Warum spricht ein lebenslanger Demokrat auf dem Republikanischen Nationalkonvent?

Tapfer im Nirgendwo präsentiert die Rede des demokratischen Abgeordneten Vernon Jones bei dem Republican National Convention 2020 in deutscher Übersetzung.

Ich heiße Vernon Jones. Ich bin ein Abgeordneter aus dem großen Staat Georgia. Wie Sie sehen, bin ich ein farbiger Mann (Man of Color) und ich bin ein lebenslanger Demokrat.

Sie fragen sich vielleicht: „Warum spricht ein lebenslanger Demokrat auf dem Republikanischen Nationalkonvent?“ Das ist eine faire Frage. Hier ist die Antwort:

Die Demokratische Partei möchte nicht, dass die Schwarzen die mentale Plantage verlassen, auf der sie uns seit Jahrzehnten hält. Aber ich habe Neuigkeiten: Wir sind freie Menschen mit freien Gedanken.

Ich bin Teil eines großen und wachsenden Teils der schwarzen Gemeinschaft, die unabhängig denken und wir glauben, dass Donald Trump der Präsident ist, den Amerika braucht, um uns vorwärts zu führen.

Diese Zeit eignet sich nicht zum Verschlafen. Joe Biden hatte 47 Jahre Zeit, um Ergebnisse zu erzielen. Aber er redet nur und handelt nicht, genau wie so viele dieser Demokraten, die seit Jahrzehnten Versprechungen machen.

Als Präsident Trump versuchte, die schwarze Stimme zu erhalten, wurden die Führer der Demokratischen Partei verrückt. Nancy Pelosi und Chuck Schumer trugen buchstäblich Kente-Stoffschals im Kapitol, als ob diese Anbiederung genug wäre, um uns ruhig zu stellen.

Lassen Sie mich erklären, warum ich unseren Präsidenten unterstütze.

Ich bin im Süden aufgewachsen. Meine Eltern bauten mit ihren eigenen Händen einen Block aus Schlackenbeton mit vier Räumen und ohne Inneninstallationen. Sie hatten eine sehr begrenzte Ausbildung, aber sie impften uns eine starke Arbeitsmoral ein, die mich von den Tabakfeldern in North Carolina zu den heiligen Hallen der Generalversammlung von Georgia führen sollte.

Meine Eltern lehrten mich, wenn ich an Gott glaube, hart arbeite und jeden Menschen fair behandele, gibt es keine Grenze für das, was wir erreichen können.

Ich besuchte die North Carolina Central University, ein historisch schwarzes College. Seit Generationen sind diese historisch schwarzen Colleges der Nährboden für schwarze Wissenschaftler in Mathematik, Naturwissenschaften, Religion, Ingenieurwesen und Politik. Sie sind wichtige Sprungbretter für den Erfolg der Schwarzen. Aber die Demokraten haben sie nicht so behandelt.

Als Präsident Trump sein Amt antrat, änderte er alles. Er lieferte historisch einzigartige Mittel an die historisch schwarzen Colleges und er hat sie für zehn Jahre garantiert. Das gab unseren Colleges Stabilität, die Chance zu wachsen und die nächste Generation schwarzer Führungskräfte hervorzubringen.

Das stimmt. Donald Trump hat das getan.

Er unterstützte auch Initiativen zur Schulwahl, um sicherzustellen, dass jedes Kind, unabhängig von seiner Herkunft oder Postleitzahl, Zugang zu einer großartigen Ausbildung hat. Aber Bildung ist nur der Anfang.

Der Präsident baute zudem die umfassendste Wirtschaft aller Zeiten auf, mit einer Rekordbeschäftigungsquote für Afroamerikaner und einer Rekordbeteiligung an der Belegschaft.

Er hat Opportunity Zones in die Trump-Steuergesetzgebung aufgenommen, die in den kommenden Jahrzehnten Investitionen in unsere Gemeinden vorantreiben wird. Er stellte die Interessen der amerikanischen Arbeiter und insbesondere der schwarzen Arbeiter in den Vordergrund.

Das stimmt. Donald Trump hat das getan.

Er lieferte eine historische Reform der Strafjustiz. Er beendete ein für alle Mal die Politik der Masseneinkerkerung von Schwarzen, die unsere Gemeinschaften dezimiert hat.

Demokraten haben das nicht geschafft! Obama konnte es nicht tun! Joe Biden und Kamala Harris konnten es definitiv nicht! Aber Donald Trump tat es. Er arbeitet auch jeden Tag daran, unsere Gemeinden sicherer zu machen.

Als ehemaliger County Executive von DeKalb County in Georgia leitete ich eine der größten öffentlichen Sicherheitsabteilungen im Südosten. Ich habe auf beiden Seiten tragische Schießereien gesehen, Beamte, die Bürger töteten, und Bürger, die Beamte im Dienst töteten.

Polizisten sind unsere Mitbürger. Sie lieben unser Land. Sie haben Familien. Sie leben in unseren Gemeinden. Leider haben die Demokraten unseren tapferen Polizisten den Rücken gekehrt. Sie nennen es „Defunding“, aber es ist eine Gefahr für unsere Städte, unsere Nachbarschaften und unsere Kinder.

Ist es nicht ironisch, dass die demokratischen Politiker niemals ohne Sicherheitspersonal ihre Häuser verlassen, die sie jederzeit schützen? Warum verzichten sie nicht auf ihre Sicherheit und ersetzen das Sicherheitspersonal durch Sozialarbeiter, denn das ist es schließlich, was sie für uns wollen.

Unsere Polizei benötigt mehr Mittel, nicht weniger, für häufig notwendige psychologische Betreuung und für mehr Deeskalation und für bessere Ausbildung in Einsatz von Gewalt. Dies sind die vernünftigen Lösungen, die Präsident Trump unterstützt, echte, aufrichtige Polizeireformen.

Das stimmt. Donald Trump hat das getan.

Bildung, Arbeitsplätze, Sicherheit, Sicherheit, bei jeder sich bietenden Gelegenheit und in nur einer Amtszeit zerstörte Trump die negativen Kräfte, denen die schwarze Gemeinschaft seit Jahrzehnten zum Opfer fiel. Er gab uns die Gelegenheit aufzustehen.

Nun, Sie können es sich vorstellen, als ich öffentlich meine Unterstützung für Präsident Trump ankündigte, brach die Hölle los. Ich wurde bedroht, als peinlich bezeichnet und von meiner Partei zum Rücktritt aufgefordert. Leider passt das zu der Demokratischen Partei und wie sie unabhängig denkende schwarze Männer und Frauen sehen. Aber ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass schwarze Stimmen wacher und lauter werden als je zuvor.

Die Demokratische Partei hat sich mit einer Pandemie infiziert: Intoleranz, Fanatismus, Sozialismus, Vorurteile gegen die Strafverfolgungsbehörden und eine gefährliche Toleranz für Menschen, die andere angreifen, Eigentum zerstören und unsere Gemeinschaften terrorisieren. Darum geht es bei dieser Wahl.

Und deshalb braucht Amerika jetzt mehr denn je Donald Trump für weitere vier Jahre im Oval Office! Gott segne Sie und wählen Sie Trump!

