Fakten zu den Statistiken antisemitischer Straftaten

Sollten Sie wieder mal eine Statistik über antisemitische Straftaten gelesen haben, präsentiert Tapfer im Nirgendwo Ihnen ein paar wichtige Auszüge aus dem „Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus“ des 18. Deutschen Bundestags vom 7. April 2017 (Drucksache 18/11970).

„Antisemitische Straftaten zählen in Deutschland zur politisch motivierten Kriminalität (PMK). (…) Eine politische Motivation wird dann angenommen, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich die Tat gegen eine Person oder Personengruppe aufgrund deren Nationalität, Volkszugehörigkeit, »Rasse«, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft, Behinderung, sexueller Orientierung, ihres gesellschaftlichen Status oder ihres äußeren Erscheinungsbildes richtete. (…) Fremdenfeindliche Straftaten werden heute überwiegend als extremistisch eingestuft. Antisemitische Straftaten gelten generell als extremistisch. Beides wird unter dem Begriff der »Hasskriminalität« zusammengefasst. (…) Innerhalb der PMK wird einerseits nach sogenannten Phänomenbereichen, nämlich »PMK-Rechts«, »PMK-Links«, »PM-Ausländerkriminalität« (PMAK, oder auch PMK-Ausländer) und »PMK- Sonstige«, andererseits zwischen Straftaten generell und der Teilmenge der Gewalttaten unterschieden, denen auch im Fall antijüdischer Straftaten eine besondere Bedeutung zukommt. Der jeweils ermittelte Sachverhalt kann nur einem der drei Phänomenbereiche »PMK-Rechts«, »PMK-Links« oder »PMAK« zugeordnet werden. Ist eine Zuordnung zu diesen nicht möglich, wird der Phänomenbereich »PMK-Sonstige« gewählt.“

Antisemitische motivierte Straftaten werden somit nicht gesondert erfasst, sondern unter Fremdenfeindlichkeit subsumiert! Das heißt, unter „PMK-rechts“ finden sich größtenteils Straftaten gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte. Das bedeutet, über die Verteilung antisemitischer Straftaten kann durch diese Statistik keine Aussage gefällt werden.

„Der PMAK/PMK-Ausländer werden Straftaten zugeordnet, »wenn in Würdigung der Umstände der Tat und/oder der Erkenntnisse über den Täter Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass v. a. die durch eine nicht-deutsche Herkunft geprägte Einstellung des Täters entscheidend für die Tatbegehung war, insbesondere wenn sie darauf gerichtet sind Verhältnisse und Entwicklungen im In- und Ausland oder aus dem Ausland Verhältnisse und Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland zu beeinflussen. Straftaten der PMAK können auch durch deutsche Staatsangehörige verübt werden«.“

Der Begriff „Ausländerkriminalität“ bedeutet somit nicht, Ausländer, die Straftaten begehen, sondern Straftaten mit Verhältnissen zum Ausland, womit auch deutsche Staatsbürger Ausländerkriminalität begehen können.

„Die Polizei kann nur solche Straftaten erfassen, die sie entweder selbst ermittelt hat oder die ihr von dritter Seite bekannt gemacht werden. D. h. wir haben es auch hier, wie bei allen Formen von Kriminalität, mit dem Hellfeld-Dunkelfeld-Problem zu tun. Eine Ursache ist das sogenannte Underreporting, d. h. viele antisemitische Straftaten werden von den Betroffenen oder Zeugen nicht angezeigt.“

Da mit hoher Wahrscheinlichkeit gerade die judenfeindlichen Äußerungen in Flüchtlingsheimen und Moscheen nicht von den Bewohnern und Besuchern der Räumlichkeiten zur Anzeige gebracht werden, taugt diese Statistik nicht zur Ermittlung von Judenhass unter Muslimen und Flüchtlingen.

„Die Zahl der tatsächlichen antisemitischen Vorfälle wird auch dadurch systematisch unterschätzt, dass bei jedem Vorfall, bei dem es zu mehreren Delikten gekommen ist (z. B. Beleidigung, Raub, Körperverletzung), nur das Delikt mit der höchsten Strafandrohung gezählt wird. Damit gehen alle anderen Delikte nicht in die polizeiliche Statistik ein. Insbesondere bei kollektiven Handlungen, wie Demonstrationen, ist die genaue Anzahl der begangenen Straftaten daher kaum angemessen zu ermitteln.“

In den letzten Jahren waren bei Demonstrationen in Deutschland folgende Parolen zu hören:

„Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“
„Juden ins Gas!“

Diese Demonstrationen fanden mit tausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern muslimischen Glaubens in Berlin, Frankfurt, Essen, Gelsenkirchen und vielen weiteren Städten statt. In der Statistik werden diese Massen nicht angemessen gespiegelt.

