Wer ist Deutscher?

Jede Person, die auf Deutsch träumt, ist Deutsche. Jeder Mensch, der auf Deutsch singt, wenn er glücklich ist, ist Deutscher. Dabei ist es völlig irrelevant, ob man die Staatsbürgerschaft des Landes hat, das das Wort „Deutsch“ im Namen trägt. Es gibt sehr viele Deutsche, die keine deutsche Staatsbürgerschaft haben. 

Völker kommen und gehen. Sie entstehen, bestehen, verwehen. Nicht selten werden Völker von außen bestimmt. Das Wort „Deutsch“ kommt von dem Wort „diutisc“, dass soviel wie „zum Volk gehörig“ bedeutet. Mit diesem Begriff wurde die nicht-romanischsprechende Bevölkerung jenseits der nördlichen Grenze des Römischen Reichs bezeichnet. Der erste wichtige Beleg für den Begriff ist eine Textstelle aus dem 4. Jahrhundert, eine Passage in der gotischen Bibelübersetzung des Bischofs Wulfila. In seiner griechischen Vorlage fand er als Gegenbegriff zu jüdisch den Begriff „ἐθνικός“ (zum Heiden-Volk gehörig). Die nichtjüdischen Völker, die noch christlich bekehrt werden sollten, wurden mit diesem Wort zusammengefasst. Wulfila übersetzt den Begriff ins Gotische und verwendete dazu das Wort „þiudisko“.

Mit diesem Begriff wurden alle Stämme jenseits der römischen Grenze zu einem Volk subsumiert. Dabei hatten diese Stämme alles andere als eine gemeinsame Identität. Sie glaubten an unterschiedliche Gottheiten und hatten unterschiedliche Führungspersonen. Viele Stämme lagen sogar in blutigen Kriegen miteinander. Niemals wären diese unterschiedlichen Stämme auf die Idee gekommen, sich als Teil eines einheitlichen Volkes zu verstehen. Die Römer jedoch konnten diese Stämme nicht auseinanderhalten. Für die Römer sahen diese Exoten alle gleich aus und waren alle gleich unverständlich. Deshalb subsumierten auch sie diese Stämme unter diesem Begriff.

Der Begriff ist vergleichbar mit dem griechischen Begriff „Barbar“ (βάρβαρος). Er war ursprüngliche die Bezeichnung im antiken Griechenland für alle diejenigen, die nicht oder schlecht griechisch und damit unverständlich, also „Bar Bar“ (Bla Bla) sprachen. Barbaren waren für Griechen jene, die nicht griechisch sprachen und die Römer nannten jene, die kein Latein sprachen, Deutsche. Dieser Begriff, der unterschiedlichste Stämme in einen Topf warf, wurde später benutzt, um das Volk der Deutschen zu erfinden.

Nach dem Zusammenbruch des Antiken Römischen Reichs war Mitteleuropa für Jahrhunderte ein chaotisches Gebiet der Völkerwanderung mit Scharmützeln an jeder Ecke. Erst die Karolinger brachten wieder Ordnung in die Region, indem Karl der Große von der römisch-katholischen Kirche wieder zum Cäsar (Kaiser) gekrönt wurde. So entstand das karolingische Ostfrankenreich. Aus dem Westfrankenreich sollte sich später Frankreich entwickeln. Aus dem Ostfrankenreich jedoch bildete sich im 10. Jahrhundert unter der Dynastie der Ottonen das Heilige Römische Reich heraus. Ab dem 15. Jahrhundert kam der Zusatz „Deutscher Nation“ hinzu, um das Reich vom Antiken Rom zu unterscheiden.

Als dieses Reich im frühen 19. Jahrhunderte aufhörte zu existieren, war Mitteleuropa wieder ein Flickenteppich mit dutzenden Landesvätern. „Deutschland“ war damals lediglich ein Vorstellungsraum und meinte den Ort, wo einst all die Stämme gelebt hatten, die die Römer einst als „Deutsche“ bezeichnet hatten. Der Traum, daraus eine deutsche Nation zu machen, zerplatze in der gescheiterten Revolution 1848/49. Den Vorstellungsraum Deutschland dominierten danach das Kaisertum Österreich, das Königreich Preußen, der Rheinbund und der Deutsche Bund unter der Führung Österreichs, der sich im Jahr 1815 gegründet hatte.

Der Deutsche Bund war ein Staatenbund, den die „souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands“ schlossen. Die Mitgliedes des Deutschen Bunds waren auch der Kaiser von Österreich und die Könige von Preußen, Dänemark und der Niederlande. Der Deutsche Bund war im Grunde genommen die Europäische Union des 19. Jahrhunderts. Und so wie heute in der Europäischen Union, so entstand damals auch im Deutschen Bund bei mach einem Idealisten der Wille, aus dem Staatenbund eine Supernation zu machen. Länder wie Bayern und Preußen empfanden diese Supernation als großartige Idee, andere Länder wie Dänemark und die Niederlande jedoch sahen das nicht so und verweigerten sich der Gründung und Teilnahme eines Deutschlands. Vermutlich waren diese Länder bei den Idealisten damals so verpönt wie heute manche Kritiker der Supernation Europa.

In den Ländern, die an der Gründung Deutschlands teilnahmen, entwickelte sich schnell die Frage nach dem Königshaus. Welches Haus sollte über Deutschland herrschen? Die Konkurrenz zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft im Bund spitzte sich zum deutschen Dualismus zu. Mit dem Deutschen Krieg und der Schlacht bei Königgrätz entschied Preußen 1866 die Vorherrschaft zu seinen Gunsten, führte die diversen Länder zu einem Reich zusammen und gab ihm den Namen „Deutsches Reich“, in Anlehnung an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, um so eine jahrhundertlange Tradition der vermeintlichen Deutschen vorzugaukeln. So wurde das Deutsche Reich als Nation im Jahr 1871 gegründet.

