Dann darf Ihr Mann für Sie wählen!

Am 26. September 2021 stand Marlene K. (Name von der Redaktion geändert) zusammen mit ihrem Ehemann in der Schlange vor dem Wahllokal im Kölner Süden, um an der Bundestagswahl teilzunehmen. Da sie im Gegensatz zu ihrem Mann keine Maske trug, kam eine Wahlhelferin auf sie zu und fragte, ob sie keine Maske tragen möchte. Darauf erwiderte Frau K., dass es keine Frage des Möchtens sei und erklärte: „Nein, ich kann keine Maske tragen und habe das ärztliche Attest zur Maskenbefreiung auch dabei. Wollen Sie es sehen?“

„Nein,“ erwiderte die Wahlhelferin. „Können Sie bitte erst mal rausgehen? Wenn Sie keine Maske tragen, müssen Sie draußen wählen. Ich bringe Ihnen dann die Wahlunterlagen nach draußen.“

Frau K. verließ daraufhin das Gebäude, stellte sich draußen vor das Gebäude und wartete. Während sie wartete, kam ihr Mann dazu, der im Gebäude mit Maske gewählt hatte und sagte: „Du glaubst gar nicht, was da drinnen gerade los. Alle sind in heller Aufregung, weil sie nicht wissen, wie sie mit Dir verfahren sollen. Die telefonieren gerade mit irgendwelchen zuständigen Leuten, weil es hier keine mobile Wahrurne mehr gibt.“

So standen Frau K. und ihr Mann vor dem Gebäude und warteten. Irgendwann kam aufgeregt ein kleiner, etwas dicklicher Wahlleiter mit einer Maske in der Hand, reichte sie Frau K. und fragte: „Können Sie nicht einfach doch für zwei Minuten eine Maske tragen?“

Nein“, erwiderte Frau K. und fügte hinzu: „Das hat schon einen guten Grund, warum ich die Maske nicht tragen kann. Das geht nicht.“

„Ja,“ klagte der Wahlleiter, „aber das bedeutet jetzt, dass wir den Saal für Sie komplett räumen müssen. Es ist so viel los, das geht nicht.“

„Ach so,“ erwiderte Frau K. „Das heißt jetzt aber doch wohl nicht, dass ich mein Wahlrecht nicht ausüben kann, oder?“

Daraufhin wurde der Wahlleiter so nervös, dass Frau K. auf der einen Seite Mitleid mit ihm bekam und auf der anderen Seite nicht wollte, dass sie jetzt als querulante Maskenverweigerin angesehen würde und sagte: „Passen Sie mal auf, mein Mann hat doch eine Maske: Dann soll er doch für mich reingehen und wählen. Geht das? Ist das okay?“

„Ja, nee, eigentlich nicht“, erklärte der Wahlleiter, rang nach Worten und entschied schließlich: „Dann machen wir das jetzt ausnahmsweise mal so. Dann darf Ihr Mann jetzt für Sie wählen!“

So ging der Mann von Frau K. ein zweites Mal mit Maske in das Wahllokal und gab eine zweite Stimme ab, diesmal für seine Frau.

Ich bin jetzt kein Experte, aber ich bin mir fast sicher, dass man nur in der zuständigen Wahlkabine alleine und persönlich wählen kann. Allerdings dachte ich bis vor kurzem auch noch, man müsste als Wähler sicherstellen, dass die Wahl geheim abläuft, aber dann ließ sich Armin Laschet mit dem von ihm ausgefüllten sichtbaren Wahlzettel fotografieren. Seit Corona ist einfach alles anders.

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Ihr sollt Euch nicht bedanken, Ihr müsst um Verzeihung bitten!

Immer, wenn ich Politikerinnen und Politiker höre, die sich dafür bedanken, dass wir uns an die Vorschriften zum Umgang mit COVID-19 gehalten haben, möchte ich ausrufen: Ihr sollt Euch nicht bedanken, Ihr müsst um Verzeihung bitten!

Unabhängig von der Notwendigkeit, Sinnhaftigkeit und Effizienz aller Verordnungen, die im Umfeld von Corona erlassen wurden und mit denen, unter bewusster Schwächung der Kompetenz des gesetzgebenden Parlaments, die Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger massiv eingeschränkt wurden, alle Einschränkungen wurden in letzter Konsequenz mit Gewalt durchgesetzt, denn am logischen Ende jeder staatlichen Forderung befindet sich die Waffe des Staats.

Deutschland hat seit März 2020 die weitreichendsten Einschnitte in die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger des westlichen Teils Deutschlands seit 1949 erlebt. Alle Einschränkungen wurden mit staatlicher Gewalt erzwungen. Dafür will ich kein Danke, sondern Demut!

Alle Bürgerinnen und Bürgern sind verpflichtet, sich an die Regeln zu halten. Wer sich nicht daran hält, wird bestraft. Es ist zynisch, sich bei jemandem dafür zu bedanken, dass er etwas tut, wozu man ihn zwingt und den man bestrafen würde, täte er es nicht. Politikerinnen und Politiker die sich in dieser Situation bedanken, benehmen sich wie Eltern, die zu ihren unmündigen Kindern sagen, sie wünsche sich zu ihrem Geburtstag eigentlich nur, dass ihre Kinder schön brav sind.

Wer mir nicht die Möglichkeit gibt, „Nein“ zu sagen, soll mir nicht mit „Danke“ kommen. 

Wir Bürgerinnen und Bürger sind nicht unmündig. Die Regierenden sind nicht unsere Erziehungsberechtigten. Nicht die Regierung ist die Chefin, sondern wir.

Freiheit wird nicht gewährt. Der Mensch trägt die Freiheit in sich. Die menschliche Freiheit kann lediglich eingeschränkt werden und in den letzten Monaten wurde die Freiheit massiv eingeschränkt, in meinen Augen sogar an den Prinzipien unter Verfassung vorbei. Statt sich zu bedanken, wäre es besser, wenn die Verantwortlichen für diese Misere folgendes sagen:

„Von ganzem Herzen bitte ich um Verzeihung, dass die Regierung diese Einschränkungen in Ihre Menschenrechte vornehmen musste. Ich sehe jedoch leider keine Alternative und übernehme die Verantwortung dafür.“

Freiheit ist kein Gnadenakt der Regierung. Freiheit ist ein Grundrecht. Grundrechte werden nicht durch Lockerung ermöglicht, sondern durch Maßnahmen eingeschränkt.

Mit einer Bitte um Vergebung zeigen verantwortliche Politikerinnen und Politiker, dass die momentane Situation auch für sie nicht akzeptabel ist, sondern höchstens notwendig. Selbst als Notwendigkeit jedoch bleibt die Aktion ein Versagen. Es hätte nie dazu kommen dürfen. Wenn in einem Land die Grundrechte außer Kraft gesetzt werden, so liegt diese Niederlage der Verfassung in der Verantwortung der Regierung.

Es geht darum, wie man mit Niederlagen umgeht.

Auch die Notwendigkeit der temporären Einschränkung der Grundrechte ist eine Niederlage, die nicht ohne politische Konsequenzen erfolgen darf. Sonst sind die Werte der Verfassung nichts wert.

