Gerhard Schüer – Ein Nachruf

Gerhard Schüer (geb. 25. Juli 1931 in Dankern, gest. am 24. Dezember 2018 in Meppen)

Heute, am Heiligen Abend 2018 ist er von uns gegangen. Mein Opa.

Ich erinnere mich an all die kleinen Dinge:

– wie Opa Schlagzeug spielt.
– wie Opa Bratkartoffeln brät.
– wie Opa auf seinem Rasenmähertraktor fährt.
– wie Opa unserem Hund in der Küche Würstchen zusteckt.
– wie Opa Fahrrad fährt, um „Tuffeln“ zu holen.
– wie Opa die Holzhütte baut.
– wie Opa Sudoku löst.
– wie Opa den Weihnachtsbaum schmückt und die Krippe aufstellt.
– wie Opa sein Weihnachtsgeschenk auspackt.

Es war immer das gleiche Weihnachtsgeschenk.

Jedes Jahr am Heiligen Abend packte Opa unter dem Weihnachtsbaum eine Flasche Eau der Toilette von Tabac Original aus. Dieser Duft von Edelhölzern wird für immer mit meinem Opa verbunden sein.

Opa war ein edler Mann, obwohl, nein gerade weil er aus einfachen Verhältnissen kam. Die Ruhe, Sorgfalt und Liebe, mit der er Jahr um Jahr die Flasche Eau de Toilette unter dem Weihnachtsbaum auspackte, beeindruckte mich. Er wusste, was er bekam. Dennoch zelebrierte er das Ritual.

Von Opa habe ich gelernt, dass man Geschenke heiligt. Die Gabe zu schenken, ist eines der höchsten Fähigkeiten des Menschen. Im Moment des Schenkens zeigt sich der Mensch von seiner besten Seite. Opa wusste das und er ehrte diese Fähigkeiten des Menschen.

Später am Abend sangen wir dann immer gemeinsam Weihnachtslieder. Wir taten dies immer, unabhängig davon, ob uns das Jahr zuvor Leben geschenkt oder genommen hatte. Singend sagten wir Dank für uns und für das Leben, das wohl größte Geschenk.

Acht Kindern hat Opa das Leben geschenkt, zusammen mit meiner Oma, mit der er 66 Jahre verheiratet war. Es war Liebe, das andere große Geschenk. Ein Kind starb bereits im Kinderbett. Seine Name war Gerd, wie mein Opa. Heute trage ich den Namen und ich trage ihn in Ehren.

Sieben Kinder zog mein Opa mit meiner Oma groß. Darunter war auch meine Mama. Sie gab das Geschenk des Lebens und der Liebe an mich weiter und immer, wenn es mal etwas schwerer lief im Leben, dann konnten wir uns auf Opa verlassen.

Als ich Opa das erste Mal mit meiner Frau besuchte, die damals noch meine Freundin war, war ihm sofort klar, dass sie die Frau meines Lebens sein würde. Als sie am Küchentisch fragte, ob sie noch etwas von der Suppe haben könne, die er gekocht hatte, machte er mir unmissverständlich klar, dass ich schön blöd wäre, wenn ich diese Frau nicht ehren und gewinnen würde.

Opa wusste, was Geschenke sind und er ehrte sie, vor allem das Leben und die Liebe.

Heute ist Heilig Abend. Heute abend wird wieder eine Flasche Tabac Original unter dem Weihnachtsbaum stehen. Heute wird sie jedoch nicht ausgepackt.

Aber wir werden singen, auf das Leben, auf die Liebe und auf das göttliche Geschenk, das dieser Mann für mich und seine seine ganze Familie war.

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Ich bin ein Schmuddelkind!

Wenn etablierte Medien etwas berichten, das falsch ist, wenn öffentlich-rechtliche Sender ihre Sicht der Dinge senden, wenn hoch dotierte Journalisten Geschichten, Zahlen und Geschehnisse erfinden, kann ich noch so sehr mit Bildern, Fakten und Berichten vom Ort des Geschehens kommen, um zu zeigen, dass da etwas nicht stimmt, als Blogger bin ich stets das Schmuddelkind, dem nicht zu trauen ist; und das ist auch gut so. Kritische Geister vertrauen nicht einfach so. Sie trauen sich vielmehr, ihren eigenen Verstand zu nutzen. Kritik macht uns besser. Die Frage ist allerdings:

Wer misstraut den etablierten Medien und wie gehen diese Medien mit dem Misstrauen um?

Ich habe nicht so viel Geld wie die öffentlich-rechtlichen Journalisten. Mein Ton ist manchmal gossenhaft und ungewohnt, aber dafür zwinge ich niemanden mit der Waffengewalt des Staates mir Geld zu geben. Die Öffentlich-Rechtlichen schon!

