Ich bin nur einer von über dreiundachtzig Millionen, aber dieser eine sagt Ihnen: Sie können mir weder Freiheit geben noch nehmen.
Ich gewähre Ihnen gerade lediglich Einschränkungen in meine Freiheitsrechte. Dies machen ich für eine gewisse Zeit des Notstands und der Krise. Sie bleiben jedoch auch zu dieser Zeit der Krise stets eine Dienerin. Sie sind nicht unsere Herrscherin.
Jede Instanz, die auch nur im Geringsten daran denkt, unsere Gewährleistungen zu missbrauchen, bekommt unseren Widerstand zu spüren. Nicht das Volk hat die Regierung zu fürchten, sondern die Regierung das Volk.
Freiheit wird nicht gewährt. Kein Staat kann Freiheit gewähren. Der Mensch trägt die Freiheit in sich. Der Mensch ist Mensch, weil er frei ist. Freiheit macht den Menschen aus.
Die menschliche Freiheit kann lediglich eingeschränkt werden, entweder weil ein Mensch freiwillig diese Einschränkung zulässt oder weil er mit Gewalt dazu gezwungen wird. Für die gewalttätige Einschränkung der Freiheit braucht es gute Gründe.
Freiheit bedeutet, Befehle nicht willenlos ausführen zu müssen, wie eine Maschine, die programmiert wurde. Freiheit bedeutet, sich zu der Welt, in der man sich befindet, in moralisch bewertender Zuwendung zu verhalten und das eigene, aber auch das Handeln fremder Personen in richtig, falsch, gut und böse einzuteilen. Der Mensch ist sich selbst stets Rechenschaft schuldig und somit gewissermaßen zur Freiheit verurteilt.
Wer kennt sie nicht, die Bisse des Gewissen, die besonders dann spürbar werden, wenn man alleine ist und wenn keine großen Ablenkungen die Gedanken zerstreuen. Das Coronavirus hat uns zurück in unsere Höhlen geworfen. Die Straßen sind ruhig, die Amüsiermeilen geschlossen und keine bunten Lichter laden zum Vergnügen.
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Menschen kümmern sich um andere Menschen. Der Mensch ist sogar in der Lage, sich für andere Wesen zu opfern. Es gehört zum Wesen des Menschen, sich in Freiheit opfern zu können. Ein Opfer kann jedoch nicht nur freiwillig erbracht werden. Es gibt auch erzwungene Opfer. Die Geschichte ist voll von Menschen, die gegen ihren Willen geopfert wurden.
Sehr geehrte Bundeskanzlerin,
Sie haben nicht das Recht, andere Menschen zu opfern.
Der Mensch möchte gebraucht werden und seiner Existenz einen Sinn geben. Er sucht nach einer Aufgabe im Leben und möchte Verantwortung übernehmen. Aber nur ein freier Mensch kann Verantwortung übernehmen. Wer nicht frei ist, kann sich nicht verantworten für eine Tat, auf dessen Ausführung er keinen Einfluß hatte.
Sie können nur darauf hoffen, dass sich freie Menschen dazu entscheiden, zum Wohle alter, schwacher und kranker Menschen ihre eigene Existenz aufs Spiel zu setzen. Die Maßnahmen, die dieses Land ergriffen wird, wird in vielen Fällen zu schweren Depressionen und seelischen Störungen führen, auch bei Kindern.
Ja, die momentanen Einschränkungen sind sinnvoll. Nicht umsonst setze ich sie gerade zusammen mit vielen anderen Bürgerinnen und Bürgern um. Unser bisheriger Lebensentwurf wird dabei völlig über den Haufen geworfen. Wir alle sind besorgt und wollen Sicherheit. Der Tod der Freiheit kam jedoch immer mit dem Ruf nach mehr Sicherheit. Daher sollten wir folgendes bedenken: Die Verfassung wurde nicht nur für glückliche Tage geschrieben, sondern gerade für Zeiten der Krise.
Gerade in der Krise ist Kritik wichtig. Nicht immer ist Kritik angemessen. Manchmal ist sie hart und unberechtigt, manchmal einfältig, dumm und falsch. Es gibt intelligente und dumme Personen. Menschen sind unterschiedlich. Manche regeln ihr Leben nach mathematischen Formeln, andere nach Bauernregeln. Es gibt Menschen, die glauben an Gott, andere umarmen Bäume, wieder andere nennen den Zweifel ihren besten Verbündeten. Sie alle aber tragen die Freiheit in sich und ordnen die Welt auf ihre Weise. Zudem haben alle Menschen die Fähigkeit, sich gegenseitig zu verständigen und sich zu einem gewissen Teil in die Situation des Gegenübers hineinversetzen zu können.
Natürlich lamentieren Menschen, wenn ihnen etwas genommen wird. Es ist vollkommen verständlich, dass in Ausnahmesituation auch mal dumme oder schmutzige Gedanke den Weg aus den Mündern jener finden, denen grade der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, die um ihre pure Existenz bangen und die nicht wissen, ob sie wirtschaftlich oder beziehungstechnisch heil aus der Situation herauskommen.
Die Menschen, die mit voller Wucht von dieser Herausforderung getroffen werden, sollte man weder bestrafen noch ihnen das Recht nehmen, ihrem Unmut auch mal deutlich Ausdruck zu verleihen. Ihnen sollte man stattdessen die Möglichkeit geben, sich so frei wie möglich für die Verantwortung entscheiden zu können. Dafür müssen sie aber auch Fehler machen dürfen, auch in der Krise. Vor allem aber müssen Sie frei denken und reden dürfen.
Wenn ich einen Politiker sagen höre, „Diskussionen um Lockerungen der aktuellen Maßnahmen sind falsch“, dann sage ich: Nein, die Diskussionen sind nicht falsch!
Liebe Politikerinnen und Politiker,
Sie können jederzeit behaupten, dass Lockerungen zu diesem oder jenem Zeitpunkt falsch sind. Darüber können wir dann streiten und das Für und Wider abwägen. Aber das Reden über Lockerungen ist nicht falsch, niemals. Sie haben schlicht und ergreifend nicht das Recht, uns das Diskutieren zu nehmen. Sie sollten die Debatte auch nicht schlecht reden. Sie haben viel mehr die Pflicht, unsere Möglichkeit zu verteidigen, frei zu debattieren.
Liebe Frauen und Männer der Regierung,
die Bürgerinnen und Bürger des Landes, denen Sie dienen, bringen gerade große Opfer. Was für ein Preis, überall zertretenes Glück von Millionen. Verteidigen Sie Gedankenfreiheit!
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„Der Kommunismus an sich ist eine gute Idee, der Mensch ist nur das Problem.“
Wer kennt diesen Satz nicht? Er wird immer zuverlässig formuliert, wenn man einen edlen Träumer darauf hinweist, dass jeder Versuch, den Kommunismus zu realisieren, in Unterdrückung, Internierungen und Massenmord geendet hat.
„Den wahren Kommunismus hat es noch nie gegeben“, wird dann gerne als verzweifelte Rehabilitierung hinterher geschoben, ganz so als sei ein erneuter Ansatz zur Verwirklichung des Kommunismus nach so vielen brutal gescheiterten Versuchen erstrebenswert.
Der Kommunismus übt auf die Seele einen Reiz aus, dem man sich nicht entziehen kann. Was ist gegen ein gemeinsames Streben und Wirken nach sozialer Gerechtigkeit einzuwenden?
„Militaristische und revanchistische Propaganda in jeder Form, Kriegshetze und Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werden als Verbrechen geahndet.“
Klingt gut, oder? Wer ist schon ein Freund von Kriegshetze und Hass? Es ist doch gut, wenn all das verboten ist, oder?
Der zitierte Absatz fand sich an fünfter Stelle des sechsten Artikels der Verfassung der DDR. Es war genau dieser Absatz, mit dem Kritikerinnen und Kritiker des Regimes in Knast und Folter gesperrt wurden. Nimm Dich in acht vor selbsternannten Friedensaktivisten, denn sie erklären Dich zum Kriegsaktivisten, sobald Du es auch nur wagst zu widersprechen.
Wir befinden uns wieder in einem Krieg. Diesmal jedoch ist der Feind klein und kann sich in jedem Körper befinden, in dem Körper des Kollegen, der Enkelin, des Freundes, der Verkäuferin und in uns selbst. Durch das Virus werden wir einander zur Gefahr. Als Strategie zur Bekämpfung dieser Gefahr zwingt uns die Regierung in einen Lockdown.
