Dreht den Spieß um!

„Rechte Netzwerke, Coronaleugner und die AfD feiern die Schauspieler. Andere, wie der Medienkritiker Stefan Niggemeier empören sich über, Zitat, ekelige Ironie.“

Mit diesen Worten haben Susanne Wieseler und Martin von Mauschwitz für die Sendung WDR Aktuelle Stunde einen Bericht über die Aktion #AllesDichtMachen angekündigt.

Dies ist ein typisches und zudem ekeliges Beispiel für ein unanständiges, diffamierendes Framing von Seiten öffentlich-rechtlicher Redaktionen. Tapfer im Nirgendwo ruft daher dazu auf, den Spieß umdrehen. Schlagen wir diese Journalistinnen und Journalisten mit ihren eigenen Waffen. Folgendes habe ich dazu zu sagen:

„Sehr geehrte Frau Wieseler, sehr geehrter Herr von Mauschwitz, sehr gehrte Damen und Herren der Sendung WDR Aktuelle Stunde,

Sie behaupten, mit den Videos im Rahmen von #AllesDichtMachen würden die Narrative von Coronaleugnern und rechtsextremer Lügenpresse-Schreihälse bedient. Ich möchte Ihnen mal etwas ganz klar sagen:

Ich lasse nicht zu, dass Menschen, die sich wie Sie von Neonazis, Rechtsradikalen, Rassisten, Antisemiten, Faschisten, Holocaustleugnern und anderen Hetzern finanzieren lassen, andere Menschen so diffamieren!“

Diese Aussage entspricht voll uns ganz der Tatsache. Der WDR lässt sich von diesen Menschen finanzieren. Der WDR wird durch den Rundfunkbeitrag finanziert und den entrichten eben auch einige Neonazis, Rechtsradikale, Rassisten, Antisemiten, Faschisten und Holocaustleugner.

Allerdings haben wir es hier mit einem unanständigen Framing zu tun. Der WDR nimmt das Geld dieser Demokratie- und Menschenfeinde, weil er einfach das Geld von allen Leuten nimmt. Somit ist dieses Framing völlig daneben.

Mindestens genauso daneben ist jedoch die Art, wie in der Moderation von der Sendung WDR Aktuelle Stunde Künstlerinnen und Künstler diffamiert werden. Die Menschen, die an der Satire-Aktion beteiligt sind, haben ihr Leben lang durch ihre Taten bewiesen, dass sie anständige Menschen sind, für die Freiheit, Gerechtigkeit und Aufklärung keine leeren Begriffe sind. #AllesDichtMachen ist nur eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus.

Das Framing des WDR ist daher eine einzige Unverschämtheit.

Daher rufe ich alle Leserinnen und Leser auf, überall, wo Ihr seht, dass Journalistinnen und Journalisten öffentlich-rechtlicher Anstalten dieses unsägliche Framing benutzen, egal in welchem Zusammenhang, sprengt deren Rahmen der selbstgefälligen Diffamierung abweichender Meinungen und flutet die Kommentarspalten dieser Magazine bei allen Plattformen von Facebook bis Twitter mit dieser klaren Ansage:

„Ich lasse nicht zu, dass Menschen, die sich wie Sie von Neonazis, Rechtsradikalen, Rassisten, Antisemiten, Faschisten, Holocaustleugnern und anderen Hetzern finanzieren lassen, andere Menschen so diffamieren!“

Ob in der Tagesschau, der heute Show oder einem anderen öffentlich-rechtlich finanzierten Magazin, dreht den Spieß um!

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„Neue Strukturen müssen wir entwickeln“

Am 4. November 1989, ein paar Tage vor dem Fall der Mauer, hielt Jan Josef Liefers eine Rede in Ost-Berlin. Kritiker wie er wurden damals von dem DDR-Regime als Klassenfeinde diffamiert, deren Aussagen angeblich von Faschisten und Nazis gefeiert würden. In den Augen des Regimes gab es nur die guten Sozialisten auf der einen Seite, die durch die Regierung friedlich vertreten sein sollten und die abtrünnigen, verantwortungslosen und unmoralischen Nörgler und Hetzer auf der anderen Seite. Ihnen wurde, besonders von Seiten der Staatsmedien vorgeworfen, mit ihren Meinungen Hass zu schüren und dem Faschismus und der rechtsradikalen Gesinnung das Wort zu reden.

Tapfer im Nirgendwo hat im April 2021 die Rede von Jan Josef Liefers abgetippt, denn über dreißig Jahre später steht er aufgrund einer Satire wieder in der Kritik, rechten Staatsfeinden das Wort zu reden. Menschen, die ihm aufgrund seiner Kunst Applaus spenden, werden ebenfalls in eine rechtsradikale Ecke gestellt, unter anderem von öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

Jan Josef Liefers ist über all diese Diffamierungen erhaben. Die Satire ist nur eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus.

2021 ist nicht 1989. Die BRD ist nicht die DDR. Heute gibt es das Internet. Wir alle können uns frei selbst informieren. Wir sind von keinem Framing mehr abhängig. Wir können alle Rahmen sprengen und die Bilder aus mehreren Perspektiven betrachten.

Daher hier nun die Rede von Jan Josef Liefers aus dem Jahr 1989. Es ist beängstigend, wie sehr die damalige Rede eine Antwort auf die heutige Situation im Jahr 2021 sein kann.

„Mein Name ist Liefers. Ich bin Schauspieler. Ich möchte drei Überlegungen mitteilen.