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Nikki Haleys Rede auf dem Republikanischen Nationalkonvent in deutscher Übersetzung

Tapfer im Nirgendwo präsentiert die Rede der ehemaligen US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, bei dem Republican National Convention 2020 in deutscher Übersetzung.

Guten Abend. Es ist großartig, wieder auf der Republikanischen Nationalkonvent zu sein.

Ich möchte mit einer kleinen Geschichte beginnen. Sie handelt von einer amerikanischen Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Es geht um eine Rede, die sie auf diesem Konvent gehalten hat. Sie unterstütze die Wiederwahl des republikanischen Präsidenten, dem sie diente und sie kritisierte seinen demokratischen Herausforderer, einen ehemaligen Vizepräsidenten einer gescheiterten Regierung.

Diese Botschafterin sagte, und ich zitiere: „Demokraten geben Amerika immer zuerst die Schuld.“ Das Jahr war im Jahr 1984. Der Präsident war Ronald Reagan. Und die Worte von Botschafterin Jeane Kirkpatrick sind heute noch genauso wahr.

Joe Biden und die Demokraten beschuldigen immer noch zuerst Amerika. Donald Trump aber hat immer Amerika zuerst (America First) gesetzt. Er hat vier weitere Jahre als Präsident verdient.

Es war eine Ehre fürs Leben, als Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen zu dienen. Die U.N. ist wahrlich nichts für schwache Nerven. Es ist ein Ort, an dem Diktatoren, Mörder und Räuber Amerika denunzieren, aber dann ihre Hände ausstrecken und verlangen, dass wir ihre Rechnungen bezahlen.

Tja, Präsident Trump hat all dem ein Ende gesetzt. Mit seiner Führung haben wir getan, was Barack Obama und Joe Biden abgelehnt haben. Wir haben uns für Amerika eingesetzt und wir haben uns aufrecht gegen unsere Feinde gestellt.

Obama und Biden ließen es zu, dass Nordkorea Amerika bedroht. Präsident Trump lehnte diese Schwäche ab, und wir haben die härtesten Sanktionen gegen Nordkorea in der Geschichte verhängt.

Obama und Biden ließen den Iran mit Mord davonkommen und schickten ihnen buchstäblich ein Flugzeug voller Geld. Präsident Trump hat das Richtige getan und das iranische Atomabkommen zerrissen.

Obama und Biden führten die Vereinten Nationen dazu an, unseren Freund und Verbündeten Israel anzuprangern. Präsident Trump verlegte unsere Botschaft nach Jerusalem. Und als die Vereinten Nationen versuchten, uns zu verurteilen, war ich stolz darauf, das amerikanische Veto einzulegen.

Dieser Präsident kann auf Stärke und Erfolg zurückblicken. Der ehemalige Vizepräsident jedoch hat eine Bilanz aus Schwäche und Versagen. Joe Biden ist gut für den Iran und den Islamischen Staat, großartig für das kommunistische China, und er ist ein Glücksfall für alle, die wollen, dass Amerika sich entschuldigt, sich enthält und unsere Werte aufgibt.

Donald Trump verfolgt einen anderen Ansatz. Er ist hart gegen China, und er hat es mit dem Islamischen Staat aufgenommen und gewonnen. Und er sagt der Welt, was sie hören muss.

Zu Hause ist der Präsident die klare Wahl für Arbeitsplätze und Wirtschaft. Er hat Amerika nach vorne gebracht, während Joe Biden Amerika zurückhielt.

Als Joe Vizepräsident war, war ich Gouverneur des großen Bundesstaates South Carolina. Wir hatten einen ziemlich guten Lauf. Hersteller aller Art strömten aus Übersee in unseren Staat und schufen Zehntausende amerikanische Arbeitsplätze. Die Leute bezeichneten South Carolina als „the beast of the southeast,“ was ich liebte.

Alles, was wir getan haben, ist trotz Joe Biden und seinem alten Chef passiert.

Wir senken die Steuern. Sie haben sie erhöht. Wir haben Bürokratie abgebaut. Sie häuften weitere Mandate an. Und als wir gut bezahlte Jobs einbrachten, verklagten uns Biden und Obama. Ich habe mich gewehrt und sie haben aufgegeben.

Eine Biden-Harris-Regierung wäre noch viel, viel schlimmer. Das letzte Mal war Joes Chef Obama, diesmal wären es Pelosi, Sanders und die Squad. Ihre Vision für Amerika ist der Sozialismus und wir wissen, dass der Sozialismus überall gescheitert ist.

Sie wollen den Amerikanern sagen, wie sie leben sollen und was sie denken sollen. Sie wollen eine staatliche Übernahme der Gesundheitsversorgung. Sie wollen Fracking verbieten und Millionen von Arbeitsplätzen vernichten. Sie wollen massive Steuererhöhungen für berufstätige Familien.

Joe Biden und die sozialistische Linke wären eine Katastrophe für unsere Wirtschaft. Aber Präsident Trump leitet eine neue Ära der Chancen ein.

Bevor uns das kommunistische China das Coronavirus gab, brachen wir allerorts Wirtschaftsrekorde. Die Pandemie hat uns zurückgeworfen, aber nicht für lange. Präsident Trump hat unsere Wirtschaft schon früher zurückgebracht, und er wird sie weiter zurückbringen.

Es gibt noch einen wichtigen Bereich, in dem unser Präsident Recht hat. Er weiß, dass politische Korrektheit und „cancel culture“ gefährlich sind und einfach falsch.

In weiten Teilen der Demokratischen Partei ist es mittlerweile Mode zu sagen, dass Amerika rassistisch sei. Das ist eine Lüge. Amerika ist kein rassistisches Land. Das ist persönlich für mich. Ich bin die stolze Tochter indischer Einwanderer. Sie kamen nach Amerika und ließen sich in einer kleinen südlichen Stadt nieder. Mein Vater trug einen Turban. Meine Mutter trug einen Sari. Ich war ein braunes Mädchen in einer schwarz-weißen Welt.

Wir waren Diskriminierungen und Not ausgesetzt. Aber meine Eltern gaben niemals dem Klagen und dem Hass nach. Meine Mutter baute ein erfolgreiches Geschäft auf. Mein Vater unterrichtete dreißig Jahre an einem historisch schwarzen College. Und die Menschen in South Carolina wählten mich als erste Frau einer Minderheit zu ihrer Gouverneurin.

Amerika ist eine Geschichte, die stets in Entwicklung ist. Jetzt ist es an der Zeit, auf diesen Fortschritten aufzubauen und Amerika für alle noch freier, gerechter und besser zu machen. Deshalb ist es tragisch zu sehen, dass so viele von der Demokratischen Partei die Augen vor den Unruhen und dem Zorn verschließen.

Das amerikanische Volk weiß, dass wir es besser machen können und natürlich wissen wir, dass jedes einzelne schwarze Leben wertvoll ist. Die schwarzen Polizisten, die im Dienst erschossen wurden, sie sind wichtig (they matter). Die schwarzen Kleinunternehmer, die mitansehen müssen, wie ihr Lebenswerk in Flammen auf, sie sind wichtig (they matter). Die schwarzen Kinder, die auf dem Spielplatz niedergeschossen wurden, auch ihr Leben spielt eine Rolle (their lives matter, too). Und ihr Leben wird durch die Gewalt auf unseren Straßen ruiniert und geraubt.

