Ein Kommentar von Tyrus zu Joe Rogan

Seit ein paar Wochen stellen einige Musikerinnen und Musiker die Streamingplattform Spotify vor die Wahl, entweder weiterhin ihre Musik oder den Podcast „The Joe Rogan Experience“ im Angebot zu haben, unter ihnen sind Neil Young, Joni Mitchell und India Arie.

Joe Rogan ist Stand-up-Comedian, Schauspieler und Journalist. Im Jahr 2009 startete er seinen Podcast „Joe Rogan Experience“. Mittlerweile ist er einer der meistgehörten Podcasts der Welt.

Da Joe Rogan immer wieder Kritikerinnen und Kritiker der umstrittenen Maßnahmen vieler Regierungen im Kampf gegen Corona zu Interviews eingeladen hatte, handelte er sich besonders bei den Befürwortern dieser kontroversen Maßnahmen den Vorwurf ein, Falschinformationen zu Covid-19 zu verbreiten. Da auch Neil Young davon ist, er verbreite Falschinformationen, stellte er Spotify vor die Entscheidung: Er oder ich.

Spotify entfernte daraufhin die Lieder von Neil Young.

Ein paar Tage nachdem die Lieder entfernt worden waren, tauchte eine Videomontage in den sozialen Netzwerken auf, in der man sah, wie Joe Rogan mehrfach das N-Wort benutzte. Nach dem Erscheinen der Montage meldete sich Joe Rogan augenblicklich mit einem Entschuldigungsvideo auf Instagram zu Wort und erklärte, es sei die „bedauerlichste und beschämendste Sache, über die ich jemals öffentlich sprechen musste“.

In seinem Entschuldigungsvideo erklärt Joe Rogan, die Ausschnitte in der Montage seien aus dem Zusammenhang gerissen, aber sie sähen dennoch selbst für ihn „schrecklich“ aus. Er habe das Wort in Gesprächen verwendet, die lange zurück lägen und in denen es um den Gebrauch des Wortes durch schwarze und weiße Comedians und andere Künstler wie Quentin Tarantino und Richards Prior ging. Er fügte jedoch hinzu, er habe das Wort seit Jahren nicht mehr ausgesprochen:

„Es ist kein Wort, das ich verwenden soll. Ich bin mir dessen jetzt bewusst (…) Ich habe es nie benutzt, um rassistisch zu sein, weil ich kein Rassist bin.“

Spotify hat mittlerweile alle Sendungen, in denen das Wort zu hören war, von der Plattform entfernt.

Tyrus ist ein amerikanischer Wrestler, Schauspieler und ständiger Diskussionsteilnehmer der in den USA seit August 2021 meistgeschauten Late-Night-Show „Gutfeld!“ mit Greg Gutfeld auf Fox News. Für diese Show hat er einen perfekten Kommentar zu der ganzen Situation abgegeben.

(Bildnachweis: Wikipedia)

Tapfer im Nirgendwo hat seinen Kommentar vom 7. Februar 2022 übersetzt:

„Greg, Danke dass Du mir diese Zeit gibst. Das wird hier aber kein normaler, alltäglicher „Angry Black Man“ sein und oh, ich bin wütend. Aber nicht aus den Gründen, an die Ihr jetzt vielleicht denkt. Ja, Joe Rogan hat das N-Wort gesagt. Verdammt, er hat es sogar mit einem knallharten R gesagt, ein paar Mal in seinem Podcast. Und ja, es hat mich angepisst, als ich es zum ersten Mal gehört habe.

So, Ihr sehr cleveren Woken,

Ihr habt aber ein paar Dinge ausgelassen, zum Beispiel, dass es vor zwölf Jahren passiert ist. Niemanden interessiert es, was er vor zwölf Jahren gesagt hat. Verdammt, sogar Euch hat es nicht interessiert. Wo wart Ihr denn damals? Ich werde auf eine Antwort warten, aber wir alle wissen, dass meine Frage auf taube Ohren stoßen wird.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass Ihr damit aufhört, uns Afroamerikaner zu benutzen, um Eure Drecksarbeit zu erledigen und Eure Schlachten zu schlagen. Und all das wird uns aufbringen. Wir werden uns nicht mehr die Fakten ansehen und einfach nur noch aufschreckt mit Euch rumcanceln.

Mittlerweile verstehe ich, was Ihr vorhabt. Ihr verwendet Eure kleinen Lieblingswörter, um uns gegeneinander aufzubringen: Rassismus, struktureller, systemischer, institutionalisierter, kritisch. Und dann Euer neues Lieblingswort: Falschinformation.

In Eurer Auseinandersetzung mit Joe Rogan ging es eigentlich um COVID, aber Ihr habt die Debatte verloren. Deshalb brauchtet Ihr etwas anderes und so gingt Ihr zum guten alten woken Drehbuch über. Aber jetzt seid ihr einen Schritt zu weit gegangen.

Wie wäre es damit: Kämpft selbst. Macht die Sache mit Joe Rogan unter Euch aus. Lass uns da raus!

Klar, das N-Wort ist schlecht. Ich erfuhr von seiner Bedeutung im Alter von vier Jahren. Es war das erste Mal, dass ich von einem Familienmitglied als N-Wort bezeichnet wurde, und ich wurde in meinem Leben oft genug so genannt. Ich betrachte mich daher als ziemlicher Experte in dieser Sache.

Ich weiß, für Euch Woken wird das nun eine Neuigkeit sein, aber wir Schwarzen verstehen das Wort in jedem Kontext. Joe Rogan sollte dieses Wort nicht in seinem Mund führen, verdammt, niemand sollte das.

Er hat es damals gesagt. Aber Ihr sagt es jetzt!

Und zwar aus keinem anderen Grund, als einen Mann zu canceln, mit dem Ihr nicht mithalten könnt. Und wisst Ihr was? Das klingt für mich rassistisch!

Denn ich wurde immer so genannt, wenn ich eine Auseinandersetzung gewonnen hatte. Ihr musstet dieses Wort also wohl aus Eurer Trickkiste holen, weil Ihr nicht mithalten konntet.

Ich glaube, Ihr tut dies alles nur zu Eurem woken Selbst und ich bin für Euch vermutlich jetzt nur ein anmaßendes N-Wort, aber das klingt sehr nach, und ich werde eines Eurer Wörter verwenden: Falschinformation.“

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Ein Wahrheitsministerium

„Es ist wichtig, gerade übrigens im öffentlichen-rechtlichen Rundfunk, dass wir die Vielfalt von Meinungen präsentieren. Das ist sehr, sehr wichtig. Ich glaube, darauf können wir uns alle einigen. Ich glaube aber, man muss eben so eine Unterscheidung machen zwischen was ist Meinung und was ist eine falsche Tatsachenbehauptung.“

Dieser Ausspruch stammt von Franziska Brandmann (FDP). Sie äußerte sich in dieser Weise in einer Gesprächsrunde von BILD zum Thema „Die große SWR-Kritik von Lisa Fitz“.

Die Kabarettistin Lisa Fitz war in der SWR-Satiresendung „Spätschicht“ mit einer Nummer aufgetreten, die derart für Aufregung gesorgt hatte, dass der Sender die Folge mit dem Beitrag schließlich aus der Mediathek heraus nahm. Bereits in der Sendung hatte sich der Moderator der Sendung, Florian Schröder, in seiner Anmoderation der Kabarettistin ausdrücklich vom Inhalt des Beitrags distanziert, „ein einmaliger Vorgang in der Kabarett-TV-Geschichte“, wie Lisa Fitz später erklärte.

Es ist das gute Recht jeder Redaktion, selbst zu entscheiden, was sie veröffentlichen möchte. Jede Redaktion darf sich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst aussuchen. Zudem darf jede Redaktion behaupten, im Besitz der Fakten zu sein. Auf dem Markplatz der Meinungen, im Widerstreit der Ansichten und auf dem Prüfstand der Fakten konkurrieren die Medien untereinander auf der Suche nach interessanten Nachrichten und wahrer Berichterstattung.

