Heidewitzka Moschee

Ich hatte heute einen wunderbaren Abend in der Duisburger Moschee. In der Veranstaltung „Kabarett am Minarett“ mit Jürgen Becker sang der katholische Diakon Willibert Pauels zusammen mit dem religionsübergreifenden Publikum „Heidewitzka Herr Kapitän“, während vom Minarett der Muezzin rief. Özgür Cebe machte herrlich bissige Stand Up Comedy über religiösen Fundamentalismus und kritisierte dabei deutlich Schwulenhass und Antisemitismus. Meltem Kaptan las eine herrlich komische deutsche Übersetzung eines türkischen Märchens über die Ziegen Fathma und Aische und bei allem Frohsinn wurde dennoch auch auf die aktuellen Ereignisse in Frankreich hingewiesen und der Opfer des feigen terroristischen Attentats in Toulouse gedacht.

Die ganze Moschee atmete an diesem Abend den Geist der Freiheit. Selten habe ich so stark gespürt, wie froh ich bin, in dieser vielfältigen Gesellschaft zu leben. Ich habe gelacht und geweint. Geweint auch, weil an diesem Abend klar wurde, was es mit der Integration auf sich hat: Es geht und vor allem, es ist eigentlich ganz leicht!

Wie sagte es Willibert Pauels an diesem Abend:

„Vor nichts haben die Fundamentalisten der Welt mehr Angst, als vor dem Lachen! Wer lacht, hat keine Angst und wer keine Angst hat, bleibt offen!“

Es war ein symbolischer Akt, den die Moschee in Duisburg mit dieser Veranstaltung wagte. Christen, Muslime, Agnostiker und Atheisten standen gemeinsam auf der Bühne in der Moschee, lachten und sangen gemeinsam und auf einmal wurde deutlich, was „symbolistisch“ bedeutet. Das Wort „Symbol“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt: „Etwas Zusammengefügtes“.

Ja, an diesem Abend waren alle Menschen in der Moschee zusammengefügt, trotz aller Unterschiedlichkeiten. Es war ein Gefühl in dem Raum, wie man es leider viel zu selten erlebt: Es geht und vor allem, es ist eigentlich ganz leicht!

Stehende Ovationen am Ende der Veranstaltung machten klar, wonach sich jeder in der Moschee sehnte: Gelassenheit!

Die Moscheengemeinde bewies Gelassenheit und lachte mit, als Özgür Cebe die Lieder „Santa Scharia“ und „Unter der Burka“ sang und Willibert Pauels sagte: „Tja, Jesus war eher ein Fresser und Säufer; schon mal Scheiße für den Islam.“ Aber auch der zeitlose Klassiker „Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin“ wurde angestimmt und die katholische Kirche bekam ihr Fett weg, weil vor ein paar Tagen in Königswinter ein katholischer Kindergarten sind nicht entblödet hatte, einer Erzieherin zu kündigen, weil sie Ehebruch begangen hatte.

Selten habe ich die Werte unserer aufgeklärten Verfassung so lebendig gesehen wie in der Moschee in Duisburg!

Es geht und vor allem, es ist eigentlich ganz leicht!


(Willibert Pauels und Özgür Cebe warten auf ihren Auftritt)

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Manche gehen zum Lachen in die Moschee!

Es ist kurz vor sechs Uhr und ich sitze im Bus Richtung Duisburg. Heute wird dort nämlich „Kabarett am Minarett“ stattfinden. In der Moschee trifft Jürgen Becker auf Meltem Kaptan, Özgür Cebe und Willibert Pauels.

Das Kabarett erobert nach und nach neue Räume. Die Stand-Up-Comedian Carolin Kebekus spielt seit einiger Zeit im Pascha und heute wird ihre Kollegin Meltem Kaptan in einer Moschee auftreten. Die eine geht in den Puff, die andere in ein Gotteshaus. Jede Frau hat so ihre Präferenzen.

Obwohl es eine Gemeinsamkeit gibt zwischen dem Puff in Köln und der Moschee in Duisburg. Beide Einrichtungen sind gleich tolerant. Weder Frau Kebekus im Puff noch Frau Kaptan in der Moschee müssen sich an die dort herrschenden Dresscodes halten. Frau Kebekus muss im Pascha nicht ficken und Frau Kaptan in der Moschee nicht beten. Sie dürfen, müssen aber nicht! Das ist gelebter Feminismus! Danke Puff! Danke Moschee!

Jürgen Becker ist übrigens sehr erfreut darüber, nach langem Suchen endlich eine Moschee gefunden zu haben, in der er Kabarett machen darf.

Ich frage mich da allerdings, warum endlich? Findet in einer Moschee nicht jeden Tag Kabarett statt? Eine Moschee ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um ihrem unsichtbaren Freund zu huldigen – ich finde das allein schon komisch genug. Zudem bedient sich jedes Gotteshaus der gleichen Bühnentechnik wie das Kabarett: die typische Repetitionen ständig gleicher Gags und Formeln. Menschen gehen ins Kabarett, um das zu hören, was sie hören wollen und eh schon tausend Mal gehört haben. Zudem gibt es im Kabarett das wohle Gefühl der Absolution. Kabarett und Gottesdienst erfüllen im Grunde die selbe Funktion.

Für mich ist jeder Gottesdienst Kabarett, obwohl es feine Unterschiede zwischen den Konfessionen gibt.

Am meisten mag ich die Travestieshows der Katholiken. Männer in Kleidern mit lustigen Hüten und brennenden Handtäschchen laden zum Dinner for the One. Dazu gibt es schöne Musicaleinlagen, etwas Tanz und manchmal sogar einen Hirtenstab.

Die Protestanten machen mehr eine dröge Lesung, gewürzt jedoch mit einer kabarettistischen Büttenrede in der Mitte der Veranstaltung. Diese Shows sind in der Regel eher langweilig, obwohl aus Amerika gerade frischer Wind kommt. Dort gibt es viel mehr Tratra, deutlich hippere Musik, eine Menge audience participation und nicht selten kleine Zaubereinlagen in Form von Hypnose.

In einer Moschee gibt es dafür Tanztheater. Da wird gekniet, gestanden, geschunkelt und verbeugt, über die Schultern geschaut und in alle Richtungen umarmt. Das ganze findet, wie es sich für anständiges Tanztheater versteht, in lustigen Kostümen und in einer Sprache statt, die nur der eingeweihte Zuschauer verstehen kann, der dieser Form der Kunst schon seit geraumer Zeit frönt.