Die Bürgerinnen und Bürger werden zum Wehrdienst gegen das Coronavirus zwangsverpflichtet. Alle müssen mitmachen. Wer sich weigert, die Uniformen der Hygiene anzulegen oder die Befehle zur Distanz zu exekutieren gilt als Deserteur, der die Truppenmoral schwächt und das Wohl und die Gesundheit des Volkes gefährdet.
Auch der Lockdown übt auf die Seele einen ungeheuren Reiz aus. Es geht um die Gesundheit. Wer kann wollen, das Menschen an dem Virus sterben? Wenn alle Menschen zu Hause bleiben, wenn es für eine gewisse Zeit keine Treffen mehr gibt, wenn wir das Leben temporär einstellen, dann kann sich das Virus nicht weiter ausbreiten können und das Überleben ist gesichert. Klingt doch super. Was kann man dagegen haben?
Nun, der Mensch ist das Problem!
Jeder Vorschlag einer Problemlösung, bei dem der Mensch zum Problem erklärt wird, ist unmenschlich. Eine solche Lösung will nicht das Problem beenden, sondern den Menschen. Der Kommunismus war so ein unmenschliches System, nicht aufgrund der Ideale, sondern aufgrund der Methodik.
Der Mensch ist frei und fehlerhaft. Er kann sich für das Gute und für das Böse entscheiden. Er definiert überhaupt erst, was gut und böse ist.
Das Problem des Kommunismus ist, dass er nicht eine Methode ist, die den mit Fehlern belasteten, mit Schwächen geschlagen und mit Interessen versehen Menschen ermächtigen soll, ein gerechtes Leben zu führen, sondern dass er eine Ideologie ist, die den Menschen zwingen will, ein gerechtes Leben zu führen. Was gerecht ist, definieren dabei ein paar wenige Mächtige.
Für einen Kommunisten ist der Mensch ein Problem, weil er frei ist. Auch für jene, die die Bürgerinnen und Bürger in Zeiten von Corona in den Lockdown zwingen, ist der Mensch das eigentliche Problem.
Der Mensch ist ein Wesen, das sich seiner Sterblichkeit bewusst ist. Menschen sind Tiere mit Moral. Menschen sind Kreaturen, die Welten erdichten und Kunst erschaffen können. Menschen machen Gesetze und werfen Partys. Menschen erleben sich in der Gemeinschaft und messen sich aneinander. Sie lachen, singen, tanzen und grölen. Sie umarmen sich, kuscheln, raufen, ringen und bekriegen sich. Menschen möchten das Leben spüren. Sie möchten raus. Menschen möchten einen Eindruck hinterlassen. Sie möchten sich mal fallen lassen und mal herrschen. Menschen sind frei.
Freiheit ist gefährlich.
So wie der Zwang zum Kommunismus viele Menschen zerstört hat, so zerstört nun auch der Zwang zur Corona-Bekämpfung viele Existenzen und Menschen. Dabei sind die Gründe vollkommen nachvollziehbar. Der Mensch ist halt das Problem.
Der Mensch ist ein Lümmel. Je stärker er zu etwas gezwungen wird, mag es auch noch so richtig und wichtig sein, umso mehr steigt in ihm der Wille zum Widerstand auf, vor allem wenn die Maßnahmen urmenschliche Verhaltensweisen unterdrücken.
Ich liebe die Freiheit. Sie ermöglicht es mir, ein privatisierter Kommunist zu sein, der versucht, ein gerechter Mensch zu sein. Ich freue mich, wenn es mir gelingt und ich ärgere mich, wenn es mir misslingt. Wenn mir im Misslingen aber unverhältnismäßige Strafen auferlegt werden, wenn ich zum Problem erklärt werde, regt sich in mir Widerstand.
Natürlich braucht es Regeln, um eine soziale Gemeinschaft aufrechtzuerhalten, aber wenn die Regeln unmenschlich werden, wenn der Mensch das Problem wird, bricht entweder alles zusammen oder die Unterdrückung des Menschen nimmt zu.
Es gibt Menschen, die in der Krise ihre Existenz verloren haben, deren Beziehungen im Ausnahmezustand zu Grunde gegangen sind und deren Kinder Depressionen bekommen. Die Krise hinterlässt verzweifelte Personen, die nicht im Home Office Kuchen essen können, weil es schon am Brot mangelt. Es gibt Menschen, für die war das Fußballstadion, das Theater, die Kneipe oder der Club lebensnotwendige Ablenkung und eine soziale Form des Stressabbaus und der Aggressionsbewältigung. All das hat nun zu.
Menschen brauchen Spiele. Wenn man ihnen diese Spiele nimmt, dann machen sie sich Spiele und zwar auf der Straße.
Wenn um ihren Alltag beraubte Menschen das Haus verlassen, weil ihnen die Decke auf den Kopf fällt, wenn sie die Corona-Regeln brechen, weil sie am Ende sind, dann brauchen sie keine Strafen. Sie brauchen auch keine moralischen Zurechtweisungen von Leuten, die sich in der Krise Wein leisten können, während ihnen selbst das Wasser zum Hals steht.
Den Lockdown muss man sich leisten können. Viele können es nicht.
Die momentane Politik der Corona-Bekämpfung ist zutiefst unmenschlich. Mit jedem Aufruhr unzufriedener Lümmel wird diese Unmenschlichkeit deutlicher. Jeder Protest macht das soziale Gefälle deutlicher. Manch ein Stufenplan zur Bekämpfung des Coronavirus ist so wahnsinnig wie ein kommunistischer Fünf-Jahres-Plan.
Verantwortung lässt sich nicht verordnen. Wir müssen auch in der Krise endlich wieder mehr Freiheit wagen.
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Der Kleine Kölner Klub (KKK) war der erste jüdische Karnevalsverein in der Geschichte Kölns. Er wurde im Jahr 1922 zunächst als Kegelverein gegründet, aber schnell wurde daraus ein der Tradition verpflichteter Kölner Karnevalsverein. Ab 1926 führte der KKK in jeder Session eine Veranstaltung durch, auf der nicht nur die wichtigsten Karnevalisten auftraten, sondern auch das Trifolium.
Das Wort „Trifolium“ war bis ins Jahr 1938 die offizielle Bezeichnung für die Regenten über das närrische Volk in Köln. Das Trifolium besteht aus Prinz, Bauer und Jungfrau. Unter den Nazis wurde beschlossen, statt des lateinischen Worts für „Kleeblatt“ das deutsche Wort „Dreigestirn“ einzuführen.
Männliche Funkemariechen
Mit den Nazis änderte sich einiges im Kölner Karneval. Zum Beispiel wurden bis zu den Nazis die Jungfrau im Trifolium und das Funkemariechen von Männern dargestellt. Erst unter den Nazis wurden die Rollen von Frauen übernommen, wohl um Anzüglichkeiten homosexueller Anspielungen auszuschließen. Nach den Nazis wurde die Rolle der Jungfrau zwar wieder von Männern übernommen, das Funkemariechen aber blieb weiblich.
Eine weitere brutale Veränderung der Nazis war der Ausschluss aller Juden aus dem Kölner Karneval und deren Verfolgung und Ermordung. Mit den Nazis endete die kurze Geschichte des KKK in Köln – vorerst.
Im November 2017 gründete sich ein neuer Verein unter der Abkürzung KKK als erster jüdischer Karnevalsverein in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg – allerdings bedeuten die drei Ks diesmal „Kölsche Kippa Köpp“.
Der erste Präsident des Vereins ist Aaron Knappstein. Er erklärt:
„Kölner Juden waren immer Teil des vielfältigen karnevalistischen Lebens, aber lange Zeit nicht sichtbar. Mit den Kölschen Kippa Köpp möchten wir dies ändern und gleichzeitig auch den Fastelovend wieder stärker in die jüdische Gemeinde tragen.“
Die „Kölschen Kippa Köpp“ haben eine eigene Karnevalsmütze. Entworfen von Dieter Beumling strahlt das Krätzchen in den Farben des Staates Israel, blau und weiß. Klappt man das Krätzchen auf, kommen ein Davidstern und eine Menora zum Vorschein. Darunter steht auf Hebräisch das Tefilat HaDerech, das jüdische Reisegebet, mit dem Wunsch, gesund und munter wiederzukehren.
