“Ja. Die Juden!”

Tapfer im Nirgendwo präsentiert zwölf Autorinnen und Autoren, deren Namen man sich nicht merken sollte:

Sinan Antoon
Hayan Charara
Junot Díaz
Deborah Eisenberg
Ru Freeman
Randa Jarrar
Nancy Kricorian
Sarah Schulman
Kamila Shamsie
Linda Spalding
Eliot Weinberger
Dave Zirin

Sie alle gehören zu den über hundertvierzig Gestalten, die im Mai 2015 einen Brief unterschrieben haben, der sich gegen die Entscheidung des Verbands PEN ausspricht, das Magazin Charlie Hebdo mit dem PEN/Toni and James C. Goodale Freedom of Expression Courage Award für Freie Meinung auszuzeichnen.

Der Brief erklärt, es sei zwar “klar und unbestritten”, dass der Mord von zwölf Menschen in den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo “widerlich und tragisch” sei und das Karikaturen “sicherlich nicht durch Gewalt oder Mord” zu beantworten seien, aber, (immer dieses aber), Sie seien auch “besorgt”, weil “Teile der französischen Bevölkerung, die an den Rand gedrängt wurden, durch das Erbe des französischen Kolonialismus geprägt sind und einen großen Prozentsatz frommer Muslime enthalten”, die Karikaturen von Charlie Hebdo als “weitere Demütigung” ansehen könnten, gemacht, um “noch mehr Leid zu verursachen”. Die Unterzeichnenden bezeichnen die Karikaturen als anti-islamisch, anti-Maghreb und anti-arabisch.

Zur selben Zeit als die Karikaturisten von Charlie Hebdo ermordet wurden, weil sie Bilder von Mohammed gezeichnet hatten, wurden vier Männer von einem Komplizen ermordet, weil sie jüdisch waren. Sein Name war Amedy Coulibaly. Er ging in einen jüdischen Supermarkt in Paris, nahm dort Geiseln und tötete vier davon. Danach rief er den französischen Sender BFMTV an, um seine Forderungen zu verbreiten. Der Sender fragte: “Haben Sie das Geschäft aus einem bestimmten Grund ausgesucht?” Die Antwort kam prompt: “Ja. Die Juden!”

Die Unterzeichner des Briefs vom Mai 2015 fielen den ermordeten Künstlern von Charlie Hebdo in den Rücken.

Die zwölf oben erwähnten Menschen fallen jetzt auch noch den ermordeten Juden in den Rücken, denn zusammen mit über hundert anderen Autorinnen und Autoren, darunter Alice Walker und Angela Davis, haben sie einen weiteren offenen Brief unterzeichnet, in dem sie fordern, dass das US-PEN-Zentrum die Unterstützung der israelischen Botschaft ablehnen solle, die zu den Sponsoren des jährlich vom PEN-Zentrum ausgerichteten Festivals World Voices zählt. In dem Brief heißt es:

„Es ist sehr bedauerlich, dass das Festival sich dazu entschlossen hat, sich von der israelischen Regierung unterstützen zu lassen.“

Es ist schon merkwürdig, dass diese Helden der Feder ausgerechnet gegen Israel hetzen. Israel ist das einzige Land im ganzen Nahen Osten, in dem sämtliche Bücher der im PEN-Zentrum organisierten Autorinnen und Autoren nicht verboten sind. Israel ist zudem das Land im Nahen Osten, in das die meisten Autorinnen und Autoren des PEN-Zentrums reisen können. Sämtliche andere Länder verwehren nicht wenigen Mitgliedern die Einreise, entweder weil sie jüdisch sind oder weil der Regierung die politischen Ansichten der Schriftsteller nicht passen. Einigen Mitgliedern droht Verfolgung in den Ländern, weil sie homosexuell sind oder in einer der Regierung ungewünschten Art und Weise emanzipiert. Israel ist eine Oase der Freiheitsrechte im Nahen Osten. Nirgendwo in der ganzen Gegend außer in Israel herrscht Kunst-, Presse- und Meinungsfreiheit.

Gibt es also einen Grund, warum diese Leute ausgerechnet einen Brief gegen Israel unterzeichnen? Die Antwort dürfte die selbe sein, die Amedy Coulibaly im Januar 2015 gab: “Ja. Die Juden!”

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Das ist nicht der Rathausplatz von Köln!

Endlich ist es soweit. Der Bau beginnt!

Zwischen dem Kölner Rathaus und dem Haus der Familie Farina, die das weltberühmte Eau de Cologne erfunden hat, befand sich über Jahrhunderte das Viertel der Juden, die bereits vor den Christen in Köln lebten und die Kultur Colonias entscheidend prägten. Nach langen Streitigkeiten hat endlich der Bau der Archäologischen Zone mit Jüdischem Museum begonnen. Der Archäologe Gary White erklärt:

„Hier ist die dynamische Geschichte der Stadt ablesbar – der Prozess, bei dem das vergangene in die lebendige Stadt integriert wird.“

In ein paar Monaten werden zwei Großbohrer anrücken und vierhundert bis zu dreißig Meter tiefe Löcher bohren, die mit Beton ausgegossen werden. Auf diesen Pfählen wird dann das Museum ruhen, das die Grabungen wie eine Brücke völlig stützenfrei überspannen wird.

Es hat gedauert, bis der Bau endlich beginnen konnte, weil ein sogenanntes „Bürgerbegehren zur Erhaltung des Rathausplatzes der Stadt Köln“ von vollkommen geschichtsvergessenen Kölnerinnen und Kölner Jahre lang mit folgender blödsinniger Behauptung gegen das Museum agitiert hatten:

„Der Rat der Stadt Köln hat beschlossen, über den Ausgrabungen auf dem Rathausplatz einen musealen Großbau zu errichten. Dieser wird mindestens 2/3 der bestehenden Fläche verschließen. Durch die geplante Bauhöhe von 15 Metern entsteht ein massives Gebäude. Der ursprüngliche Charakter des Rathausplatzes geht dadurch unwiederbringlich verloren. Der geplante Gebäudekomplex rückt unmittelbar an die Renaissancelaube heran, sodass “Ecke Unter Goldschmied / Portalsgasse” stehend, die Sicht auf das gesamte historische Rathaus verdeckt wird.“

Das Bürgerbegehren war eine einzige Falschaussage, ruhend auf der Behauptung, der Ort der Ausgrabung sei der Rathausplatz! Das ist er nicht. Nie gewesen! Der Rathausplatz ist der Vorplatz direkt vor der Rathauslaube und dem Bürgerturm, wie dieser Holzstich aus dem 18. Jahrhundert zeigt.

