Ohne Furcht oder Vorliebe

Tapfer im Nirgendwo präsentiert die erste Rede von Amy Coney Barrett als Richterin des Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten in deutscher Übersetzung.

Vielen Dank.

Ich danke Ihnen allen, dass Sie heute Abend hier sind, und Präsident Trump, dass Sie mich als Richterin des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten ausgewählt haben. Es ist ein Privileg, darum gebeten zu werden, meinem Land in diesem Amt zu dienen, und daher stehe ich heute Abend hier, wahrhaft geehrt und demütigt.

Vielen Dank auch an den Senat für die Zustimmung zu meiner Ernennung. Ich bin dankbar für das Vertrauen, das Sie mir entgegengebracht haben und ich verspreche Ihnen und dem amerikanischen Volk, dass ich meine Pflichten nach besten Kräften erfüllen werde.

Dies war ein strenger und gründlicher Bestätigungsprozess und ich danke Ihnen allen, besonders Mehrheitsführer McConnell und dem Vorsitzenden Graham, dass Sie mir bei der Positionierung geholfen haben. Mein herzlicher Dank gilt den Mitarbeitern des Weißen Hauses und des Justizministeriums, die unermüdlich daran gearbeitet haben, mich bei dieser Zeit zu unterstützen. Ihre Ausdauer ist bemerkenswert, und ich war die Begünstigte davon.

Jessie und ich sind auch den vielen Menschen sehr dankbar, die unsere Familie in den letzten Wochen unterstützt haben. Durch materielle und immaterielle Weise haben Sie diesen Tag möglich gemacht. Jesse und ich sind tief bewegt von Ihrer Großzügigkeit.

Ich habe im letzten Monat viel Zeit im Senat verbracht, sowohl in Sitzungen mit einzelnen Senatoren als auch in den Tagen der Anhörungen vor dem Justizausschuss des Senats. Der Bestätigungsprozess hat mir besonders einen der grundlegenden Unterschiede zwischen der Bundesjustiz und dem Senat der Vereinigten Staaten deutlich gemacht und es ist vermutlich der dringlichste, der Einfluss politischer Überzeugungen.

Es ist die Aufgabe einer Senatorin, ihre politischen Präferenzen zu verfolgen. Es wäre eine Pflichtverletzung, wenn sie ihre politischen Ziele beiseite legen würde. Im Gegensatz dazu ist es aber die Aufgabe einer Richterin, sich ihren politischen Präferenzen zu widersetzen. Es wäre eine Pflichtverletzung für sie, sich ihnen hinzugeben.

Bundesrichter stehen nicht zur Wahl, daher gibt es keine Grundlage für die Behauptung, die Präferenzen der Bundesrichterin müsse die des Volkes widerspiegeln. Diese Trennung von Pflicht und politischer Präferenz ist der große Unterschied der Justiz bei der Gewaltenteilung.

Eine Richterin erklärt sich nicht nur unabhängig vom Kongress und vom Präsidenten, sondern auch von ihren privaten Überzeugungen, die sie sonst in anderen Umfeldern bewegen mögen. Der Justizschwur erfasst das Wesentliche der Justizpflicht: Die Rechtsstaatlichkeit muss immer die Kontrolle behalten.

Meine amerikanischen Mitbürger,

obwohl wir Richter uns keiner Wahl stellen müssen, arbeiten wir dennoch für Sie. Es ist Ihre Verfassung, die die für Sie so zentrale Rechtsstaatlichkeit und Unabhängigkeit der Justiz festlegt. Der Eid, den ich heute Abend feierlich geleistet habe, bedeutet im Kern, dass ich meine Arbeit ohne Furcht oder Vorliebe erledigen werde und dies unabhängig von den politischen Gewalten und meinen eigenen Einstellungen. Ich liebe die Verfassung und die demokratische Republik, die sie erschafft, und ich werde mich der Erhaltung dieser Verfassung widmen.

Vielen Dank.

***

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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2 Antworten zu Ohne Furcht oder Vorliebe

  1. David schreibt:

    Tolle Rede einer tollen Frau. So etwas würde ich gern auch nur von EINEM der Verfassungsrichter etwa in Karlsruhe hören: „Die Rechtsstaatlichkeit muss immer die Kontrolle behalten.“
    Da sieht man, was wir hier in diesem Land verloren haben.

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