Frohen Tag der Deutschen Einheit!

Jede Nation, die sich weder völkisch noch rassistisch definiert, sondern sich als Hüterin der Aufklärung versteht, braucht einen Moment, wo Menschen sich zusammengefunden haben, nicht weil sie die gleiche Hautfarbe haben oder an den selben Gott glauben, sondern weil sie frei sein wollen.

Diesen Moment haben uns die mutigen Frauen und Männer Ostdeutschlands vor über dreißig Jahren geschenkt. Sie gingen auf die Straßen, um für die Freiheit zu demonstrieren. Sie kehrten dem Regime der Unterdrückung den Rücken. Sie taten dies unter Einsatz ihres Lebens. Niemand wusste, wie die Staatsmacht reagieren würde.

Sie gingen auf die Straße, nicht weil sie gehungert haben, sondern weil sie nach Freiheit sehnten. Sie wollten sagen können, was sie wollen, auch wenn es den Mächtigen nicht gefällt. Sie wollten reisen können, wohin sie wollen. Sie wollten schlicht und ergreifend frei sein. Diesen Ruf der Freiheit verbanden sie mit dem Spruch: „Wir sind das Volk!“

Diese Revolution war der Beginn der Nation, die seit dem 3. Oktober 1990 als wiedervereinigtes Deutschland existiert.

Dieses Jahr ist der Tag der Deutschen Einheit immer noch überschattet von Corona. In den letzten Monaten wurde erbittert ein Streit um die Frage nach dem Verhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit geführt. Dabei wird leider immer öfter der politische Gegner diffamiert.

„Militaristische und revanchistische Propaganda in jeder Form, Kriegshetze und Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werden als Verbrechen geahndet.“

Klingt gut, oder? Wer ist schon ein Freund von Kriegshetze und Hass? Es ist doch gut, wenn all das verboten ist, oder?

Der zitierte Absatz fand sich an fünfter Stelle des sechsten Artikels der Verfassung der DDR. Es war genau dieser Absatz, mit dem Kritikerinnen und Kritiker des Regimes in Knast und Folter gesperrt wurden. Nimm Dich in acht vor selbsternannten Friedensaktivisten, denn sie erklären Dich zum Kriegsaktivisten, sobald Du es auch nur wagst zu widersprechen.

Wir befinden uns wieder in einem Krieg. Diesmal jedoch ist der Feind klein und kann sich in jedem Körper befinden, in dem Körper des Kollegen, der Enkelin, des Freundes, der Verkäuferin und in uns selbst. Durch das Virus werden wir einander zur Gefahr. Als Strategie zur Bekämpfung dieser Gefahr hat uns die Regierung in einen Lockdown und sogar in eine Ausgangssperre geschickte.

Die Bürgerinnen und Bürger wurden und werden zum Wehrdienst gegen das Coronavirus zwangsverpflichtet. Alle müssen mitmachen. Wer sich weigert, die Uniformen der Hygiene anzulegen oder die Befehle zur Distanz zu exekutieren gilt als Deserteur, der die Truppenmoral schwächt und das Wohl und die Gesundheit des Volkes gefährdet.

„Es geht um die Gesundheit,“ sagen sie Verteidiger der Freiheitsbeschränkungen und fügen Klagens hinzu, „oder willst Du, dass noch mehr Menschen an dem Virus sterben?“ Sie sind der festen Überzeugung, dass wenn sich alle Menschen an die Coronaregeln halten und das gewohnte Leben temporär einstellen, sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann. Es geht um die Sicherheit! Was kann man dagegen haben?

Nun, der Mensch ist das Problem! 

Jeder Vorschlag einer Problemlösung, bei dem der Mensch zum Problem erklärt wird, ist unmenschlich. Eine solche Lösung will nicht das Problem beenden, sondern den Menschen. Der Sozialismus der DDR war so ein unmenschliches System, nicht aufgrund der Ideale, sondern aufgrund der Methodik.

Der Mensch ist frei und fehlerhaft. Er kann sich für das Gute und für das Böse entscheiden. Er definiert überhaupt erst, was gut und böse ist. 

Das Problem der DDR war, dass sie die mit Schwächen geschlagen und mit Interessen versehenen Menschen nicht befähigte, ein gerechtes Leben zu führen, sondern die Menschen zwang, ein gerechtes Leben zu führen. Was gerecht ist, definierten dabei ein paar wenige Mächtige. Für die SED war der Mensch ein Problem, weil er frei ist. Auch für die Parteien heute, die Bürgerinnen und Bürger in Zeiten von Corona mit Verordnungen in Lockdowns, Ausgangssperren und sozialen Distanzierungen zwingen, ist der Mensch das eigentliche Problem. Diese Entwicklung ist mehr als beunruhigend.

Der Mensch ist ein Wesen, das sich seiner Sterblichkeit bewusst ist. Menschen besitzen die Fähigkeit zu Moral. Menschen sind Kreaturen, die Welten erdichten und Kunst erschaffen können. Menschen machen Gesetze und werfen Partys. Menschen erleben sich in der Gemeinschaft und messen sich aneinander. Sie lachen, singen, tanzen und grölen. Sie umarmen sich, kuscheln, raufen, ringen und bekriegen sich. Menschen möchten das Leben spüren. Sie möchten raus. Menschen möchten einen Eindruck hinterlassen. Sie möchten sich mal fallen lassen und mal herrschen. Menschen sind frei.

Freiheit ist gefährlich.

So wie der Zwang der DDR zu Freundschaft, Gerechtigkeit und Solidarität viele Menschen zerstört hat, so zerstört heute der Zwang zur Corona-Bekämpfung viele Existenzen und Menschen.

Der Mensch ist ein Lümmel. Je stärker er zu etwas gezwungen wird, mag es auch noch so richtig und wichtig sein, umso mehr steigt in ihm der Wille zum Widerstand auf, vor allem wenn die Maßnahmen urmenschliche Verhaltensweisen unterdrücken.