In einer Synagoge gibt es Broadway Shows. Regelmäßig finden Boulevardkomödien statt. Alle reden durcheinander, kaum jemand hört zu und am Ende gehen alle genau so dumm, wie sie gekommen sind, nur etwas beschwipster. Ach ja, und die Preise für die Plätze in den ersten Reihen sind deutlich höher als für die Plätze ganz hinten und in der Loge geht es zu wie im Hühnerstall!

Jede Religion hat somit ihre eigene Show. Jetzt heißt es erstmal “Kabarett am Minarett”. Ich bin gespannt, vor allem, ob Kabarett ohne Alkohol funktioniert, denn Alkohol ist natürlich in der Moschee verboten. Und hier liegt auch der Hauptunterschied zwischen beiden Örtlichkeiten: Puffbrause ist leckerer und lockerer als Moscheebrause, dafür aber auch deutlich teurer!

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Ich bin sprachlos

Der Attentäter von Toulouse hat zugegeben, drei jüdische Kinder und einen jüdischen Vater in Frankreich umgebracht zu haben, weil ihm die Politik in Israel nicht gefällt. Sein Unbehagen mit Israel hat ihn dazu gebracht, drei Kinder und einen Mann in Frankreich zu morden, weil sie Juden sind! Kinder morden, weil sie Juden sind, das ist eine Tat, wie wir sie von den Nazis kennen. Dahinter steckt nichts weiter als die brutale Ideologie des Judenhass.

Der Attentäter bereut seine Taten nicht, sondern bedauert sogar, nicht noch mehr Menschen getötet zu haben. All dies wissen wir, weil der Attentäter selbst es gesagt hat!

Und was sagt Prof. Benz in Deutschland dazu:

„Wir brauchen zunächst mehr Informationen über den Hintergrund des Täters. Ich erkenne bisher trotz der Brutalität der Tat keine neue Dimension eines Antisemitismus in Europa. Wir wissen ja noch nicht einmal, ob die Morde wirklich ein antisemitisches Motiv hatten, oder die Opfer von einem Terroristen zufällig ausgewählt worden sind.“

Und wie beschreibt das Abendblatt diesen Mann:

„Der Historiker Wolfgang Benz gehört zu den führenden Forschern zum Thema Antisemitismus, er leitete viele Jahre das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung und arbeitet zum Dritten Reich, dem Holocaust und der Judenfeindschaft in Gegenwart und Vergangenheit.“

Ein Mann, der nicht sicher weiß, ob es Antisemitismus ist, wenn Kinder ermordet werden, weil sie Juden sind, soll ein führender Forscher zum Thema Antisemitismus sein?

Ich bin sprachlos!

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Kirche und Schule

Ein Artikel von Mathilde Franziska Anneke erstmals erschienen am 27. September 1848 in der Frauen-Zeitung.

Kirche und Schule

Vor vielen hundert Jahren waren die Geistlichen, besonders die Mönche in den Klöstern, die einzigen Menschen, welche lesen und schreiben konnten, und von anderen gelehrten Sachen was verstanden. Wer dazumal also was lernen wollte, musste bei den Geistlichen in die Schule gehen. ‚S gab auch in der Zeit keine anderen Schulen, als in den Klöstern, und keine anderen Lehrer, als die Geistlichen. Mit der Zeit ist das Ding aber ganz anders geworden. Die ganze Welt wurde immer klüger und lernte immer mehr; die Mönche aber kamen mit ihrer Gelehrsamkeit nicht weiter, ’s waren oft die dümmsten Teufel in so ’nem Kloster.

Die Klöster hörten nach und nach auf, weil die Menschen immer mehr zu der Einsicht kamen, dass die Mönche und Nonnen doch eigentlich bloß müßiges Gesindel waren, die auf der Leute Kosten lebten. Deshalb wurden andere Schulen angelegt, besonders in den Städten. Die Geistlichen wollten sich aber wenigstens die Aufsicht über die Schulen nicht nehmen lassen, und die Bürger ließen sich das auch gefallen, dass die Geistlichkeit diese Aufsicht behielt, einerseits aus alter Gewohnheit, andererseits, weil die Geistlichkeit ihnen verredete, wenn sie nicht die Aufsicht behielten über die Schulen, so ginge das Seelenheil der Kinder zu Grunde, und die Kinder würden alle Teufelsbraten werden. So ist die Sache nun geblieben bis auf den heutigen Tag.

Alle aufgeklärten Menschen sind aber jetzt zu der Einsicht gekommen, dass die Schule von der Kirche getrennt werden muss, dass heisst, dass die Geistlichkeit die Aufsicht über die Schulen nicht mehr länger behalten darf, weil’s erstlich nicht ihre Sache ist, für’s Zweite aber dem Unterricht viel Schaden tut. Dass es nicht ihre Sache ist, ist ganz klar; ’s kommt mir gerade vor, wenn die Geistlichen die Schulen beaufsichtigen wollen, als wenn ein Schuster eine Schneiderwerkstatt, oder als wenn ein Offizier die Kirche beaufsichtigen wollte. Nun sagen aber die Geistlichen: „Der Unterricht muss ein frommer, christlicher sein, die Herzen der Jugend müssen schon früh in der Furcht Gottes erzogen werden, und darum müssen wir die Aufsicht über die Schule führen.“ Das wollen wir doch mal sehen, ob das wohl recht ist.

Was lernen die Kinder in der Schule? Zuerst das ABC, dann Buchstabieren, dann Lesen, Schreiben, Rechnen, usw. Gut. Gibt es aber ein frommes, christliches ABC, oder ein frommes, christliches Buchstabieren, Lesen, Schreiben und Rechnen? Gott bewahre, das ist für alle Menschen egal, ob sie nun Christen, Juden, Türken oder Heiden sind, wenn sie nur ein und dieselbe Sprache sprechen. Also damit können die Geistlichen nicht durchkommen.

„Ja, Religions-Unterricht, Beten, Messe hören“, werden sie sagen. Und ich sage Euch: Da liegt eben der Hase im Pfeffer, das ist gerad‘ das allergrößte Unglück für den ganzen Unterricht, dass die Kinder viel zu früh mit Dingen behelligt werden, wo sie nichts von verstehen, und nichts von verstehen können, dass sie komplett abgerichtet werden wie die Hunde, dass sie geradezu dumm und zu Lügnern und Heuchlern gemacht werden.