Der Stich wurde von dem Ort gemacht, den die Leute vom Bürgerbegehren für den Rathausplatz halten und wurde von oben blickend gemacht. Ja, wie ist das denn möglich, wird sich jetzt bestimmt der geneigte Unterzeichner des Bürgerbegehrens fragen. Konnte der Künstler etwa fliegen? Nein, Du Tünnes, der Künstler stand am Fenster. Da stand nämlich ein Gebäude!

Der vermeintliche Rathausplatz war nie ein Platz, sondern einer der ersten Orte Kölns, die bebaut wurden. Dieses Bild aus dem Jahr 1943 zeigt die Rathauslaube von der Portalsgasse aus. Was sieht man? Leck mich an der Fott, was steht denn da? Ein Haus! Wie kommt das denn da hin? Darf dat dat? Die Straße zwischen dem vermeintlichen Rathausplatz und dem Spanischen Bau heißt übrigens Portalsgasse. Am liebsten möchte ich in Richtung des Begründers des Bürgerbegehrens brüllen: „Eine Gasse ist eine enge Straße zwischen zwei Gebäuden, Du Aapekopp!“

Die Portalsgasse hat ihren Namen daher, dass man das Portal der wunderschönen Rathauslaube im Renaissancestil über die Jahrhunderte erst sah, wenn man in die Portalsgasse eingebogen war! Die Laube wurde in den Jahren 1569–1573 nach den Plänen des Baumeisters Wilhelm Vernukken aus Kalkar am Niederrhein gebaut. Sie wurde als Ersatz für die baufällig gewordene mittelalterliche Vorhalle des Saalbaues geschaffen. Der prächtige Neubau, bei dessen Planung sich Vernukken von dem Architekten und Bildhauer Cornelis Floris de Vriendt aus Antwerpen inspirieren ließ, diente nicht nur der Verschönerung der Westfassade des Rathauses sondern auch praktischem Zweck. Vom Obergeschoss aus verkündete der Rat seine Beschlüsse als sogenannte „Morgenansprachen“. Die Bürger standen auf dem Rathausplatz, der sich vor der Laube und dem Bürgerturm befand. Die Bürger, die der „Morgenansprache“ lauschten, sahen, wenn sie nach rechts schauten, keinen Platz, sonder Gebäude! Der ursprüngliche Charakter des vermeintlichen Platzes ist es somit nicht, ein Platz zu sein, sondern bebaut zu sein!

Die Rathauslaube ist mit Absicht so konzipiert, dass sie ihre Schönheit nur dann voll und ganz entfalten kann, wenn der Platz bebaut ist! Der Betrachter, der durch die engen, verwinkelten Gassen der Altstadt geht, soll erst mit dem Eintritt in die Portalsgasse das bewusst klein gehaltene und dennoch erhaben verzierte Portal des Rathauses entdecken. Durch den Zweiten Weltkrieg jedoch wurde dieser architektonische Sinn zerstört. Einige Jahrzehnte lang war die Rathauslaube schon vom Gülichplatz aus zu sehen. In dieser traurigen Zeit war der Zauber der Laube vollkommen verschwunden. Dies wird sich jetzt aber wieder ändern und ein Teil des Museums wird der jüdischen Geschichte Kölns gewidmet.

Das Judentum ist die älteste noch heute praktizierten Religion Kölns, nicht das Christentum. Als Köln den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium erhielt, gab es das Christentum mit dem Evangelium schlicht noch nicht. Der Evangelist Lukas schrieb sein Evangelium, da war Colonia schon über 30 Jahre alt. Bis ins Spätmittelalter stand das Rathaus an dem Ort, wo die Juden ihr Veedel hatten.

Juden haben die mit Abstand längste Tradition in Köln. Mittelalterliche Urkunden belegen, dass das „domus in quam cives conveniunt“, also das Haus, in dem die Bürger zusammen kommen, im „domus inter judeos sita“ gelegen ist, also im Judenviertel. Das Judentum prägte die Stadt bereits, als noch keine einzige christliche Kirche am Ort stand. Heute kann an dem Ort, wo das Museum entstehen soll, eine Mikwe besichtigt werden, die Kölner Juden bereits nutzten, als das Rathaus selbst noch nicht stand. Das jüdische Ritualbad wurde in einer Zeit gebaut, als noch nicht einmal der Grundstein zum Kölner Dom gelegt worden war. Bei dem Bauwerk dürfte es sich vermutlich um die älteste Mikwe nördlich der Alpen handeln. Diese Mikwe soll Teil des zu errichtenden Jüdischen Museum werden.

Das erste Mal wird eine jüdische Gemeinde in Köln urkundlich im Jahr 321 erwähnt. In dem Jahr hatte Köln gerade erst den ersten geschichtlich bezeugten Bischof: Maternus. In einer Urkunde von 341 ist vermerkt, dass die Synagoge in Köln mit kaiserlichen Privilegien ausgestattet wurde. Die Existenz einer Synagoge lässt davon ausgehen, dass zu dieser Zeit schon eine größere Gemeinde vorhanden war.

Dieser längsten Kölner Tradition wird jetzt endlich an dem Ort der Mikwe ein Jüdisches Museum gewidmet und zwar dort, wo jahrhundertelang das jüdische Veedel war, nämlich zwischen Portalsgasse und Judengasse. Judengasse, noch so ein Straßenname, bei dem es den Leuten vom Bürgerbegehren hätte heftig klingeln müssen!