Für das „Deutsche Reich“ wurde ein Denkmal errichtet, oder besser gesagt, fertiggestellt. Um die Macht des neuen Deutschen Reiches zu dokumentieren, wurde eine über sechshundertjährige Baustelle vollendet. Das Gebäude sollte daraufhin vier Jahre lang das höchstes Gebäude der Welt sein. Es war der Kölner Dom! Köln wurde somit im Jahr 1871 deutsch. Davor war die Stadt mal römisch und mal französisch gewesen. Mal wurde die Stadt von Gaffeln regiert, mal von Patriziern.

Das Volk, das mit am längsten in Köln lebt, sind die Juden. Sie lebten schon in Köln bevor dort der erste Deutsche auftauchte. Die älteste Schrift, die jüdisches Leben in Köln dokumentiert ist ein Dekret Kaiser Konstantins aus dem Jahre 321. In einer weiteren Urkunde von 341 ist vermerkt, dass die Synagoge mit kaiserlichen Privilegien ausgestattet wurde. Der Bau einer jüdischen Versammlungsstätte zeigt, dass zu dieser Zeit schon eine größere Gemeinde vorhanden war. Das Judentum gehört zu Köln, bevor das Christentum Teil der Stadt wurde. Köln wurde gegründet, da war das Neue Testament noch nicht mal geschrieben.

Juden prägten das Gebiet lange, bevor es Deutschland hieß. Eine der bedeutsamste Prägung dürfte die Gründung der SchUM (hebräisch שו״ם) sein. SchUM war eine Art jüdische Hanse, nämlich ein Bund der jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz. Das Wort SchUM ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben ihrer mittelalterlichen, auf das Latein zurückgehenden hebräischen Namen: Schin (Sch) für Schpira (Speyer), Waw (U) für Warmaisa (Worms) und Mem (M) für Magenza (Mainz). Die SchUM-Städte vertraten neben Handelsangelegenheiten auch eine gemeinsame Richtlinie bei der Auslegung der Religionsgesetze, die als Takkanot Schum (תקנות שו״ם) bekannt sind. Mit diesen Erlassen und den Talmudschulen, die unter den Juden in ganz Europa hohes Ansehen genossen, erlangten die SchUM-Städte Anfang des 13. Jahrhunderts eine führende Rolle im aschkenasischen Judentum. Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Zentraleuropa gelten sie sogar als Geburtsstätte der aschkenasischen religiösen Kultur. Nach vier Jahrhunderten endete die große Zeit von SchUM um 1350. Es folgte eine Zeit, in der das das Judentum brutal vom Christentum verfolgt wurde.

Aus Köln wurden alle Juden im Jahr 1424 vertrieben. Das Volk, das in Köln länger gesiedelt hatte als Christen, wurde zu illegalen Siedlern erklärt und vertrieben! Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Napoleon kehrten Juden nach Köln zurück. Ein Jahrhundert später jedoch wurden sie wieder zu illegalen Siedlern erklärt, diesmal von den Nazis und erstmals in einer Nation, die sich Deutsches Reich nannte.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es viele jüdische Siedlungen in Europa. Sie wurden Schtetl genannt. Für die Nazis waren diese Schtetl jedoch illegale jüdische Siedlungen, die sie vernichteten und mit ihnen einen Großteil der jüdischen Bevölkerung Europas. Die Nazis erklärten, Juden könnten keine Deutsche sein. Sie verfolgten und ermordeten sie und die Katholische Kirche, die auch eine lange Tradition der Judenverfolgung hatte, schloss ein Konkordat mit den Nazis. Dieses Konkordat gilt bis heute in Deutschland und sichert der christlichen Kirche weitreichende Privilegien.

Unter den Deutschen ging es vielen Kölner, zum Beispiel wenn sie Juden waren, schlechter als unter den Römern, Franzosen und Amerikanern. Für viele Kölner waren Deutsche Besatzer und Franzosen Befreier. Den Alliierten ist es zu verdanken, dass die Religionsfreiheit nach Deutschland zurück kehrte und Deutschland ein demokratisches und freies Grundgesetz bekam. Dieses Deutschland klärt auch, wer Deutscher ist. Es ist die einzige gültige Definition. Deutscher ist, wer Staatsbürger Deutschlands ist.

Die Nation der Deutschen entstand erst im Jahr 1871. Das ist auch der Grund, warum die Deutschen bei den verschiedenen Völker so unterschiedlich heißen. Es die Deutschen schlicht und ergreifend noch nicht, als sie ihre Nachbarn Namen gaben. Die Deutschen gab es noch nicht, aber an der Grenze der Franzosen lebten die Alemannen, deshalb sagen die Franzosen „Allemands“. An der Grenze der Finnen leben die Sachsen, deswegen sagen sie „Saks“. Die Schweiz gründete sich fast siebenhundert Jahre vor Deutschland. An ihrer Grenze im Norden leben die Schwaben. Darum sagen die Schweizer zu den Deutschen Schwaben. Die Polen nennen sie Deutschen Niemieckis und die Engländer Germanen.

Deutsch ist, wer eine Deutsch spricht und zu all den deutschen Sprachen gehören die Sprachen, die aus der ersten deutschen Lautverschiebung hervorgegangen sind. Sie fand ungefähr in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts vor der modernen Zeitrrechnung statt. Die Latutverschiebung wurde 1822 von Jacob Grimm als Lautgesetz formuliert, weshalb die Lautverschiebung im Engischen „Grimm’s Law“ genannt wird, das Grimm’sche Gesetz. Ja, Englisch ist eine Deutsche Sprache. Martin Luther King und beide Königinnen mit dem Namen Elisabeth waren somit Deutsche. Man muss nicht die deutsche Staatsbürgerschaft, um ein Deutscher zu sein. die größten deutschen Dichter und Denker, wie zum Beispiel Goethe, Schiller und Kant hatten keine deutsche Staatsbürgerschaft, schlicht und ergreifend, weil es zu ihren Lebzeiten noch keine Nation gab, die sich Deutschland oder Deutsches Reich nannte.

