Wo warst Du?

Es gibt Ereignisse in der Geschichte, die uns so berührt haben, dass wir heute noch genau wissen, wo wir waren, als sie geschahen. Wenn Du Zeit und Lust hast, lass in der Kommentarspalte Deiner Erinnerung freien Lauf.

11. September 2001
9. November 1989
20. Juli 1969

Die Erinnerungen werde ich hier auf Tapfer im Nirgendwo veröffentlichen:

11. September 2001

„In meinem Buchladen, jemand kam mit einem tragbaren Fernseher hereingestürzt und rief wo ist eine Steckdose. Wir sahen fassungslos die Türme rauchen und einstürzen. Ein im Laden anwesender Freund versuchte sofort einen Cousin zu erreichen, von dem er annahm der könnte gerade in einem der Gebäude sein. Tags darauf wurde mir von Schülern erzählt, viele muslimische Mädchen in deren Klassen hätten entsetzt erzählt, wie die Familien die Nacht gefeiert hätten. Wenige Tage später wurde geleugnet, daß irgendwer gefeiert habe und daß ein Anschlag stattgefunden habe. Die Zeitdauer vomEreignis bis zur Leugnung war von 30 Jahren auf 3 Tage geschrumpft.“

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„In der Beratungsstelle in Bergkamen saß ich mit Kollegen zusammen, als der Jahrespraktikant hereinstürzte und was von Flugzeugen im WTC faselte. Im Fernseher sahen wir dann ungläubig die rauchenden Türme. Als ich zu Hause war, stürzten die Häuser hinter einer überforderten Anne Will zusammen.“

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„Am Rechner im Büro. Im Radio kam eine Kurzmeldung, dass ein Flugzeug ins WTC gestürzt sein. Genaueres später. Dann ins Internet und nachgeschaut, war aber nochh wenig los. Später Live – Reportage von einen Radioreporter des WDR, der von seinem Hotelzimmer die Tower sehen konnte. Während der Reportage flog das zweite Flugzeug in den anderen Turm. Ab da war der Arbeitsalltag vergessen. In der Behörde, unterwegs im Zug und auch zuhause: Überall wurde diskutiert, Erschütterung usw. Den Tag werde ich nicht vergessen.“

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„Ich war im Einkaufszentrum, als vor einem TV-Händler im Untergeschoss eine Menschenmenge stehen blieb und durchs Fenster ungläubig auf die Monitore starrte. Da ich wenig Zeit hatte und auf Grund der Menge auf den Monitoren zunächst auch gar nichts erkennen konnte, ging ich weiter und sah, wie auch ein paar andere Händler ihre Geräte Richtung Fenster drehten (n-tv statt MTV) oder das Radio auf Nachrichten umstellten oder die Dauermusik zumindest leise, bekam erst da mit, was passiert war. Ich erinnere mich daran, weil das ganze Einkaufszentrum, sonst sehr lebhaft, nach und nach sehr still wurde, verlangsamt, während den Menschen eine Mischung aus Unglaube und Entsetzen im Gesicht stand. Ein paar Jugendliche feixten und fielen in dieser angespannten, verhaltenen Stille noch unangenehmer auf, sie verstummten sehr schnell von alleine wieder.

Über den Tag hat wohl jeder jede freie Minute genutzt, um Nachrichten zu sehen und das Geschehene, Unfassbare, Ungreifbare irgendwie doch zu begreifen. Was gar nicht gelingen konnte. Tatsächlich gab es im Wesentlichen nur noch dieses eine Thema, alles andere wurde nebensächlich.“

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„Ich war unterwegs zum Zahnarzt, dann kam auf dem Infoscreen in der Kölner U-Bahn die Nachricht, dass ein Flugzeug in ein Hochhaus geflogen ist, da war noch nicht von einem Terroranschlag die Rede. Als ich zuhause war, kamen nur diese Bilder im Fernsehen und die Sender konnten sie noch nicht richtig zuordnen und haben ersucht etwas zu kommentieren, aber es gelang nicht so richtig. Dann habe ich den ganzen Abend bei RTL angesehen, wie Peter Kloeppel versucht hat, zu berichten. Ich fand ihn sehr beeindruckend. Das hat sich etwas wie lautes Nachdenken angehört.“

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„Ich kam gerade zurück vom Zahnarzt. Die Meldung kam im Radio und meine (damalige) Freundin schickte mir eine SMS mit dem schlichten (aber wahren) Inhalt: “Es gibt Krieg.”“

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„Habe für meine Tochter den Dachboden ausgebaut, bis sie hinaufstürzte und rief “da ist ein Flugzeug in ein Haus geflogen”. Ich, ja und kann doch mal passieren und arbeitete weiter. Nach einer Zeit lief sie wieder zu mir rauf und schrie “noch ein Flugzeug in ein Haus geflogen”. Ich versuchte sie zu beruhigen und sagte das das wohl ein Blödsinn sei, ging allerdings jetzt neugierig, in der Hoffnung meine Tochter wieder eines besseren zu belehren, die Treppen runter. Vor dem TV der Schock, auf vielen Kanälen immer das Gleiche! Bin wie eine Leiche dagesessen und konnte nur weinen. Ein Reporter hielt zu diesem Zeitpunkt es sogar für möglich, daß es deutsche Terroristen sein könnten, da kam bei mir die Panik hoch und die Angst und nicht schon wieder …! Danach holte ich meinen Sohn vom Kindergarten ab, dort war alles ruhig, Mütter quatschten miteinander, ich erzählte das Geschehen (damals mußte man mit 20.000 Toten rechnen), eine der Mütter sagte darauf “ja ja so sind die Amis “, da entstaute sich einiges bei mir, … war nicht nett, aber so effektiv, daß ich wieder mal weniger Bekannte hatte. Danach kam ich ca. 3 Tage nicht mehr vom Fernseher weg, einfach kaputt.“

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„Ich war gerade in New York City in der Uni angekommen und habe das durch Kommilitonen erfahren. Von der Straße aus konnten wir die 5th Ave hinunter die beiden Tower brennen sehen. Die Atmosphäre war ziemlich erschreckt und unsicher, weil es Gerüchte von weiteren Terroranschlägen gab.“

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„Ich war gerade in meiner ehemaligen Firma angekommen um den Abschied einer Kollegin zu feiern als die Sekretärin weiß wie die Wand auf mich zukam und mir sagte, dass gerade ein Flugzeug in einen der Türme des World Trade Centers geflogen sei. Wir ging dann zusammen in den Konfi um den Fernseher einzuschalten und nach und nach kamen die anderen Kollegen/innen dazu und wir schauten uns völlig entsetzt die Bilder an, ungläubig und sprachlos. Wir sahen dann noch wie das zweite Flugzeug in den nächsten Turm flog und waren danach alle wie gelähmt. Keiner sagt mehr etwas, wir saßen nur da und einige fingen an zu weinen. Für uns alle waren diese Momente sehr unwirklich und wir haben lange gebraucht um uns wirklich klar zu machen, dass dieses furchtbare Unglück wirklich geschehen ist.“

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„Ich war arbeiten. Wie immer lief das Radio. Die halbstündigen Nachrichten wurden auch wie immer damals nur mit einem Ohr wahrgenommen. Ich wusste schon seit einer Stunde, dass ein Flugzeug ins WTC gefolgen war, als meine Chefin aus ihrem Büro kam und mich bat das Radio lauter zu machen. Wir hörten gemeinsam erneut die Nachricht aus NY. Die Bilder der einstürzenden Türme sah ich erst abends. Erst nach und nach ging mir die Dramatik der Situation auf, denn seit der ersten Radiomeldung war meine Vorstellung durch eine bestimmte Assoziation geprägt. Meine Vorstellungen waren irgendwie überlagert von Bildern von Matthias Rust und der winzigen Cesna auf dem Roten Platz. Daher verstand ich erst spät am 11. September das Ausmaß der Katastrophe.“

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„Kam gerade vom Einkaufen und hörte im Autoradio auf NDR-Info die Nachricht von einem Flugzeugunglück in New York. Ich schaltete durch alle Radiosender, und bald alle hatten das Programm unterbrochen, da da anscheinend doch mehr hintersteckte, als ein Flugzeugunglück. Auf “Project 89.0 Digital” lief “Fire Water Burn” von der Bloodhound Gang: “The roof, the roof, the roof is on fire…”

