Der 19-jährige Mörder, der am 14. Februar 2018 in der Marjory Stoneman Douglas Highschool in Florida gewütet und gemordet hat, gehört der Organisation Republic of Florida an. Es handelt sich dabei um eine sogenannte „weiße Bürgerrechtsbewegung“, deren Mitglieder für die „Schaffung eines weißen Volksstaates“ kämpfen.
Der junge Mann, der in der Schule gemordet hat, glaubt, dass Juden Teil einer Weltverschwörung sind, deren Aufgabe darin besteht, weiße Menschen von der Macht abzuhalten und zu entfernen. Er hat in der Vergangenheit öfter aktiv und offen erklärt, Juden zu hassen. Er soll sogar Drohungen gegen Juden ausgestoßen, sowie Gewalttaten gegen jüdische Studenten begangen haben. Als Mitglied der Republic of Florida nahm er mindestens an einer militärischen Trainingsübung teil.
Der Führer der Republic of Florida erklärt nach der Tat:
„Ich will hier nichts verherrlichen, aber er war ziemlich effizient in dem, was er tat. Vermutlich hat er das Training hier genutzt, um das zu tun, was er gestern tat. Niemand, den ich kenne, hat ihm gesagt, dass er das tun soll, er ist einfach ausgerastet.“
Über den Mörder sagt er: „Er schien mir nur ein normaler, entrechteter, junger weißer Mann zu sein“ und fügt hinzu: „Wir sind kein großen Fans von Juden. Ich glaube, es gab eine Menge Juden in der Schule, die sich mit ihm anlegen konnten.“
Ja, das stimmt. Vierzig Prozent der Schülerinnen und Schüler an der Marjory Stoneman Douglas Highschool in Florida sind jüdisch. Der Mörder hasst Juden. Seine Tat war somit vermutlich auch ein Hassverbrechen gegen Juden.
Bisher wurde über diesen Umstand nicht ausreichend genug berichtet. Dabei ist die Tatsache, dass vierzig Prozent der Schülerinnen und Schüler an der Schule jüdisch sind, mindestens so wichtig, als hätte der hasserfüllte Mörder an einer Schule gemordet, wo die Mehrheit der Schüler schwarz ist.
Knapp zwei Prozent aller US-Amerikaner sind Juden, aber über elf Prozent aller Hassverbrechen in den USA gehen laut FBI gegen Juden. Es hilft dem Kampf gegen diesen Hass nicht, wenn wir den Hass nicht dort klar benennen, wo er wütet.
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Immer wieder wird vom jüdischen Humor gesprochen, aber nur wenige wissen wirklich, wie unfassbar brutal dieser Humor sein kann. Brutaler Humor ist jedoch das Menschlichste womit man auf das Unmenschliche reagieren kann. Tapfer im Nirgendwo präsentiert ein krasses Beispiel dieses Humors von Rotem Weissberg, Tal Michalovitch und Moria Zrachia in einer Übersetzung von Eli Benedikt und David Serebrjanik.
Los geht’s! Es ist unsere Klassenfahrt nach Polen 2017!
(Lehrerin: Achtung! Klasse, alle zu mir! Hört ihr nicht, was ich sage? Seid ihr alle taub? Geht jetzt rein! Alle in einer Reihe!)
Verstehst du? Auschwitz ist so aufregend! Ich zittere am ganzen Körper, mein Traum wird wahr.
Krematorium! Gaskammern! Ich sterbe! Das ist ja ein Ding! Oschwitz, ich kack voll ab!
Du Vollpfosten, man sagt nicht Oschwitz, sondern Auschwitz. Wo ist diese Aufschrift „Arbeit macht frei“?
Wir sind so großartig, dass wir hierher kamen. Das ist so wichtig.
Ach Scheiße, mein WhatsApp geht hier nicht.
Wieso ist es denn so kalt hier? Es ist kalt wie im Holocaust.
Ja, total. Ich kann Deine Nippel sehen.
Ich kann’s echt nicht fassen, dass die hier ohne Kleider herumgestanden sind, und ich verstehe nicht, wie die ganze Welt die Juden so hassen kann.
Schau so viele Brillen! Ich fasse es nicht.
Und schau, so viele Schuhe. Das ist ja nicht zu glauben!
Davon muss ich ein Bild machen für Jossis Onkel.
Komm Schwester, es ist Zeit für ein Selfie!
