Jude sein ist völkerrechtswidrig

Die Europäische Union sieht israelische Siedlungen in Ost-Jerusalem und dem Westjordanland als Verstoß gegen das Völkerrecht und Hindernis für den Friedensprozess mit den Palästinensern.

Diese Position der Europäischen Union muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Europa erklärt, dass es Orte gibt, wo Juden nicht leben dürfen. Tun sie es dennoch, werden sie zu „illegalen israelischen Siedlern“ erklärt, die gegen das Völkerrecht verstoßen. Dabei ist der Begriff „israelisch“ vollkommen irreführend. Es sind nämlich nicht die palästinensischen und arabischen Israelis, die zu „illegalen Siedlern“ erklärt werden. Es sind nur die jüdischen Israelis. Es ist somit nicht die Staatsangehörigkeit die zur Illegalität verdammt, es ist das Jüdische.

Es gibt Araber, die träumen von einem „judenreinen“ Palästina wie dem Gazastreifen. In den palästinensischen Autonomiegebieten ist es unter Todesstrafe verboten, Land an Israelis zu verkaufen. Europa sollte auch mal „judenrein“ werden. Vor über siebzig Jahre wurde dieser Plan am Wannsee in Deutschland gefasst. Der Plan wurde vereitelt. Was Deutschland aber nicht gelang, unterstützt die Europäische Union nun im Nahen Osten: Die Schaffung von „judenreinen“ Gebieten, oder, um es in der Rhetorik der Europäischen Union zu formulieren: Orte wo es völkerrechtswidrig ist, Jude zu sein.

In Israel sind derweil die über eine Million arabischer Siedler natürlich nicht illegal. Im Gegenteil: Sie sind legale Bürgerinnen und Bürger des Landes Israel. Sie genießen die gleichen Rechte und teilen die Pflichten. Niemand spricht von „illegalen palästinensischen Siedlern“ und niemand erklärt sie zum Friedenshindernis.

Araber in Israel sind Bürger. Juden im Westjordanland aber sind „illegale Siedler“.

So einfach ist das in machen Köpfen der Europäischen Union, die in doppelter Moral denken, aber natürlich keine Antisemiten sein wollen.

Veröffentlicht unter Europa | Kommentare deaktiviert für Jude sein ist völkerrechtswidrig

Nikuta und ich

Jetzt bin ich angekommen! Ich bin Kölner! Hier ist der Beweis:

20130720-231841.jpg

Marie-Luise Nikuta und ich auf einem Bild zusammen mit Torsten Schlosser und Petra Pansen. Das Foto hat Tom Wolff gemacht.

Marie-Luise Nikuta ist eine Kölner Institution. Sie gilt als „Königin des Mottolieds“, da sie seit 1977, mit Ausnahme von 2003 bis 2005, jährlich das Mottolied des Kölner Karnevals beisteuert.

Dass ich das noch erleben darf!

Veröffentlicht unter Spaß | Kommentare deaktiviert für Nikuta und ich

Unanständiges Benehmen in Dubai

Marte Deborah Dalelv ist Norwegerin und sitzt zur Zeit ohne Pass und mit wenig Geld in Dubai fest und wartet auf ein Revisionsverfahren. Erst jüngst war sie zu 16 Monaten Haft wegen „Sex außerhalb der Ehe“ verurteilt worden. Ihr Arbeitgeber sprach ihr die Kündigung wegen „unanständigem Benehmen“ aus.

„Unanständiges Verhalten“ in Dubai, was bedeutet das?

Am 5. März 2013 wollte sich Marte Deborah Dalelv nach einer Party von einem Kollegen in ihr Zimmer bringen lassen, aber es kam anders:

„Er brachte mich zu seinem Zimmer. Als ich nicht mit hinein wollte, packte er mich hart an. Er beruhigte mich aber auch und meinte, ich könne im Bett schlafen. Er nehme das Sofa.“

Am nächsten Morgen wachte sie durch eine Vergewaltigung auf.

„Meine Kleider waren weg, ich lag auf dem Bauch. Ich wollte mich freikämpfen, aber er drückte meinen Kopf am Nacken nach unten.“

Dann klopfte es an der Tür.