Ich liebe die Freiheit. Sie ermöglicht es mir, ein privatisierter Sozialist zu sein, der versucht, ein gerechter Mensch zu sein. Ich freue mich, wenn es mir gelingt und ich ärgere mich, wenn es mir misslingt. Wenn mir im Misslingen aber unverhältnismäßige Strafen auferlegt werden, wenn ich zum Problem erklärt werde, weil ich menschlich bin, regt sich in mir Widerstand.

Natürlich braucht es Regeln, um eine soziale Gemeinschaft aufrechtzuerhalten, aber wenn die Regeln unmenschlich werden, wenn der Mensch das Problem wird, bricht entweder alles zusammen oder die Unterdrückung des Menschen nimmt zu.

Es gibt Menschen, die in der Coronakrise ihre Existenz verloren haben, deren Beziehungen im Ausnahmezustand zu Grunde gegangen sind und deren Kinder Depressionen bekommen haben. Die Krise hat verzweifelte Personen hinterlassen, die nicht im Home Office Kuchen essen konnten, weil es schon am Brot gemangelt hatte. Es gibt Menschen, für die ist das Fußballstadion, das Theater, die Kneipe oder der Club lebensnotwendige Ablenkung und eine soziale Form des Stressabbaus und der Aggressionsbewältigung. All das hatte Monate zu.

Menschen brauchen Spiele. Wenn man ihnen diese Spiele nimmt, dann machen sie sich Spiele und zwar auf der Straße.

In den letzten Monaten wurden um ihren Alltag beraubte Menschen bestraft, weil sie am Ende waren, ihre Wohnungen verließen und manche Coronaregeln brachen. Mit abwertenden Zeigefingern wurden Mensch, denen das Wasser zum Hals stand, weil sie sich die Maßnahmen zur Bekämpfung von Corona nicht leisten konnten, von Leuten zurechtgewiesen, die sich in der Krise Wein leisten konnten.

Die Politik der Bekämpfung der Pandemie war und ist zutiefst unmenschlich. Mit jedem Aufruhr unzufriedener Lümmel wird diese Unmenschlichkeit deutlicher. Jeder Protest macht das soziale Gefälle deutlicher. Manch ein Stufenplan zur Bekämpfung des Coronavirus ist so wahnsinnig wie ein kommunistischer Fünf-Jahres-Plan der DDR.

Verantwortung lässt sich nicht verordnen. Wir müssen endlich wieder mehr Freiheit wagen. Und wir müssen aufhören uns auszugrenzen. Am Tag der Deutschen Einheit sollten wir wieder ein paar Mauern einreißen, die wir in den letzten Monaten hochgezogen haben. Wir sollten die Mauern zwischen Getesteten, Genesen, Geimpften und Ungeimpften einreißen und uns wieder als Gesunde begegnen.

Wir sind das Volk!

Wer kennt ihn nicht, Onkel Hartmut, mit dem man sich an Weihnachten gestritten hat, weil er eine Partei gewählt hat, die so gar nicht geht; oder Tante Rita, die auf homöopathische Mittel schwört und sich auf keinen Fall impfen lassen möchte; oder Lukas, der Sohn von Robert und Adelheid, der nun ihre Tochter ist und Larissa heißt und sich darüber beschwert, dass die Hochzeitseinladungen nicht genderneutral verfasst wurden; oder Emir aus dem Büro, der Erdoğan gewählt hat, obwohl er Homosexuell ist, also Emir, nicht Erdoğan; oder Nachbarin Frau Sugulle, die auf die Häuserwand „White silence = violence“ gesprüht hat oder Candace, die immer zum Stammtisch kommt und Donald Trump gut findet, obwohl sie eine PoC ist; oder Rüdiger, der Veganer ist und es Dich wissen lässt, während Du die Weihnachtsgans isst?

Die Pandemie hat uns entfremdet, besonders von unseren Onkeln, Tanten, Nichten, Neffen, Arbeitskollegen, Nachbarinnen und Vereinsmitglieder*innen, von eben jenen Menschen, mit denen wir uns gestritten haben, ihnen aber dabei in den Augen sehen konnten. Menschen, deren Meinungen wir nicht teilen, die unser Blut zum Kochen gebracht haben, haben wir in den letzten Monaten immer seltener getroffen. Wir haben sie abgeschoben und aus unserem Leben verbannt. Wir haben uns in Blasen und Echokammern eingemauert.

Millionen neue Mauern wurden errichtet und die körperliche Nähe zum Nächsten aufgehoben. Wir schauen uns nicht mehr ins Antlitz. Stattdessen fordern wir: „Sag mir, wo du stehst!“

Der Mensch ist dem Menschen ein Grenzsoldat geworden. Wir fragen nicht mehr: „Wie geht es Dir?“ Wir fragen: „Kann ich Deine Papiere sehen? Bist Du geimpft? Bist Du getestet?“

Die DDR hat versucht, wie viele andere Länder weltweit, die Menschen zu zwingen, gerecht zu sein. Das Projekt Sozialismus ist jedoch gescheitert. Heute versuchen viele Staaten, Menschen zu zwingen, gesund zu sein. Das Projekt Sanitarismus wird jedoch auch scheitern.

Heute wissen wir, dass die meisten Menschen füreinander Verantwortung füreinander übernehmen, wenn sie frei sind. Ein Sozialismus, der Mauern errichtet, ist nicht gerecht und ebensowenig ein Sanitarismus, der Mauern errichtet.

Der Mensch entfaltet sich am besten in der Freiheit.

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Patrick Bahners: „Der israelbezogene Antisemitismus wurde erfunden, um Kritik am Zionismus zu skandalisieren.“

Patrick Bahners ist Journalist, schreibt und wirkt unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und erklärte im Dezember 2020 auf Twitter, der israelbezogene Antizionismus sei eine Erfindung, „um Kritik am Zionismus zu skandalisieren.“

Tapfer im Nirgendwo gibt dem Kollegen von der FAZ etwas Nachhilfe.