Au! Au! Schimpft nur nicht auf mich, und fallt nicht gleich über mich her und steinigt mich nicht, Ihr Frommen alle, die ihr denkt, ich lästere Eure Religion und wollt‘ sie in Gefahr bringen. Ihr seid doch alle Menschen, die Verstand zum Überlegen im Kopf haben, also hört mich auch ruhig an und gebraucht Euren Verstand, ich will’s Euch alles beweisen. Ich schwätz‘ Euch nicht nur was vor und sag‘ Euch: Ihr müsst es mir glauben; nein, ich such’s Euch alles klar zu machen und zu beweisen. Und wenn das in Euren Verstand nicht passt, dann braucht Ihr’s ja nicht anzunehmen, oder Ihr könnt mit Eurem Verstand gegen meinen ankommen, und dann können wir mal sehen, welcher oben drauf bleibt.

Also, mal los. Ihr wisst doch, dass uns so vieles erzählt wird in der Religion, was kaum ein erwachsener Mensch begreifen kann, viel weniger ein Kind mit seinem schwachen Verstand. So ein kleiner Kinderverstand aber, der muss gerade wie der Leib des Kindes viel sorgfältiger behandelt werden, als der von erwachsenen Menschen. Erzählt man den Kindern nun was daher, dass sie nicht begreifen können, dann werden sie entweder ganz verwirrt und dumm, oder sie lassen’s zu einem Ohr herein gehen und zum anderen wieder heraus und plappern’s nur mit der Zunge nach, wenn sie es mit Gewalt lernen müssen.

Das ist aber ein schlimm Ding, wenn der kleine Verstand so früh verwirrt gemacht wird, oder wenn man die Kinder an’s bloße Nachplappern gewöhnt, da kann aus ihrem Verstand niemals viel werden. So’n verworrener Verstand, der wird so leicht nicht wieder gerade, und wer nicht schon früh an ordentliches Nachdenken gewöhnt ist, der lernt’s später sehr schwer. Was die Kinder nicht verstehen können und bloß nachplappern müssen, das macht ihnen auch kein Freud‘, dabei haben sie Langeweile und werden nachlässig und unaufmerksam. Weil sie aber Prügel kriegen oder knien müssen, oder sonst bestraft werden, wenn der Lehrer oder der Geistliche das sieht, so fangen sie schon früh an, ihm Wind vorzumachen, ihn zu belügen und zu betrügen. Das ist aber sehr schlimm, da wird der ganze Charakter verdorben, und wenn nicht gute Beispiele zu Haus oder späteres Nachdenken die Kinder wieder besser macht, werden Taugenichtse draus.

Was es mit der Andacht und der Frömmigkeit der Kinder zu bedeuten hat, brauch‘ ich wohl nicht erst groß zu erklären. Das ist gerade ebenso wie mit der Andacht von ’nem Pudel oder ’nem Papagei, wenn man dem Pudel’s Knien lehren wollt‘ und dem Papagei ein sprechen. Seht doch nur die Kinder an bei ’ner Prozession oder in der Messe, wenn der Pastor oder der Schulmeister nicht grad‘ dabei steht und drauf Acht gibt. Und dann frage ich Euch alle, wenn ihr ganz ehrlich sein wollt: erinnert Euch mal an Eure Jugend und sagt mir aufrichtig, ob ich nicht Recht hab‘!

Ich sag‘ Euch: es ist ein wahrer Spott, der mit der Religion getrieben wird, wenn man die kleinen Kinder so dazu abrichtet! Keinen Augenblick früher sollt‘ man den Menschen was davon erzählen, als bis sie Verstand genug haben, die Sache zu begreifen. Lehrt den Kindern erst die Welt kennen, und wenn sie anfangen zu fragen nach Religion, alsdann gebt ihnen Antwort, aber nicht mehr, als sie verstehen können, und wenn sie weiter fragen, gebt ihnen immer mehr Antwort. Das ist die rechte Art!

‚S ist aber noch ein anderer Überstand dabei, wenn die Kinder schon so gar früh auf Religion abgerichtet werden. Dieser Übelstand ist, dass der unglückselige Zwiespalt und Hass zwischen den verschiedenen Religionen, zwischen Katholischen, Evangelischen, Lutherschen, Juden, Deutschkatholischen und wie sie alle heißen, schon in früher Jugend den Menschen eingebläut wird und niemals ein Ende nimmt. Obgleich in ’ner großen Stadt sowas gewöhnlich nicht so arg ist, weil die Menschen meist aufgeklärt sind, steht’s doch in Köln damit noch so, dass sich hier gewiss keine deutschkathol’sche Gemeinde bilden könnte, ohne dass sich die Leute bei den Ohren kriegten, ohne dass es Prügelei und Mord und Totschlag gäb‘. Das ist noch ’ne Ursache, warum man die Kinder nicht zu früh zur Religion abrichten und besonders den Pfaffen nicht die Aufsicht über die Schulen lassen darf. Für alle Religionsarten darf es nur eine einzige Art Schulen geben, welche von der Gemeinde oder vom Staat unterhalten werden. Die Lehrer müssen verständige, brave, ordentliche und rechtschaffene Leute sein, ob Katholiken, Protestanten oder was sonst, das ist Einerlei. Die Kinder sollen zu allererst was Ordentliches lernen und brave, rechtschaffene Menschen werden. Die Aufsicht über die Schulen muss ein besonderer Schulvorstand haben, den die Gemeinde wählt. Wenn’s Zeit ist für die Kinder zum Religions-Unterricht, dann können die Geistlichen, oder wie’s die Eltern sonst haben wollen, solchen Unterricht geben.

Warum wollen denn nun aber auch wohl die Geistlichen mit aller Gewalt die Aufsicht über die Schulen behalten? Darum wollen sie die Aufsicht behalten, dass sie die Menschen dumm halten können, und die große Macht, die sie haben, nicht verlieren. Die Pfaffen sind ein hochmütiges Volk, grad‘ wie die preußischen Beamten, und sie wollen die Menschen von der Wiege bis zum Grabe regieren und beherrschen, wie sie’s von Ewigkeit her getan haben. Sehr sie Euch nur recht genau an, und lest es in ordentlichen Büchern nach, wie sie’s in der Welt getrieben haben.