Es gibt jedoch ein Problem, wenn ein Medium nicht nur behauptet, die Fakten zu kennen, sondern für sich auch noch in Anspruch nimmt, unter Zuhilfenahme der staatlichen Gewalt alle Bürgerinnen und Bürger zu zwingen, ihre Behauptung der Wahrheit zu finanzieren. Eine Organisation, die Menschen mit staatlicher Gewalt zwingt, ihre Faktensuche und Faktenbewertung zu finanzieren, nähert sich graduell einem Wahrheitsministerium an.

Kein Staat kann Objektivität schaffen. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, einen Riesen zu erschaffen, der über die Wahrheit wacht.

Der Staat kann Objektivität lediglich schützen und zwar indem er als Hüter der Grundrechte aller auftritt. Der Staat muss das Recht auf freie Meinung verteidigen, auch wenn die Meinung nicht allen Bürgerinnen und Bürgern gefällt. Allein die chaotische Zeit von Corona hat gezeigt, wie oft etwas, das gestern noch als recht sicher galt, heute in Frage gestellt und morgen vielleicht sogar widerlegt wird.

Nachrichten sind immer Meinungen, allein schon deshalb, weil sie aktuell sind und daher nicht ausreichend geprüft werden konnten, um als hundertprozentig sichere Wahrheit gelten zu können. Nachrichten sind auch deshalb immer Meinung, weil eine Redaktion entschieden hat, über dieses Ereignis zu berichten, während sie andere Ereignisse unter den Tisch hat fallen lassen.

Alles, was auf ein paar Minuten reduziert wird, ist fehlerhaft. Die Wahrheit ist nämlich keine Nachricht, sondern stets ein langes Ringen mit vielen falschen Handgriffen.

Die Aussage von Franziska Brandmann ist daher antiliberal. Es verwundert, dass sie in der FDP ist. Es ist nicht liberal zu behaupten, es bräuchte eine staatlich erschaffene Organisation, die feststellt, was eine falsche und was eine richtige Tatsachenbehauptung ist.

In der Politik geht es um Macht. Mediale Reichweite ist Macht. Je mehr Reichweite ein Mensch hat, umso mächtiger ist er. Wer die Macht hat, Teil des Sprachrohrs der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu sein, bekommt dadurch extrem viel Reichweite. Durch das öffentlich-rechtliche Systeme werden Megaphone an ausgewählte Akteure verteilt. Diese Macht zu missbrauchen, ist für Menschen, die etwas in der Gesellschaft bewegen oder verändern wollen, sehr verführerisch, denn sie ermöglicht es, Fakten und Wahrheiten zu behaupten und die politischen Gegner als Lügner zu diffamieren.

Am 30. Januar 2020, ein paar Wochen vor dem ersten Corona-Lockdown, wurde von Christoph Süß in der Sendung „quer“ des Bayerischen Rundfunk erklärt, jeder, der behauptet, das Coronavirus sei so gefährlich, dass Grenzen geschlossen, der Verkehr eingeschränkt und manche Berufe eingestellt werden müssten, sei ein rechter Verschwörungstheoretiker:

„Wer die Apokalypse zur Basis seines Denkens macht, der schlägt Maßnahmen zu deren Verwirklichung vor.“ Christoph Süß fügte hinzu: „Natürlich beteiligt sich auch der Asthmaanfall für Deutschland, kurz AfD, an der Paranoiaproduktion und rechte YouTuber kriegen sich vor lauter Endzeitpsychosen gar nicht mehr ein.“

Heute gelten jene, die das sagen, was Christoph Süß am 30. Januar 2020 gesagt hat, als gefährliche Querdenker. Am 14. März 2020 warnte das Bundesministerium für Gesundheit vor falschen Tatsachenbehauptungen:

„Achtung Fake News: Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit / die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt NICHT!

Diese und ähnliche Falschinformationen verunsichern gerade viele Bürgerinnen und Bürger. Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen und sie richtig zu stellen.

Lassen Sie uns gerade jetzt besonnen bleiben und einander auch unter Stress vertrauen.“


Am 22. März 2020 stellten die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Bundesländer die Regeln zum Corona-Virus vor. Sie beinhalteten massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Einer Regierung, die sich anmaßt, Bewertungen, die sich später als wahr erweisen, als Falschaussagen zu bezeichnen, sollte man nicht auch noch einen Medienriesen zur Seite stellen, die diese Politik befördert. Vor allem aber sollte man davon absehen, den öffentlich-rechtlichen Anstalten zu attestieren, sie könnten entscheiden, was die richtigen Tatsachenbehauptungen sind.

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Tränenlachen

David Serebrianik über seinen letzten 27. Januar.

Ich sage es wie es ist: Ich konnte meinen Augen nicht trauen, als ich dieses Bild sah:

Nein, trauen konnte ich ihnen schon, meinen Augen. Sogar ein gewisses Gefühl der Gleichgültigkeit beschlich mich beim ersten Hinsehen. Naja, dachte ich, das sind halt die Deutschen, die sich mal wieder offiziell an der Wunde lecken, die sie einem anderen Volk angetan haben. Okay. Kennen wir. Nix neues.

Dann aber schaute ich zum zweiten Mal auf das Bild und sah es zum ersten Mal richtig. So, wie es ist. In all seiner Ekelhaftigkeit. Da stehen draussen unter freiem Himmel fünf Politiker und eine -in, in einem, wenn auch etwas unregelmässigen Sicherheitsabstand voneinander, untere Gesichtshälfte schwarz maskiert (wie denn sonst – ist ja ein Trauertag). Da stehen sie vor den Stelen des Holocaustmahnmals in Berlin und blicken betroffen drein. Die geschmacklosen und kitschigen Kränze, jeder mit einer deutschen Fahne versehen, liegen vor ihnen, wie Omas Sonntagskuchen, auf die keiner wirklich Lust hat.

(Nein, ein Kranz scheint sogar blau-weiss zu sein. Wie aufmerksam! Meine Brille ist gerade in Reparatur. Ist da auch eine israelische Fahne zu sehen?)

Was sagt uns dieses Bild? – würde jetzt eine elegant bebrillte, etwas säuerliche, aber sehr, sehr bemühte und ernsthafte deutsche Geschichtslehrerin fragen. Nun ja, würde ich antworten, dieses Bild sagt mir, liebe Frau Gewissen-Schlecht, dass Ihre Regierung mal wieder einen an der Latsche hat. Das Bild sagt mir, dass es schlicht und einfach meine menschliche Vorstellungskraft übersteigt, wie wohl diejenigen, denen diese sechs Damen und Herren gedenken, auf dieses Bild reagieren würden.

Wie würden meine Urgroßeltern reagieren, die in Odessa auf deutschen Befehl ermordet wurden? Würden sie staunen? Würden sie weinen? Würden sie lachen? Ja. Das ist am wahrscheinlichsten. Sie würden lachen. So hoffe ich zumindest. Sie würden lachen über diese sechs schwarz maskierte Menschen, die sich nicht entblöden, sich öffentlich zu entblößen. Ein schallendes Lachen meines Urgroßvaters stelle ich mir vor, der übrigens eine hohe Meinung von den Deutschen hatte, bevor es alles damals anfing. Diese hohe Meinung kostete ihm und seiner Familie das Leben. Er konnte es sich damals nicht vorstellen, dass diese gebildete und feinsinnige Nation fähig sein würde, ihn und seine Familie umzubringen. Das war sie doch.

So hoffe ich, wenn es den gerechten Himmel gibt, dass jetzt dort ein schallendes Gelächter meiner Urgroßeltern zu hören ist, dass ein Gelächter zu hören ist, in welchem sich die Seelen aller Menschen versammeln, die gequält, gefoltert, erniedrigt und ermordet wurden. Ich hoffe, dass sie dort, wo sie jetzt sein mögen, über die Deutschen, ihre Brutalität und Weichheit, ihre Naivität und Zynismus, ihre Gutgläubigkeit und Unglauben, Ihre Ernsthaftigkeit und daraus resultierende reissende Komik lachen können.

Ich habe mich in den vergangenen Jahren genug vor den Deutschen gefürchtet. Jetzt ist es an der Zeit, über sie zu lachen. Und dieses Bild hier gibt die beste Steilvorlage dazu. Danke!