In den letzten Wochen haben hunderttausende Menschen auf den Straßen unseres Landes das Gespräch eingefordert. Wir alle führen es seit kurzer Zeit. Natürlich hat jeder das Recht, Partner in diesem Gespräch zu sein. Aber ich meine, wir sollten darauf achten und uns verwahren, gegen mögliche Versuche von Partei und Staatsfunktionären, jetzt oder zukünftig, Demonstrationen und Proteste von Menschen unseres Landes für ihre Selbstdarstellung zu benutzen, Initiatoren und Führer des begonnen gesellschaftlichen und politischen Reformprozesses zu sein.

Der zweite Gedanke: Zur ganzen Frage der führenden Rolle überhaupt, meine ich schon, dass sie zur Disposition gestellt werden muss. Zur Demokratie gehört für mich, dass keine gesellschaftliche Kraft allein diese Rolle okkupieren, noch sich um sie bewerben, sondern sie bestenfalls erringen kann und zwar in täglicher Arbeit, demokratisch und eindeutig durchschaubar organisierter Arbeit und entsprechenden Resultaten.

Solange die Spitze der SED nur auf unser aller Druck reagiert, kann meiner Meinung nach von führender Rolle nicht die Rede sein.

Außerdem haben, denke ich, allein die in diesem Land verbliebenen und verbleibenden Menschen darüber zu entscheiden, wen sie mit der Führung beauftragen.

Und der dritte Gedanke. Es ist richtig, jeden Menschen zu ermutigen, die durch die Politik von Partei und Regierung entstandene Krise in unserem Land durchzustehen. Ich glaube allerdings nicht, dass in vierzig Jahren DDR-Geschichte nur einzelne Personen immer wieder in Krisen führten, sondern auch die von ihnen geschaffenen und zementierten Strukturen.

Die vorhandenen Strukturen, die immer wieder übernommenen prinzipiellen Strukturen lassen Erneuerungen nicht zu. Deshalb müssen sie zerstört werden. Neue Strukturen müssen wir entwickeln für einen demokratischen Sozialismus. Und das heißt für mich unter anderem, Aufteilung der Macht zwischen der Mehrheit und den Minderheiten.

Danke schön.“

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Happy Birthday Barbra Streisand

No question, Barbra was too old for Yentl!

But today is her birthday when she turns 79. What can I say? Even today she would be the best casting choice for Yentl.Thank you Barbra!

Thank you for your movies, your songs, your musical compositions and your art.

As a teenager I walked the streets of my village with my Walkman; Your songs gave me hope and confidence in a future that was yet to unfold.Thanks to you, I laughed, cried and found courage.

When I was getting my high school graduation diploma, I listened to a song of yours in my mind: „There are moments you remember all your life.“

It’s been a quarter of a century, but I haven’t forgotten that moment.

Today I’m 44 and an actor. I create my own plays. I act, sing and perform my own shows.I became what I wanted to become while walking through my village with your songs in my ears.

I can still see the ducks swimming in the canal, smell the scent of the trees and hear the lawnmowers.

The Gerd of those days would be satisfied to see the Gerd of today. This Gerd was strengthened through the love that emanated from your art.

As soon as I finish writing these lines, I will download „The way we were“ on my smartphone. The Walkman from that time doesn’t exist anymore. In all likelihood, I’ll cry my eyesout again. But differently than 25 years ago. Thanks for that too.

Happy Birthday and may you live until 120!

Your Gerd

PS: I love your nose!

***

German translation:

Keine Frage, Barbra war zu alt für Yentl!

Heute aber hat sie Geburtstag und wird 79. Was soll ich sagen? Selbst heute wäre sie noch die beste Besetzung für Yentl.

Danke Barbra!

Danke für Deine Filme, Deine Lieder, Deine Kompositionen und Deine Kunst.

Ich bin als Jugendlicher mit Deinen Liedern im Ohr und auf meinem Walkman durch die Straßen meines Dorfes spaziert und habe dabei Hoffnung und Zuversicht auf meine Zukunft verspürt und auf das Leben, das sich noch entfalten sollte.

Dank Dir habe ich gelacht, geweint und Mut gefunden.

Als ich in das Zimmer meines Schuldirektors ging, um mir das Ergebnis meiner Abiturarbeit zu holen, hörte ich im Geiste dieses Lied von Dir: „There are moments you remember all your life.“

Das ist jetzt ein viertel Jahrhundert her. Ich habe diesen Moment nicht vergessen.

Heute bin ich 44 und Schauspieler. Ich mache meine eigenen Theaterstücke. Ich spielt, singe und erschaffe meine eigenen Shows.

Ich bin das geworden, was ich werden wollte, als ich mit Deinen Liedern im Ohr durch Haren an der Ems spazieren ging. Ich sehe heute noch die Enten im Kanal, rieche den Duft der Bäume und höre die Rasenmäher in den Gärten.

Der Gerd von damals wäre froh, den Gerd von heute zu sehen. Diesen Gerd gibt es nur aufgrund einer Liebe, die auch Deine Kunst in mir bestärkt hat.

Sobald ich diese Zeilen zu Ende geschrieben habe, werde ich auf meinem Smartphone „The way we were“ runterladen. Den Walkman von damals gibt es nicht mehr. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde ich bei dem Lied wieder Rotz und Wasser heulen. Nur anders als vor 25 Jahren. Auch dafür danke.

Happy Birthday and may you live until 120!

Dein Gerd

PS: I love your nose!

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Distanziert Euch nicht!

Am 22. April 2021 veröffentlichten fünfzig Prominente unter dem Hashtag #allesdichtmachen verschiedene ironische, sarkastische und manchmal polemische Kritiken zur aktuellen Corona-Politik der Bundesregierung. Der Hashtag wurde zusammen mit weiteren Hashtags wie #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer binnen weniger Stunden zu den am meisten verwendeten bei Twitter in Deutschland.