Eine besondere Entwicklung der Lautverschiebung ist die Lautverschiebung von q nach w. Noch heute beginnen die meisten Frageworte der romanischen Sprachen mit q (quand, qui, quelle, que) während die deutschen Sprache Frageworte mit w haben (who, where, wieso, weshalb, warum). Die zweite Lautverschiebung führte später zur Herausbildung des Hochdeutschen. Es gibt Leute, die sagen, dass erst diese zweite bedeutende Lautverschiebung einen Deutschen macht. Dann natürlich wären Martin Luther King Jr und Elisabeth II wieder raus aus der Sprachfamilie.

Die Familie der Deutschen ist eine Sprachfamilie. Man muss keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, um zur dieser Familie zu gehören. Man kann Österreicher, Pole, Koreaner, Amerikaner, Franzose, Nigerianer oder Israeli sein, wenn man deutsch spricht, ist man ein Deutscher. Zu den vielen deutschen Sprachen gehört auch Yiddish:

Es gibt einen Grund, warum es Muttersprache und Vaterland heißt, denn es gibt zwei Arten von Deutsche, nämlich jene, die eine deutsche Sprache sprechen (Muttersprache) und jene, die die deutsche Staatsbürgerschaft haben (Vaterland).

Hochdeutsch ist die Sprache, die sich heute in dem Vaterland Deutschland durchgesetzt hat. Es gibt allerdings sehr viele Länder, in denen heute eine deutsche Sprache gesprochen wird und diese Länder sind heute so verfeindet, wie einst die vielen deutschen Stämme. Nirgendwo kann man das besser sehen als in der Art, wie die Deutschen Fußball lieben. Nichts beschreibt Deutschland besser als die deutsche Fußballtradition:

Die einzelnen Regionen hassen einander. Die Berliner hassen die Münchener und die Rheinländer hassen die Westfalen. Sie bekämpfen sich und singen dabei Schlachtgesänge. Aber alle vier Jahre schickt jeder Stamm seinen besten Mann und dann gründen Sie eine Gruppe, die sie Deutsche Nationalmannschaft nennen. In dieser Formation kämpfen sie dann gegen die anderen Länder. Das ist der Moment, da alle Deutschen ihre Fahnen rausholen. Im Kampf gegen einen gemeinsamem Gegner entwickeln sie ihre Identität. So war es übrigens auch in den Jahren kurz vor 1871. Nur der gemeinsame Feind Frankreich sorgte dafür, dass das Deutsche Reich gegründet werden konnte.

Wenn die Fußballweltmeisterschaft allerdings vorbei ist, dann packen die Deutschen wieder ihre Deutschlandfahnen weg. Dann sind sie wieder Rheinländer, Bayern, Sachsen und andere Lokalpatrioten und sie bekämpfen sich gegeneinander. Und natürlich hassen sie das Bier der anderen.

Wenn Deutschland gegen Holland spielt, dann singen die Holländer übrigens in ihrer Nationalhymne:

„Wilhelm von Nassau
bin ich, vom deutschen Blut.“

Ja, die Holländer sind auch Deutsche. Sie haben zwar keine deutsche Staatsbürgerschaft, aber sie sprechen Deutsch. Ihre Sprache wird auf englisch sogar deutsch genannt, „dutch“, während das Hochdeutsche dort germanisch genannt wird, „german“.

Deutsch ist, wer auf Deutsch träumt, egal, welche Hautfarbe er hat, welche Staatsbürgerschaft er besitzt oder an welchen Gott er glaubt. Er kann sogar an Göttinnen glauben, so wie die Ubier am Rhein einst an die Matronen glaubten. Er kann sogar an eine gottlose Ideologie glauben, zum Beispiel an den Kommunismus, der überigens auch von einem Deutschen entwickelt wurde, so wie die Psychoanalyse, der Kategorische Imperativ das „Lied der Deutschen“ und das Gedicht „Deutschland. Ein Wintermärchen“.

Der Autor des Gedichts „Deutschland. Ein Wintermärchen“ war Franzose, weil er 1797 in Düsseldorf geboren wurde und damals gehörte die Stadt am Rhein zu Frankreich. Darum ist der Dichter auch in der Hauptstadt seiner Nation beerdigt, nämlich in Paris. Er war aber auch Deutscher, weil er auf Deutsch dichtete. Er war somit Franzose und Deutscher und das, obwohl er starb, bevor das Deutsche Reich im Jahr 1871 gegründet wurde. Auf Deutsch wird er Heinrich Heine genannt.

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Israel soll ein Apartheidsstaat sein? Du hast ja keine Ahnung!

Eine musikalische Nachhilfestunde in Sachen Geschichte und Politik von Ari Lesser.

Leute sagen, Israel sei ein Apartheidsstaat, aber ich kann diesen grundlosen Hass nicht nachvollziehen. Es ist nicht wirklich fair, ein rassistisches Regime mit dem Krieg gegen den Terror zu vergleichen. Der gesunde Menschenverstand gebot es Israel, gegen die Gewalt mit dem Bau des Grenzzauns vorzugehen. Und wenn Du denkst, das sei Apartheid, dann liegt es daran, dass Du keine Ahnung hast, was Apartheid wirklich war.

Seit zweitausend Jahren streiften die Juden umher, aber wir haben Israel immer unser Zuhause genannt, anders als die Briten und Niederländer, denn sie gingen nach Südafrika, wo sie keine Heimat hatten. Sie hatten bereits Länder in Übersee, aber sie wollten mit neuen Kolonien expandieren. So eroberten sie die Eingeborenen, kauften und verkauften das Land voller Diamanten und Gold, das sie ihnen gestohlen hatten. Die Weißen schlossen sich zusammen und beschlossen, Südafrika als demokratischen Staat zu schaffen. Aber bald bestritten sie das Wahlrecht der Schwarzen und so wurde die gesamte Regierung von Weißen kontrolliert. Das Haus, der Senat und alle Gerichte waren weiß. So bekamen die Schwarzen keine Unterstützung. Und die Polizei nahm alle Demonstranten, die irgendwie friedlich dagegen demonstrantierten, fest und schlug sie auf offener Straße zusammen.