P.S. Höremfehlung zum Thema: Georg Kreislers “Wenn ihr Lachen wollt”.

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(TINDS)

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„Künstler sind eigentlich Schmarotzer“

Unter meinem Artikel „Was ist systemrelevant“ hat ein Leser folgenden Kommentar verfasst. Ich stelle ihn hier mal zur Diskussion:

„Um so etwas wie Kunst zu ermöglichen, dazu braucht es stabile Verhältnisse, die über das nackte Leben hinaus gehen. Der erste Bauer, der es geschafft hat, hunderte von Mitlebewesen zu ernähren, dazu gehören natürlich auch kranke und alte Menschen, die im Tierreich einfach sterben würden, der hat mehr für die Menschheit getan, als es Helene Fischer jemals könnte. Künstler sind eigentlich Schmarotzer, die der Mensch sich erst dann leisten kann, wenn alle lebenswichtigen Voraussetzungen erfüllt sind. Und diese können nur durch schwer arbeitende Menschen erfüllt werden. Von Menschen, die die Ernährung, die die Möglichkeit, irgendwo zu wohnen und eine gewisse Grundversorgung geschaffen haben. Dazu gehören trällernde Barden nicht.“

Meine Antwort lautet:

Eine merkwürdige Vorstellung von Kunst haben Sie.

Selbst in den Momenten, da es den Menschen am dreckigsten ging, haben sie sich im Kreis versammelt und sich hoffnungsvolle Geschichten erzählt. Je schlechter es den Menschen ging, umso mehr gab ihnen die Kunst Hoffnung. Selbst die Gefangenen, die Elenden, die Hungernden und die Kranken, sie alle singen.

Was Sie behaupten, stimmt somit nicht. Sogar das Gegenteil ist der Fall.

In dem Konzentrationslager Börgermoor im Emsland, wo überwiegend politische Gegner des nationalsozialistischen Regime gefangen gehalten wurden, sangen die Häftlinge das von Gefangenen des Lagers komponierte und geschriebene Lied „Die Moorsoldaten“.

In der Bibel finden sich viele Psalmen, die sehnsuchtsvolle Klagelieder sind. Der Psalm 137 zum Beispiel beschreibt die Sehnsucht der verschleppten Juden in Babylon nach Jerusalem: „An den Strömen von Babel da saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten.“

Dieser Psalm wurde unter anderem von Boney M. gesungen.

Dieser Psalm ist ebenfalls das Vorbild für den Gefangenchor aus „Nabucco“ von Giuseppe Verdi. Hier singen die Juden: „Va, pensiero, sull’ali dorate“ (Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen).

In allen deutschsprachigen Ländern, wo den Menschen das freie Sprechen untersagt war, sangen sie davon, dass ihre Gedanken frei sind.

Wenn Kinder Angst haben, singen ihnen ihre Eltern Lieder. Die Fähigkeit, Welten zu erdichten, hat die arme Mutter, wie der kranke Vater, die verzweifelte Tochter und der hungernde Bruder. Künstler sind keine Schmarotzer. Sie leben und geben dem Leben Sinn.

Shakespeare und Molière haben sowohl für Könige gespielt als auch in der Gosse. Ihre Stücke haben sie in Theatern, an Höfen, auf Märkten und in Spelunken aufgeführt. Es gab Zeiten im Leben dieser Künstler, da waren sie arm, dann gab es Zeiten, da hatten sie keine Sorgen. Gespielt haben immer und selbst die Ärmsten unter den Armen haben ihre Kunst verstanden.

Es gibt nämlich mehr, als bloß die pure Existenz. Es geht um das Leben, nicht nur um das Überleben.

Und zum Schluss noch was zu Helene Fischer. Sie müssen ihre Kunst weder schätzen, noch mögen, Sie können ihre Kunst sogar verabscheuen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sie eine schwer arbeitende Frau ist, die vielen Menschen eine Erfüllung bringt. Selbst wenn Helene Fischer nur einen einzigen Menschen mit ihren Liedern dazu gebracht hat, wieder Hoffnung zu schöpfen und weiter zu leben, statt die Existenz zu beenden, weil er Dank dieser Lieder wieder erkannt hat, dass das Leben einen Sinn hat, dann hat die trällernde Bardin eine ganze Welt gerettet.

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Was ist systemrelevant?

Der Begriff „systemrelevant“ gehört zu den vielen verbalen Entgleisungen der Corona-Ära. Die Taten, zu denen sich Menschen berufen fühlen, sollten niemals in ihrer wie auch immer ermittelten Wertigkeit hierarchisch aufgelistet werden.

Was sind überhaupt systemrelevante Berufe? Sind nur Berufe, die die Nahrung und das pure Überleben sichern, systemrelevant?

Essen, trinken und atmen, all das machen sämtliche Tiere auch. Wenn es etwas gibt, das uns Menschen im Wesen ausmacht, dann ist es unsere Fähigkeit, Kunst und Kultur zu erschaffen. Die Begabung, Geschichten zu erzählen und Bilder zu ersinnen, zeichnet uns als Menschen aus. Die Gabe zur künstlerischen Schaffenskraft macht uns menschlich. Kultur ist kein Bonus der Menschheit, sie ist die Menschheit.

Es gibt keine irrelevanten Menschen. Das Leben eines jeden Menschen hat Relevanz!

Die Menschheit ist kein geordnetes System, sondern ein wunderbar chaotischer Haufen voller Fehler und Gefahren. Der Mensch ist frei! Genau diese Freiheit wird in totalitären Systemen erstickt. Dort herrscht dann die brutale Logik der unterschiedlichen Relevanz von Menschen.

Faschistische Systeme argumentieren stets mit der vermeintlichen (Volks-)Gesundheit. Sie haben kein Problem damit, zum Wohle der Gesundheit Menschen auszugrenzen, natürlich immer mit der festen Überzeugung, dass das alles nur zum Besten der Gemeinschaft geschieht.

Ein totalitäres Land schafft es besser, einem Virus Einhalt zu gebieten, als ein freies Land. Lockdowns, Ausgangssperren und Quarantänelager lassen sich in totalitären Regimen viel leichter umsetzen. Sollen wir uns daher an totalitären Regime ein Beispiel nehmen? Ist der Erfolg zur Bekämpfung eines Virus etwa der neue Maßstab für Freiheitsrechte?

Von allen bisherigen Regierungsformen in Deutschland, hat das Deutschland mit dem Grundgesetz, die mit Abstand schlechtesten Strukturen, um Einschränkungen in persönliche Freiheitsrechte durchzusetzen. Dennoch ist von allen bisherigen deutschen Regimen das Deutschland mit dem Grundgesetz das schönste aller Deutschländer.

Mit Blick auf unser Grundgesetz habe ich daher ein paar Fragen: Welche Maßnahmen sind wir nicht mehr bereit zu tragen? Wo ist unsere Grenze? Wo trumpfen die Gesundheit, das Leben und die Sicherheit nicht die Freiheit?

Auf meiner persönlichen Prioritätenliste steht Freiheit ganz oben. Ich kann verstehen, wenn es Menschen anders sehen, aber wenn ich mich zwischen Freiheit und Sicherheit entscheiden muss, bin ich ein Verbündeter der Freiheit.

In totalitären Systemen aber steht die Sicherheit über Freiheit und jeder, der das anders sieht, wird kritisch beäugt, als Gefahr diffamiert und nicht selten zensiert. Wer Menschen ausgrenzen will, muss sie als irrelevant erklären. Wer irrelevant ist, kann weg.

Irrelevante Personen können deutlich leichter ausgrenzt werden. Es kann ihnen sogar leichter Gewalt angetan werden, sobald die relevanten Menschen nur glauben, die irrelevanten Menschen wären eine Gefahr für ihr relevantes Leben. Wenn Menschen in ihrem irrelevanten Naturzustand eine Gefahr für das System darstellen, bekommt die Gewalt eine besondere Relevanz.

Ist das relevant oder kann das weg?

Kunst ist nicht systemrelevant. Deshalb gedeiht sie so schlecht in Diktaturen.

