Köln – Ausschreitungen und Schüsse zu Neujahr

Wieder ist es in Köln zum Neujahrsfest zu Ausschreitungen gekommen. Diesmal fielen sogar Schüsse!

Wenn es um Neujahrsfestivitäten geht, hat Köln keine gute Hand. Die Silvesternacht 2015 hat den Ruf Kölns weltweit nachhaltig geschadet. Erzählt man heute einem Menschen in Sydney oder Chicago, dass man aus Köln kommt, ist die erste Reaktion: „Cologne? Where the rapes took place on New Years Eve?“

Nun ist es in Köln wieder zu Ausschreitungen an Neujahr gekommen. Allerdings nicht im Rahmen des christlichen Neujahrsfestes, das am 1. Januar gefeiert wird und an die Beschneidung von Jesus erinnert, sondern im Rahmen des Neujahrsfest Nouruz, das im März begangen wird und den Beginn des Frühlings feiert.

Nouruz wird von mehr als dreihundert Millionen Menschen seit mehr als dreitausend Jahren gefeiert. Seinen Ursprung hat das Fest, das sich über mehrere Tage erstreckt, in der persischen Kultur. Wörtlich übersetzt heißt Nouruz „Neuer Tag“. Zu den großen Traditionen der Feierlichkeit gehören ein Gabenteller (Haft Sin), auf dem sich Äpfel, Gewürze, Hyazinthen, Knoblauch, Getreide, Essig und Münzen befinden, der zusammen mit einem Spiegel, einer Kerze und einem Buch aufgestellt wird, ein sogenanntes „Mittwochsfeuer“ (Tschahar Schanbe Suri), das am Vorabend des letzten Mittwochs der Festes entfacht wird, sowie ein Ausflug an ein Gewässer.

In Köln versammelten sich am 2. April 2018 mehrere tausend Menschen am Decksteiner Weiher, um dort das Neujahrsfest zu begehen. Dabei lief das Fest vollkommen aus dem Ruder. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen kleineren Gruppen, bei denen einige Menschen verletzt wurden und sogar Schüsse fielen. Die BILD hat ein Video veröffentlicht, auf dem die Schüsse deutlich zu hören sind, gefolgt von angsterfülltem Schreien. In Folge dieser Ausschreitungen kam es zu einem Großeinsatz der Polizei. Polizeisprecher Lutz Flaßnöcker erklärte später: „Die Gründe für den Streit sind jeweils nicht ganz klar, liegen aber im privaten Bereich.“

Leider zeigt die Stadt Köln auch in diesem Fall wieder einmal ihre Schwerfälligkeit im Erkennen von gefährlichen Situationen. So wie die Polizei der Stadt Köln sogar noch Tage nach den massiven Ausschreitungen während der Silvesternacht 2015 vor dem Kölner Hauptbahnhof von einem ruhigen Jahreswechsel sprach und zunächst nicht wahrhaben wollte, dass es zu grauenhaften Ausschreitungen und massenhaften Anschlägen auf Frauen gekommen war, ist sie auch in diesem Falle wieder blind gegenüber den besorgniserregenden Entwicklungen beim persischen Neujahr.

Dabei ist die Situation schon seit Jahren besorgniserregend. Das Restaurant „Haus am See“ zum Beispiel macht während Nouruz schon gar nicht mehr auf. Die Chefin des Restaurants, Caren Beck, erklärt, die Ausmaße des Festes hätten sie dazu veranlasst, aus Sicherheitsgründen ihr Restaurant an dem Tag geschlossen zu halten. Sie fügt hinzu: „Es kommen auch immer Scharen von Menschen, um unsere Toiletten zu benutzen, da der Veranstalten keine Toilettenwagen aufgestellt hat.“