Es muss nicht so sein. In South Carolina war das vor fünf Jahren nicht so. Damals wurde unser Staat mit dem Bösen konfrontiert. Ein weißer Supremacist betrat während des Bibelstudiums die Mutter-Emanuel-Kirche. Zwölf Afroamerikaner boten ihm einen Platz an und beteten eine Stunde lang mit ihm. Dann fing er an auf sie zu schießen.

Nach dieser schrecklichen Tragödie haben wir uns nicht gegeneinander gewandt. Wir kamen zusammen, schwarz und weiß, demokratisch und republikanisch. Gemeinsam haben wir die schwierigen Entscheidungen getroffen, die zur Heilung erforderlich waren und ein die Gesellschaft spaltendes Symbol friedlich und respektvoll entfernt.

Was damals geschah, sollte uns jetzt Hoffnung geben. Amerika ist nicht perfekt. Aber die Prinzipien, die uns am Herzen liegen, sind perfekt. Wenn ich eines gelernt habe, dann ist es, dass wir selbst an unserem schlimmsten Tag immer noch gesegnet sind, in Amerika zu leben.

Es ist Zeit, diesen Segen für die nächste Generation zu erhalten. Dieser Präsident und diese Partei fühlen sich dieser edlen Aufgabe verpflichtet.

Wir streben nach einer Nation, die zusammen aufsteigt und nicht in Anarchie und Wut zerfällt. Wir wissen, dass der einzige Weg, um die Herausforderungen Amerikas zu bewältigen, darin besteht, die Stärken Amerikas zu nutzen.

Wir streben eine bessere Zukunft an, in der jedes Kind eine Weltklasse-Schule besucht, die von seinen Eltern ausgewählt wurde, in der jede Familie in einer sicheren Gemeinde mit guten Jobs lebt, in der jeder Unternehmer die Freiheit hat, alles zu erreichen, in der jeder Gläubige ohne Angst beten kann und jedes Leben geschützt ist, wo jedes Mädchen und jeder Junge, jede Frau und jeder Mann, jede Herkunft und Religion die beste Möglichkeit auf das beste Leben hat.

Bei dieser Wahl müssen wir den einzigen Kandidaten auswählen, der diese Vision hat und weiterhin umsetzen wird. Präsident Trump und Vizepräsident Pence haben meine Unterstützung.

Und Amerika versprechen wir, dass wir auf dem Fortschritt unserer Vergangenheit aufbauen und das Versprechen für unserer Zukunft erfüllen werden. Diese Zukunft beginnt mit der Wiederwahl von Präsident Donald Trump durch das amerikanische Volk.

Danke. Gute Nacht. Und möge Gott Amerika immer segnen.

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Einige Gedanken zur Pandemie

Eine Glosse von Hans Ork Eimer | Gastbeitrag

Das ist sie also, die Pandemie. Wir leben mitten in ihr. Pandemie kommt aus dem Griechischen und heißt wörtlich: „das gesamte Volk“ (pan: alle, demos: Volk). Vermutlich ist das so. Mit Übersetzungen ist das ja so eine Sache. Man könnte Pandemie auch weniger völkisch mit „alle Leute“ übersetzen. Aber demos heißt vermutlich nicht Leute. Ich habe jetzt keine Lust, das zu googeln. Ich mag das Wort „Volk“ nicht und frage mich, woran das liegt. „Volk“ kommt vom althochdeutschen folc, urgermanisch fulka und das bedeutet „Kriegsschar“. So steht es zumindest auf Wikipedia. Es steht überhaupt total viel auf Wikipedia. Kann aber auch Blödsinn sein, also das mit der Kriegsschar. Vielleicht gibt es irgendwo einen Etymologen, der das anders sieht. Ein Rufer in der Wüste. Ihm sei diese Glosse gewidmet.

Vielleicht mag ich das Wort „Volk“ nicht, weil es so was Kriegerisches hat. Das weiß ich zwar erst seit dem letzten Absatz, aber kann ja sein, dass ich das schon irgendwie geahnt habe. Man bringt das Wort „Volk“ ja gerne mit den Nazis in Verbindung und die Nazis waren ziemlich kriegerisch.

Mal abgesehen von dem Kriegerischen klingt „Volk“ irgendwie exklusiv, also so, als würden da nicht alle dazugehören. Man sagt ja zum Beispiel nicht: „Weltvolk“ und meint damit einfach alle. Mit Pandemie meint man alle, aber nicht einfach so, sondern das bezieht sich ja auf eine Krankheit, die alle betrifft.

Es kann also sein, dass ich Exklusivität nicht mag, sie mit dem Wort „Volk“ in Verbindung bringe und darum das Wort „Volk“ nicht mag. Ich glaube, wenn jemand „Volk“ sagt, dann denkt er oder sie schon an so was Geschlossenes und findet es irgendwie cool und wichtig, dass da nicht alle einfach so dazugehören. Das finde ich überhaupt nicht schlimm. Es können ja nicht alle einfach überall dazugehören. 

Zum Beispiel ist ein exklusiver Tennisclub ein Tennisclub, wo nicht alle, die da Mitglied werden wollen, auch Mitglied werden können. Und das ist völlig okay so. Also finde ich jetzt. Ich kann kein Tennis spielen, will es auch gar nicht können und habe daher überhaupt nicht das Bedürfnis, Mitglied in einem Tennisclub werden, exklusiv oder sonst wie. Für jemanden, der unbedingt Mitglied in einem exklusiven Tennisclub werden will und nicht aufgenommen wird, ist das natürlich schon schade, wenn der da nicht reinkommt. Aber da muss der halt durch.

Problematisch wird es erst, wenn der exklusive Tennisclub zunächst nur bestimmte Leute als Mitglieder aufnimmt, was völlig okay ist, die aufgenommenen Mitglieder sich dann aber als was Besseres begreifen im Vergleich zu denen, die nicht dazugehören. Wenn sich die Mitglieder also allen Nicht-Mitgliedern überlegen fühlen. Das ist problematisch, weil es bescheuert ist. Ich meine, ihr seid nur ein Tennisclub, nehmt euch mal nicht so wichtig.

Kann sein, dass dieser letzte Aspekt für mich in dem Wort „Volk“ mitschwingt und ich es deshalb nicht mag.

Aber selbst wenn man von Pandemie in der rein etymologischen Bedeutung ausgeht und damit „das gesamte Volk“ oder „alle Leute“ oder einfach „alle“ meint, ohne irgendwen auszuschließen, ist das auch schwierig. Mit „alle“ meint man ja: alle, also was Umfassendes, Umgreifendes. 

Da gehören halt einfach alle dazu.

Zum einen gehören diejenigen dazu, die gar nicht dazugehören wollen. Die sagen dann: Ja, nett, dass ihr an uns denkt und uns einbezieht, aber wir wollen das nicht, wir sind raus. Und die kriegen dann zu hören: Ätsch, geht nicht, ihr kommt hier nicht raus, ihr seid drin, da könnt ihr nichts machen.