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„Jews were once gassed, right?”

The image most Germans have of Jews is frightening. In Germany people were asked the following question on the street: „What do you associate with the term ‚Jew‘?“ Here are some disturbing answers:

“Well, the Holocaust, of course, as most people would.”

“World War II.”

“Persecution. Holocaust,”

“Well, the concentration camps. Persecution, in general. What else?”

“Well, if you say Jews, then Hitler, right?”

“Hitler!”

“World War II.”

“Also Hitler.”

“Hitler.”

“Gas.”

“I can tell you a lot about Jews.”

“World War II. Holocaust.”

“People make jokes about them. Stop. No, you’re not supposed to.”

“Jews. Shit, man, Jews, what can I say? Jews were once gassed, right?”

“Hitler’s biggest fear? Big electricity bill. You don’t get it? That’s okay.”

“Jews. No idea, I dunno, but they’re stingy.”

“That’s right, Jews are stingy! Why are they stingy? I dunno.”

“The Jews? No idea. Don’t you have another question?”

“Jews? I don’t like Jews. I’m Muslim, I hate them!”

“I’ve heard about the Jews. I’m a Muslim, so I’m really not interested.”

“Many still don’t accept them. Many still have negative associations with Judaism, I’d say.”

“What can you say, they’re money grabbing pigs, assholes, miscarriages, they need to be exterminated.”

“The Jew wants to put his hands in everything, whether he’s in Germany or in Italy. I don’t get it. When I came to Munich, I had to behave myself.”

“Jews, well, that’s just another religion.”

“Jesus, of course, although they don’t acknowledge him as a prophet, but he was once called King of the Jews.”

“Although I don’t know much about the Jewish religion, I harbor no negative associations.”

“Jews, well, I have nothing against Jews, they’re in my hometown Frankenhausen; we have an entire section of Jews, Jewish descendants. They’re people like us.”

“Well, I know about Anne Frank on TV and stuff. She was a Jew and she was dragged into a car (The abbreviation for automobile is KFZ, quoted here, was confused with KZ, the abbreviation for concentration camp.). She was a Jewess. For example, Hitler somehow had them killed, all the Jews, I think, he had them all killed.”

“We Germans are so bad, we killed them all!”

(Translation: William Wires)

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Wer bewacht die Wächter?

Es ist schon sehr bezeichnend, dass all die öffentlich-rechtlichen Medien, die völlig zu Recht lautstark berichteten, als aus Reihen der AfD darüber nachgedacht wurde, von der Schusswaffe Gebrauch zu machen, wenn ein Mensch eine Landesgrenze übertritt, jetzt so nachhaltig schweigen, obwohl eine Frau ins Gefängnis gesperrt wurde, nur weil sie sich geweigert hatte, ein Produkt zu kaufen, das sie nicht haben wollte.

Am 4. Februar 2016 wurde die 46-jährige Sieglinde Baumert aus dem thüringischen Geisa verhaftet und saß zwei Monate bis Anfang April in Erzwingungshaft im Frauengefängnis der JVA Chemnitz, weil sie sich geweigert hatte, die Abgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu leisten.

Hätte Sieglinde Baumert Steuern hinterzogen, könnte ich die Sache ja verstehen. Es ist die Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass jede Bürgerin ihren Pflichten nachkommt und Steuern zahlt. Zur Erzwingung der Erfüllung der Pflichten ist es das Recht des Staates, seine staatliche Gewalt zu nutzen. Die Befürworter der Rundfunkabgabe erklären jedoch, die Abgabe sei keine Steuer; nicht ohne Grund, denn wäre die Abgabe eine Steuer, wäre sie verfassungswidrig!

Die Rundfunkabgabe wird wie folgt erhoben: Jeder Bürger, der irgendwo zwischen vier Wänden und einem Dach gemeldet ist, unabhängig davon, ob er ein Empfangsgerät besitzt, ist zur Zahlung des Rundfunkbeitrags verpflichtet. Das ist doch eine Wohnungssteuer, wird jetzt der geneigte Leser denken, aber nein, der Beitrag ist keine Steuer, denn die Abgabe wird nicht von einer durch Wählerinnen und Wählern legitimierten Regierung erhoben, sondern geht direkt an den Beitragsservice. Es ist ein Unternehmen, das diese Abgabe einfordert! Und warum darf ein Unternehmen das, fragen Sie? Weil der Staat es möglich macht! Ja, darf er das denn? Nun, er macht es einfach! Ich würde jedoch sagen: Nein!

Würde der Staat die Rundfunkabgabe kassieren, wäre sie verfassungswidrig, weil eine zweckgebundene Steuer in Deutschland nicht erhoben werden darf. Die deutsche Steuerpolitik sieht vor, dass es keine direkte Gegenleistung für gezahlte Steuern geben darf und alle Steuergelder in einem gemeinsamen Topf landen müssen. Aus diesem Topf muss der Staat seinen Haushalt finanzieren. Wenn sich der Staat ein paar eigene Staatssender gönnen will, müsste er sie eigentlich aus dem allgemeinen Topf der Steuern zahlen. Stattdessen aber hat der deutsche Staat den Rundfunkstaatsvertrag aus dem Hut gezaubert und dieser Vertrag erlaubt das Eintreiben einer zweckgebundenen Abgabe, die nur deshalb keine Steuer ist, weil sie nicht von dem Staat, sondern von einem Unternehmen erhoben wird. Ich weiß, nur eine demokratisch gewählte Regierung hat das Recht, Steuern zu erheben, aber in Deutschland gibt es eben eine Ausnahme wenn es ums Fernsehen geht.

