Hochzeitstag

Heute ist der Hochzeitstag von Viktoria Burkert und mir.

Am 4. Januar 2008 haben Viktoria Burkert und ich geheiratet. Seit dem 4. Juli 2000 sind wir ein Paar. Wir sind somit seit 14 Jahren verheiratet und bald seit 22 Jahre ein Paar.

Seit 22 Jahren.

ZWEI und ZWANZIG!

Ich bin verliebt.

Der Hund in dem Video heißt übrigens Moses.

Und, das Lied ist von meiner Frau.

(Foto: Tom Wolff)

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Ein klaffender Abgrund

Das Denken von Emmanuel Lévinas ist eine Philosophie, die den Sinn des Ethischen sucht und hierzu das Ereignis der Beziehung von ich und anderem analysiert und beschreibt.

(Bild: Bracha L. Ettinger)

Emanuel Levinas war ein französischer Philosoph. Er wurde am 12. Januar 1906 im heutigen Litauen in der Stadt Kaunas geboren. Im Jahr seiner Dissertation über Edmund Husserls Theorie der Anschauung nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. In den ersten Jahren als Franzose arbeitete er in Paris an einem Ausbildungsinstitut für jüdische Lehrer.

Im Jahr 1940 geriet er in deutsche Kriegsgefangenschaft und wurde im Jahr 1942 in das Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager in Fallingbostel bei Hannover verlegt. In dieser Zeit schrieb er Notizbücher aus der Gefangeschaft, die im Jahr 2009 erstmals als „Carnets de Captivité“ im ersten Band des Gesamtwerks „Œuvres complètes“ herausgebracht wurden.

Als Emmanuel Levinas im Jahr 1945 erfuhr, dass seine Eltern und Brüder in Litauen im Zuge der nationalsozialistischen Ausrottungspolitik ermordet worden waren, schwor er, nie wieder deutschen Boden zu betreten. Auch nach Litauen wollte er nie wieder zurückkehren.

In Kaunas befindet sich das Neunte Fort. Es wurde als Festungsanlage der Festung Kowno, fertiggestellt und in den Jahren 1940 und 1941 als sowjetischen Gefängnis genutzt. Während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg wurde das Neunte Fort zu einer bestialischen Massenhinrichtungsstätte. Über achtzehntausend jüdische Menschen aus Litauen und ganz Europa wurden in dieses Fort verschleppt, dort von litauischen Wächtern misshandelt und erschossen. Am 28. Oktober 1941 wurde die so genannte „große Aktion“ durchgeführt, bei der neuntausend Juden, umgebracht wurden. Die Hälfte davon waren Kinder.

In diesem Kaunas nun wurde achtzig Jahre später ein Platz und ein Institut nach Emmanuel Levinas benannt, sowie eine Statue des Philosophen eingeweiht. Der Sohn von Emmanuel Levinas, der Komponist Michaël Levinas, kritisiert diese einseitige Ehrung und sieht darin ein Verstoß gegen den erklärten Willen seines Vaters, nie mehr nach Litauen zurückkehren zu wollen.

In einem Artikel für Le Figaro erklärt er seine Vorbehalte einerseits mit der Achtung des Willens des Vaters („le respect de la volonté paternelle“) als auch mit der notwendigen Wachsamkeit („vigilance“), dass die Ehre, die Litauen seinem Vater entgegenbringt, nicht die Unauslöschlichkeit der historischen Realität verschleiern dürfe („recouvrir l’ineffaçable de la réalité historique“).

Michaël Levinas betont die Unverjährbarkeit von Antisemitismus und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit („l’imprescriptibilité de l’antisémitisme et des crimes contre l’humanité“) und führt aus, dass Emmanuel Levinas nach 1945 nie mehr nach Deutschland zurückgekehrt sei, von Litauen ganz zu schweigen. („Emmanuel Levinas n’est plus jamais retourné en Allemagne après 1945, pour ne rien dire de la Lituanie.“)

Michaël Levinas führt aus, seinem Vater in seiner Heimatstadt Kaunas diese Hommage zu erweisen, sei ein besonders aufgeladener Akt, der seinesgleichen suche („un acte particulièrement chargé, qui ne peut ressembler à aucun autre“):

„Ich denke, ein Zentrum den Namen Emmanuel Levinas zu geben, das nur ein paar Schritte von der Wohnung entfernt ist, in der Emmanuel Levinas gelebt hatte, in der die ganze Familie verhaftet und dann zum Neunten Fort geführt wurde, wo die Nazi-Gräueltaten mit der nachgewiesenen Mittäterschaft litauischer Truppen begangen wurden, erforderte Bescheidenheit.“

(„Je considère qu’appeler ce Centre du nom d’Emmanuel Levinas, à quelques pas de l’appartement où avait vécu Emmanuel Levinas, là où toute la famille fut arrêtée, puis conduit au Neuvième Fort Neuf où les atrocités nazies furent commises avec la complicité avérée des troupes lituaniennes, nécessitait de la pudeur.“)

Emmanuel Levinas hat einst geschrieben:

„Vor mehr als einem Vierteljahrhundert ging unser Leben und zweifellos die Geschichte selbst zu Ende. (…) Wenn man diesen Tumor in der Erinnerung hat, können auch zwanzig Jahre nichts daran ändern. Zweifellos wird der Tod bald das ungerechtfertigte Privileg aufheben, sechs Millionen Tote überlebt zu haben. (…) Nichts konnte den klaffenden Abgrund füllen oder gar überdecken.“

(„Il y a plus d’un quart de siècle, notre vie s’interrompit et sans doute l’histoire elle-même. (…) Quand on a cette tumeur dans la mémoire, vingt ans ne peuvent rien y changer. Sans doute la mort va annuler bientôt l’injustifié privilège d’avoir survécu à six millions de morts. (…) rien n’a pu combler, ni même recouvrir le gouffre béant.“)

Wie weit darf Vergangenheitsbewältigung gehen?

Ist es ethisch vertretbar, den erklärten Willen eines Menschen zu übergehen und seinen Namen, nachdem er gestorben ist, an einen Ort zu zerren, den er zu Lebzeiten nie wieder betreten wollte?

Für Michaël Levinas ist klar, die symbolische Dimension des Umgangs mit der Geschichte darf nicht auf eine einfache Botschaft der Hoffnung reduziert werden, obwohl er selbst natürlich auch auf die Erfüllung der Botschaft hoffe.

(„La dimension symbolique ne peut pas être ramenée à un simple message d’espoir auquel, naturellement, j’aspire et dont j’appelle de mes vœux l’accomplissement.“)

Michaël Levinas hatte in einigen Gesprächen vorgeschlagen, den Ort „Zentrum für zeitgenössische französische Philosophie“ (Centre de philosophie française contemporaine) zu nennen. Dort hätten dann die Schriften seines Vaters selbstverständlich studiert werden können. Das hätte in den Augen des Sohnes des Philosophen den Respekt vor den Toten der Shoah gewahrt, den Geist des Wirkens von Emmanuel Levinas gewürdigt und die Hoffnung auf eine neue Ära angemessen genährt und zwar in Bezug auf die Gedanken des Philosophen.

