Anschlag auf Jüdische Kultusgemeinde in Kaiserslautern

„Ich freue mich über meine Aufgabe als Geschäftsführer der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinfpalz. Mehr Offenheit nach Außen hin und ein offener Dialog mit den religiösen und nicht religiösen Organisationen der Rheinpfalz setze ich mir zum Ziel.“

Mit diesen Worten begann Daniel Nemirovsky im März 2010 seine Arbeit als Geschäftsführer der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, nachdem sein Vorgänger Manfred Erlich (sel. A.) überraschend an einem Herzinfarkt gestorben war. Zwei Jahre später sieht sich Daniel Nemirovsky mit einem feigen Anschlag anonymer Judenhasser konfrontiert. Die Außenfassade eines jüdischen Gemeindehaus‘ in Kaiserslautern wurde mit Hakenkreuzen und antisemitischen Parolen beschmiert. Eine Parole fordert sogar die Gaskammer für Juden.

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Tapfer im Nirgendwo wünscht Daniel Nemirovsky, der jüdischen Gemeinde in Kaiserlautern und der ganzen Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz die nötige Kraft und Stärke, um diesen feigen Anschlag des Hass so gut wie möglich zu verarbeiten.

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Die Kölner Dom-Moschee

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Als das Richter-Fenster von Gerhard Richter im Südquerhausfenster des Kölnern Doms am 25. August 2007 im Rahmen einer Messfeier eingeweiht wurde, da dauerte es nicht lange, bis sich Kardinal Meisner zu dem neuen Fenster äußerte.

„Wenn wir schon ein neues Fenster bekommen, soll es auch deutlich unseren Glauben widerspiegeln. Und nicht irgendeinen“, ließ der Kardinal in einem Interview mit der Express verlauten und fand sogar noch deutlichere Worte. Das Fenster passe „eher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus“ als in die gotische Kathedrale. Was Kardinal Meisner bei seinen Ausführungen jedoch nicht bedacht hatte: Im Jahr 1965 war der Kölner Dom eine Moschee.

Als in den 1960er Jahren muslimische Gastarbeiter nach Deutschland kamen, gab es in Köln noch kein Haus, wo die Gläubigen zu Allah beten konnten. Darum stellte der Kölner Dom kurzerhand seine beiden nördlichen Seitenschiffe islamischen Gottesdiensten türkischer Arbeitsmigranten zur Verfügung. Die Gebetsbänke wurden weggeräumt und die Gebetsteppiche ausgerollt!

Am 3. Februar 1965 betraten rund 400 türkische Gastarbeiter mit zusammengerollten Gebetsteppichen unter ihren Armen den Kölner Dom, um das Ende des Ramadans zu feiern. Jene Muslime, die sich keinen Teppich leisten konnten, hatten Zeitungen mitgebracht. Auf den Steinfliesen des Kölner Doms breiteten sie ihre Gebetsteppiche und Zeitungen aus und neigten ihr Haupt gen Mekka. Ein Imam leitete den Gottesdienst im Schatten der Kerzen, Kreuze, Altäre, Statuen und in Anwesenheit des Kölner Kardinals Joseph Frings. Am 3. Februar 1965 erschallte erstmals das Gebet „Allahu akbar“ im Kölner Dom. Die ZEIT titelte am 12. Juni 1965:

„Muselmanen beten im Kölner Dom“

Die damalige Dompropstei betonte Journalisten gegenüber, dass das Bereitstellen von Möglichkeiten für die Gottesdienste Andersgläubiger in Kölner Kirchen durchaus „nichts Ungewöhnliches“ sei.

Das Wort Moschee bedeutet „Ort der Niederwerfung“. Der Kölner Dom wurde somit im Jahr 1965 die höchste Moschee Europas mit 157 Metern. Die Muslime nahmen die Moschee dankend an, indem sie nach den Gebeten Geld in den Opferstock warfen. Die Muslime befolgten im Kölner Dom somit vier der fünf Säulen des Islams: Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten und Almosen.

Somit ist der Kölner Dom auch eine Moschee. Das Richter-Fenster mit einer Fläche von 113 m² auf der 11.263 Farbquadrate in 72 Farben mit den Maßen 9,6 cm x 9,6 cm nach dem Zufallsprinzip angeordnet sind, hängt somit durchaus am richtigen Platz.