„Die Einordnung einer Straftat als antisemitisch hängt von der Wahrnehmung und von den Kriterien ab, nach denen eine Tat eingestuft wird. Es handelt sich also um das »Problem der Motivklärung«, das die Entwicklung eines Problembewusstseins voraussetzt. Es hängt letztlich von den Erfahrungen, der Sensibilität und dem thematischen Kenntnisstand der ermittelnden Beamten ab, ob eine antisemitische Straftat als solche erkannt und korrekt klassifiziert wird.“

Im Jahr 2015 verurteilte das Wuppertaler Amtsgericht zwei Araber zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt für einen Brandanschlag auf eine Synagoge. Ein weiterer 18-Jähriger Täter wurde nach Jugendstrafrecht zu einer Bewährungsstrafe ohne konkretes Strafmaß verurteilt. Alle drei mussten zudem zweihundert Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das niedrige Strafmaß begründet das Gericht mit der Feststellung, dass es keine Anhaltspunkte für eine antisemitische Tat gäbe. Die Palästinenser hatten gestanden, im Sommer 2014 Brandsätze auf die Synagoge geschleudert zu haben, erklärten aber, dass sie damit die Aufmerksamkeit auf den Gaza-Konflikt lenken wollten.

Einige Anschläge auf jüdische Einrichtungen werden nicht unter Antisemitismus gefasst, wenn eine „Palästina-Verbindung“ besteht.

„Fremdenfeindliche und antisemitische Straftaten werden grundsätzlich immer dann dem Phänomenbereich PMK-Rechts zugeordnet, wenn keine weiteren Spezifika erkennbar sind (z. B. nur der Schriftzug »Juden raus«) und zu denen keine Tatverdächtigen bekannt geworden sind. Damit entsteht möglicherweise ein nach rechts verzerrtes Bild über die Tatmotivation und den Täterkreis.“

In der Nacht vom 27. auf den 28. März 2011 wurde die Aachener Synagoge mit einem Hakenkreuz beschmiert. Im Sommer zuvor war bereits die Außenmauer des jüdischen Friedhofs an der Lütticher Straße verunstaltet worden. Neben Hakenkreuzen wurde auch die Parole „Freiheit für Palästina“ an die Wand geschmiert.

Hakenkreuze und andere Symbole werden nicht nur von rechts verwendet, aber oft ausschließlich rechts zugeordnet.„Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die PMK-Statistik eine Reihe teils behebbarer, teils reduzierbarer, teils aber auch nicht zu ändernder Schwächen aufweist, so dass sie nur begrenzt zur Beurteilung der Verbreitung von Antisemitismus und entsprechenden Tätergruppen geeignet ist.“

So steht es in dem „Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus“.

„Nur begrenzt“ ist eine sehr milde Bezeihnung. „Gar nicht“ trifft es besser.

Wer diese Statistik anführt, um Aussagen über die Verteilung von Antisemitismus in Deutschland zu tätigen, betreibt Fake News!

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7 Antworten zu Fakten zu den Statistiken antisemitischer Straftaten

  1. A.mOr schreibt:

    @Gerd Buurmann,
    Danke für Dein anhaltendes Engagement zur Aufklärung diffiziler Angelegenheiten.

    @Couponschneider.
    Danke für Deine Recherche-Bemühung.

    Führt ein wenig zurück, ein kurzes Interview mit dem Historiker David Motadel beleuchtet die Rolle moslemischer Kämpfer für das Dritte Reich.
    http://www.dw.com/de/historiker-motadel-nazis-umwarben-muslime-um-verluste-an-der-front-auszugleichen/a-41347348

    Denke, das kann man ergänzend zu hier anstehenden Fragen hinzunehmen. Muß man aber nicht.
    Darüber hinaus: es taugt weder für rechts noch links, und was sich gegenseitig im politischen Affentheater so einrahmt, als Munition.