(„Ainsi, c’est le sens de mon action et de ma détermination, le respect des morts de la Shoah serait honoré dans l’esprit de l’œuvre d’Emmanuel Levinas, et l’espoir d’une ère nouvelle exprimée en référence à sa pensée s’annoncerait ainsi à Kaunas, dans la nouvelle Lituanie.“)

Michaël Levinas Bedenken und Anregungen wurden jedoch in den Wind geschlagen. Im Jahr 2021 erhielt er vom Rektor der Litauischen Universität für Gesundheitswissenschaften ein Schreiben, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass all seine Einwände nicht berücksichtigt worden seien.

Emmanuel Levinas ist somit jetzt, da sein Wille nicht mehr in lebendige Beziehungen eintreten kann, jetzt, da ein Dialog mit dem Philosophen nicht mehr möglich ist, namentlich an den Ort zurückgekehrt, den er eigentlich nie mehr betreten wollte.

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Immer Sommer!

Ein Lied zum Ende des Jahres von Viktoria Burkert.

Das Jahr ist fast zu Ende und es ist wieder kälter und wir sind wieder älter, an den Bäumen keine Blätter, wie kommst du damit klar, dass mal Sommer war, dass gerade Sommer war und du vielleicht nicht genug am See warst, dir wieder nicht im Erbeerfeld nen Sonnenbrand geholt hast, nur einmal lagst du den ganzen Tag im Park und sahst im tiefen Gras nen Käfer, der krabbelte da rum und du dachtest: Dumm, dass das alles mal verschwindet, noch ist es da,noch ein Jahr und noch ein Jahr und nur noch Ja zu dem, was war, das ist halt da und zu dem was kommt, es kommt halt wie es kommt und jemand singt: Es lohnt sich, zu zeigen, was du bisher so gut versteckt hast.

Du wippst mit dem Fuß, Konfetti auf’m Schuh von letzter Nacht, wie hast du das gemacht, dass du noch lachst, dass du immer so viel lachst, nachdem was du erlebt hast, wie hast du das gemacht?

Manche sind stärker, manche sind härter, manche kommen zur Party halt später, manche bleiben bis zum Schluss und manche müssen früher los und alle so: Bleib doch noch, es ist noch, es ist noch Kuchen da, noch ein Jahr, das ist der letzte Winter, das letzte Mal frieren, das letzte Mal spüren: Da fehlt noch was, das letzte Mal: Ich hoffe, dass ich nichts verpass.

Denn bald ist es wie auf Google Maps immer Sommer, dann wirste nicht mehr sagen: Komm mal her zu mir, denn ich bin bei dir und alles, was du brauchst, ist auch hier. Du darfst dir alles nehmen, um es in dir zu verwandeln und es wieder fortzugeben, einfach leben, nicht nur überleben. Dann ist es wie auf Google Maps immer Sommer!

Dann ist es wie bei Walking Dead immer Sommer, außer am Ende der neunten Staffel, da ist Winter, bei Walking Dead ist Winter und wir haben’s schon geahnt, denn Alpha sagte: „It’s gonna be sweater weather soon“ und dann entführt sie zehn unsrer Heldinnen und Helden und tötet neun von ihnen.

Spoiler Alert!

Doch sehenswert, wie Neagan im Schneesturm Judith rettet. Und dann gibt es bei Walking Dead eine Schneeballschlacht, wer hätte das gedacht?

Und am Anfang der zehnten Staffel ist wieder Sommer. Dann ist es wie bei Walking Dead wieder Sommer!

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(TINVB)

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The anti-Semitism commissioners are also part of Germany!

At the end of this year, the Simon Wiesenthal Center (SWC) published a list of anti-Semites under the title „GLOBAL ANTI-SEMITISM 2021 TOP TEN“. The entire nation of Germany is number seven. As a citizen of Germany, I am therefore automatically included on the list.
All German citizens are on the list!

Now, I have several ways to react: I can be offended, complain, tweet indignation, whine, ask Jews for public absolution and reject responsibility, or I can simply take responsibility and see if and how I can solve or at least mitigate the problem.

So what can I do?

First, I can read the Simon Wiesenthal Center’s rationale for this decision. It states:

„In June, the German government confirmed a staggering number of anti-Semitic hate crimes in 2020 – 2,275 with at least 55 involving violence. More than 1,000 anti-Semitic incidents were recorded in Berlin during 2020, a rise of nearly 20% over the previous year.“

The Simon Wiesenthal Center quotes Samuel Salzborn, the anti-Semitism commissioner for the city-state of Berlin: „One thing is clear: Berlin has an anti-Semitism problem.“

The SCW condemns „far-Right, Islamists, and the demonization of Israel from the Left“ and states that Germany is failing to curb such violence. In addition, Angela Merkel is criticized because the German government „rarely denounced the Ayatollah regime’s Holocaust denial and the regime’s frequent calls to destroy the Jewish state.“

The tax-funded international broadcaster Deutsche Welle has also been criticized, as members of the station’s Arabic service have been publishing anti-Jewish comments which include trivialization of the Holocaust. In a private post one commentator referred to the Holocaust as an „artificial product“ and claimed Jews were controlling „people’s brains through art, media, and music.“ Another Deutsche Welle contributor stated that „everyone involved with the Israelis is a collaborator and every recruit in the ranks of their army is a traitor and must be executed.“

The Simon Wiesenthal Center continues to criticize the city of Freiburg in Baden-Württemberg for its association with the Iranian city of Isfahan, whose administration regularly demands the destruction of the Jewish state during the annual Al-Quds demonstrations. The SWC criticized the anti-Semitism commissioner for the state of Baden-Würtemberg, Michael Blume, for failing to ask Freiburg to end that city partnership, unlike his counterpart in the city-state of Hamburg, Stefan Hensel. He has „urged his city’s government to close the Iranian regime-controlled Islamic Center in Hamburg because it stokes anti-Semitism.“

The Simon Wiesenthal Center also takes issue with Michael Blume’s alleged „like“ of the statement, „Zionists, Nazis and radicals should quickly get off my friend’s list…!!!“

The Simon Wiesenthal Center criticizes all of Germany!

The SWC denounces the anti-Semitic acts committed by right-wing radicals, Islamists and left-wing critics of Israel in Germany and criticizes the fact that this hatred is not fought hard enough, but instead is often ignored, downplayed, supported, financed, defended or sometimes even produced by a wide variety of political actors in the German Republic.

I am curious to see which Germans will accept the criticism in order to improve this country and which Germans indignantly reject the criticism and declare themselves the real victims.

„If we really want to defeat anti-Semitism, we must be willing to look at the dark sides of our own hearts.“ I learnt this from reading and listening to Elie Wiesel. For my part, this relates the following:

If public funded anti-Semitism commissioners are installed in Germany, each of the German states, every party, every institution and every organization should have its own anti-Semitism commissioner, who would then engage themselves to name and fight anti-Semitism within its own jurisdiction.