Gut, die Muslime in Köln haben nun beschlossen, ein eigenes Gotteshaus zu bauen. In Ehrenfeld steht die Baustelle. Die Christen brauchten über 600 Jahre für den Kölner Dom. Mal schauen, ob es die Muslime schneller schaffen. Das böse Wort „Baustopp“ steht im Raum, und wenn die Kölner sagen „Baustopp“, dann meinen sie Baustopp!

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Köln liebt einfach Baustellen. Nicht umsonst sind wohl auch die Farben, die im Straßenverkehr Baustellen anzeigen, auch die Farben im Kölner Stadtwappen.

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Religiöse Gefühle

Ich habe nichts gegen religiöse Gefühle, sie sind nur so unglaublich schnell zu verletzten! Dabei kommt es gar nicht darauf an, ob eine Person überhaupt religiöse Gefühle verletzten wollte. Religiöse Gefühle sind immer erst nach begangener Tat verletzt, und verletzt ist verletzt!

Daher kommt es immer wieder dazu, dass religiöse Menschen ihrer (in ihren Augen) heidnischen Umwelt nicht nur sagen, was sie zu tun haben, sondern auch, was sie unterlassen sollen!

„Zeichne und veröffentliche keinen Mohammed!“

Das ist der Ruf einiger Muslime an nicht-muslimische Künstler und Journalisten. Es gibt immer wieder religiöse Menschen, die auf das Äußerste provoziert sind, wenn es Menschen gibt, die sich nicht an ihre religiösen Gesetze halten und stattdessen die aufgeklärte Verfassung mit der verankerten Kunstfreiheit vorziehen.

Ich werde nie verstehen, wie sich eine Gemeinschaft von Menschen in ihre religiösen Gefühlen verletzt fühlen kann, wenn Menschen außerhalb der Gemeinschaft nach anderen Regeln leben. Stellen wir uns mal vor, Tischtennisspieler würden sich beleidigt fühlen, weil Tennisspieler die Punkte nicht „1 2 3 4“ zählen, wie beim Tischtennis, sondern „15 30 40 45“. Die deutsche Politik würde vermutlich sofort eine Deutsche Tischtennis-Tennis-Konferenz einberufen, um die Situation zu schlichten. Das Ergebnis der Konferenz wäre vermutlich: „Die Deutsche Tischtennis-Tennis-Konferenz ist nach intensiven Gesprächen zu der Erkenntnis gelangt, dass es mehr Dinge gibt, die Tischtennis und Tennis einen als trennen. Im Grunde ist Tennis wie Tischtennis, nur dass der Tisch größer ist und die Spieler auf dem Tisch spielen.“

Ich frage mich manchmal bei all den religiösen Gefühlen um mich herum, wenn religiöse Menschen von nicht-religiösen Menschen erwarten, ihren Geboten zu folgen, sollte ich dann nicht auch anfangen, meine Überzeugen mit gleicher Vehemenz zu verteidigen? Ab heute erkläre ich einfach meine Überzeugungen zu meiner Religion und ich bin fürderhin beleidigt!

Es beleidigt meine religiösen Gefühle, wenn es keine Gleichberechtigung der Geschlechter gibt.

Es beleidigt meine religiösen Gefühle, wenn es keine Presse-, Meinungs-, Religions- und Kunstfreiheit gibt.

Es beleidigt meine religiösen Gefühle, wenn Homosexuelle hingerichtet werden.

Wenn ich aber jetzt anfangen wollte, deshalb Botschaften und Flaggen anzuzünden, dann bräuchte ich eine Menge Öl.

Ein Wort, das religiöse Menschen besonders gerne auf ihre Lippen tragen, ist „Respekt“. Immer wieder versuchen sie, die Freiheit der Kunst, Presse und Meinung dadurch zu beschränken, dass sie ganz schnell die Forderung nach Respekt aus der Kiste zaubern. Wer vom Respekt vor religiösen Gefühlen spricht, holt einen Trumpf gegen Bürger- und Freiheitsrechte hervor. Mir jedoch kann diese Form von Respekt gestohlen bleiben! Wissen Sie, was ich respektlos finde?

Es ist respektlos Männern oder Frauen das Tragen von Kopftüchern, Burkas, Anzügen, Bärten oder Häschenkostümen zu verbieten oder zu befehlen!