Die Abgeordneten in Berlin und in Frankfurt werden auf jeden Fall beschließen, dass die Schule von der Kirche getrennt werden soll, dass heißt, dass die Pfaffen nichts mehr damit zu schaffen haben sollen. Darüber sind sie jetzt in Todesangst, und schicken Petitionen über Petitionen nach Berlin und Frankfurt gegen die Trennung der Schule von der Kirche. Die meisten Petitionen von dieser Art sind von den evangelischen Pfaffen in Sachsen und von den katholischen im Bistum Trier und im Bistum Osnabrück gemacht, besonders auf dem Land, und die armen Bauern haben alle unterschreiben müssen. Die evangelischen Pfaffen in Sachsen haben von den Kanzeln die Petitionen verlesen und die Leute zum Unterschreiben aufgefordert, und auf den Altar haben sie die Dinger hingelegt. Durch solche Spitzbubenstreiche wollten sie den Bauern weiß machen, dass es ’ne heilige Sache wär‘ mit den Petitionen, und dass jeder gute Christ unterschreiben müsst‘.

Wie’s die katholischen Pfaffen gemacht haben, weiß ich nicht, wahrscheinlich wohl eben so. Arg genug muss es wohl hergegangen sein, weil ein Wahlmann namens Erzbach zu Mauelhagen im Kreise Waldbroel eine Petition darüber nach Frankfurt geschickt hat, wie die Kerls in seiner Gegend die Sache getrieben haben.

Ich rate Euch, kauft niemals eine Katz‘ im Sack; seht Euch alles erst ordentlich an, und überlegt’s mit gesundem Menschenverstand, auch wenn’s von den Pfaffen kommt.

***
(TINMFA)

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Und das alles vor Franz Müntefering!

Gestern war ich zu Gast bei der SPD in Berlin. Ich war gebucht, zusammen mit Dr. Isabel Rohner und Meisterin Nikola Müller im Rahmen des Internationalen Frauentags eine kurze Szene aus dem Werk von Hedwig Dohm vorzutragen.

Ich erreichte Berlin so gegen drei und freute mich auf mein Hotel. „Die SPD wird sich ja nicht lumpen lassen“, dachte ich mir. „Wer schon für den Mindestlohn streitet, wird auch die Kunst nicht darben lassen.“

Ich nächtigte in einem Hostel mit dem Charme einer Jugendherberge, wunderbar gelegen neben dem „Geschichtspark Ehemaliges Zellengefängnis Moabit“. Mein Zimmer bestand aus einem liebevoll schlicht gehaltenen Ikea-Tisch, einem kleinen Bett, einem Fernseher in Briefmarkengröße und keiner Minibar – nicht mal Toblerone! Ich war kurz davor, den Groucho Marx zu machen und bei der Rezeption anzurufen: „Entschuldigung, können sie mir bitte ein größeres Zimmer hochschicken?“ Aber es gab kein Telefon. Dafür gab es eine Inkontinenzfolie zwischen Matratze und Laken. „Da vertraut mal jemand seinen Gästen.“ Für den Preis war es ein absolut akzeptables Zimmer. Danke, SPD!

Über meinem Bett hing ein Bild vom „Holocaust Mahnmal“. „Ach“, dachte ich so bei mir, „ein wirklich einladendes Zimmer. Das Letzte, woran ich heute Nacht denken werde, wird der Holocaust sein und mein erster Gedanke, sollte ich wieder wach werden auch. Gute Nacht Holocaust! Guten Morgen Holocaust!“

Nachdem ich mich frisch gemacht hatte, ließ ich mich zum Ort der Aufführung bringen. Ich war richtig gespannt! Berlin am Frauentag. Mal was ganz anderes als Köln zu Wieverfastelovend.

Als ich den Saal betrat, fand ich mich in einem kölschen Brauhaus in der Dorotheenstraße wieder. Es gab Salat, Rievkooche, Flönz und Röggelchen. Es war Wieverfastelovend bei der SPD in Berlin. Es war laut, unruhig, kölschselig und am Tisch ganz vorne saß Franz Müntefering. Eine Garderobe gab es nicht! Danke, SPD!

Bevor Isabel Rohner, Nikola Müller und ich die Bühne betraten, ergriff Barbara Hendricks das Mikrofon und brüllte in den Saal: „Schnauze jetzt! Jetzt kommt Kultur!“ Sie meinte es gut mit uns, erreichte aber das genaue Gegenteiö. Da standen wir, in einem kölschen Brauhaus in Berlin und hatten schlagartig 120 Menschen gegen uns. Nur Münte ließ sich nichts anmerken.

Wir begannen unsere Szene: Hedwig Dohm, gelesen von Isabel Rohner und Nikola Müller, im Schlagabtausch mit den Anti-Feministen ihrer Zeit, Nietzsche, Groddeck und Möbius, gespielt von mir. Nach nur 23 Sekunden war der alte Geräuschpegel wieder hergestellt. Danke, SPD!

Nach 5 Minuten betraten die Praktikantinnen von Martin Gerster, MdB den Saal. Ich war gerade dabei, Friedrich Nietzsche zu spielen: „Ihr erster und letzter Beruf soll sein, Kinder zu gebären. Ein Mann der Tiefe hat, kann über das Weib nur orientalisch denken. Er muss das Weib als Besitz, als verschließbares Eigentum, als etwas zur Dienstbarkeit Vorherbestimmtes auffassen. Er muss sich hierin auf die ungeheure Vernunft Asiens stellen.“

Buh-Rufe ereilten mich von Seiten der Praktikantinnen Martin Gersters. Dann wechselte ich in die Rolle zu Groddeck und sagte: „Durchschnittlich sechs Tage im Monat ist das Weib siech. Jede Frau, selbst die gesündeste, in in diesen Tagen stets mehr oder weniger intellektuell unzurechnungsfähig. Körper und Geist sind völlig zerrüttet und in Aufruhr gebracht!“

Da platzte den Praktikantinnen der Kragen! Sowas könne man doch nicht sagen! Warum denn so ein Chauvi hier sprechen dürfe! Heute sei schließlich Frauentag! Und überhaupt, das ginge ja gar nicht.