Sie teilten alle in vier verschiedene Rassen auf. Sie wurden mit Gewalt an getrennte Orte gebracht. Wenn Du Inder warst oder schwarz oder braun, so hattest Du nichts in einer weißen Stadt zu suchen. Sie nahmen eine Trennung im Verkehr vor, in Bussen, an Bushaltestellen, in Zügen und an Bahnhöfen. Es gab gesonderte Krankenwagen, Doktoren und Krankenschwester und die schwarzen Krankenhäuser waren immer schlechter. Restaurants, Hotels und der öffentliche Park konnten tabu sein, wenn Deine Haut dunkel war. Es war ein Verbrechen und Du konntest mehr als einen Strafzettel bekommen, wenn du die Grenze von „Nur für Weiße“ übertratst. Es gab getrennte Lehrer und verschiedene Schulen, schwarze und weiße Strände. In Schwimmbäder, Cafés und Kinos wurden die Leute nicht hereingelassen, sie wurden diskrimierniert, wenn sie die falsche Hautfarbe hatten. Es gab keine gemischten Ehen. Es war eine Straftat für eine weiße Person, Sex mit einem Schwarzen zu haben. Die Apartheid ging von der Gebärmutter bis zum Grab. Man konnte nicht einmal in den selben öffentlichen Toiletten kacken.

In Israel ist Apartheid nicht der Fall. Unabhängig von Geschlecht, Religion oder Rasse haben alle israelischen Bürger, ob schwarz, braun oder weiß, die gleichen sozialen und politischen Rechte. Die arabisch-israelische Bevölkerung, die zwanzig Prozent der Nation ausmacht, ist zwar eine Minderheit, aber sie können wählen, im Gegensatz zu dem Rest des Nahen Ostens.

Schau Dir die ganze Region an und Du wirst sehen, dass nur Israel wirklich eine Demokratie ist, wo das Wahlrecht jedes Bürgers geschützt ist und arabische Politiker oft gewählt werden.

Ein wichtiger Punkt, lass es mich betonen, es gibt ein Dutzend Araber mit Sitzen im israelischen Parlament, sowie einen arabischen Richter am Obersten Gerichtshof. Die staatliche Unterstützung der Araber ist somit gesichert. Jeder hat Zugang zu den denselben Schulen, Stränden, Schwimmbädern, Ferienorten, Hotelzimmern, öffentlichen Parks, öffentlichen Toiletten, Kinos, Restaurants, Cafés, Zügen, Bussen, Taxis, Autobahnen, Ärzten und Krankenschwestern. Alle Entbindungen von Babys finden in den gleichen Einrichtungen statt.

Die Lebenserwartung von Arabern in Israel ist groß. Seit es Israel gibt, ist sie für Araber um siebenundzwanzig Jahre gestiegen. Die Kindersterblichkeitsrate ist zurückgegangen von zweiunddreißig pro tausend auf weniger als neun. Arabern geht es durchschnittlich in Israel wirtschaftlich viel besser als in jedem anderen arabischen Land. Es gibt keine Einschränkung bei der Berufswahl. Sie sind im Militär willkommen, wenn sie sich freiwillig melden. Sie können arbeiten und wohnen wo immer sie wollen, von Eilat bis zum See Genezareth. Sie leben in denselben Städten wie Juden, in den gleichen Straßen und in den gleichen Häusern.

Aber Leute sagen, Israel sei ein Apartheidsstaat, aber ich kann diesen grundlosen Hass nicht nachvollziehen. Es ist nicht wirklich fair, ein rassistisches Regime mit dem Krieg gegen den Terror zu vergleichen. Der gesunde Menschenverstand gebot es Israel, gegen die Gewalt mit dem Bau des Grenzzauns vorzugehen. Und wenn Du denkst, das sei Apartheid, dann liegt es daran, dass Du keine Ahnung hast, was Apartheid wirklich war.

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Der junge Mörder von Florida – Wussten Sie das über ihn?

Der 19-jährige Mörder, der am 14. Februar 2018 in der Marjory Stoneman Douglas Highschool in Florida gewütet und gemordet hat, gehört der Organisation Republic of Florida an. Es handelt sich dabei um eine sogenannte „weiße Bürgerrechtsbewegung“, deren Mitglieder für die „Schaffung eines weißen Volksstaates“ kämpfen.

Der junge Mann, der in der Schule gemordet hat, glaubt, dass Juden Teil einer Weltverschwörung sind, deren Aufgabe darin besteht, weiße Menschen von der Macht abzuhalten und zu entfernen. Er hat in der Vergangenheit öfter aktiv und offen erklärt, Juden zu hassen. Er soll sogar Drohungen gegen Juden ausgestoßen, sowie Gewalttaten gegen jüdische Studenten begangen haben. Als Mitglied der Republic of Florida nahm er mindestens an einer militärischen Trainingsübung teil.

Der Führer der Republic of Florida erklärt nach der Tat:

„Ich will hier nichts verherrlichen, aber er war ziemlich effizient in dem, was er tat. Vermutlich hat er das Training hier genutzt, um das zu tun, was er gestern tat. Niemand, den ich kenne, hat ihm gesagt, dass er das tun soll, er ist einfach ausgerastet.“

Über den Mörder sagt er: „Er schien mir nur ein normaler, entrechteter, junger weißer Mann zu sein“ und fügt hinzu: „Wir sind kein großen Fans von Juden. Ich glaube, es gab eine Menge Juden in der Schule, die sich mit ihm anlegen konnten.“

Ja, das stimmt. Vierzig Prozent der Schülerinnen und Schüler an der Marjory Stoneman Douglas Highschool in Florida sind jüdisch. Der Mörder hasst Juden. Seine Tat war somit vermutlich auch ein Hassverbrechen gegen Juden.