There are anti-Semites who are totally convinced that they have nothing against Jews and yet they support policies that are or can become dangerous for Jews. It is precisely these anti-Semites with whom the Simon Wiesenthal Center is primarily concerned. The SWC list always includes candidates whose anti-Semitic statements and deeds are downplayed. That’s why Iran occupies the number one spot this year. Although the regime leaves no doubt that it wants to eradicate Israel, countries like Germany sign economic contracts with that regime.

Hamas takes second place. Every now and then, there are German journalists working for public broadcasters who interprate Hamas terrorist and rocket attacks against Jews as a legitimate form of “resistance”. On third place is the BBC, because journalists there often downplay terrorism against Jews. One journalist even publicized the statement: „Hitler was right!“

On fourth place are those people who spread Corona conspiracy theories. They claim there’s a secret Jewish plan on conquering the world through the Corona epidemic and vaccinations. The Simon Wiesenthal Center also criticizes vaccination opponents who portray themselves as victims of a holocaust by pinning yellow stars on their breasts.

With its anti-Semite list, the Simon Wiesenthal Center puts the spotlight on Jew-hatred, which is downplayed and ignored.

There is Jew-hatred everywhere, in every party and in every political direction. There are also those who condemn anti-Semitism only where it does not affect themselves. They pretend to fight against Jew-hatred. In reality, they are merely posturing themselves in the public arena in order to condemn their political foes. If they were really concerned with fighting the unbearable situations Jews are faced with, they would do what Elie Wiesel was asking for: doing some soul-searching.

I am a German citizen and a member of the liberal Free Democratic Party (FDP). I criticize some measures in the battle against the Corona epidemic. I watch BBC. I have consumed some products of the Unilever company and I use Facebook, Telegram, TikTok and other social media giants. All these companies are also on the list.

I’m on the list. I accept my responsibility.

Therefore, pay attention during the next few days to recognize who is willing to accept responsibility and who instead is outraged on account of their own reputations, perhaps even self-righteously declaring themselves victims. Some of those outraged self-righteous people are often more concerned in attaining publicity, and even financial benefits for their own causes rather than sincerely tackling anti-Semitism. Even there, I don’t exclude myself completely.

Those who immerse themselves in their own hearts are clearly the better allies with those who aim to create a better world.

If you want to support me, Gerd Buurmann, in my work as an actor or author of „Tapfer in Nirgendwo“, you are welcome to donate any amount you choose to my PayPal account.

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(Translation: William Wires)

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Die Antisemitismusbeauftragten gehören zu Deutschland!

Ende des Jahres 2021 brachte das Simon Wiesenthal Center eine Antisemiten-Liste unter dem Titel „GLOBAL ANTI-SEMITISM 2021 TOP TEN“ heraus. Auf Platz 7 dieser Liste findet sich Deutschland. Da ich Bürger und somit Souverän dieses demokratischen Landes bin, befinde ich mich daher auch auf dieser Liste.

Alle Bürgerinnen und Bürger Deutschlands sind auf dieser Liste!

Ich kann nun beleidigt sein, mich beschweren, empört twittern, jammern, Juden um öffentlich Absolution bitten und jede Verantwortung von mir weisen, oder ich kann einfach Verantwortung übernehmen und schauen, ob und wie ich das Problem lösen oder wenigstens mindern kann.

Was also kann ich tun?

Zunächst einmal kann ich die Begründung des Simon Wiesenthal Center für diese Entscheidung lesen. Dort heißt es:

„Im Juni 2021 bestätigte die Bundesregierung eine erschreckende Zahl antisemitischer Hassdelikte im Jahr 2020. Es gab 2275 Taten, von denen bei mindestens 55 physische Gewalt involviert war. Im Jahr 2020 wurden allein in Berlin mehr als tausend antisemitische Vorfälle registriert, ein Anstieg von fast zwanzig Prozent gegenüber dem Vorjahr.“

Das Simon Wiesenthal Center zitiert den Antisemitismusbeauftragten des Landes Berlin, Samuel Salzborn, der erklärte: „Eines ist klar: Berlin hat ein Antisemitismusproblem.“

Das SCW verurteilt „antisemitische Angriffe von Rechtsextremen, Islamisten und von Seiten der Linken, die Israel dämonisieren“ und konstatiert, Deutschland habe versäumt, diese Gewalt einzudämmen. Zudem wird Angela Merkel kritisiert, denn die deutsche „Regierung hatte die Holocaustleugnung des Ayatollah-Regimes und die häufigen Aufrufe des Regimes, den jüdischen Staat zu zerstören, selten angeprangert.“

Auch die Deutsche Welle wird kritisiert, da Mitglieder des arabischen Dienstes des Senders antijüdische und den Holocaust verharmlosende Kommentare veröffentlichte hatten. In einem privaten Kommentar soll der Holocaust als „künstliches Produkt“ bezeichnet und behauptet Juden worden sein, Juden würden „die Gehirne der Menschen durch Kunst, Medien und Musik kontrollieren“. Ein anderer Mitarbeiter der Deutschen Welle soll erklärt haben: „Jeder, der mit den Israelis zu tun hat, ist ein Kollaborateur und jeder Rekrut in den Reihen ihrer Armee ist ein Verräter und muss hingerichtet werden.“

Das Simon Wiesenthal Center kritisiert weiterhin die baden-württembergische Stadt Freiburg aufgrund ihrer Städtepartnerschaft mit der iranischen Stadt Isfahan, deren Verwaltung jedes Jahr bei ihrer jährlichen Al-Quds-Demonstration zur Zerstörung des jüdischen Staates aufruft. Das SWC kritisiert dabei ebenfalls den Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Würtemberg, Michael Blume, da dieser es versäumt habe, die Stadt Freiburg zur Beendigung der Städtepartnerschaft aufzurufen, im Gegensatz zu seinem Amtskollege in Hamburg, Stefan Hensel. Er habe „seine Stadtregierung aufgefordert, das vom iranischen Regime kontrollierte Islamische Zentrum in Hamburg zu schließen, weil dies Antisemitismus schürt.“

Das Simon Wiesenthal Center thematisiert ebenfalls, dass Michael Blume einen Kommentar mit einem „Gefällt mir“ versehen haben soll, in dem es heißt: „Zionisten, Nazis und radikale sollen sich schnell von meiner Freundschaftsliste…!!!“

Das Simon Wiesenthal Center kritisiert ganz Deutschland!

Das SWC prangert die antisemitischen Taten an, die von Rechtsradikalen, Islamisten und linken Israelkritikern in Deutschland begangen werden und kritisiert, dass dieser Hass nicht gut genug bekämpft, aber dafür oft von unterschiedlichsten politischen Akteueren der Republik ignoriert, verharmlost, unterstützt, finanziert, verteidigt oder manchmal sogar produziert wird.

Ich bin mal gespannt, welche Deutsche nun die Kritik annehmen, um dieses Land besser zu machen und welche Deutsche die Kritik empört von sich weisen und sich selbst zu den eigentlichen Opfern erklären.