„Er sagte noch, als er zur Tür ging, ich soll den Mund halten, aber ich packte meine Klamotten und lief davon. In der Tür rief er: ‚Vergiss nicht: Du wolltest es so!“

Marte Deborah Dalelv verständigte sofort die Polizei.

„Ich sagte nur: ‚Ich bin vergewaltigt worden‘. Für mich war es normal, mich sofort an die Polizei zu wenden.“

In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist das aber nicht normal! Im Dezember 2012 war eine britische Frau in Dubai, die drei Männer der Vergewaltigung angezeigt hatte, die die Tat auch noch gefilmt hatten, wegen unerlaubten Trinkens von Alkohol verurteilt worden. Vor drei Jahren wiederum verurteilte ein Gericht in Abu Dhabi eine 18-jährige Frau Emirate zu einem Jahr Gefängnis für illegalen Sex nachdem sie sechs Männer wegen Vergewaltigung angezeigt hatte. Im Jahr 2008 brachte eine australische Frau eine Vergewaltigung zur Anzeige und gab an die unter Drogen gesetzt worden zu sein. Auch sie wurde zunächst wegen illegalem Sex außerhalb der Ehe zu 11 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach acht Monaten wurde sie jedoch begnadigt und die drei Männer der Vergewaltigung verurteilt.

Marte Deborah Dalelv wollte bei Polizei niemand glauben.

„Einer fragte mich zwei Stunden nach der Vergewaltigung, ob ich zur Polizei gegangen bin, weil es mir nicht gefallen hat.“

Sie wurde untersucht. Der Arzt stellte Verletzungen fest, wollte sich aber auf eine Vergewaltigung nicht festlegen. Die Polizei nahm ihr Handy, Pass und Geld ab und sperrte sie ein. Erst nach einigen Tagen lieh ihr eine Mitgefangene ihr Telefon, so dass sie zu Hause anrufen konnte. Die Botschaft wurde sofort alarmiert und Marte Deborah Dalelv kam frei. Allerdings kann sie ohne Pass nicht das Land verlassen.

Der nächste Prozesstermin ist am 6. September.

Veröffentlicht unter Feminismus | Kommentare deaktiviert für Unanständiges Benehmen in Dubai

Nicht verwechseln!

20130714-121242.jpg

Veröffentlicht unter Deutschland | Kommentare deaktiviert für Nicht verwechseln!

Bilder vom CSD

Die Kunst gegen Bares war beim CSD dabei. Hier die ersten Bilder von Tom Wolff, Cathérine de la Roche, Talishja van Aaken, Gudrun Höpker und Viktoria Burkert.

Weitere Bilder folgen!

20130707-200652.jpg

20130707-200659.jpg

20130707-200705.jpg

20130707-200710.jpg

20130707-200714.jpg

20130707-200718.jpg

20130707-200726.jpg

20130707-200802.jpg

20130707-200814.jpg

20130707-200857.jpg

20130708-102358.jpg

20130708-235311.jpg

20130709-003516.jpg

Veröffentlicht unter Kunst Gegen Bares, Politik, Spaß | Kommentare deaktiviert für Bilder vom CSD

SZ nennt Jakob Augstein indirekt einen „Feind Israels“

Erst waren es nur wenige. Jetzt werden es mehr. Vor einiger Zeit setzte das Simon Wiesenthal Center gewisse Aussagen von Jakob Augstein auf die Liste der schlimmsten antisemitischen Verunglimpfungen des Jahres 2012. Es gab nicht viele Journalisten, die diese Entscheidung der Menschenrechtsorganisation geteilt haben. Auch ich wagte Augsteinkritik. Jetzt aber gibt es Unterstützung von der Süddeutschen Zeitung. Das pikante daran: Es ist die Halbschwester von Jakob Augstein, die ihren Bruder zum „Feind Israels“ stempelt. Aber der Reihe nach.