Am Karnevalssonntag, 3. März 2019 stellten sich die „Kölsche Kippa Köpp“ bei einemkarnevalistischenFröhschoppe im Festsaal der Kölner Synagogengemeinde auf der Roonstraße offiziell den anderen Karnevalisten vor. Das Motto der Vorstellung lautete: „Falafel met Kölsch“. Viele Größen des Kölner Karnevals waren anwesend. Ein Foto, das während der Veranstaltung gemacht wurde und auf dem Menschen zu sehen sind, die Kippot und Karnevalskappen tragen und nebeneinander in der Synagoge sitzen, gewann den Wettbewerb des Düsseldorfer Landtags zum NRW-Pressefoto des Jahres 2019.
Am 5. Januar 2020 fand eine weitere Veranstaltung im Festsaal statt, bei der sogar die Blauen Funken in den Saal einzogen und dafür sorgten, dass die Anwesenden Schunkelposition einnahmen und zu bekannten kölschen Melodien sangen und schunkelten.
Am 4. Februar 2020 schließlich fand im Wohlfahrtszentrum der Gemeinde in der Ottostraße ein „Rheinischer Nachmittag“ statt, bei dem erstmals wieder nach dem Zweiten Weltkrieg das Dreigestirn persönlich den jüdischen Karnevalsverein besuchte. Aaron Knappstein begrüßte das Dreigestirn mit diesen Worten:
„Wir als KKK begrüßen zum ersten Mal das Kölner Dreigestirn. Zum letzten Mal war ein Dreigestirn bei einem jüdischen Kar- nevalsverein vor dem Krieg in der Wolkenburg.“
Damals, in der Wolkenburg, war Max Salomon Präsident und Gründer des ersten KKK. Er war Schriftsteller und Textilhändler und den meisten seiner Zeitgenossen unter seinem Spitznamen „de Pläät“ (der Glatzkopf) bekannt. Im Karneval erlangte er Berühmtheit als „Kölsche Marktfrau“. Im November 1939 musste er mit seiner Familie nach Los Angeles emigrieren. Den Kölner Karneval nahm er mit und trat in Amerika weiterhin als „Kölsche Marktfrau“ auf.
Willi Salomon war der Bruder von Max Salomon. Er trat für den KKK in die Bütt und war für die Dekoration der Sitzungen verantwortlich. Dies jedenfalls legt sein Beruf nahe, denn er war Kunsthandwerker. Für die Kölner Zionistische Vereinigung stellte er im Jahr 1934 im Rahmen der Ausstellung „Erez Israel. Das Land der Juden“ in Köln Modelle her. Ende 1935 emigrierte er mit seiner Frau und deren Tochter nach Palästina, wo er Bauer wurde.
Schon 1923 waren Juden nicht überall willkommen
Es war für Juden nicht leicht, einem Karnevalsverein beizutreten. Julius Freund zum Beispiel bat um Aufnahme bei der Ehrengarde der Stadt Köln. Am 21. Juli 1923 wurde deshalb in der Vorstandssitzung darüber diskutiert, ob Juden zumindest als inaktive Mitglieder aufgenommen werden können. Das Ergebnis war eindeutig:
„Zur Sprache gebracht und zur Beschlussfassung gestellt wurde die Frage der Aufnahme jüdischer inaktiver Mitglieder. Einstimmig wurde beschlossen, jüdische Elemente fernzuhalten und weder inaktiv noch aktiv aufzunehmen. Infolge dieses Beschlusses wurde die Aufnahme des Herrn Julius Freund abgelehnt.“
Im Jahr 1941 wurde er nach Lodz deportiert und starb dort am 10. April 1942 im Alter von 59 Jahren.
Louis Gross wiederum bat im Herbst des Jahres 1922 um Aufnahme bei den „Roten Funken“ und wurde am 8. November 1922 aufgenommen. Man konnte als Jude sogar Gründungsmitglied eines Karnevalvereins sein, wie der Pfeifengroßhändler Erich Israel, der die Altstädter Köln 1922 mitbegründete.
Juden schon im 19. Jahrhundert im Kölner Karneval aktiv
Aber nicht nur im 20. Jahrhundert finden sich Juden im Kölner Karneval, auch schon im 19. Jahrhundert. Zu den wohl schillerndsten Personen gehört Simon Oppenheim. Er wurde 1803 in Köln geboren und zahlte zusammen mit seinem Bruder erhebliche Summen für den Weiterbau des Kölner Doms. Er war halt ein echter Kölner.
Im Kölner Dom hängt heute ein Kirchenfenster der Familie Oppenheim, auf dem man neben diversen Figuren aus der Bibel auch vier Kölner Gebäude sehen kann, die die Familie Oppenheim finanziert hat, darunter die ehemalige Synagoge Kölns in der Glockengasse, die in der Pogromnacht zum 10. November 1938 niedergebrannt wurde, sowie den Kölner Dom, allerdings als Baustelle, also so, wie der Dom aussah, bevor die Oppenheimers den Weiterbau mitfinanzierten.
Simon Oppenheim trat im Karnevalsumzug des Jahres 1824 als Darsteller der Fürstin Venetia auf, denn das Motto der damaligen Session war „Besuch der Prinzessin Venetia beim Helden Carneval“. In der damaligen Zeit wurde „Prinz Karneval“ noch „Held Carneval“ genannt. Das änderte sich erst mit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871, wohl weil der Kaiser des neuen Deutschen Reichs nur noch einen Helden im Reich akzeptieren konnte, nämlich sich selbst.
Im Jahr 1824 jedoch spielte Held Carneval noch die zentrale Rolle, aber gleich danach kam die Prinzessin Venetia, dargestellt von dem gerade mal 20-jährigen Juden Simon Oppenheim, denn am Rosenmontag des Jahres 1824 fanden gleich zwei Karnevalszüge in Köln statt. Ein sogenannter „nördlicher Zug“ wurde von Held Carneval angeführt und ein „südlicher Zug“ von Prinzessin Venetia. Am Heumarkt trafen sich die beiden Züge. Die Hoheiten tauschten ihre Orden aus und becherten ordentlich Rheinwein. Der Zug ging in die Kölner Geschichte ein.
Ein weiterer wichtiger Jude im Kölner Karneval des 19. Jahrhunderts war der Maler und Lithograph David Levy Elkan. Er wurde 1808 in Köln geboren und schuf Illustrationen und Kultobjekte sowohl für die Kölner Synagogen-Gemeinde als auch für die katholische Kirche und den Zentral-Dombau-Verein. Schon mit 16 Jahren gestaltete er das Karnevalsblatt der Kölnischen Zeitung und erhielt mehrere Aufträge von verschiedenen Karnevalsgesellschaften. Sein bekanntestes Bild ist die Darstellung des Maskenzugs aus dem Jahr 1827.
Weitere Juden im Kölner Karneval des 19. Jahrhunderts waren Salomon Marx, Mitglied im Kleinen Rat der Großen Karnevalsgesellschaft und Jacob Goldstein, Mitglied bei den Roten Funken. In einem Vortrag, den er am 5. März 1876 in Grevenbroich hielt, kritisiert Goldstein deutlich den Judenhass seiner Zeit:
„Es tut mit von Herzen leid, dass man auch heute noch gezwungen ist, dagegen anzukämpfen.“
Auch Joseph Salomon war Mitglied bei den Roten Funken. Seine Tochter Julia heiratete den Karnevalisten Norbert Capell. Im Jahr 1905 wurde Capell Ehrensenator der Kölner Narren-Zunft von 1880. Später wurde er sogar zum Ehrenamtsmeister ernannt. Noch im hohen Alter von 80 Jahren trat er im Karneval auf.