Antijudaismus ist der Hass auf das Judentum als Religion.

Antisemitismus ist der Hass auf das Judentum als Volk.

Antizionismus ist der Hass auf das Judentum als Nation.

Ob nun Antijudaismus, Antisemitismus oder Antizionismus, in allen drei Fällen ist die Definition von Judenhass gleich:

“Ein Judenhasser ist, wer an Juden kritisiert, was er an anderen Menschen nicht kritisiert.”

Der Judenhass ist erschreckend wandelbar. Im Laufe der Geschichte passte er sich immer wieder den neuen Gegebenheiten an. Der christliche Judenhass nannte sich Antijudaismus.

Antijudaisten nennen Juden Kindermörder, glauben, Juden würden Brunnen vergiften und behaupten, Juden würden Christenblut nutzen, um ihr Mazzebrot herzustellen. Antijudaismus ist der Hass auf das Judentum als Religion.

Einer der bekanntestes Einpeitscher des Antijudaismus war Martin Luther. In seiner Abhandlung „Über die Jüden und ihre Lügen“ erklärte er:

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“

In seinem „Handbuch über die Judenfrage“ forderte er:

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich …“

Mit der Aufklärung nahm der christliche Antijudaismus ab. An seiner Stelle nahm der Antisemitismus den Platz des Judenhasses ein.

Antisemiten erklären Juden zu einer minderwertigen und kranken Rasse. Sie bezeichnen Juden als Bakterien und Ungeziefer, die ausgerottet gehören. Antisemitismus ist der Hass auf das Judentum als Volk.

Als der Antisemitismus aufkam, kannten viele Menschen nur den klassischen Antijudaismus, den sie allerdings nicht mehr als große Gefahr ansahen. Das Christentum hatte in deutschen Landen seine absolute Macht eingebüßt und Ende des 19. Jahrhunderts wurden Juden als vollwertige Bürger des Deutschen Kaiserreichs anerkannt. Es schien, als sei der Judenhass verschwunden, doch er wandelte sich zum Antisemitismus.

Als der Antisemitismus aufkam, wurde er fahrlässig unterschätzt. Deshalb konnte er wüten.

Das Wort Antisemitismus ist historisch gesehenen der pseudo-wissenschaftliche Versuch, dem alten religiösen Judenhass ein neues modernes Gewandt zu geben. Das Wort taucht in der Mitte des 19. Jahrhundert erstmals auf und wird dann zu einem nicht unerheblichen Teil von dem Journalisten Wilhelm Marr (1819-1904) geprägt. Marr griff das Wort auf und rechtfertigte damit eine rassistische Ausgrenzung der Juden. Er gehörte dem extrem linken Flügel der radikal-demokratischen Partei um 1848 an und war erklärter Atheist. Wilhelm Marr war links, demokratisch und er hasste Juden!

In Marrs linker Überzeugung waren die Juden schuld am Liberalismus, weil sie sich den jüdisch konnotierten Kapitalinteressen verschrieben hätten. In Berlin erschien im Februar 1879 seine Propagandaschrift “Der Sieg des Germanenthums über das Judenthum – Vom nichtconfessionellen Standpunkt aus betrachtet”, die noch im selben Jahr zwölf Auflagen erlebte. In dieser Schrift grenzt sich Marr deutlich von der traditionellen religiösen Judenfeindschaft ab und behauptet stattdessen, dass die Juden eine fremde Rasse von „Parasiten“ seien, die erfolgreich die Ausbeutung Deutschlands betreiben. Diesen Paradigmenwechsel von Religion zu Rasse verdeutlichte er durch die Benutzung des Begriffs „Antisemitismus“.

Marr prägte wesentliche Klischees und Schlagworte. Er legte 1880 mit seiner Schrift “Goldene Ratten und rothe Mäuse” die Basis für die verschwörungstheoretische Gleichsetzung von Judentum, Kapitalismus und Kommunismus, wie sie später Adolf Hitler in“Mein Kampf” vertrat.

Mit dem Ende des Nationalsozialismus nahm der Antisemitismus langsam ab. An seine Stelle trat der Antizionismus.

Antizionisten dämonisieren und delegitimieren Israel. Sie bezeichnen Israel als Kindermörder, brüllen „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ und erklären, Israelis seien Juden, die nichts aus dem Holocaust gelernt hätten. Antizionismus ist der Hass auf das Judentum als Nation.

Wie einst der Antisemitismus unterschätzt wurde, so wird heute der Antizionismus unterschätzt. Es gibt sogar Deutsche, die leugnen diesen Hass, indem sie ihn eine Erfindung nennen, so wie zum Beispiel Patrick Bahners.

So wie der Antijudaismus einst von Christen ausging, ist der Antizionismus heute ein Phänomen, das stark in der muslimischen Gemeinschaft zu finden ist. Die hysterische, einseitige, brutale Kritik gegen Israel ist purer Antizionismus, weil sie an Israel kritisiert, was sie allen anderen Ländern der Welt durchgehen lässt. Zudem ist die Kritik sinnlos, denn die Feinde Israels hassen Israel nicht aufgrund eines bestimmten Handelns, sondern weil Israel überhaupt handeln kann, egal wie. Es ist die pure Existenz Israels, die nicht erwünscht ist. Antizionisten haben einen auf die Vernichtung der Juden ausgerichteten Hass auf Israel.