    Interessant (@Couponschneider) aus Deiner Recherche finde ich auch diese Aussage:
    „Unklar sei noch, welche Rolle Hass auf Juden bei der Terrorzelle NSU spielte, sagt die Historikerin Juliane Wetzel vom Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung.“

    Die ziemlich schwammigen Informationen, die man zum Thema NSU in der Öffentlichkeit hat, sind insgesamt eher verwirrend als aufklärend. Vielleicht, weil das Interesse an einer sachlichen Aufklärung bei den Behörden, respektive übergeordneten demokratisch legitimierten Instanzen, nicht existiert?
    Welche Verbrechen aber legt man der NSU hauptsächlich zur Anklage aus: mehrere Mordanschläge gegen Türken, Deutsch-Paß-Türken?, Deutsch-Türken?, Türken mit besonderer Deutschheit?, germanisierte Türken?, wie auch immer, und den obligatorischen Kollateralschaden nicht zu vergessen.
    Die These, daß es sich insgesamt -oder in Teilmenge- auch um Kabbeleien (nicht zu verwechseln mit Kabbala!) im Verbrecher-Milieu handeln könnte ist ja wohl vom zusammengeschossenen Tisch? Geisterbeschwörer mögen ein Interview mit Kirsten Heisig erhellend finden? Was das mit dem, und darüber hinaus? Wer versteht schon die Geister die man rief?

    Wie dem auch sei, dann finde ich es ziemlich bemerkenswert, daß die Historikerin Wetzel die Frage umtreibt, inwiefern bei der NSU ein antisemitisches Motiv eine Rolle gespielt haben möge. Ist ihr in ihrem Arbeitsfeld das Forschungsmaterial ausgegangen?

    Und haben wir bahnbrechende Erkenntnisse im Aufklärungsprozess rund um NSU zu erwarten? Fünf Jahre seit dieser Ansage der Historikerin sind vergangen, die Hoffnung stirbt zuletzt, wenn die NSU nicht schneller ist.

    Und so sehr interessant es auch für Antisemitismus erforschende Historikerinnen sein mag, daß man vergaß eine antisemitische Motivation der NSU bei Türkenmorden nachzuweisen, so wenig scheint es interessant für eine Aufklärung, daß aufmarschierende Moslems im Verbunde mit Neo-Nazis auf deutschen Straßen nach der Vergasung von Juden rufen, und dabei noch die Flüstertüten der Schutzpolizei gestellt bekommen. Damit das Ganze bloß nicht eskaliere, so war neben dem Flüstern zu vernehmen. Das hat vorbildlich funktioniert, und Israelfahnen wurden nicht mehr gesehen. Was die da auch zu suchen haben, wer soll das verstehen? Wo kommen wir denn hin, wenn die Fahnen fremder Nationen auf heiligem deutschen Boden wehen?

    Selbstverständlich kann man den Behörden, respektive den übergeordneten demokratisch legitimierten Instanzen, nicht unterstellen, daß sie ein Interesse daran hätten, ein vorbestimmtes Ergebnis zu propagieren.
    Auch ist es Unsinn zu unterstellen, daß die Islamisierung Deutschlands/Europas von politischen Eliten (Wirtschaftsinteressengemeinschaften, und weiß die Kugel) gewünscht sei; zumal sie nachweislich bemüht nicht stattfindet. Sie ist nur einfach nicht abwendbar, und nun sind/ist sie halt da, und es müßte ziemlich antisemitisch (unter Holocaust geht’s eben nicht) sein, wenn man den politischen Eliten dann solche Absichten unterstellt, wie man sie aus vorgenannten ableiten könnte.
    Wenn man so mies gestimmt sein könnte ohne ein Unmensch zu sein?

    Dafür, das ist dann auch mal klar, braucht man keine Juden, und Frau Wetzel braucht Juden nicht daran erinnern, daß man auch im ominösen Rechts Antisemiten findet, deshalb verlassen diese zunehmend Europa und auch die über-edle Türkei. Ja, beim Barte des Atatürk, da gibt es noch’n paar Juden, und vor ein paar Tagen gab es mal ein paar mehr.

    Und ihr schafft das schon, um es in den weisen Worten politischer Größe zu formulieren, nun seid doch nicht so miesepetrisch, wenn zur großen Reinemache erst einmal der Schmutz auf die Straße gekippt werden muß.
    In den U-Bahnen, Zügen, Bahnhöfen, zu Hello-Wien und Karne-Wall, im Park und Wald und Flur herrscht deutsche Gründlichkeit wie’s gehört, der ICE-Waggon ‚Anne-Frank‘ führt euch sicher ans Ziel, wenn auch mit verläßlicher Verspätung, und hin und wieder auch buchstäblich über Leichen.