Mit einer Bitte um Vergebung würde die Regierung die Verantwortung für die Aussetzung gewisser Grundrechte übernehmen und die Möglichkeit lassen, die Bitte entweder anzunehmen oder auszuschlagen. Es gibt einfach Dinge, die tut man einem anderen Menschen nicht an, ohne um Verzeihung zu bitten. Und es gibt Dinge, für die man die Verantwortung übernehmen muss, wenn man sie als Regierung nicht verhindert konnte.

Menschen werden dort gebraucht, wo eine eindeutig richtige Lösung nicht mehr möglich ist. Für Aufgaben, die einwandfrei gelöst werden können, gibt es Computer. Kein Mensch kann lösbare Probleme besser lösen als ein von Menschen gemachter Computer. Es gibt aber auch Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Oft handelt es sich dabei um Fragen der Ethik und der Moral.

Wo es keine eindeutig richtigen Antworten mehr gibt, wo aber dennoch Entscheidungen gefällt werden müssen, da tritt der Mensch mit seiner Verantwortung auf den Plan. In solchen schwierigen Situationen der Krise müssen Menschen entscheiden und für ihre Entscheidungen müssen sie dann persönlich Verantwortung übernehmen. Ob sie als Helden gefeiert oder als Versager gestürzt werden, wird und kann nur die Zukunft zeigen.

Wer sich jedoch bei Menschen bedankt, die er zu etwas gezwungen hat, übernimmt keine Verantwortung.

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Werden Sie jedes Wahlergebnis akzeptieren?

„Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“ (Michel de Montaigne)

Heute, am 26. September 2021, wird in Deutschland gewählt. Egal, welche Partei siegen oder in Regierungsverantwortung kommen wird, ob nun die CDU, die SPD, die FDP, die GRÜNEN, die LINKE oder die AfD, Deutschland wird nicht untergehen. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist nicht in Gefahr, wenn wir nur der Verfassung vertrauen und das Wahlergebnis anerkennen, wie auch immer es ausfallen wird.

Erst wenn wir Wahlergebnisse nicht anerkennen oder fordern, dass Wahlen rückgängig gemacht werden, ist die Demokratie in Gefahr.

Unsere Verfassung schützt die Freiheit des Einzelnen. Je vielfältiger und bunter eine Gemeinschaft wird, umso mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine politische Farbe hinzukommt, die man selbst nicht mag. Vielfalt bedeutet, das zu tolerieren, was man zwar nicht akzeptieren kann, aber dennoch nicht verboten und daher zu ertragen ist.

Eine Partei wird erst dann gefährlich, wenn ihre Mitglieder glauben, so fest verwurzelt auf der richtigen Seite zu stehen, dass es ihnen moralisch erlaubt ist, den politischen Gegner zu verfolgen und seine Rechte einzuschränken. Wenn Parteien anfangen, dem Volk Angst vor den politischen Gegnern einzuflößen, wenn sie mit Beleidigungen und Dämonisierungen arbeiten, wenn sie vom möglichen Untergang raunen, ist der erste Schritt zur Verfolgung des politischen Gegners getan.

Unsere deutsche Verfassung ermöglicht es uns, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, auch wenn sie einer extremen Ideologie, Religion oder Überzeugung angehören, parlamentarisch Gehör verschaffen können, um im Streit, in der Auseinandersetzung oder in einer möglichen Zusammenarbeit eine gemeinsame Zukunft zu gestalten.

Gefestigte Nationen haben kein Problem damit, auch extreme Positionen in ihre Politik zu integrieren. Wenn es mal passiert, dass eine Partei regiert, die ziemlich weit von der Mitte entfernt ist, wird halt intensiver diskutiert, auf den Straßen mehr demonstriert und bei Familienfeierlichkeiten mehr gestritten. Eine gut verfasste Republik hält sowas aus.

Die Antwort auf extreme Positionen darf nicht automatisch ein Verbot sein. Es braucht vielmehr eine starke Konstituierung, die an extremen Haltungen und Positionen nicht zu Grunde geht, sondern sie parlamentarisch zu integrieren versteht. Es gibt keinen Grund, Angst zu haben vor Querdenkern, Systemlingen, Rechtspopulisten und links-grün Versifften. Sie alle dürfen mal regieren. Es gibt genug Werkzeuge der Gewaltenteilung, um gelassen selbst auf extremen Positionen zu reagieren. Es gibt den Bundesrat, den Bundespräsidenten, das Bundesverfassungsgericht und am Ende sogar Artikel 20 Absatz 4.

Unsere Verfassung ist stark.

Es gibt eine Menge Menschen mit radikal unterschiedlichen Meinungen und Haltungen. Darunter finden sich sogar eine Menge haarsträubender Ideologien. In einem Land mit einer guten Verfassung werden diese Haltungen nicht verboten, sondern in einem gut konstituierten Umfeld gezügelt, damit sie sich mit allen anderen Überzeugungen auseinandersetzen müssen. Jede Überzeugung und mag sie noch so vermeintlich göttlich oder offensichtlich menschlich sein, darf diskutiert, kritisiert und lächerlich gemacht werden.

Nichts nutzt dem bösen Wort mehr als die Macht, alle anderen Worte verbieten zu können.

Selbst eine Restriktion in bester Absicht eingeführt, kann zur gefährlichen Waffe werden, wenn die falschen Leute an die Schalthebel dieser Macht kommen. Bei jedem Gesetz sollte man sich die Frage stellen: Kann ich wollen, dass dieses Gesetz auch gilt, wenn meine politischen Gegner an der Macht sind? Wenn diese Frage mit Nein beantwortet wird, sollte von diesem Gesetz Abstand genommen werden.

In der Verfassung der DDR stand im Artikel 6 Absatz 5:

„Militaristische und revanchistische Propaganda in jeder Form, Kriegshetze und Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werden als Verbrechen geahndet.“

Klingt gut, oder? Wer ist schon ein Freund von Kriegshetze und Rassismus? Ist doch gut, wenn all das verboten wird. Es war genau dieser Absatz, mit dem Kritikerinnen und Kritiker des unmenschlichen DDR-Regimes in Knast und Folter gesperrt wurden.

Rede nie mit einem selbsternannten Friedensaktivisten. Es ist eine Falle. Wer sich nämlich so nennt, macht Dich zu einem Kriegsaktivisten, sobald Du es auch nur wagst zu widersprechen. Du kannst nur verlieren.

Wenn zu viele Bürgerinnen und Bürger zu viel Angst bekommen und daher unserer Verfassung so sehr misstrauen, dass sie zu verfassungsrechtlich bedenklichen Methoden greifen, um unliebsame Menschen aus dem Diskurs zu entfernen, ist unsere Verfassung in Gefahr. Jedes Mal, wenn Regeln gebeugt werden, damit der politische Gegner davon nicht profitieren kann, stirbt ein Teil der Verfassung.