(Lehrerin: Ey, weg mit dem Smartphone! Denkt ihr, ich sehe da nicht? Ab ins Krematorium! Ich will eine perfekte Reihe sehen! Zeigt Respekt für diesen Ort! Muss ich euch erst einzeln verfolgen, oder was? Ein Selfie in Auschwitz ist so respektlos!)
Ein Selfie in Auschwitz ist voll respektlos!
Schau an, die May, mit dem Duckface im Krematorium!
Ach, die! Die denkt, sie wäre Gal Gadot*.
Sie tut so, als ob das Krematorium ihrem Vater gehört. Geh weiter, Perlhuhn. Wir wollen auch was sehen.
Genug. Sonst muss ich an meinen Großvater denken. Und das ist so traurig, gleich muss ich weinen, wenn ich daran denke, dass er ein Holocaustüberlebender ist. Und ich realisiere: Sein Schatten ist der Schatten von Holocaust. Wir sind alle Schatten. Wir sind alle „Shadow“** und er ist immer mit uns, mein Großvater und die Großväter von uns allen.
Wow, eine klasse Rede! So toll! Ich zittere! Das war ein perfekter Auftritt. Klare Sache, die Nazis waren voll eklig. Aber so ein Video!
Das musst du unbedingt hochladen. Das wird besser, als „Schindlers Liste“.
Sag mal, bist du bescheuert? Ißt du hier ein „Kinder“-Überraschungsei?
„Kinder“ in Auschwitz, das ist voll respektlos!
(Lehrerin: Ich sage es zum letzten Mal: Alle zu mir! Alle zu mir! Yalli und Liad, braucht ihr eine besondere Einladung? Was diskutiert ihr hier mit mir rum? Setzt Euch! Warum steht Ihr? Und jetzt steht alle auf für eine Gedenkminute, zur Ehre der Opfer und zum Ruhm des Staates.)
Ich sterbe! Die Gedenkminute macht mich fertig. Ich halt es nicht mehr aus. Ich muss pinkeln. Meine ganze jüdische Seele sehnt sich danach***.
Na, dann geh doch pinkeln. Was ist los mit Dir? Ist doch jetzt nicht Holocaust. Dort, hinter dem Busch. Mann, bist du doof.
Dort? Ist das nicht ein Brunnen?
Nein, ich glaube, das ist ein Galgen.
Oh Gott.
Ja, der ist vom Holocaust.
Führerin, ich muss mal Pipi.
(Lehrerin: Reiß dich zusammen. Kein Pipi im Holocaust!)
Pipi in Auschwitz ist voll respektlos!
„Sage nie, du gehst den allerletzten Weg,****
Wenn Gewitter auch das Blau vom Himmel fegt.
Die ersehnte Stunde kommt, sie ist schon nah,
dröhnen werden unsre Schritte, WIR SIND DA!“
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* Gal Gadot ist eine sehr bekannte israelische Schauspielerin.
** „Shadow“ (Schatten) ist ein bekannter israelischer Rapper.
*** Der Satzteil „unsere ganze jüdische Seele sehnt sich danach“ ist eine Zeile aus der israelischen NAT Hymne „Ha-Tikva“.
**** Bei diesem zitierten Lied handelt es sich um die erste Strophe eines berühmten jüdischen Partisanenliedes aus dem Warschauer Ghetto.
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Ich gestatte mir, diesen Beitrag mit folgender Vermutung zu schließen: Gäbe es auf muslimisch-arabischer Seite eine solche Humortradition wie auf jüdisch-israelischer Seite, hätten wir im Nahen Osten längst Frieden.
Veröffentlicht unterFremde Feder|Kommentare deaktiviert für Selfie in Auschwitz
Boykottiere Israel, wenn Du das für richtig hältst, aber wenn Du keine doppelten Standards hast, musst Du auch alle anderen Nationen boykottieren, wo es Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen gibt. Wir sind nicht perfekt, aber wenn Du denkst, dass wir die Schlimmsten sind, sieh Dich zuerst den Rest der Welt an. Sondere Juden nicht aus wie Rosinen. Greif zu der Zeitung und lies die Nachrichten.
