Die Sünderin

Dies ist ein Brief an alle, die gerade nichts Besseres zu tun haben, als zu zeigen, welche Methoden sie bereit sind zu wählen, um Simone Schermann zu mobben.

Sagt mal,

seid Ihr eigentlich völlig meschugge?

Simone Schermann hat von der Lahrer Zeitung, Redaktion Ettenheim und Umland, folgende vier Fragen geschickt bekommen:

1. Warum haben Sie im Rahmen der Pax-Europa-Bewegung am 4. Oktober in Lahr gesprochen?

2. Bereuen Sie Ihren „Auftritt“ mit Herrn Stürzenberger?

3. Fürchten Sie, dass der DIA dadurch in die rechte Ecke rutschen könnte?

4. Stehen Sie und Herr Krais für ein von Herrn Groß vorgeschlagenes Gespräch bereit?

Ernsthaft? Ist das neuerdings die Aufgabe von Journalisten? Fragen Journalisten Menschen neuerdings, ob sie „bereuen“? Das fragen eigentlich Inquisitoren. Bei Journalisten gehört das zum schlechten Stil.

Ist Simone Schermann etwa eine Sünderin? Muss Sie für etwas büßen? Ist sie eine „Hexe“, weil sie mit dem „Teufel“ gesichtet wurde? Ist sie vom Bösen kontaminiert, weil sie bei oder mit den „falschen“ Menschen gesprochen hat? Gibt es in den Redaktionsstuben der Lahrer Zeitung den Aberglauben der Kontaktkontamination?

Ich bin kein Freund der AfD, im Gegenteil, ich kritisiere diese Partei teilweise scharf, das letzte Mal hier. Es gibt auch einiges, wo ich Herrn Stürzenberger widerspreche. Das heißt aber nicht, dass ich alle Menschen verurteile, wenn sie versuchen, selbst zu denken und daran arbeiten, herauszufinden, wie sie mit ihren Mitmenschen umgehen, vor allem mit jenen, die nicht selten feindlich gesinnt sind oder einer Partei angehören, die mit unanständigen Methoden auffallen.

Simone Schermann ist ein guter, ein anständiger Mensch. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln.

Es gibt keinen Grund für Simone Schermann, sich zu rechtfertigen, wenn Leute, die vom Hass auf diese Frau besessen sind, Boshaftigkeiten über sie verbreiten und erwarten, sie möge Reue zeigen. Daher fühle ich ein körperliches Unbehagen, wenn ich Simone Schermann gegen all die Boshaftigkeit verteidige, die über sie verbreitet wird. Aber es ist nötig:

Simone Schermann ist im Vorstand des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises Ettenheim. Ihre Aufgabe ist es, die deutsch-israelische Beziehung zu fördern. Schon deshalb ist sie in ihrer Stellung von Parteien und Organisationen unabhängig. Dass sie jüngst mal Mitglied in einer Partei war, ihr aber später, teilweise angewidert, den Rücken gekehrt hat, hat sie in ihrer Neutralität nie behindert. Sie kritisierte und kritisiert Judenhass, wo er sich zeigt, ob rechts, links oder in der Mitte, ob bei der SPD, der AfD oder den Grünen. Sie macht keine Ausnahme.

Als Vorsitzende ihres Vereins sucht sie das Gespräch mit allen Bürgerinnen und Bürgern. Das gehört zum Kennenlernen dazu, vor allem wenn sich Menschen unterschiedlichen Glaubens und unterschiedlicher Nationalitäten kennenlernen.

Simone Schermann verteidigt die Freiheit der Meinung, Wissenschaft und Religionen. Sie steht gegen Antisemitismus, Sexismus und Rassismus. Wenn sie Ideen kritisiert, dann kritisiert sie damit nicht die Hautfarbe oder Herkunft der Trägerinnen und Träger der Ideen. Sie kritisiert die Ideen. Ihr Ziel ist der Austausch, das Kennenlernen. Sie sucht das Gespräch, besonders zwischen jenen, die verfeindet sind.

