Herr Schönenborn, ich verlange eine Richtigstellung! 

Sehr geehrter Herr Jörg Schönenborn,

im Rahmen Ihres für mich inakzeptablen Umgangs mit der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner haben Sie mehrfach behauptet:

„Ich bin der Anwalt der Zuschauer.“

Ich bin ein Zuschauer und ich sage Ihnen: Nein, mein Anwalt sind Sie nicht!

Ich verlange daher eine öffentliche Richtigstellung, in der Sie sagen, dass sie nicht mein Anwalt sind! Da Sie es mit Ihren Faktenchecks ja so ernst meinen, erwarte ich, dass Sie eine von Ihnen getätigte Lüge auch richtig stellen.

Wären Sie mein Anwalt, ich würde Sie feuern! Ich kann es jedoch nicht.

Würden Sie für mich sprechen, hätte ich Sie gewählt. Ich habe es aber nicht.

Wären Sie ein anständiger Mensch, Sie gäben mir die Möglichkeit, Ihr Verhalten nicht finanziell unterstützen zu müssen. Sie tun es aber nicht. Ich muss Ihr Verhalten finanziell unterstützen und Ihr Produkt kaufen.

Ich muss mich aber nicht vor Ihren Wagen spannen lassen. Die Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier (SPD) erklärte auf ihrer Facebookseite zu der Maischberger-Sendung, für die Sie als Programmchef verantwortlich waren und in der über die Dokumentation in widerlicher Weise gerichtet wurde:

„Missglückt ist gut, die Diskussion war für mich in weiten Teilen durch und durch antisemitisch und grauenhaft!“

Henryk M. Broder wiederum schrieb:

„Der WDR trickst bis zum letzten Moment. Der Dokumentation über den zeitgenössischen Antisemitismus in Europa wird eine Worttafel vorangestellt, auf der das Haus den Zuschauern versichert, man habe sich immer gegen Antisemitismus engagiert. (Eine tolle Leistung, als ob eine öffentlich-rechtliche Anstalt die Wahl hätte und sich für Antisemitismus entscheiden könnte.) In den laufenden Film werden dann an drei Stellen Inserts eingeschnitten, in denen sich der WDR von der Doku distanziert.

Das ist ein in der deutschen TV-Geschichte einmaliger und einzigartiger Vorgang. Vor die Wahl gestellt, den Film zu senden oder nicht zu senden, hat sich das Haus klammheimlich und ohne Absprache mit den Autoren der Doku dafür entschieden, die Arbeit zu denunzieren und zu verfälschen.

Die Verantwortung dafür trägt in letzter Instanz der amtierende Intendant.“

Ich fasse zusammenfassen:

Henryk Broder erklärt, der WDR habe seine Macht missbraucht, um eine Arbeit über Judenhass zu denunzieren und zu verfälschen und die anschließende Diskussion bei Sandra Maischberger erklärt die Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier (SPD) als „durch und durch antisemitisch und grauenhaft“.

Sie, Herr Schönenborn, sind für dieses Desaster verantwortlich. Ich verbitte es mir, dass Sie jetzt auch noch behaupten, sich in meinem Namen derart durch und durch grauenhaft verhalten zu haben.

Sie sind ganz gewiss nicht mein Anwalt. Daher erwarte ich, dass Sie öffentlich sagen:

„Ich habe mehrfach behauptet, ich sei der Anwalt der Zuschauer. Hiermit erkläre ich, dass dies nicht der vollen Wahrheit entspricht. Ich bin nicht der Anwalt von Gerd Buurmann.“

Ich werde meinen Leserinnen und Lesern nahe lehen, Ihnen ebenfalls, so sie auch finden, dass Sie nicht deren Anwalt sind, die Aufforderung zukommen zu lassen, öffentlich und mit Namensnennung zu erklären, dass Sie nicht deren Anwalt sind. Ich erwarte in deren Fall eine ebenso individualisierte Richtigstellung wie bei mir.

Möge diese Aufforderung die Seiten des WDR fluten, bis es eine Richtigstellung gab – und zwar für jeden persönlich, in dessen ungefragten Namen Sie sich ohne Absprache so verhalten haben.

Oder aber Sie geben mir die Möglichkeit, nicht mehr Ihr Zuschauer sein zu müssen und geben mir das Recht, Ihr Pay TV nicht weiter kaufen zu müssen. Das geht natürlich auch.

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