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„Bin, glaube ich, zum Kunden gefahren. Im Auto habe ich gehört, dass in New York zwei Flugzeuge – so wörtlich “ein grosser und ein kleiner” – mit dem Wolkenkratzer kollidierten. Da ich ca. 2 km von unserem Office wohnte und genug Zeit hatte, bin ich nach Hause gekommen und Fernseher eigeschaltet. Dann konnte ich schon nicht mehr weg. Habe Kolelgen im Office und Kunde angerufen. Und ich habe mit ein Paar Freunden über Internet gechattet.“

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„Schule schwänzend mit einem Teller Kellogs zu Hause auf der Couch. Ich zappte durchs Programm, als ich bei EuroNews ein brennendes Gebäude sah. Nach und nach setzte sich ds Puzzle zusammen und ich war mit meinen zarten 14 Jahren in einer Mischung aus Betroffenheit und Sensationsgeilheit. Gleich am nächsten Tag versuchte uns der Vater eines Freundes davon zu überzeugen, dass die Freimaurer dahinter stecken würden. Mit kam das damals so lächerlich und abwegig vor, dass ich mich fragte wie überhaupt irgendein Mensch so einen Mist glauben könnte… Diese Einstellung hat sich bis heute nicht geändert.“

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„Ich ging spazieren und wollte mir in einer Galerie Bilder ansehen. Den Galeristen kannte ich persönlich. Er saß in seinem Laden und sah fern. Ganz aufgeregt holte er mich hinein, als er mich vor dem Schaufenster sah und bat mich, Platz zu nehmen. Erst gingen wir beide von einem furchtbaren Unfall aus. Nachdem ein zweites Flugzeug in den zweiten Turm raste, kam sofort der Verdacht hoch, es wäre ein Anschlag. Wir waren fassungslos. Der Galerist noch mehr als ich, er hatte zu diesem Zeitpunkt Verwandte in New York. Diesen ist nichts passiert, wie ich später erfuhr.“

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„Bei einem Kunden, Software installierend, ohne Zugriff aufs Internet. Von meiner späteren Ehefrau durch halbstündliche Anrufe unterrichtet, die ihrerseits bereits gleich nach der ersten Kollision von einem Kollegen aus den USA angerufen worden war. Danach bei einem unendlich lange währenden Arbeitsessen mit Kunden auf glühenden Kohlen gesessen, schließlich nach Hause geeilt und nicht mehr vom Fernseher gewichen.“

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„Ich war an diesem Tag mit einer bezaubernden jungen Dame unterwegs. Wir küssten viel. Ich wollte mehr. Sie nicht. Dann liess sie mich mit meinen Träumen allein und fuhr weg in ihrem VW Golf. Ich war traurig. Dann rief jemand an und sagte: Schalt den Fernseher ein! Und dann der Schock.“

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„Im Urlaub. In Beligien. Am Meer, Campen. Meine Eltern haben im Radio die Nachrichten gehört und wir sind sofort nach Hause gefahren. SOFORT. 4 Stunden später waren die Grenzen dicht. Zuhause den Fernseher an. Die Bilder der Einstürzenden Gebäude und der Verletzten haben dazu geführt, dass ich die nächsten 4 Jahre nur unter Aufsicht Fernsehen durfte. Ich war damals 5 Jahre alt.“

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Ich fuhr gerade von meiner Arbeit heim und hörte von den brennenden und einstürzenden Twin Towers auf WDR-EINSLIVE zwischen Christina Aguilera und Britney Spears. Da ich zwei Jahre zuvor ebenfalls im Sommer noch auf der Aussichtsplatform des World Trade Centers gestanden hatte, konnte ich mir bereits in der Vorstellung ausmalen, was das bedeutet. Was mich am meisten verstörte, war die auch angesichts größter Katastrophe um Coolness und Lässigkeit bemühte Stimme des Radiomoderators.

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Ich war auf dem Haus meiner Studentenverbindung und einer von den Jungs kam rein und sagte, dass ein Flugzeug in einen der Türme des WTC geflogen sei, und ich dachte spontan zunächst an ein Sportflugzeug.

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An 9/11 lebte ich in Miami und machte frueh morgens das TV an … und dachte, es ist ein Schwarzenegger Film … die Stadt wurde still.

 

9. November 1989

„In Stuttgart und dachte daran, was dann noch geschehen wird, wenn die Freudentränen getrocknet werden und was bedeutet dies für uns Juden.“

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„Daheim, und kam aus dem Staunen nicht raus, war der Überzeugung – nicht in meinem Leben! Jedoch wartete ich auf die Panzer, zum Gück rollten sie nicht!“

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„Ich weiß es noch genau: Mein Schwager fuhr mich und meine hochschwangere Frau in seinem beigen alten Fiat über die B51 von Wermelskirchen nach Köln, im Kofferraum ein gebrauchter Kinderwagen, den wir seiner Schwester abgekauft hatten. Im Radio kam die Meldung, dass die Mauer gefallen war und wir fuhren der untergehenden Sonne entgegen. Unvorstellbar, dass die Mauer fallen konnte! Neun Tage später kam unsere älteste Tochter zur Welt.“

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„Zuhause vor dem Fernseher, ungläubig und staunend. Ich sah die Bilder der Menschen und hörte die Kommentatoren. Ich habe mich einfach nur gefreut.“

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„Es war kurz vor 21.00, ich war gerade auf dem Weg nach Hause, als das Autoradio plötzlich seine synthetische Musik mit einer Sondermeldung unterbrach: „…verkündete Schabowski auf einer Pressekonferenz, DDR-Bürgern die Reisefreiheit zu gewährleisten. Dies gälte ab sofort“

Die Mauer war gefallen.

Ich hielt an der nächsten Tankstelle und rief Freunde an. Einer hatte es schon gehört und zog sich gerade an, die anderen konnten es nicht glauben bis das Heute-Journal die ersten Bilder und Liveinterviews ausstrahlte. Wir verabredeten uns am Brandenburger Tor.

Ich kaufte schnell eine Flasche Sekt in der Tankstelle, die ohnehin aussah wie ein Supermarkt, und setzte mich Richtung Straße des 17. Juni in Bewegung, nur um dort inmitten all der anderen Schaulustigen zum Stillstand zu kommen. Erst drei Tage später sollte es mir gelingen, mein Auto aus dem größten Stau der Geschichte Berlins zu befreien.

Es war ein typischer grauer Herbstabend an diesem ereignisreichsten aller Donnerstage, ich folgte dem Strom von Menschen, die instinktiv jenem Stück der Berliner Mauer zustrebten, das unmittelbar vor Schinkels Monument den Weg zum Ostteil unserer Stadt blockierte.

Als ich gegen 21.45 dort ankam, hatten sich schon rund 30.000 Menschen angefunden, im Verlaufe der Nacht sollten es Hunderttausende werden. Rührende Szenen spielten sich ab, einige Weitdenkende hatten Leitern mitgebracht, doch die übliche Methode das 3.40m hohe und an dieser Stelle mehrere Meter breite Bollwerk zu überwinden, war die Räuberleiter.

Ein hilfreicher Mitmensch, und ausnahmsweise schien es in dieser abgebrühten Großstadt an diesem Tag davon zu wimmeln, lehnte sich rückwärts gegen den antifaschistischen Schutzwall, faltete die Hände, so dass ein anderer Mitmensch einen Fuß dort und den anderen auf die Schultern des Helfers setzen konnte.

Oben auf der Mauer standen West- und Ostberliner und zogen die Wessis in den Osten, sowie die Ossis in den Westen. Fasziniert beobachtete ich einen Mann, Ende Dreißig, der in einen beigefarbenen Kaschmirmantel gekleidet einem nach dem anderen die Räuberleiter gab. Tränen der Freude liefen über sein Gesicht während matschigdreckige Straßenschuhe seinen über 2000 Mark teuren Mantel ruinierten (1989er Preis!).

Was für ein Tag!