Unter der redaktionellen Leitung von Franziska Augstein veröffentlichte die SZ am 2. Juli 2013 eine Zeichnung von Ernst Kahl, auf der ein raffzähniges, gehörntes Monster mit Messer und Gabel in der Hand zu sehen ist, das im Bett sitzt und von einer Frau mit Essen versorgt wird. Dieses Bild wurde von der Redaktion mit folgender Bildunterschrift versehen:

„Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land für einen gefräßigen Moloch.“

Das Bild stellt somit im Kontext Israel als gefräßige Monster dar und Deutschland als Dienerschaft des Monsters. Dieses Bild hat einen Skandal ausgelöst. Dieter Graumann zum Beispiel erklärte:

“Ich bin absolut schockiert, dass in einer so renommierten und seriösen Zeitung wie der SZ offenbar derart fahrlässig mit Ressentiments gespielt wird. Es wundert mich sehr, wie es möglich ist, dass antisemitische Assoziationen hier so leichtfertig zugelassen werden.”

Auch Tapfer im Nirgendwo fand deutliche Worte. Die SZ reagierte prompt und verfasste eine Stellungnahme, in der sie Jakob Augstein indirekt zum „Feind Israels“ erklärte:

„Ernst Kahls gehörntes, hungriges Monster hat mit den antisemitischen Klischees nichts zu tun. Man muss das Bild zusammen mit der Bildunterschrift anschauen. Da heißt es: „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde betrachten das Land als einen gefräßigen Moloch. Peter Beinart beklagt, dass es dazu gekommen ist.“ Also: Nur die Feinde Israels sehen Israel in der Weise, die dem abgebildeten Monster ähnelt. Außerdem ist der Staat Israel nicht mit dem Judentum gleichzusetzen.“

Die SZ erklärt, dass nur die Feinde Israels das Land Israel so sehen, wie es in dem Bild dargestellt ist. Jakob Augstein sieht Israel genau so! Hier ein paar Aussagen von ihm:

„Wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen.“ (Spiegel)

„Israel bekommt das, was es will. Und dafür muss Israel nicht einmal zahlen.“ (Spiegel)

Diese Aussagen sind so ziemlich das genaue Äquivalent zu dem Bild des raffzähnigen, gehörnten Monsters. Es ist somit klar: Jakob Augstein ist ein „Feind Israels“, jedenfalls wenn man das Statement der SZ ernst nimmt.

Veröffentlicht unter Deutschland | Kommentare deaktiviert für SZ nennt Jakob Augstein indirekt einen „Feind Israels“

Eine Straße namens Hitler

In der Mitte des 18. Jahrhunderts bestiegen die Hitlers ein britisches Schiff und machten sich auf den Weg in die neue Welt. In der Stadt Circleville in Ohio ließen sie sich nieder und entwickelten sich dort zu einer angesehenen und bekannten Bauernfamilie. Nach ihnen wurden eine Straße und ein Friedhof benannt: Hitler Road und Hitler Ludwig Cemetary

20130621-115709.jpg

20130621-120728.jpg

Auf dem Hitler-Ludwig Friedhof sind einige Hitlers begraben. Das führt nicht selten zu Missverständnissen. Nicht selten kommt es vor, dass Menschen, die nach dem Weg fragen, es für einen üblen Scherz halten, wenn man ihnen sagt, sie seien auf der Hitler Straße. Die neuen Navigationssysteme haben auch nicht zur Entspannung beigetragen. Gewiss mussten schon manch ein Fahrer rechts ranfahren, weil er nicht glauben konnte, was er da gerade gehört hatte: „In 500 Metern links: Hitler Straße.“

„Ich bekomme einige seltsame Anrufe auf dem Anrufbeantworter“, sagt zum Beispiel der Friedhofswärter Duane Howard. „Manche Anrufer wollen Adolf sprechen. Einer forderte sogar einmal eine vollständige Nazi Beerdigung.“

Tom Ebenhack ist Tierarzt. Seine Mutter war eine Hitler. Er ist einer der ganz wenigen Nachkommen der Hitlers in Ohio und es stört ihn nicht: „Ich habe mich von dem Namen meiner Mutter nie wirklich belästigt gefühlt. Ich denke, es ist sogar eher ein faszinierendes Detail.“ Die Generationen vor ihm hätten zwar einige Witze aushalten müssen, aber sie sollen nie lächerlich gemacht worden sein.