Kunst ist Freiheit. Sie zersetzt Gewissheiten, pflanzt aber auch Hoffnungen. Kunst lässt sich nicht erklären und sezieren. Sie lässt sich nur erleben. Kunst lässt staunen, lachen, weinen, zweifeln, glauben, träumen. Kunst lässt Raum zum Scheitern und Fallen, bietet aber auch unendlich viel Geborgenheit. Kunst ist so unendlich viel, aber nicht systemrelevant, es sei denn, sie ist Propaganda. Kunst ist nicht sicher, außer wenn sie langweilig ist.

Für die Freiheit sind in der Geschichte der Menschheit Millionen Menschen gestorben. Ich fürchte mich vor einer Zeit, in der aus Angst vor der Unsicherheit und Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz das hohe Gut der Freiheit einem wie auch immer organisierten System geopfert wird. Ein solches Opfer bin ich nicht bereit zu geben.

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Die Doppelmoral eines Bürgermeisters

Simone Schermann macht sich Gedanken über die „böse“ Demo friedlicher Bürger gegen die Impfpflicht und die „gute“ Demo gewaltbereiter Islamofaschisten gegen Israel und Juden.

Martin Horn (parteilos) ist Oberbürgermeister von Freiburg, ein Oberbürgermeister zum Vorzeigen und des „gesunden Menschenverstands“, der sich allerdings nur dann verächtlich über Demonstrationen in Coronazeiten echauffiert, wenn sie nicht von gewaltbereiten Islamofaschisten kommen. Wenn in seiner Stadt nämlich von Sprechchören auf arabischen gefordert wird, die „Juden zu schlachten“, wenn der Holocaust relativiert wird, um den jüdischen Staat zu dämonisieren und zu delegetimieren, dann ist Martin Horn gleichgültig und schweigt hartnäckig.

Wer schweigt, der stimmt zu, der ist ein Mitläufer, der macht sich mit Judenhassern gemein, so jedenfalls predigte es Steinmeier in seiner Funktion als Bundespräsident der iranischen Mullah-Herzen:

„Wer auf den Straßen den Schulterschluss mit Rechtsextremisten sucht, aber auch wer nur gleichgültig neben Neonazis, Fremdenfeinden und Antisemiten herläuft, wer sich nicht eindeutig und aktiv abgrenzt, macht sich mit ihnen gemein.“

Da nehme ich ihn beim Wort. Genau dieses Gesagte trifft bei Martin Horn wie die Hamas-Faust aufs Auge. Martin Horn macht sich mit Islamofaschisten gemein, weil er sich nicht von ihnen abgrenzt und zu ihren Holocaustverharmlosungen schweigt, wie auch zu den Auslöschungsphantasien über Juden und Israel komplett kuscht.

Was war passiert?

Zu der völlig friedlichen Anti-Impfpflicht-Demo in Freiburg vom 8. Januar 2022 ließ Horn sich nicht lumpen und machte gegenüber den sechstausend friedfertigen Menschen eine hetzerische Kampfansage im SWR-Fernsehen voller Doppelmoral, Scheinheiligkeit und Bigotterie. Im SWR ließ Martin Horn in einem Interview seiner außerordentlichen Empörung und seinem Entsetzen freien Lauf.

Am Samstag, den 8. Januar 2022 demonstrierten laut Polizeiangaben rund sechstausend Menschen friedlich gegen die Corona-Politik und die Impfpflicht. Der Protest fand unter strengen Auflagen statt, wie SWR Aktuell berichtete. Die Maskenpflicht musste eingehalten und der Demonstrationszug in einzelne Abschnitte eingeteilt werden. Der Veranstalter musste zudem für eine hohe Anzahl an Ordnungskräften sorgen.

All das wurde eingehalten. Das weiß ich, da ich mit mehreren Freunden selbst an der Demo teilgenommen habe. Unentwegt liefen Ordner durch den ewig langen, völlig friedlichen Protestzug und forderten die Teilnehmer zu Einhaltung der Auflagen auf. Ja, die Maskenpflicht wurde lediglich „überwiegend“ eingehalten. Auch ich trug meine nicht ständig.

Laut SWR Aktuell waren „Unternehmer, Eltern mit Kindern und Mitarbeiter der Uni-Klinik“ vertreten und genauso war es. Es war ein bunter Haufen, ein Querschnitt durch die Gesellschaft, von Links bis Rechts: Linke, Grüne, Sänger und Tänzer, Liberale und Konservative, Seite an Seite. Der Protest gegen die Corona-Politik vereinte sichtbar Menschen unterschiedlichster politischer Provenienz. Mit anderen Worten: die Demo – sie vereinte Freiburger gegen die aktuelle Corona-Politik und gegen die Impfpflicht. Die zwei Hauptslogans, die gerufen wurden lauteten: „Freiheit, Menschlichkeit und Vernunft“ und „Freiheit, Frieden und Demokratie“.

Mit dem Recht dieser Bürger auf Meinungsfreiheit und Demonstrationsfreiheit hat Martin Horn ein großes Problem. Der Freiburger Oberbürgermeister sprach im SWR– Interview von „Corona-Leugnern und Leugnerinnen,“ die wie „Spaltpilze in der Gesellschaft“ wirkten. Er sah eine Radikalisierung, die „alle Grenzen überschritten hat“ und forderte ein „Hinschauen und Benennen“ statt „wegzuschauen“. Er appellierte zudem noch an „den gesunden Menschenverstand“ und fordert eine „gesellschaftliche Gegenbewegung“ gegen diese „Spaltpilze“.

Er sprach mit Betroffenheitsmiene von „Spaltern und Spalterinnen“ und erzählte von einem Plakat mit dem Slogan. „KZ-Wächter 1945, Mauerschützen 1990, Polizeikräfte 2021“ und nannte die Aussagen „eklig und unentschuldbar“.

Keine Frage, diese Vergleiche sind eklig und völlig unangemessen. In seinem Artikel „Unpassende Vergleiche sind schlimmer als Hitler“ hat Gerd Buurmann ein paar der unfassbarsten Vergleiche der letzten Jahre gesammelt.

Dennoch zeigt den dreiminütige Beitrag vom SWR in exemplarischer Weise auf, wie Medien und Politik seit dem Beginn der Corona-Krise funktionieren und zusammenarbeiten. Denn völlig unkritisch konnte der Freiburger Oberbürgermeister seine geschmacklose und diffamierende Agitation platzieren, womit einzig und allein er selbst Grenzen überschritten, die Spaltung der Gesellschaft aktiv betrieben und die öffentliche Meinung gegen friedfertige Bürger aufhetzt hatte. Der von ihm verwendete Begriff „Corona-Leugner“ ist dabei ein eindeutiger Kampfbegriff, den die Medien und nun auch Herr Horn in unserer Gesellschaft salonfähig gemacht haben.

Was passt zur politischen Doppelmoral eines Martin Horn besser, als der kluge Heinrich Heine und sein Wintermärchen: „Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, ich kenn auch die Herren Verfasser; ich weiß, sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser.“

Im Mai 2021 hatte Freiburg eine neue Stufe des islamofaschistischen Judenhasses erklommen. Der Anlass war der Raketenterror gegen die israelische Zivilbevölkerung, mit zu diesem Zeitpunkt rund tausend auf Israel abgefeuerte Raketen. Die Stadt genehmigte in der Zeit eine Demonstration der antisemitischen Truppe „Palästina Spricht“, die bekanntlich Befürworter und Unterstützer der judenfeindlichen BDS-Bewegung ist.

„Palästina Spricht“ sprach nicht. Die Anwesenden brüllten, stundenlang, auf dem Platz der Alten Synagoge, im Herzen der Stadt Freiburg. Sie brüllten Parolen, die der Auslöschung des Staates Israels galten und sie brüllten den auf allen Demos dieser Art bekannten Schlachtruf: „Kayba, Kayba ya Yahud“ (Schlachtet die Juden). Sie schrien nach einem Palästina „from the river to the sea” und forderten somit die Auslöschung Israels. Zudem wurden Flaggen, die eine Nähe der Gruppierung zur radikalislamischen Terrormiliz Hamas und Hisbollah zeigten, geschwenkt. Ich weiß das sehr genau, weil ich selbst zu der Handvoll Gegendemonstranten gehörte und mit mir hörten auch andere diese Aufrufe zum Mord an Juden.

