Facebook sperrt Gerd Buurmann zum dritten Mal

Es ist schon wieder passiert. Ich wurde durch Facebook gesperrt, weil ich unter einem Beitrag, in dem massiv gegen Israel und Juden gehetzt wurde, auf einen Typen, der fragte, warum „die Juden“ denn „nichts aus ihrer Geschichte gelernt“ hätten und nun in Israel „wie die Nazis“ agierten, folgenden sarkastischen Kommentar abgesetzt hatte.

„Ja warum? Warum haben die Juden nichts aus Auschwitz gelernt? Warum wurde diese deutsche Nachhilfe nicht angenommen? Unverschämt, diese Juden.“

Für diesen im Kontext problemlos als Satire erkennbaren Kommentar wurde ich nun von Facebook gesperrt. Interessanterweise wurden die Kommentare, die Israel mit Nazideutschland vergleichen und erklären, gerade „die Juden“ hätten doch „aus der Geschichte lernen“ müssen, von Facebook stehengelassen.

Was Facebook hier veranstaltet, ist keine Seltenheit. Am 23. Oktober 2017 veröffentlichte die Tagesschau auf ihrer Facebook-Seite eine Nachricht über einen „Milliarden-Deal mit Israel“. Hasserfüllte Kommentare unter dem Artikel ließen nicht lange auf sich warten. Die Nutzerin Malca Goldstein-Wolf schrieb daraufhin eine Nachricht an die Tagesschau:

„Ich bin gleichermaßen erschrocken, traurig und wütend, dass Sie zu Ihrem Artikel über den U-Boot Deal mit Israel keinen Admin eingesetzt haben. Ich habe schon einigen Antisemitismus erlebt, dieser Thread allerdings ist besonders übel. Ist es zu viel verlangt, dass Sie offenkundigen Antisemitismus auf der Facebook-Seite der Tagesschau unterbinden?“

Da die Tagesschau darauf nicht reagierte, reagierte Malca Goldstein-Wolf und wurde selber gegen den Hass tätig und bekam auf der Facebook-Seite der Tagesschau prompt folgende Antwort:

“Halts Maul du Kuh… hoffentlich hat Der Iran bald ne Atombombe (…) Ich hoffe Israel geht unter mit ganz großem Taraaa.“

Der Mann, der Malca Goldstein-Wolf als „Kuh“ bezeichnete und die totale Vernichtung Israels forderte, machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er erklärte frank und frei, er „hasse Israel aus ganzem herzen.“

Ein anderer Nutzer erklärte, Juden würden den Holocaust für finanzielle Zwecke missbrauchen: „Nein. Ich werde meine Meinung sagen was ich von dem Verbrecherstaat Israel halte und was ich von dem finanziellen Missbrauchs des Holocaust halte. Die Zeiten sind vorbei, in denen ihr uns den Mund verbietet.“

Da die Tagesschau die Beleidigungen und Vernichtungsphantasien nicht löschte, meldete Malca Goldstein-Wolf sie bei Facebook und bekam die Antwort, dass sie nicht gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen. Das entmutigte sie jedoch nicht. Sie diskutierte weiter. Dabei wurde ihr vorgeworfen, sie würde zusammen mit allen anderen Zionisten, Terroristen züchten und Chaos verbreiten. Es wurde sogar behauptet, der Islamische Staat werde von Israel unterstützt.

Im Verlaufe des Gesprächs kam auch der Koran ins Spiel und es wurde diskutiert, in welchem Kontext die judenfeindlichen Passagen des Korans zu verstehen seien. Als Malca Goldstein-Wolf daraufhin erklärte, dass dies für sie „muslimischer Dumpfbacken Antisemitismus“ sei, wurde sie für diesen Kommentar für dreißig Tage auf Facebook gesperrt.

So sieht es auf Facebook aus: Während beleidigende und dem Hass zugeneigte Kommentare gegen Israel, Zionisten und Juden den Gemeinschaftsstandards von Facebook nicht widersprechen und auf der Seite der Tagesschau zu lesen sind, wird eine Frau, die von den Hassenden beleidigt wurde, gelöscht und für dreißig Tage gesperrt, weil sie sich mit deutlichen Worten gegen diesen Hass gewehrt hat. Für mich klingt das alles so:

„Diese lebendigen Juden aber auch. Da wehren die sich einfach. Das muss schnell unterbunden werden.“

Israel zu kritisieren, ist einfach viel unkomplizierter, wenn man vorher alle Juden rausschmeißt, die sich wehren.

Ich wurde mittlerweile drei Mal von Facebook gesperrt. In beiden letzten Fällen ging es ebenfalls um das Posten von Berichten und Bildern gegen Judenhass. Am 1. Juli 2017 wurde ich bei Facebook gesperrt, weil ich ein Bild veröffentlicht hatte, das zeigte, wie auf Stolpersteinen herumgetrampelt wird.