Ich berichte mal über eine typische Situation, in die ich geriet, nachdem ich es gewagt hatte, dem WDR Fake News vorzuwerfen. Kurz nach der Demonstration „Nicht mit uns! Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror“ auf dem Kölner Heumarkt am 17. Juni 2017 schrieb ich unter dem Titel „Ohne Worte“:

„Heute fand in Köln die Demonstration der Muslime gegen islamischen Terror statt. Erwartet wurden 10.000 Menschen. Es kamen weniger als 1.000!“

Die Zahl hatte ich ermittelt, da ich selbst vor Ort gewesen war und gezählt hatte, was aufgrund der geringen Anzahl von Demonstranten problemlos möglich war und weil ich in Anwesenheit von Henryk M. Broder bei der Polizei nachgefragt hatte, die vor Ort allerdings noch eine kleinere Menge angab. In späteren und offiziellen Angaben sprach die Polizei dann von 1.000 Teilnehmern zu Spitzenzeiten. Die Tagesschau sprach jedoch von über 2.000 Menschen und der WDR sah sogar über 3.000 Menschen. Ich stellte daraufhin in meinem Artikel „Handwerkliche Mängel“ die Frage:

„Wer zählt da eigentlich bei der ARD? Darf ich ab sofort auch 7,50 Euro Rundfunkgebühren monatlich bezahlen und behaupten, es seien 17,50 Euro?“

Daraufhin erhielt ich einige Vorwürfe wie diese:

„Herr B., die AfD hat bestimmt noch einige Mitarbeiterposten für Sie frei – oder auch die Neonazi-Vereinigung „Identitäre Bewegung“ für Marktschreier wie Sie. Na, Interesse?“

„Polizeiangaben sind um 3.500. Du hättest auch ordentlich recherchieren können. Aber offenbar ist Dir Propaganda wichtiger.“

Die Polizei hatte eine solche Angabe nie gemacht. Die Veranstalter hatten lediglich behauptet, die Polizei hätte das gesagt. Als ich daher erwiderte, ich sei vor Ort gewesen und könne belegen, dass die Zahl falsch sei, kam die Antwort:

„Tja, ich wohne ein paar hundert Kilometer weg und muß mich auf offizielle Zahlen verlassen.“

Die offiziellen Zahlen kamen vom WDR und von der Tagesschau. Sie waren falsch, sorgten aber dafür, dass meine Aussagen als Lügen, Propaganda und Neonazigerede bezeichnet wurden.

Das passiert, wenn öffentlich-rechtliche Medien unsauber arbeiten, aber die Zahlung erzwingen mit der Behauptung, nur so könnten Sie objektiv sein und Fehler vermeiden. In diesem Fall waren sie es nicht. Sie machten einen Fehler. Ich aber musste mir die Beleidigungen gefallen lassen. Hier ein Video zu der Demonstration in Köln:

Als Schmuddelkind hat man es schwer, gegen die angeblich sauberen Männer und Frauen zu bestehen und ihren Schmutz zu kritisieren. Dabei sind diese Männer und Frauen gar nicht sauberer. Sie sind nur extremer parfümiert und zwar mit Düften, die finanziert wurden von allen Menschen, die eine Nase haben und aufgrund dieser Nase zu der Entrichtung von Gebühren gezwungen wurden, angeblich, damit es weniger stinkt.

Ich bin ein Schmuddelkind und als solches gelte ich als polemisch, undifferenziert und einseitig. Menschen tendieren dazu, jene als polemisch, undifferenziert und einseitig zu bezeichnen, deren Meinung sie nicht teilen. Ihnen werfen sie vor, die Themen zu verflachen. Es fällt Menschen leicht, mit jenen zu kommunizieren, die die Dinge ähnlich sehen. Diese halten sie für intelligent und sympathisch. Schwieriger wird es, wenn Menschen sich uneinig sind, dann heißt es gleich, man sei nicht objektiv.

Es gibt keine objektive Berichterstattung. Jede Nachricht ist zugleich auch Meinung.

Jede Nachricht ist allein schon deshalb Meinung, weil vorher entscheiden wurde, über dieses Ereignis zu berichten, während andere Ereignisse unter den Tisch gefallen sind. Nehmen wir nur mal die Tagesschau. Sie hat ganze fünfzehn Minuten, um die Nachrichten der Welt für ein deutsches Publikum zu präsentieren. Wer die Weltgeschehnisse mit Schwerpunkt auf Deutschland und Fussball auf fünfzehn Minuten zusammenstaucht, kann unter keinen Umständen objektiv sein. Die verschiedenen Tageszeitungen in Deutschland beweisen, wie unterschiedlich der Blick auf die Welt ausfallen kann. Objektivität ist bestenfalls die Summe aller subjektiv berichtenden Medien.

Es gibt keine Neutralität. Jedes Buch, jeder Verlag, jeder Blog, jeder Sender wird von Interessen geleitet. Auch die Tagesschau ist subjektiv! Sie wird von Menschen gemacht. Menschen haben Meinungen, Einstellungen und Interessen. Die eigene Subjektivität zu dementieren, ist verlogen. Objektivität ist ein Mythos.