Ich erinnere mich deutlich an das Gefühl, das mich beim Anblick des grölenden und hasserfüllten Mobs überkam. Es war Angst und ein Gefühl kroch mir eiskalt den Rücken hinauf und ließ mich erschaudern. Dieses Gefühl sagte mir, dass ich als Jüdin aus diesem Land weg muss. So müssen sich die Juden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland gefühlt haben, als sie damals die Parolen des Mobs auf den Straßen ihrer deutschen Heimat hörten.

Zwischen hunderten, eng nebeneinanderstehenden hasserfüllten Männern, stand ein Einpeitscher, der die Mordaufrufe vorbrüllte, die alle anderen nachbrüllten. Der Mob war wieder da, in meiner Heimat Deutschland, in meiner Stadt Freiburg und zwar in Form des gewaltbereiten Islamofaschismus. Der Nationalsozialismus unserer Zeit ist der judenhassende, gewalttätige Islamofaschismus.

Auf der Demonstration wurden Schilder gezeigt, die die Situation der Palästinenser heute mit der Situation der Juden in der Shoa gleichsetzten. Das relativierte die einzigartigen Verbrechen der Nazis und war ekelig und unentschuldbar.

Das Junge Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Freiburg (DIG) hat daraufhin einen offenen Brief an Martin Horn gerichtet. Sie baten um Solidarität mit dem unter Raketenbeschuss stehenden Israel und den in Deutschland lebenden Juden. Es kam jedoch „keine Antwort vom Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn“, so der Titel einer Sendung vom 17. Mai 2021 auf Radio Dreyeckland.

Der Brief ist bis heute unbeantwortet.

Auf SWR-Aktuell hat Martin Horn an „den gesunden Menschenverstand“ appelliert und eine „gesellschaftliche Gegenbewegung“ gegen die „Spaltpilze“ gefordert, gegen friedliche Demonstranten, die gegen die Impfpflicht demonstriert hatten, gegen Pfleger, Ärzte, Eltern mit ihren Kindern und Menschen aus der bürgerlichen Mitte und kritisierte ein Schild, das ich auch eklig finde, das ich jedoch nicht gesehen hatte und dem sich vor allem keine johlende Masse anschloss. Das hasserfüllte Gebrüll im Mai 2021 jedoch wurde von allen Teilnehmern mitgetragen und mitgeschrieen.

Martin Horn schwieg, als eine Horde gewaltbereiter Demonstranten in seiner Stadt zur Tötung von Juden aufgerufen hatte. Er schwieg, als Holocaust-Relativierungen von muslimischen Judenhassern kamen und auf Arabisch gegen Juden gehetzt wurde. Er schwieg, als Islamofaschisten demonstrierten und die Polizei nichts dagegen unternahm und völlig passiv zuschaute. Er schwieg als Antisemiten, trotz Maskenpflicht und Corona im Mai 2021 ihr Demonstrationsrecht wahrnahmen. Sie wurden von ihm nicht als Spaltpilze betitelt, obwohl auch sie die Maskenpflicht nicht einhielten.

Der gesunde Menschenverstand von Martin Horn verbietet ihm vermutlich, überhaupt dazu Stellung zu beziehen und von Corona-Leugnern oder Holocaust-Leugnern zu reden.

Was geht in Ihnen vor, Herr Horn, dass Sie ernsthaft glauben, sechstausend Menschen wegen ein paar Plakaten über einen Kamm zu scheren, sie zu beleidigen und zu diffamieren? Völlig friedliche Menschen, die ihre Entscheidung, sich eine unausgegorene, aus der Hüfte geschossene „Impfung“ abzulehnen als freie Bürger dieses Landes zu Recht in Anspruch nehmen und gegen eine drohende Impfpflicht zu protestieren.

Die Unfähigkeit, sein Amt auszufüllen, hat er mit seinem Verhalten deutlich unter Beweis gestellt. Bei gewaltbereiten, echten Holocaustleugnern, die im großen Chor judenfeindliche Parolen grölen, schweigt er. Bei dem Verteufeln friedlicher Bürger einer Demo gegen die Corona-Politik aber greift er zu deutlichen Worten.

Der Oberbürgermeister von Freiburg versucht, eine demokratische Protestaktion zu delegetimieren. Was für eine Doppelmoral und Dämonisierung!

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(TINSIS)

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„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

Am 16. Januar 2022 um 23:07 Uhr veröffentlichte Ex-Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) auf Twitter: „Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer. Nicht zuletzt in der „Wüstenrose“ von Jean #Nouvel dem qatarischen Nationalmuseum.“

Die Scharia ist eine Hauptquelle der verfassungsmäßigen Gesetzgebung in Qatar.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

In einigen Fällen ist die Aussage einer Frau vor Familiengerichten, die sich an die Scharia halten, halb so viel wert wie die eines Mannes.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

Menschen, die gestohlen, Unzucht getrieben oder Alkohol getrunken haben, können in Qatar zur Strafe ausgepeitscht werden.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

In Qatar können Menschen für Blasphemie bis zu sieben Jahren ins Gefängnis gesteckt werden.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

Erstattet eine Frau Anzeige wegen einer Vergewaltigung, kann sie dafür ins Gefängnis kommen, weil ihr dann außerehelicher Geschlechtsverkehr vorgeworfen wird.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

Um Verträge zu unterschreiben oder das Land zu verlassen, brauchen Frauen unter 25 Jahre die Erlaubnis eines männlichen Vormunds.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

Ohne Erlaubnis eines männlichen Vormunds können junge Frauen nicht die Häuser ihrer Familien verlassen.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

Ein großer Teil der überwiegend ausländischen Arbeitskräfte in Qatar werden ausgebeutet, diskriminiert und missbraucht. Dies betrifft besonders Frauen. Körperliche Gewalt und sexueller Missbrauch sind an der Tagesordnung.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

Politische Parteien sind in Qatar nicht zugelassen.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

Homosexualität ist in Qatar strafbar und wird mit Haft bestraft. Für Muslime im Land besteht die Möglichkeit der Todesstrafe nach der Scharia.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

Der Abfall vom Glauben gilt in Qatar als Kapitalverbrechen.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

Die Todesstrafe wird in Qatar von einem Erschießungskommando exekutiert.

„Ein Besuch in Qatar lohnt sich immer.“

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Weitere Tweets von Sigmar Gabriel können hier nachgelesen werden: „Sigmar Gabriel, sein Freund und sein Judenhass“

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Geiselnahme in Synagoge in Texas

Am Schabbatmorgen des 15. Januar 2022 betrat ein Mann das jüdische Gemeindehaus Beth Israel im texanischen Colleyville, einem Vorort von Dallas. Er gab an, obdachlos zu sein und bat um Hilfe. Bei dem vermeintlich hilfsbedürftigen Mann handelte es sich jedoch um einen bewaffneten Mann, der in der Synagoge zu seiner Waffe griff und Geisel nahm.

Die Polizeibehörde von Colleyville berichtete, erstmals um 10:41 Uhr einen Notruf erhalten zu haben. Die Polizei wurde später vom FBI und dem Texas Department of Public Safety unterstützt. Die Polizei evakuierte Wohnviertel in der Nähe des Tatorts.

Ein Live-Stream von dem Gottesdienst der Synagoge zeigt die Geiselnahme. Vier Menschen, darunter der Rabbiner der Synagoge, Charlie Cytron-Walker, wurden mitten in einer Bar Mizwa als Geiseln genommen.

Bei der Verhandlung mit den Behörden, die über ZOOM aufgezeichnet wurde, erklärte der Geiselnehmer Malik Faisal Akram: „Wenn jemand versucht, dieses Gebäude zu betreten, sage ich Ihnen, alle werden sterben, Polizisten, Sie, ich, alle.“

Auf dem Video sind ebenfalls diese Worte zu hören: „Ich werde sterben. Weint nicht um mich.“

Kurz nach 17 Uhr gab die Polizeibehörde von Colleyville eine Erklärung ab, eine der Geiseln sei freigelassen worden.