    Lebende Juden werden euch bald nicht mehr belästigen, die paar übrig gebliebenen dürft ihr Spürnasen der NetzDG- und GEZ-Generation dann noch des Antisemitismus überführen. Schließlich gilt, ohne Juden kein Judenhaß, ist doch logisch!

    Mich treibt da etwas um, den hier mitlesenden Koreanern mag ich folgenden geheimnisvollen Tip mitgeben, auch wenn’s -gewollt! (lernt Jiddisch!)- hinkt, dann doch mit Stil:

    Und jenen, die ein Problem mit der zionistischen Berichterstattung der deutschen Presse sehen, kann ich endlich mal den einschlagenden Beweis liefern, daß sie recht haben:
    Warum geht es nicht ohne Judenhass?

    Man weiß es nicht, war da was?

    In diesem Unsinne: schalom-schalom, bye-bye.

    • Couponschneider schreibt:

      Ja, das mit dem NSU und der „antisemitischen Motivation“ ist sehr schwammig. Es ist schon erstaunlich, dass man dem Schwammigen mehr Gewicht verleiht als den Fakten. Zu den Fakten gehören u.a. die Demonstrationen, wo „Hamas, Hamas, Juden ins Gas!“ gebrüllt wurde.

      Wenn Henryk Broder jemanden durch den Kakao zieht, dann meistens zurecht. Ich bin meistens auf derselben Wellenlänge wie Broder. Die Wetzel hatte er meines Wissens auch schon im Visier. Übrigens habe ich ein E-Book von ihr: „Moderner Antisemitismus unter Muslimen“. Bei der Wetzel bin ich mir noch unschlüssig.

      Der Titel ist schon seltsam, denn der Antisemitismus unter Muslimen ist nicht modern, sondern klassisch. Immerhin erwähnt sie, dass es auch unter Linken Antisemitismus gibt. Nun kann ich nicht behaupten, das Buch wäre dumm, ganz gelesen habe ich es auch nicht. Möglicherweise haben wir es aber auch mit einer Lückenpresse zu tun, die Frau Wetzel nur sehr selektiv zitiert, sodass ein falsches Bild herauskommt.

      Aber wie gesagt, habe ich das Buch nur ansatzweise gelesen, mangels Zeit.

    • A.mOr schreibt:

      @Couponschneider.

      Das Wirken der Historikerin Dr. Wetzel kann ich insgesamt mangels ausreichender Kenntnis kaum abwägen (wollen). Die Frage nach antisemitischer Motivation bei der NSU finde ich allerdings -wie man so sagt- reichlich „akademisch“ anmutend; es konterkariert scheinbar den Auftrag, den sie im Schatten oder Lichte des großen Aufhängers „Antisemitismusforschung“ zu erfüllen hat?

      Es ist jedoch erst einmal nichts anderes als nur etwas vermeintlich Ausgesagtes (von der Presse, hier ‚Spiegel‘, wiedergegebenes) von der Frau, welches sie nicht als Ausweis ihrer Forschung gemeint haben mag? Es ist also gut möglich, daß diese Diskussion ins Leere läuft (Frau Wetzel ist nicht hier, nehme ich an) oder schlicht ein aneinander vorbei Reden ist.

      Diese Verantwortung in ihrer Position immerhin hat sie freiwillig auf sich genommen. Und das ist auch ein Signal an die Juden (nicht nur) in Deutschland, eines, welches angesichts solcher „Ausflüchte“ einen eher schrägen bei-Ton bekommt.

      Mir ist nicht bekannt, daß Herr Broder Frau Wetzel einen Artikel widmete, so mag ich es weder ausschließen noch bestätigen.

      Was den Titel „Moderner Antisemitismus unter Muslimen“ angeht, und ich habe noch nicht einmal einzelne Zeilen aus dieser Betrachtung von Frau Wetzel gelesen, so wäre zu erörtern, wie sie das Schlagwort in ihrer Betrachtung selbst aufdröselt.
      (Da bist Du bereits mit Stipvisiten der Lektüre im Vorteil, und ich begrüße es, wenn Du entsprechend darauf Deine Reflektion schilderst.)

      Daß es, und nur rein hypothetisch dazu gedacht, bei Moslems einen „modernen Antisemitismus“ gäbe widerspricht ja nicht der grundsätzlich gewaltbereiten (und vollstreckenden) Haltung des Religionsvorzeigemannes Mohammed (und dessen „Nachfolger“ bis heute) gegenüber dem jüdischen Volk an sich.
      Es klingt allerdings wiederum recht „akademisch“, wenn man den Begriff „moderner Antisemitismus“ vermeintlich abgekoppelt betrachten möchte vom tiefsitzenden Antisemitismus, wie er in Jahrhunderten immer wieder seine mörderische Fratze zeigte und zeigt, eben auch beim tatsächlich stattfindenden Islam. Und eben nicht erst seit Erfindung des Wortes „Moderne“.