Allen Filmen ist gemein, dass in ihnen das Stilmittel der Hyperbel genutzt wird. Mit dem rhetorischen Mittel der Übertreibung loben die Prominenten die Maßnahmen der Bundesregierung und entlarven dadurch ihre Schwachpunkte. Die Schauspielerin Nina Gummich verkündet: „Ich mache mich stark für die Meinungsfreiheit. Besonders während so turbulenten Zeiten wie der Coronakrise. Deshalb habe ich mich in den letzten Monaten Stück für Stück von meiner eigenen Meinung befreit.“

Der Schauspieler Jan Josef Liefers bedankt sich „bei allen Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben“.

Die Reaktionen auf diese Videos fielen zum Teil vernichtend aus; nicht überraschend, wenn man sich klar macht, dass zu den Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus‘ unter anderem Ausgangsperren, Grenzschließungen, Berufsverbote, Versammlungsverbote und Eingriffe in die Privatwohnung gehören. Diese Maßnahmen kann man in ihrer Übergriffigkeit nur rechtfertigen, wenn man sich auf der Seite des alternativlosen Guten wähnt. Aus dieser Position heraus werden die übelsten Vorwürfe gegen die Personen laut, die sich in den Filmen zu Wort gemeldet haben. Da ist alles mit dabei, vom Vorwurf, unsolidarisch zu sein, bis hin zu der Unterstellung, sich über die Toten lustig zu machen, wenn man nicht sogar durch seine Meinung direkt für weitere Tote mitverantwortlich ist. Auch der klassische Vorwurf, damit Applaus von der „falschen Seite“ zu bekommen, wird von vielen Seiten bemüht.

Deshalb dauerte es nur ein paar Stunden, bis Jan Josef Liefers sich via Twitter von seinem Film distanzierte: „Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück.“

Besonders unangenehm fällt dabei auf, wie sehr sich manche Schauspielerinnen und Schauspieler bemühen, ihre Kolleginnen und Kollegen in die moralinbefetteten Pfannen zu hauen. Auch kein Wunder, wenn man bedenkt, das viele von ihnen in finanzieller Abhängigkeit sind zu Sendern, die einen klaren Auftrag haben, der in einem „Medienvertrag“ festgeschrieben ist, den die Sender mit dem Staat geschlossen haben. Eine abweichende Meinung oder eine falsche Zustimmung kann da schnell existenzgefährdend werden.

Auch für Heike Makatsch waren die negativen Reaktionen so heftig, dass sie sich genötigt sah, um Verzeihung zu bitten:

Was bitte ist los? Ist es nicht mehr möglich, seinen Zorn satirisch zu kommunizieren, ohne dabei einen Wächterrat des Infektionsschutzes engagieren zu müssen, der dafür sorgt, dass alles so schön kontextualisiert wird, dass es nun wirklich gar nicht mehr aneckt? Müssen wir in Zeiten der ausgerufenen Pandemiebekämpfung ausnahmslos gefällig sein? Sind Kritikerinnen und Kritiker der Maßnahmen Nestbeschmutzer? Der Jurist Rolf Schwartmann ging soweit, dass er Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, als „Volksfeinde“ bezeichnete.

Der SPD-Politiker Garrelt Duin, seinesgleichen Mitglied des Rundfunkrats, fordert sogar, die öffentlich-rechtlichen Sender müssten die Zusammenarbeit mit allen Künstlerinnen und Künstler, die sich an #allesdichtmachen beteiligt haben, schnellstens beenden:

„Jan Josef Liefers und Tukur verdienen sehr viel Geld bei der ARD, sind deren Aushängeschilder. Auch in der Pandemie durften sie ihrer Arbeit z.B. für den Tatort unter bestem Schutz nachgehen. Durch ihre undifferenzierte Kritik an ‚den Medien‘ und demokratisch legitimierten Entscheidungen von Parlament und Regierung, leisten sie denen Vorschub, die gerade auch den öffentlich-rechtlichen Sendern gerne den Garaus machen wollen. Sie haben sich daher als deren Repräsentanten unmöglich gemacht. Die zuständigen Gremien müssen die Zusammenarbeit – auch aus Solidarität mit denen, die wirklich unter Corona und den Folgen leiden – schnellstens beenden. Viele Grüße, ein Rundfunkrat.“

Menschen, die die Coronamaßnahmen kritisieren, werden übelst diffamiert. Dabei artikulieren sie doch nur einen Schmerz, der überall gespürt wird. Es gibt nämlich Opfer auf allen Seiten der Krise. Es gibt Opfer auf der Seite jener, denen die Sicherheit und Gesundheit besonders wichtig ist und es gibt Opfer auf Seiten der Menschen, die sich besonderen der Freiheit verpflichtet fühlen. Sie erleben gerade massive Einschränkungen und daraus resultierende schwere Depressionen und Suizidgedanken. Manche reagieren sogar mit der radikalen Aufgabe ihres Lebens.

Jetzt kann man sagen, Gesundheit sei immer wichtiger als alle Freiheit und die Überzeugung ergibt auch Sinn, wenn man besonders auf Sicherheit fokussiert ist. Es gibt jedoch Menschen, für die ist der folgende Leitspruch keine bloße Floskel, sondern tiefe Überzeugung: Lieber tot als unfrei sein!

Viele Künstlerinnen und Künstler wurden durch diesen Gedanken zu ihren schönsten Kunstwerken inspiriert. Heute sind sie Juwelen der Menschheitsgeschichte.

Eine Tragödie findet dort statt, wo beide Seiten nachvollziehbare Argumente haben. Ich kann sowohl das Team Sicherheit als auch das Team Freiheit verstehen. Ich spüre den Schmerz auf beiden Seiten. Zur Katastrophe entwickelt sich die Tragödie, wenn eine Seite mit deutlich mehr Macht ausgestattet ist, als die andere. Diese Katastrophe zeichnet sich gerade ab.