Ist das alles nicht unfassbar bedenklich und verfassungswidrig, fragen Sie? Nun, um das zu klären, bräuchte es eigentlich unabhängige Medien, die den Rundfunkstaatsvertrag kritisch auseinandernehmen. Das Problem ist nur, die Sender ARD, ZDF, Deutschlandfunk und noch einige öffentlich-rechtliche Sender mehr sind Nutznießer dieses Vertrags. Deshalb schweigen sie zu der Nachricht, dass mittlerweile eine Frau weggesperrt wurde, weil sie sich geweigert hatte, diese Abgabe zu zahlen!

Stellen wir uns mal vor, der Staat würde uns zwingen, die SZ und die FAZ zu abonnieren, um so die Qualität der Zeitungen zu gewährleisten, oder Snickers und Mars zu bezahlen, auch wenn wir sie nicht essen, um so die Standards der Schokoriegel zu halten. Spätestens wenn ein Mensch in den Knast gehen müsste, weil er sich weigert, dazu gezwungen zu werden, etwas zu kaufen, wäre die Aufregung bei ARD und ZDF hoch. So aber herrscht Schweigen in den vermeintlich unabhängigen und ach so neutralen Anstalten.

Der römische Satiriker Juvenal fragte einst: „Quis custodit custodes?“ (Wer bewacht die Wächter?) Im besten Fall das Volk! Das Volk bewacht die Wächter durch demokratische Einflussnahme. Deshalb ist auch nur der Staat befugt, Steuern zu erzwingen und es ist ihm nicht gestattet, dieses Recht zu delegieren und anderen Unternehmen das Eintreiben von Abgaben zu gestatten. Keine Besteuerung ohne gewählte politische Vertretung! Der Rundfunkstaatsvertrag ist und bleibt ein Skandal und ist offensichtlich verfassungswidrig!

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No concessions!

I always hear that the conflict in the Middle East between Israel and Hamas will continue as long as both sides are uncompromising. That’s very true! Both sides are indeed uncompromising. Neither Hamas nor Israel is willing to make concessions. And I’m glad about that!

Concessions won’t bring peace between Israel and Hamas! Considering the content and intent of both the Israeli Declaration of Independence and the founding charter of Hamas, there can be peace in the Middle East only when either the demands of the Israeli Declaration of Independence or the demands of the founding charter of Hamas are fully and unconditionally accepted. A compromise isn’t possible!

The founding charter of Hamas declares:

„Article 7: The Prophet, Allah bless him and grant him salvation, has said: ‘The Day of Judgement will not come about until Moslems fight the Jews (killing the Jews), when the Jew will hide behind stones and trees. The stones and trees will say O Moslems, O Abdulla, there is a Jew behind me, come and kill him.’“

„Article 13: Initiatives, and so-called peaceful solutions and international conferences, are in contradiction to the principles of the Islamic Resistance Movement. (…) There is no solution for the Palestinian question except through Jihad. Initiatives, proposals and international conferences are all a waste of time and vain endeavors.“

„Article 15: The day that enemies usurp part of Moslem land, Jihad becomes the individual duty of every Moslem. In face of the Jews‘ usurpation of Palestine, it is compulsory that the banner of Jihad be raised.”

Hamas calls for total war against Israel and the destruction of all Jews worldwide. The Fatah frequently preaches with powerful and certain words about the sacred duty of killing Jews. On the 47th anniversary of Fatah, Mufti Muhammad Hussein, who was personally appointed by Mahmoud Abbas as „spiritual leader of the Palestinians“, reiterated that peace can be achieved only through the destruction of all Jews. Streets and squares are named after people, who’ve murdered Jews; their families are handsomely rewarded by Fatah and Hamas, often with money from so-called development aid, which is also funded by the European Union. How could any concessions be made with such organizations? Should Israel suggest: „if you don’t kill all Jews“. What could a compromise possibly look like: „Agreed. How about just six million?“

People who scream „Jews, get out of my country, my city, my neighborhood,“ don’t want peace with Jews, but a peace without Jews. They want Jews to disappear and consider their very existence as the problem. The desire for peace without Jews is widespread throughout the Islamic world. When the Gaza Strip was placed under Palestinian administration in 2005, all Jews were expelled within a few days. On the morning of September 12, when the last Jews left the area at the Kissufim border crossing, Arabs celebrated frenetically with gun shots in the air and motorcades. Abandoned synagogues were torched. It was a real “Gaza Kristallnacht“. Gaza signed for a peace without Jews, not with Jews. In the following years, Hamas fired countless rockets at Israel with the intention to kill as many Jews as possible.

The extermination of Jews is cemented – without compromise – in Article 7 of the founding charter of Hamas. Therefore, for the Jews there remains only resistance and self-defense! In February of 2010, the deputy minister of Hamas‘ Ministry of Religious Endowments, Abdallah Jarbu, reiterated his principle views:

“They (Jews) want to present themselves to the world as if they have rights, but, in fact, they are foreign bacteria – a microbe unparalleled in the world. It’s not me who says this. The Koran itself says that they have no parallel: ‘You shall find the strongest men in enmity to the believers to be the Jews.’ May He annihilate this filthy people who have neither religion nor conscience. I condemn whoever believes in normalizing relations with them, whoever supports sitting down with them, and whoever believes that they are human beings. They are not human beings. They are not people. They have no religion, no conscience, and no moral values.”

These are the words of a man who believes that the mere existence of Jews in the Middle East has no legitimacy. That view reverberates in the politically correct phrase: „illegal Jewish settlers“. Quite a few politicians around the world have adopted this term, not merely for its anti-Jewish intentions explaining why Jews shouldn’t be allowed to live in certain areas, but also as a supposedly legitimate expression of so-called criticism of Israel.

Muslims can reside anywhere in Jerusalem. They don’t signify a barrier to peace! However, Jews, who build homes in East Jerusalem, are supposedly an obstacle to peace! In many countries there are Jewish settlements and neighborhoods. Worldwide, there are Jewish, Muslim and Christian neighborhoods in many towns and cities. Few people consider these neighborhoods as obstacles to peace. On the contrary: they are seen as models of peaceful coexistence, because they enable diversity, tolerance and acceptance. In Cologne, there’s the predominantly Muslim Keup Street neighborhood and in Paris, the Marais in the third and fourth arrondissement, a predominantly Jewish section of the city. In Israel, there are several Muslim quarters and settlements. Nearly twenty percent of Israelis are Muslims. For Israel, Muslim settlements inside and outside of Israel are not in themselves obstacles to peace! For many Arab extremists and a frightening number of Western observers, however, the very existence of Jews is considered a barrier to peace.