Boykottiere Nordkorea, denn ich glaube, dass Du kein Land der Welt finden wirst, das unfreier ist. Boykottiere China und lass uns nicht vergessen, dass sie das ganze Land Tibet gestohlen haben. Boykottiere Japan, denn sie schlachten Tausende von hilflosen, unschuldigen Walen und Delfinen. Boykottiere Vietnam, wo Drogenabhängige als Sklaven benutzt werden, um Cashewnüsse zu schälen. Boykottiere Kambodscha, wo zwanzigtausend Quadratkilometer Land gestohlen wurden aus der Hand des armen Mannes. Boykottiere Thailand, wegen des Schließens der Tür und des Deportierens von Flüchtlingen zurück in den Krieg. Boykottiere Burma, lass Dein Geld nicht rutschen in die Griffel dieser Militärdiktatur. Boykottiere Indien, denn Frauen können nicht entkommen, wenn Regierungsbeamten der Vergewaltigung schuldig sind. Boykottiere Pakistan, ein verrücktes Land, wo Menschen wegen Blasphemie hingerichtet. Boykottiere Afghanistan, das Opiumland, wo Mohnfelder in der Hand der Taliban sind.
Boykottiere Syrien wegen der Tötung von Tausenden unschuldiger, unbewaffneter Zivilisten durch die Regierung. Boykottiere den Irak, wo sich die Gesetze stetig ändern und ohne Grund auf Menschen geschossen wird und sie gefoltert werden. Boykottiere den Iran mit der größten Rate von Hinrichtungen weltweit. Boykottiere die Türkei, weil sie dort immer noch den Völkermord an den Armeniern bestreiten und darüber lügen. Boykottiere Turkmenistan, wo die einzigen Medien, die Du nutzen kannst, jene sind, die der Präsident Dir zuführt. Boykottiere Usbekistan, wo die faule Regierung Kinder versklavt, um Baumwolle zu ernten. Boykottiere Russland, wo jedes Jahr immer mehr Muslime auf mysteriöse Weise verschwinden. Boykottiere die Ukraine, wo Politiker Oppositionelle wegsperren, damit es keine Konkurrenz gibt. Boykottiere Weißrussland, denn Präsidenten müssen gehen, aber Du weißt, die Wahlen dort sind nur Show. Boykottiere Deutschland, weil es keine Wiedergutmachung gab für die Ermordung der Hälfte der jüdischen Bevölkerung.
Boykottiere den Sudan für den Völkermord in Darfur, wo Hunderttausende bereits gestorben sind. Boykottiere Ägypten und lass nicht zu, dass engstirnige Präsidenten sich wie Pharaonen benehmen. Boykottiere die saudi-arabische Unterdrückung, wo Frauen, die zusammengeschlagen werden, wie Besitztümer behandelt werden. Boykottiere Bahrain wegen der Polizeibrutalität gegen Schiiten durch die sunnitische Monarchie. Boykottiere Jemen und lasst uns die Obszönität stoppen, dass dort Jugendliche unter 18 Jahren hingerichtet werden. Boykottiere Eritrea wegen der nationalen Sklaverei, wo Menschen unbegrenzt ohne Lohn arbeiten müssen. Boykottiere den Kongo, denn sie machen dort die schrecklichsten Dinge, um Blutdiamanten für Verlobungsringe zu verkaufen. Boykottiere Simbabwe, denn sort findest Du alle Formen der Folter hinter den Regierungsminen. Boykottiere Südafrika und lass sie zahlen für die Hunderten von Frauen, die dort jeden Tag vergewaltigt werden. Boykott die Elfenbeinküste, schlag‘ Alarm, denn auf den Kakaofarmen gibt es Tausende von Sklaven.
Boykottiere Chile, weil dort Abtreibungen verboten sind, selbst wenn die Mutter stirbt. Boykottieren Brasilien, wo die brutale Polizei Tausende von Menschen tötet, um den Frieden zu bewahren. Boykottiere Venezuela, da nähere Untersuchungen zeigen, dass die Sozialisten die Wahl gestohlen haben. Boykottiere Kolumbien, wo bei jedem, der für die Gewerkschaft kämpft, die Lichter ausgestellt werden. Boykottiere Ecuador für den Diebstahl von Land der indigenen Menschen für die Unternehmen und ihre Pläne. Boykottiere Costa Rica, wo so viel Pestizide benutzt wurden, dass Hunderte gestorben sind. Boykottiere Honduras, wo ein Journalist erschossen, wenn er so etwas schreibt wie ich. Boykottiere Mexiko, wo sich das Militär im Krieg gegen Drogen so verhält wie Kartellschläger. Boykottiere die USA und lass sie zahlen für all die Menschen, die in der Bucht von Guantanamo gefoltert wurden. Boykottiere Kuba, aber wenn die Regierung hört, dass Du sie kritisierst sie, wird sich Dich für Jahre wegsperren.