Seit Jahren schon, bleiben nach Nouruz Massen von Müll und Fäkalien am Decksteiner Weiher zurück. Auch diese Verwahrlosung hat in Köln eine traurige Tradition. Viel zu lange hatte die Stadt Köln bei der Verrohung des Kölner Karneval tatenlos zugeschaut. Zum Auftakt des Kölner Karnevals im November 2017 kam es dann zur Eskalation. Fünfzig Verhaftungen wurden vorgenommen und dutzende Anzeigen wegen sexueller, Übergriffe, Taschendiebstählen und Körperverletzungen wurden eingereicht. Der Kölner Stadt-Anzeiger zitierte damals einen nicht namentlich genannten Stadt-Mitarbeiter mit den Worten „Das ist der schlimmste Elften im Elften, den ich je erlebt habe.“

Der Sänger Alexander Barth wird mit den Worten zitiert: „Sodom und Gomorrha. Unsere Wege zu den Veranstaltungen in der Innenstadt waren ein echter Spießrutenlauf vorbei an besoffenen Kindern und krakeelenden Erwachsenen, durch Pisse, kaputte Flaschen und dergleichen.“

Der Präsident im Festkomitee Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, erklärte damals: „Diese Zustände sind so nicht mehr hinnehmbar. Alle Beteiligten sind in der Pflicht: die Stadt, aber auch alle, die in Köln feiern wollen.“

Diese Pflicht muss auch für jene Feste gelten, die erst seit einigen Jahren in Köln gefeiert werden, vor allem, wenn es bei diesen Festen zum Einsatz von Schusswaffen kommt.

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Bilder vom Decksteiner Weiher:

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2 Antworten zu Köln – Ausschreitungen und Schüsse zu Neujahr

  1. A.S. schreibt:

    Nun, dann muss man wohl den Kampf gegen Rechts verstärken und sicherstellen, dass nicht die Rechtspopulisten mit ihren einfachen Antworten (geltendes Recht durchsetzen) politisches Kapital daraus schlagen.
    Frau Reker wird sicher vorschlagen, eine Müllbeutellänge Abstand zu Pisslachen zu halten, dann wird das schon wieder……..

  2. Jordi schreibt:

    Im letzten Jahr war ich auf Einladung dort. Bis zum späten Nachmittag war bei schönstem Wetter alles friedlich trotz 5.000 Anwesenden (laut lokalen Medien). Grillsheriffs vom Ordnungsamt sprachen die Leute an, die nichts unter die Feuerstellen gelegt haben und bekamen sogar Essen angeboten, weil die Ärmsten ja arbeiten mussten. Andere Ordnungshüter schrieben massenhaft Knöllchen wegen der unzähligen Falschparker im Gelände, schöne Einnahmequelle… Das Haus am See nahm Eintritt für die Toilette (was die immer machen, aber draußen hing ein extra Schild für die Schlange und ich meine, der Kurs wäre höher als sonst gewesen, kann mich aber irren). Der Kiosk daneben hatte mehr als ordentlich zu tun.
    Habe allerdings auch gehört, dass sich die Teilnehmerstruktur bei diesem – neudeutsch – Flashmob gerade in den letzten Jahren (zusätzlich Afghanen und Kurden) verändert habe. Die Entwicklung hat irgendwie Parallelen zur Loveparade, die fingen auch mal mit 150 Leuten an, der Tiergarten anschließend jedes Jahr Sanierungsfall.
    Die Stadt Köln sollte sich mal überlegen, was sie überhaupt sein will. Für reines Stadtmarketing und Profit nach außen bella figura machen als angebliche Toleranzmetropole, die zugleich politisch korrekt, ökologisch nachhaltig und gerecht allen Abgabenzahlern (i.e. dort gemeldeten Bürgern) gegenüber sein will, ohne auch nur ansatzweise die eigenen Ziele unter einen Hut zu kriegen, zeugt von grundsätzlichen Missständen in Politik und Verwaltung. Haben wir auch beim Rheinboulevard gesehen. Mit heißer Luft statt Substanz ist Berlin auch vor die Hunde gegangen.

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