Also das fände ich ja extrem blöd. Wenn ich zum Beispiel einfach so, also ohne es beantragt zu haben, Mitglied in einem Tennisclub wäre, und denken würde: Was soll das, ich spiele ja überhaupt kein Tennis, und wenn ich denen dann eine Kündigung schicken würde und die würden daraufhin sagen: Du kannst nicht kündigen, du bleibst Mitglied, dann wäre ich stinksauer. Selbst wenn ich keinen Mitgleidsbeitrag bezahlen müsste. Ich wäre stinksauer, einfach weil ich finde, dass ich das Recht habe, einen Vertrag, den ich nicht selbst eingegangen bin, sofort zu kündigen. Ohne Beachtung der Vertragslaufzeit und so.

Zum anderen kann es sein, dass man zu etwas dazugehört, wo einfach „alle“ dazugehören, ohne dass man weiß, dass man dazugehört, weil man sich ja nicht selbst dazu entschieden hat.

Und dann erfährt man entweder nie, dass man dazugehört, man bleibt also unwissend und das eigene Leben läuft einfach so weiter. Dann ist wirklich die Frage, was das Dazugehören zu etwas, wo sowieso alle immer dazugehören, überhaupt meint. Wenn ich Mitglied in einem Tennisclub bin, es aber gar nicht weiß, bin ich dann überhaupt Mitglied in eine Tennisclub?

Oder ich erfahre irgendwann später, dass ich schon die ganze Zeit Mitglied in einem Tennisclub war und dann denke ich vielleicht: Ja, Mist, hätte ich das mal vorher gewusst, dann wäre so ziemlich alles in meinem Lebens anders verlaufen.

Spannend bliebe nur noch, herauszufinden, wodurch oder durch wen ich erfahren habe, dass ich schon immer Mitglied in diesem Tennisclub war.

Und was das überhaupt für ein seltsamer Tennisclub ist.

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Eine Bitte um journalistische Mithilfe

Sehr geehrte Journalistinnen und Journalisten der größeren Verlagshäuser und Sendeanstalten,

die folgenden Bilder aus Portland in dem US-Staat Oregon erreichen mich gerade via Twitter. Ich kenne die Personen, die diese Bilder ins Netz gestellt haben, nicht. Leider habe ich weder Ihre Möglichkeiten noch Ihre Infrastruktur, um diese Bilder und die Quellen zügig auswerten zu können, dennoch verstören mich diese Bilder und zwar unabhängig von einem näheren Wissen über den Hintergrund der handelnden Personen.

Hier wird ein Mann gewaltsam zu Boden gedrückt, geschlagen und ihm gegen den Kopf getreten.

https://twitter.com/fromkalen/status/1295242722240995328

Hier wird er aus dem Hinterhalt bewusstlos getreten.

https://twitter.com/mrandyngo/status/1295237299916038145

Hier wird das Auto des bewusstlosen Mannes von Zivilisten durchsucht, während der bewusstlose Körper hin und her bewegt wird.

https://twitter.com/mrandyngo/status/1295235403847368704

In den Videos hören wir immer wieder Menschen, die behaupten, der Mann habe Leute überfahren. Bisher konnte ich nur dieses Video über die Augenblicke davor finden.

https://twitter.com/mrandyngo/status/1295256521136316417

Offensichtlich hat die Polizei in Portland kaum noch Möglichkeiten, die Sicherheit auf den Straßen zu garantieren. Für einige Menschen in dem Video scheint die Polizei sogar Teil des Problems zu sein.

Diese Bilder verstören mich sehr und es stellen sich mir sehr viele Fragen. Wer ist in Portland zuständig für die Polizei? Wer hat es zugelassen, dass die Situation so eskaliert? Wer hat die Polizei im Vorfeld so werden lassen, dass all dies möglich wurde? Wer trägt die Verantwortung? Warum muss ich zusehen, wie ein Mensch auf der Straße in Oregon gerichtet wird? Warum wird ein bewusstlos geschlagener, blutender Mensch über den Boden gezogen? Was sind das für Bilder?

Das widerrechtliche Verurteilen und die vollendete oder versuchte außergesetzliche Tötung von tatsächlichen oder vermeintlichen Straftätern, Beschuldigten oder Verdächtigen ohne richterliches Urteil wird als Lynchjustiz bezeichnet. Täterinnen und Täter können sowohl ein wilder Mob sein, aber auch Personen, die der Auffassung sind, Richter und Polizisten seien unfähig, diese Arbeit zu vollführen.

Diese Bilder aus den Vereinigten Staaten von Amerika verlangen eine Einordnung. Bitte tun Sie dies und berichten darüber.

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Der ultimative Narzisst

Eine kleine Auswahl von Aussagen aus dem Film „Uncle Tom“ von Larry Elder in deutscher Übersetzung

Ich kann mit einem ehrlich intoleranten Eiferer eher umgehen als mit einem gönnerhaft herablassenden Liberalen. Einen intoleranten Eiferer kann ich nämlich eher ändern als einen gönnerhaft herablassenden Liberalen.

Ich habe einen Film mit Marianne Williamson gesehen, wo sie einen Haufen weißer Menschen in einer Kirche dazu brachte, sich um schwarze Menschen zu stellen, um diesen pathetischen Eid zu wiederholen, der darin bestand zu sagen: „Es tut mir leid, im Grunde genommen um alle Gräueltaten, die meine Leute euch angetan haben.“

Ich verstehe die Fetischisierung des Opferseins nicht, die über die afrikanisch-amerikanische Gemeinschaft gestülpt wird. Es ist so, als ob man uns sagt: „Was fällt euch eigentlich ein, daran zu glauben, ihr wäret auf der selben Ebene in der Gesellschaft wie ich? Du hast gefälligst an den Mythos des Weißseins und des Privilegs zu glauben. Du musst verstehen, dass du in dieser Gesellschaft nicht so viel wert bist wie ich.“ Das ist die Bürde der weißen Fortschrittlichen und ich werde das nie verstehen.

Dietrich Bonhoeffer hat mal gesagt:

„Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse lässt sich protestieren, es lässt sich bloßstellen, es lässt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurücklässt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch mit Gewalt lässt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseite geschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden, ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen.“

Damit hat es Bonhoeffer auf den Punkt gebracht. Gefährlich wird es immer dann, wenn jemand fest davon überzeugt, in deiner Absicht zu handeln. Je mehr du ihnen sagst, „Du erwürgst mich“, umso mehr werden sie sagen: „Aber ich liebe dich doch!“

Im Kern ist der weiße Liberale der ultimative Narzisst. Er sind wie jemand, der ein Tier adoptiert hat, um sagen zu können: „Ich habe ein Tier adoptiert.“ Für solche Leute sind wir diese erbärmlich süßen Spielzeuge, die sie ihren Freunden zeigen können, um zu sagen: „Schaut euch diese Person an, der habe ich geholfen!“

Es ist fremdenfreundliche Symbolpolitik. Sie übernehmen den Kampf anderer, um von den wirklich wichtigen Themen ablenken zu können.

Sie wollen unter allen Umständen eine gute weiße Person sein und als solche wahrgenommen werden. Wenn du aber wissen möchtest, ob es sich wirklich um eine gute weiße Person handelt, stecke sie in einen Raum mit einem schwarzen Konservativen und schau dir an, wie sich das Gespräch entwickelt.