Wir befinden wir uns in einem asymmetrischen Krieg der Verordnungen und der Zwangsmaßnahmen, in dem die Menschen, die sich nach Sicherheit sehnen, eine deutlich größere Unterstützung erfahren. Sowohl die aktuelle Regierung als auch große Teile der öffentlich-rechtlichen Medienlandschaft unterstützen das Ziel Sicherheit vehement und sehr oft hat die andere Seite keine andere Möglichkeit, als unorganisiert, chaotisch und schmutzig in den Straßenkampf zu ziehen, weil auch große Plattformen die Artikulation ihres Zorns löschen. Diese Löschungen werden dann wiederum teilweise vom Gesetzgeber erzwungen, was dadurch einer indirekten Zensur durch die Hintertür gleichkommt.

So werden Menschen, die ihren Unmut artikulieren, in die Ecke der Abtrünnigen und Unmoralischen verbannt, nur weil sie es gewagt haben, ihren Unmut zu artikulieren. Dabei wird oft bemängelt, dass die Menschen, die sich beklagen, keine Lösungsvorschläge anbieten, ganz so, als sei das Jammern und Klagen nur statthaft, wenn man auch eine Lösung parat hat. Gefühle lassen sich aber nicht einfach so abschalten. Und vor allem müssen diese Gefühle artikuliert werden können und zwar ohne dabei „von oben“ erniedrigt zu werden.

Es gibt Menschen, die in dieser Krise ihre Existenz verloren haben, deren Beziehungen in diesem Ausnahmezustand zu Grunde gegangen sind und deren Kinder Depressionen bekommen. Die Krise hinterlässt verzweifelte Personen, die nicht im Home Office Kuchen essen können, weil es schon am alltäglichen Brot mangelt. Es gibt Menschen, für die war das Theater, zusammen mit den Kneipen und Clubs lebensnotwendige Ablenkung und eine Form der Lebensbewältigung. All das hat nun zu.

Der Mensch ist ein Wesen, das sich seiner Sterblichkeit bewusst ist. Menschen sind Kreaturen, die Welten erdichten und Kunst erschaffen können. Menschen machen Gesetze und werfen Partys. Menschen erleben sich in der Gemeinschaft und messen sich aneinander. Sie lachen, singen, tanzen und grölen. Sie umarmen sich, kuscheln, raufen, ringen und bekriegen sich. Menschen möchten das Leben spüren. Sie möchten raus. Menschen möchten einen Eindruck hinterlassen. Sie möchten sich mal fallen lassen und mal herrschen. Menschen sind frei. Aber nun sind sie gefangen.

Menschen brauchen Spiele. Wenn man ihnen diese Spiele nimmt, dann machen sie sich Spiele und zwar auf der Straße.

Der Mensch ist ein Lümmel. Je stärker er zu etwas gezwungen wird, mag es auch noch so richtig und wichtig sein, umso mehr steigt in ihm der Wille zum Widerstand auf, vor allem wenn die Maßnahmen urmenschliche Verhaltensweisen unterdrücken. Wenn um ihren Alltag beraubte Menschen das Haus in der Ausgangssperre verlassen, weil ihnen die Decke auf den Kopf fällt, wenn sie die Corona-Regeln brechen, weil sie am Ende sind, dann brauchen sie keine moralische Belehrungen, Diffamierungen und Strafen. Sie brauchen keine moralischen Zurechtweisungen von Leuten, die sich in der Krise Wein leisten können, während ihnen selbst das Wasser zum Hals steht. Den Lockdown muss man sich leisten können. Viele können es nicht. Für diese Menschen spricht die Aktion #allesdichtmachen.

Es gibt daher keinen Grund, sich zu distanzieren. Der Ruf zur Distanzierung ist eine Methode jener, die Menschen aufgrund ihrer abweichenden Meinungen wegsperren wollen.

„Militaristische und revanchistische Propaganda in jeder Form, Kriegshetze und Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werden als Verbrechen geahndet.“

Klingt gut, oder? Wer ist schon ein Freund von Kriegshetze und Rassismus? Es ist doch gut, wenn all das verboten ist, oder?

Der zitierte Absatz fand sich an fünfter Stelle des sechsten Artikels der Verfassung der DDR. Es war genau dieser Absatz, mit dem Kritikerinnen und Kritiker des Regimes in Knast und Folter gesperrt wurden. Sie wurden zu Nazis und zu Faschisten erklärt, genauso wie heute. Das ist pure Diffamierung im Stile der DDR.

Nimm Dich in acht vor selbsternannten Friedensaktivisten, denn sie erklären Dich zum Kriegsaktivisten, sobald Du es auch nur wagst zu widersprechen.

Jetzt werden jene kritisiert, weil sie Worte artikulieren, die für jene von Bedeutung sind, die unter den Maßnahmen leiden. Warum müssen diese Menschen verunglimpft werden. Nein, sie verhöhnen keine Opfer. Nein, sie sind keine Egoisten. Nein, sie sind keine Schädlinge der Volksgesundheit. Sie sind Menschen!

Menschen haben Gefühle und niemand weiß diese Gefühle besser zu artikulieren als Künstlerinnen und Künstler. Wenn wir tatsächlich wieder an einem Punkt sind, wo sich Menschen öffentlich entschuldigen müssen für ihre Worte des Ungehorsams und für ihre Kunst des Zweifelns und mag das alles auch noch so polemisch und flegelhaft sein, dann sind wir an einen Moment der deutschen Geschichte zurückgekehrt, von dem wir glaubten, ihn in den Jahren 1989/90 überwunden zu haben.

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Ich mach da nicht mehr mit!

Ein Gedicht von Bernd Gast.

Ja, wenn es nicht verboten wär,
dann ließ ich es jetzt krachen!
Mit Freunden, tanzend kreuz und quer,
würd ich albern sein und lachen.