„Wahrscheinlich“, so spekuliert Ebenhack, „lag das an dem prominenten Ruf der Hitlers vor Ort. Soweit ich weiß, sind wir die einzigen wahren Hitlers in der Welt ist. Adolf war nicht wirklich ein Hitler. Ich habe historische Berichte gelesen, denen zufolge Adolf von einer Frau geboren wurde, die später einen Mann namens Hiedler geheiratet haben soll. Irgendwann wurde der Name einmal falsch geschrieben und dann blieb „Hitler“ einfach haften.“

Die Circleville Hitlers, soviel ist klar, wollen mit Adolf nichts zu tun haben. In Circleville waren und sind die Hitlers schließlich angesehene Bürger. Jenseits der Stadt sah und sieht das allerdings anders aus.

Diejenigen Hitlers zum Beispiel, die das Gebiet irgendwann verlassen hatten, sahen sich schnell Schikanen ausgesetzt, besonders während der Zeit von Adolf. Ein Mann mit dem Namen George Hitler Jr. erzählt, dass sein Vater eins von Circleville nach Akron zog, um dort eine Führungsposition in einem Reifen Unternehmen zu unternehmen. Der Präsident des Unternehmens bat ihn, seinen Namen zu ändern, aber Hitler Sen. lehnte ab. Hitler bleibt Hitler und kein Adolf kann das ändern. „Während des Krieges, wurde es für meine Eltern richtig schlimm“, sagt Hitler Jr., der heute in North Carolina lebt. „Sie mussten sogar ihre Telefonnummer ändern.“

„Die Circleville Hitlers werden sich niemals dazu hinreißen, den Namen zu ändern“, sagt Tom Ebenhack. „Die Schande eines einzigen Mannes wird daran nichts ändern. Ich hoffe, dass die Straßennamen nie verschwinden. Sollte es dennoch einmal geschehen, dann wäre das in gewisser Weise eine Schande.“

Veröffentlicht unter Amerika | Kommentare deaktiviert für Eine Straße namens Hitler

Die Süddeutsche macht den Stürmer!

Mit diesem Artikel habe ich mir etwas Zeit gelassen. Heute morgen erhielt ich folgende Mail auf Facebook:

Hallo lieber Gerd,

haben Sie das hier heute schon gesehen?

http://twitpic.com/d0d5f1

Ich schicke Ihnen den Link, weil ich keine Person kenne, die dafür klarere und besser Worte finden könnte, um diesen Artikel samt Bild zu verurteilen.

Liebe Grüße,
S.

Ich öffnete den Link und wollte meinen Augen nicht trauen. Meine erste Worte waren daher nur:

20130702-184829.jpg

Ich sah ein Bild von dem mir hoch geschätzten und verehrten Künstler Ernst Kahl in einem offen antisemitischen Kontext. Ernst Kahl ist für mich die perfekte Mischung zwischen Pieter Bruegel dem Älteren und Jim Henson. Ich wollte einfach nicht glauben, dass sich dieser wunderbare Cartoonist zu einer antisemitischen Schmiererei für die Süddeutsche Zeitung habe hinreißen lassen.

Ich wollte vor dem Verfassen eines Artikels für Tapfer im Nirgendwo erst Kontakt mit dem Maler aufnehmen, aber schon ein paar Stunden später bestätigte Michael Wulinger von der Jüdische Allgemeinen meine Vermutung. Ernst Kahl hatte von dem Missbrauch eines Bildes von ihm für antisemitische Zwecke nichts gewusst. Durch Anrufer hatte er erfahren, dass eine seiner Zeichnungen in einem Kontext erschienen war, der von Dieter Graumann als „fast schon ›Stürmer‹-Niveau“ bezeichnet wurde.

Ernst Kahls Reaktion auf diesen Missbrauch fiel eindeutig aus: „Ich bin entsetzt!“ Die Süddeutsche Zeitung habe einen Fundus seiner Bilder, aus dem sie sich immer wieder ohne Rücksprache für Illustrationen bediene. Er wäre gern vorher gefragt worden, denn dann hätte er mit Sicherheit Nein gesagt.