Ich habe daher wenig Angst vor Leuten, die ihre Interessen offen artikulieren, sondern vor jenen, die behaupten objektiv, differenziert und neutral zu sein. Sie erinnern mich an Fundamentalisten, die behaupten, Gott verstanden zu haben. Sie begegnen allen anderen Menschen mit einer unsäglichen Überheblichkeit. Kritik ist für sie sofort Polemik und ein Witz eine unentschuldbare Beleidigung. Manchmal rufen sie zum Wohl des Volkes sogar zur Zensur. Dabei ist eine Institution, die Zensur üben darf, noch gefährlicher als ein Rassist, der menschenverachtende Parolen brüllt.

Eine Millionen Menschen, die ihre fehlerhaften Ansichten verbreiten, sind deutlich ungefährlicher als ein Mensch, der seine fehlerhaften Ansichten mit privilegierter Technologie herausbrüllt und eine Millionen Menschen hören schweigend zu. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind solche Schreihälse. Jedes Medium, sei es nun ein Blog oder eine Sendeanstalt, ist fehlerhaft. Warum bekommen daher einige Menschen in Deutschland Megaphone aus öffentlicher Hand gestellt?

Wer behauptet, objektiv zu sein, formuliert einen Machtanspruch. Nur Subjektivität ist Freiheit. Aufklärung bedeutet, sich seines eigenen Verstandes ohne Anleitung eines Dritten zu bedienen und sich mündig aus den Angeboten der Subjekte ein eigenes Bild zu machen. So wie einst der Buchdruck die Menschen aufforderte, nicht mehr blind der Kirche und dem Kaiser zu vertrauen, so müssen wir heute lernen, nicht mehr blind der Tagesschau, CNN, dem Spiegel und der Welt zu vertrauen.

In der Zeit vor dem Internet waren die Menschen nicht besser informiert. Es gab einfach nur viel mehr Menschen, die über die selbe Sache informiert waren. Was das Tagesthema war, entschied vor dreißig Jahren in Deutschland noch die ARD mit der Tagesschau und die BILD. Heute aber ist das anders. Das Internet hat dafür gesorgt, dass Millionen Menschen eine Informations-Unabhängigkeit erklärt haben. Das bedeutet natürlich auch, dass es unübersichtlicher geworden ist. Wer früher eine Meinung hatte und wollte, dass sie gehört wird, musste einen Brief schreiben und dann eine Hose anziehen, rausgehen, den Brief versenden und darauf hoffen, der Brief möge eine Plattform finden. Heute können wir in Unterhose im Bett an unserem iPad sitzen und unsere Gedanken in die Welt gießen. So wie ich es gerade mache.

Wir werden uns fremder werden, weil es kein großes Lagerfeuer am Samstag Abend mehr gibt, wo die ganze Nation nach der Tagesschau zusammenkommt, um zu erkennen, dass Gottschalk der große Einheitsspender ist, auf den sich alle irgendwie einigen können. Dafür aber wird unsere Welt bunter werden, individueller und abenteuerlicher. Ja, dabei wird auch gelogen. Das passiert halt in einer Demokratie.

In einem Königreich muss man einen König schmieren, um was zu erreichen, aber in der Demokratie muss man viele Bürgerinnen und Bürger überzeugen. Darum können Könige und Diktatoren auch atemberaubend schnell bauen, während in Demokratien Flughäfen, Philharmonien und Bahnhöfe ewig dauern. Jeder redet halt mit und keiner hat die Macht allein in seinen Händen, auch nicht, wenn er Recht hat!

Natürlich birgt das Internet auch Gefahren, aber auch der Buchdruck brachte Katastrophen mit sich. Die erste Hochphase der Zensur kam mit der Erfindung des Buchdrucks. Pessimisten sahen in dem Buchdruck nämlich damals das Ende der Welt nah und beklagten sich über einen Verlust des guten Anstands. Der Buchdruck, so raunten die Kritiker, würde das Gewöhnliche, Ordinäre und Schundhafte fördern und so war es auch. Mit dem Buchdruck erlebte die gossenhafte, polemische und pornografische Literatur einen Aufschwung, wie ein paar Jahrhunderte später durch das Internet.

Der Buchdruck machte zudem den Beruf des Kopisten überflüssig. Vor dem Buchdruck vervielfältigten Kopisten in Handarbeit Schriften. Sie waren überwiegend Mönche. Mit der Erfindung des Buchdrucks verlor die Kirche diesen großen Herrschaftsanspruch über die Verbreitung von Wissen. Die Kirche wehrte sich daher verständlicherweise und unkte, mit dem Buchdruck verschwimme die Grenze zwischen relevantem und unnützen Wissen.

So wie die kirchlichen Kopisten damals in dem Buchdruck das Ende des anständigen Wissens sahen, so gerieren sich heute die großen Medienkonzerne und die staatlich geförderte Fernsehsender bei dem Internet als die Bewahrer des sittlichen, guten, anständigen Journalismus‘. Oft haben sie dabei nichts als Verachtung übrig für die Schmuddelkinder vom Internet und malen Horrorbilder an die Wand, indem sie behaupten, mit den neuen Medien würde alles viel schlechter werden.