Darum, boykottiere Israel, wenn Du das für richtig hältst, aber wenn Du keine doppelten Standards hast, musst Du auch alle anderen Nationen boykottieren, wo es Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen gibt. Wir sind nicht perfekt, aber wenn Du denkst, dass wir die Schlimmsten sind, sieh Dich zuerst den Rest der Welt an. Sondere Juden nicht aus wie Rosinen. Greif zu der Zeitung und lies die Nachrichten.
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Seit fünf Uhr sei sie wach, erzählt sie mir um 7 Uhr 51. Die alte Dame ist meine Tischnachbarin im ICE auf dem Weg nach Köln.
91 sei sie, erzählt sie mir.
Vor 85 Jahren sei sie zum ersten Mal mit dem Zug gefahren, als kleines Mädchen an der Hand ihres Vaters am Kölner Hauptbahnhof ein- und in Frankfurt wieder ausgestiegen. Wunderbar sei das gewesen, Limonade hätte es gegeben und eine tadellose Aussicht auf Rhein und Main.
Der Geruch am Fernbahnhof, das erzählt sie mir, war ein ganz anderer. 1933 roch es anders in Deutschland, bleiern, schneidender, aber auch simpler. Sie erzählt, ich lasse sie reden. Lege mein Buch zur Seite, schließe den Laptop.
Die Fahrt sei damals, in dem dunklen, schweren Waggon, wesentlich langsamer gewesen, heute, sie beklagt sich, sei ihr alles zu schnell.
Ihre Hände sind schmal und von Altersflecken bedeckt, die Finger krumm, Rheuma, die Nägel fein und gepflegt. Sie riecht nach Seife und Haarlack, ihr Wollkostüm ist zwei Nummern zu groß.
Es mache sie traurig, sagt sie, während sie eine Banane aus ihrer Handtasche auf den Tisch legt, dass dies ihre letzte Reise sei. Krank sei sie, zu krank, um weiterhin ein selbstbestimmtes Leben in Berlin zu führen. Nun ziehe sie zu ihrer Tochter und dem schweigenden Schwiegersohn in den Kölner Süden.
Sie wisse, sagt sie mit Schwermut, während sie aus dem Fenster schaut, dass dies ihre letzte Reise sei. Ihre Tochter bestand auf eine begleitete Zugfahrt, doch sie, die Dame, bestand darauf, ihre letzte Reise alleine anzutreten. Nicht an der Hand des längst gegangenen Vaters, nicht an der Hand ihrer Tochter, nicht gestützt durch ihren Gehwagen, der in Köln auf sie warte.
Es freue sie, das möchte sie mir unbedingt sagen, dass ich zum Mosaik der Erinnerung ihrer letzten Zugfahrt gehöre.
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Ein Aufruf zu mehr jüdischer Provokation von Simone Schermann.
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…
So beginnt die erste Strophe des Lore-Ley-Gedichts von Heinrich Heine. Und auch fast 200 Jahre später trifft es genau das, was ich mich frage, als Jüdin in Deutschland, als deutsche Historikerin am heutigen Rosenmontag. Blicke ich auf Düsseldorf, bin ich verblüfft vom tragisch-traurigen Scheitern des ersten jüdischen Mottowagens im Düsseldorfer Straßenkarneval.
Tatsächlich ein Novum: In der Geschichte der Bundesrepublik hat es einen jüdischen Mottowagen im Karneval das bis dato nicht gegeben. Am 12.2.2018 sollte sich das ändern. Endlich? Normalität, wenn deutsche Juden auch lustig sind?
Staunend verglich ich den jüdischen Mottowagen mit den anderen, nichtjüdischen, „normalen“. Sind auch die dermaßen hintergründig witzig, dass man Ironie und Satire mit dem Mikroskop suchen muss und trotzdem nicht findet? Vielleicht ist Heine ja das Motto 2018 und das ist lustig und ich bin nur nicht up to date?