      Antisemitismus selbst ist ja ein schwammiger Begriff, auch wenn klar ist, daß damit die finale Ausgrenzung (und Eingrenzung) des Judentums und des jüdischen Volkes gemeint ist. Leider findet man diese auch in der deutschen Gesellschaft überall, nicht nur bei Ideologen, während es durchaus auch Ideologen gibt, die ohne diesen gruppenbezogenen Haß wider Juden auskommen.

      Zu unserem Thema insgesamt, bzw., bezogen auf die hier zentral behandelte Person Frau Wetzel, dabei eigentlich ihrer Aussage im Lichte ihrer repräsentativen Funktion, ist dann wichtig zu erwähnen, daß wir es dennoch mit einer Wissenschaftlerin zu tun haben; ein ideologisches Denken (Wünschen…) steht ihr so frei, wie jedem anderen Menschen auch; als Historikerin jedoch hat sie sich der wissenschaftlichen Betrachtung von Materie wie auch immer „verpflichtet“, zumal in verantwortungsvoller Position.
      Dort „darf“ sie den „Themenbereich Ideologie/n“ aus wissenschaftlicher Sicht erforschen und betrachten, behandeln, jedoch sollte sie sich zur eigenen Ehrenrettung nicht gemein machen mit Strömungen, die ihren Wissenschaftsbereich intern und extern diskreditieren.

      Kaum ein Thema, wenn überhaupt, wie das Judentum, der Staat Israel, das jüdische Volk (…) greift so tief auch in die Wissenschaft ein durch die Lust oder irgendeinen verqueren moralischen Anspruch einzelner Wissenschaftler daraus eine Spielwiese für persönliche Meinungen und politische Ansprüche zu erschaffen.
      Beim Thema „Israel“ mutieren kluge und auch sympathische Menschen zu Vollidioten.
      Und so wird es erst recht schwer einem großen Kreis von am Thema Interessierten eine sachliche Aufklärung zu bieten.

      Wir brauchen nicht darüber reden, ob etwa Israel als Staat perfekt sei, oder ob alle Juden Super- oder Untermenschen seien. Wenn man sich jedoch einer gewissen wissenschaftlichen Sachlichkeit verpflichtet fühlt, wenn man darüber hinaus mit Herz und Verstand an die Sache geht, dann kann man eigentlich nur pro Israel sein.
      Und deshalb fühlen sich jene mit ihrem heiligen Recht auf Israelkritik vor den Kopf gestoßen, und tendieren zu Gegnerschaft. Dabei wird ausgeblendet, daß das Pro für Israel nach allen Regeln von Vernunft und Verstand, ja und eben auch Herz, berechtigt ist.

      Es geht dabei nicht um Erhöhung oder Auserwähltheit oder Ausgrenzung der Anderen, und weiß die Selektions-Rampe.
      Entschiedene Feinde muß man anerkennen und respektieren, schon aus Respekt vor dem eigenen Leben, aber den Bildungsstand ganzer Völker sollte man aus ziemlich vernünftigen Gründen nicht kaltherzigen Seelen-Spekulanten oder Menschenfeinden überlassen.

      Es ist ein Treppenwitz, daß gerade unter dem Aufhänger Menschenrechte sich soviele Antisemiten tummeln, die nicht einmal den Arsch in der Hose haben ihren Antisemitismus zu bekennen. Man könnte das auch als schlaue Taktik dieser Leute interpretieren, aber es sind zuviele für so wenig Schlauheit unter’m Himmel, daher ist die Angst vor’m ertappt Sein wahrscheinlicher der Grund, daß die Leute ihr eigenes Handeln dem Objekt ihrer Verachtung andichten.
      Abmildernd mögen wir psychologisieren, daß der Schock angesichts ihrer eigenen Dumpfheit sie dazu führt, Teile ihres intellektuellen Vermögens vom eigenen Bewußtsein abzuspalten. Ähnlich traumatisierten Kindern, deren traumatisierende Erfahrung der Erinnerung abhanden kommt, weil der Überlebensinstinkt das besser findet. Letzteres macht Sinn und ermöglicht Weiterleben, ersteres macht Unsinn, und scheint die Überforderung mit eigenem Fordern und Anspruch in einer Art Lebenslüge überspielen zu wollen.