Es ist respektlos Menschen zu verbieten, sich darüber lustig zu machen, wenn Männer oder Frauen Kopftücher, Burkas, Anzüge, Bärte oder Häschenkostüme tragen!

Es ist respektlos Menschen zu verbieten, ihre Moscheen, Kirchen, Synagogen oder Tempel zu bauen!

Es ist respektlos Menschen zu verbieten, sich darüber zu beschweren, dass es schon genug Moscheen, Kirchen, Synagogen oder Tempel gibt!

Es ist respektlos Menschen vorzuschreiben, sich an die religiöse Pflichten der Anderen zu halten.

Es ist respektlos von einem Nicht-Muslimen zu erwarten, Mohammed nicht zu malen.

Es ist respektlos von einem Nicht-Christen zu erwarten, an Karfreitag nicht zu tanzen.

Es ist einfach respektlos die eigenen religiösen Gefühle vorzuschieben, um von dem Gegenüber zu verlangen, so zu werden wie man selbst oder damit aufzuhören, man selbst zu sein!

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Jesus loves Pussy Riot!

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Im Evangelium des Johannes 2, 13-17 heißt es:

„Und im Tempel traf Jesus auf die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und auf die Wechsler, die dasaßen. Da machte er eine Peitsche aus Stricken und trieb alle aus dem Tempel hinaus, auch die Schafe und die Rinder, und das Geld der Wechsler schüttete er aus, die Tische stieß er um; und zu den Taubenverkäufern sprach er: Schafft das fort von hier!“

Jesus griff vor gut zweitausend Jahren im Tempel zur Peitsche aus Stricken! Pussy Riot setzten sich am 21. Februar 2012 gestrickte Masken auf und gingen in die Christ-Erlöser-Kathedrale, um vor dem Altar ein „Punk-Gebet“ gegen die Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche zu singen. Nicht selten wird behauptet, Pussy Riot hätte mit dieser Aktion, das Gefühl gläubiger Christen verletzt. Aber was bitte verletzt einen Christen mehr?

Die Frauen von Pussy Riot sind mit gestrickten Masken in eine Kirche gegangen und haben dort in Form eines lautstarken Gebets an die heilige Mutter Maria die unschöne Verbindung zwischen der Kirche und einem räuberischen Regime angeprangert. In Russland werden kritische Journalisten ermordet und Homosexuelle festgenommen, weil sie homosexuell sind. Die Mehrheit des russischen Volkes unterstützt diese Politik auch noch und wirft mit Steinen der Selbstgerechtigkeit um sich, ganz so als seien sie vollkommen frei von Sünde. Und wie verhält sich die russisch-orthodoxe Kirche? Sie paktiert mit dem repressiven, demokratieverachtenden Präsidenten!

Es gibt Situationen, die sind so unerträglich, dass selbst Jesus wütend wird. In Russland ist dieser Moment meiner Meinung nach gekommen! Nicht die Frauen von Pussy Riot haben mit ihrer Aktion das Gefühle christlicher Menschen verletzt, sondern die russisch-orthodoxe Amtskirche mit ihrer blinden Unterstützung Putins. Nicht Pussy Riot hat die Kirche in eine Räuberhöhle verwandelt, sondern jene Geistlichen, die sich dem Räuber Putin an den Hals werfen. Pussy Riot hat nichts weiter getan, als sich an Jesus ein Beispiel zu nehmen.

Ich bin erschüttert, mit welcher Selbstverständlichkeit Pussy Riot von einigen Seiten vorgeworfen wird, gottlose Stänkerinnen zu sein. Sie haben gebetet! Wer unkritisch davon ausgeht, die hohen Geistlichen der russisch-orthodoxen Kirche seien gottgefällig und die Frauen von Pussy Riot Gotteslästerinnen, sollte sich mal überlegen, auf welcher Seite er gestanden hätte, als Jesus mit der Peitsche in den Tempel ging. Jesus hat sich einst unter Huren und Ehebrecherinnen aufgehalten und nicht unter Herrschern.

Heinrich Heine schrieb einst:

Mit Wehmut erfüllt mich jedesmal
Dein Anblick, mein armer Vetter,
Der du die Welt erlösen gewollt,
Du Narr, du Menschheitsretter!

Sie haben dir übel mitgespielt,
Die Herren vom hohen Rate.
Wer hieß dich auch reden so rücksichtslos
Von der Kirche und vom Staate!