Bisher wurde über diesen Umstand nicht ausreichend genug berichtet. Dabei ist die Tatsache, dass vierzig Prozent der Schülerinnen und Schüler an der Schule jüdisch sind, mindestens so wichtig, als hätte der hasserfüllte Mörder an einer Schule gemordet, wo die Mehrheit der Schüler schwarz ist.

Knapp zwei Prozent aller US-Amerikaner sind Juden, aber über elf Prozent aller Hassverbrechen in den USA gehen laut FBI gegen Juden. Es hilft dem Kampf gegen diesen Hass nicht, wenn wir den Hass nicht dort klar benennen, wo er wütet.

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Selfie in Auschwitz

Immer wieder wird vom jüdischen Humor gesprochen, aber nur wenige wissen wirklich, wie unfassbar brutal dieser Humor sein kann. Brutaler Humor ist jedoch das Menschlichste womit man auf das Unmenschliche reagieren kann. Tapfer im Nirgendwo präsentiert ein krasses Beispiel dieses Humors von Rotem Weissberg, Tal Michalovitch und Moria Zrachia in einer Übersetzung von Eli Benedikt und David Serebrjanik.

Los geht’s! Es ist unsere Klassenfahrt nach Polen 2017!

(Lehrerin: Achtung! Klasse, alle zu mir! Hört ihr nicht, was ich sage? Seid ihr alle taub? Geht jetzt rein! Alle in einer Reihe!)

Verstehst du? Auschwitz ist so aufregend! Ich zittere am ganzen Körper, mein Traum wird wahr.

Krematorium! Gaskammern! Ich sterbe! Das ist ja ein Ding! Oschwitz, ich kack voll ab!

Du Vollpfosten, man sagt nicht Oschwitz, sondern Auschwitz. Wo ist diese Aufschrift „Arbeit macht frei“?

Wir sind so großartig, dass wir hierher kamen. Das ist so wichtig.

Ach Scheiße, mein WhatsApp geht hier nicht.

Wieso ist es denn so kalt hier? Es ist kalt wie im Holocaust.

Ja, total. Ich kann Deine Nippel sehen.

Ich kann’s echt nicht fassen, dass die hier ohne Kleider herumgestanden sind, und ich verstehe nicht, wie die ganze Welt die Juden so hassen kann.

Schau so viele Brillen! Ich fasse es nicht.

Und schau, so viele Schuhe. Das ist ja nicht zu glauben!

Davon muss ich ein Bild machen für Jossis Onkel.

Komm Schwester, es ist Zeit für ein Selfie!

(Lehrerin: Ey, weg mit dem Smartphone! Denkt ihr, ich sehe da nicht? Ab ins Krematorium! Ich will eine perfekte Reihe sehen! Zeigt Respekt für diesen Ort! Muss ich euch erst einzeln verfolgen, oder was? Ein Selfie in Auschwitz ist so respektlos!)

Ein Selfie in Auschwitz ist voll respektlos!

Schau an, die May, mit dem Duckface im Krematorium!

Ach, die! Die denkt, sie wäre Gal Gadot*.

Sie tut so, als ob das Krematorium ihrem Vater gehört. Geh weiter, Perlhuhn. Wir wollen auch was sehen.

Genug. Sonst muss ich an meinen Großvater denken. Und das ist so traurig, gleich muss ich weinen, wenn ich daran denke, dass er ein Holocaustüberlebender ist. Und ich realisiere: Sein Schatten ist der Schatten von Holocaust. Wir sind alle Schatten. Wir sind alle „Shadow“** und er ist immer mit uns, mein Großvater und die Großväter von uns allen.

Wow, eine klasse Rede! So toll! Ich zittere! Das war ein perfekter Auftritt. Klare Sache, die Nazis waren voll eklig. Aber so ein Video!

Das musst du unbedingt hochladen. Das wird besser, als „Schindlers Liste“.

Sag mal, bist du bescheuert? Ißt du hier ein „Kinder“-Überraschungsei?

„Kinder“ in Auschwitz, das ist voll respektlos!

(Lehrerin: Ich sage es zum letzten Mal: Alle zu mir! Alle zu mir! Yalli und Liad, braucht ihr eine besondere Einladung? Was diskutiert ihr hier mit mir rum? Setzt Euch! Warum steht Ihr? Und jetzt steht alle auf für eine Gedenkminute, zur Ehre der Opfer und zum Ruhm des Staates.)

Ich sterbe! Die Gedenkminute macht mich fertig. Ich halt es nicht mehr aus. Ich muss pinkeln. Meine ganze jüdische Seele sehnt sich danach***.

Na, dann geh doch pinkeln. Was ist los mit Dir? Ist doch jetzt nicht Holocaust. Dort, hinter dem Busch. Mann, bist du doof.

Dort? Ist das nicht ein Brunnen?

Nein, ich glaube, das ist ein Galgen.

Oh Gott.

Ja, der ist vom Holocaust.

Führerin, ich muss mal Pipi.

(Lehrerin: Reiß dich zusammen. Kein Pipi im Holocaust!)

Pipi in Auschwitz ist voll respektlos!

„Sage nie, du gehst den allerletzten Weg,****
Wenn Gewitter auch das Blau vom Himmel fegt.
Die ersehnte Stunde kommt, sie ist schon nah,
dröhnen werden unsre Schritte, WIR SIND DA!“

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* Gal Gadot ist eine sehr bekannte israelische Schauspielerin.

** „Shadow“ (Schatten) ist ein bekannter israelischer Rapper.

*** Der Satzteil „unsere ganze jüdische Seele sehnt sich danach“ ist eine Zeile aus der israelischen NAT Hymne „Ha-Tikva“.

**** Bei diesem zitierten Lied handelt es sich um die erste Strophe eines berühmten jüdischen Partisanenliedes aus dem Warschauer Ghetto.

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Ich gestatte mir, diesen Beitrag mit folgender Vermutung zu schließen: Gäbe es auf muslimisch-arabischer Seite eine solche Humortradition wie auf jüdisch-israelischer Seite, hätten wir im Nahen Osten längst Frieden.