Oben auf der Mauer angekommen sah ich West- und Ostdeutsche, die sich nie begegnet waren, in den Armen liegen. An diesem 9. November konnte man noch deutlich an der Kleidung erkennen, von welcher Seite ein jeder kam. Die Ossis strebten zur Siegessäule Gepäck und/oder Rotkäppchensekt in der Hand. Auf der anderen Seite, Unter den Linden, fand man fast ausschließlich Leute in Westklamotten. Hinter einem hüfthohen Metallzaun (hinter von der Ostseite aus gesehen) liefen ostdeutsche Grenzsoldaten wie in Trance umher. Gestern hätten sie noch geschossen, doch heute waren sie funktionslos, Leute steckten Blumen in ihre Gewehrläufe, der eine oder andere zynische Wessi pappte schon mal eine Banane drauf. Stoisch ließen sie es geschehen, und ich sah mehr als einen, der, Gewehr mit Banane verziert, versuchte, Blickkontakt zu vermeiden.

Am Metallzaun beobachtete ich herzzerreißende Szenen. Egon Krenz hatte verlauten lassen, ein jeder DDR-Bürger könne ein Visum beantragen, jedoch war an jenem Donnerstagabend noch nicht klar, ob auch ein jeder eins bekäme.

Tausende verließen die DDR in dieser Nacht, nur um auf Nummer Sicher zu gehen. Hastig wurden einige tragbare Wertsachen und der rote Passport in irgendeine Tasche geworfen und dann nichts wie ab über die Mauer!

Diese Menschen, die mir da unentwegt entgegen strömten sahen nicht aus wie Touristen – es waren Flüchtlinge! Ich ging zurück, setzte mich direkt unter das Brandenburger Tor und begann, an dieser historischen Stelle zu dieser historischen Stunde einen Joint zu bauen. Ein junges Pärchen mit einwandfreiem sächsischen Akzent setzte sich zu mir und entkorkte ein Rotkäppchen. Auf einmal fiel mir ein, dass ich meine Flasche im Westen gelassen hatte, ich hatte sie abgestellt, bevor ich dem Kaschmirmantel den Rest gab, und hoffte nun inständig, dass der wundervolle Kaschmirmann sie gerade trank. Ich zündete den Joint an.

,,Ist das Marihuana?“, fragte mich das Mädchen, neugierig schnüffelnd. ,,Willkommen im dekadenten Westen!“ antwortete ich. ,,Magst Du die erste Frau sein, die einen Joint unterm Brandenburger Tor raucht?“ „Na Logo!“ Ich reichte ihr die Tüte, nahm jedoch vorher einen Zug, um meinen Platz in der Geschichte Berlins zu sichern. ,,Es sind noch 50 Meter“, mahnte ihr Begleiter vorsichtig. „Keine Sorge“, versuchte ich ihn zu beruhigen, „heute ist Tag der offenen Tür.“

Gegen Mitternacht bildete sich eine Menschenkette, man fasste sich an der Hand und begann „Einigkeit und Recht und Freiheit“ zu singen. Der deutschen Geschichte gegenüber kritisch eingestellt, hatte ich unserer Nationalhymne nie viel abgewinnen können. An diesem Donnerstag aber war ich gerührt, ich weinte wie nie zuvor in meinem Leben.

Für fast zwei Monate war Berlin das Zentrum der Glücksseligkeit auf Erden. Reiche Berliner verteilten Geldscheine an ihre ‚Brüder‘ aus dem Osten als diese in Scharen nach Westberlin strömten. Die Grenzübergänge, zuvor Orte maschinenpistolenbewehrter Unmenschlichkeit, wurden Schauplätze rührender Hilfsbereitschaft. Westberliner standen an, wildfremde Ostberliner zum Essen oder ins Kino einzuladen. Wer einen Ostpass vorzeigte, konnte am Kurfürstendamm ein Bier für eine Ostmark (entspräche heute 5 Eurocent) erwerben – ein Verlustgeschäft, das keiner so empfand. Sah man einen Trabi, winkte man den Insassen freundlich zu oder zeigte gespreizten Zeige- und Mittelfinger, das Siegeszeichen.

Alle Widersprüche und Gegensätze schienen vergessen.

Zwei bis dato beinahe verfeindete Gruppen von Menschen, Wessis und Ossis, identifizierten sich auf einmal als eine Gruppe: Deutsche. Als geborener Berliner muss ich dennoch klarstellen, dass uns die Ostdeutschen uns, was den „Wessi“ angeht, enteignet haben. Vor dem Mauerfall war „Wessi“ ein Berliner Schimpfwort für westdeutsche Touris, die in den 80ern noch mit Schlaghosen am Ku-Damm rumrannten und die „Ossis“ hießen damals noch „Zonis“, aber seitdem hat man sich auf „Wessis“ und „Ossis“ geeinigt, was nur uns Ur-Berliner schmerzt, denn kein echter Berliner ist ein „Wessi“ und so beleidigt diese Bezeichnung die älteren von uns noch heute, aber der Autor schweift mal wieder ab…
Eine Woche später spielte Hertha BSC und alle Ossis wurden umsonst eingelassen.

Als der Stadionsprecher sie mit den Worten willkommen hieß „Wir begrüßen Brüder und Schwestern aus dem Ostteil der Stadt“, sprangen wir – über 80.000 – alle auf und umarmten unseren Nebenmann. Es gab – und ich spreche vom Hertha-Fanblock, der hartgesotten Ostkurve – nicht einen einzigen Menschen, der in dieser Minute nicht Rotz und Wasser heulte, und ich habe selbst heute noch, da ich dies niederschreibe, Pipi in den Augen.“

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20. Juni 1969

„Als der erste Mensch auf dem Mond spazierenging, saß ich gebannt vor dem Fernseher! Es dauerte wohl 30 Jahre, bis ich davon hörte, dass Menschen die Mondlandung anzweifelten und behaupteten, ich habe eine Fälschung gesehen.“

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„Die erste Mondlandung war der Fernsehhöhepunkt des Jahres! Dieses Ereignis erlebte ich als 21jähriger mit meiner Freundin zu Hause auf dem Sofa. Gebannt saßen wir an diesem Montagmorgen vor der Glotze, und konnten es nicht fassen, als der erste Mensch um 3:57 h den Mond betrat.“

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„War noch klein und lebte in einem sozialistischem Land – keine Live-Übertragung! Eine gut funktionierende Zensur – dieser Tag hat nicht stattgefunden.“

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„In meinem Bettchen seelig schlafenden und nichts ahnend, denn ich war gerade mal 18 Monate alt und da waren andere Themen viel wichtiger ;-) .“

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„Ich war 19 Jahre alt und es waren Sommerferien. Diese verbrachte ich als Betreuerin in einer Ferienfreizeit in der Jugendherberge in Menden im Sauerland. Da es in der Jugendherberge keinen Fernseher gab, organisierten wir (die Betreuer) einen Fernseher, damit wir uns das Ereignis live anschauen konnten. Gebannt saßen wir zusammen mit den von uns betreuten Kindern vor dem Apparat. Ich hatte damals das Gefühl, etwas ganz außergewöhnliches mit erleben zu dürfen.“

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„Ich kann mich an eine fast meditative Fernsehnacht erinnern: Kein Klamauk, keine Einspieler, sobald’s mal ruhiger wird, keine künstliche Dramatisierung. Und das Gefühl, bei etwas ganz großem dabei zu sein.“

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„Ich war fast zehn. In dieser Nacht holte mein Vater mich aus dem Bett, dass ich die Männer auf dem Mond sehen konnte, deren Flug ich täglich verfolgte, mitfieberte. Die ganze Fernsehberichterstattung war fantastisch und zog mich in ihren Bann. Günter Siefarth ist mir bis heute in Erinnerung. Manchmal bin ich dankbar, doch etwas älter zu sein und große Momente miterlebt zu haben.“

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Katholische Vernunft

Ab und zu blättere ich gerne im Katechismus der Katholischen Kirche, weil mir einige Glaubensdogmen so sehr gefallen.

So glaubt der Katholik zum Beispiel an die Unbefleckte Empfängnis Marias, ein Festtag, der am 8. Dezember begangen wird. Damit ist allerdings nicht der Moment gemeint, an dem Jesus gezeugt wurde, schließlich wird sein Geburtstag am 25. Dezember gefeiert, also 17 Tage nach dem 8. Dezember, was nicht ganz die Zeitspanne einer menschlichen Schwangerschaft umfasst, sondern es wird die unbefleckte Empfängnis der Person gefeiert, die am 8. September geboren wurden: Maria! Die Tochter von Anna und Joachim wurde somit laut katholischer Glaubenslehre unbefleckt gezeugt, was jedoch nicht heißt, dass das Sperma und die Eizelle von Joachim und Anna unbefleckt war, sondern in dem Moment wo sich Sperma und Eizelle trafen, also der Moment der Empfängnis unbefleckt war. Anna und Joachim sind somit laut katholischem Glaubensbekenntnis die einzigen Menschen in der Geschichte, die gevögelt haben und dabei eine Tochter gezeugt haben, die unbefleckt empfangen wurde. Nicht mal Maria kann das für sich beanspruchen, denn Maria und der Heilige Geist hatten laut Glaubensdogma im menschlichen Sinne kein Sex. Der Heilige Geist befruchtete nur ihren Schoß, gerüchteweise durch ihr Ohr.