Weimarer Republik
Wir sind wieder im 20. Jahrhundert. Ein großer jüdischer Karnevalist in der Weimarer Republik war Norbert Stein. Er war als „Kölns Liebling“ bekannt. In der Kölner Presse stand im Januar 1927:
„Starken Beifall fand Norbert Stein als Blitzdichter, der in schneller Gedankenarbeit die unmöglichsten Wortbilder zu treffenden Reimen formte. Seine spitzigen Anmerkungen zu einzelnen Zurufen des Publikums setzten bei manchen der Abgefertigten ein ‚dickes Fell‘ voraus.“
Im Jahr 1931 leitete Stein in der mit knapp 7.000 Zuschauern gefüllten Kölner Messehalle eine große Wohltätigkeitssitzung unter dem Titel „Hab Sonne im Herzen“ für hilfsbedürftige Menschen. Die Rheinische Zeitung überschlug sich geradezu:
„Norbert Stein, der geistige Urheber der Veranstaltung, hatte die Riesensitzung voll in der Hand, vielleicht war es die größte Leistung, die je einem Karnevalspräsidenten zugemutet wurde. Mit Schneid und Humor, nicht zuletzt mit klugem Takt, entledigte er sich seiner großen Aufgabe.“
In der Schoa verliert sich die Spur von Norbert Stein.
Alfred Heinen wurde als Alfred Levy geboren. Er war Sänger und trat unter anderem im Hansa-Theater in Hamburg und im Wintergarten in Berlin auf. Sein Zuhause war jedoch eine Bar in der Zeppelinstraße zu Köln, wo er als Sänger und Parodist auftrat. Im Juli 1933 floh er mit seiner Familie nach Holland. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht wurde er zusammen mit seiner Frau Selma am 9. Januar 1943 vom Durchgangslager Westerbork aus in das Lager Sobibor verschleppt und dort ermordet. Tochter Margot wurde am 30. November 1943 in Auschwitz ermordet.
Eine wichtige Frau des Kölner Karnevals ist die Schauspielerin und Puppenspielerin Fanny Meyer. Sie war Mitglied im Ensemble des Kölner Hänneschen-Theaters, wo sie jahrelang die Rolle der Bestemo spielte. Im Jahr 1933 wurde das Hänneschen-Theater aufgefordert, alle jüdischen Angestellten zu melden. Da Meyers Vater Jude war, ihre Mutter jedoch katholisch, erhielt sie zwar zunächst die Erlaubnis, am Puppenspiel weiterzuarbeiten, aber im Jahr 1935 wurde ihr dennoch gekündigt. Im Jahr 1936 schloss sie sich dem neu gegründeten Kölner jüdischen Marionetten-Theater an. 1938 heiratete sie einen Dekorateuren und änderte daher ihren Namen in Fanny Heineberg.
Im Jahr 1942 wurde sie zusammen mit ihrem Mann deportiert. Ihre letzte Postkarte an ihren Vater schrieb sie von Auschwitz am 3. März 1943. Danach verliert sich ihre Spur. Im Jahr 2017 ehrte das Hänneschen-Theater Fanny Meyer mit einer nach ihr benannten Puppe.
Hans David Tobar
Der wohl bekannteste jüdische Karnevalist ist jedoch Hans David Tobar. Er wurde im Jahr 1888 in Köln als Hans David Rosenbaum geboren und trat im Karneval als Kabarettist, Krätzchensänger und Rezitator bei allen Traditionsgesellschaften auf und schrieb viele Programme für den KKK.
Bereits als 17-jähriger trat er bei einer Sitzung der Großen Karnevals-Gesellschaft auf. Er war Mitglied bei den Roten Funken und wurde 1922 zum Ehrensenator ernannt. Ein Jahr später allerdings wurde er zusammen mit über 70 weiteren Mitgliedern aus dem Verein entlassen, weil er aufgrund der Hyperinflation die Mitgliedsbeiträge nicht mehr aufbringen konnte.
Tobar machte den Kölner Karneval weit über die Grenzen Kölns bekannt. Auf der Nordseeinsel Norderney trat er in diversen Hotels und Theatern auf und gründete dort die Karnevalsgesellschaft Zoppejröns. Norderney war damals eine der wenigen deutschen Insel, auf der Juden leben konnten, denn zahlreiche andere Inseln pflegten stolz einen „Bäder-Antisemitismus“ und warben teilweise damit „judenrein“ zu sein. Zahlreiche bekannte Kölner Karnevalisten und Volkssänger gastierten bei Tobars Aufführungen auf Norderney. Darunter war auch Kölns bekanntester Karnevalskomponist Willi Ostermann.
Im Jahr 1940 trat Tobar sogar in den USA auf, allerdings aus der Not geboren. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten durfte er in Deutschland nicht mehr im offiziellen Karneval auftreten. Sein Name wurde in der Session 1932/33 aus dem Programmheft „Alle Poppe Danze“ gestrichen. Für die Kölner Synagogen-Gemeinde moderierte er in den kommenden Jahren zwar noch mehrere Tanzabende und schrieb Programme wie „Krach im Morgenland“ für den Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr, aber am 9. Dezember 1939 emigrierte er nach Amerika. Dort trat er weiterhin mit karnevalistischen Programmen auf und starb am 4. April 1956 in New York.
Seit 2014 vergibt die Kölner Karnevalsgesellschaft StattGarde Colonia Ahoj in unregelmäßigen Abständen den Hans-David-Tobar-Preis. Mit dem Preis werden Menschen ausgezeichnet, „die sich selbstlos für andere Menschen einsetzen oder bei gesellschaftskritischen Themen mutig aufstehen und für Veränderung kämpfen“.
Jüdinnen im Karneval
Julius Rutkowsky spielte in Revuen von Hans Tobar und war zeitweise am Kölner Schauspielhaus engagiert. Er wurde im Jahr 1942 im Konzentrationslager Majdanek ermordet. Seiner Schwester Rosel Rutkowsky gelang die Flucht in die USA. Auch sie trat in Revuen von Hans Tobar auf. Im Januar 1933 trat sie mit der Nummer „Vortrags echt kölscher Lieder“ auf und wurde daraufhin mit der kürzlich zuvor verstorbenen Karnevalistin Gertie Ransohoff verglichen.
Gertie Ransohoff war Katholikin, allerdings mit dem jüdischen Textilhändler Paul Ransohoff verheiratet. Sie war eine „Sensation“ im Kölner Karneval. So jedenfalls beschreibt die Rheinische Zeitung ihren Auftritt beim Damenkränzchen der Großen Karnevalsgesellschaft am 29. Januar 1929 im Gürzenich und betont, sie habe einen „Beifallsorkan“ ausgelöst.
Ransohoff arbeitete eng mit Hans Tobar zusammen und trug einige von ihm geschriebene Reden vor. Sie trat oft in der traditionsreichen Wolkenburg für den KKK auf. Am 11. Mai 1932 nahm sich ihr Mann das Leben, vermutlich aufgrund ansteigender antisemitischer Hetze. Wenige Tage später nahm auch sie sich am 16. Mai 1932 das Leben. Im Jahr 1933 schreibt die Rheinische Zeitung: „…die leider so früh dahingegangene Frau Ransohoff, die der Fasteleer noch schwer vermissen wird.“
Es gibt viele große Persönlichkeiten, die der Fasteleer schwer vermisst. Sie wurden brutal aus dem Leben gerissen. Viel zu viele Karnevalisten schauten tatenlos zu oder beteiligten sich an der Verfolgung.
In dem Karnevalslied „Hurra mer wäde jetzt die Jüdde loß“ von Jean Müller aus dem Jahr 1936 heißt es: „Hurra mer wäde jetz de Jüdde loss. Die ganze koschere Band, trick nohm gelobte Land. Mir laache uns für Freud noch halv kapott, der Izig und die Sahra die träcke fott! Wenn die ganze koschere Jüdde us Deutschland sinn erus, zwei mir dann he behalde, die stelle mir dann uus. Eine enn de Schreckenskammer, eine ett Museum kritt geschenk, datt mir an die Judenplage, mett Schrecke später denk.“
Die Nazis wollten die Juden vertreiben, aber mit den Kölschen Kippa Köpp sind Juden endlich wieder jeck und stolz im Kölner Karneval zurück. Am 3. März 2019 stellten sich die Kölsche Kippa Köpp offiziell der Öffentlichkeit in der Kölner Synagoge vor. Unter den Gästen waren Vertreter vieler traditionsreicher Vereine von den Roten Funken bis hin zu den Treuen Husaren. Das Motto der Session war: „Uns Sproch es Heimat.“
Zu dieser Heimat gehören auch Juden. Sie feiern, lachen und tanzen in Köln schon länger, als es den Kölner Karneval überhaupt gibt. Das erste Mal wird eine jüdische Gemeinde in Köln urkundlich im Jahr 321 in einem Dekret von Kaiser Konstantin erwähnt. Die jüdische Gemeinde in Köln befand sich lange im Zentrum der Stadt – eben dort, wo man als älteste Gemeinde einer Stadt lebt. Als das Kölner Rathaus errichtet wurde, wurde es direkt am Judenviertel gebaut.