Die Hamas zum Beispiel regiert im Gazastreifen und fordert in ihrer Gründungscharta im Artikel 7 die Ermordung aller Juden. In Moscheen, Schulen und auf Plätzen Gazas wird zur Vernichtung aller Juden aufgerufen. Seit Jahren werden aus dem Gazastreifen immer wieder und oft täglich tausende Raketen in Richtung Israel abgefeuert, um so viele Kinder, Frauen, Zivilisten, Schulen, Hospitäler und Heime wie möglich zu treffen. Statt aber Israels Recht auf Selbstverteidigung zu verteidigen, wird von vielen Leuten erwartet, Israel solle mit den Judenhassern verhandeln. Wie aber verhandelt man mit einer Terrororganisation, die alle Juden vernichten will? Soll Israel dieser Organisation etwa auf halbem Weg entgegenkommen?

Es gibt keine Möglichkeit über die Vernichtung von Juden zu verhandeln. Israel muss sich verteidigen und dabei jeden Krieg gewinnen. Nach zehn Kriegen muss es 10:0 stehen, weil ein 9:1 nicht möglich ist. Nur ein verlorener Krieg bedeutet nämlich, dass Israel nicht mehr existiert. Israel lebt seit seiner Gründung in einer permanenten Sudden Death Situation. Der Gegner kann ruhig einen Krieg nach dem anderen verlieren, aber Israel muss jeden Krieg gewinnen.

Der Antizionismus blendet das alles aus. Der Antizionismus wird in Deutschland so fahrlässig unterschätzt wie einst der Antisemitismus. Aber so wie Juden den Antijudaismus und den Antisemitismus überlebt haben, so werden sie auch den Antizionismus überleben.

Der Antijudaismus hatte einst mit Luther einen bedeutenden deutschsprachigen Unterstützer. Der Antisemitismus hatte in Hitler seinen besten Verbündeten. Heute schauen wir mit Unverständnis auf diese Zeiten zurück und fragen uns, wie eine solche einseitige Hetze sich gesellschaftlich Bahn brechen konnte. In ferner Zukunft wartet auch auf den Antizionismus dieses Unverständnis.

In Zukunft werden sich die Historikerinnen und Historiker fragen, warum Patrick Bahners den Antizionismus nicht nur so skandalös unterschätzt hat, wie seine Vorfahren den Antisemitismus, sondern warum er diese Form des Judenhass sogar geleugnet hat.

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Das Schweigen hilft den Tätern!

In kurzer Zeit wurden in Deutschland zwei Juden zusammengeschlagen. Die Reaktionen dazu ist ohrenbetäubend still.

Am 18. September 2021 wurde in Hamburg ein 60-jähriger Jude an einer Mahnwache für Israel und gegen Judenhass mit einem Faustschlag ins Gesicht schwer verletzt. Zuvor hatte der Angreifer den Mann judenfeindlich beleidigt. Der Mann musste schwerverletzt in ein Krankenhaus gebracht werden.

Die Polizei Hamburg erklärte am 28. September 2021: „Die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes übernahm die Ermittlungen und konnte nach Auswertung vorliegenden Videomaterials einen Tatverdächtigen identifizieren. Dabei handelt es sich um einen 16-jährigen Deutschen, der in Berlin wohnhaft ist.“

Am 20. August 2021 wurde in Köln ein 18-jähriger Mann, der eine Kippa trug, ebenfalls schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei wurde dem jungen Mann in einem Park am Kaiser-Wilhelm-Ring von einer Gruppe, bestehend aus ungefähr zehn jungen Männern, die Kippa vom Kopf gerissen. Der Mann wurde judenfeindlich beleidigt, geschlagen und getreten. Bei dem Angriff wurde ihm ein Gesichtsknochen gebrochen. Zwei mutmaßliche Täter im Alter von 18 und 19 Jahren konnten aufgrund von Aufnahmen einer Videoüberwachung festgenommen werden. Ein Sprecher der Kölner Polizei erklärte: „Dabei handelt es sich um einen Deutschen und einen Deutschtürken.“

Albert Einstein hat gesagt: „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“

Wären die judenfeindlichen Angreifer rechtsradikale Jugendliche gewesen, es hätte einen lauten medialen Aufschrei gegeben. In der ganzen Republik wären Mahnwachen und Lichterketten organisiert worden. Von Anne Will bis Maybrit Illner hätte die Nation über die Verbrechen diskutiert und die Täter beim Namen genannt.

Die Deutschen haben keine Angst mehr vor rechtsradikalen Tätern. Sie stellen sich ihnen entgegen und bekämpfen sie. So muss es sein!

Bei den Tätern in Hamburg und Köln aber schweigen viele Deutsche, so wie viele Deutsche einst zu den judenfeindlichen Taten der Nationalsozialisten geschwiegen haben. Wieder haben sie Angst. Sie haben Angst vor den Reaktionen, wenn sie die Täter beim Namen nennen. Sie haben Angst vor der Religion und der Ideologie der Täter. Sie haben Angst davor, selbst zu Hassenden erklärt zu werden, wenn sie den Hass bekämpfen. Sie haben Angst, diffamiert und dämonisiert zu werden. Sie haben Angst vor den Tätern. Darum schweigen sie.

Das Schweigen aber hilft den Tätern.

Über den Mann, der in Hamburg zusammengeschlagen wurde, schreibt Arye Sharuz Shalicar:

Malca Goldstein-Wolf fragt: „Wann hat eigentlich das letzte Mal ein Jude einen Muslim krankenhausreif geschlagen, nur weil er Muslim ist?“

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Dann darf Ihr Mann für Sie wählen!