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Boykottiere Israel, wenn Du das für richtig hältst, aber vorher lies die Nachrichten.

Ein Aufruf zum Boykott von Ari Lesser.

Boykottiere Israel, wenn Du das für richtig hältst, aber wenn Du keine doppelten Standards hast, musst Du auch alle anderen Nationen boykottieren, wo es Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen gibt. Wir sind nicht perfekt, aber wenn Du denkst, dass wir die Schlimmsten sind, sieh Dich zuerst den Rest der Welt an. Sondere Juden nicht aus wie Rosinen. Greif zu der Zeitung und lies die Nachrichten.

Boykottiere Nordkorea, denn ich glaube, dass Du kein Land der Welt finden wirst, das unfreier ist. Boykottiere China und lass uns nicht vergessen, dass sie das ganze Land Tibet gestohlen haben. Boykottiere Japan, denn sie schlachten Tausende von hilflosen, unschuldigen Walen und Delfinen. Boykottiere Vietnam, wo Drogenabhängige als Sklaven benutzt werden, um Cashewnüsse zu schälen. Boykottiere Kambodscha, wo zwanzigtausend Quadratkilometer Land gestohlen wurden aus der Hand des armen Mannes. Boykottiere Thailand, wegen des Schließens der Tür und des Deportierens von Flüchtlingen zurück in den Krieg. Boykottiere Burma, lass Dein Geld nicht rutschen in die Griffel dieser Militärdiktatur. Boykottiere Indien, denn Frauen können nicht entkommen, wenn Regierungsbeamten der Vergewaltigung schuldig sind. Boykottiere Pakistan, ein verrücktes Land, wo Menschen wegen Blasphemie hingerichtet. Boykottiere Afghanistan, das Opiumland, wo Mohnfelder in der Hand der Taliban sind.

Boykottiere Syrien wegen der Tötung von Tausenden unschuldiger, unbewaffneter Zivilisten durch die Regierung. Boykottiere den Irak, wo sich die Gesetze stetig ändern und ohne Grund auf Menschen geschossen wird und sie gefoltert werden. Boykottiere den Iran mit der größten Rate von Hinrichtungen weltweit. Boykottiere die Türkei, weil sie dort immer noch den Völkermord an den Armeniern bestreiten und darüber lügen. Boykottiere Turkmenistan, wo die einzigen Medien, die Du nutzen kannst, jene sind, die der Präsident Dir zuführt. Boykottiere Usbekistan, wo die faule Regierung Kinder versklavt, um Baumwolle zu ernten. Boykottiere Russland, wo jedes Jahr immer mehr Muslime auf mysteriöse Weise verschwinden. Boykottiere die Ukraine, wo Politiker Oppositionelle wegsperren, damit es keine Konkurrenz gibt. Boykottiere Weißrussland, denn Präsidenten müssen gehen, aber Du weißt, die Wahlen dort sind nur Show. Boykottiere Deutschland, weil es keine Wiedergutmachung gab für die Ermordung der Hälfte der jüdischen Bevölkerung.

Boykottiere den Sudan für den Völkermord in Darfur, wo Hunderttausende bereits gestorben sind. Boykottiere Ägypten und lass nicht zu, dass engstirnige Präsidenten sich wie Pharaonen benehmen. Boykottiere die saudi-arabische Unterdrückung, wo Frauen, die zusammengeschlagen werden, wie Besitztümer behandelt werden. Boykottiere Bahrain wegen der Polizeibrutalität gegen Schiiten durch die sunnitische Monarchie. Boykottiere Jemen und lasst uns die Obszönität stoppen, dass dort Jugendliche unter 18 Jahren hingerichtet werden. Boykottiere Eritrea wegen der nationalen Sklaverei, wo Menschen unbegrenzt ohne Lohn arbeiten müssen. Boykottiere den Kongo, denn sie machen dort die schrecklichsten Dinge, um Blutdiamanten für Verlobungsringe zu verkaufen. Boykottiere Simbabwe, denn sort findest Du alle Formen der Folter hinter den Regierungsminen. Boykottiere Südafrika und lass sie zahlen für die Hunderten von Frauen, die dort jeden Tag vergewaltigt werden. Boykott die Elfenbeinküste, schlag‘ Alarm, denn auf den Kakaofarmen gibt es Tausende von Sklaven.

Boykottiere Chile, weil dort Abtreibungen verboten sind, selbst wenn die Mutter stirbt. Boykottieren Brasilien, wo die brutale Polizei Tausende von Menschen tötet, um den Frieden zu bewahren. Boykottiere Venezuela, da nähere Untersuchungen zeigen, dass die Sozialisten die Wahl gestohlen haben. Boykottiere Kolumbien, wo bei jedem, der für die Gewerkschaft kämpft, die Lichter ausgestellt werden. Boykottiere Ecuador für den Diebstahl von Land der indigenen Menschen für die Unternehmen und ihre Pläne. Boykottiere Costa Rica, wo so viel Pestizide benutzt wurden, dass Hunderte gestorben sind. Boykottiere Honduras, wo ein Journalist erschossen, wenn er so etwas schreibt wie ich. Boykottiere Mexiko, wo sich das Militär im Krieg gegen Drogen so verhält wie Kartellschläger. Boykottiere die USA und lass sie zahlen für all die Menschen, die in der Bucht von Guantanamo gefoltert wurden. Boykottiere Kuba, aber wenn die Regierung hört, dass Du sie kritisierst sie, wird sich Dich für Jahre wegsperren.

Darum, boykottiere Israel, wenn Du das für richtig hältst, aber wenn Du keine doppelten Standards hast, musst Du auch alle anderen Nationen boykottieren, wo es Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen gibt. Wir sind nicht perfekt, aber wenn Du denkst, dass wir die Schlimmsten sind, sieh Dich zuerst den Rest der Welt an. Sondere Juden nicht aus wie Rosinen. Greif zu der Zeitung und lies die Nachrichten.