Die größte Herausforderung, mit der man einen weißen Menschen konfrontieren sollte, um herauszufinden, ob er nur verwirrt ist oder ein Narzisst, besteht darin, einfach mal „Nein, Danke“ zu sagen. Diesen Test sollte man an allen weißen Liberalen vornehmen. Einfach mal sagen: „Wenn ich ehrlich bin, sehe ich mich nicht als Opfer.“ Und dann die Reaktion abwarten.

Wenn alles, was du tust, ausnahmslos darin besteht, dem schwarzen Amerika zu helfen und du dann einen schwarzen Amerikaner triffst, der dir sagt, „also ehrlich, ich fühle mich ermächtigt, stark und großartig“, dann solltest du froh sein und sagen: „Hervorragend. Ich freue mich, das zu hören. Großartig.“ Nur leider reagieren sie so nicht. Sie rasten aus. Sie blocken dich. Alyssa Milano hat mich deshalb blockiert.

Wenn jemand sagt, er sei fortschrittlich, sollte er deshalb nicht automatisch als mitfühlend, anti-rassistisch und tolerant wahrgenommen werden.

Die meisten Erfahrungen mit rassistischen Gesprächen und Auseinandersetzungen habe ich mit weißen Fortschrittlichen gemacht, die mich vermutlich hassen, weil sie Rassismus hassen, glaube ich.

Erst gestern bekam ich eine Nachricht von einer weißen Dame, die mir schrieb, ich sei eine Schande für meine Rasse. Ich fand es seltsam, dass eine weiße Frau mir erklärte, ich sei Rassenschande, basierend auf ihren stereotypen und vorurteilsbeladenen Überzeugungen darüber, wie eine Minderheit zu denken habe.

Sie haben uns diese Idee von Toleranz und Integration verkauft. Sie sagen: „Wir lieben alle. Jeder ist willkommen.“ Aber das stimmt nicht. Wir sind nur willkommen, wenn wir genau das glauben, was sie wollen, das wir glauben.

Sie werden dir zu verstehen geben, dass deine Abfuhr ihrer Entschuldigung und Traurigkeit das größte verabscheuungswürdige Verbrechen ist, da der moderne weiße Liberale dich braucht, um ein Opfer zu sein. Sie haben aus dem Begriff „Opfer“ eine Waffe gemacht und verschiedene Minderheiten haben sich daran gebunden und es wurde zu ihrer Identität, die sie angenommen haben.

Was für eine Nachricht sendet das an die weißen Leute, die in ihrem wirklichen Leben und bei ihrer Arbeit auf schwarze Leute treffen? Sie glauben, wie auf Eierschalen laufen zu müssen, weil es sich um mögliche Opfer handelt. Sie werden soviel Angst haben, ihre schwarzen Kollegen wie ganz normale Menschen zu behandeln, dass sie lieber gar nicht mit ihnen in Kontakt treten. Das ist das wahre Ergebnis dieser politisch besorgten Mahner und ihrem intersektionalen Blödsinn.

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Der Meinungsschleier

Es gibt Menschen, die rechtfertigen die Verschleierung von Frauen, wie sie in manchen religiösen Kreisen Tradition ist, damit, die „Reize der Frau“ könnten Männer ablenken und zu unüberlegten Taten verführen. Ich frage mich bei dieser Erklärung jedoch, warum nicht eher Männern Handschellen angelegt werden?

Warum sollen Frauen ihr Verhalten ändern, nur weil manche Männer ihre Gefühle nicht unter Kontrolle haben?

Genauso ist es mit Meinungen.

Warum sollen Meinungen verschleiert werden, nur weil einige Leute ihre Gefühle nicht im Griff haben?

Wenn ein Mensch zensiert wird oder ihm aufgrund einer Aussage eine Plattform entzogen wird, gibt es immer welche, die behaupten, er habe mit seinen offenen Meinungen provoziert. Diese Argumentation erinnert an die Behauptung, eine Frau, die sexuell belästigt wurde, habe mit ihren offenen Reizen provoziert.

Ob Worte oder Reize, verantwortlich für eine Eskalation ist die Person, die die Reize oder die Worte eines anderen Menschen nicht ertragen kann, obwohl sie ihnen problemlos aus dem Weg gehen könnte und sie ihr nicht aufgezwungen werden.

Es gab da mal eine Dame, ich hab vergessen, wo sie lebte, vielleicht in Deiner Nachbarschaft, die rief die Polizei, weil sie sich vom Anblick eines nackten Mannes in der Wohnung gegenüber belästigt fühlte. Als die Polizei die Dame besuchte, um sich ein Bild von der Situation zu machen, konnten sie vom Fenster aus nicht in die Wohnung des Mannes blicken. „Doch,“ sagte die Frau, holte eine Leiter hervor und kletterte auf den Küchenschrank. Dort beugte sie sich nach vorne und hielt sich dabei kompliziert an der Gardinenstange fest. Dann drehte sie den Kopf in extremer Weise zur Seite und erklärte: „Von dieser Position aus können sie ihn sehen!“

Ich bin immer wieder überrascht, welche Anstrengungen manche Menschen auch im Netz unternehmen, um sich beleidigt oder belästigt zu fühlen.

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Für weitere Gedanken zum Thema lesen Sie: „Scheiß auf Political Correctness!“

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Hetero

Tapfer im Nirgendwo präsentiert „Hetero“ von Viktoria Burkert.

Versteh mich bitte nicht falsch,
du bist das Beste, was mir passieren kann,
und wenn wir Arm in Arm durch die Innenstadt gehn,
denk ich: wow, an meiner Seite dieser schöne Mann.

Du hast ein großes Herz
und dein Lächeln ist unbeschreiblich,
du sagst: „Mit dir kann ich in Liebesfilmen weinen“,
du bist der Hauptgewinn, ein Lover und ne beste Freundin.

Doch bei der Karaoke singst du immer „I am what I am“,
und ich hatte schon die Ahnung, das ist alles viel zu schön,
obwohl es wahr ist, gerade weil es wahr ist, hör mir zu,
ich weiß hier leider mehr als du …

Ich bin mir sicher, dass du nicht hetero bist,
auch wenn du mich nachts im Regen küsst,
ich bin mir sicher, dass du auf Männer stehst
und bald schon durch die Tür da gehst.

Und immer wenn du in meinen Armen liegst,
flüster ich ein leises Goodbye,
es gibt keine Zukunft für uns zwei
und weit und breit kein Happy End, nur diesen Moment.

Du hast mir so viel gezeigt,
bei dir lernte ich, mich selbst zu lieben,
und wenn wir später unsre Geschichten erzähln,
denk ich: Mensch, bei dir wär ich gern geblieben.

Doch bald schon kommt dein Märchenprinz
und dann räume ich unser Schloss,
und ich wünsch euch nur das Beste und dann lass ich dich einfach los,
obwohl es weh tut, gerade weil es weh tut, ist es nicht verkehrt,
ich habe noch was, was ich vermissen werd …

Ich bin mir sicher, dass du nicht hetero bist,
auch wenn du mir eine Träne wegküsst,
ich bin mir sicher, dass du Männer magst,
auch wenn du jetzt noch mal ‚Ich liebe dich‘ sagst.