Doch da gibt es einen Wagen mit der „schwarzen Witwe“ Merkel. Eine mordende Spinne, die ihre Konkurrenten aussaugt. Es findet sich auch ein Schulz, der sich selbst durch den Fleischwolf dreht. Gezeigt wird gar ein russischer Bär, der es Donald Trump mit genüsslichem Grinsen gehörig von hinten in den Arsch besorgt. Das ist Karneval!
Doch was ist mit dem Heine-Wagen? Wo ist da auch nur der Hauch eines kritischen Tons, die Karikatur, der Witz, ja die Provokation im jüdischen Themenwagen? Es gibt ihn nicht. Er ist einfach nicht da. Man kann nicht einmal trotzdem lachen.
Schnitt.
Wien vor 120 Jahren: Theodor Herzl provozierte das etablierte Judentum in Wien mit seinem Theaterstück „Das Neue Getto“. Er kritisierte ihre Art des Mimikry, ihren Versuch zu scheinen, was sie nicht sind, nur um irgendwie von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert zu werden.
Und genau das ist dieser Themenwagen: Mimikry, Anpassung, Appeasement, ja Unterwürfigkeit. Er ist lieb und brav, alles, bloß kein Karnevalswagen. Ohne jeglichen Witz und Pepp, ohne ein Fünkchen Provokation, ohne Risches – kurz gesagt, ein Nicht-Themenwagen. Sein wahres Motto ist: „Schaut, was wir für Deutschland getan haben. Heinrich Heine ist doch auch Jude und sogar in Düsseldorf geboren. Habt uns doch bitte endlich lieb.“
Verständlich die Besorgnis der Funktionäre der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs. Bei Juden und Politik muss man nicht nur sehr auf Fettnäpfchen achtgeben, denn das ist schon ein Fettnapf an sich. Was also tun?
Das Fehlen von allem, woran sich irgendjemand stoßen könnte, scheint ein Symptom der Situation der Juden in Deutschland. Wenn selbst der viel beschworene jüdische Humor völlig versagt, wird es nicht nur traurig, sondern ernst. Es wurde entschieden, den Spielraum, der hier auch dem Jüdischen „gestattet“ war, einfach nicht zu nutzen. Einen Nicht-Themenwagen zu schicken ist schlimmer, als gar keinen zu schicken. Dieser ist quasi unsichtbar, nicht da. Die Juden sind gar nicht wirklich da – und schon gar nicht lustig.
Wir lernen also folgendes: Juden in Frankreich und Schweden verlassen wegen antisemitischer Gewalttaten das Land. Und Deutschland? Ein jüdischer Nicht-Themenwagen, ein „neues Getto“ auf Rädern, in dem die jüdische Provokation, die Polemik und die Stänkerei weggeschlossen ist, eine Anbiederung, die sich schon darüber freut, wenn Leute am Straßenrand „Shalom“ rufen.
Karneval ist aber kein schwacher, blinder Narr, der seinen Kopf wiegt, seufzt, bedauert und den christlichen Vermittlern nachgibt. Karneval ist in die Fresse! Und genau das traut sich der jüdische Wagen nicht. Würde die christliche Mehrheit etwa jüdische Stänkerei übel nehmen? Interessiert es uns Juden? Warum? Zum Karneval gehören Trommeln, alberne Geckerei und das Gequäk der quergehalsten Pfeife.
Die Mehrheit der Juden in Deutschland ist heute so brav wie die deutschen Frauen vor hundertfünfzig Jahren. Die Polemikerin Hedwig Dohm schrieb im Jahr 1872:
„Nie sah die Welt eine ehrbarere, bescheidenere Bewegung als diese deutsche Frauenbewegung. Eine Menschenklasse, die sich bemüht, in demütigen Wendungen zu beweisen, dass eigentlich kein ausreichender Grund vorhanden sei, sie Hungers sterben zu lassen! Eine Klasse, die um ihre Existenz wie um ein Almosen bettelt! – Wahrhaftig, ein stolzerer Sinn empört sich gegen dieses Übermaß von Bescheidenheit.“
Der jüdische Nicht-Themenwagen atmet den Geist dieser Bescheidenheit. Hedwig Dohm aber forderte mehr Stolz:
„Der Stolze mag missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken, der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn.“
Zurück zu Heine. Dieser große deutsche Schriftsteller war durchaus politisch radikal. Er hatte Deutschland lediglich aus Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen den Rücken gekehrt. Wer Heine kennt, weiß um seine Liebe zu Deutschland, kennt seinen beißenden Spott, seine Provokationen. Und was macht die jüdische Gemeinde in Düsseldorf? Sie ist brutaler zu Heine als der Wagen mit dem Trump-beglückenden Putin es je sein könnte, denn sie kastriert Heine, indem sie ihn zum jüdischen Sohn ohne Attribute verdrehen.