„Das könnt ihr doch nicht bringen“, sprach eine, „auch noch vor Franz Müntefering!“

Mein Einwand später, dass das Theater sei, auch wenn keiner zugehört habe, ließen die Praktikantinnen nicht gelten:

„Aber sie sind so überzeugt davon, dass sie das hier so spielen, oder was?“

„Äh, Nein.“

„Frauen sind nicht siech!“

„Sehr gut!“

„Warum sagen Sie das dann?“

„Das hab ich nicht gesagt!“

„Doch; gerade!“

„Das war nicht ich. Das war Groddeck!“

„Was?“

„Sie sind zu spät gekommen. Das sind Texte von Georg Groddeck!“

„Warum zitieren sie so einen Mann?“

„Ich zitiere nicht, ich spiele eine Rolle.“

„Was?“

„Sie sind zu spät gekommen. Ich spiele die Rolle nur!“

„Warum spielen sie denn eine solche Rolle?“

„Weil ich Schauspieler bin?“

„Aber wenn Sie Anstand hätten, würden Sie eine solche Rolle nicht spielen.“

Jetzt schaltete sich Dr. Isabel Rohner ein: „Sie sind süss“, sprach sie, lachte, drehte sich um und ging. Ich hörte etwas in ihr zerbrechen. Ich vermute, es war ihr Glaube an die politische Zukunft unseres Landes.

Ich war mittlerweile im Geiste schon in meinem Hotelzimmer. Die Praktikantinnen echauffierten sich weiter. Da riss es mich. In Gedanken an das Bild über meinem Bett sprach ich:

„Sie reagieren wie Typen, die zwanzig Minuten zu spät zu „Schindlers Liste“ kommen, um dann nach 25 Minuten vollkommen aufgebracht das Kino wieder zu verlassen mit der Begründung: Das sei ja ein Nazifilm. Überall lauter Nazis. Wer spielt denn sowas und überhaupt, warum darf so ein Film gezeigt werden? Das ist Deutschland hier!“

Das fanden die Praktikantinnen leider gar nicht lustig. Ich schon! Sie gingen. Ich nicht! Ich blieb und ging zur Theke. Münte war leider schon weg. Ich ließ mich volllaufen und alles auf den Deckel der SPD schreiben.

Betrunken wankte ich zurück ins Hotel und fiel ins Bett. Ich blickte noch einmal auf das Bild an der Wand und dachte:

„Gute Nacht Holocaust. Danke, SPD!“

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

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Wir haben von nichts gewusst!

In welchem Jahr und an welchem Ort fand folgendes Ereignis statt?

Am Donnerstag, den 8. Januar, einem kalten Tag mit eisigem Wind, versammelten sich zehntausend Menschen auf den Straßen und riefen „Tötet die Juden!“ und „Schlachtet die Juden ab!“ Auf Flugbättern wurden Menschen aufgefordert, „ihren Müll vor der Synagoge zu entleeren“ und „grosse Schweinsköpfe auf dem Friedhof zu platzieren“.

Wenn Sie annehmen, dass sich das oben beschriebene Szenario in einer deutschen Stadt zwischen 1936 und 1945 abgespielt hat, so haben Sie recht, aber es gibt noch eine weitere Antwort: Das Ereignis fand im Jahr 2009 in Oslo statt! In seinem Essay The Anti-Jewish Riots in Oslo beschreibt Eirik Eiglad die Geschehnisse in Norwegen aus dem Jahr 2009:

„Soweit ich das beurteilen kann, haben wir hier das grösste Ausmass antijüdischer Ausschreitungen in der Geschichte Norwegens. Selbst vor und während des 2. Weltkrieges, als es starke antisemitische Vorurteile gab, als die Politik die Juden offen diskriminierte und die nazifizierte Staatspolizei jüdisches Eigentum konfiszierte und Juden auf das entsetzliche Sklavenschiff SS Donau deportierte  – selbst damals erlebte Norwegen keine antijüdischen Ausbrüche dieses Ausmasses. Es gibt in Norwegen keine Vorgeschichte mutwilliger antijüdischer Massengewalt.“

Fassungslos lese ich den Bericht und frage mich: „Warum habe ich nichts davon gewusst?“ Und dann erschrecke ich auch schon über die Aussage in meiner Frage: „Ich habe davon nichts gewusst!“

Vedammt, jetzt ist es auch mir geschehen! In Europa fand zu meiner Lebzeit eine antijüdische Ausschreitung statt und sie ist an mir vorüber gegangen. Wie konnte das geschehen? Wo waren die Medien? Wo war ich? Wo waren unsere Bedenkenträger? Wo war ich? Wo waren unsere Politiker? Wo war ich? Wo waren unsere Gerade-wir-als-Deutsche-Deutsche? Wo war ich? Wo waren unsere Antifaschisten? Wo waren wir? Wie konnte das Ereignis so erschreckend leise an uns vorüber gehen?

Am Donnerstag, den 8. Januar 2009 riefen auf den Straßen Oslos ungefähr zehntausend Menschen auf arabisch „Tötet die Juden!“ und „Schlachtet die Juden ab!“ Ein Flugblatt wurde verteilt, auf dem die Menschen aufgefordert wurden, „ihren Müll vor der Synagoge zu entleeren“ und „grosse Schweinsköpfe auf dem Friedhof zu platzieren“. Es folgten Aufrufe, die israelische Botschaft in Brand zu setzen, und einige Demonstranten gingen zum Botschaftsgebäude, das sie schwer bewacht vorfanden. Darauf zertrümmerten sie die Fenster eines nahegelegenen Schönheitssalons, der einem bekannten Schwulen gehört.

Am nächsten Tag stellte die Tageszeitung Dagbladet auf ihrer Internetseite ein Video ein, das Jugendliche dabei zeigt, wie sie einen 73-jährigen Mann bedrohen und dabei rufen: „Verdammter Jude – schnappt ihn!“

Zwei Tage später schlossen sich Tausende zu einem Marsch auf die israelische Botschaft an. Eiglad berichtet, viele hätten auf arabisch „Tod den Juden!“ gerufen. Andere riefen „Sprengt die Botschaft in die Luft!“ und sogar „Vergast die Botschaft!“ Militante Teilnehmer stellten sogar Kinder zwischen sich und die Polizei.

In den Tagen der Ausschreitungen wurden viele Menschen verprügelt und verletzt, wenn sie als pro-israelische Demonstranten oder als Juden auffielen. Jon Gunnar Aksnes wurde sogar am 8. Januar so schwer verletzt, dass er sein Leben lang entstellt bleiben wird. Zuerst wurde mit einer Fahnenstange auf ihn eingeprügelt und dann ging eine Bande mit Schlagstöcken auf ihn los. Ein Journalist des Staatsfernsehens sah ihn blutend zu seinem Bus zurückkehren und filmte ihn. Als Aksens jedoch berichtete, wer auf ihn eingeschlagen hatte und das er Teilnehmer einer pro-israelischen Demonstration war, liess der Reporter die Kamera rasch abschwenken.

Langsam wird mir klar, warum ich nichts davon erfahren habe.