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Die letzte Reise

Eine Momentaufnahme von Linda Rachel.

Seit fünf Uhr sei sie wach, erzählt sie mir um 7 Uhr 51. Die alte Dame ist meine Tischnachbarin im ICE auf dem Weg nach Köln.

91 sei sie, erzählt sie mir.

Vor 85 Jahren sei sie zum ersten Mal mit dem Zug gefahren, als kleines Mädchen an der Hand ihres Vaters am Kölner Hauptbahnhof ein- und in Frankfurt wieder ausgestiegen. Wunderbar sei das gewesen, Limonade hätte es gegeben und eine tadellose Aussicht auf Rhein und Main.

Der Geruch am Fernbahnhof, das erzählt sie mir, war ein ganz anderer. 1933 roch es anders in Deutschland, bleiern, schneidender, aber auch simpler. Sie erzählt, ich lasse sie reden. Lege mein Buch zur Seite, schließe den Laptop.

Die Fahrt sei damals, in dem dunklen, schweren Waggon, wesentlich langsamer gewesen, heute, sie beklagt sich, sei ihr alles zu schnell.

Ihre Hände sind schmal und von Altersflecken bedeckt, die Finger krumm, Rheuma, die Nägel fein und gepflegt. Sie riecht nach Seife und Haarlack, ihr Wollkostüm ist zwei Nummern zu groß.

Es mache sie traurig, sagt sie, während sie eine Banane aus ihrer Handtasche auf den Tisch legt, dass dies ihre letzte Reise sei. Krank sei sie, zu krank, um weiterhin ein selbstbestimmtes Leben in Berlin zu führen. Nun ziehe sie zu ihrer Tochter und dem schweigenden Schwiegersohn in den Kölner Süden.

Sie wisse, sagt sie mit Schwermut, während sie aus dem Fenster schaut, dass dies ihre letzte Reise sei. Ihre Tochter bestand auf eine begleitete Zugfahrt, doch sie, die Dame, bestand darauf, ihre letzte Reise alleine anzutreten. Nicht an der Hand des längst gegangenen Vaters, nicht an der Hand ihrer Tochter, nicht gestützt durch ihren Gehwagen, der in Köln auf sie warte.

Es freue sie, das möchte sie mir unbedingt sagen, dass ich zum Mosaik der Erinnerung ihrer letzten Zugfahrt gehöre.

***

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(TINLR)

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Gerd Buurmann auf Instagram

Wenn Sie wissen wollen, was ich neben Tapfer im Nirgendwo noch so mache, einfach mal auf Instagram nachschauen.

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Déjà-vu: Heinrich Heine und der jüdische Mottowagen

Ein Aufruf zu mehr jüdischer Provokation von Simone Schermann.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…

So beginnt die erste Strophe des Lore-Ley-Gedichts von Heinrich Heine. Und auch fast 200 Jahre später trifft es genau das, was ich mich frage, als Jüdin in Deutschland, als deutsche Historikerin am heutigen Rosenmontag. Blicke ich auf Düsseldorf, bin ich verblüfft vom tragisch-traurigen Scheitern des ersten jüdischen Mottowagens im Düsseldorfer Straßenkarneval.

Tatsächlich ein Novum: In der Geschichte der Bundesrepublik hat es einen jüdischen Mottowagen im Karneval das bis dato nicht gegeben. Am 12.2.2018 sollte sich das ändern. Endlich? Normalität, wenn deutsche Juden auch lustig sind?

Jedenfalls entschied man sich in der Jüdischen Gemeinde zu Düsseldorf für folgendes Motto: „Heinrich Heine, geboren 1797 in Düsseldorf“. Mit dem Zusatz: „Wir feiern den größten jüdischen Sohn unserer Stadt.“

?

Staunend verglich ich den jüdischen Mottowagen mit den anderen, nichtjüdischen, „normalen“. Sind auch die dermaßen hintergründig witzig, dass man Ironie und Satire mit dem Mikroskop suchen muss und trotzdem nicht findet? Vielleicht ist Heine ja das Motto 2018 und das ist lustig und ich bin nur nicht up to date?

Doch da gibt es einen Wagen mit der „schwarzen Witwe“ Merkel. Eine mordende Spinne, die ihre Konkurrenten aussaugt. Es findet sich auch ein Schulz, der sich selbst durch den Fleischwolf dreht. Gezeigt wird gar ein russischer Bär, der es Donald Trump mit genüsslichem Grinsen gehörig von hinten in den Arsch besorgt. Das ist Karneval!

Doch was ist mit dem Heine-Wagen? Wo ist da auch nur der Hauch eines kritischen Tons, die Karikatur, der Witz, ja die Provokation im jüdischen Themenwagen? Es gibt ihn nicht. Er ist einfach nicht da. Man kann nicht einmal trotzdem lachen.

Schnitt.

Wien vor 120 Jahren: Theodor Herzl provozierte das etablierte Judentum in Wien mit seinem Theaterstück „Das Neue Getto“. Er kritisierte ihre Art des Mimikry, ihren Versuch zu scheinen, was sie nicht sind, nur um irgendwie von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert zu werden.

Und genau das ist dieser Themenwagen: Mimikry, Anpassung, Appeasement, ja Unterwürfigkeit. Er ist lieb und brav, alles, bloß kein Karnevalswagen. Ohne jeglichen Witz und Pepp, ohne ein Fünkchen Provokation, ohne Risches – kurz gesagt, ein Nicht-Themenwagen. Sein wahres Motto ist: „Schaut, was wir für Deutschland getan haben. Heinrich Heine ist doch auch Jude und sogar in Düsseldorf geboren. Habt uns doch bitte endlich lieb.“

Verständlich die Besorgnis der Funktionäre der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs. Bei Juden und Politik muss man nicht nur sehr auf Fettnäpfchen achtgeben, denn das ist schon ein Fettnapf an sich. Was also tun?