Jewish settlements are an obstacle to peace only to those who define peace as the absence of Jews. For those who seek reconciliation, the Jewish settlements are a guarantee for peace! For all those neighbors who desire peace with Jews, Israel extends its hand. The Israeli Declaration of Independence says:

„WE EXTEND our hand to all neighboring states and their peoples in an offer of peace and good neighborliness, and appeal to them to establish bonds of cooperation and mutual help with the sovereign Jewish people settled in its own land. The State of Israel is prepared to do its share in a common effort for the advancement of the entire Middle East.“

For my part, there aren’t any concessions possible in the matter! There can only be the unconditional recognition of Israel’s Declaration of Independence and the unconditional rejection of Hamas’ founding charter! If one party is good-willed for peaceful cooperation, but the other party strives for war and the annihilation of the Jews, then anyone who demands concessions from Israel must be a rabid anti-Semite or a Nazi. Jewish lives can’t possibly be bargaining chips. Not to mention the fact that Israel is the only place in the Middle East where liberated women, gay men or non-Muslims are not persecuted. Only in Israel can one live freely. Any concessions are unacceptable!

Whoever can’t see any differences between Israel and its Arab neighbors who support Hamas with its founding Charter; whoever considers both sides as equally wrong, because both sides are uncompromising, is also a Nazi. Hamas and Fatah reject any concessions because they hate Jews. But, Israel must reject any compromise because there simply can’t be any agreement which leads to the extermination of Jews! Anyone demanding concessions is a Jew-hater, who willingly promotes the extermination of Jews.

Worldwide, there’s a hell of a lot of Jew-haters. And they believe they have a clear conscience. I fear they’re not fewer in number than a hundred years ago. Again, the world remains silent and inactive.

(Translation: William Wires)

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Kompromisslos

Immer wieder höre ich, der Konflikt im Nahen Osten zwischen Israel und der Hamas bestehe deshalb, weil beide Seiten kompromisslos seien. Das stimmt! Beide Seiten sind kompromisslos. Die Hamas will keinen Kompromiss und Israel auch nicht. Ich bin froh darüber!

Es kann zwischen Israel und der Hamas keinen Frieden im Kompromiss geben! Bei dem, was die israelische Unanbhängigkeitserklärung und die Gründungscharta der Hamas erklären, kann es einen Frieden im Nahen Osten nur geben, wenn entweder die Forderungen der einen oder der anderen Seite kompromisslos erfüllt werden.

Die Gründungscharta der Hamas fordert die Vernichtung des ganzen jüdischen Volkes (Artikel 7) und die Zerstörung Israels (Artikel 13). Minister der Hamas rufen zur Vernichtung aller Juden auf, die sie öffentlich, auf Plätzen, in Moscheen und im Fernsehen, als Ungeziefer und Bakterien bezeichnen, deren Kehlen durchgeschnitten und Familien ermordet gehören.

Auch die Fatah predigt oft und in wunderbaren Worten von der heiligen Pflicht des Judentötens. Am Tag der 47-Jahr-Feier der Fatah bekräftigte Mufti Muhammad Hussein, der von Mahmud Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt wurde, die These, dass es Frieden nur durch die Vernichtung aller Juden geben könne. Regelmäßig werden Straßen und Plätze nach Menschen benannt, weil sie viele Juden vernichtet haben und die Hinterbliebenen von Judenmördern werden von der Fatah und der Hamas fürstlich belohnt, nicht selten von sogenannten Entwicklungshilfegeldern, die auch aus der Europäischen Union kommen. Wie soll es mit solchen Organisationen zu einem Kompromiss kommen? Soll Israel etwa sagen: „Angebot, Ihr vernichtet nicht alle Juden?“ Was soll etwa dann der Kompromissvorschlag lauten? „Einverstanden. Wie wäre es mit sechs Millionen?“

Es kann keinen Kompromiss in dieser Sache geben! Es kann nur die bedingungslose Anerkennung der israelischen Unabhängigkeitserklärung und die bedingungslose Verwerfung der Gründungscharta der Hamas geben! Wenn die israelische Seite bittet, man möge in Zusammenarbeit und Hilfsbereitschaft für den Frieden wirken, aber die andere Seite fordert, Krieg führen und Juden vernichten zu wollen, dann gibt es keinen Kompromiss.

Das Leben von Juden ist keine Masse auf dem Verhandlungstisch!

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Die wahren Deutschen

„Be Deutsch“ heißt ein Video von Jan Böhmermann. Es zeigt auf erschreckende Weise, was Deutschland heute ausmacht.

Das Video beginnt ganz dramatisch mit einer Erinnerung an die Reichsprogromnacht vom 9. November 1938 gegen Juden und jüdische Einrichtungen. Danach geht es mit einem Schnitt in die Gemeinde Clausnitz 2016, wo Menschen mit dem Slogan vom 9. November 1989 („Wir sind das Volk“) gegen Flüchtlinge hetzten. Im Bus sitzt ein kleiner Junge, der dem wütenden Mob hilflos ausgeliefert ist, bis Jan Böhmermann mit den „wahren Deutschen“ erscheint, um dem Jungen zur Seite zu springen.

Die „wahren Deutschen“ sind nett, tolerant, liberal, sozial, friedlich, multikulturell, aufgeklärt, verantwortlich, offenherzig, selbstlos, vereint und, das ist das Lustigste an dieser Aufzählung: bescheiden! Selten gab es eine bescheidenere Selbstbeschreibung als diese.

