Eine schonungslos ehrliche Dokumentation – „Allein unter Flüchtlingen“

Die Dokumentation „Allein unter Flüchtlingen“ mit Tuvia Tenenbom zeigt schonungslos, wie in Deutschland Flüchtlinge in ihrer Hoffnungslosigkeit missbraucht werden, damit sich Deutsche als neue Herrenmenschen der Moral feiern können. Die Dokumentation ist schonungslos schmerzhaft, dabei teilweise bitter komisch und daher so unfassbar wichtig. Sie ist sieben Tage lang in der Mediathek des SWR abrufbar:

https://swrmediathek.de/player.htm?show=663f0010-4499-11e8-ba49-005056a10824

Für die Dokumentation hat Tuvia Tenenbom ohne Erlaubnis in Flüchtlingslagern gedreht und mit den Flüchtlingen dort gesprochen. Es ist erdrückend, deprimierend und menschenunwürdig, was er dort hört und erleben muss. Er sieht Kälte, Nässe und Kot. Er sieht Lager, wo Menschenmassen zusammengepfercht werden. Es gibt dort keine Privatsphäre gibt. Krankheiten breiten sich in den Lagern aus. Überall herrschen Lärm und Grelligkeit. Wer diesen Ort sieht, kann nur noch sagen, was Tuvia einst in seinem lesenswerten Buch „Allein unter Flüchtlingen“ über diesen Ort der unmenschlichen Menschlichkeit gesagt hat:

„Ich muss mich sammeln und darüber nachdenken, was ich gerade gesehen habe. Ich habe nicht damit gerechnet, das zu sehen, was ich sah. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ein Land wie Deutschland Menschen so behandelt. Ein Teil von mir möchte weinen, der andere will einfach nur schreien. Traurig ist das, sehr traurig.“

Es ist ein schrecklicher Ort, den wir in der Dokumentation zu sehen bekommen. Man fragt sich, ob es den Deutschen, die die Flüchtlinge einst klatschend tränengerührt und selbstergriffen patriotisch Willkommen geheißen haben, überhaupt um die Flüchtlinge ging oder doch vielmehr nur um die Pflege des eigenen angekratzten Images? Beim Schauen der Dokumentation hat man das Gefühl, in Deutschland werden Flüchtlinge benutzt, damit Deutsche ihr schlechtes Gewissen beruhigen können.

Immer wieder hört Tuvia Tenenbom, deutsche Politiker, Studenten und Vereinsvorsitzende sagen, man habe mehr Flüchtlinge als alle anderen Länder aufgenommen, weil man damit das schlechte Gewissen beruhigen wolle, wegen Hitler, Auschwitz, den Nazis und so. Aiman Mazyek bringt es sogar fertig und erklärt, einst seien Juden mit deutschen Zügen zu den Gaskammern transportiert worden und jetzt würden Flüchtlinge wiederum mit Zügen nach Deutschland gebracht. Damit, so erklärt Mazyek, würden die Deutschen endlich der Weltgemeinschaft zeigen können:

„Ein Gefühl, wir können es richtig machen. Wir haben es falsch gemacht und wir haben sehr falsch gemacht. Jetzt machen wir es richtig!“

Darum geht es also! Mir fallen dabei erneut Worte von Tuvia Tenenbom ein, die er in seinem Buch „Allein unter Flüchtlingen“ niedergeschrieben hat:

„Was mir am meisten auf die Nerven geht, ist, dass diese guten Deutschen alles andere als gut sind. Schleichen Sie sich doch bei Gelegenheit mal in ein Flüchtlingslager und machen Sie sich selbst ein Bild. Schauen Sie sich die maroden Zustände an, riechen Sie den Gestank, machen Sie sich bewusst, wie hier Feinde zusammengepfercht werden, kosten Sie von dem Essen und verschaffen Sie sich einen Eindruck von den elenden Zuständen, unter denen die Flüchtlinge hier in jedem Augenblick, an jedem Tag, in jedem Monat leben. Das einzige, was an dieser ganzen Willkommenskultur-PR-Maschinerie wie geschmiert funktioniert, ist das, was auch im letzten Jahrhundert prima geklappt hat: die perfekte Organisation der Transporte.“

In der Dokumentation sehen wir ebenfalls Tuvias verzweifelten Versuch, Hilfe für eine Frau zu organisieren, die schwer traumatisiert und kriegsversehrt unter inakzeptablen Bedingungen hausen muss und keine ärztliche Hilfe bekommt. Offen bekommt er von einer Flüchtlingshelferin erklärt, dass den Flüchtlingen in Deutschland nicht geholfen wird, weil ihnen nicht geholfen werden kann. Es seien einfach zu viel!

Die Obergrenze ist schon lange erreicht. Deutschland will es nicht wahr haben. Den Preis zahlen die Flüchtlinge.

Diese Flüchtlinge sind durch Krieg traumatisierte Menschen, die aus zerbrochenen Clanstrukturen stammen, zusammengehalten von einer autoritären Religion, gegründet von einem patriarchalen Feldherren! Diese Menschen brauchen individuelle Hilfe und intensive Betreuung. Diese Menschen in überfüllte enge Räume und Zelte zu zwängen, nicht selten zusammen mit Menschen aus Ländern und Kreisen, mit denen sie in der Heimat im Krieg lagen, ist das Gegenteil von Hilfe. Es ist ein Fortführen des Kriegs mit anderen Mitteln!