Am 26. September 2021 stand Marlene K. (Name von der Redaktion geändert) zusammen mit ihrem Ehemann in der Schlange vor dem Wahllokal im Kölner Süden, um an der Bundestagswahl teilzunehmen. Da sie im Gegensatz zu ihrem Mann keine Maske trug, kam eine Wahlhelferin auf sie zu und fragte, ob sie keine Maske tragen möchte. Darauf erwiderte Frau K., dass es keine Frage des Möchtens sei und erklärte: „Nein, ich kann keine Maske tragen und habe das ärztliche Attest zur Maskenbefreiung auch dabei. Wollen Sie es sehen?“

„Nein,“ erwiderte die Wahlhelferin. „Können Sie bitte erst mal rausgehen? Wenn Sie keine Maske tragen, müssen Sie draußen wählen. Ich bringe Ihnen dann die Wahlunterlagen nach draußen.“

Frau K. verließ daraufhin das Gebäude, stellte sich draußen vor das Gebäude und wartete. Während sie wartete, kam ihr Mann dazu, der im Gebäude mit Maske gewählt hatte und sagte: „Du glaubst gar nicht, was da drinnen gerade los. Alle sind in heller Aufregung, weil sie nicht wissen, wie sie mit Dir verfahren sollen. Die telefonieren gerade mit irgendwelchen zuständigen Leuten, weil es hier keine mobile Wahrurne mehr gibt.“

So standen Frau K. und ihr Mann vor dem Gebäude und warteten. Irgendwann kam aufgeregt ein kleiner, etwas dicklicher Wahlleiter mit einer Maske in der Hand, reichte sie Frau K. und fragte: „Können Sie nicht einfach doch für zwei Minuten eine Maske tragen?“

Nein“, erwiderte Frau K. und fügte hinzu: „Das hat schon einen guten Grund, warum ich die Maske nicht tragen kann. Das geht nicht.“

„Ja,“ klagte der Wahlleiter, „aber das bedeutet jetzt, dass wir den Saal für Sie komplett räumen müssen. Es ist so viel los, das geht nicht.“

„Ach so,“ erwiderte Frau K. „Das heißt jetzt aber doch wohl nicht, dass ich mein Wahlrecht nicht ausüben kann, oder?“

Daraufhin wurde der Wahlleiter so nervös, dass Frau K. auf der einen Seite Mitleid mit ihm bekam und auf der anderen Seite nicht wollte, dass sie jetzt als querulante Maskenverweigerin angesehen würde und sagte: „Passen Sie mal auf, mein Mann hat doch eine Maske: Dann soll er doch für mich reingehen und wählen. Geht das? Ist das okay?“

„Ja, nee, eigentlich nicht“, erklärte der Wahlleiter, rang nach Worten und entschied schließlich: „Dann machen wir das jetzt ausnahmsweise mal so. Dann darf Ihr Mann jetzt für Sie wählen!“

So ging der Mann von Frau K. ein zweites Mal mit Maske in das Wahllokal und gab eine zweite Stimme ab, diesmal für seine Frau.

Ich bin jetzt kein Experte, aber ich bin mir fast sicher, dass man nur in der zuständigen Wahlkabine alleine und persönlich wählen kann. Allerdings dachte ich bis vor kurzem auch noch, man müsste als Wähler sicherstellen, dass die Wahl geheim abläuft, aber dann ließ sich Armin Laschet mit dem von ihm ausgefüllten sichtbaren Wahlzettel fotografieren. Seit Corona ist einfach alles anders.

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Ihr sollt Euch nicht bedanken, Ihr müsst um Verzeihung bitten!

Immer, wenn ich Politikerinnen und Politiker höre, die sich dafür bedanken, dass wir uns an die Vorschriften zum Umgang mit COVID-19 gehalten haben, möchte ich ausrufen: Ihr sollt Euch nicht bedanken, Ihr müsst um Verzeihung bitten!

Unabhängig von der Notwendigkeit, Sinnhaftigkeit und Effizienz aller Verordnungen, die im Umfeld von Corona erlassen wurden und mit denen, unter bewusster Schwächung der Kompetenz des gesetzgebenden Parlaments, die Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger massiv eingeschränkt wurden, alle Einschränkungen wurden in letzter Konsequenz mit Gewalt durchgesetzt, denn am logischen Ende jeder staatlichen Forderung befindet sich die Waffe des Staats.

Deutschland hat seit März 2020 die weitreichendsten Einschnitte in die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger des westlichen Teils Deutschlands seit 1949 erlebt. Alle Einschränkungen wurden mit staatlicher Gewalt erzwungen. Dafür will ich kein Danke, sondern Demut!

Alle Bürgerinnen und Bürgern sind verpflichtet, sich an die Regeln zu halten. Wer sich nicht daran hält, wird bestraft. Es ist zynisch, sich bei jemandem dafür zu bedanken, dass er etwas tut, wozu man ihn zwingt und den man bestrafen würde, täte er es nicht. Politikerinnen und Politiker die sich in dieser Situation bedanken, benehmen sich wie Eltern, die zu ihren unmündigen Kindern sagen, sie wünsche sich zu ihrem Geburtstag eigentlich nur, dass ihre Kinder schön brav sind.

Wer mir nicht die Möglichkeit gibt, „Nein“ zu sagen, soll mir nicht mit „Danke“ kommen. 

Wir Bürgerinnen und Bürger sind nicht unmündig. Die Regierenden sind nicht unsere Erziehungsberechtigten. Nicht die Regierung ist die Chefin, sondern wir.

Freiheit wird nicht gewährt. Der Mensch trägt die Freiheit in sich. Die menschliche Freiheit kann lediglich eingeschränkt werden und in den letzten Monaten wurde die Freiheit massiv eingeschränkt, in meinen Augen sogar an den Prinzipien unter Verfassung vorbei. Statt sich zu bedanken, wäre es besser, wenn die Verantwortlichen für diese Misere folgendes sagen:

„Von ganzem Herzen bitte ich um Verzeihung, dass die Regierung diese Einschränkungen in Ihre Menschenrechte vornehmen musste. Ich sehe jedoch leider keine Alternative und übernehme die Verantwortung dafür.“

Freiheit ist kein Gnadenakt der Regierung. Freiheit ist ein Grundrecht. Grundrechte werden nicht durch Lockerung ermöglicht, sondern durch Maßnahmen eingeschränkt.