Mein absoluter Favorit in der Katholischen Theologie allerdings ist die Lehre der Transsubstantiation (Wandlung). Sie besagt, dass sich im Moment der Eucharistie die Hostie und der Wein in Jesu Fleisch und Blut verwandelt und zwar nicht nur symbolisch, sondern „dem Wesen nach“ und „in seinen Elementen“. So steht es im Katechismus der Katholischen Kirche, bestätigt im Jahre 1992 von Papst Johannes Paul II, dem Stellvertreter des Mannes, über dessen Blut und Fleisch es hier gerade geht.

„Wer leugnet, dass im Sakrament der heiligsten Eucharistie wahrhaft, wirklich und wesentlich der Leib und das Blut zugleich mit der Seele und der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und folglich der ganze Christus enthalten ist, und behauptet, er sei in ihm nur wie im Zeichen, im Bild oder in der Wirksamkeit, der sei ausgeschlossen.“ [Konzil zu Trient, in Neuner-Roos: Der Glaube der Kirche, Nr. 577. Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1374]

Wer glaubt, die Hostie sei nur ein Symbol, fliegt raus! Nur wer glaubt, bei der Kommunion das Fleisch eines Juden zu essen, ist ein wahrer Katholik im Sinne des Katechismus der Katholischen Kirche. Da wundert es mich nicht, dass im Mittelalter so viele Christen geglaubt haben, Juden würden ihr Mazzebrot mit christlichem Blut zubereiten. Sie haben nur von sich auf andere geschlossen.

Ich frage ich allerdings, was macht eigentlich ein katholischer Vegetarier? Kann er überhaupt das Heil des Leibes Christie empfangen oder gibt es für ihn einen Tofu-Jesus oder einen Gemüse-Christus geben? Was machen die Katholiken, wenn die Grünen einen Vegetariertag verbindlich machen und ihn auf einen Sonntag legen?

„Durch die Konsekration des Brotes und Weines geschieht eine Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi, unseres Herrn, und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes. Diese Wandlung wurde von der heiligen katholischen Kirche treffend und im eigentlichen Sinne Wesensverwandlung (Transsubstantiation) genannt.“ [Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1376.]

Der ganze Jesus ist also in der Hostie anwesend. Da frage ich mich: mit oder ohne Vorhaut? Jesus war Jude und wurde wie die meisten jüdischen Jungen am achten Tag beschnitten. Die Christen feiern das Ereignis acht Tage nach Weihnachten und nennen das Fest Neujahr. Ist Vorhaut in der Hostie?

Die Frage ist mindestens so berechtigt wie die Frage, ob bei Jesus Auferstehung seine Vorhaut mit auferstanden ist. Jesus ist laut Glaubensdogma an Christi Himmelfahrt schließlich körperlich und vor allen unversehrt auferstanden. Kam die Vorhaut also mit? Und wenn ja, passte sie noch? Wo war die Vorhaut in der Zwischenzeit? Und wie ist es möglich, dass im Mittelalter Papst Leo III beanspruchte, im Besitz der Reliquie der Heiligen Vorhaut gewesen zu sein? Was hat er damit gemacht? Angeschaut? Angebetet? Angefasst?

Papst Leo III will die Reliquie der heiligen Vorhaut von Karl dem Großen anlässlich seiner Kaiserkrönung am 25. Dezember 800 geschenkt bekommen haben. Karl der Große wiederum soll die Vorhaut entweder von einem Engel oder von der Kaiserin Irene von Byzanz bekommen haben, die Legende ist da uneins, jedenfalls wurde sie angeblich zusammen mit anderen Reliquien in der Kapelle Sancta Sanctorum im Lateran aufbewahrt. Letztendlich geht das Gerücht, dass die Vorhaut in den Wirren der französischen Revolution verschwunden sein soll. Die Vorhaut hat sich quasi zurückgezogen.

Ich glaube, dass die Vorhaut zusammen mit Jesus an Christi Himmelfahrt zum Himmel aufgestiegen ist, allerdings separat – aber dafür mit eigenen Flügeln! Erst Jesus und dann acht Minuten später der Schmock mit Flügeln hinterher. Vermutlich sitzt der Schmock jetzt zu rechten Jesus auf seiner Schulter und berät ihn. Oder der Schmock ist ein Engel. Vielleicht sind alle Engel in Wahrheit die Vorhäute früher christlicher Heiliger.

Was mich als Bürger der Europäischen Union zudem noch beschäftigt, ist die Frage nach der Haltbarkeit von Jesu Fleisch und Blut. Die Katholische Kirche haut zweitausend Jahre altes Fleisch raus! Wenn das kein Gammelfleischskandal ist. Jede Dönerbude wird für weniger dicht gemacht! Zudem bietet die katholische Kirche Wein aus dem Jahre 33 a.D. an. Hat sie eigentlich eine Schankgenehmigung?

Bis heute haben Hostien kein Verfallsdatum, und dass obwohl jedes Produkt, das in Europa zum Verzehr ausgehändigt wird, laut Europagesetz ein Verfallsdatum angeben und hygienisch rein verpackt sein muss. Eigentlich müsste jede Hostie in Folie eingepackt und mit einem Verfallsdatum versehen werde. Genau dies fordert jüngst auch die EU-Kommissarin Emma Bonino, aber nachgekommen wurde ihre Forderung nicht.

Die spannendste Frage für mich aber ist: Warum nutz die katholische Kirche nicht die moderne Wissenschaft, um die zweite Ankunft des Herrn zu beschleunigen? Wenn sich doch während der Transsubstantiation schon der Wein in Jesus Blut verwandelt und zwar seinem Wesen und seinen Elementen nach, warum entnehmen die Katholiken nicht einfach einen Tropfen, entschlüsseln die DNA und klonen einfach die zweite Ankunft des Herrn? Vielleicht hat Gott die Katholiken nur deshalb mit der Vernunft versehen, damit sie ihre Fähigkeiten nutzen können, um die zweite Ankunft des Herrn zu ermöglichen.

Liebe Katholiken,

nutzt Eure gottgegebene Vernunft und sorgt für die zweite Ankunft des Herrn. Ihr könnt es schaffen! Wenn Euch das wirklich gelingen sollte, dann werde ich sofort an Jesus als meinen Messias glauben. Ihr seht also, meine Seele ist noch nicht verloren. Kämpft um mein Seelenheil! Klont Jesus! Ich bitte Euch drum.

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Jesus in Bonn

Zweifeln ist menschlich. Die Gerechtigkeit, die Empathie, die ganze Menschlichkeit wohnt in der menschlichen Fähigkeit zu zweifeln. Gestern wurde mir das klar, als ich durch Bonn spazieren ging und auf Jesus traf.

Okay, ich habe Jesus nicht persönlich getroffen, wie auch, es war Samstag und da bleibt Jesus, wie jeder gläubige Jude, zu Hause bei Frau und Kindern, aber dafür traf ich eine Dame, die aus zuverlässiger Quelle zu berichten wusste, dass Jesus nicht nur lebe, sondern sich ihr persönlich offenbart hätte. Sie fragte mich, ob ich schon mal die Bibel gelesen hätte. Natürlich, sagte ich, sogar schon öfter und fügte hinzu, es gäbe sogar eine Stelle im Evangelium, die ich sehr faszinierend fände. Die Dame fragte, welche Stelle das denn sei und ich erklärte, das Christentum sei die einzige mir bekannte Religion, die an einen Gott glaube, der an sich selbst gezweifelt habe. Der Gott der Christen, betonte ich, sei ein Gott, der Agnostiker war. Wie ich denn darauf komme, fragte die Frau, sichtlich empört und ich erwiderte, im Evangelium stünde, dass der Gott der Christen nicht nur am Kreuz gestorben sei, sondern vor dem Tod sogar vom Zweifel ergriffen wurde.

