zuschauern tatsächlich Erschrecken auslösen könnte. Grund für Zensur ist immer die Angst der Mächtigen. Diese Angst ist für mich Grund zur Hoffnung, die ich immer noch nicht aufgeben möchte. Bei dieser Gelegenheit ein großes Danke an Frau Hafner, Herrn Schroeder und Herrn Buurmann!

    • Aristobulus schreibt:

      … das Bloßgestelltsein (ja!, das isses, Jan) wird daraufhin so erschreckend abwehrend und pseudoformalistisch-arrogant-steiflippig weggeschwindelt, nicht?, so wie man das sonst von Beamten unterer Chargen kennt, die irgend Formalia behaupten, wenn man sie beim sachlich-Falschliegen erwischt hat.

  12. Passant schreibt:

    Der Kommentar von Arno Frank hätte eigentlich auch im Film behandelt werden müssen, ein Paradebeispiel für verinnerlichten gepflegten „Euro“-Antisemitismus der gebildeten Schicht. Die Dame, diese Mirna Funk, scheint eine von (leider) vielen kritischen Alibi-Juden zu sein, die manchmal einfach als nützliche Idioten, manchmal aber auch ganz geschäftstüchtig die Hochkonjunktur in D. gezielt ausnutzen.

    Herzlichen Dank an Filmemacher für ihr Engagement, den Anstand und auch den (leider durchaus notwendigen) Mut.

  13. AMC schreibt:

    Ich habe die Artikel, auf die klartext77 hinwies, gelesen, samt der Kommentare. Mir fiel ein, wie ich als DDR-Schülerin, die in Aufsätzen immer eine 1 hatte, bei politisch missliebiger Meinung (z.B. als wir 68 den Einmarsch in die CSSR rechtfertigen sollten), dann bekam ich eine 3 wegen inhaltlicher und Ausdrucksfehlern. So kommt mir das mit dem „handwerklich schlecht gemacht“ vor, was in den Beiträgen immer moniert wurde.

  14. Chaya schreibt:

    Vielen herzlichen Dank für diese ausführliche und deutliche Stellungnahme.

  15. sandra schreibt:

    ich habe mir erlaubt, das unter Angabe der Herkunft auf YouTube unter dem Video zu posten.

  16. Dieter Gehret schreibt:

    Sehr geehrter Herr Schroeder,
    Vielen Dank an Frau Hafner und Sie für die Produktion dieser sehr aufschlussreichen, intensiven und sehr sehenswerten Dokumentation.
    Nachdem ich gestern die „geleakte“ Fassung sehen konnte, unterstütze ich zu 100 % Ihre Forderung an ARTE und den WDR, den Beitrag nicht noch länger der mündigen (und zahlenden!) Öffentlichkeit vorzuenthalten.

  17. klartext77 schreibt:

    Für alle, die sich umfassend(er) informieren wollen, hier mal zwei kriische Artikel über den Film. Leider treffen einige Einwände zu:

    Antisemitismus? Gibt es nicht!
    http://www.zeit.de/freitext/2017/06/14/antisemitismus-dokumentation-funk/

    TV-Dokumentation zu Antisemitismus: Mit Elan ins Minenfeld
    http://www.spiegel.de/kultur/tv/umstrittene-antisemitismus-dokumentation-von-arte-und-wdr-mit-elan-ins-minenfeld-a-1152010.html

    • klartext77 schreibt:

      Es muss natürlich „kritische“ heißen – sorry für den Vertipper.

      • Aristobulus schreibt:

        … am Zutreffendsten hieße es freilich „kreischerische“, Klartext, nicht?, denn in den beiden Artikel wird so schlimm viel vermisst: Die Dame vermisst, dass es darin um ihre eigenen Probleme gehe (gut gut, die gibt es zwar, ja etwa ich selber hab die auch!, etwa die selben hab ich, was aber ja nicht bedeutet, dass ich sie in einem Film über ‚Israelkritik‘ sehen will, denn die will ich da ja NICHT sehen), und im anderen Artikel hat ein Herr große Probleme mit allem, was ihm nicht Anti-Antisemitismus genug ist.

        • Aristobulus schreibt:

          …nein, was ihm nicht anti-Anti-Antisemitismus genug ist, so.
          Redundantes aus der Formel rausgekürzt: Er hat es eben schwer wegen der Juden, der Herr.

          • aurorula a. schreibt:

            Vor allem schießt er sich selbst ins Knie mit der Formulierung:
            Und je länger der ohnehin schon brisante Film im Giftschrank lagerte, umso brisanter wurde er.
            Kurz nachdem er sich beschwert, daß der Film dann doch zu sehen war.
            Watt denn nu? Findet er (ganz richtig), daß den Film, wenn er denn turnusgemäß um Viertel vor Unzeit oder zero dark thirty oder gleichzeitig mit dem Weltmeisterschaftsendspiel gesendet worden wäre, vielleicht drei Leute mitbekommen hätten, plus einem Sozialkundelehrer der ihn auf Video aufgenommen und vor dem nächsten Schuljahr doch vergessen hätte – und so wie es war wollte jeder das plötzlich sehen? Oder daß man ihn trotzdem einfach hätte senden sollen, um die Situation abkühlen zu lassen? Oder, daß man ihn weiter fertigmachen und dann hätte senden sollen?
            Außerdem stört er sich genau an den Stellen, die den Film eben nicht zur staubtrockenen Doku machen, mit der der oben erwähnte Lehrer seine Schüler quält – im festen Wissen daß sie das spätestens nach der nächsten Prüfung vergessen haben.
            Hilfe, diesen Film könnte tatsächlich jemand sehen wollen.