Die Nazis wurden damals von den Deutschen nicht verhindert und diese Schmach nagt heute an der Seele vieler Deutschen, die stolz darauf sind, nicht stolz zu sein. Sie wollen nachträglich beweisen, dass sie selbst niemals auf die Nazis reingefallen wären. Um das beweisen zu können, brauchen sie jedoch Nazis. Deshalb sehen sie überall Nazis. Sie erschaffen sie sich, indem sie ihre politischen Gegner zu Nazis hochjazzen und jedes unbedachte Wort skandalisieren. Sie sehen die Schornsteine der Vernichtungslager schon rauchen, wenn der politische Gegner nur irgendwo demonstriert, diskutiert oder eine Wahl gewinnt.

Es gibt in Deutschland eine Lust nach Nazis, eine Todessehnsucht nach der Dämmerung der Demokratie, um endlich beweisen zu können, dass man dieses Mal auf der richtigen Seite steht.

Es ist immer Vorsicht geboten, wenn sich eine Gruppe von Menschen gegen ein Feindbild formiert, möge das Feindbild auch noch so schlecht sein. Sehr schnell entsteht in so einer Gruppe nämlich eine Dynamik, die dafür sorgt, dass jede abweichende Meinung zum Verrat erklärt wird. „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“, ist die Rhetorik dieser Gruppe und die Aufforderung zur Distanzierung ihr Mittel der Unterdrückung.

Ich plädiere für mehr Gelassenheit.

Reden Sie mal mit einer Person, die ihnen Angst bereitet oder gehen sie mal auf eine Kundgebung des politischen Gegners. Sie werden sich beim Zuhören gewiss öfters mal ärgern, aber Sie werden vielleicht auch erkennen, dass Ihre blinde Angst völlig unbegründet war. Vielleicht lernen Sie sogar etwas. Kein Mensch ist perfekt, auch nicht im negativen Sinne. Es gibt niemanden, der immer recht hat und es gibt niemanden, der immer unrecht hat. Selbst Ihr größter Feind hat mal recht. Keine Feindschaft sollte Sie um Erkenntnisse bringen.

Sie brauchen keine Angst zu haben. Sie sind stark, weil unsere Verfassung stark ist.

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Gerd Buurmann beantwortet die Fragen des Wahl-O-Mat

Ich habe mich mal beim Beantworten der Fragen des Wahl-O-Mat gefilmt. SPOILER-ALERT: Auf den ersten Platz landete bei mir die FDP.

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Der WDR hat kein Gespür für queere Identitäten

In der Ankündigung der Künstlerin Cassy Carrington zeigt sich der WDR sehr ignorant gegenüber queeren Identitäten.

(Foto: Milana Bassalayev)

Cassy Carrington ist eine Kölner Entertainerin, Sängerin und Liedermacherin. Am 20. September 2021 veröffentlichte der WDR eine Vorstellung dieser Frau. Leider stellte der WDR damit jedoch die eigene Ignoranz sowohl gegenüber der Kunstform an sich als auch gegenüber der Identität der Künstlerin aus. In der Vorstellung des WDR heißt es:

Das Spiel mit den Geschlechtern steht im Mittelpunkt der Musik von „Cassy Carrington“. Hinter der Kölner Drag-Queen verbirgt sich der Grafiker Ralf Rotterdam.“

Wo soll man da anfangen?

Zunächst einmal, der WDR setzt den Namen Cassy Carrington in Anführungsstrichen, was mehrmals in dem Artikel geschieht. Ernsthaft? Dann kann der WDR auch gleich schreiben: Die sogenannte „Cassy Carrington“.

Zudem ist das Wort „verbirgt“ vollkommen unangemessen. Nein, Ralf Rotterdam verbirgt sich nicht und schon gar nicht hinter Cassy Carrington. Cassy Carrington ist keine Maske, kein Kostüm. Sie ist eine eigene Identität.

Auf Nachfrage erklärte Ralf Rotterdam, dass es ihm sehr wichtig sei, dass er im Umfeld von Cassy Carrington nicht namentlich erwähnt wird. Dies hat er mit vielen Schöpfern von Bühnen-Persönlichkeiten gemeinsam, wie zum Beispiel mit Atze Schröder.

Seine Bitte äußerte Ralf Rotterdam auch gegenüber dem WDR, jedoch setzte sich die Redaktion schlicht über diese Bitte hinweg. In einer bitteren Ignoranz der Kunst erklärte der WDR, als „Künstler/in müssen Sie generell akzeptieren, dass Medien von außen manches anders sehen als die Künstler von innen“ und fügte hinzu, man solle „sich über jede Erwähnung einfach nur freuen“.

Der WDR geht mit seiner Ignoranz sogar so weit, dass er von der Künstlerin Cassy Carrington als „er“ schreibt:

„Seit 2012 ist er aktiv, mit dem Pianisten Tobias Cosler hat er bereits mehrere Bühnenprogramme gespielt und zwei Alben aufgenommen.“

Eine queere Künstlerin einfach „er“ zu nennen, ist einfach unverschämt. Da wundert es auch nicht, dass der WDR einfach behauptet, worum es in der Kunst von Cassy Carrington gehen soll: „Das Spiel mit den Geschlechtern steht im Mittelpunkt“.

Das stimmt nicht. Im Mittelpunkt der Lieder von Cassy Carrington stehen die Themen Liebe, Sterblichkeit, Trauer, Abschied, Lust und Hoffnung. Cassy Carrington ist kein Mann in Frauenklamotten. Cassy ist Cassy.

Wenigstens hat der WDR nicht „Tunte“ geschrieben.

Ich frage mich, ob der WDR Freude daran hat, einfach zu bestimmen, was, wer und wie Cassy Carrington ist. An einer Stelle wird sogar behauptet, die Musik von Cassy Carrington befände sich „irgendwo zwischen Deutsch-Pop und „Cabaret““.

Cabaret? Da scheint der Autor wohl ein ganz eigenes Bild zu haben. Es deckt sich jedoch überhaupt nicht mit der Person Cassy Carrington.

Ich vermute mal, dass der Autor dieser Zeilen für den WDR nie in einem Programm von Cassy Carrington war. Er weiß einfach nicht, was sie macht. Dafür vermutet er umso mehr. Vermutlich denkt er, bei Cassy Carrington handelt es sich um eine lustige Travestieshow, irgendwo zwischen „Charleys Tante“ und „Tante Trude aus Buxtehude“.

Ist es wirklich nur Ignoranz oder schon bittere Überheblichkeit?

Natürlich kann der WDR berichten, wie er will. Er darf jeden Menschen als „er“, „sie“ oder, wenn er beleidigend sein möchte, sogar als „es“ bezeichnen. Gerne verteidige ich das Recht des WDR auf Meinungsfreiheit, auch für unverschämten Zeilen. Es gibt nur ein Problem. Medien, die in meinen Augen unverschämt sind, muss ich nicht bezahlen. Der WDR jedoch zwingt mich mit Gewalt dazu, seine Unverschämtheiten zu bezahlen.

Dem WDR kann es egal sein, was ich oder andere Personen denken.

Der WDR kann sich selbstgefällig über jeden Menschen hinwegsetzen. Er weiß, dass er alles über eine Person veröffentlichen kann und diese Person das dann auch noch selbst finanzieren muss, selbst wenn sie es als verletzend empfindet.