Dank des Internets prallen jetzt deutlich mehr Subjekte unkontrolliert aufeinander. Das können wir beklagen, aber es wird sich nicht ändern. Als der Mensch das Feuer für sich entdeckte, ging dadurch auch viel in Flammen auf und Schaden wurde angerichtet, aber dennoch emanzipierte das Feuer den Menschen und daher lernte er, mit der Gefahr umzugehen.

Martin Luther konnte Dank des Buchdrucks nicht nur seine Thesen der Reformation vervielfältigen, sondern auch seine judenfeindlichen Traktate. Genauso werden judenfeindliche Schriften heute massenhaft im Internet geteilt. Dank des Buchdrucks und des Internets bekamen nicht nur viel mehr Menschen Zugang zu Bildung, es konnten auch mehr Menschen ihre Meinung veröffentlichen und zwar unabhängig vom Inhalt. Der Buchdruck presste den Judenhass in den Mainstream, so wie heute das Internet.

Das Internet stellt uns vor ganz neue Herausforderungen. Die Erfindung ist jedoch da. Sie wird uns nicht mehr verlassen. Die Frage ist daher, wie gehen wir mir den neuen Gefahren um? Ein Verbot wird nichts bringen! Stattdessen sollten wir dem freien Markt der freien Gedanken vertrauen. Der stinkende Prophet auf der Orangenkiste in der dunklen Ecke des Marktplatzes entlarvt sich selbst. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man würde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie Bücher zu verbrennen. Die Gedanken sind frei!

Wir sind alle subjektiv und einseitig, allein schon deshalb, weil es immer die Anderen geben wird und keine Aussage ohne Gegenteil ist.

Ein WDR-Redakteur sagte einst, er sei stolz, dass die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ein so hohes Vertrauen genießen. Es sei froh, dass die Bürgerinnen und Bürger an die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten glaubten. Vertrauen und Glauben sind jedoch höchst religiöse Prinzipien. An Wissen und Information soll man jedoch nicht glauben. Der Motor der Wissenschaft ist nicht Glauben sondern Zweifel. Ein Medium, an das man glauben können soll und das auch noch vorgibt, das Gewandt der Objektivität zu tragen, obwohl es nackt ist, sollte uns alle beunruhigen.

Objektivität ist nicht etwas, das mit Zwang und staatlicher Gewalt geschaffen werden kann. Der Staat kann Objektivität nicht schaffen, sondern nur schützen, indem er als Hüter der Grundrechte aller auftritt. So schwer es auch fällt, der Staat muss das Recht auf freie Meinung verteidigen, auch wenn die Meinung nicht allen Bürgerinnen und Bürgern gefällt.

Es ist nicht klug, Medien blind zu vertrauen. Alle haben eine Agenda! Ich habe auch Interessen und ich verheimliche sie nicht. Jeder weiß, wo ich stehe. Ich bin ein Schmuddelkind.

Sollten Sie mich Schmuddelkind unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

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Weitere Lach- und Krach-Geschichten vom Spiegel

Da gerade alle über Claas Relotius sprechen, hier mal eine Nachricht, die zeigt, dass nicht nur Relotius Geschichten erzählen kann. Spiegel online haute im September 2016 ernsthaft diese Nachricht raus:

Ein 27-jähriger Palästinenser, der von Israel zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, hat sich im Gefängnis einen runtergeholt, sein Sperma in einer Stifthülle verstaut, diesen Stift dann in einen Schokoriegel gesteckt und den Riegel seinen fünfjähriger Sohn gegeben, als er ihn besuchte. Über den Sohn gelang der Stift in der Süßigkeit an seine Mutter, die damit in eine Klinik ging, um sich dort künstlich befruchten zu lassen und schwanger zu werden.

Sie finden diese Gesichte so lächerlich, dass keine vernünftige Zeitschrift sie drucken würde? Na, dann schauen Sie mal hier:

„Der Spiegel holt sich einen runter“

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Claas Relotius ist ein mutiger und werteorientierter Journalist

Georg Restle ist Leiter und Moderator des ARD-Politmagazins Monitor und ein Meister der Rhetorik. Man kann von ihm einiges lernen, zum Beispiel, dass man den Fall Claas Relotius auch positiv beschreiben kann.

Claas Relotius war fest angestellter Redakteur beim Spiegel. Mehrfach würde er schon ausgezeichnet. Er bekam unter anderem den Peter-Scholl-Latour-Preis, mehrfach den Reporterpreis, den Katholischen Medienpreises und den Konrad-Duden-Journalistenpreis. Er schrieb freiberuflich unter anderem für den Cicero, die FAZ, die NZZ am Sonntag, die Financial Times Deutschland, die taz, die Welt, das SZ-Magazin und die Weltwoche.

Am 19. Dezember 2018 gab der Spiegel bekannt, dass Claas Relotius „in großem Umfang eigene Geschichten manipuliert“ habe. Der Peter-Scholl-Latour-Preis wurde ihm im Zuge des Skandals aberkannt. Die anderen Preise hat er zurückgegeben.