Jesus letzte Worte bei Matthäus lauten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen.“ Diese Worte entstammen dem Psalm 22. Dieser Psalm wird von einem Menschen gesprochen, der trotz seines Gefühls des Von-Gott-Verlassenseins weiterhin an eben diesen Gott glaubt, trotz allem Zweifel und im Evangelium des Matthäus wird genau dieser Satz zum letzten Ausspruch Gottes vor seinem Tod.

Nun mögen einige einwenden, Jesus sei nicht Gott und wenn man Jude, Moslem oder Atheist ist, dann stimmt das auch, denn für Moslems war Jesus ein Prophet, für Juden ein Pharisäer unter vielen und für Atheisten ein Mensch, dessen Existenz umstritten ist. Für Christen aber ist Jesus Gott, zumindest für die Katholiken.

Die katholische Lehre besagt, dass Jesus ganz Mensch aber auch ganz Gott war. Zudem war Jesus auch noch Heilger Geist, um die ganze christliche Angelegheit vollkommen zu verkomplizieren. Die Dreifaltigkeitslehre wird das genannt. Für Christen ist Gott so eine Art H2O, eine Verbindung, die mal als Wasser, mal als Dampf, mal als Eis daher kommt, aber doch immer H2O ist. (Anders kann ich mir die Dreifaltigkeit auch nicht erklären.)

Für Christen ist Gott durch Jesus zum Menschen geworden. Zum Menschen gehört jedoch die Sterblichkeit und der Zweifel. Bei Matthäus widerfährt Gott eben genau dies: Gott zweifelt und stirbt. Ich muss gestehen, das finde ich großartig!

Der Zweifel ist und bleibt der wichtigste Motor im Menschen, vor allem der Zweifel an die Existenz Gottes. Wie furchtbar wäre die Welt, wenn es keinen Zweifel gäbe? Ohne Zweifel wäre der Mensch zum gnadenlosen Richten verdammt, denn wo der Zweifel geht, geht auch die Gnade. Ein Mensch der zweifelt, wird niemals einen anderen Menschen zum Tode verurteilen können, da im Falle des Irrtums die Strafe irreversibel wäre. Nur in der Abwesenheit des Zweifels, in der Gewissheit, kann der Mensch tötend strafen.

Zweifel und Gnade gehören zusammen, wie Zweifel und Hilfsbereitschaft zusammengehören. Ein Mensch, der nicht zweifelt, kann sich immer sagen: Was soll ich helfen? Es wird schon einen Grund geben, warum es dem Menschen mir gegenüber so schlecht geht. Gott wird sich schon was dabei gedacht haben. Ein Mensch jedoch, der zweifelt, muss sich immer fragen: Was, wenn es keinen Gott gibt? Dann bin ich es, der verantwortlich ist!

Ein Mensch, der nicht nur glaubt, sondern glaubt zu wissen, bereitet mir Angst. Eine Religion jedoch, die die Notwendigkeit des Zweifels in ihre Theologie verarbeitet hat, ist mir fast so symphatisch, wie die Wissenschaft, die nur deshalb Aussagekraft besitzt, weil sie den Moment des Zweifels nicht nur zulässt, sondern zur Methode der Erkenntnis erklärt hat.

Die Dame in Bonn verstand mich nicht und schaute mich entgeistert an. Nach einer kurzen Pause sagte sie: „Aber Jesus letzten Worte waren doch: ‚Es ist vollbracht!‘“

Wenn es nach Johannes geht, dann schon, antwortete ich und verließ den Ort der Gewissheit, denn bei der gerade noch freundlich schauenden Dame sah ich plötzlich einen gruseligen Blick der Gewissheit. Vielleicht hatte sie aber nur was ins Auge bekommen. Ich war mir nicht sicher. Ich ließ sie daher sein, urteilte nicht und ging.

Ich zweifelte und das war auch gut so.

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Perfektionierte Juden

Ein Eklat zwischen Donny Deutsch und Ann Coulter zeigt, warum die Beziehung zwischen Christentum und Judentum immer auch etwas schwierig sein wird.

Ann Coulter darf wohl als bekannteste, umstrittenste, aber auch unterhaltsamste Konservative Amerikas bezeichnet werden. Als Donny Deutsch fragte, wie denn ein Amerika aussehen würde, das die Werte Ann Coulters verinnerlicht hat, entwickelte sich folgender Dialog:

Coulter: Die USA sähe aus wie New York, die schönste Stadt der Welt, während der Republikanischen Nationalversammlung. Um genau zu sein, ich denke, dass es im Himmel so aussehen wird.

Deutsch: Nein, ich meine nicht politisch. Wie sähe das Fundament Amerikas aus? Wären wir glücklicher? Gesünder? Toleranter? Wären Frauen glücklicher? Würden die Rassen besser miteinander auskommen? Wie sähe es aus zwischen arm und reich? Präsentieren Sie das Ann Coulter Rezept.

Coulter: Amerika wäre glücklich, christlich und tolerant. Jeder würde für Amerika stehen und in Amerika verwurzelt sein.

Deutsch: Moment, es wäre also besser, wenn wir alle Christen wären?

Coulter: Ja! Möchten Sie mal mit mir zur Kirche gehen, Donny?

Deutsch: Ich sollte also nicht jüdisch sein?

Coulter: Wäre einfacher.

Deutsch: Ehrlich?

Coulter: Ja, ist eine Abkürzung.

Deutsch: Das können Sie nicht wirklich glauben. Sie sind zu gebildet für sowas.

Coulter: Doch. Wissen Sie überhaupt was Christentum ist? Sie haben ihre Gesetze und Gebote und wir haben die Abkürzung.

Deutsch: Warum reden Sie hier wie das Staatsoberhaupt des Irans?

Coulter: Das Staatsoberhaupt des Irans ist nicht christlich, falls es is Ihnen entgangen sein sollte.

Deutsch: Er möchte Israel von der Erde fegen. Sollte es auch für Sie keine Juden geben?

Coulter: Nein, wir wollten nur, dass sich die Juden perfektionieren.

Deutsch: Was haben sie gesagt

Coulter: Juden sollen sich perfektionieren. Sie haben das Alte Testament und wir haben Federal Express.

Deutsch: Wenn jemand sowas absurdes sagt, dann breche ich ab. Hätte Ann Coulter Verstand, dann hätte sie das nicht gesagt.

Coulter: Was ist absurd?

Deutsch: Juden müssen perfektioniert werden.

Coulter: Das ist es, was Christen glauben! Wir sehen uns selbst als perfekte Juden. Christen glauben an das Alte Testament und an die Gebote. Juden glauben aber nicht an das Neue. Im Alten Testament wurde Gott oft zornig, weil sich die Menschen nicht an seine Regeln halten konnten. Jetzt glauben Christen, und es tut mir leid, aber das ist es nun mal, wofür das Neue Testament steht, das Jesus gekommen ist, um für unsere Sünden zu sterben. Die Juden haben Gebote, an die sie sich halten müssen, aber wir haben Jesus, der für unsere Sünden gestorben ist.

Deutsch: Ihre genauen Worten waren: Juden müssen perfektioniert werden.

Coulter: Nein, ich sage, das ist es, was ein Christ ist: ein perfekter Jude.

Deutsch: Sehen Sie nicht, wie hasserfüllt und antisemitisch das ist?

Coulter: Überhaupt nicht.

Deutsch: Und das finde ich sogar noch gruseliger.

Coulter: Nein, nein, nein! Ich möchte nicht, dass Sie sich dadurch beleidigt fühlen, aber das ist es nun mal, woran wir Christen glauben.

Der Dialog ist im Original länger. Ich habe unter anderem ein paar lustige Exkurse zu „Seinfeld“ ausgelassen, da diese Referenzen nur in der englischen Sprache funktionieren.