Jan Böhmermann singt, die „wahren Deutschen“ seien zwar etwas spießig und kleinkariert wie Dosenpfand und Birkenstock, aber dafür hätten sie das Grundgesetz. Die „wahren Deutschen“ sind bunt. Sogar ein Jude ist unter den „wahren Deutschen“. Es ist allerdings ein orthodoxer Jude mit Schläfenlocken, der in der jüdischen Community in Deutschland zwar eine absolute Minderheit ausmacht, aber eben doch so aussieht, wie sich ein Nazi einen Juden vorstellt. Hier sehen wir, dass sich die Bilder, die stramme Nazis und die „wahre Deutschen“ von Juden haben, nicht groß unterscheiden.

Eigentlich sollten einem die „wahren Deutschen“ Böhmermanns sympathisch sein, aber eine Parole dreht als das gut gemeinte ins diabolische Gegenteil:

„Sagt es klar, sagt es laut:
Wir sind stolz, nicht stolz zu sein!
Wir sind hier, Euch daran zu erinnern,
dass auch wir einst dumm waren.“

Jan Böhmermann hat sich mit der deutschen Vergangenheit auseinandergesetzt und zwar so richtig schön weit auseinander.

Die deutsche Vergangenheitsbewältigung ist ein wahres Wirtschaftswunder und gehört neben Autos und Bier zum wichtigsten Wirtschaftsgut des Exportweltmeisters Deutschland. Man überlege sich nur einmal, wie dramatisch die Arbeitslosenzahlen in Deutschland aussehen würden, wenn es all die Arbeitsplätze in den Lern-, Gedenk- und Dokumenationsstätten, in den Holocaustforschungsinstituten und Universitäten der Antisemitismusforschung nicht geben würde.

Ohne Vergangenheitsbewältigung wäre die Stadt Berlin um eines ihrer beliebtesten Sehenswürdigkeiten ärmer. Es gäbe kein Holocaust Mahnmal. Altkanzler Gerhard Schröder sagte einst über dies Stelenfeld, es sei ein Mahnmal, „wo man gerne hingeht“. Der Historiker Ebehard Jäckel brachte es sogar fertig und erklärte: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“ Beneiden! Das ist genau der deutsche Stolz, den Jan Böhmermann präsentiert.

Der deutsche Vergangenheitsbewältiger ist stolz auf den Holocaust; natürlich nicht auf die Perfektionierung des Massenmordes selbst, aber schon irgendwie auf die Perfektionierung der Bewältigung des Massenmordes. Hätte es den Holocaust nicht geben, dann hätte auch das ehemalige Waffen-SS-Mitglied Günter Grass niemals „Die Blechtrommel“ geschrieben und somit vermutlich auch nie den Nobelpreis für Literatur erhalten. In 55 Jahren von der SS zum Nobelpreis, das schafft nur der deutsche Vergangenheitsbewältiger. Ohne deutsche Vergangenheit hätte Volker Schlöndorff niemals „Die Blechtrommel“ verfilmen können und daher nie einen Oscar für diesen Film erhalten. So gut wie alle Oscars für den deutschsprachigen Raum sind Resultate der Vergangenheitsbewältigung!

Wer einmal in Berlin war und sich in den Hotels die Reiseführer angeschaut hat, erkennt sofort, woran Berlin verdient: „Third Reich Tour“ und „Hitler’s Berlin“ sind die beliebtesten Stadtführungen.

Die Vergangenheitsbewältigung wurde mittlerweile so sehr perfektioniert, dass sie mittlerweile sogar zum offensiv-aggressiven Imperialismus mutiert ist. Großzügig gibt der deutsche Vergangenheitsbewältiger der ganzen Welt Nachhilfe in Sachen Vergangenheitsbewältigung.

Jan Böhmermann zum Beispiel tadelt in seinem Video Politiker aus den USA, aus Russland und der Türkei. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Die industrielle Massenvernichtung wird zu einer sittlich-bildenden Lehranstalt verklärt und die treuen und guten Bewältiger erheben sich aus der eigenen Schande über alle anderen Völker der Welt und rufen: „Wir stolz, nicht stolz zu sein!“

Sie sind stolz auf den nicht vorhandenen Stolz, geboren aus der Bewältigung des Holocaust, die es ohne den Holocaust nicht gäbe. So war die Zeit von 1933 bis 1945 also doch noch für was gut. Jan Böhmermann fasst den Sündenstolz mit diesen Worten zusammen:

„Vertraut unserer teutonischen Expertise,
Wir wissen, wohin Arschlochhaftigkeit führt.“

Brauchten die Deutschen für diese Erkenntnis echt den Holocaust? Brauchte Deutschland Auschwitz, um zu erkennen, dass man Menschen nicht millionenfach vergast? Brauchte Deutschland Hitler, um zu begreifen, dass Juden Menschen sind? Mussten erst Nazis kommen, damit Deutschland versteht, dass man lieb zueinander sein sollte, aber sich wehren darf, wenn man verfolgt wird? Nein!

Der Holocaust ist keine Nachhilfe für moralisch Sitzengebliebene, sondern schlicht ein unvergessbares und unverzeihliches Verbrechen, aus dem es nichts zu lernen gibt! Der Holocaust eignet sich nicht als moralischer Ausgangspunkt. Mir ist als hörte ich einen Rumor aus Jan Böhmermanns Lied, ganz leise, aber immer stärker hervortretend. Der Rumor flüstert: Gott ist tot, es lebe Auschwitz!

Der Holocaust ist zur Begründungsmatrize für allerlei Überzeugungen und Ideologien verkommen und die Vergangenheitsbewältiger stehen Gewehr bei Fuß, wenn es darum geht, jemanden zum Nazi machen. Das Wort „Nazi“ ist mittlerweile nur noch eine Beleidigung, die gegen politische Gegner angewendet wird, mag es nun ein Präsidentschaftskandidat in den USA sein oder ein Politiker in der Türkei oder in Russland.

Die Meister der Vergangenheitsbewältigung aus Deutschland schleudert die „Nazi“-Beleidigung am liebsten in Richtung Israel. Ihm fällt es leicht, tote Juden zu betrauern, aber er ist unfähig, lebenden Juden zur Seite zu stehen.