Relotius’ Arbeiten reichen von der Erfindung von Figuren, Szenen und Zitaten bis hin zu komplett erfundenen Geschichten. Am 18. Februar 2017 erschien im Spiegel sein Artikel „Löwenjungen“, für den er lange Gespräche mit einem Jungen in einem kurdischen Hochsicherheitsgefängnis erfand. Für seinen Artikel „In einer kleinen Stadt“ erfand er im März 2017 ein Schild am Ortseingang der amerikanische Kleinstadt Fergus Falls, auf der gestanden haben soll: „Mexicans Keep Out“. Er erfand zudem die Geschichte, Schulkinder würden Donald Trump als Vorbild malen. In der Geschichte „Die letzte Zeugin“ erzählte er von einer Frau auf der Reise als Zeugin zu einer Hinrichtung.

Mit ein wenig Glück wird der Name Claas Relotius bald in einem Atemzug mit Karl May genannt. Die Titel „Löwenjungen“, „In einer kleinen Stadt“ und „Die letzte Zeugin“ klingen jedenfalls schon so wie grandiose Romantitel.

Wir könnten bei all den Geschichten nun von Lügen sprechen, aber Georg Restle hat mir gezeigt, dass man es auch besser formulieren kann. Ich schlage daher folgende Sprachregelung vor:

„Claas Relotius hat sich dem Neutralitätswahn im Journalismus verweigert. Er hat mutig aufgehört, nur abzubilden, was ist. Er hat stattdessen einen werteorientierten Journalismus gepflegt.“

Das ist eine Formulierung der Causa Relotius, mit der ich bei den öffentlich-rechtlichen Wertepflegern bestimmt sehr weit kommen würde. Diese Worte sind nämlich nur eine geringfügige Änderung einer Aussage, die Georg Restle so tatsächlich lange vor dem Bekanntwerden der Erfindungen durch Claas Relotius auf Twitter geschrieben hat.

Ist es verwunderlich, dass Claas Relotius gehandelt hat, wie er gehandelt hat?

In einer Gesellschaft, in der „werteorientierter Journalismus“ von öffentlich-rechtlicher Hand gefördert und gefordert wird, wo sogar Berichte über Judenhass verheimlicht und durch Mitarbeiter des WDR öffentlich diffamiert werden, wenn sie den eigenen Werten nicht entsprechen, (siehe: „Ein beispielloser Skandal“), können uns solche Phänomene wie Claas Relotius nicht verwundern. Er hat lediglich eine Nachfrage bedient.

Viele Journalistinnen und Journalisten stehen unter einem immensen Druck, korrekt orientierten Wertejournalismus zu produzieren, wenn sie im Haifischbecken jenseits des Neutralität überleben wollen. Dieser Druck hat seinen Preis und die Wahrheit stirbt bekanntlich zuerst.

In der Laudatio von Patricia Riekel, ehemalige Chefredakteurin der Bunte, für Claas Relotius anlässlich der Verleihung des Katholischen Medienpreises 2017 durch die Deutsche Bischofskonferenz am 16. Oktober 2017 in Bonn heißt es:

„Manchmal wird man ja gefragt, was man als Erstes tun würde, wenn man Deutschland für einen Tag regieren würde. Ich würde ein Gesetz erlassen, dass die Reportage „Königskinder“ zur Pflichtlektüre für alle Politiker wird. Vielleicht hat sich dann das in meinen Augen beschämende Gerangel um die Obergrenze erledigt.“

Darum geht es. Der Journalismus von heute soll Debatten erledigen, nicht fördern. Claas Relotius wilderte in diesem Umfeld und er ist gewiss nicht der einzige Jäger mit wildem Jägerlatein.

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Die Richtung stimmt

Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich laut WELT-Trend dagegen aus, dass Jerusalem von der Bundesregierung als Hauptstadt Israels anerkannt wird. Insgesamt 64 Prozent der Befragten sind dagegen.

Vor über achtzig Jahren war eine ähnliche Zahl der Deutschen dagegen, dass Juden überhaupt leben. Jetzt stören sie sich nur noch an ihrer Hauptstadt.

Die Richtung stimmt.

Treffen sich ein Jude, ein Christ und ein Moslem.

Christ: Ihr Juden habt Jesus umgebracht!

Jude: Nein, das waren die Muslime.

Moslem: So ein Blödsinn. Vor zweitausend Jahren gab es noch gar keine Muslime.

Christ: Da hat er recht!

Jude: Stimmt. Dann können wir ja jetzt über Jerusalem sprechen!

Jerusalem ist die Hauptstadt Israels und die wichtigste Stadt der Juden. Einer der drei heiligsten Feiertage des Judentums endet mit dem Gebet: „Nächstes Jahr in Jerusalem!“

Das Judentum kennt nur eine heilige Stätte. Es ist der Tempel, der auf dem Tempelberg stand. Dieser Tempelberg befindet sich in Jerusalem. Diese Stadt ist für Juden so heilig wie Mekka für Muslime und der Vatikan für Katholiken. Wer Juden Jerusalem abspricht, muss Muslimen Mekka und Katholiken den Vatikan absprechen.