„Wenn wir den Antisemitismus wirklich besiegen wollen, dann müssen wir bereit sein, auf die dunklen Seiten unseres eigenen Herzens zu schauen.“

Diese Worte stammen von Elie Wiesel. Für mich bedeutet diese Forderung folgendes:

Wenn es schon Antisemitismusbeauftragte in Deutschland gibt, dann sollte jede Partei, jede Institution und jede Organisation einen eigenen Antisemitismusbeauftragten haben und die einzige Aufgabe dieser Person sollte darin besteht, den Antisemitismus in den eigenen Reihen zu benennen und zu bekämpfen.

Es gibt Antisemiten, die felsenfest davon überzeugt sind, nichts gegen Juden zu haben und doch unterstützen sie eine Politik, die für Juden gefährlich ist oder werden kann. Genau um diese Antisemiten geht es das Simon Wiesenthal Center vornehmlich. Auf der Liste des SWC landen immer Kandidaten, die trotz ihrer antisemitischen Einlassungen und Taten verharmlost werden. Darum befindet sich auch der Iran im Jahr auf Platz 1. Obwohl das Regime keinen Zweifel daran lässt, Israel vernichten zu wollen, schließen Länder wie Deutschland wirtschaftliche Verträge mit dem Regime ab.

Auf Platz 2 ist die Hamas, da es immer mal wieder deutsche Journalistinnen und Journalisten bei öffentlich-rechtlichen Anstalten gibt, die Terroranschläge und Raketenangriffe der Hamas gegen Juden als Widerstand verharmlosen. Auf Platz 3 ist die BBC, da dort ebenfalls oft Terror gegen Juden verharmlost wird, ja sogar eine Journalistin arbeitete die öffentlich erklärte: „Hitler hatte Recht!“

Auf Platz 4 hat das Simon Wiesenthal Center jene Menschen gesetzt, die Corona-Verschwörungstheorien verbreiten und behaupten, es gäbe eine jüdische Verschwörung zur Eroberung der Welt und Corona und die Impfungen seien Schläge eben dieser Weltverschwörung. Das SWC kritisiert aber auch Impfgegner, die sich als Opfer eines Holocausts inszenieren und sich gelbe Sterne anheften.

Mit der Antisemiten-Liste legt das Simon Wiesenthal Center das Augenmerk auf den Judenhass, der verharmlost und ignoriert wird.

Überall gibt es Judenhass, in jeder Partei und jeder politischen Strömung. Es gibt jedoch Menschen, die verurteilen Antisemitismus nur da, wo es sie selber nicht betrifft. Sie kämpfen nur vermeintlich gegen Judenhass. Sie wollen in Wirklichkeit nur gut dastehen und öffentlich zeigen, wie gut sie sind, indem sie andere Menschen verurteilen. Ginge es ihnen wirklich darum, die zum Teil unerträgliche Situation für Juden zu bekämpfen, sie würden tun, was Elie Wiesel verlangt hat, nämlich in die dunklen Herzen der eigenen Seelen zu schauen.

Ich bin Deutscher. Ich bin Mitglied in der FDP. Ich kritisieren manche Maßnahmen der Corona-Bekämpfung. Ich schaue BBC. Ich habe schon manche Produkte des Unternehmens Unilever konsumiert und nutze Facebook, Telegram und andere sozialen Netzwerke. All diese Unternehmen stehen auch auf der Liste steht.

Ich stehe somit auch auf dieser Liste. Ich habe verstanden. Ich nehme die Verantwortung an.

Achten Sie daher in den nächsten Tagen darauf, wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und wer nicht dazu bereit ist, aber stattdessen empört tut, weil er nur auf seinen eigenen Ruf bedacht ist und sich dabei vielleicht sogar selbstgerecht zum Opfer erklärt. Einige von den empörten Vonsichweisenden sind sogar mehr darauf bedacht, im staatlichen Kampf gegen Antisemitismus Ruhm, Ehre und Subventionen für sich zu kassieren, als wirklich das Problem anzugehen. Auch diese Eitelkeit weise ich nicht vollkommen von mir.

Im Kampf um eine bessere Welt sind jene, die in die eigenen Herzen eintauchen, eindeutig die besseren Verbündeten.

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Deutschland auf Liste der größten antisemitischen Ausfälle des Jahres 2021

Das Simon Wiesenthal Center hat zum Ende des Jahres 2021 eine Antisemiten-Liste unter dem Titel „GLOBAL ANTI-SEMITISM 2021 TOP TEN“ herausgebracht. Auf Platz 7 findet sich Deutschland.

Neben antisemitischen Taten von Rechtsradikalen, Islamisten und linken Israelkritikern in Deutschland, kritisiert das Simon Wiesenthal Center Verfehlungen und Unterlassungen durch die Regierung Merkel, antisemitische Äusserungen bei der Deutschen Welle und merkwürdige Einlassungen eines Antisemitismusbeauftragten in Baden-Württemberg.

Auf Platz 1 der Liste ist der Iran. In der von Tapfer im Nirgendwo in Auszügen in die deutsche Sprache übersetzen Begründung heißt es:

Es gibt keine größere existenzielle Bedrohung für das jüdische Volk als die wachsende nukleare Bedrohung durch das antisemitische, den Holocaust leugnende, von Terroristen unterstützte und die Menschenrechte verletzende iranische Regime.

Das Simon Wiesenthal Center verweist unter anderem auf folgende Aussage des Brigadegenerals Abolfazl Shekarchi:

„Wir werden vor der Vernichtung Israels keinen Millimeter zurückweichen. Wir wollen den Zionismus in der Welt zerstören.“

Auf Platz 2 ist die Hamas. In der Begründung heißt es:

Der Konflikt zwischen Israel und der terroristischen Hamas im Mai 2021 spielte sich auch in Städten und in den sozialen Medien in Europa und Nordamerika ab. Das gewalttätige Gift der Hamas gegen Juden wurde nach Deutschland, Großbritannien und über den Atlantik in die USA und Kanada exportiert. Während Hamas-Raketen in israelische Zivilgemeinden einschlugen, wurde ein Rabbiner vor seiner Synagoge in London körperlich angegriffen. Am selben Tag streifte eine Karawane von Autos mit palästinensischen Flaggen durch das größtenteils jüdische Viertel der Stadt und skandierte über einen Lautsprecher: „F**kt die Juden und vergewaltigt ihre Töchter“.

Um den Synagogen in den USA wurden Juden wurden angegriffen. In Los Angeles sprangen Hamas-Schläger aus ihren Autos und verlangten von Gästen eines Restaurant im Herzen der Stadt zu wissen, wer jüdisch sei, um dann antisemitische Parolen auszustoßen.