Ja, wenn es nicht verboten wär,
würd ich jetzt gemeinsam singen.
Mit Band und mit nem großen Chor,
die Luft zum klingen bringen.

Tja –
all das und mehr ist jetzt verboten.
Angeblich, weil’s gefährlich ist.
Doch, wer beginnt das auszuloten,
merkt, ganz plausibel ist das nicht.

Drum –
diese Fragen müssen sein –
Wer wagt mit uns den ersten Schritt?
Wer steht mit auf und stimmt mit ein:
Ich mach da nicht mehr mit!
Ich mach da nicht mehr mit!

Alle sind eingeladen, ein Handy-Video von sich mit „Ich mach da nicht mehr mit“ zu schicken. Daraus soll dann eine weitere Video-Collage entstehen. Das Video einfach per Mail schicken an: info@derheissebrei.com – und ladet gern auch noch andere dazu ein.

Hier die Fortsetzungen:

(TINBG)

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Freedom is dangerous

Humans are beings who are aware of their mortality. Humans are animals with morals. Humans are creatures who can invent worlds and create art. Humans make laws and throw parties. Humans experience community and measure themselves against each other. They laugh, sing, dance and bawl. They hug, cuddle, scuffle, wrestle and fight. People want to feel life. They want to get out. People want to make an impression. They want to let go sometimes and rule sometimes. People are free.

Freedom is dangerous.

The human species is a lout. The more anyone is forced to do something, no matter how right and important it may be, the will to resist increases, especially if measures suppress primeval human behavior.

I love freedom. It allows me to be a privatized communist who tries to be a just person. I rejoice when I succeed and I’m irritated when I fail. But when I’m imposed upon, when I’m declared to be a problem, a sense of resistance arises in me.

Of course, rules are needed to maintain a social community, but when the rules become inhumane, when the human being becomes the problem, either everything breaks down or oppression increases.

There are those who’ve lost their livelihoods during this state of emergency, whose relationships have been ruined and whose children are suffering depression. The crisis leaves behind desperate people who cannot eat cake in their home offices because there is already a shortage of bread. There are people for whom the soccer stadium, the theater, the pub or the club were vital distractions, and a social form of stress relief and anger management. All of those venues are closed.But, people need diversions. If they are deprived, they will devise their own diversions. They will go out on the streets.

When people feel the roof is falling on their heads, they will leave their homes. When they are at the end of their ropes, they will break the quarantine rules. They don’t need punishment. Nor do they need moral lectures from people who can afford wine in a crisis especially when they themselves are up to their necks in deep water.

Some can afford the lockdown. Many can’t.

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(Translation: William Wires)

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Wir wollen tanzen!

Überall in Europa erhebt sich tanzender Widerstand gegen die autoritären Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus. Menschen versammeln sich, um gemeinsam das Lied „Danser encore“ von HK zu singen und dazu zu tanzen. Tapfer im Nirgendwo präsentiert eine deutsche Übersetzung.

Wir wollen wieder weiter tanzen! Sehen, wie unsere Gedanken unsere Körper umschlingen. Verbringen wir unser Leben in Akkordfolgen.

Wir sind Zugvögel, weder zähmbar, noch brav. Wir schwören keine Treue, im Morgengrauen und unter allen Umständen kommen wir, um die Stille zu brechen.

Und wenn am Abend im Fernsehen der gute Herr König gesprochen hat, gekommen, um das Urteil zu verkünden, sind wir respektlos, aber immer mit Eleganz.

Auto-U-Bahn-Arbeit-Konsum, Selbstattest, eigenhändig unterschrieben, verschreibungspflichtige Absurdität. Und wehe dem, der denkt. Und wehe dem, der tanzt.

Jede autoritäre Maßnahme, jeder üble Beigeschmack von Sicherheit, löst unser Vertrauen in Luft auf. Sie sind so beharrlich, im Einschränken unseres Bewusstseins.

Lasst uns nicht beeindruckt sein von all diesen unvernünftigen Leuten, diesen Verkäufern der Angst im Überfluss, diesen Ängstlichen bis zur Schamlosigkeit. Wisst, wie wir sie auf Distanz halten.

Für unsere geistige Gesundheit, sozial und für die Umwelt, für unser Lächeln, unsere Intelligenz, seien wir nicht ohne Widerstand die Instrumente ihres Wahnsinns.

Text im Original:

Nous on veut continuer à danser encore
Voir nos pensées enlacer nos corps
Passer nos vies sur une grille d’accords
Oh, non non non non non non
Nous on veut continuer à danser encore
Voir nos pensées enlacer nos corps
Passer nos vies sur une grille d’accords

Nous sommes des oiseaux de passage
Jamais dociles ni vraiment sages
Nous ne faisons pas allégeance
À l’aube en toutes circonstances
Nous venons briser le silence

Et quand le soir à la télé
Monsieur le bon roi a parlé
Venu annoncer la sentence
Nous faisons preuve d’irrévérence
Mais toujours avec élégance

Nous on veut continuer à danser encore
Voir nos pensées enlacer nos corps
Passer nos vies sur une grille d’accords
Oh, non non non non non non
Nous on veut continuer à danser encore
Voir nos pensées enlacer nos corps
Passer nos vies sur une grille d’accords

Auto-métro-boulot-conso
Auto attestation qu’on signe
Absurdité sur ordonnance
Et malheur à celui qui pense
Et malheur à celui qui danse

Chaque mesure autoritaire
Chaque relent sécuritaire
Voit s’envoler notre confiance
Ils font preuve de tant d’insistance
Pour confiner notre conscience

Nous on veut continuer à danser encore
Voir nos pensées enlacer nos corps
Passer nos vies sur une grille d’accords
Oh, non non non non non non
Nous on veut continuer à danser encore
Voir nos pensées enlacer nos corps
Passer nos vies sur une grille d’accords

Ne soyons pas impressionnables
Par tous ces gens déraisonnables
Vendeurs de peur en abondance
Angoissants, jusqu’à l’indécence

Sachons les tenir à distance
Pour notre santé mentale
Sociale et environnementale
Nos sourires, notre intelligence
Ne soyons pas sans résistance
Les instruments de leur démence

Nous on veut continuer à danser encore
Voir nos pensées enlacer nos corps
Passer nos vies sur une grille d’accords
Oh, non non non non non non
Nous on veut continuer à danser encore
Voir nos pensées enlacer nos corps
Passer nos vies sur une grille d’accords.