Dein Weg führt über den Regenbogen
und da komme ich nicht mehr mit,
für uns gibt es kein großes Glück,
es gibt nur die Vergangenheit und die Zeit, die bleibt.

Es ist doch ganz egal, ob du mir jetzt glaubst oder nicht,
was passieren wird, das passiert unvermeidlich,
alles, was wir haben ist nur auf Sand gebaut,
und bald feiern wir halt dein Coming Out …

Ich bin mir sicher, dass du nicht hetero bist,
auch wenn du mich nachts im Regen küsst,
ich bin mir sicher, dass du auf Männer stehst
und bald schon von mir fortgehst.

Und immer wenn du jetzt in meinen Armen liegst,
dann verstehst du mein leises Goodbye,
es gibt keine Zukunft für uns zwei
und leider auch kein Happy End, nur diesen Moment.

Dein Weg führt über den Regenbogen
und da komme ich nicht mehr mit,
für uns gibt es kein großes Glück,
es gibt nur die Vergangenheit und die Zeit, die bleibt.

Musik und Text: Viktoria Burkert * Arrangement: Markus Schimpp * Regie, Schnitt und Videoproduktion: Joseph Vicaire * Schauspiel: Leonie Renée Klein, Conny, Simeon Long, Natalie Gabriel * Produktion: Gerd Buurmann * Copyright: Viktoria Burkert

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(TINVB)

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Lisa Eckhart und die Angst vor Gewalt

Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart wurde von der Leitung des „Harbour Front Literaturfestival“ in Hamburg ausgeladen, da angeblich der Schutz des Publikums und der auftretenden Künstlerinnen und Künstler nicht gewährleistet werden konnte. Geplant war der Auftritt im „Nochtspeicher“, aber das Lokal hat erklärt, dass es bei einer Lesung der Künstlerin im „bekanntlich höchst linken Viertel“ zu Protesten kommen könnte und diese möglicherweise sogar „eskalieren“ könnten:

„Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und Personenschäden wahrscheinlich sind. Wir haben in den letzten Tagen bereits aus der Nachbarschaft gehört, dass sich der Protest schon formiert“

Gewalt als Mittel zur Unterdrückung von Worten und Kunst ist die Vorgehensweise von Faschisten.

Wenn die Angst vor einem Mob über die Ausübung von Grundrechten entscheidet, ist höchste Alarmbereitschaft angesagt. Ein Mob definiert sich durch Ausgrenzung. In so einem Klima werden Menschen mit anderen Meinungen schnell zu „Abweichlern“ und „Verrätern“ erklärt. Ein Mob debattiert nicht. Ein Mob skandiert.

„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“, ist die Rhetorik des Mobs und die Aufforderung zur Distanzierung ihr Mittel der Unterdrückung.

„Wehret den Anfängen“ brüllen die gerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die Anfänge einer Zukunft, die sie aus ihrer eigenen Angst heraus konstruieren. Aus dieser Angst nehmen sie andere Menschen als Geisel ihrer Befürchtung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitären Denkens. Sie ermöglicht Gewalt über Gedanken als Präventivschlag.

Lisa Eckhart wird Rassismus und Antisemitismus vorgeworfen. Sie ist aber keine Rassistin und Antisemitin. Sie ist eine Satirikerin in einer Welt voller Rassismus und Antisemitismus und sie versucht, in dieser Welt weder den Verstand, noch den Humor zu verlieren. Für Lisa Eckhart ist klar, dass sich der Wert des Menschen nicht anhand seines Aussehens, seiner Herkunft und seines Geschlechts bemessen lässt.

Was hat Lisa Eckhart also getan, um einen Mob gegen sich aufzubringen? Sie hat eine Kunstfigur erschaffen, die sich brutal ehrlich und entwaffnend direkt mit der Gesellschaft und ihren Normen und Werten auseinandersetzt und dabei mit sprachlicher Brillanz sowohl verstört, als auch irritiert, aber vor allem zum Lachen bringt. Man muss schon sehr böswillig sein, um bei ihr nicht die ironische Distanz zu erkennen.

Lisa Eckhart lässt sich politisch nicht vereinnahmen. Sie weigert sich, in linke oder rechte Schubladen einsortiert zu werden. Sie spottet in alle Richtungen. Der Mob aber lässt keine Kritik zu. Ein Mob hat kein Erbarmen. Ein Mob will nicht verstehen. Ein Mob will überrollen.

Der Mob erklärt, Worte seien Gewalt, nur um dadurch selbst tatsächliche physische Gewalt rechtfertigen zu können. Der Mob erklärt jeden Kritiker zu einer Gefahr, gegen den auch Gewalt angewendet werden darf. Es ist schließlich Notwehr. Gewalt wurde nun gegen Lisa Eckhart angewandt. Die Festivalleitung hat aus Angst vor Gewalt kapituliert. Sie hat vor Faschisten gekuscht.

Bei Humor hört der Spaß eben auf. Wenn jemand nicht den gleichen Sinn von Humor hat, ist er so unversöhnlich wie ein Mensch, der an einen anderen Gott glaubt. So wie ein Fundamentalist bemängelt, dass man nicht an den richtigen Gott glaubt, wirft einem ein Menschen mit einer unterschiedlichen Humorvorstellungen vor, einen schlechten oder gleich gar keinen Humor zu haben. Humor ist wie Religion ein Furz: Man glaubt, nur der des Anderen stinkt.

Jede Aussage hat verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Diese Möglichkeiten können sich sogar radikal voneinander unterscheiden. Es ist daher immer schwierig, Menschen danach zu beurteilen, wie man ihre Aussagen verstanden hat.

Lisa Eckhart wird nicht bedroht, weil sie Hetze betreibt, sondern weil ihr Hetze unterstellt wird.

Oder glaubt irgendwer wirklich, Lisa trägt privat nur T4-Shirts, schneidert sich im dunklen Keller ihre Kleider, summt dabei das Horst-Wessel-Lied und denkt darüber nach, wie sie am besten gegen Juden hetzen kann?

Lisa Eckhart ist eine Satirikerin und stets auf der Suche nach dem Witz, überall, auch dort wo es weh tun kann. Lachen ist Urlaub. Lachen hilft, mit Dingen fertig zu werden, die uns bedrücken und daran nicht zu verzweifeln.

Alles, was ein Satiriker sagt, ist der steten Suche nach dem Witz geschuldet, nicht der Suche nach einer universellen Wahrheit oder gar einer Ideologie. Ein Satiriker will, dass die Menschen lachen, über sich, über die eigenen Schwächen, aber auch über die eigenen schlechten Seiten. Manchmal ist ein Witz faul, aber das gehört dazu. Ein Ei muss erst aufgeschlagen werden, um sicher zu wissen, ob der Inhalt faul ist.

Es ist menschlich, Angst zu haben. Angst vor dem Fremden ist Teil unserer Überlebensstrategie. Humor gibt uns die Möglichkeit, mit unseren Ängsten in Berührung zu kommen und uns damit auseinanderzusetzen. Der Humor hilft, statt mit Zorn und Verachtung mit einem Lachen auf die eigenen Schwächen und schlechten Seiten zu reagieren. Es ist gut, wenn wir gemeinsam über unsere Schwächen lachen!