Auf Platz 3 ist die BBC und das Vereinigte Königreich. In der Begründung heißt es:

Es braucht viel, um 250 Demonstranten zum Hauptsitz der BBC in London zu bringen, aber das britische Judentum hatte genug. An Chanukka hatte eine Gruppe von Muslimen einen mit Juden besetzten Bus im Zentrum Londons angegriffen. Die BBC berichtete fälschlicherweise, anti-muslimische Beleidigungen seien aus dem Inneren des Buses zu hören gewesen und verwandelten so die Täter zu den Opfern.“

Das Simon Wiesenthal Center verweist unter anderem auf folgende Aussage der BBC-Reporterin Tala Halawa, die öffentlich erklärte:

„Hitler hatte recht. Zionisten können nicht genug von unserem Blut bekommen.“

Auf Platz 4 sind Corona-Verschwörungstheorien. In der Begründung heißt es:

Verschwörungstheorien zu COVID-Impfstoffen sind überall aufgetaucht, von Neonazi-Websites bis hin zu COVID-skeptischen Gruppen, die inspiriert sind von den virulenten, antisemitischen „Protokollen der Weisen von Zion“, wo von einer angeblichen jüdischen Verschwörung zur Eroberung der Welt schwadroniert wird. In neuesten Versionen der Verschwörung geht es um eine Kabale, zu der die Rothschilds und George Soros gehören, in der die COVID-Impfstoffe entwickelt wurden, um eine „neue Weltordnung“ zu errichten. Der Impfstoff, so behaupten sie, sei eine schändliche jüdische Biowaffe, die die weiße Rasse sterilisieren solle.

Im Mai fragte eine Coronavirus-Verschwörungsgruppe auf Telegram ihre Anhänger: „Täuscht Israel die ganze Welt, um Beschränkungen gegen nicht geimpfte Menschen einzuführen?“ Die Antworten kamen schnell: „Es sind immer diese verdammten Juden“, sagte ein Nutzer. Darauf folgten Karikaturen von Juden als Hakennaseninsekten und die Illustration einer Frau mit ausgestrecktem Arm zum Hitlergruß.

Impfgegner aus Deutschland und der Tschechischen Republik, von Washington DC bis Vancouver, Kanada, nutzten den gelben Davidstern, den europäische Juden während des Zweiten Weltkriegs tragen mussten, um gegen die angebliche Verfolgung durch staatliche Impfmandate zu protestieren.“

Auf Platz 5 ist die Jüdische Stimme für Frieden. In der Begründung verweist das Simon Wiesenthal Center auf folgende Aussage, die die „Jüdische Stimme für Frieden“ zu Chanukka auf Twitter veröffentlichte:

„Wenn jeder einzelne jüdische Mensch ein Zionist wäre, würde das nichts an der Tatsache ändern, dass der Zionismus eine existenzielle Bedrohung für das palästinensische Volk ist und daher ausgerottet werden muss. Es ist buchstäblich nicht komplizierter als das.“

Auf Platz 6 sind die Giganten der Sozialen Medien. In der Begründung heißt es:

Leider haben große Unternehmen im Jahr 2021 nur sehr wenig getan, um die Marketingfähigkeiten von Antisemiten und Rassisten zu beeinträchtigen. Darüber hinaus hat Twitter eine entschieden politische Neigung, wer blockiert wird, nämlich ein amtierender Präsident der USA und wer veröffentlichen darf, nämlich Irans Ayatollah Khomeini, der eine „Endlösung“ gegen Israel anstrebt. In diesem Umfeld hat Twitter Fadah Jassem zur neuen Kuratorin für Nachrichten aus dem Nahen Osten und Nordafrika ernannt. In den Jahren 2010 und 2011 postete Jassem Tweets, wo sie den Antisemiten Louis Farrakhan lobte und erklärte, Israel sei „nicht entstanden“, sondern im Nahen Osten „wie eine Bombe abgeworfen“.

Auf Platz 7 findet sich Deutschland. In der Begründung heißt es:

In Deutschland wurde eine neue Regierung gewählt, die das Ende der Ära Angela Merkel markiert. Trotz ihrer vielen Erfolge als Kanzlerin hat Deutschland es versäumt, antisemitische Angriffe von Rechtsextremen, Islamisten und von Seiten der Linken, die Israel dämonisieren einzudämmen. Ihre Regierung hatte die Holocaustleugnung des Ayatollah-Regimes und die häufigen Aufrufe des Regimes, den jüdischen Staat zu zerstören, selten angeprangert.

Im Juni 2021 bestätigte die Bundesregierung eine erschreckende Zahl antisemitischer Hassdelikte im Jahr 2020. Im Jahr 2020 wurden allein in Berlin mehr als tausend antisemitische Vorfälle registriert, ein Anstieg von fast zwanzig Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Antisemitismusbeauftragter des Landes Berlin, Samuel Salzborn, räumte ein: „Eines ist klar: Berlin hat ein Antisemitismusproblem.“

Allerdings scheint ein anderer deutscher Antisemitismusbeauftragter offenbar vergessen zu haben, dass seine Aufgabe darin besteht, den Antisemitismus zu bekämpfen und nicht darin ihn in sozialen Netzen mit einem „Gefällt mir“ zu versehen. Der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Michael Blume, ist seit 2019 auf den sozialen Medien unteren anderen derart tätig gewesen, dass er ein Facebook-Posting mit einem „Gefällt mir“ versehen hat, in dem Zionisten mit Nazis verglichen wurden. Seitdem hat er weiterhin antijüdische, antiisraelische und konspirative Twitter-Accounts mit „Gefällt mir“ versehen und retweetet.

Im krassen Gegensatz dazu hat Blumes Amtskollege in Hamburg, Stefan Hensel, seine Stadtregierung aufgefordert, das vom iranischen Regime kontrollierte Islamische Zentrum in Hamburg zu schließen, weil dies Antisemitismus schürt. Blume hat es versäumt, die baden-württembergische Metropole Freiburg zur Beendigung ihrer Städtepartnerschaft mit Isfahan des iranischen Regimes aufzufordern, einer Stadt, deren Verwaltung jedes Jahr bei ihrer jährlichen Al-Quds-Demonstration zur Zerstörung des jüdischen Staates aufruft .

Unterdessen erreichte der Gestank des Antisemitismus die Deutsche Welle. Die Süddeutsche Zeitung enthüllte einen Skandal um antijüdische und den Holocaust verharmlosende Kommentare von Mitgliedern ihres arabischen Dienstes. Ein Beitrag bezeichnete den Holocaust als „künstliches Produkt“ und fügte hinzu, dass Juden weiterhin „die Gehirne der Menschen durch Kunst, Medien und Musik“ kontrollieren würden. Ein anderer erklärte: „Jeder, der mit den Israelis zu tun hat, ist ein Kollaborateur und jeder Rekrut in den Reihen ihrer Armee ist ein Verräter und muss hingerichtet werden.“

Die Deutsche Welle musste vier ihrer arabischen Servicemitarbeiter und einen freien Mitarbeiter nach Ermittlungen der ehemaligen deutschen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger suspendieren.