Zu deinem Malheur war die Buchdruckerei
Noch nicht in jenen Tagen
Erfunden; du hättest geschrieben ein Buch
Über die Himmelsfragen.

Der Zensor hätte gestrichen darin,
Was etwa anzüglich auf Erden,
Und liebend bewahrte dich die Zensur
Vor dem Gekreuzigtwerden!

Ach! hättest du nur einen andern Text
Zu deiner Bergpredigt genommen,
Besaßest ja Geist und Talent genug,
Und konntest schonen die Frommen!

Geldwechsler, Bankiers, hast du sogar
Mit der Peitsche gejagt aus dem Tempel –
Unglücklicher Schwärmer, jetzt hängst du am Kreuz
Als warnendes Exempel!

Jesus hing am Ende am Kreuz. Auf Pussy Riot wartet das Straflager als warnendes Exempel. Ich bin mir aber sicher, egal was so viele andere hohe Würdentrager behauptet:

Jesus loves Pussy Riot!

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Ingund Mewes Platz

Sehr geehrte Damen und Herren der Stadtplanung in Köln,

ich lebe jetzt schon seit über zwölf Jahren in dieser wunderbaren Stadt. In dieser Zeit ist es mir immer wieder aufgefallen, dass es einen Platz in Köln gibt, der zwar gerne als Treffpunkt vieler Studentinnen und Studenten gewählt wird, aber leider bis zum heutigen Tag keinen Namen hat. Es ist der Platz, an dem sich Zülpicher Straße, Dasselstraße, Kyffhäuser Straße, Moselstraße und Meister-Gerhard-Straße treffen. Er befindet sich mitten im Kwartier Lateng.

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Im Kwartier Lateng befand sich zwei Jahrzehnte lang das einzige Frauentheater mit festem Haus im deutschsprachigen Raum: das Piccolo Theater von Mewes und Töchter. Die Prinzipalin des Theaters war Ingund Mewes.

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Ingund Mewes wurde am 5. Mai 1934 in Hannover geboren und starb am 18. Februar 2005 in Köln. Sie war für das Theater als Schauspielerin, Autorin, Regisseurin und Leiterin tätig. Ihr Stück „Die Töchter der ‚Hexen'“, das jahrelang erfolgreich im Piccolo Theater zu sehen war, erhielt den damals noch vergebenen Publikumspreis der SK Stiftung Kultur. Ebenso erhielt ihre Inszenierung von „Nur Kinder, Küche, Kirche“ von Franca Rama und Dario Fo diesen Preis. Ingund Mewes selbst wurde 2001 zudem noch mit dem Dr. Inge von Bönninghausen-Preis ausgezeichnet. Ingund Mewes wirkte ebenfalls als Sprecherin für den Westdeutschen Rundfunk WDR.

Ingund Mewes war für Jahrzehnte aus der Kölner Theaterlandschaft nicht wegzudenken. Ihre Art und Weise ein Theater zu leiten war in ganz Köln bekannt. In der Stadtrevue vom März 1995 heißt es: „Was im Anschluß an die Vorstellungen im Foyer des Theaters geschieht, ist eine spontane Interaktion zwischen Publikum und dem Bühnengeschehen, wie sie für das Piccolo-Theater typisch ist und wie sie nur dort erlebt werden kann. Die Fragen, die das Stück provoziert hat, kommen in der nun anschließenden Gesprächsrunde zur Sprache.“

Das ihr Theater zu den ersten feministischen Theatern Deutschlands gehörte, gibt dieser Frau auch bundesweite Bedeutung. Ich schlage daher vor, dieser einzigartigen Frau, die Köln mitgeprägt hat, den Platz direkt neben ihrem ehemaligen Theater zu widmen, damit ihr Andenken bewahrt bleibt und die Kölner Studentinnen und Studenten endlich einen Namen haben für den Platz, wo sie sich zu gerne treffen.

Alles Liebe,
Gerd Buurmann

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Keine Überraschung

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Kinder sind kleine Überraschungseier. Sie kommen mit einer kleinen Seele auf die Welt und zunächst weiß niemand, was sich darin befindet. Egal ob die Kinder schwarz oder weiß, Jungs oder Mädchen, blond oder rot sind, was sich in ihrer Seele befindet, erfährt man nur, wenn man sich die Mühe macht, in das Innere der Kinder zu schauen. Man kann ein Kind ebenso wenig an der äußeren Hülle beurteilen wie ein Überraschungsei.