Um 21:21 Uhr befreite ein SWAT-Team des FBI die drei verbliebenen und tötete dabei den Geiselnehmer. Im Anschluss veröffentlichte der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, eine folgende Erklärung via Twitter:

„Gebete erhört. Alle Geiseln sind lebend und sicher draußen.“

Die Gemeinde Beth Israel ist eine reformierte Synagoge. Sie wurde im Jahr 1999 von fünfundzwanzig Familien mit einer Religionsschule mit 75 Kindern eröffnet.

Laut verschiedenen Meldungen habe der Geiselnehmer unter anderem die Freilassung von Aafia Siddiqui verlangt. Die im Jahr 1972 geborene Neurowissenschaftlerin Aafia Siddiqui wurde am 3. Februar 2010 in Manhattan wegen versuchten Mordes verurteilt. Ihr wurde vorgeworfen, auf US-Soldaten geschossen zu haben, die sie in ihrer Gefangenschaft bewacht hatten.

Nach Angaben der US-Regierung wurde Aafia Siddiqui im Juli 2008 von US-Kräften im afghanischen Ghazni zusammen mit ihrem ältesten Sohn festgenommen. Bei einem Verhör soll sie ein Sturmgewehr ergriffen und damit auf amerikanische Soldaten geschossen haben. Von einer Jury wurde sie verurteilt und trat schließlich ihre Haftstrafe von 86 Jahren in einem Gefängniskrankenhaus in Fort Worth an. Der Ort ist ungefähr vierzig Kilometer von der Synagoge entfernt.

Die Freilassung von Aafia Siddiqui wurde schon bei anderen Geiselnahmen gefordert.

Am 16. Januar 2013 kam es in Algerien zu einer Geiselnahme in der Stadt In Aménas nahe der libyschen Grenze. Damals wurden über hundert Geiseln von dem islamistischen Kommando al-Muwaqqiʿūn bi-d-Dimāʾ in Förderanlagen eines Erdgasfeldes genommen. Die Befreiung der Geiseln endete am 19. Januar 2013. Hintergrund der islamistischen Aktion war, dass Frankreich die Streitkräfte Malis im Kampf gegen militante Islamisten unterstützt hatte. Zu den Forderungen der Geiselnehmer gehörte die Freilassung von Aafia Siddiqui und die des ebenfalls in den Vereinigten Staaten inhaftierten Omar Abd al-Rahman.

Die im Jahr 1988 in Arizona geborene Menschenrechtsaktivistin Kayla Jean Mueller wurde zusammen mit ihrem Verlobten Omar Alchani im August 2013 bei Aleppo auf einer Taxifahrt entführt und als Geisel festgehalten. Laut Aussagen mitgefangener Geiseln wurde sie während ihrer Gefangenschaft mehrfach vom damaligen Anführer des Islamischen Staats, Abu Bakr al-Baghdadi, vergewaltigt. Die Geiselnehmer forderten im Verlauf der Geiselnahme der 26-jährigen Frau unter anderem die Freilassung von Siddiqui.

Laut Angsben des Islamischen Staats wurde Kayla Jean Mueller schließlich während eines Luftangriffs jordanischer Kampfflugzeuge auf das syrische ar-Raqqa getötet. Am 10. Februar 2015 wurde die Familie von Mueller in einer E-Mail über ihren Tot informiert. In der Mail waren drei Fotografien enthalten, darunter ein Foto ihrer Leiche.

Der derzeitige Anwalt von Aafia Siddiqui erklärte, seine Mandantin habe absolut nichts mit der Geiselnahme zu tun und bat den Geiselnehmer alle Geiseln sofort freizulassen und sich selbst zu stellen. Er fügte hinzu: „Wir verurteilen die Geiselnahme in der Gemeinde Beth Israel in Colleyville aufs Schärfste.“

Der Artikel wird ständig aktualisiert.

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„Für mich ist das der normale Islam.“

Mohammed Abrini steht in Frankreich vor Gericht, weil ihm vorgeworfen wird, als Mitglied des Islamischen Staats an der Planung der Terroranschläge in Paris am 15. November 2015 und in Brüssel am 22. März 2016 beteiligt gewesen zu sein. Hier sind einige seiner Aussagen vor Gericht, die er am 11. Januar 2022 getätigt hat:

„Für mich bin ich nicht radikal. Zum Beispiel, wie erkläre ich es Ihnen? Es gibt Orte auf der Welt, wie in Saudi-Arabien, da werden Sie finden, dass dort radikale oder seltsame Dinge geschehen, für mich ist das der normale Islam.“

(Pour moi, je ne suis pas radical. Par exemple, comment vous dire ? Il y a des endroits dans le monde, comme en Arabie Saoudite, vous allez trouver que c’est radical ou des choses bizarres, pour moi, c’est l’islam normal.)

Auf die Frage, was er von der Scharia halte, antwortete er, ohne zu zögern:

„Die Scharia ist ein göttliches Gesetz, es wird in vielen Ländern der Welt angewendet, und hier. Es ist das göttliche Gesetz und steht für mich über dem Gesetz der Menschen. Wenn ich ein freier Mensch wäre, ich würde in einem Land leben, in dem es die Scharia gibt.“

(La charia, c’est la loi divine, elle est appliquée dans plein de pays dans le monde, et voilà. C’est la loi divine, et pour moi elle est au-dessus de la loi des hommes. Si j’étais un homme libre, j’irais vivre dans un pays où il y a la charia.)

Die Frage, ob die Scharia auch auf Europa ausgeweitet werden solle, beantworte er wie folgt:

„Der Dschihad ist ein Teil des Islam. Der Islamische Staat, die ganze Welt sah das als etwas Neues an, aber Islamische Staaten hat es immer gegeben. Es wäre daher gut gewesen, wären Historiker auch hier dazu gekommen, ein bisschen darüber zu reden.“

(Le djihad fait partie de l’islam. L’État Islamique, tout le monde voyait ça comme quelque chose de nouveau, mais il y a toujours eu des États islamiques, ça aurait été bien que des historiens viennent ici un peu en parler.)

Angesprochen auf jene, die nach Syrien heimkehren, erklärte er:

„Es gibt Menschen, die nach Gottes Gesetz leben wollen, und ich kann verstehen, dass Menschen mit ihren Familien wegziehen, um an solchen Orten zu leben.“

(Il y a des gens qui veulent vivre selon la loi de Dieu, et je peux comprendre que des gens partent avec leur famille pour vivre dans des endroits comme ça.)

Zum Thema Selbstmordattentate, gab er zwar zu, nicht in der Lage gewesen zu sein, sich selber „in die Luft zu sprengen“ (faire sauter), führte aber dennoch aus, die Anschläge seien verständliche Vergeltungen für die westliche Politik in Syrien.

„Diejenigen, die sich in die Luft gesprengt haben, taten dies als Reaktion auf die Bombardierungen. Da wir nicht die Möglichkeit haben, einen Soldaten vor Ort zu töten, führen wir Anschläge durch. Es gilt Bombardement gegen Anschlag. Ich habe immer gesagt, ich bin dazu nicht fähig. Ich bin zu vielem fähig, aber nicht dazu. Jene, die sich dazu entschieden haben, sind Menschen, die gekämpft haben. Die Anschläge sind eine Reaktion auf Gewalt.“

(Ceux qui se sont fait exploser, c’est une réponse aux bombardements. À défaut d’avoir un soldat tué sur place, on fait des attentats, c’est bombardement contre attentat. J’ai toujours dit, moi je suis pas capable de le faire, je suis capable de bien des choses mais pas ça, ceux qui ont décidé de faire ça, ce sont des gens qui ont combattu, les attentats c’est une réponse à une violence.)

Anne-Laure Arruebo ist eine der 130 Menschen, die in der Terrornacht am 15. November 2015 in Paris ermordet wurden. Sie wurde im Alter von 36 Jahren auf der Terrasse des Belle équipe getötet. Als der Anwalt der Familie von Anne-Laure Arruebo den Angeklagten fragte, ob er den Familien der Opfer etwas zu sagen habe, antwortet er zunächst mit langem Schweigen. Dann sagte er:

„Das ist eine komische Frage. Ich habe nicht erwartet, dass mir so eine Frage gestellt wird.“

(C’est une drôle de question, je n’avais pas prévu qu’on me pose ce genre de question.)