Auf Platz 8 ist der Rat für Amerikanisch-Muslimische Beziehungen (CAIR) und die Umweltbewegung Sunrise Movement. In der Begründung heißt es:

Die in der US-Hauptstadt ansässige Umweltgruppe Sunrise machte deutlich, dass ihr Eintreten für den allgemeinen Schutz sich nicht auf Juden erstreckt, die es wagen, sich als Zionisten zu identifizieren. Sie zogen sich aus einer Kundgebung zurück ins zwar „aufgrund der Teilnahme einer Reihe zionistischer Organisationen“ und fügten hinzu: „[Sunrise] ist gegen den Zionismus und jeden Staat, der seine Ideologie durchsetzt. Israel ist ein Kolonialprojekt, das routinemäßig Palästinenser vertreibt.“

Unterdessen dämonisierte die Antisemitin Zahra Billoo amerikanische Juden weiter. Der Direktor einer CAIR-Tochterorganisation in San Francisco bezeichnete „zionistische Organisationen“ als „Feinde“ und warnte vor „zionistischen Synagogen“.

Auf Platz 9 ist die Universität von Südkalifornien. In der Begründung heißt es:

2021 war ein katastrophales Jahr für Juden an den Universitäten in ganz Nordamerika, von der University of Toronto über die George Washington University bis hin zur Duke University und den Universitäten von Chicago und der University of Illinois. An der Spitze der Liste steht jedoch die Regierung der University of Southern California (USC), die es immer wieder versäumt hat, effektiv gegen offenen Judenhass vorzugehen. Yasmeen Mashayekh, eine Ingenieurstudentin der USC, machte keinen Hehl daraus, dass sie Juden und den jüdischen Staat hasst. Ihr bösartiger Hass ist beunruhigend genug, aber die Tatsache, dass Mashayekh auch als eine Senatorin für Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion fungiert, deren Aufgabe es ist, „mehr Inklusivität“ zu fördern und „gegen Rassismus und Diskriminierung einzutreten“, konterkariert die Ziele und trübt den Ruf der USC.

Auf Platz 10 ist Unilever. In der Begründung heißt es:

Anfang des Jahres kündigte Ben & Jerry’s Ice Cream einen Boykott von Ostjerusalem und der Westbank an, was antiisraelischen BDS-Kampagnen neue Legitimität verlieh. Von Anfang an bezeichnete das Simon Wiesenthal Center den Boykott als einen rein politischen Akt. Der Boykott wurde von der Vorsitzenden des Aktivistenausschusses Anuradha Mittal vorangetrieben. Sie hat eine lange Geschichte der Unterstützung der BDS-Bewegung und kann eine Verteidigungen von Terrorgruppen der Hisbollah und der Hamas vorweisen. Wie bei anderen anti-israelischen Boykotten leiden unter dem Boykott die in Gemeinschaft lebenden arabischen und jüdische Angestellte im Heilige Land, die die Konsequenzen zu tragen haben.

Aber Ben & Jerry’s ist das egal. Ihre Entscheidung, Gewinne aus ihren Produkten zu nutzen, um Juden als Besatzer in ihrem eigenen Land zu brandmarken, widerspricht dem historischen Abraham-Abkommen, in dem Israel und die arabischen Nationen sich dem Frieden, gegenseitigen Respekt und der Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen verpflichtet haben. Abgesehen von seiner Anti-Friedens-Aktion stellt der Boykott von Ben & Jerry in einer Zeit des wachsenden Antisemitismus eine Gefahr für Juden überall dar.

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Gundel Lauffer – Ein Nachruf

„Das ist die Frau von Max Schautzer!“

Mit diesen Worten wurde ich das erste Mal auf Gundel Lauffer aufmerksam gemacht. Sie saß im Publikum bei einer Premiere im Theater am Dom, als ein Freund von mir auf sie zeigte und sagte: „Das ist die Frau von Max Schautzer!“

Amüsiert von dieser doch sehr bizarren Art, eine Frau vorzustellen, beschloss ich fürderhin, Max Schautzer nur noch den Mann von der Frau von Max Schautzer zu nennen.

Im Jahr 2014 war ich mit ein paar guten Freunden auf der Premiere des Stücks „Meine Braut, sein Vater und ich“ im Theater am Dom und erklärte dort erstmals: „In der Hauptrolle spielt der Mann von der Frau von Max Schautzer.“ Seitdem war ein fröhlicher Moment geboren. Immer, wenn wir Max Schautzer im Theater im Dom sahen, riefen wir verzückt: „Da ist der Mann von der Frau von Max Schautzer.“ Und wenn wir Gundel Lauffer erblickten, riefen wir begeistert: „Da ist die Frau von dem Mann von der Frau von Max Schautzer!“

Immer, wenn wir Gundel Lauffer sahen, waren wir glücklich.

Am 26. Dezember 2021 ist Gundel Lauffer nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben. Sie hinterlässt einen trauernden Max Schautzer. Dreiundfünfzig Jahre waren sie verheiratet. Es war eine große Liebe. Auf der Goldenen Hochzeit im Jahr 2018 wurde Max Schautzer nach dem Geheimnis der glücklichen Beziehung gefragt und antworte:

„Wir haben von Anfang an, also schon in unserer ersten gemeinsamen Wohnung, immer getrennte Schlafzimmer und Badezimmer gehabt. Bis heute! Ich würde ja sonst bekloppt werden, denn Gundel liest immer bis spät in die Nacht und hat das Licht an. Ich dagegen schlafe meistens früh ein.“

Über ein halbes Jahrhundert waren sie glücklich verheiratet. Sie waren glücklich, weil sie für sich nicht die Frau von Max Schautzer und der Mann von der Frau von Max Schautzer waren, sondern weil sie Max Schautzer und Gundel Lauffer waren.

Gundel Lauffer war eine Innenarchitektin und Wohndesignerin, deren Geschmack, Stil und Meinung hoch angesehen waren. Sängerin Gaby Baginsky schreibt auf Facebook:

„Sie war eine nette, freundliche und nicht abgehobene, hilfsbereite Frau. Ihr Tod hat mich wirklich berührt und mitgenommen.“

Julian F.M. Stoeckel erzählt:

„Gundel war eine stets stilvolle, charmante und überaus zugewandte Dame, die man heute noch selten trifft.“

Für mich war Gundel Lauffer eine Frau, die mich glücklich machte, wenn ich sie sah. Sie wird für mich immer ein Beweis dafür sein, dass Menschen das Leben anderer Menschen bereichern und verschönern können, ohne dass sie selbst etwas davon wissen. Gundel Lauffer war ein lebender Beweis dafür, dass bereits die pure Existenz und das einfache Sein Glück für andere bedeuten können.

Immer, wenn ich mich mal wieder klein und depressiv fühle, denke ich an Gundel Lauffer und sage mir: Wer weiß, vielleicht gibt es da draußen irgendwo Leute, die mich mit einer schönen Erinnerung verbinden und sich freuen, wenn sie mich sehen. Allein dafür zu bleiben und das Leben zu leben, lohnt es sich schon.

Wer weiß, vielleicht bist auch Du irgendwo mal lustig gestolpert und irgendjemand hat darüber so gelacht, dass er nun jedes Mal glücklich ist, wenn er Dich sieht. Vielleicht warst Du irgendwann mal irgendwo an irgendeinem Ort, den irgendjemand mit irgendetwas verbindet und seitdem bist Du der Auslöser zur Erinnerung an diesen schönen Moment.