Unter den Teilnehmenden der pro-palästinensischen Demonstrationen, die zu dem Pogrom führten, befanden sich viele Sozialisten. Auch Kristin Halvorsen, die Vorsitzende der linken Sozialisten – damals Finanzministerin und heute Bildungsministerin – war zugegen.

Langsam wird mir wirklich klar, warum ich nichts davon erfahren habe.

Der moderne Judenhass versteckt sich hinter dem Satz „Man wird ja wohl noch Israel kritisieren dürfen“. Wie diese Kritik aussieht, konnten wir im Januar 2009 in Oslo sehen: „Tod den Juden!“ Haben wir jemals ähnliche Rufe bei Irankritik, Nordkoreakritik, Deutschlandkritik, Amerikakritik und Liechtensteinkritik gehört? Gibt es eine solche Form der Kritik überhaupt?

Hätte es 1938 schon Israel gegeben, dann wäre vermutlich auch die Reichspogromnacht bei vielen als „Israelkritik“ durchgegangen.

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Döner- und Ehrenmorde

Vor einigen Wochen wurde das Wort „Döner-Morde“ zum Unwort des Jahres 2011 gekürt. Laut Jury steht der Ausdruck prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde. Durch die Reduktion auf ein Imbissgericht würden die Opfer der Morde in höchstem Maße diskriminiert und ganze Bevölkerungsschichten aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt.

Der Begriff tauchte das erste Mal im Jahr 2006 auf und bezeichnete eine Neonazi-Mordserie an Kleinunternehmern mit Migrationshintergrund, die in den Jahren 2000 bis 2006 in verschiedenen Großstädten Deutschlands verübt wurde. Die Opfer waren acht türkischstämmige und ein griechischer Kleinunternehmer.

„Döner-Morde“ ist wahrlich ein Wort, das es verdient hat, Unwort des Jahres zu werden. Für mich ist der Begriff „Döner-Mord“ der kleine Bruder von „Ehrenmord“, da der Ausdruck „Ehrenmord“ ebenfalls prototypisch dafür steht, dass die politische Dimension des Mordes verkannt oder willentlich ignoriert wird. Leider konnte sich die Jury bis heute nicht dazu durchringen, „Ehrenmord“ zum Unwort des Jahres zu küren.

Dabei haben die Täter der „Döner-Morde“ und die Täter der „Ehrenmorde“ eine Sache gemeinsam: Sie alle töten aus fremdenfeindlichen und rassistischen Motiven heraus. Während für die Neonazis der NSU unter anderem die türkische und die griechische Kultur vom Übel sind, die es zu bekämpfen gilt, weil sich nichts in der deutschen Kultur zu suchen haben sollen, sind die Mörder der „Ehrenmorde“ davon überzeugt, dass die westliche Kultur mit ihrem Frauenbild vom Übel ist und sie nichts in der eigenen Kultur zu suchen habe. Eine Frau, die es wagt, sich mit der Kultur des Westens einzulassen, ist für diese Typen so verdorben, wie für Neonazis eine Frau, die sich zum Beispiel mit einem Kurden einlässt. Für Neonazis ist es eine Frage der Ehre, die „Reinheit des deutschen Volkes“ zu erhalten, sowie die „Ehrenmörder“ gegen all das zu Felde ziehen, was sie als unrein bezeichnen. Beide Seite tragen mit ihrer „Ehre“ nur ihre Fremdenfeindlichkeit zur Schau. Zudem haben beide Seiten große Probleme mit Homosexuellen. Laut BKA-Untersuchungen sollen ein drittel aller Opfer von „Ehrenmorden“ männlich sein.

Die Männer, die „Ehrenmorde“ begehen, stehen in ihrer Ideologie den Neonazis der „Döner-Morde“ ist nichts nach. Ob „Döner-„ oder „Ehrenmorde“, beides sind fremdenfeindliche, rassistische und sexistische Taten. Beide gehören in die Rubrik der rechtsradikalen Verbrechen.

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Wo das Verbrennen von Büchern verboten ist

Eine Religion, die das Verbrennen eines Buchs als Todsünde erachtet, aber das Steinigen von Menschen nicht, hat ganz andere Probleme.

Heinrich Heine schrieb einst:

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.”

Der Satz stammt aus seiner Tragödie “Almansor“. Sie spielt im 15. Jahrhundert in Spanien. Der Satz wird von dem Moslem Hassan gesprochen. Er nimmt damit Bezug auf eine Verbrennung des Korans, die während der Eroberung des spanischen Granadas durch christliche Ritter unter dem inquisitorischen Kardinal Mateo Ximenes de Cisneros stattgefunden hat.

Hassan: So stürzten wir von jenen Höhen oft zermalmend, auf das Christenvolk im Tal; und wenn sie sterbend röchelten, die Buben, wenn ferne wimmerten die Trauerglocken, und Angstgesänge dumpf dazwischen schollen, dann klang’s in unsre Ohren süß wie Wollust.

Almansor: Wir hörten, dass der furchtbare Ximenes, inmitten auf dem Markte, zu Granada – Mir starrt die Zung im Munde – den Koran in eines Scheiterhaufens Flamme warf!

Hassan: Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.

Wer den Dialog aufmerksam gelesen hat, wird festgestellt haben, dass der Mann, der das Verbrennen des Korans kritisiert, selbst unzähige Christen geschlachtet hat. Während also für ihn das Verbrennen des Korans eine Todsünde ist, klingt die Tötung von Christen in seinen „Ohren süß wie Wollust.“

Im Wissen um diesen Kontext bekommt Heinrich Heines Satz eine ganz andere Bedeutung: Auf der einen Seite kritisiert Heine zwar den Akt der Bücherverbrennung, aber auf der anderen Seite macht er auch die Doppelmoral deutlich, mit der ein Mensch zwar das Verbrennen von Büchern als Verbrechen verdammt, aber das Töten von Menschen als wolllüstig schön bezeichnet.

Ein Land, in dem das Verbrennen von Büchern verboten ist, das Töten von Menschen jedoch nicht, hat ganz andere Probleme.

Heinrich Heine hat in seinem Leben selbst eine Bücherverbrennung miterlebt. Zu der studentlichen Bücherverbrennung auf dem Wartburgfest im Jahr 1817 schreibt er:

“Auf der Wartburg krächzte die Vergangenheit ihren obskuren Rabengesang, und bei Fackellicht wurden Dummheiten gesagt und getan, die des blödsinnigsten Mittelalters würdig waren! (…) Auf der Wartburg herrschte jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wusste als Bücher zu verbrennen!”