Mit einer Bitte um Vergebung zeigen verantwortliche Politikerinnen und Politiker, dass die momentane Situation auch für sie nicht akzeptabel ist, sondern höchstens notwendig. Selbst als Notwendigkeit jedoch bleibt die Aktion ein Versagen. Es hätte nie dazu kommen dürfen. Wenn in einem Land die Grundrechte außer Kraft gesetzt werden, so liegt diese Niederlage der Verfassung in der Verantwortung der Regierung.

Es geht darum, wie man mit Niederlagen umgeht.

Auch die Notwendigkeit der temporären Einschränkung der Grundrechte ist eine Niederlage, die nicht ohne politische Konsequenzen erfolgen darf. Sonst sind die Werte der Verfassung nichts wert.

Mit einer Bitte um Vergebung würde die Regierung die Verantwortung für die Aussetzung gewisser Grundrechte übernehmen und die Möglichkeit lassen, die Bitte entweder anzunehmen oder auszuschlagen. Es gibt einfach Dinge, die tut man einem anderen Menschen nicht an, ohne um Verzeihung zu bitten. Und es gibt Dinge, für die man die Verantwortung übernehmen muss, wenn man sie als Regierung nicht verhindert konnte.

Menschen werden dort gebraucht, wo eine eindeutig richtige Lösung nicht mehr möglich ist. Für Aufgaben, die einwandfrei gelöst werden können, gibt es Computer. Kein Mensch kann lösbare Probleme besser lösen als ein von Menschen gemachter Computer. Es gibt aber auch Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Oft handelt es sich dabei um Fragen der Ethik und der Moral.

Wo es keine eindeutig richtigen Antworten mehr gibt, wo aber dennoch Entscheidungen gefällt werden müssen, da tritt der Mensch mit seiner Verantwortung auf den Plan. In solchen schwierigen Situationen der Krise müssen Menschen entscheiden und für ihre Entscheidungen müssen sie dann persönlich Verantwortung übernehmen. Ob sie als Helden gefeiert oder als Versager gestürzt werden, wird und kann nur die Zukunft zeigen.

Wer sich jedoch bei Menschen bedankt, die er zu etwas gezwungen hat, übernimmt keine Verantwortung.

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Werden Sie jedes Wahlergebnis akzeptieren?

„Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“ (Michel de Montaigne)

Heute, am 26. September 2021, wird in Deutschland gewählt. Egal, welche Partei siegen oder in Regierungsverantwortung kommen wird, ob nun die CDU, die SPD, die FDP, die GRÜNEN, die LINKE oder die AfD, Deutschland wird nicht untergehen. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist nicht in Gefahr, wenn wir nur der Verfassung vertrauen und das Wahlergebnis anerkennen, wie auch immer es ausfallen wird.

Erst wenn wir Wahlergebnisse nicht anerkennen oder fordern, dass Wahlen rückgängig gemacht werden, ist die Demokratie in Gefahr.

Unsere Verfassung schützt die Freiheit des Einzelnen. Je vielfältiger und bunter eine Gemeinschaft wird, umso mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine politische Farbe hinzukommt, die man selbst nicht mag. Vielfalt bedeutet, das zu tolerieren, was man zwar nicht akzeptieren kann, aber dennoch nicht verboten und daher zu ertragen ist.

Eine Partei wird erst dann gefährlich, wenn ihre Mitglieder glauben, so fest verwurzelt auf der richtigen Seite zu stehen, dass es ihnen moralisch erlaubt ist, den politischen Gegner zu verfolgen und seine Rechte einzuschränken. Wenn Parteien anfangen, dem Volk Angst vor den politischen Gegnern einzuflößen, wenn sie mit Beleidigungen und Dämonisierungen arbeiten, wenn sie vom möglichen Untergang raunen, ist der erste Schritt zur Verfolgung des politischen Gegners getan.

Unsere deutsche Verfassung ermöglicht es uns, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, auch wenn sie einer extremen Ideologie, Religion oder Überzeugung angehören, parlamentarisch Gehör verschaffen können, um im Streit, in der Auseinandersetzung oder in einer möglichen Zusammenarbeit eine gemeinsame Zukunft zu gestalten.

Gefestigte Nationen haben kein Problem damit, auch extreme Positionen in ihre Politik zu integrieren. Wenn es mal passiert, dass eine Partei regiert, die ziemlich weit von der Mitte entfernt ist, wird halt intensiver diskutiert, auf den Straßen mehr demonstriert und bei Familienfeierlichkeiten mehr gestritten. Eine gut verfasste Republik hält sowas aus.

Die Antwort auf extreme Positionen darf nicht automatisch ein Verbot sein. Es braucht vielmehr eine starke Konstituierung, die an extremen Haltungen und Positionen nicht zu Grunde geht, sondern sie parlamentarisch zu integrieren versteht. Es gibt keinen Grund, Angst zu haben vor Querdenkern, Systemlingen, Rechtspopulisten und links-grün Versifften. Sie alle dürfen mal regieren. Es gibt genug Werkzeuge der Gewaltenteilung, um gelassen selbst auf extremen Positionen zu reagieren. Es gibt den Bundesrat, den Bundespräsidenten, das Bundesverfassungsgericht und am Ende sogar Artikel 20 Absatz 4.

Unsere Verfassung ist stark.

Es gibt eine Menge Menschen mit radikal unterschiedlichen Meinungen und Haltungen. Darunter finden sich sogar eine Menge haarsträubender Ideologien. In einem Land mit einer guten Verfassung werden diese Haltungen nicht verboten, sondern in einem gut konstituierten Umfeld gezügelt, damit sie sich mit allen anderen Überzeugungen auseinandersetzen müssen. Jede Überzeugung und mag sie noch so vermeintlich göttlich oder offensichtlich menschlich sein, darf diskutiert, kritisiert und lächerlich gemacht werden.