Gundel Lauffer war für Max Schautzer die große Liebe seines Lebens und Max Schautzer war für Gundel Lauffer die große Liebe ihres Lebens.

Ich war für sie nur irgendein Mann, der ab und an mit ihr im gleichen Theater saß und von dem sie nicht wusste, wie sehr er sich immer freute, sie zu sehen.

Beim nächsten Besuch im Theater am Dom werde ich ein Glas auf sie erheben und sagen: „Auf die Frau von dem Mann von der Frau von Max Schautzer. Ihr Name war Gundel Lauffer. Es war einfach wunderbar, dass sie da war. Ich vermisse sie.“

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Schlagstocksaskia

Saskia Lea Raquel Weishaupt ist Mitglied des Deutschen Bundestags für die Grünen und schrieb am 22. Dezember 2021 auf Twitter:

„Die Taktik von den Querdenker:innen ist es, sich Stück für Stück die Straße zu erkämpfen. Polizei muss handeln und im Zweifelsfall Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzen. Wir dürfen ihnen kein Millimeter überlassen!“

Wenn eine grüne Politikerin dazu aufruft, die Polizei möge demonstrierende Menschen mit Pfefferspray und Schlagstöcken niederknüppeln, darf davon ausgegangen werden, dass sie Teil der Regierung ist.

Am 12. September 2020 waren die Grünen noch in der Opposition. Damals twitterte die Grüne Jugend von einem „strukturellen Polizeiproblem“ und erklärte, „warum wir Pfefferspray und Hunde auf Demos generell verbieten wollen“.

Nicht wenige Nutzerinnen und Nutzer auf Twitter sind von der Wortwahl der Politikerin irritiert. Ali Utlu zum Beispiel schreibt: „Grüne wollen also mit Polizeigewalt und Schlagstöcken Bürger erziehen.“

Seinen Tweet beendet er mit dem Hashtag: #Schlagstocksaskia.

Seit dem 8. Dezember 2021 sind die Grünen in einer Koalition mit der SPD und der FDP Teil der deutschen Bundesregierung.

Politische Macht ist schon was wundersames. Es verändert Menschen auf erstaunliche Weise. Es kann in grünen Politikerinnen sogar die Liebe zu Schlagstöcken erwecken.

Ich bezeichne mich selbst als liberal. Mit einigen grünen und sozialdemokratischen Überzeugungen liege ich auf einer Wellenlänge. Wenn ich die momentane Regierung kritisiere, dann weniger, weil mir die Werte und Überzeugungen der Parteien nicht gefallen, sondern weil mir manche Mittel nicht behagen, die sie im Besitz der Macht anwenden, um ihre Werte und Überzeugungen durchzudrücken.

Was Menschen sagen, glauben und behaupten, ist eine Sache. Wichtig ist, was sie tun, wenn sie erst mal können. Ob eine Person wirklich friedlich ist, erkennt man erst, wenn sie eine Waffe hat.

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Die Nebenwirkung der Impf-Politik

Die momentane Impfpolitik ist eine Therapie, die eine nicht zu unterschätzende Nebenwirkung hat. Wir müssen uns damit auseinandersetzen.

Seit einiger Zeit ist die Gesellschaft in geimpfte und ungeimpfte Menschen gespalten. Diese Spaltung findet körperlich statt. In Gaststätten, Theatern, Clubs, Restaurants und in vielen anderen Lokalitäten und Geschäften können ungeimpfte und geimpfte Menschen nicht mehr aufeinander treffen. Nicht wenige Menschen führen diese Spaltung sogar in der eigenen Familie durch.

Wer kennt ihn nicht, Onkel Hartmut, mit dem man sich an Weihnachten gestritten hat, weil er eine Partei gewählt hat, die so gar nicht geht; oder Tante Rita, die auf homöopathische Mittel schwört und sich auf keinen Fall impfen lassen möchte; oder Lukas, der Sohn von Robert und Adelheid, der nun ihre Tochter ist und Larissa heißt und sich darüber beschwert, dass die Hochzeitseinladungen nicht genderneutral verfasst wurden; oder Emir aus dem Büro, der Erdoğan gewählt hat, obwohl er Homosexuell ist, also Emir, nicht Erdoğan; oder Nachbarin Frau Sugulle, die auf die Häuserwand „White silence = violence“ gesprüht hat oder Candace, die immer zum Stammtisch kommt und Donald Trump gut findet, obwohl sie eine PoC ist; oder Rüdiger, der Veganer ist und es Dich wissen lässt, während Du die Weihnachtsgans isst? 

Ob an Weihnachten, Pessach oder Thanksgiving, ob im Büro, in der Kneipe oder auf Familienfestlichkeiten, überall trafen wir auf Menschen, deren Meinungen wir nicht teilten. Manchmal gab es Streit und Türen wurden geknallt. Aber am Ende waren wir doch immer gütig und vertrugen uns wieder. Es waren ja unsere Onkel, Tanten, Nichten, Neffen, Arbeitskollegen, Nachbarinnen und Vereinsmitglieder*innen, Menschen, die wir persönlich trafen, in deren Augen wir gesehen hatten. All dies gibt es nicht mehr. Die Menschen, die unser Blut manchmal zum Kochen bringen, werden uns physisch fremd. Wir sind gespalten. Aus Abneigung wird Hass.

Wenn Du wissen möchtest, wie humanistisch jemand denkt, warte, bis er Angst um sein eigenes Leben hat und glaubt, einen Schuldigen gefunden zu haben.

Was in den sozialen Netzwerken abgeht, ist alles andere als sozial. Im Internet ist der Ton rau, die Umgangsformen sind miserabel und überall wimmelt es von heftigsten Beleidigungen. Das Internet ist so brutal, weil wir uns dort nicht ins Antlitz schauen. In der digitalen Welt sind alle Menschen gespalten. Online begegnen sich Menschen nicht als Wesen, die ihre gegenseitige Menschlichkeit spüren. Digital stehen wir uns nicht in unserer körperlichen Sterblichkeit atmend gegenüber. Wir spüren nur unseren eigenen Atem und fühlen nur unsere eigenen Gefühle und unsere eigenen Ängste. Der Andere jedoch ist im Netz ein körperloses Wesen und kann daher leicht entmenschlicht werden. Schnell wird in so einer Situation der Andere zum Unmenschen erklärt, zum Tyrannen, Extremisten, Volksschädling, Verfassungsfeind, Querdenker, Längsdenker, Nazi, Schlafschaf, Schwurbler, Faschist, Covidiot oder Sarsloch.

Im Netz beleidigen sich die Menschen, weil sie keine Angst haben, vom Gegenüber eins auf die Fresse zu bekommen. Im Netz fürchten wir uns nicht mehr. Wir hassen uns. Wir sind gespalten.

Ich habe bereits im März 2020 gedacht, als die ersten Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus ausgerufen wurden, ob es wirklich so eine gute Idee ist, uns voneinander zu distanzieren und noch mehr im Internet miteinander zu kommunizieren. Im Internet bilden sich nämlich Blasen und Echokammern. Menschen mit unterschiedlichen Meinungen, Ängsten und Erfahrungen schotten sich voneinander ab. Im Internet wird entfreundet.