Vertreibung aller Juden 1424
Im Jahr 1424 allerdings wurden alle Juden aus Köln vertrieben. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Napoleon und dem Code Civil, in dem das aufklärerische Ideal der Religionsfreiheit festgehalten wurde, kehrten Juden nach Köln zurück.
Immer wieder wurden Juden in Köln verfolgt und ihr Wirken für die Stadt marginalisiert. Dennoch finden sich einige Statuen von Juden am Kölner Rathausturm, darunter der Kölner Komponist Jacques Offenbach, aus dessen Werk jeden Tag um 18 Uhr eine Melodie vom Glockenspiel des Kölner Bürgerturms erklingt, der Politiker Moses Hess, der Bankier Abraham Oppenheim, die zum katholischen Glauben konvertierte Philosophin Edith Stein und der Kölner Rechtsanwalt Max Isidor Bodenheimer.
Bodenheimer war ein Vorreiter der zionistischen Bewegung. Ende des 19. Jahrhundert gründete er in Köln eine Organisation zur Errichtung des Staates Israel. Mitglied des Vereins war unter anderem der in Köln lebenden Kaufmann David Wolffsohn, der im Jahr 1897 die Flagge Israels entwarf. An dem Ort, wo die zionistische Organisation gegründet wurde, befindet sich heute ein großer Schild Davids im Bürgersteig.
Der Schild Davids, der auch Davidsstern genannt wird, ist im Kölner Stadtbild an vielen Orten präsent. Die beiden prominentesten Sterne befinden sich einmal auf der Spitze der Kölner Synagoge an der Roonstraße und einmal an der Gaststätte Em Golde Kappes („Im goldenen Kohl“). Dort hängt der Davidstern gut sichtbar zusammen mit einem Kohlkopf über dem Haupteingang.
Der Grund dafür ist ganz einfach. Der Davidsstern ist auch als Brauerstern bekannt und ist das Zunftzeichen der Brauer und Mälzer, sowie ein Symbol für die Ausgabestelle des Haustrunks einer Brauerei. Wenn man in Deutschland somit ein schönes Gebäude mit einem Davidstern sieht, ist es entweder eine Synagoge oder eine Brauhaus. Man muss schon hineingehen, um herauszufinden, was es ist. Sind die Leute im Inneren betrunken, ist es vermutlich eine Brauhaus oder eine Synagoge an Purim. Darauf ein dreifach Kölle Alaaf!
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„Unfortunately the 1700-year history of Judaism in Germany isn’t complete without also referring to the persecution, genocide and hatred of Jews.“
That’s how the Foreign Minister of the Federal Republic of Germany, Heiko Mass, began his op-ed article for the German newspaper, die Welt, and then he continued to emphasize the history of persecution, genocide and Jew-hatred.
Heiko Maas initially points out the earliest written evidence of Jewish life in Cologne from the year 321. He then briefly mentions the names of Moses Mendelssohn, Hannah Arendt, Albert Einstein, Gustav Mahler, Else Lasker-Schüler, Heinrich Heine and Franz Kafka. The remaining eighty percent of his article deals exclusively with the persecution of the Jews.
In his article, Heiko Maas lists certain „universal values“ that need to be defended. First: fight against international anti-Semitism. Second: fight against prejudice in schools. Third: commemoration of the Holocaust. Fourth: fight against Jew-hatred and incitement on the Internet. He concludes with sentences about perpetrators, victims and scapegoats. He can’t even resist a side swipe at Donald Trump.
Heiko Maas wrote his article to celebrate 1700 years of Jewish life on the Rhine. When Jews celebrate, they toast each other with the word, „L’chaim“. It means „Here’s to life“. But, Heiko Maas rather emphasizes death and destruction.
The year 321, when Jewish life in Cologne was first mentioned in writing, is first and foremost a celebration of Jewish life in Germany, not a commemoration of Jewish death in Germany.
Heiko Maas may have meant well, but he put a huge damper on what is supposed to be a joyous event. He comes across like a fellow who comes to a party knowing that some of the guests had experienced trauma, only to say: „I think it’s really terrible what you all had to go through. I’m very concerned. Terrible, terrible, terrible… cheers!“
In Germany, Judaism takes place mainly at memorial events and places. Jews are mere ghosts from the past. In school curriculum, Judaism is dealt with more often in history classes than in philosophy, ethics, religion or social studies classes.
In New York, when people say, „Today we’re going to a Jewish play,“ everyone rejoices. In America, Jewish theater stands for witty dialogue and deep humor, Woody Allen and Neil Simon. But in Germany, if you say, „Today we’re going to a Jewish play,“ you get depressed looks. In Germany, Jewish theater stands for Auschwitz, the Holocaust and Anne Frank. For many Germans, Jews are reduced to victims of an earlier time, not as a vibrant community. This is precisely the problem Heiko Maas embodies, who by his own declaration entered politics „because of Auschwitz.“
In many German cities there are now more “stumbling stones” than living Jews. On the way to work or when shopping, one meets dead Jews everywhere in Germany. Most Germans encounter more dead Jews than living ones in everyday life. Many German schoolchildren who’ve visited concentration camp sites have never spoken with a living Jew.
Of course it’s important not to forget the horrific crimes, however it’s not beneficial to reduce people to the moment of their murder. As long as there are more monuments in Germany for murdered Jews than for those who’ve achieved something from their own creative power, living Jews will have a hard time in this country.
What would you think about neighbors who only show up for family funerals, but never for birthdays? What would you think about people who celebrate every family reunion as a tragedy?
There are people who can’t forget because the pain never quite goes away. Since it’s not their pain, they may be merely virtue signaling. And then there are others who actively remember because they don’t want to forget, because they want to learn something.
Those who say we mustn’t forget should also be thinking about the victims’ descendants and relatives. Those are the ones who can’t forget because the unforgettable and unforgivable is part of their lives. Commemorating should be with purpose while exercising humility towards those who cannot forget.
Jews can’t forget the Holocaust, a brutal part of their own history. Dealing with it is hard enough. But, why must Judaism always be compulsively invoked for the single purpose of fighting racism and xenophobia?
Jews shouldn’t be the forced laborers of the self-pitying German culture of remembrance!
Instead of contacting Jewish organizations only to join in against racism and xenophobia, instead of using a celebration of Jewish life as a platform for the political battle against hatred, how about contacting them in order to celebrate living Judaism and Jewish accomplishments?
Jews don’t need political drama and virtue signaling. Jews and their neighbors can simply celebrate life together in Germany so that Jewish life can flourish again.
„Am Israel Chai“
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„Doch die 1700-jährige Geschichte des Judentums in Deutschland lässt sich leider nicht erzählen, ohne auch über Verfolgung, Völkermord und Judenhass zu sprechen.“
Dies schreibt der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Heiko Mass, in seinem Gastbeitrag für die WELTund spricht dann leider fast ausnahmslos über Verfolgung, Völkermord und Judenhass.
Heiko Maas beginnt seinen Artikel mit dem Hinweis auf das früheste schriftliche Zeugnis für jüdisches Leben in Köln aus dem Jahr 321. Dann erwähnt er kurz die Namen Moses Mendelssohn, Hannah Arendt, Albert Einstein, Gustav Mahler, Else Lasker-Schülers, Heinrich Heine und Franz Kafka. Danach widmet er sich die restlichen achtzig Prozent des Artikels ausschließlich dem Judenhass.
Heiko Maas erklärt in seinem Beitrag die „universellen Werte zu verteidigen“ und spricht in diesem Zusammenhang vier Punkte an: Erstens: Kampf gegen internationalen Antisemitismus. Zweitens: Kampf gegen Vorurteile an Schulen. Drittens: Gedenken des Holocausts. Kampf gegen Judenhass und Hetze im Internet. Danach setzt er einen Seitenhieb gegen Donald Trump ab und spricht zum Schluss noch von Tätern, Opfern und Sündenböcken.
Die Erinnerung an das Jahr 321, als erstmals jüdisches Leben in Köln schriftlich erwähnt wird, ist in erster Linie eine Feierlichkeit für jüdisches Leben in Deutschland und keine Gedenkveranstaltung für jüdisches Sterben in Deutschland.