Die in Deutschland bekannteste Bücherverbrennung fand jedoch in Berlin auf dem Opernplatz im Jahr 1933 statt. Es waren ebenfalls wieder deutsche Studenten, die diese Tat vollführten. Es war nicht die einzige Bücherverbrennung in dem Jahr. Insgesamt 93 Bücherverbrennungen in 70 Städten fanden von März bis Oktober 1933 in Deutschland in der Zusammenarbeit mit der Hitlerjugend statt! Zum ersten Mal verbrannten somit nicht nur deutsche Studenten Bücher, sondern sie wurden dabei von staatlicher Seite unterstützt.

Die staatliche Unterstützung ist der große Unterschied.

Diesen Unterschied macht übrigens auch Heinrich Heine in seiner Tragödie “Almansor“. Die Bücherverbrennung in seinem Stück wird durchgeführt von christlichen Rittern unter dem Befehl eines Kardinals, also von Staats wegen.

Es ist ein Unterschied, ob ein Mensch ein Buch verbrennt, oder ob ein Staat vorgibt, was mit einem Buch zu geschehen hat.

Ein Mensch, der ein Buch verbrennt, kann, darf und sollte kritisiert werden; es ist jedoch sein gutes Recht, Bücher zu verbrennen. Ich erlaube jeden Menschen meine Bücher zu verbrennen, solange sie sie nur für diesen Zweck kaufen. Ein Staat jedoch, der sich anmaßt, darüber zu befehlen, was mit einem Buch zu geschehen hat, der begeht ein Verbrechen an den Menschenrechten. Dabei ist es ganz egal, ob der Staat nun zur Bücherverbrennung lädt oder das Verbrennen von Büchern verbietet. Beide Haltungen zeigen nämlich, dass der Staat bereit ist, seine eigenen Ideale über die allgemeinen Menschenrechte zu stellen. Ein solcher Staat schafft eher Menschen ab, als dass er es zulässt, dass die Bücher seiner Ideologie verbrannt werden.

In einem Rechtsstaat gibt es nur dann die Möglichkeit, ohne Furcht vor staatlicher Bevormundung kreativ, journalistisch und wissenschaftlich arbeiten zu können, wenn die Verfassung Meinungs-, Presse-, und Kunstfreiheit garantiert ist. Zu dieser Freiheit gehört es eben auch, dass Bücher verbrannt werden dürfen, ohne staatliche Sanktionen befürchten zu müssen. Die Amerikanische Verfassung garantiert mit dem ersten Verfassungszusatz das Recht auf freie Meinungsäußerung und darunter fällt nach einem Urteil des Obersten Gerichts ausdrücklich auch die Verbrennung von Büchern und Fahnen. In der Bundesrepublik Deutschland jedoch ist das Verbrennen der Deutschen Flagge unter Strafe gestellt.

Ich persönlich lebe lieber in einem Land, in dem die Nationalflagge, die Verfassung und Bücher verbrannt werden dürfen, aber es kaum jemand macht, als in einem Land, in dem sich die Unterdrückten danach sehnen, die Nationalflagge, die diktatorische Verfassung oder die Schriften der Unterdrückung zu verbrennen, sie es aber nicht dürfen.

Weder das Verbrennen der Amerikanischen Flagge noch das Verbrennen der Verfassung ist in den USA verboten. Die Verfassung der USA nennt das Meinungsfreiheit. In den Ländern jedoch, in der das Verbrennen des Korans als Todsünde geahndet wird, da brennen abwechselnd mal israelische, amerikanische und dänische Flaggen, und nicht selten auch Menschen!

Ich erlaube mir daher, und ich bin mir sicher, Heinrich Heine damit nicht einmal im Ansatz zu verraten, seinen berühmt geworden Satz, um einen Nebensatz zu erweitern:

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen; aber dort wo das Verbrennen von Büchern verboten ist, da werden Menschen verbrannt.”

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Bilderrätsel

Das Tapfer im Nirgendwo Bilderrätsel sucht heute ein Buch und ein Lied. Raten Sie mit. Viel Spaß!

1. Welches erfolgreiche Sachbuch aus dem Jahr 2006 wird hier dargestellt?

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2. Welches erfolgreiche Lied aus dem Jahr 1968 wird hier dargestellt?

 

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Die Supernannys von NRW

Die Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens Hannelore Kraft (SPD) und ihre Koalitionspartnerin Sylvia Löhrmann (Die Grünen) haben ein neues Betätigungsfeld gefunden: Sie wollen die Supernannys von NRW werden.

Im Glauben, bei den Bürgerinnen und Bürgern des Landes handele es sich um Kinder, die nicht selbst darüber entscheiden können, wann sie schlafen, arbeiten oder ruhen wollen, schicken sie sich an, eine Ausgangssperre zu verhängen, ganz so, als wären sie die Eltern des Wahlvolks, die darüber bestimmen dürfen, wann man zu Hause zu sein hat.

Wenn es nach den neuen Plänen der rot-grünen Minderheitsregierung geht, soll es den Händlerinnen und Händlern Nordrhein-Westfalens bald wieder verboten sein, selbst zu entscheiden, wann sie ihre Geschäfte öffnen wollen, um sie dazu zu zwingen, ihre Läden werktags um 22 Uhr oder vielleicht sogar noch früher zu schließen. Einige in der Regierung gehen sogar so weit, einen Ladenschluss am Samstag um 20 Uhr zu fordern, manche denken sogar ernsthaft über 16 Uhr nach!

Ja, so sind sie die Supernannys: Sie sagen uns, wann wir zu Bett gehen müssen, weil wir nämlich zu blöd sind, selbst zu entscheiden, wann wir bubu machen möchten. Wir wissen halt nicht, was gut für uns ist. Sylvia und Hannelore aber wissen das. Sie meinen es nur gut mit uns. Wenn wir trotzdem länger aufbleiben wollen, dann kommen wir zur Strafe auf die Stille Treppe. Wenn auch das nichts mehr hilft, dann gibt es eben einen Klaps auf den Popo. Das tut Sylvia und Hannelore aber dann natürlich immer mehr weh als uns selbst.

Ich fasse es nicht! Die rot-grüne Minderheitsregierung will mich zu Bett schicken, wann es ihr passt.