Worüber sich Donny Deutsch hier aufregt ist leider tatsächlich christliche Lehre. Ann Coulter hat recht! Die Lehre mag zwar in ihrer Radikalität nicht von allen Strömungen des Christentums gelebt werden, aber sie ist nunmal schlichtweg christliches Fundament. Laut dem Evangelium von Johannes, sind Juden jene „Söhne des Teufels“, die die perfektionierte jüdische Lehre von Jesus nicht annehmen wollen:

„Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin ausgegangen und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selber gekommen, sondern er hat mich gesandt. Warum kennet ihr denn meine Sprache nicht? Denn ihr könnt ja mein Wort nicht hören. Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang und ist nicht bestanden in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater derselben. Ich aber, weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht. Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der hört Gottes Worte; darum hört ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott.“ (Johannes 8, 42-47)

Für Paulus ist es deshalb auch klar, dass jene Juden, die Jesus Lehre nicht leben wollen, auch seinen Tod zu verantworten haben:

„Ihr seid nämlich, Brüder, Nachahmer der Gemeinden Gottes in Judäa geworden, die in Christus Jesus sind; denn ihr habt von den eigenen Landsleuten dasselbe erlitten wie jene von den Juden, die sowohl den Herrn Jesus als auch die Propheten getötet und uns verfolgt haben, die Gott nicht gefallen und allen Menschen feindlich sind, indem sie uns hindern, den Heiden zu ihrer Rettung. So machen sie das Maß ihrer Sünden unablässig voll. Es ist aber schon der ganze Zorn über sie gekommen.(1. Thess 2, 13-16)

Donny Deutsch kann sich selbstverständlich echauffieren über Ann Coulters Auslegung der christlichen Lehre, aber er muss sich dann über das ganze Christentum aufregen. Nirgendwo wird diese Lehre deutlicher propagiert, als während der Karfreitagsfürbitte für Juden, den die römischen Katholiken, Altkatholiken und manche Anglikaner verwenden. Sie entstand im 6. Jahrhundert, nannte die Juden seit 750 perfidis („treulos“), ihren Glauben iudaica perfidia („jüdische Treulosigkeit“) und bat Gott darum, den „Schleier von ihren Herzen“ wegzunehmen, ihnen die christliche Erkenntnis zu schenken und so der „Verblendung ihres Volkes“ und „Finsternis“ zu entreißen. Eine zaghafte Kritik an der traditionellen Judenfürbitte wurde erst nach der Shoa formuliert. Seit 1956 veränderte der Vatikan sie schrittweise. Israels Erwählung zum Gottesvolk wird seitdem stärker betont.

Das Christentum ist eine Gemeinschaft, die aus dem Judentum entstanden ist. Die frühen Christen verstanden ihre Lehre zuerst noch als reine Fortführung des Judentums und waren somit im Grunde eine unter vielen jüdischen Sekte. Im Verlaufe der Zeit jedoch wurden die jüdischen Wurzeln immer mehr abgestreift und eine Annäherung an das Römische Reich vollzogen. Im Zuge dieser Trennung wurde aus einer subjektiven Fortentwicklung des jüdischen Glaubens eine Trennung und dadurch eine subjektive „Perfektionierung“ des jüdischen Glaubens. Das Christentum war geboren.

Dass sich Christen als perfektionierte Juden verstehen, kann man auch an der mittlerweile zweitausendjährige Geschichte des Christentums erkennen. Der Umgang vieler Christen, also der perfektionierten Juden, mit jenen Juden, die sich einer Perfektionierung verweigerten, wurde immer brutaler. Einen traurigen Höhepunkt fand diese Brutalität in dem Reformator Martin Luther, der in seinem Werk Von den Jüden und ihren Lügen folgendes schreibt:

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“

In seinem „Handbuch über die Judenfrage“ fordert Martin Luther sogar jene Dinge, die im 20. Jahrhundert am Wannsee in Berlin zur deutschen Staatsräson werden sollten:

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich.“

Die christliche Religion, die sich als Perfektionierung der jüdischen Religion versteht, griff zur Gewalt. Wie konnte es zu so einem Judenhass bei den Christen kommen?

Für Juden ist das Christentum eine komplett andere Religion. Sie hat zwar jüdische Wurzeln, aber das war es dann auch schon so ziemlich. Für einen Juden ist ein Christ ein Christ, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für einen Christen jedoch ist ein Jude schon durch seine pure Existenz eine Provokation. Der Christ nämlich, der meint, er sei ein perfektionierter Jude, erkennt in dem Juden, der an seiner alten Lehre festhält, eine lebende Infragestellung der eigenen Selbstverständlichkeit.

Der Christ ist somit für den Juden kein religiöses Problem. Der Jude für den Christ allerdings schon. Deshalb gibt und gab es auch einen brutalen christlichen Antijudaismus, aber keinen vergleichbaren jüdischen Hass auf Christen. Christen waren und sind für Juden schlimmstenfalls „goyische Köppe“.

Etwas ähnliches erleben wir auch im Islam. Der Islam versteht sich ebenfalls als Fortführung des alten jüdischen Glaubens. Deshalb verwundert es auch nicht, dass sich im Islam ebenfalls ein brutaler Judenhass findet. In einer aktuellen Predigt des Sheich Ibrahim Madhi in der Sheik ‚Ijlin Moschee befasst sich der Redner mit einer Hadith-Stelle, in der Mohammed die perfekte Welt erst nach dem Tod aller Juden verorten kann.

Mohammed sagt: „Die Stunde wird nicht kommen, bis ihr gegen die Juden solange kämpft, und bis der Stein, hinter dem sich der Jude versteckt hat, spricht: „Du Muslim, hier ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt, so töte ihn.“

Sheich Ibrahim Madhi interpretiert: Der Prophet sagt: ‚Die Juden werden gegen euch kämpfen, und Allah wird Euch als Herrscher über sie setzen.‘ Wir blasen sie in die Luft in Hadera, wir blasen sie in die Luft in Tel-Aviv und in Netanya. Und auf diese Weise wird Allah uns als Herren über diese Rotte hergelaufener Landstreicher setzen. Wenn ein Jude sich hinter einem Stein oder einen Baum versteckt, dann werden der Stein oder der Baum sagen: Oh Muslim, oh Diener Allahs, ein Jude versteckt sich hinter mir, komm und töte ihn…“

Judenhass ist eine Eigenschaft, die das Christentum und den Islam vereint. Deshalb verwundert es mich auch immer, wenn von einem christlich-jüdischen Kulturkreis in Europa gesprochen wird. Die christlich-jüdische Tradition in Europa besteht zum größten Teil aus einer Verfolgung der einen Religion durch die andere. Wenn man in Europa schon von einer Zusammenarbeit zweier Religionen sprechen möchte, so wäre die Rede von einem christlich-islamischen Abendland angemessener.

Christen und Muslime haben sich zwar auch auf europäischem Boden sehr bekriegt, sich aber auch gegenseitig kulturell stark befruchtet, wie unter anderem die Wiener und die Spanier zugeben müssen. In diesem Zusammenhang finde ich es immer sehr bemerkenswert, dass zwar ständig und zurecht die Kreuzzüge der Christen kritisiert werden, aber nur selten bis halbherzig die Halbmondzüge des Islams. Es ist ja nicht so, dass die Iberische Halbinsel und Jerusalem sind freiwillig in die Arme des Islams geworfen haben. Nein, in kriegerischem Sinne stehen sich Christen und Muslime in nichts nach. Im aktuellen Stand liegen die Muslime sogar nach Punkten vorn.

Zudem waren beide Religionsgemeinschaften in ihrem gemeinsamen Hass auf Juden ständig vereint. Diese Einigkeit sollte ihren Höhepunkt in Deutschland finden. Als die NSDAP unter Adolf Hitler ihren brutalen Antisemitismus propagierte, fiel der Hass in Deutschland auf fruchtbarem christlichen Boden. Zur selben Zeit ging Heinrich Himmler ein Bündnis mit Teilen des Islams, u.a. mit dem Mufti Al Husseini ein.

Natürlich gab es auch christlichen und muslimischen Widerstand, der sich aus der Religion heraus definierte, aber der Hass entsprang eben der selben Quelle; genauso wie sich die Nazis und Teile des Widerstands auf Deutschland bezogen. Als sich Deutschland brutal gegen die Juden wendete, gab es überwiegend nur ein lautes Schweigen und teilweise sogar ein aktives Mithelfen der christlichen und islamischen Religionen. Das war gelebte christlich-islamische Zusammenarbeit.

Heute haben die Christen sich von ihrem radikalen Judenhass verabschiedet, aber unter Muslimen gibt es ihn leider noch. Mehrere islamische Staaten, unter ihnen Algerien, Saudi-Arabien, Jordanien und Libyen sind nach wie vor stolz darauf, „judenfrei“ zu sein.