Heiko Maas hat es bestimmt gut gemeint, aber mit seinem Beitrag hat er einer Veranstaltung, die eigentlich als freudiges Ereignis gedacht ist, einen gewaltigen Dämpfer verpasst. Er wirkt wie ein Mann, der zu einer Party kommt, von der sie weiß, dass dort einige Gäste ein Trauma haben, nur um dann zu sagen: „Ich finde es wirklich schrecklich, was ihr alles erleben musstet. Das macht mich ganz betroffen. Schrecklich. Schrecklich. Schrecklich. Prösterchen!“
In Deutschland findet Judentum fast nur noch in Gedenkstunden statt. Juden sind Gespenster von damals und werden als Opfer der Vergangenen bewältigt. In Schulen taucht das Judentum deutlich öfter im Geschichtsunterricht auf, als im Philosophie-, Ethik-, Religions- oder Gesellschaftskundeunterricht.
Wenn man in New York sagt: „Heute gehen wir in ein jüdischen Stück“, dann freuen sich alle. Jüdisches Theater, das steht in Amerika für spritzige Dialoge, humorvoller Tiefgang, für Woody Allen und Neil Simon. Wenn man aber in Deutschland sagt: „Heute gehen wir in ein jüdisches Theaterstück“, dann kommen deprimierte Gesichter. In Deutschland steht jüdisches Theater für Auschwitz, Holocaust und Anne Frank. Juden sind für viele Deutsche nur die Opfer von damals, nicht die Lebenden von heute. Genau dieses Problem bedient Heiko Maas, der aus eigener Erklärung „wegen Auschwitz“ in die Politik gegangen ist.
In vielen deutschen Städten gibt es mittlerweile mehr Stolpersteine als lebendige Juden. Auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zur Party und nach Hause, überall trifft man in Deutschland auf tote Juden. Eine deutliche Mehrheit aller Deutschen trifft heute im Alltag deutlich öfter auf tote Juden als auf lebendige. Die Mehrheit der deutschen Schüler war in KZ-Gedenkstätten, aber sagen: „Ich habe noch nicht einen Juden kennengelernt.“
Natürlich ist es wichtig, die Verbrechen nicht zu vergessen, aber es ist nicht gut, Menschen auf den Moment ihrer Ermordung zu reduzieren. In Deutschland haben mehr Juden Denkmäler dafür bekommen, ermordet worden zu sein, als dafür, etwas geschaffen zu haben. Solange in Deutschland mehr Denkmäler für ermordete Juden stehen als für Juden, die aus ihrer eigenen Schöpfungskraft etwas erreicht haben, werden es lebendige Juden in diesem Land schwer haben.
Was würden Sie über Nachbarn denken, die nur zu Beerdigungen innerhalb Ihrer Familie auftauchen, aber nie zu Geburtstagen? Was denken Sie über Menschen, die aus jeder Party ihrer Familie ein Trauerspiel machen wollen?
Es gibt zwei verschiedene Arten der Erinnerung: Es gibt Menschen, die erinnern sich, weil sie nicht vergessen können, weil der Schmerz nie ganz verschwindet und dann gibt es Menschen, die erinnern sich, weil sie nicht vergessen wollen, sie wollen etwas aus dem Schmerz lernen. Es ist jedoch nicht ihr Schmerz. Sie instrumentalisieren die Erinnerung an den Schmerz lediglich für ihre (guten) Zwecke. Heiko Maas instrumentalisiert in seinem Beitrag die Erinnerung an den Schmerz sogar, um noch mal schnell Donald Trump zu kritisieren.
Jene, die sagen, wir dürfen nicht vergessen, müssen auch an die Nachfahren und Verwandten der Opfer denken, also an jene, die nicht vergessen können, weil das Unvergessliche und Unverzeihliche Teil ihres Lebens ist. Sobald wir gedenken, weil wir gedenken wollen und nicht, weil wir nicht vergessen können, ist es unsere Pflicht, aufgrund des puren Vorhandenseins unseres Interesses, gedenken zu wollen, Bescheidenheit zu üben gegenüber jenen, die nicht vergessen können.
Juden können den Holocaust nicht vergessen. Er ist brutaler Teil der eigenen Familiengeschichte. Damit umzugehen, ist schon schwer genug. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind unerträglich. Warum aber muss dafür immer wieder zwanghaft das Judentum bemüht werden?
Juden sind keine Zwangsarbeiter deutscher Erinnerungskultur!
Statt jüdische Organisationen nur zu kontaktieren, um gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ein Zeichen zu setzen, statt eine Feierlichkeit zu jüdischem Leben als Platform zum politischen Kampf gegen Hass und Hetze zu nutzen und dabei jüdisches Sterben in den Vordergrund zu rücken, wie wäre es damit, jüdische Organisationen die kommenden Jahre vermehrt zu kontaktieren, um das lebendige Judentum zu feiern?
Juden brauchen keine Dramaturgen aus der Politik, die erklären, wie Nächstenliebe funktioniert. Juden und ihre Nachbarn können in Deutschland auch einfach mal nur das Leben feiern. So kann jüdisches Leben wieder gedeihen. Die Erinnerung kommt dann von ganz alleine.
„Das jüdische Volk lebt!“
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Auf dem Plakat informiert die Stadt Köln darüber, dass Ausweiskontrollen zu den Befugnissen des Ordnungsamts gehören. In einer Stellungnahme erklärt die Stadt Köln:
„Die Frauen und Männer, die sich in Köln um die Gefahrenabwehr, Ordnung, Notlagen und den Infektionsschutz kümmern, sehen sich zunehmend mit Beleidigungen, Bedrohungen, körperlichen Angriffen und Widerständen konfrontiert.
Häufig beginnen Widerstände damit, dass Betroffene ihnen in ordnungsrechtlichen Maßnahmen die Befugnisse absprechen. Egal, ob weggeschnippter Zigarettenstummel, liegengelassener Hundehaufen, Ruhestörung oder aggressives Betteln: Stellt der Ordnungsdienst eine Ordnungswidrigkeit fest, müssen die Personalien der Betroffenen aufgenommen werden. Die Mitarbeitenden fragen dann nach dem Ausweis – und darauf folgt die häufige Reaktion: „Das dürfen Sie nicht“, „Das darf nur die Polizei“, „Nein, Ihr seid nur das Ordnungsamt“. Daraus entstehen immer dieselben Diskussionen über Befugnisse, ob der Ordnungsdienst zum Beispiel die Personalien feststellen, Musikanlagen sicherstellen und Platzverweise aussprechen darf.
„JA! Die dürfen das!“
Mit diesem Aufhänger möchte der Ordnungsdienst der Stadt Köln mit diesem Missverständnis aufräumen und aufklären, damit den Einsatzkräften mit mehr Respekt begegnet wird. Der kommunale Ordnungsdienst hat laut Gesetzgeber (Polizeigesetz NRW in Verbindung mit dem Ordnungsbehördengesetz NRW) nahezu identische Befugnisse wie die Polizei. Vielen Menschen ist dies nicht bewusst, einige wenige wissen es – und sind dennoch nicht kooperativ bei Kontrollen.“
Es gibt verschiedene Arten, wie man mit einem Vertrauensverlust innerhalb der Gesellschaft umgehen kann. Die Stadt Köln könnte sich fragen, warum immer mehr Menschen die Bereitschaft verloren haben, mit den Ordnungskräften zu kooperieren und warum sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger vom Ordnungsdienst entfremdet, belästigt und genötigt fühlen. Oder aber die Stadt Köln gibt Geld dafür, in die Kälte hinein zu erklären, dass es das gute Recht des Ordnungsamts ist, eine Ausweiskontrolle zum Verhängen eines Ordnungsgeldes durchzuführen.
Die Stadt Köln hat sich für die kältere Version entschieden.
Wir befinden uns in schweren Zeiten. Der Infektionsschutz bringt gerade viele Menschen in Not und zerstört ihre Existenzen. Die Nerven liegen blank. Es gibt Menschen, die erkranken an Corona. Manche sterben. Es gibt Menschen, die vereinsamen. Manche kommen vor Angst und Sorge um.