Diesen Menschen zu helfen, ist eine harte und verantwortungsvolle Arbeit. Sie verlangt, dass man sich der eigenen Grenzen bewusst wird. In einem Land, in der durch Krieg traumatisierte Menschen in Lager gepfercht werden, ist die Obergrenze erreicht! Es ist deutscher Größenwahn zu glauben, man könne ohne Obergrenze helfen und deutscher Größenwahn hat auf der Welt nicht gerade den besten Ruf.

In Deutschland bestimmt das komplizierte Verhältnis der Deutschen zu sich selbst den Umgang mit der Flüchtlingssituation. Man könnte überspitzt sagen: Hitler bestimmt die deutsche Flüchtlingspolitik. Es gibt deutlich bessere Gründe, um hilfsbereit zu sein.

Die Dokumentation atmet voll und ganz den Geist Tenenboms. Im 21. Kapitel seines Buchs „Allein unter Flüchtlingen“ schreibt er:

„Sie und ich mögen seine Worte nicht gutheißen, doch ich finde, er hat das Recht, sie zu äußern. Hätte er sich entsprechend über Juden geäußert, dann würde ich ihm genau dasselbe Recht zubilligen, obwohl ich schließlich selbst jüdisch bin. Denn, hey, lieber weiß ich, was die Leute über mich denken, als meine Zeit mit ‚Liberalen‘ zu vergeuden, die mir Liebe schwören, mich und andere Juden aber in Wahrheit nicht ausstehen können.“

In dieser Philosophie redet er in der Dokumentation mit Gregor Gysi, Frauke Petry, Henriette Reker und Akif Pirinçci. Man muss Akif Pirinçci nicht mögen, um zu erkennen, dass ihm in Deutschland Unrecht und Gewalt angetan wird. Man muss jedoch ein sehr selbstgerechter Deutscher sein, um die Gewalt, die ihm alltäglich angetan wird, zu rechtfertigen oder achselzuckend hinzunehmen.

Als Tuvia Tenenbom Akif Pirinçci besucht, sehen wir, dass seine Wohnungstür mit diversen Farbanschlägen attackiert wurde. In der Wohnung erfährt Tuvia dann noch mehr ungeheuerliches, zum Beispiel, dass er massiv auch von öffentlich-rechtlichen Medien verleumdet wurde, in dem bewusst eine Aussage von ihm entstellt wurde. In seinem Buch beschreibt Tuvia die Begegnung wie folgt:

„Junge und alte Deutsche haben nichts Besseres zu tun, als diesen Mann zu verletzten. Als Akif, den Volksfeind, zu verletzen. Gib den Leuten die Gelegenheit, andere zu verletzen und zu demütigen, sage ihnen, Grausamkeit sei eine Tugend, und sie werden zu Tieren.“

Ich kenne die Grausamkeiten nur zu gut. Was bin ich schon angegriffen worden. Immer wieder wird vorgeworfen, ich würde mich mit den Menschen gemein mache, deren Rechte ich verteidige. Grundrechte gelten aber für alle Bürgerinnen und Bürger, nicht nur für die, die sich gut benehmen. Ich bin Mitglied im Artikel 5 Club. Tuvia Tenenbom fragt in seinem Buch:

„Was macht Menschen zu Gerechten? Was bringt sie dazu, diejenigen zu demütigen, die nicht ihrer Meinung sind? Ich weiß es nicht. Welches Verbrechen hat Akif begangen? Er macht sich über den Islam lustig. Er, der türkische Junge, der deutscher Staatsbürger wurde, zieht die Religion seiner Eltern durch den Kakao, er verhöhnt seine eigene Kultur und sein eigenes Volk. Ich kenne Leute wie ihn. Weiße Deutsche, die das Christentum, die Religion ihrer Eltern, verhöhnen und die ihre eigene Kultur und ihr eigenes Volk auf den Arm nehmen – und manchmal Hassreden gegen Christen halten, so ähnlich wie oder schlimmer noch, als Akif es tut. Wie wir alle wissen, sind diese Leute die Künstler, die Autoren, die kulturelle Elite Deutschlands. Als Weiße haben sie das Recht, so etwas zu tun und man stellt sie dafür auf den Sockel. Akif aber hat nicht dieses Recht, so etwas zu tun. Weil er Türke ist. Weil er eine dunklere Haut hat. Weil seine Eltern Muslime waren.

Knapp zusammengefasst haben Weiße Rechte, die Nichtweiße nicht haben. So denken politisch korrekte Menschen. Sie sind, um es mal kurz und deutlich zu sagen, verdammte Rassisten. Passt auf, ihr Leute aus Syrien, Libyen und Nordafrika: Der Tag wird kommen, da ihr wie Akif lernen werdet, dass man euch hier nur liebt, wenn ihr brav auf der untersten Stufe bleibt.“

Tuvia Tenenbom redet in der Dokumentation offen und deutlich mit seinen Gesprächspartnern. Er bringt sogar Frauke Petry zum Schweigen. Ein Höhepunkt dieser Dokumentation.

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