Der WDR hat eine ungeheuere Macht und die nutzt der Sender schamlos aus. In seiner Machtstellung muss der WDR nichts und niemanden ernst nehmen, keinen Menschen und keine Kunst. Tief drinnen scheint die Redaktion zu denken: „Der lustige Damenimitator soll glücklich sein, dass wir seinen Song überhaupt spielen.“

Zum Glück haben wir in Deutschland mittlerweile Zugang zu vielen freien Medien, von Netflix bis Amazon. Dort werden queere Identitäten ganz selbstverständlich gezeigt und vor allem geschätzt, respektiert und sogar gefeiert.

Netflix und Amazon sind tolerant und respektvoll. Sie zwingen queere Menschen nicht, sie zu bezahlen. Deshalb behandeln Sie sie auch nicht von oben herab. Sie setzen sich schon gar nicht über queere Menschen hinweg. Vor allem aber besitzen Sie nicht die Frechheit zu sagen: „Sei doch froh, dass wir uns überhaupt dazu herablassen, über Dich zu berichten. Und damit einst klar ist: Wir bestimmen was, wer und wie Du bist. Und jetzt her mit Deiner Kohle!“

***

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CDU-Plakat in Köln verunstaltet: „Erschossen für Deutschland“

Unbekannte haben in Köln ein Plakat der CDU an der viel frequentierten Universitätsstraße verunstaltet. Aus dem CDU-Wahlkampfspruch „Entschlossen für Deutschland“ machten sie: „Erschossen für Deutschland“

Nun steht in Köln ein großes Plakat mit dem Bild des Kanzlerkandidaten Armin Laschet und dem Spruch: „Erschossen für Deutschland“

Das Foto wurde am 19. September 2021 um 11:38 Uhr gemacht.

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„Ich werde Dich sehen, wenn Du dort ankommst.“

Am 11. September 2001 rief Brian Sweeney seine Frau Julie Sweeney-Roth aus dem Flugzeug United Flight 175 an und hinterließ ihr eine Voicemail. Ein paar Momente später wurde die Maschine von Terroristen in das World Trade Center geflogen. Die Nachricht von Brian Sweeney lautete:

„Jules, hier ist Brian. Hör zu, ich bin in einem Flugzeug, das entführt wurde. Wenn die Dinge nicht gut laufen und es sieht nicht gut aus, möchte ich nur, dass Du weißt, dass ich Dich absolut liebe. Ich möchte, dass Du Gutes tust. Hab gute Zeiten. Dasselbe gilt für meine Eltern und alle. Ich hab Dich einfach total lieb und ich werde Dich sehen, wenn Du dort ankommst.“

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Wo warst Du am 11. September 2001?

Leserinnen und Leser von Tapfer im Nirgendwo erzählen, wo sie am 11. September 2001 waren und was sie getan haben. Wenn auch Du Deine Erinnerung teilen möchtest, schreibe sie in die Kommentarspalte unter diesem Artikel und die Beschreibung wird in den Artikel eingefügt.

(Bild: Robert)

Ich saß am Rechner im Büro. Im Radio kam eine Kurzmeldung, dass ein Flugzeug ins WTC gestürzt sei, genaueres später. Dann bin ich ins Internet und habe nachgeschaut. Es war aber noch wenig los. Später schaute ich eine Reportage von einem Radioreporter des WDR, der von seinem Hotelzimmer aus die Tower sehen konnte. Während der Reportage flog das zweite Flugzeug in den anderen Turm. Ab da war der Arbeitsalltag vergessen. In der Behörde, unterwegs im Zug und auch zuhause, überall wurde diskutiert. Es herrschte Erschütterung. Den Tag werde ich nicht vergessen.

***

In der Beratungsstelle in Bergkamen saß ich mit Kollegen zusammen, als der Jahrespraktikant hereinstürzte und was von Flugzeugen im WTC faselte. Im Fernseher sahen wir dann ungläubig die rauchenden Türme.

***

Ich war im Einkaufszentrum, als vor einem TV-Händler im Untergeschoss eine Menschenmenge stehen blieb und durchs Fenster ungläubig auf die Monitore starrte. Da ich wenig Zeit hatte und auf Grund der Menge auf den Monitoren zunächst auch gar nichts erkennen konnte, ging ich weiter und sah, wie auch ein paar andere Händler ihre Geräte Richtung Fenster drehten (n-tv statt MTV) oder das Radio auf Nachrichten umstellten oder die Dauermusik zumindest leise, bekam erst da mit, was passiert war. Ich erinnere mich daran, weil das ganze Einkaufszentrum, sonst sehr lebhaft, nach und nach sehr still wurde, verlangsamt, während den Menschen eine Mischung aus Unglaube und Entsetzen im Gesicht stand. Ein paar Jugendliche feixten und fielen in dieser angespannten, verhaltenen Stille noch unangenehmer auf, sie verstummten sehr schnell von alleine wieder. Über den Tag hat wohl jeder jede freie Minute genutzt, um Nachrichten zu sehen und das Geschehene, Unfassbare, Ungreifbare irgendwie doch zu begreifen. Was gar nicht gelingen konnte. Tatsächlich gab es im Wesentlichen nur noch dieses eine Thema, alles andere wurde nebensächlich.

***

Ich war unterwegs zum Zahnarzt, dann kam auf dem Infoscreen in der Kölner U-Bahn die Nachricht, dass ein Flugzeug in ein Hochhaus geflogen ist, da war noch nicht von einem Terroranschlag die Rede. Als ich zuhause war, kamen nur diese Bilder im Fernsehen und die Sender konnten sie noch nicht richtig zuordnen und haben ersucht etwas zu kommentieren, aber es gelang nicht so richtig. Dann habe ich den ganzen Abend bei RTL gesehen, wie Peter Kloeppel versucht hat, zu berichten. Ich fand ihn sehr beeindruckend. Das hat sich etwas wie lautes Nachdenken angehört.

***

Ich war in meinem Buchladen, jemand kam mit einem tragbaren Fernseher hereingestürzt und rief, „wo ist eine Steckdose“. Wir sahen fassungslos die Türme rauchen und einstürzen. Ein im Laden anwesender Freund versuchte, sofort einen Cousin zu erreichen, von dem er annahm, er könnte gerade in einem der Gebäude sein. Tags darauf wurde mir von Schülern erzählt, viele muslimische Mädchen in deren Klassen hätten entsetzt erzählt, wie die Familien die Nacht gefeiert hätten. Wenige Tage später wurde geleugnet, dass irgendwer gefeiert habe und dass ein Anschlag stattgefunden habe. Die Zeitdauer vom Ereignis bis zur Leugnung war von dreißig Jahren auf drei Tage geschrumpft.

***

Ich kam gerade zurück vom Zahnarzt. Die Meldung kam im Radio und meine (damalige) Freundin schickte mir eine SMS mit dem schlichten (aber wahren) Inhalt: “Es gibt Krieg.”