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Ein paar Fragen an die Tagesschau

Sehr geehrte Damen und Herren der Tagesschau,

einen Bericht aus Amerika haben Sie wie folgt überschrieben:

„In der Nähe von Minneapolis hat ein Polizist den 20-jährigen Afroamerikaner Daunte Wright bei einer Verkehrskontrolle getötet.“

Da Sie sich für eine gendergerechte Sprache stark machen, darf ich fragen, warum Sie einfach so angenommen und behauptet haben, die Person, die geschossen hat, sei männlich gewesen? Es war eine Polizistin!

Darf ich zudem fragen, warum sie die Hautfarbe zum Thema machen?

Da Sie es aber tun, darf ich fragen, welche Hautfarben die Polizist*innen haben, die ihn festgenommen hatten? Welche Hautfarbe hatte der Polizist, der ihn aus dem Auto zog?

Aber die wichtigste Frage ist: Warum ist Ihnen das alles so wichtig, dass Sie es in die Überschrift gepackt haben?

Martin Luther King Jr. sagte einst:

„Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden.“

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„Mein Herz schlägt ruhig, aber ich bin richtig entsetzt, fassungslos. Das sollen Sie hören!“

Seit November 2020 ist der Spielbetrieb an den Theatern in Deutschland eingestellt. Schon davor waren die Spielstätten über Wochen geschlossen. Sie durften nur für einige Zeit unter starken Einschränkungen und Auflagen, sowie mit deutlicher Reduzierung des Publikums öffnen.

Seit über einem Jahr gibt es in Deutschland kein echtes Theaterleben mehr.

Johannes B. ist Bühnenschauspieler und von dem Berufsverbot für Theater besonders betroffen. Daher organisiert er regelmäßig Demonstrationen in Köln, auf denen er sich kritisch mit den Maßnahmen auseinandersetzt, die von den deutschen Regierungen zur Bekämpfung des Coronavirus‘ erzwungen werden. Über die inhaltliche Ausrichtung sagt er:

„Die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen mit dem, was tatsächlich geschieht, da ist eine große Kluft zwischen. (…) Es gilt die Unschuldsvermutung. Und es ist nunmal mein Körper und wenn ich sage „Nein“, dann hat mir da niemand dran rumzufummel, weder mit einem Läppchen, noch mit einer Spritze.“

Über die Atmosphäre auf den Demonstrationen, auf denen er sich seit Monaten befindet, sagt er:

„Bei uns geht es ganz und gar friedlich zu. Die Demos sind angemeldet. Wir haben eigentlich einen ganz guten Kontakt zur Versammlungsbehörde, auch zu den Polizisten vor Ort, das ist ganz friedlich. (…) Es tragen auch alle diese Tücher im Gesicht, außer sie haben Atteste. Das wird dann auch immer kontrolliert. Also alles ist, wir machen es so geschmeidig, diesen ganzen Irrsinn und Wahnsinn machen wir so geschmeidig mit, wie das irgendwie geht. (…) Die Herzenswärme, die da ist, die lässt mich ganz gut wieder, wie sagt man, Resilienz finden, also wieder Steh-auf-Männchen sein, die Herzenswärme unter den Menschen. Die Menschen dort sind so friedlich. Was immer in der Tagesschau kommt, ist, sage ich, inszeniert. Die großen Demos, es ist so eine schöne, stärkende Atmosphäre.“

Diese Beschreibung beißt sich mit manchen negativen Aussagen über die sogenannten „Querdenker“. Diese jedoch sind ihrerseits oft recht einseitig, bewertend und ideologisch gefärbt. Es herrscht ein großes Misstrauen.

Persönlich bin ich bisher an den Kölner Demonstrationen gegen die geltenden Anti-Corona-Maßnahmen immer nur zufällig vorbeigekommen. Manchmal blieb ich stehen und hörte zu, wenn es mir meine Zeit ermöglichte. Es sind Demonstrationen im Stil des offenen Dialogs, bei denen so ziemlich jeder Mensch, der etwas sagen oder präsentieren möchte, das Mikrophon bekommt. Dies führt dazu, dass es Wortmeldungen aus den unterschiedlichsten politischen Lagern gibt. Ich habe sowohl Beiträge gehört, von denen ich was gelernt habe, als auch welche, bei denen ich nur den Kopf schütteln konnte. Bei einigen Wortmeldungen wurde ich sogar wütend und wenn ich eine Aussage gar nicht mehr ertragen konnte, habe ich den Platz verlassen.

Es ist im Grunde wie bei einer typischen Talksendung im Fernsehen. Da bin ich auch immer mindestens bei einem Gast völlig anderer Meinung. Nicht selten schüttele ich sogar über die Moderation den Kopf. Immer öfter schalte ich ganz einfach weg, so wie ich eben einfach einen Platz verlasse.

Am 10. April 2021 verließ auch der Schauspieler Johannes B. den Platz einer Demonstration auf dem Rudolfplatz in Köln, allerdings nicht freiwillig.