Im jüdischen Tanach wird das Wort Jerusalem erstmals erwähnt. Die erste Sprache, in der die Stadt beschrieben wurde, ist somit Hebräisch, die Sprache der Juden und neben Arabisch die Nationalsprache Israels.

Jerusalem war die Hauptstadt des Königreichs Israel! Dieses Königreich hat vor dreitausend Jahren existiert. Jerusalem war in der langen Geschichte seiner Existenz lediglich die Hauptstadt von Juden.

Seit über 3000 Jahren leben Juden in Jerusalem. Der Jude Jesus hat hier gepredigt. Juden waren, werden und sind in dieser Stadt niemals illegale Siedler sein, ob nun im Norden, Süden, Westen oder im Osten der Stadt!

Wer Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennt, erkennt lediglich die Fakten an! Wer dies nicht tut, leugnet Fakten und wer Fakten leugnet, ist wahnsinnig. Der Wahnsinn hat Tradition.

Jerusalem war, ist und wird immer die Hauptstadt der Juden bleiben und solange sie die Hauptstadt Israels ist, werden dort Juden, Christen, Muslime und alle anderen Religionen frei ihre Traditionen ausüben können, so wie es die Gesetze Israels vorsehen, die allen Bürgerinnen und Bürgern des Landes die gleichen Rechte garantieren, egal, woran sie glauben, wen sie lieben, wie die aussehen oder was für ein Geschlecht sie haben. Das ist in der Region einzigartig. So einzigartig wie Israel!

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Stimmen zu Tapfer im Nirgendwo

Heute vor zehn Jahren, am 14. Dezember 2008, erschien der erste Artikel von mir auf Tapfer im Nirgendwo. Zum Jubiläum schreibt Vivian Kanner:

„Lieber Gerd, zum 10jährigen wünsche ich dir Mazel Tov und alles Gute weiterhin für deinen Blog. Tapfer im Nirgendwo bist du und sollst es auch weiterhin sein. Wenn es mehr Menschen wie Dich geben würde, wäre unsere Welt ein besserer Ort. Danke für deinen Spirit und deine Kraft. Alles Liebe, Vivian.“

Simon Akstinat von der Jüdischen Rundschau schreibt:

„Es ist nicht alltäglich, dass Printmedien Beiträge von Blogs übernehmen. Bei „Tapfer im Nirgendwo“ von Gerd Buurmann macht man als Zeitungsredakteur jedoch gerne eine Ausnahme. Die ersten fünf Male habe ich noch jedes Detail aus Gerd Buurmanns Artikeln misstrauisch geprüft – denn einige Inhalte hatte ich so noch nirgendwo sonst gelesen. Nach dem sechsten Mal gab ich mein Misstrauen schließlich auf, nachdem ich festgestellt hatte, dass die Artikel des Kölners Autor und Schauspielers auch in kleinsten Details stets faktensicher sind. Er erleichtert mir mit seinen brillanten Artikeln gerade zum Thema Israel und Judentum meine Arbeit und funktioniert fast wie eine kleine Nachrichtenagentur.

Vielen Dank für die tolle Arbeit, und auf die nächsten 10 Jahre Tapfer im Nirgendwo!“

Malca Goldstein-Wolf schreibt:

„Gerd Buurmann kämpft unerschrocken und mutig gegen Unrecht, er hält den Finger in die Wunde, setzt sich Anfeindungen aus und ist immer dann zur Stelle, wenn eine laute Stimme unerlässlich ist. Für uns Juden ist er ein treuer Freund und ein wahrer Glücksfall. Auf die nächsten zehn Jahre, wir lieben Dich!“

Elio Adler von der WerteInitiative schreibt:

„Als ich vor etwa acht Jahren den Blog „Tapfer im Nirgendwo“ entdeckte, konnte ich meinen Augen nicht trauen: Plötzlich gab es eine Website, die ein erfreuliches Gegengewicht zur oft so anti-israelischen Berichterstattung anderer Medien bietet. Die Statements sind erfüllt von pro-jüdiaschen, pro-israelischen und pro-zionistischen Haltungen und sind damit herzerwärmend. Danke, Gerd Buurmann, für Deine Arbeit und Energie!“

Aviel Tromm schreibt:

„Tapfer im Nirgendwo, Tapfer an der Seite des jüdischen Staates und Volkes. Gerd Buurmann zeigt mit Hilfe seines Blogs Missstände, doppelte Standards und Doppelzüngigkeiten auf. Egal ob Rechts, Links, Mitte oder islamischer motivierter Antisemitismus, Buurmann lässt nichts unkommentiert. Natürlich manchmal übermotiviert, doch in Zeiten in denen Antisemitismus normal geworden ist, ist seine Stimme verlässlich und wichtig. Ein wahrer Freund.“

Roger Letsch schreibt:

„Lieber Gerd,

seit zehn Jahren bewundere ich nun schon Deine Arbeit und noch mehr Deine Geduld, mit der Du Dich in Deinen Texten gegen Diskriminierung, Antisemitismus und jede andere Spielart des Rassismus einsetzt. Du bist unser Sisyphos, der unverdrossen immer wieder den Stein der Aufklärung den Berg hinauf rollt, auf dem immer noch dieselben brennenden Fragen stehen. Zum Beispiel die, wo denn geschrieben steht, dass Juden an bestimmten Orten dieser Welt nicht leben dürfen.