***

Habe für meine Tochter den Dachboden ausgebaut, bis sie hinaufstürzte und rief, “da ist ein Flugzeug in ein Haus geflogen”. Ich, ja und, kann doch mal passieren und arbeitete weiter. Nach einer Zeit lief sie wieder zu mir rauf und schrie “noch ein Flugzeug in ein Haus geflogen”. Ich versuchte, sie zu beruhigen und sagte, dass das wohl ein Blödsinn sei, ging allerdings jetzt neugierig, in der Hoffnung, meine Tochter wieder eines besseren zu belehren, die Treppen runter. Vor dem TV der Schock, auf vielen Kanälen immer das Gleiche! Bin wie eine Leiche dagesessen und konnte nur weinen. Ein Reporter hielt zu diesem Zeitpunkt es sogar für möglich, dass es deutsche Terroristen sein könnten, da kam bei mir die Panik hoch und die Angst und nicht schon wieder …! Danach holte ich meinen Sohn vom Kindergarten ab, dort war alles ruhig, Mütter quatschten miteinander, ich erzählte das Geschehen (damals mußte man mit 20.000 Toten rechnen), eine der Mütter sagte darauf “ja, ja, so sind die Amis“, da entstaute sich einiges bei mir, … war nicht nett, aber so effektiv, dass ich wieder mal weniger Bekannte hatte. Danach kam ich ca. drei Tage nicht mehr vom Fernseher weg, einfach kaputt.

***

Ich war gerade in New York City in der Uni angekommen und habe das durch Kommilitonen erfahren. Von der Straße aus konnten wir die 5th Ave hinunter die beiden Tower brennen sehen. Die Atmosphäre war ziemlich erschreckend und unsicher, weil es Gerüchte von weiteren Terroranschlägen gab.

***

Ich habe damals in Xiamen (Südchina) gelebt. Ich stand wie jeden Morgen am Schulbus, als mein kanadischer Kollege dazu kam und sagte: „In New York ist etwas fürchterliches passiert – ein Flugzeug ist in einen Tower des World Trade Centers geflogen.“ Zu dem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass es nicht nur ein Flugzeug war. Das wurde uns erst klar, als wir in der Schule ankamen und das ganze Ausmaß erfuhren. Wir hatten viele amerikanische Schüler und Lehrer an der Schule. Es war schwer, die Kinder zu beruhigen und professionell zu reagieren, weil man selber voller Entsetzen war, ob der Bilder, die im Fernsehen liefen.

***

Ich war gerade in meiner ehemaligen Firma angekommen, um den Abschied einer Kollegin zu feiern, als die Sekretärin, weiß wie die Wand, auf mich zukam und mir sagte, dass gerade ein Flugzeug in einen der Türme des World Trade Centers geflogen sei. Wir gingen dann zusammen in den Konferenzraum, um den Fernseher einzuschalten und nach und nach kamen die anderen Kollegen/innen dazu und wir schauten uns völlig entsetzt die Bilder an, ungläubig und sprachlos. Wir sahen dann noch, wie das zweite Flugzeug in den nächsten Turm flog und waren danach alle wie gelähmt. Keiner sagt mehr etwas, wir saßen nur da und einige fingen an zu weinen. Für uns alle waren diese Momente sehr unwirklich und wir haben lange gebraucht, um uns wirklich klar zu machen, dass dieses furchtbare Unglück wirklich geschehen ist.

***

Ich war arbeiten. Wie immer lief das Radio. Die halbstündigen Nachrichten wurden auch wie immer damals nur mit einem Ohr wahrgenommen. Ich wusste schon seit einer Stunde, dass ein Flugzeug ins WTC gefolgen war, als meine Chefin aus ihrem Büro kam und mich bat, das Radio lauter zu machen. Wir hörten gemeinsam erneut die Nachricht aus New York. Die Bilder der einstürzenden Türme sah ich erst abends. Erst nach und nach ging mir die Dramatik der Situation auf, denn seit der ersten Radiomeldung war meine Vorstellung durch eine bestimmte Assoziation geprägt. Meine Vorstellungen waren irgendwie überlagert von Bildern von Matthias Rust und der winzigen Cesna auf dem Roten Platz. Daher verstand ich erst spät am 11. September das Ausmaß der Katastrophe.

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Ich kam gerade vom Einkaufen und hörte im Autoradio auf NDR-Info die Nachricht von einem Flugzeugunglück in New York. Ich schaltete durch alle Radiosender und alle hatten das Programm unterbrochen, da anscheinend doch mehr dahintersteckte, als ein Flugzeugunglück. Auf “Project 89.0 Digital” lief “Fire Water Burn” von der Bloodhound Gang: “The roof, the roof, the roof is on fire…”

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Ich bin, glaube ich, zum Kunden gefahren. Im Auto habe ich gehört, dass in New York zwei Flugzeuge – so wörtlich “ein großes und ein kleines” – mit dem Wolkenkratzer kollidiert waren. Da ich circa zwei Kilometer von unserem Office wohnte und genug Zeit hatte, bin ich nach Hause gekommen und habe den Fernseher eigeschaltet. Dann konnte ich schon nicht mehr weg. Ich habe Kolelgen im Office und den Kunden angerufen. Und ich habe mit ein paar Freunden über Internet gechattet.

***

Ich war Schule schwänzend mit einem Teller Kellogs zu Hause auf der Couch. Ich zappte durchs Programm, als ich bei EuroNews ein brennendes Gebäude sah. Nach und nach setzte sich das Puzzle zusammen und ich war mit meinen zarten vierzehn Jahren in einer Mischung aus Betroffenheit und Sensationsgeilheit. Gleich am nächsten Tag versuchte uns der Vater eines Freundes davon zu überzeugen, dass die Freimaurer dahinter stecken würden. Mir kam das damals so lächerlich und abwegig vor, dass ich mich fragte, wie überhaupt irgendein Mensch so einen Mist glauben konnte. Diese Einstellung hat sich bis heute nicht geändert.

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Ich ging spazieren und wollte mir in einer Galerie Bilder ansehen. Den Galeristen kannte ich persönlich. Er saß in seinem Laden und sah fern. Ganz aufgeregt holte er mich hinein, als er mich vor dem Schaufenster sah und bat mich, Platz zu nehmen. Erst gingen wir beide von einem furchtbaren Unfall aus. Nachdem ein zweites Flugzeug in den zweiten Turm raste, kam sofort der Verdacht hoch, es wäre ein Anschlag. Wir waren fassungslos. Der Galerist noch mehr als ich. Er hatte zu diesem Zeitpunkt Verwandte in New York. Diesen ist nichts passiert, wie ich später erfuhr.

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Ich war bei einem Kunden, Software installierend, ohne Zugriff aufs Internet. Ich wurde von meiner späteren Ehefrau durch halbstündliche Anrufe unterrichtet, die ihrerseits bereits gleich nach der ersten Kollision von einem Kollegen aus den USA angerufen worden war. Danach war ich bei einem unendlich lange währenden Arbeitsessen mit Kunden auf glühenden Kohlen gesessen. Schließlich bin ich nach Hause geeilt und nicht mehr vom Fernseher gewichen.