Entfreunden ist das neue Türenknallen. 

All das war kein großes Problem, solange man einige der entfreundeten Menschen noch im wirklichen Leben traf und erkannte, dass man zwar in der virtuellen Welt keinen Kontakt zu ihnen wünscht, es aber auch keinen Grund gibt, sie im echten Leben zu hassen. Es sind ja schließlich Onkel Hartmut und Tante Rita und Weihnachten ist nur einmal im Jahr. Das war einmal.

Mit der aktuellen, staatlich erzwungenen Bekämpfung des Virus wurde ein wichtiges Korrektiv geschwächt: „Liebe Deinen Nächsten!“

Die körperliche Auseinandersetzung findet nicht mehr statt. Was unser geistiges Immunsystem stärkt, was und respektvoll sein lässt, nämlich der Umstand, mit Menschen, deren Meinungen und Haltungen wir nicht teilen, manchmal körperlich nahe sein zu müssen, findet nicht mehr statt.

Sogar Gewalt ist für manche erzürnte Distanzierte mittlerweile ein probates Mittel. Was im Netz für Gewaltphantasien kurieren, ist erschreckend. Alles nur, weil sich die jeweiligen Gegner nicht mehr als Menschen sehen, sondern als Feinde. Teilweise wirkt sich dieser Hass bereits auf die Strasse aus.

Der Klick im Internet wird zum Kick auf der Straße.

Gaststätten heissen nicht mehr Willkommen. Theater rufen nicht mehr: „Hereinspaziert!“ Unendlich viele Mauern wurden errichtet und überall stehen Menschen und wollen Papiere sehen. In der Distanz zum Nächsten als körperlichen Nächsten sind wir einander zu Grenzsoldaten geworden. Jeder verlangt Rechenschaft voneinander: „Sag mir, wo du stehst, sonst k(l)icke ich dich weg.“

Das ist eine Nebenwirkung der momentanen Therapie. Sie ist schwerwiegend. Wir dürfen sie nicht verharmlosen. Wir müssen darüber sprechen, gemeinsam, an einem Ort, den wir teilen.

(Bild: Antonio Ruiz Tamayo)

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Keine roten Linien mehr

Bundeskanzler Olaf Scholz hat erklärt: „Es darf keine roten Linien geben, das hat uns diese Pandemie nun wirklich gezeigt.“

Was soll das heißen?

Die größte rote Linie unseres Landes ist unsere Verfassung. Mit dem Grundgesetz erklären die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands, dass es gewisse rote Linien gibt, die keine Regierung jemals überschreiten darf. Egal, was auch immer passiert, einige rote Linien haben eine Ewigkeitsgarantie und dürfen von keiner Regierung unter keinen Umständen überschritten werden.

Das Grundgesetz ist eine rote Linie!

Mit seiner Aussage, es dürfe keine rote Linien geben, meint Olaf Scholz implizit auch die Grundrechte, das Grundgesetz und die verfassungsmäßige Ordnung. Es handelt sich somit um eine verfassungsfeindliche Aussage, getätigt vom Bundeskanzler Deutschlands, einem der mächtigsten Menschen des Landes. Im Grundgesetz steht im vierten Absatz des zwanzigsten Artikels:

„Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

Solange Olaf Scholz nicht erklärt, dass es für ihn doch noch eine rote Linie gibt, nämlich das Grundgesetz, wird Deutschland von einem Bundeskanzler regiert, der die Verfassung unter Umständen für obsolet erklärt. Olaf Scholz sagt weiterhin:

„Wir sind ein Land, in dem sich die allermeisten an Gesetze halten.“

Zu diesen Allermeisten gehört Olaf Scholz nach eigener Aussage nicht, schließlich gibt es für ihn keine rote Linien mehr. Es gibt allerdings rote Ampeln:

„Wir halten vor roten Ampeln an. Wir achten die Verkehrsregeln. Nicht weil uns überall gleich die Polizei kontrolliert. Sondern weil es zu unserer Natur gehört, dass wir uns an solche Regeln halten.“

Es gehört zu der Natur des Menschen, zu gehorchen? Ich dachte, es gibt keine rote Linien. Was gilt denn nun, Herr Bundeskanzler? Und überhaupt, man zeige mir den Menschen, der noch niemals über eine rote Ampel gegangen ist, weil er in der konkreten Situation, mit keinem Verkehr in der Nähe, sich und seiner Bewertung der Gefahr mehr vertraut, als der roten Ampel.

Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen. Der Mensch ist Mensch, weil er Regeln aufstellen und brechen kann, weil er gehorchen und Widerstand leisten kann.

Gehorsam ist nur ein anderes Wort für Zustimmung und Unterstützung.

Es ist immer Vorsicht geboten, wenn mächtige Menschen mit der vermeintlichen Natur des Menschen argumentieren. Es ist nämlich nicht die Natur des Menschen zu gehorchen. Es ist in der Vernunft des Menschen zu zweifeln. Der Mensch ist frei, weil er in die Verantwortung geworfen wurde. Der Mensch hat keine Ausreden. Er hat nur die eigene Selbstverantwortung. Das ist seine Freiheit. In dem Aufsatz „Was ist Aufklärung“ führt Immanuel Kant aus:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. „Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.

Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Dass der bei weitem größte Teil der Menschen den Schritt zur Mündigkeit, außer dem dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“

Im Jahr 1964, als Hannah Arendt über den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem berichtete, sprach sie mit dem Publizisten Joachim Fest über diese Philosophie bei Kant und kritisierte sehr scharf die „Dummheit, die so empörend war“ von Eichmann, sich ausgerechnet auf Kant zu berufen, um sich so von der persönlichen Verantwortung und Schuld an der Vernichtung von Millionen Juden zu entledigen. Eichmann hatte erklärt, er sei sein Leben lang den Moralvorschriften Kants gefolgt und habe vor allem den Kantischen Pflichtbegriff zu seiner Richtschnur gemacht. Hannah Arendt führt aus:

„Ja. Natürlich eine Unverschämtheit, nicht? Von Herrn Eichmann. Kants ganze Moral läuft doch darauf hinaus, dass jeder Mensch bei jeder Handlung sich selbst überlegen muss, ob die Maxime seines Handelns zum allgemeinen Gesetz werden kann. […] Es ist ja gerade sozusagen das extrem Umgekehrte des Gehorsams! Jeder ist Gesetzgeber. Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen bei Kant.“

Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen.

Bundeskanzler Olaf Scholz fällt nun weit hinter Hannah Arendt und Immanuel Kant zurück und erklärt, es gehöre zu der Natur des Menschen, sich an Regeln zu halten und somit zu gehorchen.

Nein, es gehört zu der Vernunft der Menschen, sich zu Regeln zu verhalten. Dazu gehört auch die Möglichkeit, Widerstand zu leisten. Genau dieser menschlichen Begabung zur Vernunft trägt Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetzes mit dem Recht auf Widerstand Rechnung. Es ist eine klare rote Linie.

Wer diese rote Linie negiert, negiert die Menschlichkeit.

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