Deinen Einsatz in Wort und Bild für die legitimen Interessen Israels, das wir beide lieben, habe ich stets mit besonderer Freude gesehen. Was Du sagst und schreibst, hat stets Hand und Fuß und weil Du ja auch Schauspieler bist, wünsche ich Dir und Deinem Portal Tapfer im Nirgendwo für die nächsten zehn Jahre nicht nur alles Gute, sondern auch Hals und Beinbruch. Ich hoffe, wir treffen uns demnächst mal wieder, vielleicht auf einen Gin-Tonic in Berlin, wie im Oktober. Oder auf ein Goldstar. Nächstes Jahr, in der Hauptstadt Israels, in Jerusalem.“

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Sandra Kreisler über Gerd Buurmann

Heute vor zehn Jahren, am 14. Dezember 2008, erschien der erste Artikel von mir auf Tapfer im Nirgendwo. Zum Jubiläum schreibt Sandra Kreisler:

„Gerd Buurmann und ich sind nicht immer einer Meinung. Bei weitem nicht. Wir sind fast immer einer Meinung, wenn es um Israel geht. Aber sonst – seltener.

Aber genau das ist so ungemein schätzenswert! Dass da jemand ist, der eine starke, fundierte Meinung hat, und sie auch äussert. Nur so macht man sich Gedanken, nur so wird man aufmerksam. Nur so schärft man seine eigene Meinung – oder ändert sie, wenn die Argumente des Anderen schlüssig sind.

Gerd Buurmann ist für mich unverzichtbar. Er ist ein Licht am Ende des Tunnels, wenn der Antisemitismus (vor allem im Gewande der Israelkritik) steigt, er gibt mir die Hoffnung, dass ich nicht allein stehe, und damit die Kraft, um weiter zu kämpfen. Er ist ein intellektueller Sparringpartner, wenn er – in meinen Augen – etwas zu sehr die freie Marktwirtschaft auf Kosten der Armen verteidigt, gegen Urheberrechte auf Kosten der Urheber streitet und so fort. Er ist wichtig und richtig und spannend und klug, nie mit billigen Effekten, nie mit wohlfeilen Argumenten – sondern authentisch, engagiert, wahrhaftig, humorvoll und intelligent. UND zu alledem ist er auch noch ein hinreissender Künstler, überzeugender Schauspieler und engagierter Streiter für Kunst und Kultur.

Ich bin dankbar, dass ich Dich, Gerd, kennenlernen durfte. Du bereicherst mein Leben in so vielen Weisen – und ich hoffe, dass ich Deinen Blog noch viele Jahre lesen darf. Ich danke Dir.“

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Markus Vahlefeld über Tapfer im Nirgendwo

Heute vor zehn Jahren, am 14. Dezember 2008, erschien der erste Artikel von mir auf Tapfer im Nirgendwo. Zum Jubiläum schreibt Markus Vahlefeld:

„Tapfer im Nirgendwo – das klingt nach der kalten Gemütlichkeit, die es nur zwischen allen Stühlen gibt. Dass Gerd Buurmann (mit gesprochenem ü, wie er mich bei unserem letzten Treffen korrigierte), also dass Gerd Buurmann sich mit Verve zwischen alle Stühle setzt, ist zum einen Gerds unerschrockener Divenhaftigkeit geschuldet, die diesen Platz instinktsicher anzusteuern weiß. Es ist aber auch den Stühlen geschuldet, die immer enger zusammenrücken und immer weniger Raum für das Eigene lassen. Diesen Raum nimmt sich Gerd, rückt die Stühle neu, denkt fröhlich drauf los, schreibt es auf, trifft oft den Punkt, und manchmal so gar nicht.

Aber so ist das mit dem denkenden Hans im Glück: sein Weg wird schon der richtige sein, denn einen anderen gibt es gar nicht. Und genau deswegen ist Tapfer im Nirgendwo so wohltuend anders und auch so wichtig im Kanon der veröffentlichten Meinungen. Da versucht einer erst gar nicht, alles zu berücksichtigen und in lahmer Äquidistanz „jeden“ mitzunehmen. Stattdessen bekennt sich der Autor zu seiner radikalen Subjektivität, die nur einer Logik folgt: dem selbständigen Denken. Was dabei herauskommt, ist das Faszinosum, dass da einer allen anderen Meinungen gegenüber vollständig offen ist, ohne seinen eigenen Kompass auch nur ansatzweise zu verlieren. Das ist – neben Gerds Kampf für einen gerechten Umgang mit Israel – heute wichtiger denn je.

Seit 10 Jahren einen Blog zu betreiben, das ist ungefähr so, wie seit 50 Jahren eine Zeitschrift herauszubringen: eine Ewigkeit. Glückwunsch dafür und für die vielen lustigen, traurigen und kämpferischen Beiträge! Und auf die nächsten 50 Jahre!“

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10 Jahre Tapfer im Nirgendwo

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Facebook, Twitter und Co dürfen nicht nach Lust und Laune löschen und sperren!