***

Ich war an diesem Tag mit einer bezaubernden jungen Dame unterwegs. Wir küssten viel. Ich wollte mehr. Sie nicht. Dann ließ sie mich mit meinen Träumen allein und fuhr weg in ihrem VW Golf. Ich war traurig. Dann rief jemand an und sagte: Schalt den Fernseher ein! Und dann der Schock.

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Ich war Urlaub in Belgien am Meer, campen. Meine Eltern haben im Radio die Nachrichten gehört und wir sind sofort nach Hause gefahren. SOFORT. Vier Stunden später waren die Grenzen dicht. Zuhause schaltete ich den Fernseher an. Die Bilder der einstürzenden Gebäude und der Verletzten haben dazu geführt, dass ich die nächsten vier Jahre nur unter Aufsicht Fernsehen durfte. Ich war damals fünf Jahre alt.

***

Ich fuhr gerade von meiner Arbeit heim und hörte von den brennenden und einstürzenden Twin Towers auf WDR-EINSLIVE zwischen Christina Aguilera und Britney Spears. Da ich zwei Jahre zuvor ebenfalls im Sommer noch auf der Aussichtsplatform des World Trade Centers gestanden hatte, konnte ich mir bereits in der Vorstellung ausmalen, was das bedeutet. Was mich am meisten verstörte, war die auch angesichts größter Katastrophe um Coolness und Lässigkeit bemühte Stimme des Radiomoderators.

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Ich war auf dem Haus meiner Studentenverbindung und einer von den Jungs kam rein und sagte, dass ein Flugzeug in einen der Türme des WTC geflogen sei, und ich dachte spontan zunächst an ein Sportflugzeug.

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An 9/11 lebte ich in Miami und machte frueh morgens das TV an … und dachte, es ist ein Schwarzenegger Film … die Stadt wurde still.

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Ich war in Arcachon auf einer Frankreichreise, als meine Tochter simste: „sofort einen TV suchen, es ist ein Flugzeuf ins World Trade Center geflogen!“ Dann in jedem Bistro und Hotel diese Bilder.

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Ich weiß genau, wo ich war. Ich war auf Station 6 in der Kurklinik, in der ich meinen Zivi gemacht habe. Dort gab es eine kleine Ecke zwischen Station 6 und 7 mit ein paar Sitzgelegenheiten und einem Fernseher oben an der Wand. Ein Zivikollege von mir kam angerannt, lachend und hat gerufen: „Das musst du sehen.“ Also bin ich mitgegangen in der Erwartung, dass einer der anderen Zivis irgendeinen Mist gebaut hat. Statdessen liefen im Fernseher die Bilder die jeder kennt. Er hat gelacht und gesagt, ich werds nie vergessen und zitiere: „Endlich kriegen die Amis eins auf den Sack.“ Ich hab erst nicht verstanden, was da im Fernseher läuft und hab es für einen Film gehalten. Dann hab ich verstanden und habe den Kollegen danach nie wieder mit den selben Augen sehen können wie vorher.

***

Ich war in den südafrikanischen Drakensbergen unterwegs, es fing an, dunkel zu werden und ich hatte noch keine Unterkunft. Endlich fand ich eine Pension, bezog erleichtert mein Zimmer und stellte den Fernseher an. Zunächst hielt ich die Bilder aus New York für einen Spielfilm im Stil von „Stirb langsam“, aber mir wurde schnell die grausame Wahrheit klar.

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Ich habe den Tag als Reserveoffizier bei einer Wehrübung bei Magdeburg erlebt. Plötzlich kam ein Hauptmann zu mir, ziemlich blass, und sagte mir: „Das musst Du Dir anschauen.“ Im Nachbarraum stand ein Fernseher. Als ich den Raum betrat, sah ich genau in dem Augenblick, wie die zweite Maschine in den anderen Tower raste. Mir war speiübel und ich brauchte einige Zeit, um zu realisieren, was meine Augen nicht glauben konnten. Den Einsturz der Gebäude erlebte ich wie in Zeitlupe. Wir waren alle geschockt. Die Übung lief noch bis Freitag weiter und ich erinnere mich noch an die fortwährend gedrückte Stimmung. Die Nächte waren unruhig und ich fragte mich, wie alles weitergehen soll. Irgendwann in der Woche trat der Bundeskanzler Schröder vor die Presse und verkündete den Bündnisfall. Für uns als Reservisten hätte das bedeuten können, dass wir alle im Dienst verblieben wären. Dennoch war die Übung am Freitag beendet und ich beeilte mich, nach Hause zu fahren. Ich erinnere mich, dass ich meinen Sohn vom dem Kindergarten abholte, noch in Uniform und die erschreckten Gesichter einiger Erzieher bemerkte. Eine Erzieherin kam auf mich zu und umarmte mich wortlos. Es war sehr bewegend.

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Ich saß im Büro vor meinem Rechner, als ein Mitarbeiter eintrat und berichtete, er habe da auf einer Dienstfahrt gerade eine seltsame Meldung im Autoradio gehört, in New York habe sich ein Flugzeugabsturz ereignet, das Flugzeug sei in einen Wolkenkratzer gestürzt. Sofort begann ich, im Internet zu recherchieren, die anderen Mitarbeiter versammelten sich hinter mir und starrten gebannt auf den Bildschirm. Je mehr wir erfuhren, desto größer wurde das Entsetzen. Diesen Tag werde ich niemals vergessen, ebenso wie den Tag, als das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft stattfand.

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Ich war im Fitnesscenter auf dem Laufband. Als das zweite Flugzeug ins WTC flog, fiel ich fast vom Band.

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In der U-Bahn in Hamburg auf dem Weg zur Uni-Bibliothek habe ich davon erfahren – ich weiss nicht mehr, wie; die Leute im Abteil haben irgendwie darüber geredet. Dann habe ich mich in der Bibliothek sofort an einen Rechner mit Internetzugang gesetzt.

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Ich war auf einem Parkplatz der A7 zwischen Kassel und Würzburg. Von der ersten Meldung im Radio bis zum Abend war es ein Horrortrip, wie man es sich nie hätte ausdenken können.

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Ich war auf der Arbeit bei einer amerikanischen Firma in Deutschland. Ich habe dann nach Feierabend vor der Glotze gehangen, wie alle anderen auch. Am nächsten Tag glich die Firma einem Hochsicherheitsgebiet. Wir konnten wegen der Personal- und Sicherheits-Überprüfungen diesen Tag nicht mehr produktiv tätig sein.

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Zum Glück war ich wieder in Dresden. Eine Woche davor war ich in New York.

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Ich war in Wien und machte ein Praktikum in der Uniklinik. Die Oberärztin der Station erzählte, dass in New York ein Flugzeug ins WTC geflogen sei. Danach lief der Tag eher normal weiter. Es war die Zeit, bevor jeder ein Smartphone hatte und überall Computer standen. Als ich nachmittags aus dem Krankenhaus kam, merkte man eine Unruhe in der Stadt. Vor den Regierungsgebäuden am Ballhausplatz waren Schützenpanzer aufgefahren, ebenso vor der Synagoge. Abends im Studentenwohnheim habe ich im Gemeinschaftsraum dann im Fernsehen alles gesehen.