Es war eine Demonstration, bei der unter hundert Demonstrierende anwesend waren, was vermutlich dem Regenwetter geschuldet war. Der Regen war jedoch nicht der Grund für Johannes B. zu gehen. In einem Interview bei „Der heiße Brei“ erklärt er den Grund:

„Es kamen also zwei Ordnungsamtler auf mich zu und forderten, mein Attest einzusehen. Ich trage keine Maske aus gesundheitlichen Gründen. Das ist gut belegt. Es gibt da überhaupt keinen Zweifel dran und ich hatte ein gültiges Attest; ich sage, ich habe immer noch ein gültiges Attest, denn die Kurzversion ist: Es wurde konfisziert. Das Ordnungsamt hat es eingeleitet. Die Polizei hat sich da, wie ich meine, zum Büttel machen lassen, aber das müssen die Menschen vor Ort selbst erkennen. Die Menschen vor Ort kennen mich gut, weil sie mich auch bei meinen Demos, wenn ich das leite, sehr gut beobachten. Das weiß ich. Plötzlich war dann mein Attest futsch. Ich bekam von irgendjemandem, den ich nicht kannte, einen blauen Durchschlag und eine Asservatennummer. (…)

Ich hatte vorher schon durch das Mikro gehört, jemand erzählte durch das Mikro, dass ihm gerade sein Attest konfisziert worden ist. Dann sagte ich zu den Ordnungsamtlern, zu Mann und Frau waren das, sehr große Menschen, ich bin nicht so groß, aber für mich sind sie sehr groß und sagte: „Ich habe gehört, das sie die Atteste konfiszieren. Das möchte ich nicht. Ich brauche dieses Attest um zum Beispiel im Supermarkt meine Lebensmittel zu kaufen.“ Und dann nickten beide und sagten: „Ja, wir möchten es nur sehen.“ Das war eine glatte Lüge. Das weiß ich heute.

Der eine drehte sich mit meinem Attest nach hinten weg, vom Ordnungsamt ging zur Polizei, die zahlreich vertreten war. Die Andere hatte mein Personalausweis in der Hand und dann bekam ich das Attest nicht wieder, denn sie hatten mit Blick auf den Namen des Arztes schlichtweg entschieden, das Attest sei ein Beweismittel in einem Strafverfahren gegen meinen Arzt. (…)

Dann war das Attest futsch. Es war hochgradig demütigend, insbesondere schlimm, weil mich Teile der Polizistinnen und Polizisten wirklich seit November mindestens kennen, seit ich die Demos am Heumarkt leite und wissen, dass ich jede Demonstration mit dem Satz beginne: „Ich begrüße alle Menschen hier auf dem Heumarkt, ausdrücklich alle!“ Und ich meine immer alle. Ich meine alle Ordungsamtler, alle Polizisten, alle Teilnehmer, alle Passanten. Ich begrüße immer aller Menschen auf dem Heumarkt und sage auch immer wieder während meiner Moderation: „Wir wuppen das Ding hier immer gemeinsam.“ Und zwar meine ich damit die ganze Coronakiste.

Wir machen das hier gemeinsam. Es geht nicht darum, einander auszuschließen, in Konflikt zu geraten, also Konflikt in dem Sinne, dass wir einander bekriegen. Sondern es geht darum, diesen Auftrag, den wir ja hier nun durch das Leben gestellt bekommen haben, friedlich gemeinsam zu lösen. Da hat sich in den Monaten viel Vertrauen meinerseits auch aufgebaut und das wurde gestern massiv erschüttert. (…)

Ich blieb dort stehen. Ich meine, es war annähernd eine halbe Stunde, sollte mich nicht vom Fleck rühren. Es war also richtig kalt. Ich machte so ein paar Schritte hin und her, aber ziemlich auf dem Fleck. Dann wurde ich angeraunt: „Bleiben Sie stehen!“ „Jetzt ist aber gut hier.“ Und dann habe ich Platzverweis bekommen, denn ich hatte ja kein gültiges Attest mehr bei mir. (…)

Das Attest wurde mir entwendet und dann wurde mir gesagt: „Sie haben kein Attest. Sie müssen gehen.“ Punkt. Und dann stand ich da. Und weil es mein Naturell ist, die Sache nicht weiter zu eskalieren, sondern grundsätzlich den Menschen auch in der Uniform zu erkennen, habe ich es nicht eskaliert, sondern habe schlichtweg dem Menschen, der mich dort am Besten beobachtet hat über die Monate, habe ihm schlichtweg gesagt, warum ich mein Attest denn habe und er hat das gehört. Er hat mich verstanden. Und im Moment hatte ich das Empfinden, da sehe ich einen Mann, der noch ein paar Jahre älter ist als ich, aber ähnlich meines Alters, der irgendwann mal zur Polizei gegangen ist, um zu schützen. Das glaube ich dem komplett. Der ist zur Polizei gegangen, um bei den Guten zu sein. Und der hat im Moment verstanden, er schützt die Bösen.

So klar müssen wir es benennen. Denn was hier geschieht, das ist Rechtsbruch, der unfassbar ist. Alles, was um diese Maskenproblematik geht, dass Kindern diese Tücher ins Gesicht gezwungen werden. Vor zwei Jahren wäre das noch als Kindesmisshandlung aufgenommen worden, also da wären Eltern den Kindern weggenommen worden. Heute wird es durch, tja, seltsame Kräfte in der Welt als gut benannt. Also den Mann, da bin ich mir sicher, den habe ich als Menschen erreicht, aber ich weiß nicht, welche Konsequenzen er zieht.