Das ist nicht immer leicht. Frieden ist nicht leicht. Frieden ist Arbeit.

Simone Schermann arbeitet an diesem Frieden. Wenn sie dabei Fehler macht, kann man sie kritisieren. Sie hört zu, jedem. Sie reflektiert, ständig. Manchmal sieht sie Fehler ein, manchmal merken die Kritiker, dass sie recht hatte und der Fehler bei ihnen lag.

Es ist unanständig, Simone Schermann in eine böse Ecke zu rücken, die Reue verlangt.

Wie mit Simone Schermann zur Zeit umgegangen wird, ist keine friedliche Auseinandersetzung zwischen Menschen, die einander Respekt entgegenbringen. Es ist mittlerweile ein Krieg gegen eine Person. So wie gerade mit Simone Schermann umgegangen wird, gehen einige gefühlskalte Ideologen der AfD mit ihren selbsternannten Feinden um.

***

Nachtrag: Wie mittlerweile bekannt wurde, hat sich die Lahrer Zeitung mit dem Bürgermeister von Ettenheim, Bruno Metz, in Verbindung gesetzt, um zu fragen, ob die Stadt breit wäre, als Vermittlerin aufzutreten, um die Angelegenheit rund um Simone Schermann zu klären. Bruno Metz erklärte: „Ich vertraue darauf, dass der DIA die Kraft hat, sich selbst zu bereinigen.“

„Bereinigen“ – Eine bemerkenswerte Wortwahl. Mir bereitet das alles großes Unbehagen.

Dieser Beitrag wurde unter Liberalismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Die Sünderin

  1. Alte Regel für guten, weil kritischen Journalismus: Den Linken „rechte“ und den Rechten „linke“ Fragen stellen. Insoweit wäre der Lahrer Zeitung noch kein Vorwurf zu machen. Frau Schermann könnte die Dinge ja zurecht rücken, wenn sie denn antworten würde. Das Problem besteht darin, dass die meisten Medien linksgrün sind und daher nur noch den zweiten Teil der vorgenannten Regel anwenden. S. auch: Missionieren statt informieren: Das Elend des „Haltungs“journalismus
    https://tinyurl.com/y34j7na3

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Sie muss nichts zurecht rücken. Sie muss darauf gar nicht reagieren. Man muss sich nicht vor Unterstellungen rechtfertigen.

      • Sehe ich anders: Wer sich – wofür auch immer, warum auch immer – öffentlich exponiert, muss sich auch sehr kritische, unbequeme Fragen gefallen lassen. Er/sie kann ja dann überzeugend antworten – oder eben auch nicht. Das gehört nun mal zur demokratischen Auseinandersetzung dazu und ist auch gut so, weil es die Dinge, um die es jeweils geht, verdeutlicht. Würden die Medien das nach allen Seiten so handhaben, wäre es ok. Das Problem ist die Einseitigkeit: Die „Rechten“ werden hart angegangen, die Linksgrünen mit Samthandschuhen angefaßt (wenn überhaupt).

  2. Michaela Lusru schreibt:

    Ja, Gerd Buurmann, grösstes Unbehagen.
    Du hast es wieder mal voll auf den Punkt gebracht.
    Was wird derzeit nur für eine Wiese von Schmutz, Unverstand, Aktionsgeilheit und nutzlosen Anbiedereien wie Angreifereien (oft gegen Nichtverstandenes und fremd Erscheinendes) als Matte für Hass und Hetze ausgerollt.
    Soll einer mal sagen, „der“ Journalismus war / ist da nicht mit von der Partie, hin und wieder sogar im eigenen Verständnis, dolle „progressive Aktivität“ (leider auf dem falschen Gleis) zu betreiben (statt: Journalismus, ich denke an Hajo Friedrichs Journalistik-Ethik !!).

Sämtliche Kommentare sind nur ein paar Tage sichtbar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s