Nichts nutzt dem bösen Wort mehr als die Macht, alle anderen Worte verbieten zu können.

Selbst eine Restriktion in bester Absicht eingeführt, kann zur gefährlichen Waffe werden, wenn die falschen Leute an die Schalthebel dieser Macht kommen. Bei jedem Gesetz sollte man sich die Frage stellen: Kann ich wollen, dass dieses Gesetz auch gilt, wenn meine politischen Gegner an der Macht sind? Wenn diese Frage mit Nein beantwortet wird, sollte von diesem Gesetz Abstand genommen werden.

In der Verfassung der DDR stand im Artikel 6 Absatz 5:

„Militaristische und revanchistische Propaganda in jeder Form, Kriegshetze und Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werden als Verbrechen geahndet.“

Klingt gut, oder? Wer ist schon ein Freund von Kriegshetze und Rassismus? Ist doch gut, wenn all das verboten wird. Es war genau dieser Absatz, mit dem Kritikerinnen und Kritiker des unmenschlichen DDR-Regimes in Knast und Folter gesperrt wurden.

Rede nie mit einem selbsternannten Friedensaktivisten. Es ist eine Falle. Wer sich nämlich so nennt, macht Dich zu einem Kriegsaktivisten, sobald Du es auch nur wagst zu widersprechen. Du kannst nur verlieren.

Wenn zu viele Bürgerinnen und Bürger zu viel Angst bekommen und daher unserer Verfassung so sehr misstrauen, dass sie zu verfassungsrechtlich bedenklichen Methoden greifen, um unliebsame Menschen aus dem Diskurs zu entfernen, ist unsere Verfassung in Gefahr. Jedes Mal, wenn Regeln gebeugt werden, damit der politische Gegner davon nicht profitieren kann, stirbt ein Teil der Verfassung.

Die Nazis wurden damals von den Deutschen nicht verhindert und diese Schmach nagt heute an der Seele vieler Deutschen, die stolz darauf sind, nicht stolz zu sein. Sie wollen nachträglich beweisen, dass sie selbst niemals auf die Nazis reingefallen wären. Um das beweisen zu können, brauchen sie jedoch Nazis. Deshalb sehen sie überall Nazis. Sie erschaffen sie sich, indem sie ihre politischen Gegner zu Nazis hochjazzen und jedes unbedachte Wort skandalisieren. Sie sehen die Schornsteine der Vernichtungslager schon rauchen, wenn der politische Gegner nur irgendwo demonstriert, diskutiert oder eine Wahl gewinnt.

Es gibt in Deutschland eine Lust nach Nazis, eine Todessehnsucht nach der Dämmerung der Demokratie, um endlich beweisen zu können, dass man dieses Mal auf der richtigen Seite steht.

Es ist immer Vorsicht geboten, wenn sich eine Gruppe von Menschen gegen ein Feindbild formiert, möge das Feindbild auch noch so schlecht sein. Sehr schnell entsteht in so einer Gruppe nämlich eine Dynamik, die dafür sorgt, dass jede abweichende Meinung zum Verrat erklärt wird. „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“, ist die Rhetorik dieser Gruppe und die Aufforderung zur Distanzierung ihr Mittel der Unterdrückung.

Ich plädiere für mehr Gelassenheit.

Reden Sie mal mit einer Person, die ihnen Angst bereitet oder gehen sie mal auf eine Kundgebung des politischen Gegners. Sie werden sich beim Zuhören gewiss öfters mal ärgern, aber Sie werden vielleicht auch erkennen, dass Ihre blinde Angst völlig unbegründet war. Vielleicht lernen Sie sogar etwas. Kein Mensch ist perfekt, auch nicht im negativen Sinne. Es gibt niemanden, der immer recht hat und es gibt niemanden, der immer unrecht hat. Selbst Ihr größter Feind hat mal recht. Keine Feindschaft sollte Sie um Erkenntnisse bringen.

Sie brauchen keine Angst zu haben. Sie sind stark, weil unsere Verfassung stark ist.

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Gerd Buurmann beantwortet die Fragen des Wahl-O-Mat

Ich habe mich mal beim Beantworten der Fragen des Wahl-O-Mat gefilmt. SPOILER-ALERT: Auf den ersten Platz landete bei mir die FDP.

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Der WDR hat kein Gespür für queere Identitäten

In der Ankündigung der Künstlerin Cassy Carrington zeigt sich der WDR sehr ignorant gegenüber queeren Identitäten.

(Foto: Milana Bassalayev)

Cassy Carrington ist eine Kölner Entertainerin, Sängerin und Liedermacherin. Am 20. September 2021 veröffentlichte der WDR eine Vorstellung dieser Frau. Leider stellte der WDR damit jedoch die eigene Ignoranz sowohl gegenüber der Kunstform an sich als auch gegenüber der Identität der Künstlerin aus. In der Vorstellung des WDR heißt es:

Das Spiel mit den Geschlechtern steht im Mittelpunkt der Musik von „Cassy Carrington“. Hinter der Kölner Drag-Queen verbirgt sich der Grafiker Ralf Rotterdam.“

Wo soll man da anfangen?

Zunächst einmal, der WDR setzt den Namen Cassy Carrington in Anführungsstrichen, was mehrmals in dem Artikel geschieht. Ernsthaft? Dann kann der WDR auch gleich schreiben: Die sogenannte „Cassy Carrington“.

Zudem ist das Wort „verbirgt“ vollkommen unangemessen. Nein, Ralf Rotterdam verbirgt sich nicht und schon gar nicht hinter Cassy Carrington. Cassy Carrington ist keine Maske, kein Kostüm. Sie ist eine eigene Identität.

Auf Nachfrage erklärte Ralf Rotterdam, dass es ihm sehr wichtig sei, dass er im Umfeld von Cassy Carrington nicht namentlich erwähnt wird. Dies hat er mit vielen Schöpfern von Bühnen-Persönlichkeiten gemeinsam, wie zum Beispiel mit Atze Schröder.