Lassen wir Heinrich Heine das letzte Wort:
Ich hatte einst ein schönes Vaterland, Der Eichenbaum wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft. Es war ein Traum. Das küsste mich auf deutsch und sprach auf deutsch – Man glaubt es kaum, wie gut es klang – das Wort: „Ich liebe dich. – Es war ein Traum.“
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Solange in Deutschland Filme nur aus guten Absichten gemacht werden und nicht aus gutem Können, solange Filme sittlich bildende Erziehungsanstalten sein müssen, solange eine öffentlich-rechtliche Fräulein Rottenmeier der guten Absichten mit der Peitsche des Bildungsauftrags im Nacken Filme produziert, wird der deutsche Film das bleiben, was er ist, nämlich ein nur zu durchsichtiger und langweiliger Versuch von politisch festgefahren Ideologen, ihre eigene Weltsicht in Form von gerade mal ausreichender Wort- und Bild-Ästhetik in die Hirne der Zuschauer zu hämmern. Dabei kann die Ideologie noch so gut sein, ein Film darf nicht nur Vehikel der Überzeugung der Auftraggeber sonst. Sonst ist es keine Kunst, sondern nur Propaganda.
Lesen Sie meine Kritik zu dem Film „Aufbruch ins Ungewisse“ auf der Achse des Guten. Hier klicken.
Veröffentlicht unterWoanders|Kommentare deaktiviert für Filmkritik – „Aufbruch ins Ungewisse“
Eines der wohl feministischsten Bräuche des Kölner Karnevals ist heute vollkommen verschwunden, das „Mötzenbestot“. Im 18. und 19. Jahrhundert skandierten Frauen an Wieverfastelovend um genau zwölf Uhr mittags auf dem Alter Markt den Schlachtruf „Mötzenbestot“, was in etwa sowiel bedeutete wie: „Runter damit, heute tue ich, was ich will.“ Dabei rissen sie sich ihre Bedeckungen vom Kopf. Ein Chronist der Zeit schrieb:
„Am tollsten war dies Treiben auf dem Altermarkt unter den Gemüseweibern, den Verkäuferinnen und den Bauern, oft ein wahrer Mänadentanz.”
Der Brauch rührt daher, dass am Rhein noch bis ins 19. Jahrhundert für Frauen ein Zwang zur Kopfbedeckung bestand. Die Hauben auf dem Kopf gaben Aufschluss darüber, ob eine Frau schon verheiratet, also unter der Haube, war oder ob sie „noch zu haben war“. Die Haube galt als Zeichen der Frauenwürde und der Wohlanständigkeit. Eine Frau ohne Kopfbedeckung galt als „loses Frauenzimmer“. In manchen Kulturen ist das heute noch so. Im Islam zum Beispiel gilt das Kopftuch als politisches Zeichen, das die durch patriarchale Strukturen definierte Würde und Ehre der Frau schützen soll. Daher findet im 21. Jahrhundert das Mötzenbestot auch im Iran statt.
Wenn Sie mehr über den Kölner Karneval wissen möchten, dann lesen Sie meinen Artikel auf der Achse des Guten. Hier klicken!
Veröffentlicht unterWoanders|Kommentare deaktiviert für Weiberfastnacht im Iran
German Foreign Minister Sigmar Gabriel says that „in Germany, and even within my own Social Democratic Party, more and more young people“ have a problem with Israel. He also laments that „it’s getting harder and harder for people like me to explain why we should continue supporting Israel.“
Dear Foreign Minister Sigmar Gabriel,
if you can’t, let me offer those „young Germans“ a few reasons:
Israel is the only country in the Middle East,
where gays aren’t persecuted and murdered;
where the political opposition needn’t fear for life and limb;
where Jews, Christians and Muslims work together in the police departments, in the highest courts, in schools and in parliament;
where freedom of religion, art and science prevail;
where emancipated women can criticize all religions and marry whom they wish;
where demonstrations against the government and also gay parades take place in public;
where Arabs, Israelis, Jews and Muslims may compete in the Israeli edition of „The Voice“;
where thousands of people demonstrate openly for peace without chanting „death to enemies“;
where the government doesn’t drop missiles and bombs to force unconditional surrender, although Israel’s neighbors in their charters and speeches openly call for the destruction of all Jews.