Manche Menschen sind so verzweifelt, dass sie ihre Wohnungen verlassen, Freunde treffen und die Regeln brechen. Sie halten es einfach nicht mehr zu Hause aus, weil ihnen die Decke auf den Kopf fällt oder weil sie einem familiären Streit aus dem Weg gehen müssen. Diesen Menschen sollte man mit Verständnis begegnen und nicht mit einem Bußgeld und der kalten Ansagen: „Ja, die dürfen das!“
Wer meint, jetzt wäre die passende Zeit, einen Bußgeldkatalog zu erstellen, um Menschen zu bestrafen, die sich in diesen schweren Zeiten in eigenen schwachen Momenten nicht an den politischen Plan halten können oder wollen, zeigt damit den eigenen Mangel an Empathie und die Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen.
Jetzt sollte nicht bestraft werden, sondern geholfen. Seit mehreren Monaten befinden wir uns im Ausnahmezustand und es gibt sehr viele Bürgerinnen und Bürger die nicht so privilegiert sind, dass sie den Lockdown einfach wegsitzen können. Diese Menschen brauchen keine harte Hand des Staates, der sie mit Bußgeldern peinigt. Corona hat den Bürgerinnen und Bürgern schon genug Geld genommen.
Wir leben in einer Zeit der Angst und Distanzierung. Die Einsamkeit greift um sich. Existenzen werden zerstört. Das Leben und die Gesundheit sind in Gefahr. Menschen weichen sich aus, weil sie fürchten, sich gegenseitig anzustecken. Es wird weniger getanzt und umarmt. Es braucht daher nicht noch mehr Kälte durch ein Ordnungsamt, sondern mehr Verständnis und weniger Verurteilung.
Die Stadt Köln sollte daher weniger erklären, was sie darf, sondern viel mehr, was sie tun sollte.
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This is how the devil introduces himself in Mark 5:9. Evil consists of a multitude. Evil is when a group adheres to a collective ideology, where individuals merge into a mob and dissolve into a legion of many.
It’s nearly impossible to discuss with a person obsessed with an ideology, may the ideology be good or evil. Mob dynamics are always dangerous, especially when the mob is cemented together with a self-defined moral superiority. It is irrelevant what the target of holy wrath is, for nothing justifies a reign of terror, neither virtue nor good intentions.
When people who otherwise have little in common unite in the common disparagement of others, when identity forms around hatred of others, then danger lurks. It’s irrelevant who or what the other is, whether good or evil.
Mere opposition is not an ideal concept to move the masses. Therefore, for my part, I’m not against something, rather I’m for something. I’m not against a religion, rather I’m for equal rights for all followers, and especially for the right to fuck with all religions equally. I don’t have to be openly against anything, because as soon as I take a clear position for something, what I love, live and fight for, there’ll already be those who oppose me. For their part, they’ll erect walls in order to exclude me. Why should I help them?
Why should I waste my energy and help those who oppose me construct barriers they’re working on already?
I won’t clear the field. I stay firm where I am. I relate more what I like and not so much what I hate. I move freely. Whoever wants to walk a few steps with me is welcome.
I don’t have to be in opposition. When I voice what I’m for, I’ll automatically be excluded by those who oppose me. The nastiest things are often said about me as soon as I say who I am. Those who don’t despise Legion become victims of hatred themselves. The word for this is witch hunt.
A witch hunt is always bad, whether the hunted is a witch or not!
A mob defines itself more by exclusion than by beliefs. If the common denominator is exclusion, a momentum will develop, by which others with divergent opinions are defined as „deviants” and „traitors”. In such a group there’s no debating but instead dictating, and any diversion – be it a millimeter – is sanctioned with thunderous applause.
„Whoever is not for us is against us,“ is Legion’s slogan; all else is suppressed and sanctioned.
„Beware the beginnings!“ roar the goon squads, and yet they mean only the beginnings of a future they construct out of their own fear behind walls. Their fear is contagious and creates hostages of fear. Fear is the root of totalitarianism. It is preemptively violent.
The mob has no tolerance. The mob defines words as a type of violence, but only to justify actual physical violence against those who deviate or oppose. The mob reacts with a warped kind of violent self-defence against dissenters and critics.
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Am 3. Januar 1642 entschied der Rat der Stadt Köln, dass man sich bis zum 21. Januar, also dem Tag der Heiligen Agnes, ein glückseliges neues Jahr wünschen darf.
Dies wurde in Köln mitten im Dreißigjährigen Krieg entschieden. Schön zu wissen, dass der Rat der Stadt Köln auch in dieser grausamen Zeit noch die Gelegenheit fand, sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern. Köln war schon immer bekannt dafür, in stürmischen Zeiten die richtigen Prioritäten zu setzen.
Die Heilige Agnes stammte aus einer römischen Adelsfamilie. Als sie mit zwölf Jahren mit dem Sohn des Präfekten von Rom zwangsverheiratet werden sollte, wehrte sie sich. Daraufhin ließ man sie vor Gericht stellen. Auch die Drohungen des Richters vermochten nicht, sie zur Einwilligung zu zwingen. Da das römische Recht die Hinrichtung von Jungfrauen verbot, befahl man, Agnes vollständig zu entkleiden und anschließend zu vergewaltigen.
Die Legenda aurea berichtet, dass daraufhin auf wundersame Weise Agnes‘ Haupthaar ihren gesamten Körper bedeckte, und der ganze Platz in weißem Licht erstrahlt sei. Bei dem Versuch, sie zu vergewaltigen, wurde der Sohn des Präfekten von einem Dämon heimgesucht und starb.
Agnes habe ihn aber durch ihr Gebet ins Leben zurückgerufen, worauf sie als Zauberin oder Hexe bezeichnet wurde. Als man Agnes daraufhin auf dem Scheiterhaufen verbrennen wollte, sei selbst das Feuer vor ihr zurückgewichen. Schließlich enthauptete sie ein römischer Soldat mit dem Schwert in der Art, wie man Lämmer tötet. Daher wird sie oft in Verbindung mit einem Lamm dargestellt. Das Wort Agnes kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Lamm.
Am Gedenktag der heiligen Agnes segnet der Papst die Agneslämmer. Mit der Wolle dieser Lämmer werden besondere liturgisches Gewandstücke hergestellt, die am Hochfest Peter und Paul den im vergangenen Jahr ernannten Erzbischöfen überreicht werden.
In diesem Sinne: Ein frohes neues Jahr zum letzten Mal in diesem Jahr.
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Heute ist der erste Tag in der Geschichte, da es Geschichte ist, dass es niemals eine Vizepräsidentin in den USA gab. Das ist wunderbar!
Der 15. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika wurde nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg angefügt. Er wurde am 3. Februar 1870 zur Ratifizierung vorgelegt und verbietet seitdem, einer Person aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihrer Hautfarbe oder ihres früheren Standes als Sklave, das Wahlrecht zu verweigern.
Der 19. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika wurde vom Kongress am 4. Juni 1919 vorgeschlagen und am 18. August 1920 zur Verfassung aufgenommen. Der Zusatz untersagt der Bundesregierung und den Staaten seitdem, einer Person aufgrund ihres Geschlechts den Zugang zu einer Wahl zu verbieten.
Fünfzig Jahre liegen zwischen dem ersten schwarzen Mann, der in Amerika wählen durfte und der ersten Frau. Frauen wurden in den USA deutlich länger ihrer Rechte beraubt als schwarze Männer und zwar unabhängig von ihrer Hautfarbe.
Der erste schwarze Präsident war revolutionär. Die erste Präsidentin wird nicht weniger revolutionär sein.
Neben der ersten PoC-Frau als Vizepräsidentin wurde am 20. Januar 2021 zum 46. Mal ein Kerl und zum 45. Mal ein weißer solcher Präsident. Mögen Kamala Harris und Joe Biden ihren Dienst gut vollführen. Ich wünsche ihnen eine gute Hand.
Als Feminist sage ich, das Geschlecht sollte keinen Unterschied machen in der Bewertung der Arbeit eines Menschen, als Realist weiß ich jedoch, dass das Geschlecht in vielen Bereichen der Welt immer noch einen Unterschied macht und als Mann wünsche ich mir, dass es noch zu meinen Lebzeiten einen Menschen im höchsten Amt der USA gibt, mit einem anderen Geschlecht als die letzten 46.