So galt es seit Jahren, aber diese Zeiten sind nun leider vorbei. Seit Anfang August 2012 werden Kinder nicht mehr überrascht, sondern auf Linie gebracht. Seit August 2012 gibt es spezielle Mädchen-Ü-Eier, zugeschnitten auf Mädchen, und besser auf das, was die Macher dieser Mädchen-Ü-Eier für Mädchen halten. Im Pressetext heißt es: „Während Mädchen integrativer und kooperativer veranlagt sind, sind Jungs deutlich wettbewerbs- und statusorientierter.“ Und weil das nun mal angeblich eben so ist, bricht Ferrero jetzt alle Mädchen auf, stiehlt ihnen ihre individuellen gelben Seelen und ersetzt sie durch vorprogrammierte Seelen basierend auf magersüchtige Feen. So sehr ich Feen mag, wenn es ihnen gestattet ist, soviel zu essen, wie sie brauchen, so sehr verwehre ich mich gegen die Ansicht, Überraschung höre da auf, wo das Geschlecht beginnt.

Kinder haben einen Recht auf Überraschung jenseits ihres Geschlechts. Sie haben ein Recht darauf, nicht danach beurteilt zu werden, wie sie aussehen oder was die Mehrheit ihrer Geschlechtsgenossinnen vermeintlich macht. Selbst wenn nur jedes siebte Mädchen eher „wettbewerbs- und statusorientiert“ ist, so hat sie das selbstverständliche Recht, nicht auf das vermeintliche Verhalten der Mehrheit der Mädchen zwangsreduziert zu werden. Jedes siebte Mädchen, das statusorientiert ist, ist genauso ein Mädchen wie jedes siebte Ei immer noch ein Überraschungsei ist. Wer kein Problem mit Mädchen-Ü-Eiern hat, kann auch gleich gesonderte Ü-Eier für Schwarze und Weiße fordern.

Ob ein Kind Feen mag, soll und muss einfach der Überraschung überlassen sein. Statt Kinder also zwanghaft in unsere Vorstellungen von Mädchen und Jungs zu stecken, sollten wir uns lieber freuen, dabei zu sein, wenn Kinder ohne sinnlose Einschränkungen und Vorgaben der Erwachsenen, ihre Seelen entdecken können.

Ich fordere eine Rückkehr der Überraschung ins Ei!

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Warum nicht Israel kritisieren?

Stellen Sie sich mal vor, Sie sehen einen Mann, der in einem kleinen Haus lebt, das er selbst gebaut hat und in einer Nachbarschaft steht, in der alle Häuser in ähnlichem Umfeld und Kontext errichtet wurden.

Jetzt stellen Sie sich vor, dieser Mann wird von der ganzen Nachbarschaft seit dem Tag der Grundsteinlegung bedroht. Die Nachbarschaft erklärt dem Mann pausenlos, sein Haus zerstören zu wollen und ab und an fliegen sogar Steine und selbstgebastelte Bomben auf das Haus.

Stellen Sie sich jetzt vor, der Mann schreibt schon seit dem Richtfest seines Haus‘ regelmäßig Briefe an die Nachbarschaft, um für ein friedliches Zusammenleben zu werben und hat als Zeichen seines guten Willens sogar seinen Stellplatz und einen Teil seines Gartens an die Nachbarn verschenkt, aber trotzdem wird ihm gedroht und weiterhin fliegen Bomben.

Stellen Sie sich weiterhin vor, obwohl alle Häuser in recht ähnlicher Art und Weise entstanden sind, kämen nur Gerüchte über die Unrechtmäßigkeit der Errichtung des eines Hauses auf.

Jetzt stellen Sie sich vor, irgendwann wird es dem Mann zu viel. Er baut einen Zaun und lässt niemanden mehr rein. Irgendwann wirft auch er mit Steinen und explosivem Material.

Stellen Sie sich vor, irgendwann geht die ganze Nachbarschaft in Flammen auf, aber immer noch erklärt der Mann in irgendeiner Form an Frieden interessiert zu sein, während die Nachbarschaft pausenlos erklärt, erst Ruhe zu geben, wenn sein Haus endgültig zerstört wurde.

Stellen Sie sich vor, der Mann und die Nachbarn sind tot und die Enkel bewohnen jetzt die Häuser, aber immer noch will die ganze Nachbarschaft das eine Haus zerstören. Mittlerweile wohnt eine große Familie in dem Haus und einige davon sind tatsächlich recht unsympathisch.