      Die Suche nach dem Antisemitismus bei der NSU deutet auf eine wenn nicht ideologische Haltung dann auf „wissenschaftliche Ameisenfickerei“ hin, die dem Damoklesschwert ihrer Weisung als Antisemitismusforscherin mindestens durch Verwässerung Schärfe beifügt, die die Falschen schneiden kann, und stumpf wird gegen Antisemiten.

      Es ist insgesamt jedoch eine „deutsche Angelegenheit“, zu der ich mich als Jude gewiß nicht beeinflussend äußern kann. Und eigentlich auch nicht will.
      (Reicht ja schon, wenn die Last der deutschen Schuld gezielt von Nichtjuden eingesetzt wird, um Deutschen die jüdische Rachsucht als Aufhänger für antisemitische Haltungen schmackhaft zu gestalten. In diesem Grabenkampf zwischen den Ideologen in Deutschland wird bei aller Kampfeslaune bei einem Thema Einigkeit erzielt: die Juden haben den ganzen Ärger erst verursacht.

      Es sind jedoch nicht die Juden, die von einer ewigen Schuld des Deutschen reden.
      Ich muß mich damit zufrieden geben, daß das wenigstens einer, vielleicht ein paar mehr, hier nochmal nachlesen können. Der ach so eloquente Mob, ob rechts ob links, ob moslemisch oder akademisch, hat sich darauf geeinigt, daß der Jude das eigentliche Problem sei.
      Was wie ein elend Wiederholen klingen mag wird heiß im Ernstfall, und zwar immer. Nie ist man dem Leben so verbunden, wenn es einem genommen werden soll.)

      Im Gegensatz zur Erforschung mancher recht irrelevant erscheinenden Spitzfindigkeiten, die Tachless (auch im Denken) verhindern und ausbremsen, (und so auch rhetorisches Mittel sind, um potentiell fruchtbare Diskussionen zu zerfahren) und bei denen sich „deutsche Experten“ zum Kaffeekranz die Sahne dazugeben oder darauf verzichten, haben Juden es mit tatsächlicher Gewalt zu tun, die nicht „nur“ physisch darauf abzielt, aus dem Judentum Geschichte werden zu lassen. Und die vor allem bitter zu schmecken habe. Nicht erst durch „moslemische Skepsis“ ist die historische Aufarbeitung insbesondere des Dritten Reiches und des Holocaust an Schulen bei Schülern eher schwer vermittelbar.

      Kaffee ist bitter, und es schmeckt oder nicht, und ob das jüdische Volk deutschen Experten oder sonst wem schmeckt, ist dem Kaffee weder Milch noch Honig.

      Wir sollten im Gespräch bleiben, Juden wie auch immer und die deutsche Wissenschaft, wie auch immer; usw.
      Prinzipiell teilen wir, denke ich, die Auffassung, daß Augenhöhe eine Voraussetzung für ein befruchtendes Gespräch sein muß, und auch teilen wir den wissenschaftlichen Anspruch sachlich bei der Materie zu bleiben, selbst wenn es im Judentum um mehr geht als Judenhauthandtaschen für Nazibräute.

      Es ist ein Unterschied, ob man sich die Zeit nimmt den Antisemitismus bei „Türkenmördern“ zu erraten, oder ob man durch den Antisemitismus an Leib und Leben bedroht ist. Daraus ergibt sich eine jeweils andere Sensibilität und Perspektive zum Thema Antisemitismus.

      Bei Frau Wetzel bleibt dann für mich die Frage offen, ob ihre Antisemitismusforschung rein akademischer Natur ist, oder ob sie als geeignet betrachtet wird, den Antisemitismus via Aufklärung abzuwehren, bzw., durch Entlarvung zu entkräften.

      So oder so, Juden haben da kaum eine Wahl.


      Forschungsschwerpunkte.
      Juden unter nationalsozialistischer Verfolgung (Deutschland, Frankreich, Italien), jüdische Nachkriegsgeschichte (jüdische Displaced Persons), Rechtsextremismus und aktuelle Formen des Antisemitismus in Deutschland und Europa sowie Antisemitismus im Internet.