Man kann sich nach dem Lachen zwar schämen, gelacht zu haben, so wie man sich dafür schämt, in aller Öffentlichkeit eine Erektion bekommen zu haben, aber die Scham lässt die Erektion ebensowenig verschwinden wie das Lachen. Das Lachen lässt sich nicht unterdrücken. Man kann höchstens hinterher lügen und behaupten, das überhaupt nicht komisch gefunden zu haben, so wie andere Menschen ihre Sexualität verleugnen, aber das Lachen ist wie die Lust vom Willen entkoppelt.

Dem Humor freien Lauf zu lassen, ermöglicht dem Gegenüber einen tiefen Blick in die eigene Seele, vor allem in die unbewussten Flecken dieser Seele und jede Seele hat Flecken.

Humor ist gefährlich. Darum gehört der Witz auch stets zu den ersten Dingen, die Faschisten bekämpfen. Jetzt ist es wieder in Hamburg geschehen.

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

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Glanz statt Hetze

Die Kölner Oberbürgermeisterin, Henriette Reker, ruft die Kölner Bevölkerung auf, bei der Aktion „Glanz statt Hetze“ teilzunehmen.

Vom 11. bis zum 17. August 2020 sollen Kölner Bürgerinnen und Bürger die sogenannten Stolpersteine putzen. Die „Stolpersteine“ sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Für die Organisatoren der Aktion „Glanz gegen Hetze“ ist das Putzen der Stolpersteine, „nicht nur ein Akt des Gedenkens, sondern eine Aktion, die politisch ausgerichtet ist. Es ist ein Zeichen gegen die sich verstärkenden rechten Tendenzen in unserer Gesellschaft. Gerade nach Halle und Hanau ist es wichtig, dass wir alle aktiv werden. Immer glänzende Stolpersteine sollen ein deutlich sichtbares Zeichen gegen Hetze, Hass, Rassismus, Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sein und durch ihren Glanz allen zeigen, dass braunes Gedankengut in unserer Nachbarschaft, in Köln und anderswo keinen Platz hat.

So sehr ich die Intention dieser Sätze verstehe, so unwohl wird mir, wenn ich den Wortlaut höre.

Es gibt keinen Glanz im Holocaust!

Es ist wichtig, gegen Hetze, Hass, Rassismus, Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu streiten. Dafür braucht es aber keine glänzende Erinnerung an den Holocaust.

Wenn ich das Wort „Glanz“ höre, denke ich sofort an die deutsche Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand! Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand: Blüh im Glanze“ der toten Juden.

Nein! Tote Juden glänzen nicht. Nein! Deutschland ist nicht besser geworden durch die Vergangenheit und auch nicht durch die deutsche Art der Bewältigung dieser Vergangenheit. Nein! Deutschland hat nichts aus der Vergangenheit gelernt. Deutschland darf nämlich nichts aus dem Massenmord lernen, weil es nichts gutes aus dem Holocaust gibt.

Es gibt keine gute Erinnerung an das Böse.

Es gibt nichts aus dem Holocaust zu lernen. Was soll es denn auch aus dem Holocaust zu lernen geben? Dass Menschen zu grausamen Ungeheuerlichkeiten in der Lage sind? Dass man Menschen nicht millionenfach vergast? Dass Juden auch Menschen sind? Dass man lieb zueinander sein sollte, egal wie man aussieht? Dass man sich wehren darf, wenn man verfolgt wird? Dass man Menschen, die andere Menschen vergasen, den Krieg erklärt? Dass man wahnsinnige Menschen mit allen Mitteln entwaffnet? All das kann man auch ohne Holocaust wissen! Der Holocaust ist keine Nachhilfe für moralisch Sitzengebliebene, sondern schlicht ein unvergessbares und unverzeihliches Verbrechen, aus dem es nichts zu lernen gibt. Unter keinen Umständen versprüht die Erinnerung an den Horror irgendeinen „Glanz“.

Das jüdische Leben kann glänzen, nicht das jüdische Leid.

In Deutschland findet Judentum fast nur noch in Gedenkstunden statt. In Schulen taucht das Judentum deutlich öfter im Geschichtsunterricht auf, als im Philosophie-, Ethik-, Religions- oder Gesellschaftskundeunterricht. Juden sind Gespenster von damals. Sie werden als Opfer der Vergangenen bewältigt und immer dann aus der Schublade geholt, wenn sie benötigt werden.

Jüdische Gemeinden werden oft und gerne kontaktiert, wenn ein Zeichen gegen Hass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gesetzt werden soll, aber erstaunlich selten, um einfach nur zu feiern oder grundlos glücklich zu sein. Die toten Juden werden poliert und auf Hochglanz gebracht. Für die lebendigen Juden bleibt da kaum noch Zeit.

In vielen deutschen Städten gibt es mittlerweile mehr Stolpersteine als lebendige Juden. Eine deutliche Mehrheit aller Deutschen trifft im Alltag öfter auf tote Juden als auf lebendige. Die Mehrheit der deutschen Schüler war in KZ-Gedenkstätten und weiß, wo in ihrer Nachbarschaft Stolpersteine liegen, aber sie haben keine jüdischen Freunde.

Was würden Sie über Nachbarn denken, die immer wieder zu Beerdigungen und Trauerfeiern kommen, aber nie zu Geburtstagen und Feiertagen?

Im August 2020 sollen die Stolpersteine auf Hochglanz poliert werden. Dabei erfahren wir auf diesen Steinen nicht, was diese Juden erreicht haben oder wen sie geliebt und worüber sie sich gefreut haben. Wir erfahren lediglich, wann, wo und wie sie ermordet wurden. Wer Menschen auf ihren Status als Opfer reduziert, erwartet irgendwann auch von ihnen, Opfer zu sein. Der Schritt, sie zu Opfern zu machen, ist dann nicht mehr weit.

Solange in Deutschland die toten Juden mehr glänzen als die lebendigen, werden es Juden in diesem Land schwer haben.

Die Toten, denen wir gedenken, sind nicht mehr unter uns, um uns zu sagen, ob ihnen die Form des Gedenkens gefällt oder ob sie es gar als unwürdig erachten. Eine Instrumentalisierung der Toten für eigene Interessen und Gefühligkeiten ist unmoralisch.

Wenn wir sagen, wir dürfen nicht vergessen, müssen wir an die Nachfahren und Verwandten der Opfer denken, also an jene, die nicht vergessen können, weil das Unvergessliche und Unverzeihliche Teil ihres Lebens ist. Sobald wir gedenken, weil wir gedenken wollen und nicht, weil wir nicht vergessen können, ist es unsere Pflicht, aufgrund des puren Vorhandenseins unseres Interesses, gedenken zu wollen, Bescheidenheit zu üben gegenüber jenen, die nicht vergessen können. Ein Begriff wie „Glanz“ ist daher in diesem Zusammenhang vollkommen unangemessen.

Juden können den Holocaust nicht vergessen. Er ist brutaler Teil der eigenen Familiengeschichte. Damit umzugehen, ist schon schwer genug. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind unerträglich. Warum aber muss dafür immer wieder zwanghaft die Erinnerung an den Holocaust aufpoliert werden?