Kämen Sie auf die Idee, die Familie zu kritisieren?

Ich werde immer mal wieder gefragt, warum ich eigentlich niemals Israel kritisiere. Nun, ich kritisiere auch nicht Thailand, Ecuador und die Elfenbeinküste, warum also werde ich so oft nach Israel gefragt, aber zu Israel habe ich tatsächlich eine spezielle Haltung. Israel ist das einzige Land auf der Welt, das von seinen Nachbarn seit Jahrzehnten mit der Auslöschung bedroht wird. Ich habe daher eine klare Antwort: Ich werde erst dann damit anfangen, die Familie in dem Haus zu kritisieren, wenn gesichert ist, dass sie leben kann. Solange aber die Nachbarschaft nicht aufhört, die Familie in ihrer Existenz zu bedrohen, habe ich ganz andere Prioritäten.

Ich vermute sogar, wenn Russland und alle Russen von ihren Nachbarn mit der Vernichtung bedroht werden würde, ich mich nicht so sehr über das Schicksal der Pussy Riot aufregen würde. Allerdings bin ich mir sicher, das Problem gäbe es in dem Fall nicht, da Russland ganz andere Probleme hätte.

Ich bitte daher alle Israelkritiker, einfach mal kurz inne zu halten und einen kleinen Gedanken daran zu verschwenden, wie es sich anfühlen mag, in einem Gebiet zu leben, wo man täglich mit der mal mehr, mal weniger spürbaren Bedrohung der Vernichtung konfrontiert wird. Unter Israelis und Juden sind eine Menge Arschlöcher, wie unter allen Menschen aller Religionen und Nationalitäten, aber ich werde ganz sicher erst dann mit einer Israelkritik beginnen, wenn Israelis und Juden, ob Arschlöcher oder nicht, in Sicherheit leben können.

Wer also will, dass ich Israel kritisiere, soll erstmal dafür sorgen, dass es in Israel sicher genug ist, damit kritisiert werden kann – oder, um die ganz große Keule zu schwingen: Ich werde selbst das größte Arschloch nicht kritisieren, solange es mit dem Tod bedroht wird.

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Was darf Satire?

„Wenn einer bei uns einen guten Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.“

Mit diesem Satz beginnt Kurt Tucholsky sein Essay „Was darf Satire?“ Er endet mit den Worten:

„Was darf die Satire?
Alles.“

Ich muss gestehen, so sehr ich Tucholsky liebe, ich halte diesen Essay für einen seiner schwächsten Texte. Zunächst gefällt mir nicht, dass er sich anmaßt zu definieren, was Satire sein soll und was nicht. Das größte Problem habe ich jedoch mit seiner Feststellung, Satire dürfe alles. Wenn es nämlich wirklich etwas gibt, das alles darf, dann müssen doch nur jene, die etwas schier ungeheuerliches tun, dafür sorgen, ihre Handlung zur Satire zu erklären und alles ist gut.

Nein! So wie es nichts geben darf, das alles verbieten darf, genauso wenig darf es etwas geben, das alles darf. Ja, ich habe gerade Nein! geschrieben, denn wie schreibt Tucholsky:

„Satire scheint eine durchaus negative Sache. Sie sagt: »Nein!«“

An anderer Stelle schreibt er:

„Übertreibt die Satire? Die Satire muß übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.

Aber nun sitzt zutiefst im Deutschen die leidige angewohnheit, nicht in Individuen, sondern in Ständen, in Korporationen zu denken und aufzutreten, und wehe, wenn du einer dieser zu nahe trittst. Warum sind unsere Witzblätter, unsere Lustspiele, unsere Komödien und unsere Filme so mager? Weil keiner wagt, dem dicken Kraken an den Leib zu gehen, der das ganze Land bedrückt und dahockt: fett, faul und lebenstötend.“

Hier hat Tucholsky durchaus recht, nur frage ich mich, wer heute die „dicken Kraken“ sind. Ich fürchte, die fettesten Kraken sitzen heute selbst im Publikum der lachenden, schießenden und Mitternachtsspitzen würzenden Pfeffermühlen. Es gibt Menschen, die haben Witz, andere haben Humor, wieder anderen besitzen Ironie und der Rest geht ins Kabarett! Vorne steht ein Inquisitor, der gemeinsam mit der Horde im Publikum ein Feindbild zum Auslachen erwählt. So macht aus-grenzen Spaß! Auf der Internetseite Lizas Welt fand ich folgende passenden Worte:

“Die Funktion des deutschen Spaßmachers jedenfalls gleicht der des politischen Scharfmachers: Beide demonstrieren Identität. Sie verkörpern die Instanz, die es dem Publikum qua Identifikation erlaubt, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und die Wut über die gesellschaftlich produzierte Malaise an anderen abzureagieren.”