      Quelle: http://www.tu-berlin.de/fakultaet_i/zentrum_fuer_antisemitismusforschung/menue/ueber_uns/mitarbeiter/wetzel_dr_juliane/#c490760

      Wünsche ein erholsames Wochenende.
      (Und vielleicht bitte ich noch um Nachsicht, wenn ich mich etwas holprig und/oder langatmig ausgedrückt haben sollte, für eine formfreundlichere Nachbearbeitung nehme ich mir riskanterweise jetzt keine Zeit mehr.;-)

  2. Couponschneider schreibt:

    Danke, dass Sie das mal so aufgedröselt haben. Dass das alles oberflächlich betrachtet wird, ahnte ich eigentlich schon immer. Mir kommt es immer verdächtig vor, wenn es immer wieder heißt, der islamische Antisemitismus sei überbewertet und „die Rechten“ das eigentliche Hauptproblem, von dem man nicht ablenken dürfe. Die Motivation eines Hakenkreuzes auf einer Synagoge kann ja zwei Bedeutungen haben. Einmal die rechtsextreme Position und dann ist das Hakenkreuz eine Drohung: „Wir, die Neonazis, kriegen euch schon noch!“. Desweiteren kann das Hakenkreuz auf einer Synagoge der Vorwurf sein, Israel sei wie das „Dritte Reich“. Einem Hakenkreuz alleine kann man nicht ansehen, aus welcher Motivation es gemahlt oder eingeritzt wurde. Einem Auto in der Nachbarschaft hat man ein Hakenkreuz auf die Motorhaube geritzt. Der Eigentümer selber wird’s nicht gewesen sein. Ich vermute ja, dass der Eigentümer mit der AfD symphatisiert und irgendwelche Linksextremen das aufgedeckt und sich ermächtigt haben, ihn zu stigmatisieren. Das wäre dann sogar ein dritter Kontext, aber ohne Synagoge.

    Ich habe mich ja schon zum folgenden Artikel geäußert:
    http://www.spiegel.de/panorama/leute/karl-lagerfeld-nennt-fluechtlinge-feinde-der-juden-a-1177796.html

    Dort heißt es:
    „Die Sachverständigen warnten bei der Vorstellung des Berichts im April aber auch vor voreiligen Schlussfolgerungen. Das rechtsextreme Lager sei in Deutschland nach wie vor die größte Quelle von Antisemitismus. „In der Öffentlichkeit steht die Gruppe der Muslime als vermeintliche Hauptverursacher des Antisemitismus im Fokus. Mit der Flüchtlingswelle haben solche Zuschreibungen noch zugenommen“, sagte damals die Historikerin Juliane Wetzel – was Aussagen wie die von Lagerfeldt nun bestätigen.“

    Ich habe keine Zahlen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das marginalisierte rechtsextreme Lager das größte Problem darstellt. Ich halte es für eine Lüge. Ganz sicher eine Lüge ist, dass die Medien sich auf die Muslime als Antisemiten gestürzt hätten. Da ich täglich Medien konsumiere, Mainstream wie SPON, FAZ, Welt, ZEIT, DLF, ARD und ZDF, aber auch Achse, TiN, Lizas Welt und Tichys Einblick, muss ich konstatieren: Muslime als Antisemiten werden in den Mainstream-Medien kaum thematisiert. Wir hatten doch in diesem Jahr den Medienskandal, als eine hervorragende Dokumentation im Giftschrank verenden sollte, weil sie islamisch motivierten Antisemitismus thematisierte, den linken und den der Mitte. Der rechtsextreme Antisemitismus kam tatsächlich recht kurz, aber wozu offene Türen einrennen und tote Pferde reiten? Aber genau diese Dokumentation sollte verschwinden und als sie nicht mehr verschwinden konnte, wurde sie zerredet. Die Vorwürfe waren aber durch die Bank irgendwelche Bagatellen, Wortklaubereien und Haarspaltereien, die ich nicht ernst nehmen konnte. „Der ewige Antisemit“ ist eine glückliche Ausnahme der Mainstream-Medien. Dass Malmö für Juden kein gutes Pflaster ist, weiß ich von TiN, Achse und Liza bestimmt schon seit einigen Jahren. „Die Welt“ hat auch schon 2010 drüber geschrieben. Aber für das öffentlich-rechtliche Fernsehen war das neu.