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Wir waren in einem Ferienhaus in der Nähe von Den Helder. Meine Freundin kam vom Einkauf und sagte: „Mach mal den Fernseher an, in New York ist ein Flugzeug in ein Gebäude gestürzt.“ In dem Moment, als wir den Fernseher anmachten, flog das zweite Flugzeug in den Turm. Da war klar, dass es kein Unfall war.

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Ich war auf der IAA in Frankfurt für meinen damaligen Arbeitgeber. Wir hatten einen Stand. Niemand hat wirklich begriffen, was passiert ist. Kollegen hatten einen Internetanschluss, der völlig überlastet war. Wir haben tröpfchenweise Informationen erhalten und überlegt, ob wir das Gebäude besser verlassen sollten, möglicherweise wäre auch der Messeturm ein Ziel. Alltag wird Geschichte. So sehe ich das heute. Allein deshalb erinnere ich mich noch an diesen Tag.

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Ich hatte nach der Schule ein Fußballspiel, Kreispokalspiel der D-Junioren gegen die SpVgg. Marl. In der Kabine unterhielten sich einige der Anderen über ein Computerspiel o.Ä. Wir gewannen 2:1, freuten uns und dann fuhr ich nach Hause. Dort stellte ich fest, dass es in dem Gespräch in der Kabine mitnichten um ein Computerspiel ging. Den Rest des Abends verbrachte ich mit meinen Eltern vor dem Fernseher

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Ich habe Kunden in Köln besucht. Sie waren Deutsche mit Vorfahren aus den Philippinen. Als ich ins Haus kam, lief der Fernseher. Der Mann des Hauses sagte mir: „Der dritte Weltkrieg hat begonnen.“

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Mehr so viel mehr

Tapfer im Nirgendwo präsentiert „Mehr so viel mehr“ von Viktoria Burkert.

Der Obdachlose am Zülpicher Platz sagt, er kontrolliert das Wetter, er heißt Jürgen und hatte mal alles, Job, Familie, trotzdem geht es ihm jetzt besser, sagt er. Sein Hund heißt Whiskey und er fragt nach einem Euro für Whiskey, und lächelt ohne Zähne und wünscht ohne Vorwurf einen schönen Tag.

Nachts vorm Café, die Straße dampft vom Sommerregen, es war schön, die Musik, die Menschen, niemand war dagegen, dass man lebt. Wir stehn noch zusammen, du weichst einem schweren Tropfen aus, und sagst: hoffentlich hab ich diese Nacht keine Angst, und dann tanzt du nach Haus.

Vielleicht sind’s diese Nächte, in denen alles so einfach ist, in denen dir klar wird, alles was du suchst, ist längst da! In denen du spürst, dass dein Weglaufen vergebens war, denn alles, was wahr war, ist noch wahr.

Und wer lacht, hat meistens Wunden, und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut! Wer die Töne nicht trifft, weiß zumindest, dass es Töne gibt, und mehr so viel mehr als die Stille und das Schweigen und die Lügen.

Und wer fühlt, was wirklich ist, fühlt sofort, dass es weh tut, denn was schön ist und weh tut ist wahr. Ich bin sicher nicht für immer da,
aber jetzt gerade ganz bestimmt, und jetzt auch noch und zumindest solange dieses Lied erklingt.

Simone wurde wieder verlassen und kauft sich drei Kilo Erdnusseis, sie sagt, das hilft zwar nicht gegen die Einsamkeit, aber für heute Nacht reicht’s. Sie gibt Jürgen zwei Euro für Whiskey und grinst, ach, wir sind mehr so viel mehr als das, was man uns nimmt.

Nachts am großen Fluss, die Brücke bebt, die Möwen schrein, es war schön wie ein Anfang schön ist, und hey, so schön kann’s immer wieder sein. Du sagtest, schau in den Himmel, ich glaube, gleich geht der große Regen los,
und zum Glück haben wir weder Schirme noch ein Zuhause und ich lass dich nicht los.

Vielleicht sind’s diese Nächte, in denen alles wieder möglich ist, in denen du nass bist und glücklich und froh, dass es dich hier noch gibt, weil das Leben dich mehr liebt, als du das Leben immer lieben konntest und das ist völlig okay.

Und wer lacht, hat meistens Wunden, und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut. Wer die Melodie vergeigt, schafft vielleicht nichts, was gleich bleibt, aber versuchen und scheitern gehörn am Anfang und überhaupt dazu.

Und wer fühlt, was wirklich ist, fühlt sofort, dass es weh tut, denn was schön ist und weh tut ist wahr. Du bist sicher nicht für immer da,
aber jetzt gerade ganz bestimmt, und jetzt auch noch und zumindest solange dieses Lied erklingt.

Und wer lacht, hat meistens Wunden, und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut. Wer das Tempo übertreibt, weiß vielleicht mehr über Zeit wie jemand, der perfekt im Tempo bleiben kann, denn die Momente, in denen dein Herz schneller schlägt als sonst, auf die kommt es vielleicht an.


Musik und Text: Viktoria Burkert * Arrangement: Markus Schimpp * Produktion: Gerd Buurmann * Copyright: Viktoria Burkert

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(TINVB)

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Was existierte vor Israel?

Bevor Israel im Jahr 1948 die Unabhängigkeit erklärte, gab es für die Region ein britisches Mandat.

Vor dem britischen Mandat herrschte dort das Osmanische Reich.

Vor dem Osmanischen Reich regierten dort mameluckische Dynastien.

Vor den Mamelucken existierte dort das kurdischstämmige Ayyubidenreich.

Vor dem Ayyubidenreich herrschte dort das fränkische und christliche Königreich Jerusalem.

Vor dem Königreich Jerusalem herrschten dort der arabischstämmig Familienclan der Umayyaden und das Kalifat der Fatimiden.

Vor den Umayyaden und Fatimiden gab es das Byzantinische Reich.

Vor dem Byzantinischen Reich herrschte dort die persische Dynastie der Sassaniden.

Vor dem Sassanidenreich herrschte bereits das Byzantinische Reich.

Vor dem Byzantinischen Reich herrschte dort das Römische Reich.

Vor dem Römischen Reich regierten dort die israelitischen Hasmonäer.

Vor dem hasmonäischen Staat gab es die griechischen Seleukiden.

Vor dem Seleukidenreich herrschte das Alexanderreich.

Vor Alexander dem Großen herrschte dort das Perserreich.

Vor dem Persischen Reich herrschte das Neubabylonische Reich.

Vor dem Neubabylonischen Reich gab es dort das Königreich Juda und das Königreich Israel.

Vor dem Königreich Israel herrschten dort die Zwölf Stämme Israels.

Vor den zwölf Stämmen gab es dort einen Fünf-Städte-Bund der Philister.

Davor waren die Städte unter der Verwaltung des Alten Ägypten.

Unter der Verwaltung des Alten Ägypten lebten dort die Kanaaniter, die ältesten bekannten sesshaften Einwohner der Region.

Was es in dem ganzen Gebiet bisher noch niemals gab, ist ein unabhängiges Palästina.