Jetzt paßt mal auf, Hanni und Nanny, ich bin kein kleines Kind mehr, das Ihr an Eure schützende Brust nehmen müsst! Ich kann sehr gut selbst entscheiden, wann ich arbeiten und wann ich ruhen möchte. Ich bin ein nachtaktiver Mensch und arbeite seit je her lieber in den Abend- und in den Nachtstunden. Das ist meine Zeit, da bin ich fit, da fühle ich mich wohl. Es widert mich an, dass Ihr meinen Lebensstil diskriminieren wollt und ernsthaft über ein Arbeitsverbot nachdenkt. Ich finde es unerträglich, dass Ihr allen Ernstes glaubt, mir vorschreiben zu dürfen, was gut für mich ist.

Es geht nicht darum, dass Verkäuferinnen und Verkäufer dazu gezwungen werden, mehr zu arbeiten, sondern nur darum, dass es ihnen erlaubt sein muss, ihre Arbeitszeiten selbstbestimmt zu gestalten. Es gibt nun mal Studentinnen, die gerne spät arbeiten, weil sie über Tag studieren wollen; es gibt Väter, die lieber spät arbeiten, weil sie über Tag für die Kinder da zu sein wollen; es gibt Menschen, die nachts arbeiten, weil sie über Tag schlafen. Was ist daran so verwerflich? Was geht da nicht in Eure rot-grünen Schädel rein? Für jeden Homosexuellen habt ihr mehr Verständnis (danke übrigens dafür!) als für jenen Mensch, der lieber in der Nacht arbeitet oder einkaufen geht.

Ja, auch die Menschen, die lieber in den nächtlichen Stunden einkaufen, diskriminiert ihr. Ich weiß nicht, ob es Euch schon aufgefallen ist, aber der Feminismus, für den auch Ihr gestritten habt (danke übrigens auch dafür), hat die Gesellschaft ein wenig verändert. Das Alleinernährermodel ist nicht mehr Pflicht! Die Frau muss nicht mehr zu Hause bleiben und den Haushalt schmeißen, während Papa das Geld nach Hause bringt. Wisst Ihr was, Mama darf jetzt auch arbeiten gehen. Was ihr macht, das dürfen auch andere Frauen. Ist das nicht toll?

Es gab zwar mal eine Zeit, in der es nicht schlimm war, dass die Geschäfte nur offen hatten, wenn Papa auf der Arbeit war, weil Mama ja noch da war und einkaufen gehen konnte, aber die Zeiten sind vorbei. Dieser Lebensstil ist nicht mehr Pflicht sondern Wahl! Und das ist auch gut so! Wir leben heute in einem Land der Vielfalt! Vielfalt verlangt Offenheit! Und Offenheit heißt, dass auch Geschäfte offen sein sollen, wann sie wollen!

Es gibt viele, die sich über die Liberalisierung der Öffnungszeiten gefreut haben, weil dadurch endlich ihr Lebensstil anerkannt wurde. 13 Prozent des Wochen-Umsatzes wird in REWE-Filialen nach 20 Uhr erwirtschaftet. 13 Prozent! Das ist eine stattliche Zahl. Diesen 13 Prozent will die rot-grüne Minderheitenregierung nun ihren Lebensstil verbieten. Auch bei den Verkäuferinnen und Verkäufern gibt es eine stattliche Zahl, die lieber spät als früh arbeitet. Marktleiter berichten, dass sich auf Stellenausschreibungen für die Spätstunden doppelt so viele Bewerber melden wie auf die anderen. Auch diesen Menschen soll es an den Kragen gehen!

Hannelore Kraft fordert zudem, die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage zu begrenzen.

Liebe Frau Kraft, die Zeiten, da meine Oma mich Sonntags in die gute Stube einschloss und mir verbat, am Tag des Herrn spielen zu gehen, sind auf Nimmerwiedersehn vorbei! Ich bin volljährig und religionsmündig! Ich entscheide selbst, was gut für mich, Gott und die Welt ist.

Die Homosexuellenbewegung hat einst einen wunderbaren Satz geprägt: „Du bist gegen die Homo-Ehe? Dann heirate keinen Homosexuellen!“

Ich kann diesen Satz unendlich variieren:

„Du willst nach 22 Uhr nicht einkaufen? Dann kaufe nicht nach 22 Uhr ein!“

„Du willst nachts nicht arbeiten? Dann arbeite nicht nachts!“

„Du willst am Sonntag nicht arbeiten? Dann arbeite nicht am Sonntag!“

Niemand soll zur Arbeit gezwungen werden, das ist klar. Aber genauso klar ist: Niemandem darf das Arbeiten verboten werden. Ladenschlussgesetze sind nichts anderes als zeitlich begrenzte Berufsverbote!

Nehmen wir doch man einen gläubigen muslimischen oder jüdischen Verkäufer. Er will aus religiösen Gründen am Freitag abend und am Samstag tagsüber sein Geschäft nicht öffnen, weil es seine religiösen Pflichten verlangen und am Sonntag darf er sein Geschäft nicht öffnen, weil es ihm der deutsche Staat verbietet. Ein gläubiger Christ kennt dieses Problem in Deutschland nicht. Gibt es eine deutlichere Form der Diskriminierung von Religionsgemeinschaften? Was ist eigentlich mit Artikel 4 Grundgesetz? Zählt der nicht in Supermärkten?

Man komme mir nun nicht mit der Ausrede, wir lebten schließlich in einem christlichen Land. Nein! Wir leben zunächst in einem aufgeklärten Land und da sind Staat und Kirche getrennt. Keine Religion und mag sie noch so in der Mehrheit sein, hat das Recht, anderen Menschen ihre religiösen Pflichte aufzuzwingen. Es wäre auch fatal, wenn wir das zuließen. Dann könnte ja jederzeit, wenn in einer Region in Deutschland mal der Islam zur Mehrheitsreligion wird, der Schleierzwang auf alle Frauen in dieser Region ausgedehnt werden und der Staat schaut zu.

Ich möchte in einem Land leben, in dem selbst die Mehrheit muslimisch sein kann, ohne das ich dadurch etwas zu befürchten habe!

Diese ganze Ladenschlussdebatte ist eine Kampfansage an den mündigen Bürger; besonders, wenn sie mit der Begründung daher kommt, es sei nur zum Besten der Bevölkerung. Was das Beste für die Bevölkerung ist, weiß ich nicht. Ich weiß aber, was für mich das Beste ist:

Ich bin ein Nachtmensch, der lieber in den späten Stunden lebt und arbeitet. Es wäre schön, wenn die achso toleranten Grünen und Sozialdemokraten das endlich akzeptieren könnten.

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