Es gibt Menschen, die behaupten, soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter hätten ein virtuelles Hausrecht, das es den Unternehmen erlaube, nach Lust und Laune Beiträge zu löschen und Nutzer zu sperren. Das ist jedoch nicht die Rechtslage, wie das Landgericht Köln bereits im Jahr 2018 bestätigte.

Mit dem Unterzeichnen der allgemeinen Geschäftsbedingungen gehen ein soziales Netzwerk und der Nutzer einen Vertrag miteinander ein, der darin besteht, dass der Nutzer eine Plattform zur Veröffentlichung seiner Texte gestellt bekommt und die Plattform als Gegenleistung Daten von dem Nutzer erhält, die das Unternehmen dann vermarkten kann. Wenn die Plattform einen Nutzer grundlos sperrt, begeht das Unternehmen damit einen Vertragsbruch, denn es gilt: „Pacta sunt servanda“.

Verträge sind einzuhalten!

Dieses Prinzip der Vertragstreue ist der wichtigste Grundsatz des öffentlichen und privaten Vertragsrechts. Im deutschen Zivilrecht findet sich dieser allgemeine Grundsatz der Verpflichtung zur Erfüllung von Schuldverhältnissen in §241 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Im November 2018 wurde Tapfer im Nirgendwo-Autorin Malca Goldstein-Wolf für die Veröffentlichung eines Witzes für dreißig Tage von Facebook gesperrt und der Witz gelöscht. Sie bevollmächtige umgehend Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel, der bei dem Landgericht Köln einen Beschluss in einem einstweiligen Verfügungsverfahren erwirkte, der es Facebook untersagte, den Witz zu löschen und Malca Goldstein-Wolf wegen dieses Witzes zu sperren. Bei Zuwiderhandlung drohten Facebook eine viertel Millionen Euro Ordnungsgeld. In der Begründung der 32. Zivilkammer im Kölner Landgericht heißt es (Aktenzeichen: 32 O 323/18):

„Bei dem Vertrag der Parteien handelt es sich um einen als Dauerschuldverhältnis geregelten Austauschvertrag. Die Antragsgegnerin stellt dem jeweiligen Nutzer ihrer IT-Infrastruktur zur Verfügung. Im Gegenzug willigt der Nutzer in die Speicherung und Verwendung der Daten durch die Antragsgegnerin ein, die diese Daten u.a. für Werbezwecke vermarktet. Durch den von der Antragstellerin glaubhaft gemachten Vertrag hat sich die Antragsgegnerin zur Bereitstellung ihre Dienste verpflichtet. Hierzu gehört die Möglichkeit, Beiträge und Inhalte zu posten. Diese vertraglich eingeräumten Möglichkeit hat die Antragsgegnerin der Antragstellerin durch Löschung des Beitrags der Antragstellerin und die 30-tägige Sperre genommen. Die Antragsgegnerin somit hat gegen die Verpflichtung, der Antragstellerin ihre Infrastruktur als Plattform zur Verfügung zu stellen, verstoßen.“

Facebook hat eine Vertrag mit der Nutzerin und diesen Vertrag muss Facebook einhalten.

Wenn nicht gegen die Gemeinschaftsstandards oder gegen das deutsche Gesetz verstoßen wird, darf Facebook nicht einfach so Beiträge von Vertragspartnern löschen und die Vertragspartner sperren. Da das Landgericht Köln bei Malca Goldstein-Wolfs Witz keinen solchen Verstoß feststellen konnte, war die Löschung des Witzes und die Sperrung der Nutzerin nicht erlaubt.

Malca Goldstein-Wolfs Facebook-Seite musste somit wieder freigeschaltet und der Witz wieder veröffentlicht werden.

***

Dieser Beschluss wurde möglich durch die unermüdliche Arbeit des Rechtsanwalts Joachim Steinhöfel, der auch mich bereits mehrmals juristisch beraten, unterstützt und vertreten hat. Tapfer im Nirgendwo und ich haben ihm viel zu verdanken.

Joachim Steinhöfel handelt aus der tiefen Überzeugung heraus, dass es sich lohnt, für die Meinungsfreiheit und das Recht auf freie Entfaltung der Person zu kämpfen. Nicht selten hilft er Menschen, die finanziell nicht in der Lage sind, sich eine so gute Vertretung vor Gericht zu leisten.

Auch dieser Fall wurde nur möglich, weil die mit der Seite „Meinungsfreiheit im Netz“ gesammelten Beiträge seine anwaltliche Tätigkeit möglich gemacht haben. Ich selber habe auch schon gespendet. Jeder von uns könnte der Nächste sein, der auf diese Unterstützung angewiesen ist, um Facebook nicht wehrlos gegenüber zu stehen. Die Nutzerinnen und Nutzer verbünden sich für „Meinungsfreiheit im Netz“. Eine gute Sache!

https://meinungsfreiheit.steinhoefel.de/spenden/

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