Dann schwieg er wieder eine Weile und erklärte dann:

„Was ich ihnen sagen kann, es ist wirklich traurig, was ihnen passiert ist. Sie sind doppelt Opfer. Opfer der Außenpolitik Frankreichs und der Außenpolitik des Islamischen Staates. (…) Es ist vielleicht an der Zeit, auf die Straße zu gehen, um Frankreichs Außenpolitik herauszufordern.“

(Ce que je peux leur dire, c’est vraiment triste ce qui leur est arrivé. Ils sont doublement victimes, de la politique étrangère de la France et de la politique étrangère de l’État Islamique. (…) Il serait peut-être temps de descendre dans la rue pour contester la politique étrangère de la France.)

Angesprochen sowohl auf die Massaker des Islamischen Staats, als auch auf die dortige Versklavung von Frauen, erklärte er, Napoleon und Dschingis Khan hätten dasselbe getan, wenn ihre Taten nicht sogar noch schlimmer gewesen seien. Angesprochen auf die Enthauptungsvideos des Islamischen Staates, entgegnete er:

„Die Enthauptungen wurden auch in Frankreich durchgeführt. Sie haben ihrem König den Kopf abgeschnitten.“

(Les décapitations, ça se faisait aussi en France, vous avez coupé la tête de votre roi.)

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Die Aussagen von Mohammed Abrini habe ich bei Charlie Hebdo gefunden und selbst übersetzt.

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Schwurbelalarm!

Als ich das erste Mal hörte, wie jemand ein „Schwurbler“ genannt wurde, weil er es gewagt hatte, „quer zu denken“, als das Wort „Querdenker“ zur Beleidigung wurde, da wusste ich, dass wir uns auf einem ganz gefährlichen Weg befinden.

Es ist absolut nicht verwerflich, sich auch in Zeiten der Pandemie des methodischen Zweifelns zu bedienen. Diese Methode, die René Descartes ausführlich in seinen „Meditationen über die erste Philosophie“ beschrieben hat, besteht darin, zunächst einmal an der Existenz von allem zu zweifeln, was auch nur irgendwie einem Irrtum unterliegen könnte.

Immer wieder höre ich, das Virus würde uns zwingen, Masken zu tragen, Abstand zu halten, in den Lockdown zu gehen und zu Hause zu bleiben; aber das stimmt nicht. Das Virus zwingt uns nicht dazu. Es zwingt uns zu nichts. Das Virus will nichts. Das Virus ist!

Wir zwingen uns! Menschen zwingen Menschen. Und wenn Menschen Menschen zu irgendetwas zwingen, stellt sich die Frage, mit welchem Recht sie das tun.

Ist das Schwurbelei?

Was spricht dagegen, an die eigenen Sinne zu zweifeln, wenn man andere Menschen zu etwas zwingen will? Es kann schließlich immer sein, dass man einer Täuschung anheim gefallen ist, vielleicht sogar einer Massenhysterie. Wer kann damit leben, anderen Menschen Gewalt angetan zu haben, weil er sich getäuscht hat?

Was spricht dagegen, immer wieder an den eigenen kognitiven Zustand zu zweifeln? Es ist schließlich durchaus möglich, dass Panik, Traumata oder andere psychologische Umstände die eigene Fähigkeit zur rationalen Erkenntnis getrübt haben. Wie schlimm wäre es, Menschen zu etwas gezwungen zu haben, nur weil man selbst der Panik verfallen war?

Was spricht dagegen, an der eigenen kognitiven Autonomie zu zweifeln? Die Logik und die Mathematik sind zwar universell wahr, aber ich kann nie vollkommen sicher sein, tatsächlich das ganze Bild zu sehen. Ich muss mich immer wieder selbst hinterfragen: Bin ich wirklich im Besitz aller Fakten? Gibt es Dinge, die ich nicht bedacht habe? Gibt es vielleicht sogar einen bösen Geist, der mir vorgaukelt, die Welt so zu sehen, wie ich sie wahrnehme? Werde ich gar beeinflusst und manipuliert? Wer versorgt mich mit den Fakten und welche eigenen Interessen hat dieser Versorger?

All diese Fragen muss ich mir, will ich mir stellen, denn es wäre fatal, erkennen zu müssen, ein willfähriges Werkzeug gewesen zu sein, das anderen Menschen ungerechtfertigterweise Gewalt angetan hat.

Ist der Cartesische Zweifel Schwurbelei?

Immanuel Kant hat folgende drei große philosophischen Fragen gestellt: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? In seiner Abhandlung „Was ist Aufklärung“ erklärt er:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

Immanuel Kant fordert jeden Menschen auf, den Mut zu haben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Er kritisiert mit scharfen Worten die Faulheit und Feigheit jener Menschen, die diesen Mut nicht aufbringen. Sie seien nämlich der Grund dafür, warum viele Menschen „gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.“

Immanuel Kant führt aus:

Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Dass der bei weitem größte Teil der Menschen den Schritt zur Mündigkeit, außer dem dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“

Ist die Aufklärung Schwurbelei?

Seit Jahrhunderten sitzen die Philosophinnen und Philosophen auf Bäumen, in Tonnen, auf Feldern und in Elfenbeintürmen, denken darüber nach, was den Menschen ausmacht, ob er frei ist und wenn ja, was aus dieser Freiheit resultiert, was gut und was böse ist und ob es gut und böse überhaupt gibt, welche Verantwortung der Mensch hat, für sich, für andere, für die ganze Welt, ob es moralische Gesetze gibt und wenn ja, wie sie lauten und wer sie verteidigt und vor allem wie, ob es einen Sinn im Leben gibt oder ob alles nur sinnlos ist und zufällig, ob es Schönheit gibt in der Natur oder ob alles vollkommen egal ist, egal ob die Erde nun ein Planet ist, mit grünen Wäldern, blauen Meeren und wilden Tieren oder nur eine brennende Kugel, mit Lava, Dämpfen und Gasen, ein Ort, wo es keine Freiheit, Verantwortung, Schönheit, Poesie und Moral gibt, weil es dort keine Menschen gibt, die daran glauben.

Wo kommt eigentlich die atemberaubende Arroganz her, dass nach all den Jahrhunderten nun ausgerechnet wir die allgemein gültige Antwort gefunden haben? Der Zweifel ist die Methodik der Wissenschaft. Sie legt das Skalpell der Skepsis immer auch an sich selbst an. Die Wissenschaft glaubt nicht, sie zweifelt.

Die Philosophie des Kritischen Rationalismus erkennt den Menschen als ein in seiner Erkenntnisfähigkeit durch seine Wahrnehmung begrenztes Wesen. Der Mensch muss akzeptieren, dass eine endgültige Gewissheit unmöglich ist und muss daher stets davon ausgehen, dass jeder Problemlösungsversuch falsch sein kann. Dieses Bewusstsein der Fehlbarkeit führt zu der Forderung nach der ständigen kritischen Prüfung von Überzeugungen und Annahmen. Es wird in der Wissenschaft daher nicht gefragt, wie eine naturwissenschaftliche Theorie beweisen werden kann, sondern wie man herausfinden kann, ob und wo sie fehlerhaft ist. Solange sie nicht widerlegt wurde, gilt sie als bestätigt.

Ist der Kritische Rationalismus Schwurbelei?

Der Mensch existiert nicht nur. Er lebt. Und während er lebt, glaubt und hofft er, dass dieses Leben mit Sinn gefüllt ist und es sich lohnt, dieses Sein zu erhalten, auch wenn die Natur einen längst entsorgt hätte.

Der Mensch ist sich seiner Sterblichkeit bewusst. Er ist kein bloßes Tier mit einem Überlebensinstinkt, sondern ein Wesen mit einer tiefen Angst vor dem Tod als Nichts. Ein unverständliches, unbegreifbares, undefinierbares Nichts, das das Sein auslöscht, unerbittlich, unausweigerlich, ewiglich. Was ist dieses Sein überhaupt?