Aber Vorsicht, Ihr Christen! Der Islam versteht sich nicht nur als eine Ideologie des perfektionierten Judentums, sondern auch als eine Religion des perfektionierten Christentums. Das Christentum hat jüdische Wurzeln und wir wissen, wie viele Christen mit ihren Wurzeln umgegangen sind. Der Islam aber hat jüdische und christliche Wurzeln. Was also sollte die Anhänger des Islams daran hindern, ihre christlichen Wurzeln so zu behandeln, wie ihre jüdischen oder sogar so, wie viele Christen ihre jüdischen Wurzeln behandelt haben? Es ist durchaus denkbar, dass folgender Vergleich nicht ganz aus der Luft gerissen ist:

Was dem Christen sein Jude, ist dem Moslem sein Christ.

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Massel tov Westerwelle!

Guido Westerwelle und Michael Mronz haben sich am Freitag, den 17. September 2010 in Bonn das Ja-Wort gegeben. Von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch wurden sie getraut.

Eigentlich sollte diese Nachricht normal und keine gesonderten Worte wert sein, aber leider ist es noch nicht normal, sondern einzigartig: Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands, ja vielleicht sogar Europas, wenn nicht sogar der Welt, hat der Außenminister eines Landes während seiner Amtszeit homosexuell geheiratet. Was am Freitag geschehen ist, kann für die Schwulen- und Lesbenbewegung kaum historischer gedacht werden. Deutschlands Repräsentant für die Länder der Welt ist schwul und das Deutsche Volk, in dessen Namen die deutschen Gesetze wirken, ruft: „Und das ist auch gut so!“

Ich muss gestehen – ich könnt heulen vor Glück. Morgen können ruhig wieder alle auf Guido Westerwelle einschlagen, aber heute gilt es erstmal zu feiern.

Für Guido Westerwelle und Michael Mronz war es am Freitag vielleicht nur ein Ja-Wort, ein kleines privates Zeugnis der Liebe, aber für mich war es ein Moment der Freude, Gelassenheit und Dankbarkeit für und über das Glück, in einem Land zu leben, das sich Einigkeit und Recht und Freiheit in die Verfassung geschrieben hat und es wahrlich ernst meint damit.

Noch vor nicht allzu langer Zeit war Homosexualität in Deutschland verboten. Grund genug, sich heute zu freuen und zu feiern, um sich so zu ermahnen, dass unsere Freiheit, unsere Einheit und unser Recht keine Selbstverständlichkeiten sind. Eine Freiheit, die nicht geschätzt und verteidigt wird, läuft Gefahr, eine tote Freiheit zu werden- Tote aber landen unter der Erde!

Lasst uns also feiern. Die Freiheit lebt!

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Bombensichere Wette

Heute schreiben wir den 16. September 2010, 18:09 Uhr. Tapfer im Nirgendwo hat sich dazu entschieden, eine Wette zu setzen. Die Wette lautet:

Der Blätterwald der Empörung über die Situation im Nahen Osten wird erst dann wieder rauschen, wenn eine militärische Aktion von Israel erfolgt.

Vor einigen Tagen ist es zu einem mörderischen Anschlag der Hamas an Israelis im Westerjordanland gekommen. Die Hamas hat erklärt, dass es weitere Anschläge geben wird, solange Israelis und Palästinenser über Frieden verhandeln. Durch die Aufnahme von Friedensverhandlungen erhöht sich somit die Gefahr für Israel. Dennoch hält Israel am Friedensvertrag fest. So sehr glaubt Israel an die Macht der Verständigung. So sehr sehnt sich das israelische Volk nach Frieden. In den Medien aber wurde kaum darüber berichtet, geschweigedenn die Haltung Israels gewürdigt, für den Frieden mehr Gefahr auf sich zu nehmen. Stattdessen fordert der deutsche Außenminister Guido Westerwelle beide Seiten zu mehr Verständnis auf und Kerstin Müller verlangt sogar noch mehr, aber nur von Israel.

Gestern, am 14. September 2010 kam es zu einem Raketenangiff auf Israel. Die Rakten bestanden zum Teil aus Phosphorbomben. Was wäre wohl im deutschen Blätterwald los, wäre am Mittwoch eine Phosphorbombe von Israel geflogen? Ich kann es mir förmlich ausmalen. Nun aber ist eine Phosphorbombe nach Israel geflogen. Das ist offensichtlich keine Nachricht wert. Am Ende müsste man noch eingestehen, dass Israel nicht angreift, sondern sich verteidigt. Das darf aber nicht sein. Juden verteidigen sich nicht! Das wissen die Deutschen aus eigener Erfahrung.

Ich schreibe hier jetzt mal alle Angriffe auf Israel auf, die nur in diesem Monat stattgefunden haben und der Monat ist gerade mal halb vorbei. Ich werde die Liste fortführen und aktualisieren. Ich bin mal gespannt, wann der Blätterwald wieder rauschen wird. Ich wette, erst dann, wenn eine Bombe von Israel fliegt, nicht solange Bomben nach Israel fliegen. Ich habe das Gefühl, dies ist eine Bombensichere Wette:

3.September: Steilfeuergeschütz abgeschossen aufs westliche Negev Gebiet. Es landet jedoch versehentlich auf palästinensischem Gebiet.

4. September: Qassam-Rakete explodiert im Negev Gebiet.

6. September: Steilfeuergeschütz abgeschossen aufs westliche Negev Gebiet.

7. September: Rakete aus dem Gazagebiet auf Sderot agbefeuert.

8. September: Steilfeuergeschütz abgefeuert aus dem Gazagebiet trifft Kindergarten in Sha’ar HaNegev Region.

12. September: Zwei Qassam-Raketen exlodieren im Negev Gebiet.

13. September: Zwei Raketen landen im westlichen Negev Gebiet.

14. September: Eine selbstgebaute Rakete aus dem Iran landet im südlichen Ashkelon.

15. September: Rakete explodiert in Ashkelon.

15. September: Drei Steilfeuergeschütze treffen das Eshkol Regional Council.

Und jetzt erscheint ein Artikel im SPIEGEL:

15. September: Die israelische Armee bombardiert einen Schmugglertunnel in Israel.

Natürlich. Seit Beginn der Friedensgespräche wird Israel angegriffen, aber der SPIEGEL meldet sich erst jetzt zu Wort. Ein Schmugglertunnel ist selbstverständlich ein weitaus geschmackloseres Ziel als ein Kindergarten, vor allem wenn es ein Kindergarten voller jüdischer Kinder ist.

Und jetzt passen Sie mal auf, wie der Spiegel berichtet:

„Parallel zu den Nahost-Friedensverhandlungen hat Israel am Mittwoch Luftangriffe im palästinensischen Gaza-Streifen geflogen.“

Man beachte: der SPIEGEL schreibt, Israel HAT bombardiert!

„Ziel sei ein Schmugglertunnel an der ägyptischen Grenze gewesen, teilte die Armee mit.“

Man beachte: der Spiegel schreibt, das Ziel SEI ein Schmugglertunnel gewesen.

„Das Militär reagierte demnach auf Beschuss aus dem Küstengebiet. Eine Rakete und acht Granaten seien auf den Süden Israels abgefeuert worden.“

Man beachte: was bei Israel als Tatsache beschrieben wird, mutiert bei den Palästinensern zum Konjunktiv. Israel HAT bombardiert, aber die Granaten und Raketen von palästinensischer Seite SEIEN abefeuert worden. Nein, die Grantaten und Raketen SIND geflogen, ihr Antisem…antiker vom SPIEGEL.

Mal schauen, wie es weiter geht.

Meine Wette steht!

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Weil sie es wollen

Was für Biologisten die Gene sind, ist für Relativisten die Sozialisation!

Extreme Biologisten sprechen Menschen ihren freien Willen ab, indem sie sie zu Gefangenen ihrer biologischen Herkunft machen. Radikale Relativisten aber sprechen Menschen ihren freien Willen ab, indem sie sie zu Opfern ihrer sozialen Herkunft machen.

Relativisten suchen viel öfter Erklärungen dafür, warum Menschen zu Problemfällen werden, aber viel seltener, warum manche Menschen trotz katastrophalen Vorbedingungen zu Vorbildern werden. Bei dem Versuch, Erklärungen für strafbare Verhaltensweisen zu finden, rutschten viele Relativisten oft in den Bereich der Entschuldigungen ab. Ab einem gewissen Punkt aber ist selbst das vernachlässigste Kind erwachsen und für sich selbst verantwortlich! Das Gegenteil von Herkunft ist Zukunft. Dazwischen liegt die Freiheit der eigenen Entscheidung!