Was war geschehen? Ein Bild von Ernst Kahl, das ein raffzähniges, gehörntes Monster mit Messer und Gabel in der Hand zeigt, das im Bett sitzt und von einer Frau mit Essen versorgt wird, wurde von der Redaktion mit folgender Bildunterschrift versehen:

„Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land für einen gefräßigen Moloch.“

Auf einmal war also Israel das gefräßige Monster und Deutschland die Dienerschaft des Monsters. Dabei ist der Artikel von Heiko Flottau, der durch die Zeichnung bebildert wird, nicht antisemitisch. Lizas Welt schreibt dazu:

„Die Rezension selbst ist dabei noch nichts, was man in Bezug auf die Thematik nicht ohnehin von dieser Zeitung kennt und gewohnt ist: »Welchen Charakter hat dieses Israel heute, für dessen Bestand die Bundesrepublik seit mehr als einem halben Jahrhundert Milliardensummen ausgibt?«, fragt Flottau vor allem rhetorisch, bevor er den amerikanischen Politikwissenschaftler Beinart und den früheren ARD-Korrespondenten Sonne genau jene Antworten geben lässt, die der gemeine SZ-Leser erwartet: An die Stelle »jüdischer Ohnmacht« sei »jüdische Macht« und vor allem deren »Missbrauch« getreten, weshalb die Juden mit sich »ins Gericht gehen« sollten, statt weiterhin eine »großisraelische Versuchung« zu unterstützen und dafür auch noch Hilfe aus Deutschland in Anspruch zu nehmen.“

Auch das Bild selbst ist nicht antisemitisch, im Gegenteil: Das Bild ist wunderbar. Erst die Verbindung des Bildes mit dem Text und die Bildunterschrift lassen antisemitische Vorurteile aufkommen. Der Autor ist unschuldig, der Zeichner sowieso. Die Redaktion hat diesen Antisemitismus zu verantworten. Die zuständige Redakteurin ist: Franziska Augstein.

Franziska Augstein ist interessanterweise mit einem Mann verwandt, der bereits folgende Phrasen gedroschen hat:

„Wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen.“ (Spiegel)

„Israel bekommt das, was es will. Und dafür muss Israel nicht einmal zahlen.“ (Spiegel)

Die Entschuldigung der Süddeutschen Zeitung ist daher mehr als peinlich:

„Nur die Feinde Israels sehen Israel in der Weise, die dem abgebildeten Monster ähnelt.“

Ja, Franziska, zum Beispiel Dein verfickter Halbbruder sieht Israel so.

„Außerdem ist der Staat Israel nicht mit dem Judentum gleichzusetzen.“

Dafür, dass angeblich nur die Feinde Israels das Land als gefräßiges Monster sehen, hatten Sie sehr schnell ein passendes Bild zur Hand, um diesen Hass zu bebildern.

„Nachdem das Bild aber zu Missverständnissen geführt hat, wäre es besser gewesen, ein anderes zu wählen.“

Entweder hat die Redaktion der Süddeutschen Zeitung keine Ahnung von der deutschen Geschichte des kulturellen Judenhass‘ oder sie hat ganz bewusst das Missverständnis in Kauf genommen. Die Redaktion der Süddeutschen Zeitung besteht somit entweder aus dummen Antisemiten oder aus offenen Antisemiten. Ich kann nicht sagen, was ich schlimmer finde.

Veröffentlicht unter Deutschland | Kommentare deaktiviert für Die Süddeutsche macht den Stürmer!

Krawalle in Offenbach

In Offenbach ist es zu einem Angriff auf den aus Pakistan stammenden Autoren Zahid Khan gekommen, als er auf dem Offenbacher Marktplatz sein Buch über den Islam vorstellen wollte. Im Verlauf der Buchvorstellung versuchten Demonstranten, die angemeldete Veranstaltung zu verhindern. Nach Angaben der Polizei wurde der Autor bespuckt und mit Münzen und einer Flasche beworfen. Als einige Demonstranten den 56-Jährigen Buchautoren angreifen wollten, wurde dieser von der Polizei in Sicherheit gebracht und die Kundgebung nach gut einer Stunde aufgelöst. Wegen Körperverletzung, Beleidigung, Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole und Widerstands gegen die Staatsgewalt nahm die Polizei sieben Demonstranten fest.