Der Platzverweis geht nur von der Polizei aus. Sie machen das als Amtshilfe. Deshalb sage ich, sie machen sich da, meines Erachtens, zum Büttel, denn dieses Ordnungsamt ist hochbewaffnet. Die haben diese Elektroschocker im Halfter. Die kratzen auch gerne am Halfter rum. Die benehmen sich wie Polizei. Die stehen da rum, kommen immer zu nah, also sie sind immer auf dieser, auch jenseits von Corona wäre das zu nah. Du stehst in der Intimsphäre eines dir unbekannten. Das tust Du nicht. (…)

Dann wurde ich vor die Auswahl gestellt, also entweder ich gehe selbst, ich erhalte einen Platzverweis oder, wenn ich den nicht befolge, dann komm ich ins Gefängnis. Und dann sagte ich: „Vielen Dank. Ich bin entsetzt.“ Ich habe mehrfach gesagt: „Ich bin entsetzt.“ Dann sagte er zu mir: „Kommen Sie mal runter. Ich kenne Sie doch ganz anders.“ Und ich: „Ich bin aber entsetzt. Das dürfen Sie hören. Mein Herz schlägt ruhig, aber ich bin richtig entsetzt, fassungslos. Das sollen Sie hören!“ Und das hat er. Das haben auch die anderen. Aber das Ordnungsamt zeichnet sich immer dadurch aus, wenn es menschlich wird, dann rennen die weg. Das halten die nicht aus.“

Eine weitere Teilnehmerin erklärte auf Nachfrage:

„Mir wurde mein Attest schon aus der Hand gerissen, mein Mann und ich voneinander separiert, usw. Horror! Wenn ich jetzt Polizei oder Ordnungsamt sehe, dann sehe ich zu, dass ich Land gewinne, und das trotz gültigem Attest!“

Die Schilderungen wurde an die Polizei in Köln geschickt. Sobald eine Stellungnahme vorliegt, wird sie hier veröffentlicht:

„Vielen Dank für Ihr Interesse an der Arbeit der Polizei Köln. Ihre Anfrage beantworte ich Ihnen wie folgt:

Das besagte Attest wurde aufgrund von Ermittlungen des Kriminalkommissariat 51 der Polizei Köln, wegen des Verdachts der Ausstellung unrichtiger Gesundheitszeugnisse, sichergestellt/beschlagnahmt. Für weitere Informationen bitte ich Sie, sich – aufgrund der Pressehoheit – an die Staatsanwaltschaft Köln zu wenden.“

Die Schilderungen wurde ebenfalls an die Staatsanwaltschaft Köln geschickt. Sobald eine Stellungnahme vorliegt, wird sie hier veröffentlicht:

(Die Polizei hat sich telefonisch gemeldet und erklärt, die Staatsanwaltschaft habe gebeten, dass die Polizei das mit mir klärt.

Der Polizist am Telefon erklärte mir, das Attest sei eingezogen worden, weil gegen den ausstellenden Arzt ermittelt werde. Auf die Frage, warum die Person des Platzes verwiesen wurde, obwohl noch kein Vergehen bewiesen sei und somit doch eigentlich die Unschuldsvermutung gelten müsste, erklärte der Polizist, es sei eine besondere Ausnahmesituation aufgrund von COVID und daher müsse besonders entschieden vorgegangen werden. Das sei, so erklärte er mir, seiner Meinung nach auch im Sinne der Bürgerschaft.

Auf die Frage, was denn die Polizei gemacht hätte, wenn der Betroffene das Attest nicht in altmodischer Form auf Papier, sondern in digitaler und rechtsgültiger Form auf seinem Handy gehabt hätte, so wie man heute auch seinen Personalausweis digital mit sich führen kann, vermutete die Polizei, dass es dann wohl nicht so einfach gewesen wäre, das Attest einzuziehen.

Auf meine Frage, ob es nicht schwierig sei, es aus gesellschaftlicher Angst vor einem Virus mit den Grundrechten vielleicht nicht ganz so genau zu nehmen, erklärte der Polizist, dass diese philosophischen Abwägungen wichtig seien, er aber versichern könne, dass die Polizei immer im Rahmen der Rechtmäßigkeit handeln würde.

Auf die Frage, warum die Situation gerade mit einem Menschen eskalieren musste, der der Polizei als außerordentlich kooperativ bekannt ist, erklärte der Polizist, dies werde nach Möglichkeit schnell auch mit der betreffenden Person geklärt.)

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Von Gesinde zu Adel

Bei der Sat1-Show „Promis unter Palmen“ hat ein offensichtlich sehr angetrunkener, wenn nicht gar rotzbesoffener Marcus Prinz von Anhalt erklärt, in seinen Augen seien homosexuelle Männer „ekelig“, „unnormal“ und „abartig“.

Die Künstlerin und Drag-Queen Katy Bähm (bei Facebook Böhm) ist wie der Prinz von Anhalt ebenfalls Teilnehmerin bei „Promis unter Palmen“. Sie erklärt, die Aussage vom Prinzen sei von Sat1 geschnitten worden und er habe konkret folgendes gesagt:

„Schwule sind eklig. Euch sollte man die Schwänze abschneiden. In anderen Ländern werdet ihr zurecht umgebracht.“

Lieber Marcus Prinz von wo auch immer,

ich komme aus einer Familie, bei der noch die Urgroßeltern zum Gesinde gehörten. Daher von Gesinde zu Adel: Ganz nüchtern möchte ich fragen, wie Sie es finden, wenn jemand sagen würde:

„Adelige sind eklig. Euch sollte man die Köpfe abschneiden. In anderen Ländern wurdet ihr zurecht umgebracht.“

Was meinen Sie? Klingt das gut in Ihren adeligen Ohren?

Man sagt ja immer, „Adel verpflichtet“. Bei Ihren Aussagen sehe ich jedoch, dass es im Keller beim Gesinde anständiger zugeht als beim Adel.

Ich bin mal wieder richtig froh, in einer demokratischen Republik zu leben und liebe eine Drag Queen deutlich mehr als einen Dreck Prinzen.

Hochachtungsnüchtern,

Bürger Gerd Buurmann

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