Ein Terrorist wird Terrorist weil er es kann und will. Es gibt keinen anderen Grund! Es kann keinen anderen Grund geben, da es immer Menschen gibt, denen es schlimmer geht und daher auch Terror üben könnten, es aber nicht tun!

Der Wille macht den Unterschied!

Im September 2010 waren in der Talkshow Anne Will die Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek und die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt zu Gast. Katrin Göring-Eckardt entwickelte soviel Verständnis für straffällig gewordene Muslime in Deutschland, dass der Muslima Necla Kelek irgendwann der Kragen platzte

„Es sind doch genug Integrations- und Förderprogramme für uns Muslime da. Warum werden sie nicht genutzt? (…) Die Muslime müssen auch in die Verantwortung genommen werden.“

In ihrer Funktion als Fürsprecherin und Verteidigerin hatte Katrin Göring-Eckardt Muslime in Deutschland radikal auf ihre soziale Herkunft reduziert. Sie behandelte Muslime wie Patriarchen ihre Frauen, als hilfsbedürftige und unmündige Wesen, die beschützt werden müssen und deren Ehre es zu verteidigen gilt. Für sie waren Muslime schwache Mitglieder der Gesellschaft, die nicht für sich selbst einstehen können und Vormünder brauchen.

Manche Kultur-Relativisten nehmen Islamisten nicht ernst! Sie sträuben sich, ihnen die schlichte Wahrheit zuzurufen: „Es ist Euer freier Wille, Euch so aufzuführen!“

Necla Kelek behandelt ihre Religion so, wie es jeder aufklärerische Geist tut. Sie hinterfragt den Islam, stellt Fragen, kritisiert und zweifelt. Necla Kelek ist das muslimische Pendant zu christlichen Frauen wie Uta Ranke-Heinemann.

Auch das Christentum hatte lange Zeit Integrationsprobleme und war nicht selten ein entschiedener Gegner aufklärerischer Ideen der europäischen Wertegemeinschaft. Wo immer die Aufklärung für Gleichheit und Freiheit eintrat, hatte sie Teile der Kirche zum Gegner.

Wenn es um Sexualität und Frauenrecht geht, haben Christentum und Islam eine lange Liste an brutalen Unterdrückungsmechanismen: Wegsperren, Verhüllen, Verkaufen, Verbrennen, Steinigen.

Necla Kelek hat diesen Hass auf Frauen in ihrem Buch „Die fremde Braut“ und Uta Ranke-Heinemann mit ihrem Buch „Eunuchen für das Himmelreich“ beschrieben. Beide Bücher sind an Polemik nicht arm, aber dadurch nicht minder wichtig. Wer sagt Necla Kelek beleidige mit ihren Ausführungen den Islam, der muss auch erklären, Uta Ranke-Heinemann beleidige das Christentum.

Aufklärung beginnt dort, wo die Angst vor der Religion aufhört. Aufklärung heißt, sich seines Verstandes ohne Hilfe eines anderen zu bedienen und ohne dabei die Rache eines Beleidigten fürchten zu müssen.

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Mein Islam-Bekenntnis

In jeder Diskussion, in der ich wie selbstverständlich das Recht der Muslime verteidige, ihre Moscheen zu bauen, so wie Christen, Juden, Buddhisten und alle anderen Religionen das Recht haben, ihre Tempel bauen, schlägt irgendwann der Sarrazin-Effekt zu und mir wird vorgeworfen, mich mit dem Islam gemein zu machen.

Dem Autoren Hannes Stein passiert das auch immer wieder. Jetzt hat er ein für alle mal sein Islam-Bekenntnis verfasst; es ist so brillant, dass ich es auch meinen Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten möchte:

Mein Bekenntnis zum Islam

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Hilde Domins Grab geschändet

Auf dem Heidelberger Bergfriedhof wurde das Grab der in Köln geborenen Dichterin Hilde Domin geschändet. Wie die Polizeidirektion Heidelberg am 2. September 2010 mitteilte und Tapfer in Nirgendwo am 3. September am Telefon bestätigte wurde am 1. September ein ungefähr 90 mal 70 Zentimeter großes Hakenkreuz entdeckt, das der oder die Täter mit roter Farbe (offensichtlich aus einer Spraydose) auf die Grabplatte der Ehrengrabstätte von Hilde Domin gesprüht hatten. Etwas später wurde bekannt, dass in dem unmittelbar angrenzenden und über ein offen stehendes Eisentor verbundenen Jüdischen Friedhof mit augenscheinlich der gleichen Farbe ein Monument-Grabstein ebenfalls mit einem Hakenkreuz (100 x 70 cm) besprüht worden war.

Die Schändung von Domins Grab ist ein weiteres Verbrechen in diesem an antisemitischen Straftaten nicht armen Jahr in Deutschland.

Sprachlosigkeit folgt auf Fassungslosigkeit. Daher möchte ich hier ein Gedicht von Hilde Domin zitieren, das 1970 in „Ich will Dich“ erschienen ist. Das Gedicht heißt „Abel steh auf“. Das Gedicht sagt alles. Vierzig Jahre nach der Veröffentlichung wird das Grab von Domin geschändet und niemand berichtet darüber. Niemand steht auf. Deutschlands Presse bleibt sitzen. Bis heute (4. September 2010) hat erst eine einzige Zeitung darüber berichtet: die Rhein-Neckar-Zeitung. Allerdings hat sie mittlerweile alle Links zu der Berichterstattung der Tat gelöscht. Niemand steht auf!

***

Abel steh auf
es muß neu gespielt werden
täglich muß es neu gespielt werden
täglich muß die Antwort noch vor uns sein
die Antwort muß ja sein können
wenn du nicht aufstehst Abel
wie soll die Antwort
diese einzig wichtige Antwort
sich je verändern
wir können alle Kirchen schließen
und alle Gesetzbücher abschaffen
in allen Sprachen der Erde
wenn du nur aufstehst
und es rückgängig machst
die erste falsche Antwort
auf die einzige Frage
auf die es ankommt
steh auf
damit Kain sagt
damit er es sagen kann
Ich bin dein Hüter
Bruder
wie sollte ich nicht dein Hüter sein
Täglich steh auf
damit wir es vor uns haben
dies Ja ich bin hier
ich
dein Bruder
Damit die Kinder Abels
sich nicht mehr fürchten
weil Kain nicht Kain wird
Ich schreibe dies
ich ein Kind Abels
und fürchte mich täglich
vor der Antwort
die Luft in meiner Lunge wird weniger
wie ich auf die Antwort warte

Abel steh auf
damit es anders anfängt
zwischen uns allen

Die Feuer die brennen
das Feuer das brennt auf der Erde
soll das Feuer von Abel sein

Und am Schwanz der Raketen
sollen die Feuer von Abel sein

***

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Momentchen mal …

Nur um sicher zu gehen. Sehe ich es richtig, dass Thilo Sarrazin nach Ansicht der Mehrheit des Deutschen Bundestags seinen Posten räumen muss, weil er ein fragwürdiges Buch über Muslime geschrieben hat, das den Worten der Kanzlerin nach „nicht hilfreich“ sei, aber die beiden Bundestagsabgeordneten Annette Groth und Inge Höger ihr Mandat behalten dürfen, obwohl sie an Bord einer mehr als fragwürdigen Flotte waren, deren Ziel es war, Hilfsgüter an die Hamas zu liefern, eine Organisation mit dem erklärten Ziel, Juden zu vernichten? Hat die Kanzlerin die Aktion auch als „nicht hilfreich“ bezeichnet?

Entweder der Bundestag traut Muslimen weniger zu als allen anderen Menschen oder er mutet Juden mehr zu. Das bedeutet allerdings, dass der deutsche Bundestag entweder latent islamophob istoder aber latent antisemtisch.

Die Mehrheit des Deutschen Bundestags wird wohl kaum behaupten wollen, dass Thilo Sarrazin für Muslime genauso gefährlich ist wie die Hamas für Juden. Warum also ist der Deutsche Bundestag so ungnädig mit einem Muslimkritiker, aber so tolerant im Umgang von Unterstützerinnen von Judenmörder?

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