Statt jüdische Organisationen nur zu kontaktieren, um gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ein Zeichen zu setzen, wie wäre es damit, jüdische Organisationen die kommenden Jahre vermehrt zu kontaktieren, um das lebendige Judentum zu feiern und zum Glänzen zu bringen? Jüdischen Organisationen brauchen keine Dramaturgen aus der Politik, die erklären, wie Nächstenliebe funktioniert. Juden brauchen mehr Nachbarn, die das Leben feiern und helfen, dass das jüdische Leben glänzen und sicher gedeihen kann.

Wie wäre es daher damit, vom 11. bis zum 17. August 2020 nicht nur tote Juden zu polieren, sondern lebendigen Juden etwas zu schenken?

Gehen Sie auf die Homepage einer jüdischen Gemeinde oder einer jüdischen Organisation, suchen Sie nach einem Spendenkonto und überweisen Sie einen Betrag Ihrer Wahl, am besten mit dem Verwendungszweck: „Das jüdische Volk lebt!“

Das ist wahrer Glanz statt Hetze.

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Es wird kein Antisemitismus gegen tote Juden geduldet!

Eine Bestandsaufnahme von Simone Schermann.

Es wird kein Antisemitismus gegen tote Juden geduldet, dafür aber Judenhass gegen die Lebenden hofiert, denn der Deutschen liebstes Kind ist die Familie Stolperstein.

Es fällt Antisemiten heute nicht mehr so leicht, Juden als Religionsgemeinschaft oder als Volk zu hassen, daher hassen sie nun den jüdischen Staat. Das geht immer als akzeptable Israelkritik durch.

Wer Israel kritisiert, muss keinen Protest des Stadtparlaments fürchten, keinen Aufschrei der Anständigen aus den Fraktionen, kein Gebrüll bei den notorischen Mahnern, die sonst so gerne jegliche Form des Antisemitismus brandmarken, kein Aufschrei gegen Judenhass und kein übliches „Wehret den Anfängen“.

Wenn es gegen Israel geht, ist die Creme de la Creme der eifrigen Stolperstein-Führer still, ebenso die feine Auslese der Ergriffenheitsmafia, die Hautevolee der Betroffenheitschickeria und des ewig ritualisierten Gedenktheaters. Die handverlesene, vornehme Gesellschaft, die sich alljährlich am 9. November zum gemeinsamen Rendezvous trifft und sich in ihrer ewigen Betroffenheit aalt, die Betroffenheitsfunktionäre schweigen, wenn Israel unter Freunden an den Pranger gestellt wird.

Am 9. November treffen sich sämtliche Hobbyjudaisten, Friedensstifter und Konvertiten im Gedenken an tote Juden. Für die lebenden Juden bleibt da keine Restkapazität mehr.

Heute rufen Israelkritiker dazu auf, die Stimme zu erheben gegen eine „organisierte israelische Regierungslobby in Deutschland, die legitime Kritik an israelische Regierungspolitik systematisch und erfolgreich zu unterbinden schafft.“

Das war ein Originalzitat eines typischen Israelkritikers. Hier haben wir die gute, alte, ewig funktionstüchtige Verschwörungstheorie einer einflussreichen und Deutschland umspannenden jüdischen „israelischen Regierungslobby“. Das ist alter Judenhass im neuen Kleid.

Antizionismus ist gleichzusetzen mit Antisemitismus, eine Feststellung, der auch Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel, die Leiterin des Fachgebietes Allgemeine Linguistik an der Technische Universität Berlin beipflichtet. Wenn man wissen möchte, warum der Judenhass sich „in der Mitte der Gesellschaft“ so wohl fühlt und sich ausbreitet wie ein Virus, dann ist hier die Antwort darauf gegeben.

Statt den israelbezogenen Judenhass zu untersuchen, finden lieber dutzende Gedenkveranstaltungen statt. Von Funktionären der entsprechenden Gilden werden mit vor Betroffenheit zitternder Stimme Namen von Deportierten und Ermordeten vorgelesen, während Hetzjagden auf Juden in Deutschlands Straßen tatsächlich passieren, Rabbiner wirklich geschlagen und bespuckt und jüdische Schüler wieder aus deutschen Schulen vertrieben werden.

Über die Jahrzehnte hat sich ein „Wohlfühljudentum der toten Juden“ herausgebildet. Die Instrumentalisierung dieser toten Juden, die sich dagegen nicht mehr wehren können, ist in vollem Gange. Die Manege ist frei und jeder, der auf den Gedenkveranstaltungen den Namen eines Deportierten vorlesen darf, kann mit dem wohligen Gefühl nach Hause gehen, etwas sensationell Gutes getan zu haben, natürlich für tote Juden.

Die Rollen im Gedenktheater sind wohl verteilt. Schlecht konvertierte Juden haben an diesen Tagen endlich die Chance, sich fast als Juden zu fühlen, für einen Augenblick. Wenn der ungenügend konvertierte Deutsche, der natürlich der bessere Jude ist, die Gelegenheit am 9. November am Schopfe packt, um endlich zu fühlen wie ein Jid, dann muss er sich dazu der Toten bemächtigen. Für einen kurzen Moment befüllen die Namen der Toten das leere Gefäß, den Konvertiten. Endlich, ja endlich können sie in die Haut eines toten Juden schlüpfen, denn da ist der deutsche Konvertit beim Gedenkzirkus gnadenlos unerbittlich und scheut vor keiner Geschmacklosigkeit zurück, um zu zeigen, dass er und nur er heute der wahre Jude ist. Und der wahre Jude kritisiert Israel! 

Es ist ein psychopathologisches Gedenkimperium, das alljährlich erbarmungslos zuschlägt. Es zeigt sich, dass es in Deutschland sogar gefährlich ist, ein toter Jude zu sein. Denn auch als toter Jude hat man gefälligst seiner Position nachzukommen und den Konvertiten und sonstigen Funktionären zu ihrer wahren Berechtigung zu verhelfen. Als Steigbügelhalter, als Kulisse in einem miesen Geschäft, that´s it. So werden Namen gehaucht vorgelesen, mit dem Beisatz, dass sie „wie Kerzen aus der Dunkelheit herausleuchten“ und das „Tyrannei und Verfolgung das Leid unseres Volkes“ sei.

Nun, mein Volk findet man einerseits in der Datenbank von Yad Vashem. Der Rest meiner geliebten Familie lebt in Israel.

Im Mai saß ich im Urlaub auf meinem Tuches in Tel Aviv, in einem der herrlichen Restaurants. Ein wahrlich unvergesslicher Abend, an den ich heute noch zurückdenke. Wunderbare Menschen, schlendern auf dem Greek Market, handgefertigtes schauen und auch kaufen bis Mitternacht. Eine griechische Band spielte und dann das herrliche Essen. Zur gleichen Zeit, ich erfuhr das erst später, verteidigte meine kleine Nichte, im Alter von zwanzig Jahren, die Grenzen Israels. Ich habe leise in mich hineingeweint, vor Scham. Ich war nie in der Armee. Ich weiß nichts darüber, wie sich meine Cousine fühlt, deren Tochter in der Armee ist. Nichts über ihre Ängste, Nacht für Nacht, Tag für Tag. Ich kann nur versuchen, das nachzufühlen. Das ist es, was uns Juden ausmacht: Dieser ständige, auch innere, Kampf.

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(TINSIS)

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