In short, support of Israel must continue, because the „young Germans“ with whom you are speaking, Mr Gabriel, enjoy that what is possible in Israel: to live free of persecution!
Israel’s declaration of independence states:
„WE EXTEND our hand to all neighbouring states and their peoples in an offer of peace and good neighbourliness, and appeal to them to establish bonds of cooperation and mutual help with the sovereign Jewish people settled in its own land. The State of Israel is prepared to do its share in a common effort for the advancement of the entire Middle East.“
The Hamas Charter calls for the destruction of Israel along with the entire Jewish people. Hamas and Fatah ministers reward terrorists and applaud sermons calling for the murder of Jews. On Arab television, children are educated to hate and are instructed to murder Jews. Twenty percent of all Israelis are Muslims. They have family and children like all other Israelis. Israel’s military protects all these families and children. Hamas and Fatah use their children to protect their weapons. They train their children to be soldiers. They hide weapons, rockets and grenades in kindergartens and schools, only to shed crocodile tears when children die.
Dear Sigmar Gabriel,
You say that you can’t explain that to „young Germans“? How is that possible? Because you openly tweet that Abbas is your friend, the same man who once said he couldn’t tolerate the existence of even a single Jewish Israeli, whether civilian or soldier, in any final agreement.
On the 47th anniversary of Abbas‘ political party, Mufti Muhammad Hussein, whom Abbas personally appointed as the „spiritual leader of Palestinian autonomy“, spoke to a cheering crowd: „The hour of resurrection will not come until we have destroyed the Jews.“
Dear Sigmar Gabriel,
there are two sides to the conflict in the Middle East. However, only Israel guarantees life and security of its citizens, just as those „young people“ are protected in Germany. The other side persecutes and murders. So, what’s there to think about?
Are you defending Israel’s right to exist only because the Germans were once Nazis like your father? Would you rather keep silent? Today, Israel is making sure that there won’t be another Holocaust by combating antisemitism and offering Jews a safe haven. Even without mentioning the Holocaust, there are many reasons to support Israel. They’re listed above.
A German Foreign Minister who only supports Israel because of the Holocaust sounds a little bit like he would only be in favour of Israel’s right to exist because his father went a bit overboard. It’s not reassuring to hear a foreign minister emphasizing Israel’s right to exist, because one day in the future that opinion may change. You sound like a man who goes out with a woman and repeats on every date that he speaks out for the physical integrity of woman and against them being murdered. And then tweets that a violent stalker of that woman is his friend. Would any sensible woman go out on a second date with such a man?
Dear Sigmar Gabriel,
You‘ve said it’s not easy for you to explain your position on Israel to „young Germans“. That worries me, in fact, I’m „deeply concerned“.
Der Bundesaußenminister Sigmar Gabriel erklärt, dass „in Deutschland, und ehrlicherweise innerhalb meiner eigenen Partei“ immer mehr „junge Menschen“ mit Israel hadern. Er erklärt: „Es wird immer schwerer für Leute wie mich, zu erklären, warum unsere Unterstützung Israels weitergehen muss.“
Lieber Außenminister Sigmar Gabriel,
wenn Sie es nicht können, dann lassen Sie es mich Ihren „jungen Deutschen“ erklären.
Israel ist das einzige Land im Nahen Osten,
wo ich nicht verfolgt und ermordet werde, wenn ich schwul bin;
wo die politische Opposition keine Angst um Leib und Leben haben muss;
wo Juden, Christen und Muslime gemeinsam bei den Sicherheitskräften, in den höchsten Gerichten, in Schulen und im Parlament zusammenarbeiten;
wo Religions-, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit herrschen;
wo emanzipierte Frauen alle Religionen kritisieren dürfen und heiraten dürfen, wen sie wollen;
wo auf den Straßen Demonstrationen gegen die Regierung und schwule Paraden stattfinden dürfen;
wo Araber, Israelis, Juden und Muslime die israelische Ausgabe von „The Voice“ gewinnen;
wo Tausende offen für den Frieden demonstrieren, ohne dass sie dabei laut „Tod den Feinden“ skandieren;
wo die Regierung nicht bis zur bedingungslosen Kapitulation Raketen und Bomben abwirft, obwohl die Minister ihre kriegsführenden Nachbarländer in ihren Chartas und Reden offen erklären, alle Juden vernichten zu wollen;
kurzum, die Unterstützung Israels muss weitergehen, weil die „jungen Deutschen“, mit denen Sie sprechen, Herr Gabriel, nur in Israel nicht verfolgt und ermordet werden, wenn sie im Nahen Osten so leben wollen, wie in Deutschland!