Den Höhepunkt des deutschen Stolzes, nicht stolz zu sein, erreicht Jan Böhmermann, wenn er in seinem Video ein kleines Mädchen Deutschland als Land der Dichter und Denker präsentieren lässt:

„Hey, Ihr Pimmelgesichter, schaut Euch diese legalen Bürger der Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahr 2016 mal genau an. Es ist ihnen uneingeschränkt erlaubt, zu tun, was auch immer sie verfickt tun wollen, Ihr blöden Typen mit Scheiße statt Gehirn im Kopf. Und wollt ihr wissen, warum das so ist, ihr Fickfressen? Weil sie verfickte Menschen sind, wie Ihr und jeder andere auch. Habt Ihr schon mal was vom Kategorischen Imperativ gehört, Arschlöcher? Lest Kant, Ihr Fotzen! Er war auch Deutscher!“

Immanuel Kant war kein Deutscher. Er war Preuße. Deutschland wurde erst im Jahr 1871 gegründet, also 65 Jahre nach dem Tod Kants, aber das kümmert die stolzen Deutschen, die stolz darauf sind, nicht stolz zu sein, nicht!

Kann sich irgendwer vorstellen, dass ein Engländer, voller Stolz nicht stolz zu sein, brüllt: „Schon mal was vom britischen Empirismus gehört, Ihr Wichser? Lest Mill, Ihr Pimmel!“ Oder ein Amerikaner: „Schon mal was vom amerikanischen Pragmatismus gehört, Ihr Leckmuscheln? Lest Putnam, Ihr Penner!“

Nein, einen solchen Stolz gibt es nur in Deutschland und Jan Böhmermann zeigt, auch wenn die Ziele und Werte dieser neuen „wahren Deutschen“ sympathisch sind, so wohnen den Inhabern dieser Werte immer noch die Rudimente des deutschen Chauvinismus‘ inne. Sie sind überzeugt davon, die Welt in ihrem Sinne verbessern zu müssen, weil sie tief drinnen von der Überzeugung besessen sind, den anderen Völkern überlegen zu sein.

Ein tief empfundenes Gefühl der Überlegenheit hat in der Geschichte jedoch schon so manchen „wahren Deutschen“ zu bösen Taten getrieben.

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Gutes Scheißen, Schlechtes Scheißen!

Als ich vom Tod von Roger Cicero erfuhr, war ich unendlich traurig und veröffentlichte den Nachruf eines Bühnenkollegen, von dem ich wusste, dass er Roger Cicero liebt. Etwas später fand ich einen Twitterkommentar von Niels Ruf und musste lachen:img_3135

Für mich war sofort klar, der Witz von Niels Ruf geht gegen den Tod, dem Arsch, und nicht gegen Roger! Es war ein Witz geboren aus dem Wissen um die Sterblichkeit.

Das Wissen um die Sterblichkeit ist für die besten Witze verantwortlich, die jemals gemacht wurden. Sie werden jedoch nicht selten wegen der Skandalösität der Sterblichkeit selbst als skandalös und geschmacklos empfunden. Dennoch sollen diese Witze gemacht werden!

Aufgrund des Witzes hat Niels Ruf jetzt einen Scheißesturm am Arsch. Nicht wenige fühlen sich bemüßigt, die Ehre von Roger Cicero zu rächen und schlagen verbal auf Niels Ruf ein, statt die Zeit besser dafür zu nutzen, um einen großartigen Sänger zu trauern.

Trauer ist ein extremes Gefühl. Trauer lässt sich nicht zügeln. Kaum irgendwo wird mehr geweint als bei Beerdigungen. Allerdings wird auch kaum woanders so ehrlich gelacht wie bei Beerdigungen. Wenn jemand auf einer Beerdigung anfängt zu lachen, kann man den Sarg hochkant stellen! Wer einmal erlebt hat, wie die Trauer bei einer Beerdigung in schallendes Lachen umgeschlägt, versteht den Satz: Trauer ist Freude über das, was war!

Jeder geht mit Trauer anders um. Für mich gehören Trauer und Humor zusammmen. Mein Vater starb am 20. Januar 2008 in meinen Händen. Nur er, meine Frau und ich waren im Raum. Er hatte unfassbare Angst, loszulassen. Aber er ließ los. Noch mit seiner leblosen Hand in meiner Hand war da auch schon wieder der Humor, getränkt in Rotze und Tränen. Ja, ich habe geweint und gelacht und ich habe meinen toten Vater geehrt und geroastet. Das war mein Gebet! Scheiße war nur: Mein Vater konnte nicht mehr lachen!

Trauer lässt sich nicht dressieren, auch nicht das Wissen um die Sterblichkeit, schon gar nicht durch Lachverbote! Niels Ruf hat sich entschieden, im Angesicht der Sterblichkeit zu lachen und nichts daran ist beleidigend! Niels Rufs Kommentar geht nicht gegen die Person Roger Cicero, noch gegen sein Schaffen und schon gar nicht gegen seine Familie und Freunde. Der Witz geht ausschließlich gegen den Tod, dem Arsch! Dennoch stürmt jetzt die Scheiße gegen Niels Ruf. Der Shitstorm besteht unter anderem aus Sprüchen wie diesen:

„Du hättest besser sterben sollen!“

Gegen einen Witz über den Tod wird der Wunsch nach dem Sterben eines Menschen ins Feld geführt. Wenn gegen diesen Spruch jetzt auch wieder scheissegestürmt wird, dann stürmt die Scheisse im unendlichen Regress. Warum eigentlich wird in Deutschland so gerne die Scheiße mit der Moral zum Sturm getrommelt?

Dabei habe ich gar nichts gegen das Scheißen an sich. Scheißen ist gut! Scheiße ist Dünger. Ich scheiße auch mal gerne. Aus Scheiße wird wieder Leben. Wenn aber zu viele Ärsche auf ein Feld scheißen, dann wächst dort nichts mehr! Es ist eine Frage der Dosis. Es ist ein Unterschied, ob eine Blume gegossen wird oder ob eine Sturmflut über eine Blume kommt.