Das Kabarett liebt es, Witze über „Die da oben“ zu machen. Das Publikum dankt es dem Kabarett mit Gröhlen und Wiehern, denn so kann es die Illusion aufrecht erhalten, für die Situation nicht verantwortlich zu sein. “Die da oben” werden behandelt, als wären sie dem Publikum vorgesetzt worden, so wie ein König oder ein Diktator dem Volk vorgesetzt wird. Kabarettpublikum benimmt sich wie ein Kind, das nur deshalb Witze über seine Eltern macht, weil es noch nicht alt genug ist, selbst Verantwortung zu tragen.

Allerdings sind die Menschen im Publikum keine Kinder mehr. Sie sind erwachsene Leute. Sie haben es leider nur noch nicht bemerkt. Warum auch? Verantwortung war gestern. Heute regiert der Spaß! Blast die Narrentrompete! Die Horde will tanzen. Davon geht die Welt nicht unter! Es darf sogar wieder über Ausländer gelacht werden, vorausgesetzt natürlich, der Ausländer ist Amerikaner.

Im Grunde ist Kabarett nichts für Demokraten. Kabarett funktioniert nämlich nur, wenn man glaubt, für die Politik, über die gelacht wird, nicht mitverantwortlich zu sein, wenn man glaubt, die Politiker seien einem nur vorgesetzt worden und die einzige noch mögliche Beziehung zur Herrschaft wäre die des hilflosen Spotts. Dieses Publikum will über sein Lachen vergessen, dass es selbst Souverän ist und somit für die Misere mit verantwortlich. In autoritären Systemen ist diese Form des Kabaretts nötig, damit man in Zeiten absoluter Hilflosigkeit nicht den Mut verliert und weiter das Lachen wagt, aber in Demokratien ist diese Form des Kabaretts bestenfalls peinlich und schlimmstenfalls selbstgerecht. In einer Demokratie ist die Politik nie lachhafter als das Publikum, das über die Politik lacht.

So.

Meine Gedanken zu dem Essay „Was darf Satire?“ gehören vermutlich auch zu meinen eher schlechten, ich bin mir sogar sicher, dass sie deutlich schwächer sind als der Ausgangstext von Kurt Tucholsky. Ich gestehe, ich weiß einfach nicht, was Satire ist und darf. Man möge daher meinen kläglichen Versuch vergessen, Satire zu definieren. Es muss aber auch nicht immer alles geklärt und katalogisiert werden, auch wenn Tucholsky es in seiner preußischen Liebe zur Ordnung versucht hat.

Es gibt jedoch keinen Grund dafür, sich mit etwas, das man nicht versteht, nicht zu konfrontieren. Statt also zu definieren, was Satire sein könnte und darf, werde ich nun einfach Beispiele dafür anbringen, was Satire alles in den letzten Jahren nicht durfte. Dann kann jeder selbst entscheiden, ob er oder sie wirklich meint: Nein! Satire darf alles.

***

Comedian Manes Meckenstock sagte in einem Düsseldorfer Lokalsender sagte er: „Wenn ich Gülcan sehe, dann bedaure ich, dass es die Nürnberger Rassegesetze nicht mehr gibt.“ Der WDR, für den Meckenstock damals ebenfalls arbeitete, verordnete ihm daraufhin eine Auszeit.

Im Bundesland NRW haben alle Satiriker an Karfreitag Berufsverbot. Das Theater an der Kö in Düsseldorf zum Beispiel wurde gezwungen, das Boulevardstück „Der lustige Witwer“ an Karfreitag aus dem Programm zu nehmen.

Das Satire-Magazin Titanic darf Papst Benedikt XVI. nicht als einen Mann darstellen, der sich eingenässt und eingekotet hat.