            Ich muß nämlich sagen, ich bereue es nicht, ein kurzes Abo der Bildzeitung gekauft zu haben, um da mal zu gucken, streisandeffekthalber. Eine Kinokarte kostet mehr, und der Film ist wirklich gut.
            (außerdem sollte man das honorieren, wenn die den Film leaken den alle sehen wollen…)

        • bergstein schreibt:

          Sie sind ein Schritt weiter als ich. Ich verstehe anhand des Artikels leider nicht, was der guten Frau an dem Film nicht gefällt. Ihre Ausführungen lassen ihre Gedankengänge nicht nachvollziehen. Insbesondere verstehe ich den Vorwurf der Einseitigkeit nicht. Welche andere Seite soll gezeigt werden, die die Juden zu recht hasst?

          • aurorula a. schreibt:

            Soll vielleicht außer Judenhass, nach Meinung des Chefredakteurs, noch Hass auf andere gezeigt werden?
            Kann ja nicht sein, daß der Film den Titel so wörtlich ausle…. aber den Europateil schon, bitte!

          • Aristobulus schreibt:

            … es sollte wahrscheinlich gezeigt werden, Aurorula, dass da in Europa hmja Hass herrscht, und dass ähm die Siedler und die rechte israelische Regierug (die immer als rechts gilt, sogar Barak galt als rechts!) nicht unschuldig oder besser um so schuldiger seien, also an was auch immer, wahrscheinlich aber an mehr, sodass daraufhin hmja die Menschen (die Menschen!, Ursache und Wirkung und die Menschen!) etwas gegen die rechte israelische Regierug und den Weltfrieden haben.
            Huch?, nein, wahrscheinlich haben die nichts nicht gegen diesen. Aber dass dieser, nein das Nichteintreffen eben dieses Weltfr. usf., dass das ja an den Judensiedlern und an den Rechten liege.

            Das drückt die gute Frau in dem ZEIT-Aufsatz irgendwie so aus, ungefähr, nur vielleicht noch etwas diffuser und mit mehr Wut & Schmerz & Katalysation, und ungefähr das wollten auch Arte und der WDR bittschön ausgedrückt haben.
            Tja-.

          • Aristobulus schreibt:

            Bergstein, hmja, die gute Frau wollte bestimmt quelquechose-de-bon. So wie alle. Da wollen wir sie ja nicht ausnhemen.
            Zunächst wollte sie unterstreichen, dass es um ihre Wut & Schmerz gehe, oder anders herum um ihren Schmerz & Wut, weil man ihr auf einem Foto wohl mal ein Charlie-Chaplin-Bärtchen angeklebt hatte, aber den Anderen auf dem Foto vielleicht nur Vollbärte. Und dann hatte sie ja (sie schrieb nicht das platte hatte, sondern einen viel schöneren Konjunktiv-Imperfekt) diese Schmerzwut so katalysiert (das will ich auch mal können, Katalysieren!), und zwar in der Winternähe. Da hat sie das katalysiert, oder würrde es gekonnt gewollt haben. Und ja, also das hat sie dann am Film gestört, dass da zu wenig Wutschmerz vorkam und zusätzlich oder immernoch zu wenig Altlinke, die „die Besatzung“ geißeln.
            So in etwa, ja?
            Bloß der Konnex zwischen dem Einen und dem Anderen ist nicht deutlich. Also zwischen Schmerz & Wut und den fehlenden Altlinken dann. Ihr war er höchstwahrscheinlich auch nicht ddeutlich, ach Trotz aller Empfindung.
            Sie hätte halt gern einen anderen Film gesehen!, der von etwas Anderem handelt als davon, was der Film halt zeigt. Dass sie aber keinen anderen Film gesehen und auch nicht ihren neuen Roman Frühlingsnähe angefangen hat (den zweiten aus einer sensationellen Tetralogie über Nähe, Schmerz und Wut), ach, das hat sie noch mehr gestört.

            Etwa so seh ich das jetzt mal so zur Nacht 🙂

          • aurorula a. schreibt:

            Sie hätte halt gern einen anderen Film gesehen!
            Sie hätte halt gern eine andere Wirklichkeit, die ein Film zeigen könnte; ob dieser oder ein anderer. Aber wenn schon diese Wirklichkeit, hätte sie sie gern garnicht gesehen, hier oder woanders.

          • Aristobulus schreibt:

            … Wirklichkeit-?, wooo?

    • im-chaos-daheim.de schreibt:

      Mir fehlt bei der Spiegel-Kritik ja durchaus der Hinweis darauf, dass der Spiegel in der Doku eher schlecht wegkommt. Ob der Artikel dann so wirklich „unvoreingenommen“ ist, wird leider nicht klar. Ob das schon als „handwerkliche Mängel“ (beim Spiegel-Bericht) gilt??

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