Wenn ich sehe, wie im Netz ein Mob im Sturm gegen einen Menschen scheißt, dann scheiße ich nicht auch noch dazu. Dann lasse ich meine Hose zu! Nachscheißen ist wie Nachtreten: Scheiße!

Es ist der Mob, der das Scheißen so unangenehm macht. Der Scheißesturm gegen Niels Ruf jedenfalls ist für mich um einiges unappetitlicher als der Schiss, den Niels Ruf gesetzt hat! Um nämlich die Scheiße durch die tiefen Weiten des Netzes in Richtung von Niels Ruf zu blasen, braucht es viel zu viele Unterstellungen. Was aber, wenn Niels Ruf gar kein so großes Arschloch ist? Vielleicht mochte er Roger Cicero. Er hatte schließlich sogar Karten für ein Konzert!

Einige mögen jetzt einwenden, es ginge gar nicht um Roger selbst, sondern um seine Familie, denen aber sei gesagt: Alle, die einen nahen Menschen viel zu früh verloren haben, werden wissen, dass die Familie und Freunde von Roger Cicero gerade besseres zu tun haben wird, als Niels Rufs Twitternachrichten zu lesen und zu befühlen. Ihre Gefühle gehören jetzt Roger und sich selbst. Niels Ruf ist ihnen gerademal scheißegal. Und das ist auch gut so. Und sie brauchen ganz gewiss nicht irgendwelche Stellvertreter des Zorns, die auf Facebook trommeln! Es ist nur Niels fucking Ruf!

Ich finde die Reaktion auf Niels Rufs Kommentar weitaus geschmackloser als den eigentlichen Kommentar!

Deshalb erkläre ich: Wenn ich sterbe, und jemand macht einen Witz gegen mich und löst dadurch einen Shitstorm aus, dann kritisiert bitte nicht den, der mich verarscht und vielleicht sogar beleidigt hat, sondern all jene Vollpfosten, die glauben, für mich sprechen zu dürfen, obwohl ich gerade erst gestorben bin!

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„Roger Cicero wird immer ein Teil von meinem Schaffen sein.“

Ein persönlicher Nachruf eines jungen Künstlers.

Gestern hatte ich einen Auftritt auf einer Offenen Bühne in Köln. Es war Ostermontag und ich sang „King of the Jews“ aus Andrew Lloyd Webers Musical „Jesus Christ Superstar“. Heute fahre ich mit dem Zug meiner Familie hinterher in einen Entspannungsurlaub in Den Haag. Eigentlich müsste ich mich freuen. Doch ich weine gerade. Im Zug. Weil ich auf meinem Smartphone lesen musste, dass einer meiner Lieblingskünstler viel zu früh verstorben ist …

Roger Cicero war für mich nicht nur ein unglaublich toller Künstler, sondern auch ein Wegbereiter für das, was ich in Zukunft beruflich machen will.

Nach seinem Konzert 2009, ich war gerade mal 14 Jahre jung, stand ich mehrere Stunden in der Empfangshalle um noch ein Autogramm zu bekommen und meinem „Lieblingskünstler“ etwas vorzusingen, obwohl keine Autogrammstunde geplant war. Ich bekam die Gelegenheit und sang, während Roger Cicero schnipsend dabei stand. Er klopfte mir auf die Schulter und sagte: „Weiter so!“

In dem Moment war ich unglaublich stolz und ich habe weitergemacht! Egal wie weit ich es jemals schaffen werde: Roger Cicero wird immer ein Teil von meinem Schaffen sein. Es stimmt mich traurig nie mehr ein Konzert von dir sehen zu können.

Ruhe in Frieden.

Dein Alexander Mikliss

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Who‘s Gerd Buurmann?

Gerd Buurmann is a theater producer, actor, author and blogger from Germany.

The press writes about him:

„Today Macbeth, tomorrow Iago, the following day Kermit the Frog. Gerd Buurman (born 1976 in Emsland) is one of the most versatile performing artists in Cologne. He has successfully worked as an actor, director and writer; from 2008 to 2011 he was artistic director of the Severins Burg Theater.“ – Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau

“During the past years, Buurmann has repeatedly taken clear positions against unspeakable antisemitic statements in various media, and has contributed perhaps more towards a culture of debate in this city than the ad-supported news media.“ – Jules Lux, Choices

„The undisputed star of the evening is Gerd Buurmann. He is a brilliant Goethe reciter and Goethe rapper.” – Wolfgang Leipold, Westdeutsche Allgemeine Zeitung

“’Gehirne am Strand‘ (Brains on the Beach)-. Buurmann’s piece is surprising, profound, unsettling. His profound piece, laced with subtle humor, has the stuff to be performed on bigger stages. With surprising twists and turns, Buurmann seizes control of his audience.“ – Daniela Kwiotek, Bergisches Handelsblatt

„Gerd Buurmann plays the poor devil, Shylock – used by all, but loved by none – as an outcast on the edge of madness, with a downright scary and hysterical force… an impressive performance.” – Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau

„Buurmann’s theatrical energy blows visitors away. Buurmann is best as Iago, who incites Othello to murder. A highlight is when he, a master of manipulation, sits on a barstool defending Desdemona alleged loyalty… and then later ingenuously offers tips on how to commit murder“ – Dorothea Marcus, aKT

“Gerd Buurmann is at times cynical, loud and harsh. He exasperates and fascinates. Not through sympathy, but through his almost frightening presence. His round face, the bald head and the frightening intensity of his eyes. He appears on stage like a man on the edge of madness.” – Daniela Meyer, Deutschlandradio Kultur

“The Simon Wiesenthal Center applauds Gerd Buurmann.“ – Simon Wiesenthal Center

“It’s impossible to categorize Buurmann’s theatrical program as well as the man himself.“ – Daniela Abel, Kölnische Rundschau

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