Seine Bitte äußerte Ralf Rotterdam auch gegenüber dem WDR, jedoch setzte sich die Redaktion schlicht über diese Bitte hinweg. In einer bitteren Ignoranz der Kunst erklärte der WDR, als „Künstler/in müssen Sie generell akzeptieren, dass Medien von außen manches anders sehen als die Künstler von innen“ und fügte hinzu, man solle „sich über jede Erwähnung einfach nur freuen“.

Der WDR geht mit seiner Ignoranz sogar so weit, dass er von der Künstlerin Cassy Carrington als „er“ schreibt:

„Seit 2012 ist er aktiv, mit dem Pianisten Tobias Cosler hat er bereits mehrere Bühnenprogramme gespielt und zwei Alben aufgenommen.“

Eine queere Künstlerin einfach „er“ zu nennen, ist einfach unverschämt. Da wundert es auch nicht, dass der WDR einfach behauptet, worum es in der Kunst von Cassy Carrington gehen soll: „Das Spiel mit den Geschlechtern steht im Mittelpunkt“.

Das stimmt nicht. Im Mittelpunkt der Lieder von Cassy Carrington stehen die Themen Liebe, Sterblichkeit, Trauer, Abschied, Lust und Hoffnung. Cassy Carrington ist kein Mann in Frauenklamotten. Cassy ist Cassy.

Wenigstens hat der WDR nicht „Tunte“ geschrieben.

Ich frage mich, ob der WDR Freude daran hat, einfach zu bestimmen, was, wer und wie Cassy Carrington ist. An einer Stelle wird sogar behauptet, die Musik von Cassy Carrington befände sich „irgendwo zwischen Deutsch-Pop und „Cabaret““.

Cabaret? Da scheint der Autor wohl ein ganz eigenes Bild zu haben. Es deckt sich jedoch überhaupt nicht mit der Person Cassy Carrington.

Ich vermute mal, dass der Autor dieser Zeilen für den WDR nie in einem Programm von Cassy Carrington war. Er weiß einfach nicht, was sie macht. Dafür vermutet er umso mehr. Vermutlich denkt er, bei Cassy Carrington handelt es sich um eine lustige Travestieshow, irgendwo zwischen „Charleys Tante“ und „Tante Trude aus Buxtehude“.

Ist es wirklich nur Ignoranz oder schon bittere Überheblichkeit?

Natürlich kann der WDR berichten, wie er will. Er darf jeden Menschen als „er“, „sie“ oder, wenn er beleidigend sein möchte, sogar als „es“ bezeichnen. Gerne verteidige ich das Recht des WDR auf Meinungsfreiheit, auch für unverschämten Zeilen. Es gibt nur ein Problem. Medien, die in meinen Augen unverschämt sind, muss ich nicht bezahlen. Der WDR jedoch zwingt mich mit Gewalt dazu, seine Unverschämtheiten zu bezahlen.

Dem WDR kann es egal sein, was ich oder andere Personen denken.

Der WDR kann sich selbstgefällig über jeden Menschen hinwegsetzen. Er weiß, dass er alles über eine Person veröffentlichen kann und diese Person das dann auch noch selbst finanzieren muss, selbst wenn sie es als verletzend empfindet.

Der WDR hat eine ungeheuere Macht und die nutzt der Sender schamlos aus. In seiner Machtstellung muss der WDR nichts und niemanden ernst nehmen, keinen Menschen und keine Kunst. Tief drinnen scheint die Redaktion zu denken: „Der lustige Damenimitator soll glücklich sein, dass wir seinen Song überhaupt spielen.“

Zum Glück haben wir in Deutschland mittlerweile Zugang zu vielen freien Medien, von Netflix bis Amazon. Dort werden queere Identitäten ganz selbstverständlich gezeigt und vor allem geschätzt, respektiert und sogar gefeiert.

Netflix und Amazon sind tolerant und respektvoll. Sie zwingen queere Menschen nicht, sie zu bezahlen. Deshalb behandeln Sie sie auch nicht von oben herab. Sie setzen sich schon gar nicht über queere Menschen hinweg. Vor allem aber besitzen Sie nicht die Frechheit zu sagen: „Sei doch froh, dass wir uns überhaupt dazu herablassen, über Dich zu berichten. Und damit einst klar ist: Wir bestimmen was, wer und wie Du bist. Und jetzt her mit Deiner Kohle!“

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CDU-Plakat in Köln verunstaltet: „Erschossen für Deutschland“

Unbekannte haben in Köln ein Plakat der CDU an der viel frequentierten Universitätsstraße verunstaltet. Aus dem CDU-Wahlkampfspruch „Entschlossen für Deutschland“ machten sie: „Erschossen für Deutschland“

Nun steht in Köln ein großes Plakat mit dem Bild des Kanzlerkandidaten Armin Laschet und dem Spruch: „Erschossen für Deutschland“

Das Foto wurde am 19. September 2021 um 11:38 Uhr gemacht.

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„Ich werde Dich sehen, wenn Du dort ankommst.“

Am 11. September 2001 rief Brian Sweeney seine Frau Julie Sweeney-Roth aus dem Flugzeug United Flight 175 an und hinterließ ihr eine Voicemail. Ein paar Momente später wurde die Maschine von Terroristen in das World Trade Center geflogen. Die Nachricht von Brian Sweeney lautete:

„Jules, hier ist Brian. Hör zu, ich bin in einem Flugzeug, das entführt wurde. Wenn die Dinge nicht gut laufen und es sieht nicht gut aus, möchte ich nur, dass Du weißt, dass ich Dich absolut liebe. Ich möchte, dass Du Gutes tust. Hab gute Zeiten. Dasselbe gilt für meine Eltern und alle. Ich hab Dich einfach total lieb und ich werde Dich sehen, wenn Du dort ankommst.“

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