In der Unabhängigkeitserklärung Israels steht:
„Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbstständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“
Die Charta der Hamas fordert die Zerstörung Israels und die Vernichtung des ganzen jüdischen Volkes. Minister der Hamas und der Fatah belohnen Terroristen und Judenmörder und feiern Predigten, in denen dazu aufgerufen wird, Juden zu töten. Im arabischen Fernsehen werden Kinder dazu erzogen, Juden zu hassen und töten zu wollen. Zwanzig Prozent alles Israelis sind Muslime. Sie haben Familie und Kinder wie alle anderen Israelis auch. Israel nutzt seine Waffen, um all diese Kinder zu schützen. Die Hamas und die Fatah nutzt ihre Kinder, um ihre Waffen zu schützen. Ganz bewusst, bilden Sie ihre Kinder als Soldaten aus und verstecken ihre Waffen, Raketen und Granaten un Kindergärten und Schulen, nur um dann Israel tränenreich die Schuld zu geben, wenn die Kinder sterben.
Lieber Sigmar Gabriel,
All das können Sie den „jungen Deutschen“ nicht erklären? Wie es das möglich? Vielleicht liegt es daran, dass sie offen auf Twitter erklären, Abbas sei Ihr Freund. Der Mann sagte einst, er könne in einer endgültigen Lösung „nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten.“ Am Tag der 47-Jahr-Feier der Partei von Abbas sprach Mufti Muhammad Hussein, den Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt hat, in die jubelnde Menge: „Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben.“
Lieber Sigmar Gabriel,
in dem Konflikt im Nahen Osten gibt es zwei Seiten. Allerdings garantiert nur Israel das Leben und die Sicherheit aller Menschen, wenn sie so leben wollen wie die „jungen Menschen“ in Deutschland. Auf der anderen Seite werden diese Menschen verfolgt und ermordet. Was gibt es da noch lange zu erklären?
Haben Sie das Existenzrecht Israels etwa nur verteidigt, weil die Deutschen einst Nazis waren wie Ihr Vater? Dann hätte Sie lieber geschwiegen. Israel sorgt heute dafür, dass sich sowas wie der Holocaust nicht mehr wiederholen kann, indem Israel gegen Judenhass kämpft und Juden eine sichere Heimat bietet. Deutschland tut gut daran, diese sichere Heimat für Juden zu unterstützen. Aber auch ohne Holocaust, gibt es unendlich viele Gründe, Israel zu unterstützen. Eine kleine Liste der Gründe habe ich oben genannt.
Ein deutscher Außenminister, der Israel nur unterstützt, weil es den Holocaust gab, klingt ein wenig so, als würde er nur deshalb für das Existenzrecht Israels sein, weil es sein Vater damals ein bißchen übertrieben hat. Es ist nicht wirklich beruhigend, wenn sich so ein Außenminister für das Existenzrecht Israels ausspricht, denn er stellt damit die Möglichkeit in Aussicht, dass sich seine Meinung ändern kann. Sie klingen wie ein Mann, der mit einer Frau ausgeht und bei jedem Date betont, er spreche sich für die körperliche Unversehrtheit der Frau aus und dagegen, dass sie ermordet wird. Auf Twitter erklärt er dennoch einen gewalttätigen Stalker der Frau zum Freund. Auf wieviele Dates würde eine vernünftige Frau mit so einem Mann gehen? Ich würde mit einem solchen Mann nicht einmal eine „besondere Freundschaft“ pflegen.
Lieber Sigmar Gabriel,
Sie haben angedeutet, dass es Ihnen mittlerweile schwer fällt, den „jungen Deutschen“ Ihre Haltung zu Israel zu erklären. Mich beunruhigt das sehr. Um es in Ihren Worten zu sagen: Ich bin „zutiefst besorgt“.
Veröffentlicht unterDeutschland, Israel, Politik|Kommentare deaktiviert für Sigmar Gabriel fällt es schwer zu erklären, warum die Unterstützung Israels weitergehen muss
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