Dies ist in kurzer Zeit das dritte Mal, dass Offenbach zu einer Nachricht auf Tapfer im Nirgendwo wird.

Im Artikel „Diese Südländer“ ging es um einen Angriff auf einen Rabbiner. Im Artikel „Frauen unerwünscht“ ging es um sexistische Ausfälle in Offenbach. Nun wurde in Offenbach ein pakistanischer Autor auf offener Straße angegriffen, weil er mit seinen Ansichten zum Islam einigen Menschen in der Stadt zu fremd war.

Antisemitismus, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit. Offenbach, Du hast ein Problem!

Veröffentlicht unter Deutschland | Kommentare deaktiviert für Krawalle in Offenbach

Zwei Minuten Yada Yada

Rund 250 Menschen warteten am 28. Juni 2013 kurz vor elf Uhr schutzsuchend unter dem Dach des Römisch-Germanischen Museums vor dem Kölner Dom und warteten darauf, dass die Domuhr elf schlägt. Sie waren gekommen, um bei Yael Bartanas Kunstaktion „Zwei Minuten Stillstand“ teilzunehmen. Es regnete. „Was für ein tristes Wetter,“ schienen einige zu denken, „so macht Holocaustgedenken einfach keinen Spaß.“

Der Grund für nicht wenige, an dieser Performance teilzunehmen, war, um es mit den Worten des Oberbürgermeisters Jürgen Roters zu sagen: Eine großartige Gelegenheit einer gemeinschaftlichen Erfahrungen.

„Yael Bartana gibt uns mit ihrer Einladung zu „Zwei Minuten Stillstand” die großartige Gelegenheit, individuell zu entscheiden, eine gemeinschaftliche Erfahrung zu machen. Es ist ein wichtiges Projekt, das uns auffordert darüber nachzudenken, wie wir heute der Schrecken des Holocausts gedenken können, aber auch was unsere eigene Verantwortung für unsere Gegenwart und Zukunft ist. (…) Darüber, was es heute bedeutet, deutsch zu sein, als Immigrant in Deutschland zu leben, welche Konsequenzen der Holocaust ebenso wie seine Instrumentalisierung heute haben.“

Für Jürgen Roters ist das Holocaustgedenken somit eine großartige Gelegenheit einer gemeinschaftlichen Erfahrungen. „Eine großartige Gelegenheit einer gemeinschaftlichen Erfahrungen“, das war damals für einige auch der Holocaust selbst! Es fehlte an diesem Morgen in Köln eigentlich nur noch ein„dreifach donnerndes Holocaust Alaaf!“

Am 28. Juni 2013 um 11 Uhr präsentierte Yael Bartana im Rahmen der Impulse Theater Biennale vor dem Kölner Dom „Zwei Minuten Stillstand“, eine Performance, die für mich wie eine karnevaleske Verballhornung des Holocaustgedenktags wirkte. Jom haScho’a ist ein israelischer Nationalfeiertag und Gedenktag für die Opfer der Shoa einerseits und den jüdischen Widerstand und das Heldentum der jüdischen Untergrundkämpfer andererseits. An dem Tag um 10 Uhr heulen in Israel für zwei Minuten die Sirenen. Der öffentliche Nahverkehr und normalerweise auch alle anderen Fahrzeuge halten dann an, die meisten Passanten bleiben schweigend stehen. Israel hält inne. Diese Form des Gedenkens hat Yael Bartana jetzt in Köln parodiert.