Was ist überhaupt Palästina?

Eine der ältesten schriftlichen Nachweis des Wortes „Palästina“ findet sich bei dem antiken griechischen Geschichtsschreiber und Völkerkundler Herodot. Im 5. Jahrhundert vor moderner Zeitrechnung benannte er das Gebiet „Syria palaistinē“ und zwar in Anlehnung an das Volk der Philister, das da einst gelebt hatte.

Wer waren die Philister?

Die Philister lebten in dem oben erwähnten Fünf-Städte-Bund, der heute auch öfters als „Palästina“ bezeichnet wird. Der Fünf-Städte-Bund bestand aus den Städten Aschdod und Aschkelon, die sich heute in dem Staat Israel befinden, der verschwundenen Stadt Gat, die sich auf dem Hügel Tell es-Safi befunden haben soll, der ebenso verschwundenen Stadt Ekron, auf dessen Gebiet sich heute der Kibbuz Revadim befindet und Gaza im heutigen Gazastreifen, der Teil der Palästinensischen Autonomiegebiete ist.

Die Philister waren Seevölker. Wie sich diese Völker selber nannten, ist nicht gewiss. Wir wissen jedoch, wie sie genannt wurden, nämlich von den Hebräern. In den biblischen Texten werden sie auf hebräisch פְלִשְתִּים (pelischtim) genannt, was auf deutsch als „Philister“ übersetzt wurde. Aus der Bibel kennen wir auch den berühmtesten Philister der Welt: Goliat. Über ihn berichtet das Buch Samuel:

„Da trat aus dem Heer der Philister ein einzelner Soldat heraus: Goliat aus der Stadt Gat. Er war über drei Meter groß. Gerüstet war er mit einem Helm, einem schweren Schuppenpanzer und mit Beinschienen, alles aus Bronze. Dazu hatte er sich noch eine bronzene Lanze auf den Rücken geschnallt. Sein Brustpanzer wog sechzig Kilogramm, sein Speer war so dick wie ein kleiner Baum, und allein die Eisenspitze des Speeres war über sieben Kilogramm schwer.“

Der Begriff „Palästina“ hat mit dem Wort „Philister“ somit einen hebräischen Ursprung.

Als im Jahr 135 das Jüdische Volk vom Römischen Reich zerschlagen wurde, nachdem der jüdische Tempel bereits im Jahr 70 zerstört worden war, entschlossen sich die Römer, das Gebiet neu zu benennen. Um jeglichen Anspruch des Jüdischen Volks auf das Gebiet zu negieren, benannten sie es nach dem Volk, das in der Bibel gegen das Königreich Israels gekämpft hatte. Zu der Zeit gab es das Volk der Philister jedoch schon lange nicht mehr.

Der Begriff Palästina ist somit lediglich eine Gebietsbeschreibung und keine Volksbeschreibung. Es gibt keine palästinensische Sprache und keine unabhängige palästinensische Kultur, dafür aber eine Menge Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen und Nationalitäten, die in dem Gebiet lebten und leben, das Palästina genannt wird. Der mit Abstand größte Teil Palästinas liegt im heutigen Jordanien.

Weitere Gebiete Palästinas sind die Golanhöhen, der Gazastreifen, das Westjordanland und Gebiete von Ägypten und Saudi-Arabien. Nur ein sehr kleiner Teil Palästinas befindet sich in Israel, aber alle, die in dem Gebiet Palästina leben, mögen es nun Jordanier, Israelis, Araber, Juden, Christen oder Moslems sein, sind Palästinenser.

Nach dem 1. Weltkrieg und durch den Untergang des Osmanischen Reiches wurde der überwiegende Teil des Gebiets Palästina herrschaftslos. Ab 1922 verwaltete der Völkerbund das Gebiet. Alle Menschen, die zwischen 1923-1948 im britischen Mandat Palästina geboren wurden, bekamen damals „Palästina“ in ihre Pässe gestempelt. Wenn man damals allerdings Araber als Palästinenser bezeichnete, waren sie beleidigt und erklärten: „Wir sind keine Palästinenser. Wir sind Araber. Juden sind die Palästinenser!“

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Palästinenser“ als Synonym für „Jude“ benutzt. In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Jerusalem ein sogenanntes palästinensisches Orchester. Es bestand ausnahmslos aus Juden. Die Fahne der Region Palästina sah damals so aus:

Das Palästinensische Volk, so wie es heute mehrheitlich verstanden wird, entstand in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Der PLO-Führer Zuheir Mohsen erklärte im März 1977 in einem Interview mit der niederländischen Zeitung Trouw:

„Das palästinensische Volk existiert nicht. Die Schaffung eines palästinensischen Staates ist nur ein Mittel, um unseren Kampf gegen den Staat Israel für unsere arabische Einheit fortzusetzen. In Wirklichkeit gibt es heute keinen Unterschied mehr zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syrern und Libanesen. Nur aus politischen und taktischen Gründen sprechen wir heute von der Existenz eines palästinensischen Volkes, denn die arabischen nationalen Interessen verlangen, dass wir die Existenz eines eigenen palästinensischen Volkes als Gegenpol zum Zionismus postulieren (…) Aus taktischen Gründen kann Jordanien, ein souveräner Staat mit definierten Grenzen, keine Forderungen auf Haifa und Jaffa aufstellen, während ich als Palästinenser zweifellos Haifa, Jaffa, Beer-Sheva und Jerusalem fordern kann. Doch in dem Moment, in dem wir unser Recht auf ganz Palästina zurückfordern, werden wir nicht eine Minute warten, Palästina und Jordanien zu vereinen.“

Nach dieser Definition ist das palästinensische Volk lediglich eine Erfindung, um Israel zu zerstören. Dieses Palästina ist nur eine Massenvernichtungswaffe, die gegen Israel geschaffen wurde, um das jüdische Volk zu diffamieren, Israel zu dämonisieren und dem Judenhass eine neue Ausdrucksform zu geben.

Es ist purer Hass auf Israel, der diese Definition von Palästina zulässt. Es ist zudem uralter Hass auf das Jüdische Volk, der es möglich macht, das Leute heute ernsthaft den Blödsinn behaupten und glauben können, die heutigen Palästinenser, die von den israelfeindlichen Partei Fatah und der Hamas regiert werden, hätten irgendeine historische oder kulturelle Beziehung zu den biblischen Philistern.

Dieses aus Hass erfundene palästinensische Volk ist nichts weiter als ein gegen Israel aufgebauter Riese. Es ist jedoch ein Riese, der auf einem so historisch wackeligen Boden gestellt wurde, dass schon eine einfache Steinschleuder ausreicht, um diesen Humbug umzustürzen.

„Im Laufen nahm David einen Stein aus seiner Tasche, legte ihn in die Steinschleuder und schleuderte ihn mit aller Wucht gegen den Feind. Der Stein traf Goliat am Kopf und bohrte sich tief in seine Stirn. Sofort fiel der Riese zu Boden auf sein Gesicht. So überwältigte David den mächtigen Philister mit einer einfachen Steinschleuder und einem Kieselstein.“

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