Die meisten Menschen würden heute gar nicht mehr leben, ginge es nach der Natur. Hatten Sie schon mal eine Operation? Tragen Sie ein Brille? Haben Sie eine schwere Grippe überstanden? Nutzen Sie moderne Technik? Sind Sie geimpft? Dann sind Sie wider der Natur hier.

Viele Menschen glauben, Natur sei das Naherholungsgebiet am Stadtrand. Die Wälder in Deutschland sind aber keine Natur. Sie sind Kultur. Sie werden vom Forst- und Grünflächenamt verwaltet. Natur ist nicht gepflegter Wald und gemähte Wiese. Die Natur ist nicht lieb und nicht böse. Sie ist indifferent und kennt keine Moral. Die Natur ist. Natur ist, wo der Mensch Beute ist. Viren sind Natur.

Es gibt Menschen, die schreiben mit einer solchen Gewissheit über die angeblichen Absichten der Natur, dass man meinen kann, sie wären jeden Sonntag persönlich mit Mutter Natur zum Tee verabredet. Wenn der Natur eine Absicht oder gar gar eine Moral unterstellt wird, haben wir es mit einer Religion zu tun. Religion aber ist Kultur.

Gut und böse sind Kategorien der Vernunft. Die Vernunft versucht, Natur wissenschaftlich zu verstehend. Alles aber, was Vernunft hat, weiß oder ahnt, dass Moral in der Natur nicht zu finden ist. Moral ist bei uns. Was also machen wir mit unserer Moral?

Ist es moralisch vertretbar, anderen Menschen Gewalt anzutun, sie zu zwingen, etwas zu tun, nur um das eigene Leben zu sichern oder zu verbessern? Wenn ich finde, dass Menschen in ihrem Naturzustand eine Gefahr für mich und andere darstellen, darf ich ihnen dann Gewalt antun? Darf ich ihre körperliche Selbstbestimmung verletzen?

Wenn es um körperliche Selbstbestimmung geht, lautet der mahnende Satz: „Nein heißt Nein!“

Wer nicht über seinen eigenen Körper bestimmen kann, ist nicht frei. Gibt es dennoch Umstände, die es erlauben, einem Menschen etwas, gegen seinen Willen in seinen Körper reinzustecken? Gibt es eine wissenschaftliche Rechtfertigung für eine solche Form der Vergewaltigung?

Sind all diese Fragen Schwurbelei?

Vermutlich, denn nicht wenige Menschen, die sich dabei ertappen, über diese Fragen nachzudenken, flüchten sich schnell aus Faulheit und Feigheit in die selbstverschuldete Unmündigkeit und überlassen lieber anderen die beschwerliche Aufgabe der moralischen Rechtfertigung.

Wer anderen Menschen Gewalt antun will, braucht dafür gute Gründe. Nur wenn jemand eine Gefahr darstellt, wenn er ein egoistischer Tyrann ist, der seine Mitmenschen in Gefahr bringt, wenn er ein Mörder ist, ein Nazi gar, wenn von ihm Tod und Verderben ausgehen, dann darf ihm, nein, dann muss ihm vermutlich sogar Gewalt angetan werden, um ihn von seiner schändlichen Tat abzubringen.

Einen Menschen zu diskriminieren, der nicht infiziert oder krank ist, von dem keine Ansteckungsgefahr ausgeht, ist nur dann im eigenen Horizont möglich, wenn er dennoch zu einer Gefahr für Leib und Leben erklärt wird. Nur so kann er ohne große moralische Bedenken aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, ausgrenzt und vielleicht sogar zu einem körperlichen Eingriff gezwungen werden.

Impfgegner und Impfbefürworter unterscheiden sich zwar in ihren unterschiedlichen Gewichtungen von Themen und ihrer verschiedenartigen Bewertung von Fakten, sie können aber dennoch gemeinsam eine Impflicht kritisieren. Es ist durchaus möglich, als doppelt geimpfte und mehrfach geboosterte Person, ausgesprochene Kritikerin einer Impfpflicht zu sein. Sie kann sich sowohl für das Demonstrationsrecht einsetzen, obwohl sie selbst Menschenmengen meidet, als auch das Recht auf Meinungsfreiheit für jene Menschen verteidigen, deren Meinung sie verabscheut. All das ist möglich.

Menschen jedoch, die für eine Impfpflicht plädieren, sind weniger tolerant. Sie wollen anderen Menschen gegen ihren Willen Gewalt antun und diese Gewalt können sie nur dann vor sich und anderen rechtfertigen, wenn jene, denen sie Gewalt antun wollen, in ihren Augen selbst gemeingefährlich und gewalttätig sind. Um ihnen Gewalt antun zu können, müssen sie Tyrannen sein, Mörder, Nazis gar.

Was nur, wenn sie all das gar nicht sind? Was, wenn sie lediglich Menschen sind, die anders denken, vielleicht sogar quer? Reicht ein bloßes Querdenken schon aus, sie zu verdammen? Wird jeder, der die wahre Lehre in Zweifel zieht, zum Ketzer? Sind Querdenker die neuen Hexen?

Ist es gerechtfertigt, Hexen zum Verstummen zu bringen, ihre Texte zu löschen, sie zu diffamieren und ihnen die bösesten Absichten und einen Pakt mit dem Teufel zu unterstellen, nur um sie so zu beseitigen und den Weg zu ebnen, für all jene, die nicht quer-, sondern längsdenken?

Ist es wirklich Schwurbelei, sich selbst zu hinterfragen, wenn es darum geht, Gewalt anzuwenden?

Darf man die Zeit der Hexenverfolgung mit den Ereignissen von heute vergleichen? Ist der Umgang mit heutigen Kritikern der vorherrschenden wissenschaftlichen Lehre vergleichbar mit der Verfolgung von Ketzern und Häretikern während der Inquisition, die die damalige herrschende Lehre in Frage stellten?

In dem Theaterstück „Hexenjagd“ erzählt Arthur Miller von einen Hexenprozess in Massachusetts aus dem Jahr 1692. Er schrieb das Stück als Kommentar zu der Situation von Kommunisten und vermeintlichen Sympathisanten in den Vereinigen Staaten von Amerika während der McCarthy-Ära vom 1947 bis etwa 1956. Mit Unterstützung von Jean-Paul Sartre, der ein Drehbuch des Stücks verfasste, wurde eine Filmversion für die DDR-Produktionsfirma DEFA erstellt. In dem Film spielten einige Schauspielerinnen und Schauspieler mit, die der Kommunistischen Partei Frankreichs nahestanden. Sie galten alle als Querdenker.

Margaret Chase Smith war die erste Frau in der Geschichte der USA, die sowohl in den Senat als auch in den Kongress gewählt wurde. Sie war das erste Mitglied des Kongresses, das die antikommunistische Hexenjagd unter der Führung des Senators Joseph McCarthy lautstark verurteilte. Am 1. Juni 1950 hielt sie im Senat eine Rede, die als „Declaration of Conscience“ bekannt wurde. Sie war der festen Überzeugungen, jede Bürgerin und jeder Bürger habe sowohl das „Recht auf Protest“, als auch ein „Recht auf unabhängiges Denken“ und erklärte, die „vier Reiter der Schmähung“ seien Angst, Ignoranz, Bigotterie und Verleumdung.

Haben Arthur Miller, Jean-Paul Sartre und Margaret Chase Smith lediglich geschwurbelt?

Um gute Dinge mit Gewalt zu vollführen, braucht es den festen Glauben, die Gewalt im Namen eines höheren Sinns und Zwecks zu begehen. Gotteskrieger kämpfen für den einzig wahren Gott. Wissenschaftsgläubige kämpfen für die einzig wahre Wissenschaft. Sie alle aber kämpfen, weil sie wissen, dass sie sterblich sind. Sie alle haben Angst. Meister Yoda sagte einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis:

„Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.“

Der Mensch ist zur Freiheit berufen und die Freiheit ist geboren aus der menschlichen Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Jeder Mensch muss seine Taten selbst leben und rechtfertigen. Der Mensch ist Mensch, weil zweifelt, weil er glaubt, weil er hofft, weil er liebt.

Nenne es Schwurbelei. Ich nenne es Menschlichkeit!

Gerd Buurmann

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