Meine Empfindung zu dieser Art des Gedenkens fasste ich in diesem Artikel zusammen:

„Die Familie Stolperstein“

Für das Bild wurde ich am 1. Juli 2017 für 24 Stunden bei Facebook gesperrt. Ein paar Tage vorher wurde ich für eine Polemik geperrt, die ich zu dem Umgang des WDR mit der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner verfasst hatte. Die Polemik trägt den Titel:

„Neues vom WDR Faktencheck“

Die Polemik ist eine deutliche Reaktion auf das Verhalten des WDR, das ich bereits in diesem Artikel kritisiert hatte:

„Ein beispielloser Skandal“

Für das Posten dieser Polemik auf Facebook wurde ich ebenfalls von Facebook für 24 Stunden gesperrt.

Alle drei Sperrungen fallen in Zeiten, da mein Name prominent in vielen Medien deutschlandweit und international als Kämpfer gegen Judenhass auftauchte. Vor einem Jahr zum Beispiel gehörte ich zu den Autoren, die den WDR und arte erfolgreich dazu gebracht hatten, eine Dokumentation über Judenhass in Europa zu senden, die sie aus fadenscheidigen Gründen unter Verschluss halten wollten. Mein Name tauchte dadurch in vielen Zeitungen auf.

Auch diesmal wieder erfolgt meine Sperrung, nachdem ich in vielen Zeitungen als Kämpfer gegen Judenhass auftauchte, nachdem ich die Intendantin der Ruhrtriennale, Stefanie Carp, für ihre Entscheidung kritisiert hatte, offen darüber zu diskutieren, ob man Israel boykottieren solle. Ich schrieb:

„Endlich kann bei einem deutschen Festival wieder über den Sinn und die Legitimation eines Boykotts diskutiert werden.

Judenhass hat eine einfache Definition:

„Wer an Juden kritisiert, was er bei allen anderen Menschen durchgehen lässt, ist ein Antisemit.“

Da ausschließlich zum Boykott des einzigen jüdischen Staat der Welt aufgerufen wird und die Ruhrtriennale über Sinn und Legitimation dieses Boykotts diskutieren wird, ist die Grenze zum Antisemitismus überschritten.“

Die vier Landesverbände der Jüdischen Gemeine in Nordrhein-Westfalen stimmten meiner Kritik zu und kritisierten besonders die Auswahl der Teilnehmer an der Diskussion. Es fehle die „pro- jüdische Stimme auf dem Podium“, lautet der Vorwurf in einem offenen Brief an Stefanie Carp.

Abraham Lehrer, Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln und Unterzeichner des offenen Briefes hat einen Vorschlag, wen die Intendantin noch einladen sollte. Er macht den Vorschlag, mich zu der Diskussionsrunde einzuladen: „Dann hätte die pro-jüdische Stimme einen guten und starken Vertreter dort auf dem Podium.“

So tauchte mein Name in verschiedenen Medien auf und so geriet ich wieder ins Fadenkreuz der „Israelkritiker“.

Es gibt allerdings ein grundlegendes Problem bei Facebook. Bei Facebook werden Einträge gelöscht, wenn sie von vielen Menschen gemeldet werden. Je mehr ein Mensch also gehasst wird, umso mehr läuft er Gefahr, von Facebook diskriminiert zu werden.

Es gibt über 1,6 Milliarden Muslime auf der Welt aber nicht mal 16 Millionen Juden. Auf einen Juden kommen hundert Muslime. Es ist viel leichter, eine große Anzahl von Muslimen zu finden, die sich durch eine Aussage beleidigt fühlen und mag sie auch noch so harmlos sein, als eine große Anzahl von Juden, die sich durch eine Aussage beleidigt fühlen und mag sie auch noch so brutal sein.

Immer wieder kommt es bei Facebook vor, dass vollkommen akzeptable Kritik am Islam gelöscht wird und die Kritiker mit langen Sperren belegt werden, während offen judenfeindliche Aussagen nicht gelöscht werden. Bei Facebook kommt es nämlich nicht auf die Aussage an, sondern darauf, wieviele Menschen sich beleidigt fühlen.

Der Mob beherrscht die Netzwerke. Heute gilt, bringe nur genug Menschen gegen Dich auf und eine Sperrung wird sehr wahrscheinlich. In einer aufgeklärten Demokratie herrschen jedoch nicht die Masse und der Mob, sondern die Vernunft und das Menschenrecht. Die Grundrechte des Einzelnen können nicht durch eine Mehrheit abgeschafft werden. Judenhass fand und findet oft eine Mehrheit und war und ist dennoch immer falsch.

Die Art und Weise wie soziale Netzwerke wie Facebook ihre Seiten verwalten, ist ein Angriff auf den liberalen Geist der Individualität, wo der Gedanke der Freiheit und die persönliche Entfaltung zählen und nicht der Mob.

Wir haben es hier mit einem Sieg des Gefühls und der Masse über die Vernunft und das Individuum zu tun. Das ist ein großes Problem. Es muss sofort behoben werden!

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