Das Fehlen von allem, woran sich irgendjemand stoßen könnte, scheint ein Symptom der Situation der Juden in Deutschland. Wenn selbst der viel beschworene jüdische Humor völlig versagt, wird es nicht nur traurig, sondern ernst. Es wurde entschieden, den Spielraum, der hier auch dem Jüdischen „gestattet“ war, einfach nicht zu nutzen. Einen Nicht-Themenwagen zu schicken ist schlimmer, als gar keinen zu schicken. Dieser ist quasi unsichtbar, nicht da. Die Juden sind gar nicht wirklich da – und schon gar nicht lustig.

Wir lernen also folgendes: Juden in Frankreich und Schweden verlassen wegen antisemitischer Gewalttaten das Land. Und Deutschland? Ein jüdischer Nicht-Themenwagen, ein „neues Getto“ auf Rädern, in dem die jüdische Provokation, die Polemik und die Stänkerei weggeschlossen ist, eine Anbiederung, die sich schon darüber freut, wenn Leute am Straßenrand „Shalom“ rufen.

Karneval ist aber kein schwacher, blinder Narr, der seinen Kopf wiegt, seufzt, bedauert und den christlichen Vermittlern nachgibt. Karneval ist in die Fresse! Und genau das traut sich der jüdische Wagen nicht. Würde die christliche Mehrheit etwa jüdische Stänkerei übel nehmen? Interessiert es uns Juden? Warum? Zum Karneval gehören Trommeln, alberne Geckerei und das Gequäk der quergehalsten Pfeife.

Die Mehrheit der Juden in Deutschland ist heute so brav wie die deutschen Frauen vor hundertfünfzig Jahren. Die Polemikerin Hedwig Dohm schrieb im Jahr 1872:

„Nie sah die Welt eine ehrbarere, bescheidenere Bewegung als diese deutsche Frauenbewegung. Eine Menschenklasse, die sich bemüht, in demütigen Wendungen zu beweisen, dass eigentlich kein ausreichender Grund vorhanden sei, sie Hungers sterben zu lassen! Eine Klasse, die um ihre Existenz wie um ein Almosen bettelt! – Wahrhaftig, ein stolzerer Sinn empört sich gegen dieses Übermaß von Bescheidenheit.“

Der jüdische Nicht-Themenwagen atmet den Geist dieser Bescheidenheit. Hedwig Dohm aber forderte mehr Stolz:

„Der Stolze mag missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken, der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn.“

Zurück zu Heine. Dieser große deutsche Schriftsteller war durchaus politisch radikal. Er hatte Deutschland lediglich aus Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen den Rücken gekehrt. Wer Heine kennt, weiß um seine Liebe zu Deutschland, kennt seinen beißenden Spott, seine Provokationen. Und was macht die jüdische Gemeinde in Düsseldorf? Sie ist brutaler zu Heine als der Wagen mit dem Trump-beglückenden Putin es je sein könnte, denn sie kastriert Heine, indem sie ihn zum jüdischen Sohn ohne Attribute verdrehen.

Lassen wir Heinrich Heine das letzte Wort:

Ich hatte einst ein schönes Vaterland, Der Eichenbaum wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft. Es war ein Traum. Das küsste mich auf deutsch und sprach auf deutsch – Man glaubt es kaum, wie gut es klang – das Wort: „Ich liebe dich. – Es war ein Traum.“

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(TINSIS)

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Filmkritik – „Aufbruch ins Ungewisse“

Solange in Deutschland Filme nur aus guten Absichten gemacht werden und nicht aus gutem Können, solange Filme sittlich bildende Erziehungsanstalten sein müssen, solange eine öffentlich-rechtliche Fräulein Rottenmeier der guten Absichten mit der Peitsche des Bildungsauftrags im Nacken Filme produziert, wird der deutsche Film das bleiben, was er ist, nämlich ein nur zu durchsichtiger und langweiliger Versuch von politisch festgefahren Ideologen, ihre eigene Weltsicht in Form von gerade mal ausreichender Wort- und Bild-Ästhetik in die Hirne der Zuschauer zu hämmern. Dabei kann die Ideologie noch so gut sein, ein Film darf nicht nur Vehikel der Überzeugung der Auftraggeber sonst. Sonst ist es keine Kunst, sondern nur Propaganda.

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Weiberfastnacht im Iran

Eines der wohl feministischsten Bräuche des Kölner Karnevals ist heute vollkommen verschwunden, das „Mötzenbestot“. Im 18. und 19. Jahrhundert skandierten Frauen an Wieverfastelovend um genau zwölf Uhr mittags auf dem Alter Markt den Schlachtruf „Mötzenbestot“, was in etwa sowiel bedeutete wie: „Runter damit, heute tue ich, was ich will.“ Dabei rissen sie sich ihre Bedeckungen vom Kopf. Ein Chronist der Zeit schrieb:

„Am tollsten war dies Treiben auf dem Altermarkt unter den Gemüseweibern, den Verkäuferinnen und den Bauern, oft ein wahrer Mänadentanz.”

Der Brauch rührt daher, dass am Rhein noch bis ins 19. Jahrhundert für Frauen ein Zwang zur Kopfbedeckung bestand. Die Hauben auf dem Kopf gaben Aufschluss darüber, ob eine Frau schon verheiratet, also unter der Haube, war oder ob sie „noch zu haben war“. Die Haube galt als Zeichen der Frauenwürde und der Wohlanständigkeit. Eine Frau ohne Kopfbedeckung galt als „loses Frauenzimmer“. In manchen Kulturen ist das heute noch so. Im Islam zum Beispiel gilt das Kopftuch als politisches Zeichen, das die durch patriarchale Strukturen definierte Würde und Ehre der Frau schützen soll. Daher findet im 21. Jahrhundert das Mötzenbestot auch im Iran statt.

Wenn Sie mehr über den Kölner Karneval wissen möchten, dann lesen Sie meinen Artikel auf der Achse des Guten. Hier klicken!

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