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Tapfer im Nirgendwo bittet seine Leserinnen und Leser die Kommentarspalte zu nutzen und ebenfalls Beispiele zu nennen, wo Satire eben nicht Alles durfte.

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Tom Wolff, Taxifotograf

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„Ich lernte Gerd Buurmann, den Erfinder der Kunst gegen Bares, im Taxi kennen, und besuche seitdem die von ihm und Hildegart Scholten moderierte Offene Bühne Show, die regelmäßig montags um 20 Uhr im ARTheater in Köln-Ehrenfeld stattfindet. Meine Kamera habe ich immer mit dabei.“

Das schreibt der Taxifotograf Tom Wolff auf seiner Visitenkarte. Schauen Sie sich einfach mal seine Bilder auf der Facebook-Seite Kunst gegen Bares in Bildern an, denn sie fangen auf wunderbare Weise die einzigartige und zauberhafte Atmosphäre ein, die sich jede Woche in der Kunst gegen Bares entfaltet.

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Nennt mich Mohammed!

Ich habe es geschafft. Ich stehe für einen Rentner aus Dortmund auf einer Stufe mit Mohammed. Einst hatte Kurt Westergaard den Propheten Mohammed mit einer Bombe auf dem Kopf gezeichnet, aber jetzt nimmt ein Rentner aus Dortmund die Bombe von Mohammeds Haupt und setzt sie mir auf den Kopf. Ich bin also in seiner Vorstellung der neue Prophet. Ich bin begeistert. Baut Tempel in meinem Namen! Ein Rentner aus Dortmund hat Mohammed die bombische Krone vom Haupt genommen! Mohammed war gestern. Heute komme ich. Aber sehen Sie selbst: Bombenkopfgerd.

Wenn Mohammed seine Bombe wieder haben möchte, kann er sie bei mir abholen.

Mohammed ist nicht der erste Mensch, mit dem Erhard Arendt mich verglichen hat. Vor einigen Wochen hat er eine Kollage herausgebracht, auf der er meinen Kopf auf den Körper des norwegischen Mörders Anders Breivik kollagiert hat. Ich finde, mit dieser Kollage verharmlost er die Taten von Anders Breivik, weil er so doch im Grunde behauptet, Anders Breivik sei auch nur ein Schauspieler wie ich. Erhard Arendt verharlost somit Breivik und beleidigt zudem noch den Propheten Mohammed. Er hat nämlich nicht nur den Prophet gezeichnet, was ja bekanntlich allein schon eine Beleidigung im Islam ist, er hat Mohammed auch noch das Aussehen von mir gegeben. Erhard Arendt behauptet somit, dass Mohammed, wenn er heute leben würde, auf der Seite Israels wäre. Das finde ich ja an sich eine recht pro-israelische Haltung, aber ich fürchte, im innerislamischen Diskurs wird er damit nicht auf eine mehrheitliche Begeisterung stoßen.

Erhard Arendt ist ein Mann, der in seinem Hass alle Kohärenz fahren lässt wie einen stinkenden braunen Furz. Er hasst und lügt. Er stilisiert sich zum Opfer von Menschen wie mir, genauso wie sich die Nazis permanent als Opfer gefühlt haben. Im Resultat seiner Opfermentalität fordert er die Einkerkerung und das Schreibverbot seiner Feinde, ebenso wie es die Nazis gefordert haben. Erhard Arendt konstruiert Zusammenhänge zwischen mir und Taten der Weltgeschichte, ganz so, als würde ich mich manchmal nachts heimlich mit meinem in seinen Worten angeblich “geistigen Vater und Mitstreiter” Henryk M. Broder auf einem Friedhof treffen, um aus gestohlen Leichenteilen das nächste Monster Frankenstein-Breivik zu basteln. In uns sieht er die deutsche Spitze der Weltverschwörung. Zudem spricht er allen Deutschen, die nicht seine Ideologie teilen das Deutschsein ab. Wahre Deutsche müssen seine Ideologie teilen. Alle anderen sind in seinen Worten “Anti-Deutsche”, also Volkszersetzer. Erhard Arendt ist ein klassischer Antisemit, Judenhasser und Neo-Nazi.

Und es fühlt sich gut an, von ihm gehasst zu werden!

Gestern war ich Breivik. Heute bin ich Mohammed. Mal schauen, was ich morgen sein werde. Jesus? Hitler? Alles ist möglich. Ich bin gespannt.

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