Um 11 Uhr blies eine Gruppe Schülerinnen und Schüler in Trompeten und Hörner und einige Menschen auf der Domplatte standen still und dachten. Yael Bartana hatte im Vorfeld auf der Homepage des Festivals sogar vorgeschlagen, woran gedacht werden kann:

„Drittes Reich und Holocaust sind nicht nur historische Ereignisse – sie haben weitreichende Wirkungen in unsere Gegenwart hinein: die Gründung des Staates Israel, die Besetzung der palästinensischen Gebiete, Flucht, Vertreibung in Europa und im Nahen Osten. Selbst die finanziellen Ungleichheiten in der EU sind vielfach noch immer Folgen des Zweiten Weltkriegs, so wie es Deutschlands Wohlstand ist.“

Dazu hat die taz die passenden Worte gefunden:

„Vertriebene Schlesier, bedrohte Migranten: Die Aktion „Zwei Minuten Stillstand“ verwandelt Holocaust-Gedenken in ein europäisches Wohlfühlprojekt.“

Am 28. Juni um 11 Uhr gab es vor dem Kölner Dom somit eine Holocaustgedenkveranstaltung für alle! Yael Bartana nahm den israelischen Gedenktag Jom haScho’a, der an die historisch präzedenzlose Transformation von Millionen von Menschen in Nichtmenschen und ihre anschließende Vernichtung gedenkt, und machte daraus eine Kölsche Parodie, bei der an alles gedacht werden sollte, was so doof ist in der Welt. Einige demonstrierten gegen Rassismus, andere gegen Israel. Es war schlicht und einfach eine reine Instrumentalisierung des Holocausts.

Die Performance, die gegen die Instrumentalisierung des Holocausts antreten wollte, instrumentalisierte selbst den Holocaust. Das ist klassische Ironie!

Deshalb versammelten sich zur gleichen Zeit am selben Ort auch Menschen aus allen Ecken Deutschlands, um diese Instrumentalisierung nicht stumm hinzunehmen. Sie kamen aus Essen, Siegen, Hamburg und Köln. Sie hatten teilweise durch diesen Blog von der Performance erfahren. Sie kamen und brachen das Schweigen! Sie sangen das hebräische Lied der Hoffnung (Hatikva) und tranken Wein. Einige trugen Israelfahnen.

Dies wiederum störte einige Schüler, die von ihren Lehrerinnen und Lehrern hergebracht worden waren, um gegen Rassismus zu demonstrieren. Sie wollten nicht auf einer Demo mit Israel sein. Einige riefen sogar „Viva Palastine!“ Es war vermutlich die eher israelkritische Einladung, die sie motiviert hatte, überhaupt dabei zu sein. Jetzt sahen sie die Fahne Israels. Das gefiel ihnen gar nicht!

Im Anschluss der Performance erklärte mir die Künstlerin, dass es keine Autorität geben dürfe, die darüber entscheidet, wie man an den Holocaust zu denken habe. „Sie haben Recht,“ erwiderte ich auf englisch, „aber das klingt schon ein bißchen komisch aus dem Mund einer Künstlerin, die gerade eine Holocaustgedenkkunst performt hat, die von öffentlichen Geldern finanziert wurde und unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters stattfand. Noch mehr Autorität geht in einer Demokratie nicht!

Später am Tag, um 18 Uhr, saß ich in einer Diskussionsrunde zu der Performance an der Universität zu Köln. Die Kuratorin der Impusle Theater Biennale 2013, Stefanie Wenner, sagte, sie habe die Performance an der Keupstraße erlebt. Dort seien auch Schülerinnen und Schüler anwesend gewesen, die das Stillstehen vorher in der Schule geübt hätten. Es sei sehr schwer gewesen, sie zum Stillstehen zu bewegen, aber es habe funktioniert. Dieses Stillstehen verleitete Stefanie Wenner dann tatsächlich zu der Aussage: „Es war ein Moment von Schönheit.“

Holocaustgedenken kann so schön sein, vor allem wenn deutsche Schüler wieder das Strammstehen lernen.

Ein weiterer Diskussionsteilnehmer des Abends sagte: „Das Kunstwerk passt besser nach Köln als nach Düsseldorf, weil es in Köln ein viel größeres Gemeinschaftsgefühl gibt.“

Und jetzt alle:

He am Rhing
Jo mir stonn
zesamme he am Rhing
stonn janz fes zesamme
he am Rhing
jeht et uns och noch su schläch
denke mir uns – jetzì eez räch
denn mir stonn zesamme he am Rhing

Veröffentlicht unter Nachrichten | Kommentare deaktiviert für Zwei Minuten Yada Yada