    Eine oberflächliche Recherche, wer über Malmö schon geschrieben hat, förderte auch das zu Tage:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/antisemitismus-so-antijuedisch-sind-die-deutschen-a-869519.html

    Dort heißt es:

    „Antisemitismus gibt es auch im islamistischen und linken und linksextremen Milieu. Forscher warnen allerdings davor, deshalb die überbordende Judenfeindlichkeit unter Rechtsextremen zu verharmlosen. Mehr als 90 Prozent der antisemitischen Straftaten werden nach wie vor von rechtsextremen Tätern verübt. Unklar sei noch, welche Rolle Hass auf Juden bei der Terrorzelle NSU spielte, sagt die Historikerin Juliane Wetzel vom Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung.[…] Für schädlich hält die Historikerin Juliane Wetzel Tenenboms These: ‚Es gibt Antisemitismus in Deutschland, aber dass wir auf dem Stand von 1933 sind, verharmlost und trivialisiert den Nationalsozialismus und die Judenverfolgung.'“

    Ich frage mich: 1. Was sind das für Forscher? 2. Warum warnt man immer, den Antisemitismus der Rechtsextremen zu verharmlosen? 3. Warum darf man den Vergleich zum Dritten Reich von 1933 ziehen? 1933 war einige Jahre vor der Judenverfolgung. Tenenboms Vergleich ist seriös und verharmlost nicht. Wer die AfD, mit der ich ausdrücklich nicht symphatisiere, als Nazis verunglimpft, „verharmlost und trivialisiert“ den Nationalsozialismus eher.

    Eine andere Stelle im Artikel: „Der Wissenschaftler Micha Brumlik von der Universität in Frankfurt sagt: „Die These, die Deutschen seien genauso antisemitisch wie 1933, sagt an sich noch nicht viel aus. Entscheidend ist die Haltung der Eliten – der Holocaust wäre ohne Ärzte, Juristen und Theologen nicht möglich gewesen. Die Frage ist, ob das heute noch genauso ist. Was den Antisemitismus betrifft wohl nicht, aber was mich umtreibt ist eine Form des Rassismus aus der Mitte, wie er auch in der Sarrazin-Diskussion zu Tage trat.““

    Ausgerechnet Sarrazin aufzugreifen, zeugt von einer gewissen Trivialisierung. Das „jüdische Gen“ war – so habe ich Sarrazin verstanden – nichts weiter als eine Metapher dafür, dass in einer Menschengruppe, die sich Jahrhunderte untereinander vermehrt, es zu gewissen genetischen Ausprägungen kommt. Womit er recht hat. Man kann sich auch auf jüdische Vorfahren testen lassen. Sarrazin hat daraus weder ein Überlegenheitsgefühl entwickelt noch eine politische Konsequenz gezogen. Ob Juden intelligenter waren oder sind aufgrund des „Evolutionsdrucks“ und der Genetik, wie Sarrazin behauptet, mag ich eher als falsch als richtig bewerten. Aber Antisemitismus erkenne ich nicht in so einer Äußerung. Dass Sarrazin immer wieder Artikel auf der Plattform des „Lobbyjuden“ Broder schreibt, kann man als Persilschein werten. Dass die sogenannten Forscher auch heute noch gerne Sarrazin aus den Hut zaubern, zeugt von tief sitzenden Oberflächlichkeit.

    • Ludwig schreibt:

      Sarrazins populärwissenschaftliche Thesen rund um das „Juden-Gen“ wurden völlig zurecht zerrissen, weil er an dieser Stelle argumentiert hat, wie ein beliebiger Vertreter der nationalsozialistischen Rassenlehre. Das entwertet allerdings nicht automatisch alle anderen unbequemen Fragen, die er so in die Runde geschossen hat.

      Mit dem „Fremdenhass“ ist es so wie mit der Statistik über politische Straftaten. Es kommt darauf an, wo man zuerst hinschaut und wo man danach wegschaut.

      Ein Blick auf die hasserfüllte Debatte rund um die religiös motivierte Beschneidung von moslemischen und jüdischen Jungen in Deutschland käme da zu überraschenden Ergebnissen. Genauso wäre es, wenn man die Ausdrucksformen der Hetze gegen ost-jüdische Zuwanderer von 1880-1930 mit der aktuellen Islamisierungsangst in Deutschland vergleicht.

      Ähnlich verwirrend wird es, wenn man zuerst die „PMK-Ausländer“ im Zusammenhang mit der Kurdenfrage und der Palästinenserfrage miteinander vergleicht, dann über kurdischen Türkenhass und palästinensischen Judenhass spricht und erst daraus eine Antikemalismus- bzw. ein Antizionismus-Definition ableitet.

      • A.Bundy schreibt:

        Penetrante Geschwatzhuberei von Einem, der glaubt, dass alles was hinkt, eine Vergleich ist, alles, was mit A anfängt, eine Analogie und jeder seine Hirnfürze es verdient, in einem Kommentar verewigt zu werden.

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