Veröffentlicht unterAmerika|Kommentare deaktiviert für Das erste und das sechsundvierzigste Mal
Ich freue mich, dass die Präsidentenära Trump morgen ein Ende findet. Und doch freut mich nicht, dass wir Donald Trump auf Twitter nicht weiter erleben dürfen. Ich würde sogar sagen, dass es mich traurig macht, mich ankotzt. Ganz und gar nicht aus voyeuristischen Gründen oder gar wegen seiner Inhalte, ich bin kein Fan. Gleichzeitig bin ich kein Fan davon, dass Twitter seinen Account dauerhaft gesperrt hat.
Wer ist Twitter eigentlich?
Auf Personalien geht die tagesschau.de nicht ein, wenn davon berichtet wird. Einfach Twitter. Der Kurznachrichtendienst, der Nutzenden ein Medium für ein hochdemokratisches Gut, der Äußerung und Verbreitung von Meinung, gibt. Meinung kann aus meiner, durchaus europäisierten, Sicht an ihre Grenzen kommen. Dann kann sie als wider der freiheitlich-demokratischen Grundordnung angesehen werden und ist für mich keine Meinung mehr, sondern in jeder denkbaren Perspektive unwahrer, zuweilen extremistischer Bullshit. Dass das dann keine Meinung mehr ist, ist meine Meinung. Ob das jemandes Meinung aber nichtig macht, weiß ich nicht. Wenn mir jemand eine Meinung jenseits dieses politischen Prinzips anbietet, kann ich sie nur nicht annehmen.
Wer stuft Meinungen offiziell geltend als nicht zulässig meinbar ein? Und noch wichtiger: Wer verfügt und verantwortet die Konsequenzen für ‚gefährliche‘ (Twitters Sperrgrund in der Sache Trump) Aussagen?
Twitter meint: Twitter. Und übernimmt damit mal eben Verfassung und Judikative. Das merkwürdige Signal, das von Trumps Sperre prominenter und zähnefletschender, ja protziger, nicht ausgehen könnte, unterstreicht:
Nutzer*innen haben keine demokratische Kontrolle über oder Einflussnahme auf den übergeordneten Raum, in dem sie sich aufhalten und agieren sowie das rahmende System dieser ihnen zur Verfügung gestellten Möglichkeit, sich der Welt auszudrücken. Eine denkbar folgeunrichtige und, wertend gesagt, ‚gefährliche‘ Umsetzung dieser App, wie ich finde. Da inszenieren zivile Administrator*innen ein Mikrorechtssystem. Jenes beißt sich nicht zwingend mit den Gesetzen, zumindest denen der USA, ist aber nicht im Stande, sie durchzusetzen. Twitters Nutzungsbedingungen verhalten sich auf Grundlage von Gesetzen, reproduzieren sie aber nicht und ersetzen sie auch nicht. Kurzum: Die Nutzungsbedingungen der App entsprechen nicht Gesetzestexten.
Insofern übersteigt diese schwammige Entität- Twitter, als gesellschaftliches Unternehmen Twitter Inc., völlig seine Befugnisse im Staat. Twitter begründet sein eigens eingeräumtes Vorrecht damit “öffentliche Unterhaltung zu fördern. Gewalt, Belästigung und andere ähnliche Verhaltensweisen halten Menschen davon ab, ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen, und schaden dadurch letztendlich der globalen öffentlichen Unterhaltung.”
Eine spannende Kausalität, die nicht immun gegen Gegenargumentation ist. Für Twitter ist der Zusammenhang jedoch gesetzt und wird Gesetz. Genau deshalb braucht es die stärkere Inklusion des Netzes in den staatlichen, juristischen Apparat, wenngleich das bedeutet, dass Twitter und Konsorten territorial variieren würden. Der Rechtsstaat ist auf solche Kanäle, die als infrastrukturelle Institution performen, anwendbar. Die Apps selbst sind den Gesetzen und damit der Grundordnung und so auch der Meinungsfreiheit unterstellt, in klarer Abgrenzung zu der Kompetenz rechtsstaatlicher Organe, und bis jene auf Twitter kundgetane Meinungen als beispielsweise Volksverhetzung deklassifizieren bzw. Verfasser*innen als unmündig. Das würden ja in Bezug auf Trumps Zurechnungsfähigkeit viele offen erwägen.
Mir ist klar: Ein daraus entstehender Clusterfuck verschiedener Twitter-Ausführungen oder gar unterschiedlicher Netzwerke weltweit wirkt zunächst konservativ: Er stellt Barrieren her, wo Grenzenlosigkeit erwünscht ist und im Kernziel erstrebt wird. Er ist aber eben im Nebeneffekt nicht spalterisch, sondern fördert Diversität, indem er einem U.S.-Imperialismus in Bezug auf die einordnende Bewertung und Sanktionierung der Inhalte, kurz: Rechtssprechung und ihre Durchsetzung, in virtuellen, sozialen Netzwerken vorbeugt. Wer jetzt keine Strafhandlung im Ausschluss aus der Community sieht, unterschätzt den Stellenwert, den der Dienst seit Jahren hat und die Rolle, die er soziopolitisch einnimmt.
Die Entwicklung weg vom Spielplatz hat sich Twitter spätestens eingehandelt, als es einem Präsidenten einräumte, die App als Sprachrohr für offizielle Mitteilungen zu nutzen, was Twitters Erfolg und Radius auch beachtlich steigerte. Wenn eine App solchen Raum bietet, hat sie auch die Aufgabe, Diskurse sich, höchstens moderiert, abbilden zu lassen. Es kann nicht darum gehen, Twitter insofern zu verstaatlichen, als es zur staatlichen Institution zu machen, aber um die Anerkennung des öffentlich-rechtlichen Stellenwertes. Hier entsteht die notwendige Debatte darüber, wer soziale Medien verantwortet und ob ihre jeweilige Administration das bei jeder Reichweite noch selbständig kann. Natürlich soll eine App einen Nutzungsrahmen festlegen und die Basis selbst wählen können, aber im Fall Twitter als deklarierte Meinungsäußerungsplattform der öffentlichen Kommunikation ist dieser Rahmen breit ausgefallen. Dazu sollte es jetzt stehen und Rückgrat beweisen. Die App-Supervision und alle Privatnutzende haben die Möglichkeit, ihnen illegal erscheinende Äußerungen juristisch anzuzeigen und so zur Entscheidung vorzuschlagen. Somit tun sie sicherlich auch ihre bürgerliche Pflicht und die App trägt ihre Verantwortung, verfassungswidrigen Inhalten kein Plateau zu bieten, sowie nebenbei die Integrität zu wahren.
Doch nicht einmal, wie ich im letzten Absatz sinnierte, staatliche U.S.-amerikanische Monotonie herrscht in der Angelegenheit Trump; Die App-Betreibenden oder deren Beauftragte (>>Twitter<< halt) entschieden den Medienberichten zufolge nach eigenem Ermessen und im Alleingang, welche Inhalte potenziell künftig von Trump verfasst werden könnten, die in ihren Augen gefährlich für das Land sind. Und dann haben sie ihm im Endeffekt in Staatsschutz-Manier vorsichtshalber nicht die Mündigkeit, aber die Mündlichkeit entzogen, sich einer breiten Masse gegenüber zu äußern, die ihn dort erwartet und nicht mehr in Pressemitteilungen des Weißen Hauses wähnt. Dieses Spiel hat Twitter in Gang kommen lassen und nun im laufenden Spiel verändert. Das unter dem Eindruck der letzten Amtstage und der, derzeit im Lichte aller Geschehnisse, einfachen Diskreditierung Trumps mit neuem Präsidenten am Horizont bekommt einen noch bittereren Beigeschmack.
Auch ich hätte mir am liebsten Augen und Ohren zugehalten, um Trumps Tiraden gerade zuletzt nicht länger ertragen zu müssen, habe mir gewünscht, er wäre einfach mal still. Aber zwischen still sein und den Anstalten, gesilencet zu werden, liegen Welten.
Die Frage bleibt: Was ist ein ‚wiederholter Verstoß gegen die Nutzungsrichtlinien‘?
Eine Ordnungswidrigkeit? Ein Delikt? So etwas benötigt einen ordentlichen Rechtsweg, denn Twitter existiert nicht nur im Twitter-Kosmos. Dafür müssen Kapazitäten geschaffen werden, denn soziale Plattformen sind in Politik und Gesellschaft zur Mediation-Tube geworden. Die Digitalisierung soll weiter voranschreiten. Da können wir uns kein international ungebundenes System mit einer privaten Administration von Gottesgnaden leisten.
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